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M. W

Drittes Blatt

m. Jahrgang

Erscheint lötzltch mit Ausoahioe der Sonntags.

r-'k«ieftener HimMeiidlätter" werden dem .Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, dar KtttsMBtt für den Kreis riefte," zweimal wöchentlich. Dieland-irtichaftliche, zeit.

fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhesfen

Mittag. 29. Juni

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitätr - Buch- und Steinüruckerei. R. Lange, Kietzen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- Kratze 7. Expedition und Verlag: e j g s iöl. Redaktion: 112. Tel.-Adr.: Anzeig er lKietzen.

Die Düppel-Zeier.

Sonderburg, 27. Juni. Die Stabt ist aus Anlaß der Düppel-Feier großartig geschmückt, besonders in den Feststraßen, die sich durch die ganze Stadt bis nach dem Düppel.Denkmal hinziehen. UeberaN sieht mau Fahnen und Girlanden Eine sestlichqsstimmtc Volksmenge erwartete die Ankunst bei .KriegsschisfeStettin",Augs- bürg" und t n t dg a r t", welche die Beterancn von Kiel hierher brachten. Die Schisse kamen zwischen 10 und 12 Uhr hier an Tie Beteranen wurden durch, eine Anzalft non schillern der Oberrealschulc und der Fugendwehr in ihre Quartiere geleitet. Für die Offiziere sand im kzotel holsteinischer hos" eine gemeinsame Mittagstafel statt, wahrend der Festausschuß die Beterancn in dem aus dem Schl oßpl atz errichteten Festzelt bewirten ließ. Anwesend sind etwa 1.7 00 Veteranen, darunter ettoa fünfzig, Cfrisiere: unter diesen bemerkte man die Feldmarschüllc Gras v. häseler und Freiherr v. d. Goltz sowie den General n Podbielski.Sämtliche Truppenabteilungen, die im Fahre >864 an dem Siege beteiligt waren, hatten zu der Feier Ab- ordnu .grn von Ostizieren und Mannschaften entsandt.

Die Düppel.EebächtniSaurfteftung.

wurde heute nachmittag durch den Protektor Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein feierlich erössnet. An der Erössnung nahmen teil die Herzogin von Schleswig-Hol­stein. Prinz Philipp von Sachsen-Loburg-Gotha sowie die Spitzen der Militär. Marine. Staats- und Komniniml- behörder. von de» Kriegsteilnehmern u. a. Feldmarschall Gras v häseler. die Generale v. Podbielski und v. Eglofs« stein und eine Anzahl iveitercr Betcranen aus dem Fet^uge von 1861. Von ionstigei, Ehrengästen loarcn erschienen: Generglseldmarschall Freiherr v. d. Goltz, Admiral v. Thom­son und hosmarschall v. Gvnz-Rekowski An den Erossnungs- akt schloß sich eii,e Fahrt nach den Schlachtfeldern und deit Erinnerungsstätten bei Düppel und auf der Halb­insel Brvacker an.

35 . Airchengesangssest im Srohherzogtum Hetzen.

eE Butzbach, 28 Juni, Unter Leitung des l. Vor- sitzcirden des Landcsvereins comiiplischer Kirchengesanq vereine, Herrn Prälat l>. Dr. Fl ör i n g - Tcrrmstadt," ivurde heute das 37 Ki r ch e n g e s <ingS s c st hier abgehaltcn. Es halten sich u. a. die Ktrrhengesangvercine aus Gießen, Friedberg, Ach, Blttzdach, Södel, Großen Linden. Leih­gestern. Holzheim eingesunden. Um ll Uhr war unter Lei­tung des Kirchen Musikmeisters Professor A. Mrndelssohn- Darmstadt hauptvrobc der vereinigten Vereine, die dann ,m Festgvttesdienst ihre Massenchore vortrugen. Die Fest- :-r-s>cgt hielt l>er Direktor des Predigersemrnars zu Fried- berg, Prosesior v. Dr. Schöll. Auch ein Kinderchor wirkte mit Zwischen den eiiü^elnen Gesängen wurden ge­eignete Schriftlektionen eingcfügt, auch die früher viel üb­lichen Weciü" "äuge kamen zur Anwendung Als Organist wirkte Lehrer Bangert mit, die Liturgie las Pfarrer Loos. Die ikachversammlirng begann um 3</ 2 Uhr in der Festhalle am Marktplatz. Hierbei wirkte in hervorragender Weise der Posannenchor aus Fechenheim a. M durch Konzertstücke mit. Der Butzbacher Verein sang den Begrüßungschor Pre u>id Anbetung". Pfarrer Loos sprach herzliche Bc- xrutz ingsu oric im Auftrag des Kirchcnchors und der Gc- nr.'ituv Butzbach. Die Festrede hatte Prälat v. Dr.

