Sitzung der Stadtverordneten.
Gieften, 26. Juni,
In Vertretung des Oberbürgermeisters, dcc gerade n ich cur: E-istuna abzuhalten Hai, eröffnet Beigeordneter Em melius die noch nicht lieschkußäähige Versammlung und ernennt die der re» L! ö der nich Ja n n vu Urknndspersoiicn. Do »u der als Punkt 1 der Tagesordnung vorgesehenen Sbuslosung von Dchuldvcnchrcl- düngen keine bcschluhsähigc Stadtverordnetcilsitzung notivendig ist, nimmt Beigeordneter Enimelius einstweilen diese Auslosung vor. Währezrddem silllt lichter Saal und als Oberbürgermeister Keller erscheint, sind die Stadtverordneten säst vollzählig versammelt, und es erfolgt zunächst
die Amtseinführung des neuen Beigeordneten.
Oberbürgermeister Keller verpflichtet ihn mit folgenden Worten:
Meine Zerren! Nachdem die von der Stadtverordncten-Vcr- sammlung am 28. Mai vollzogene Wahl des Regierungsbaumeisters Günther Krenzicn zum besoldeten Beigeordneten der Provinzialhauptstadt Gießen am 13. Juni die landesherrliche Bestätigung erfahren hat, habe ich in Gemäftheit des Artikels 79 der Städtcordnnng den neiigcwähltcn Beigeordneten in öffentlicher Sitzamg der Stadtverordncten-Vcrsammlung in Eid und Pflicht zu nehmen.
Sehr geehrter Zerr Kollege! Es ist ein neues Amt mit neuen Pflichten, das Sie hier erwartet. Vielseitige Ausbildung, rüstige Arbeitskraft und rege Schaffensfreudigkeit werden Ihnen ermöglichen, sich in bisher fremde Verhältnisse und neue Arbeitsgebiete rasch einzuarbciten.
Sic werden bald erkennen, daß der Beruf eines Beigeordneten ein schöner, aber auch ein schwerer ist: schön deshalb, weil er ausgcfüllt ist von der schönsten Arbeit, die es gibt, der Arbeit für andere, für das ösfentliche Wohl, schwer darum, weil nicht geringe Müllen und große Verantwortung aus ihnr lasten
Die Vielgestaltigkeit der Aufgaben, die einer Stadtverwaltung gestellt sind, die mannigfachen Berührungspunkte mtt_allen Äst eisen der Bevölkerung erfordern in den leitenden Stellen der Kommunalvcrwalkung tatkräftige, fleißige, unabhängige Männer von bürgerfreundlicher Gesinnung, die mit warmem Herzen und offenen Sinnen an ihre veranttvortungsreiche Aufgabe hcrantreten. Gewissenhafte Ileberieugung und treues Pilichtgcfühl muffen ihnen den Weg iveiien und sie trösten, wenn einzelne Mastnahmen ciir- inal nicht den ungeteilten Bcisall der Oefscntlichkeit finden sollten, ein Falt, der noch keinem erspart geblieben ist. . .
Mich und meine Kollegen in der Verwaltung werden Sic jederzeit bereit finden. Ihnen Rat und Unterstützung in frcuud- schaftlich-kollegialer Weise angcdeihen zu lassen und die städtischen Bcanrten werden — wie ich bestimmt ernxrrte — Ihnen Ergebenheit und Vertrauen cntgcgrnbringcn.
Sie haben nachher zu geloben, daß Sie Ihr Am! mit Treue, Euer und Gewiffcnh.rftigkcit verwalten wollen. Ich bitte Sie, seiest Sic treu sich selbst und Ihrer Ueberzeugung, eifrig in dev Förderung des Wohles unserer Stadt und Mehrung der Wohlfahrt ihrer Bürger, gewissenhaft in jedem einzelnen Dicnst- geschäst und der Bescheidung der Anliegen jedes einzelnen Bürgers. Dann werden die .Hoffnungen sich criüllen, die lvir an^ diese Stunde knüpfen, die Hoffnungen, das; unsere Wahl eine glückliche gewesen sei und Ihre amtliche Tätigkeit zum Segen der Stadt Gießen sich gestalten möge.