F'.vring Tarmstadt übernommen. Er begrüßte be-

sonde-' die Ehrengäste: Superintendenten von Ober­

hessen Tr. Petersen, Professor .Kunkel, Rektor der »iiiv-rsität Gießen, Professor Tr. Schöll, Direktor des Pre- digcrien'inars Friedberg nnb den Vertreter des Badischen Landesverbands, Oberlehrer Schnmacher-.Karlsriihc. Hessen zähle 2l l .Kirchengesangvereine, davon Starkeiiburg etwa

>00, Rheinhesscn etwa 65, Oberhessen nur etwa 70. Im Interesse der evangelischen Kirche seien wettere Gründungen notwendig, jede Gemeinde sollte einen .Kirchenchor oder doch wenigstens einen Schillerchor haben. Superintendent Geh. Konsistorialrat v. Petersen spricht über die Notwendigkeit und Ersprießlichkeit der Kirchengesanqvereine. Er dankt be­sonders dem Musikmeister des Landesverbandes, Professor A. M e n d c I ss oHn-Darmstadt Dieser leitet den Dank ab auf die Dirigenten der einzelnen Vereine und bringt aus sie ein hoch aus. Pfarrer Becker- Fürth sprach zum cochluß über die Eindrücke des heutigen Festes. Einzclchörc wechselten mit gemeinsamen Aedern und Vorträgen des Po- saunenchors Fechenheim ab. DasNiederländische Dank­gebei" bildete den Abschluß des Festes.

Au» Stadt und Land.

Gießen, 29. Juni 1911.

^Empfangen wurden vom Großherzog am 27. Juni u. a.: der Finanzamtmann Franz von Friedderg, Medi­zinalrat Dr. B c st von Schotten, hosbuchhändler Eb er l i n g und Bezirkssparkasserechner Dttrck von Büdingen.

** R n h c st a n dsv e r se tz u n g. Der Großherzog hat den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadi I Ämts- gerichtsrai Eugen Gerlach aus sein Nachsuchen unter An­erkennung seiner treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und das Ritterkreuz 1. Klasse des Derdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.

** Eisenbahnwesen. Der Großherzog Hai dem Bahnhofsvorsteher Heinrich Herwig zu Wetzlar, den Eisen bahnassistenien Peter Kuhn zu Hernau-Ost. Wilhelm Berk zu Heldenbergen-Windecken, Wilhelm Luh zu Franksurt a. M. und Heinrich Jäger zu Ossenback) a. M den Bahn meistern Heinrich Sauerwein zu Herborn. Georg Mark zu Fricdrichsdors und Adolf N u m r i ch zu Fwiedberg, sämt­lich in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft, die unkündbare Anstellung verliehen. Am 29. Müi d. I. wurde den Lokomotivführern Karl G c r b i g zu Siockheim, Heinrich Stingel zu Frankfurt a. M, August hain z jpr Schotten, Johann B^ m l e r zu Aschaffenburg, Peter K c. - T zu Hanau, Konrad Stürz zu Bebra, Jakob Eichbladtzn Frankfurt a. M Hermann En gelter zu Franksirrt a. M. und Adolf Braun zu Gießen, sowie dem Zugführer Hein­rich Aktenburg zu Friedberg, sämtlich in der Hessisch Preußischen Eisenbahirgemettrschast, die unkündbare Anstel­lung verliehen.

** Gewcrbeausstellunq Gießen 1914. Der heutige Sonntag hatte sehr viel fremden Besuch nach Gießen gebracht. So besuchten u. a. die Gewerbe vereine von Darmstadi und Bad-Orb, die Lehrer an den hessi­schen Gewerbeschulen, der Bezirksverein der Forst- und Landwirte Hessen-Nassaus, Sitz Frankfurt a. M., sowie der Klub Fidelitas aus Lauiestbach unsere .Ausstellung. Bald herrschte in allen Räumen ein munteres Leben und mit Ernst und Fleiß suchte man den Wert unserer heimat­lichen Arbeit zu ergründen. Der Geschäftsfiihrende Aus­schuß nahm an dem gemeinsamen Mittagessen des Darm­städter Vereins teil. Der Vorsitzende der Ausstellung be­grüßte die Damen und Herren und trank auf die Be- ziehungcii zwischen den Gewerbcoercinen Tarnlstadt und Gießen. Weißbindermeistcr KrauS-Darmstadt danklc im Na­men der Gäste. Sein Trinkspruch galt der Ausstcllungs- lettung und dem Ortsgewerbevercin Gießen. Stadtverord­neter L. Petri II. trank auf die Damen. Die Abteilung Alt-Handwerk hat dadurch eine wesentliche Ausgestaltung erfahren, daß ein Nagelschmied und ein Kunsttöpfer ihre Tätigkeit begonnen haben.

* Sei dem Ja hreSfes! der Landesuniversität am kommenden Mittwoch ist, ivie uns mitgeieilt ivird, der Zugang zur neuen Aula für die Festteilnehmer ausschließlich

von dem Haupteingang des KollegicngebäudcS in der Ludwig» straßc aus vorgesehen. Der Eingang von her Goethestraße aus bleibt für die studentischen Fahnenträger und die Mit­glieder des Akademischen Gesangvereins Vorbehalten. Da die »enc Aula für einen größeren Kreis Platz gewährt, sind bei der Feier, die um ll 1 /, Uhr pünktlich beginnt, außer den geladenen Gästen auch andere Freunde der Universität will­kommen: einer besonderen Eintrittskarte bedarf es nicht.

" Die scierliche Einiveihung der Waldeckcr Talsperre in Gegenwatt des Kaisers ist nunmehr bestimmt auf den 25. August festgesetzt worden.

** Schiffs! x ft c für billige Briefe nach den Ber­einigten Staaten von Amerika (10 Big. für je 20 k . Die Porwermäßigung erstreckt sich nur mit die Briefe, nicht auch aus Postkarleu, Drucksachen usw. und gilt nur sür Briese »ach den Bereinigten Staaten von Amerika, nicht auch nach anderen Ge­bieten Amerikas, z. B. Eanada.Eleveland" -nur nach Boston, ad Hamburg 3. Juli,Berlin" ab Bremen 4. Juli.Kaiser ibühclm der Große" ab Bremen 8. Juli. ..Großer Kurfürst" !Nvch unbe­stimmt Bremen ab 11. Juli,Amerika" ab Hamburg 1b. Juli, Kronprinz Wilbelni" ab Bremen 21. Juli.Vaterland" ab Ham­burg 22. Juli.George Washington" ab Bremen 25. Juli,Krvn- prmiessin Gecihe" ab Bremen 28. Jult.Imperator" ab Ham­burg 31. Juli,Känigüi Luise" ab Bremen 1. Aug-uft. Postschluß nach Ankunst der Frühzüge. Me diese Schiöe. außerCleoelaird", sind Schnelldanwser oder solche, die für enie bestimmte Zeit vor dem Abgänge die tchmklstr Beförde- rimgsgclegenheit bieten. Es enipstchlt sich, die Bttese mit einem Ltttvermerke wiedirekter Weg" oderüber Bremen oder Ham­burg" zu berjeheu