Daraus erwiderte Herr Beigeordneter Kreuzten:
hochgeehrter Herr Oberbürgermeister! Meine hochgeehrten Herren! Nehmen Sie bitte meinen ivärmsten Dank entgegen für dos Vertrauen, das Sie mir mit meiner Wahl gezeigt haben. Mit allen meinen Kräften werde ich bemüht sein, cs zu rechtfertigen,
Die Wahl hat mich mit her größten Freude erfüllt. Tenn ich habe Gießen in den zwei Jahren, die ich hier wohne, sehr liebgewonnen Seine freundlichen Straßenbilder, seine schöne Umgebung nehmen wvh! jeden ein. !Bei mir kommt aber noch hinzu, daß ich. da ich iu Kaffes graft gcivorden bin, hier in der Art der Leute und der Landschaft viel von der Kindheit her Vertrautes vorfand. Ich hatte daher den lebhaften Wunsch, in Gieften bleiben zu können und dieses geht mir nun in Erfüllung. Aber weit mehr bedeutet mir die Wahl: die größte und wohl vornehmste Aufgabe ineines Berufes, Kunst und Technik der Entwicklung einer Stadt nutzbar zu machen, ist mir von Ihnen für Gieften anvertraut worden. Das erfüllt mich mit größtem Stolze,und es wird mit dem Bewußtsein, einem bürgerlichen Gemeinwesen zu dienen und verantwortlich zu sein, mich immer zu neuem Eifer aniporncn, Möge dies für nieine neue Vaterstadt Gutes zcftigcn. Das ist mein höchstes Verlangen.
Nach diesen sehr beifällig ausgenommenen Worien wacht der Oberbürgermeister zunächst einige
Mitteilungen.
Er unterrichtet die Versammlung davon, daft auf seinen Glückwunsch »um Geburtstag des Ehrenbürgers G n a u ! h ein Tanksscheiben an die Stadt eiiigelansen sei uno gibt dann eine Einladung zu der am l. Juli ftaihsindenden Universitätsscier bekannt. Namens der Freilichtbüh .e danft Pros. Dr. Bernbcck in einem längeren Tchrechen sür das Entgegenkommen der Stadt und lädt die Stadtverordneten zu der ersten Ausführung ein, der -ine kurze Feierlichkeit vorausqehcn wird. Stadtv. Eichena"er dankt im Auftrag des LuftsahrervcreinS nochmals sür das Entgegcnkomnicn der Stadt, insbesondere sür die Uebcrlassung einer Halle, wodurch ihm die Anschassung eines Ballons sehr erleichtert wordcln sei. Bcigeordn. Grünewald und Stadtv. Ebel cmpichlen den Besuch der Freilichtaufführungen, die rege Unterstützung verdienten. Oberbürgermeister Keller teilt weiter mit. daft der unbekannte Stifter iür ein Denkmal des Landgrafen Ludwig V. einen Bries an ihn gerichtet hohe, in dem er daraus hinweiftt, daft er seine Spenden einftellen würde, wenn das Denkmal nicht vor der Universität aiis- gestcllt ivürdc. Oberbürgermeister Keller äuftert unter voller Zustimmung der Versammlung, daft man diesem Wünscht' des Stiiters. dessen Zuwendung sich seit dem Jahre 1908 ohne Zinsen aus 12 300 Mk. belaufen, entschieden Rechnung tragen müsse.
Stadtv. Ebel bedauert, daß der Spender noch immer anonhm bleibe, hofft aber, daß er spcher noch mit seimm Namen hervor- trete, damit bei Errichtung des Denkmals mit ibm verhandrlt iverden könne, zumal der Platz vor der Universität nicht ganz glücklich sei.
Stadtv. Sommer bemerkt, daß der Wille des Stifters jcden- ialls resveftiert werden muffe, und daft in diesem Punkt die ganze Universität sicher der gleichen Meinung wie die Versammlung sein werde. Anderseits solle scdcnfalls die Ausführung der geplanten Einlage vor der Universität, über die endlich in den weienllickzen^ Punkten Einvernehmen zwischen der Universität I»id der Stadt bestehe, im Interesse der Studentenschaft nicht verzögert werden. Das Denkmal lasse sich im Rahmen des jetzt vorliegenden Planes später aussühren, wobei außer der nicht sehr geeigneten Slkellc vor dem Eingang einer der beiden vorgesehenen Halbmonde in Betracht komme. Jedenfalls sei es wünsclienswcrt, daß der Stifter sich jetzt vertraulich mit dem Rektor der Universität oder dem Oberbürgermeister der Stadt persönlich ins Einvernehmen setze.
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DerVcrwaltungsbcrichtuuddieRechnungdcr Stadt Gießen und des Stadterweiternngsionds sind von dem Finanzausschuß geprüft und sür richtig befunden worden Wie Stadtv. tzciaielbei in ausftihrt, wünscht der Finanzausschuß, aaft die Rückstände der istratzcnkosten bald erledigt werden. Oberbürgermeister Keller erklärt, daft das vorerst noch nicht möglick, ic, »eil ein Teil der Beträge im Prozeß läge. Tie Rechnung des öas- und Wasserwerkes, sowie des Elektrizitätswerkes und der Straßenbahn sind geprüft und ebensalls richtig befunden worden.