Gesan g erfreut des M c » t chen Herz". In einem Dorse unserer Nachbattchast hcrn'cht im GesangbereniEonkordia", was so viel wie EiMracht bedeutend, grimmige Zwretrachi, weil der Trngem van seinem Posten zurückgeircten ist Auf einem Fakmen- weidfeft zeigte der Verein keine Lust zum rrcngen und auch der Dirigent tchltc. Es ist jetzt die Rede von einer Soreimg-uiig um einem andern Gesangverttn, aber die iünenwen Mügtreder, beider Vereine, loerden keine Einigung zustaude kommen lasten. Die mttften Mitglieder der Gesangvereine sind aber auch zugleich Mit­glieder des Turnvereins. Weil nun die jüngeren Mitglieder des ^Turnvercms die Einigung der Gesangvereine hindern, so sind 'ünn erlüge ältere AHtglreder aus dem Turnverein ausgeschikden. Ä»e garr,e Zwistigkttt ioird toohl aut ritte» Gesangsweltstrcit in Nr Nachbarschaft zurückzuführcn (rin, wo der andere Gesailg- vcrrin einen ersten, und Ehrenpreis errang.

Kreis Friedderg.

r. Reichelsheim, 27. Juni. Heute morgen wurde der fast 70jähttge Invalide JohS. N i c S verhaftet und ins Amtsgerichtsgefängnis Fttedbcrg abgeführt. Der Verhastttc wird beschuldigt, sich an Mädchen im Mter von vier bis zehn Jahren vergangen zu haben. Wegen des gicichenZVcr- brechcnS hat Nies schon eine vicrjähnge Zuchthausstrafe verbüßt.

Hessen-Nassau.

-st Fulda, 26 Juni. Der Rcichstag-sabgeordriete für den Wahlkreis Jülda Richard Müller«Fnlda hat der hiesigen Stadt Grundstücke in Größe von 9273 Quadrat­metern geschenkt. Die Grundstücke rcpräsentteren einen Wert von 77 (Bit Mk.; sie sollen als Baugelände für ein zu er­bauendes ftirbt. Waisenhaus Verwendung finden. Ferner hat der kürzlich in Berlin verstorbene Geh. Justizrat Dr. Adolf Braun, ein geborener Fuldacr, seiner Vaterstadt ein Legat von 5000 Mk. für die evangelisckien Armen der Stadt vermacht.

vie Einweihung der Gietzener ZreiNchtbühne.

Gießen, 29. Juni.

Als sich vor wenigen Wochen einige künstlerisch regsame Herren aus Anregung des heern Pros. Dr. B c r n b e d an die Stadtverordnetenversammlung wandten und sic um herrichtimg eines entsprechenden Platzes zur Anlage einer Freilichtbühne baten, da dachte wohl keiner daran, daß etloas außergewülmlichcs

Die 100. Auflage des ..Allgemeinen Deutschen Aommersbuches".

Itr. tz. ll. - Im altgewohnte», liebvettrauten Einbond, in den bier Ecken eie bierehrlich iunkelnden Nagel aus Messing, um dich :vn der schonungslosen Flut des .Kneiptisches zu retten, m deinem Herzen in Galdiettern die ir.'bverheißenden Worte ringeprägt: ^Gaudeamus igitur. juveuus dun, >mmis", Worte, in denen Pas ganze Glück und die Tragik der Jugend rulten Glück, daf auch wir iic erleben dursten diese herrliche, überschaumendei Jugend, diesStudent sein, wen» die Veilchen blühen, ei» roter chstund verlockend lacht", uud Tragik, daß sie so rasch, kaum geahnt und ungenützt auch schon geflohen so fanrft du heute, du liebes Buch der Lieder, unermanet, wie ein alttrauter Freund, in mein Studierzimmer und ließest mich mnnlten ernster Tagesarbeü zurückversiiiksn in ein Land des stürmisch dahinbrausenden Jugend- srohslinis lind bimmelstürmender Träume. Und aus deni blauen Nebel fgutttenbaiter Bilder, die sich vor mir formten, stiegen Ge­stalten alt und wundersam empor und da lagst du wieder vor mir, goldenes Land der Vergangenleit.

Wo war es nur, daß ich düst, du liebes Buch, zum ersten! Male erblickte? Ick sehe icki sie wieder vor mir die tabakdurch- aualtnie Pennälmkncive voll trvhei tugendlicher Gestalten: iargen- ste, strenger' Magisterpedmiterie und lakeiniichen Vokabeln ent­ronnen, iliigen sie begeistert aus deinem Liedertchau. Lang, lang ist'» her. daß ick, dich da aus mühsam eripartem Taschengeld erstand und wrgsam Svrucki und Wappen desBundes" in bunten Farben in deine Blätter malte. Tas war zur seligen Primanerzril imd dann zogll du mit mir hinaus in die Ferne, als das öoer, des jungen Fuchsen sehnsuchtsbang den Wundern der tach-mden. lockenden Welt entgegenschlug, zur alten Mnsen- stadt am Neckarsttand. wo ephenumrankt die zettallene Burgruine wetterhart :md altersgrau aul engverschtungene Gassen hernieder- ichaui. aus denen Hunte Müden hellschimmernd zum Jetlenbübl emnargrüf-u und ein Sana von Jugend und Glück ,m Lenzes- dus, über dem ganzen Tale schwebt. Da zogst du mit mir zu ieohen Knuptohtten an stivmumrausehleu Schenken im Neckartal. Wie lang und jauchzte der funge ?Nund der Brüder uud schöpfte immer wieder neuen Liedervorrat aus deinem uncrschovsteckten Liederborn du to-rrliebes Kommersbuch. Was aus der innigen Seele urih're- Volles heraus tick, gum Liede formte, wenn die Jugeich si k- ,m Maienionnenscheiu unter blühender Linde ,»m Reigen sch' " mos oft rauh: Burschen ttt hohen ShilwHetetn und Flau- Kammer,irren ans Deutschlands hochtchulen

in längst > Len in die Lüfte gejauchzt, was sväter

rin Otto 1 Viktor von Scheffel der Irgend aus

hem he»z - Llftcher, M Md Qön lipb nM

tausend andern in perlende Töne gesetzt, das steht in deinen Blättern cm Schatz so reich UN» köstlich, wie ihn nur unser' deutsches Volk besitzt. Uiib das keiltest du uns mit, wenn wir in laulinder Maiennacht unter schwerdustendem Flieder und süfberauschender Akazienblüle vl>e>l am Berge saßen, zu unserii Füßen, tief, glühlichtermeerumhaucht die alte Stadt in tiefen, Schlafe: dann lagst du oste» vor uns neben deni funkelnden Römer Rbeinwems und leise träumerisch erllang die Laute zum Lob und Preis der Jugend und der alma Maler. Und einst in soimnerrciser Juninacht da sang ein kirschrolblühender Mädcheimrund aus dir, goldüberhaucht im Lichtrefler der roten Ampel das Mandhaar u>ch wie iauchzte so jugendselig der Mund im Ehor der Sangesbttider das Lied vom Knaben, der vergeblich in die Well zog, das Glück zu erjagen, und wie glückverheißend erklang der Schluß imd da küßten sicki beid' zur Sommerzeit, ivenn am Walde, am Walde die Heckenrosen blüh».

Und so liegst du heute vor mir, nachdem Rosen und Glück von damals vermehrt, als ein Festeskind. Au! deinem Titelblatt jchltcht und enifach ein Kränzchen mit der Jubelzahl 100, in deinem Innern aber ein neuer großer schätz von köstticheii Liedern und Preiskvmpviitioneil wie das herrlicheWilhrasenlied",die Ausfahrt" üstv., 'daneben wieder prächtige Lieder, wie die lllk- merscheWalpurgisnacht in Heidelberg", der schöne Sang aut die rebemm,kränzte Kiliansselte Würzburg, nebst all den vielen Liedern von Jugendsang und Lenzesminne, die neu entstanden sind, voran das köstliche Lied:Burscheniahrzeit". Auch manches alte Lied vergangener Zeiten, das sich wieder neu in die Herzen der Jugend eingeiungen, wurde in die Jubelansgabe mttaufgeiwnimen, und so kannst du mit RechtDas Buch der Lieder" heißen., Sv ziehe denn hinaus und erobere dir die Herzen der neuen Ge nerafion, der die Zukunst gehört, die mit wettoffenem Schiller­kragen, stiegenden Locken, sonnenverbrannt, ein Siegeslächekn in den Augen, ans den Livven aber ein glückverheißend Lied mit der Zupfgeige durch die junggrinien Bergeswälder zieht, und enmrb dir auch die Herzen all der Tauseiche jugendlicher Musensöhnc, so wie du es einst auch mit uns getan.

Aber uns zürne nicht, du Festeskind, wenn wtt biSwrikrn noch, so wie wir es auch heule loten, unser altes Kommersbuch aus unseren Stichienjahren zur Hand nehmen, das Buch, aus dem wir als junger Fuchs das frohe Lied griirngen, aus dem wir beim Examenstrunk im Freundeskreis gejubelt und dann zuletzt das bitterwehste Lied vom Schechen sangen, als es gatt zum letztenmal die tteue Freundeshand zu drücken und Absehied Mi nehmen von Sttldentsrin und Jugend. Freilich, du «lies Buch, zerknittert und oft zerrissen sind deine Blätter, aus den Fugen der einst so sritle EttibMch, aber aus dir weht rin Dust von länqfkverrausch- ten gaajxn, non bvMjchäuinmdem Bier und Uffijdate Bst>

trank, der sich unlöslich in dich enigesogeii, und so bleibst du uns das liebleuettle Gut der Studentenzeit, denn du bttgst unser Kost­barstes, was ivir Ifaben:Den Traum der Jugend", wie es kein anderer als Roguctte schöner sang:

Schlag' ich das Bilehlein wieder auf.

Mir tvird halb weh, halb wonnig.

Es klingt um mich, es klingt hinauf Zuvr Himmel blau und sonnig.

Uud alles hat sich neu gesellt.

Und blühen tvill's und sprossen,

Als hielte ich die ganze Welt Jni kleinen Buch umschlosten.

Kinder auf Reise». Die Frage, ob Kinder wft Reisen liefe Eindrücke enipsange» und ob auch bei ihnen sich daS Smichwari, daß, Reisen bilde, sich bewährt, wird durch die Er­fahrung sehr berschieden beantworiet. In unserer Zeit nun freilich werden Kinder schon aus die wetteften Reisen mttgeuonimen. Früher war das immerhin eine große Ausnahme, und Sebastian .hensel, der Derfaiser des bekannten BuchesDie Familie Men­delssohn", der er als Sohn der Fannh hensel selbst angehöttc, be. klagt es in settier Autabrographie als nicht gerade günstige Fügung des Schicksals, daß die einzigen großen Reisen seines Lebens in sein stinstes, neuntes und vierzelmtes Jahr sielen, lind er meint, es war doch ein Jammer, daß die Perlen Italiens vor solch ein kleines Ferkel gewotten wurde» und ich die Reifen nicht m einem vernünftigeren Aller machen konnte". Von seiner Reise als Neunjähriger nach Italien meint er:Ick, tvill nicht dafür stehen, daß ich nicht anfangs ein ähnliches Urteil über Italien fällst, wie jenes Kind, das bisher innner im Sommer an der See gewesen war, über die Schweiz ,Me hat dir denn die Schlveiz gefallen?' stagst die Tante. .Greulich', ivar die Antwott, .nicht eine vernüustige Hand voll Sand zuni Svielen.' Denn ich war doch eben ein Kind!" Don derselben Rrisc erzählt hensel noch: Sehr lebendig steht Mir vor Jlugen die Enttäuschung meiner Erwartung auf dem SHIfffr Joch Ich hatte immer grill»-»»- daß haunibal vom Gipfel der Alvei, seinen ettchövften die lachenden Gefilde Jwliens »einte und hatte inst eingebildet, oben gngekommen, sehe man die ganze CsE 's? 1 karienattig ausqebreitet liegen, den ganzen Sttesel. iiu^^?; , Sizilien und das Mttstlläichffche Meer und war iehrcks 'st sue überrascht, als ich nichts sah, als wieder Berge und Eis und Schnee und konnte durchaus Nicht in siosurns ettrsttnrmen, der als sanattsaher JtalieneX^lQ.TV^! 1 '' urm Mi, Ml» rüGe, man rieche schon den SiÄrch «uptete.