Stadtv. Vetters erinnert daran, daft dos Material zur Prüfung der Ueberlandanlage noch nicht vorgelegt sei. Ober- bürgermcister Keller teilt mit, daft noch zwei Ortschaften an- zuschliefte» seien: wenn dies geschehen sei, werde er genaue Vorlagen machen. Stadtv. Habenicht ist der Meinung, daft die Ausgabe für ein Sachverständigengutachten gespart iverden könne, da Bcigeordneker Krenzicn doch auch Fachniann sei. Stadtv
Schassstädt Bittet, doch nicht Immer wieder an bereits gefaßten Beschlüssen zu rütteln. Beigeordneter E m m e l > » s ist der Ansicht, daß man sich noch etwas gedulden möge, da ver Oberbürgermeister augenbliiüich mit einer Den kl ch ri ft über die Ueberlandanlage beschäftigt sei.
Danach wird die übrige Tagesordnung ziemlich rusch erledigt. Das Gesuch der Sanitätskolonne um Uebernabmc von Rcparatur- kostcn einer Krankeiltrage, die sich auf 170 Ml. belaufen, wird genehmigt. Dem Verein Kanaria werden 20 Ml. als Beitrag zur Beschaffung von Ehrenpreisen bewilligt. Dem Schwimm- und Wassersportverein werden sür einen Ehrenpreis 30 Mt. zugeblUigt.
Stadtv. Vetters meint hierbei, es gehe doch schl'ts'liG zu weit, wenn die Stadt für alle mögiichen Dinge Geld bewilligen soll, die eigentlich Sache persönlicher Liebhaberei seien. Oberbürgermeister Keller entgegnet daraus, daß das leider in vielen Städten Anlaß zu Klagen gäbe: vielleichl ließen sich die Kosten verringern, wenn man kleine Medaillen prägen lasse, die für alle diese Zwecke geeignet seien. Stadtv. E m m c l i u s meint, man solle diese Frage bei der Bcraiung des nächsten Voranschlages genau regeln. Stadtv. Heichelheim macht daraus aufmerksam, daß sür gemeinnützige Zwecke 15 000 Mk. mehr aufgewendct worden seien, als vorgesehen.
Ein Gesuch der Typographischen Gesellschaft um Gewährung eines Beitrags zum Besuch der Ausstellung sür Buchgewerbe und Graphik in Leipzig wird gegen 5 Stimmen abgelehnt. Stadtv. Vetters hatte nachdrücklich darauf hingewiesen, daß es sich hier um eine sehr nützliche Sache handele, und 100 Mk, Zuschuß beantragt. Oberbürgermeister Keller hatte aber darum gebeten, das Gesuch aus prinzipiellen Gründen abzulehncn, obwohl er die Nützlichkeit nicht verkenne. Aber man müsse damit rechnen, daß dann alle möglichen Vereinigungen mit dem gleichen
Ersuchen heranträten.
Ein BaugcsuchdesE. Rein hardinGcl senk irchcn wegen Errichtung eines Benzin- und Bcnzollagers in der Nähe der Margarctcnhütte rust eine längere Aussprache hervor, in der man sich Über die Gefährlichkeit eines solchen Lagers unterhält, das 20000 Kilo Benzin sassen solle. Das Gesuch wird aber schließlich abgelchnt, weil daraus überhaupt nicht zu ersehen sei, was die Firma eigentlich wolle. Beigeordneter Grünewald sagt, man solle doch nicht ein Gesuch ablchnen, bloß weil vielleicht .Gcsahr damit verbunden sei: man solle sich sreuen, wenn Industrie hierher käme. Tic Stadtv. habcrkorn, Huhn und Schassstaedt wenden sich gegen die Bewilligung. Bug G r ü n e w a i d meint, cs lwrrsckitcn Ansichten in der Stadtverordnetenversammlung, als ob man 30 Jahre im Kleiderschrank gehängt habe. Aus einen Hinweis des Stadtv. Simon teilt Oberbürgermeister Keller mit, daß er dem Tiesbauamt Auftrag gegeben habe, einen Plan sür Lagerplätze mit Gleisanschluß auszuarbeitcn.
Ein Gesuch des Th. Budde wegen Anbringung eines Wand- armes am Haus Selterswcg 52 wird abgelchnt.
Das Baugesuch des Ludwig Wehrum für Crednerstraßc 18 wird unter besonderen Bedingungen genehmigt.
Das Baugesuch der Firma Bär und Wcttcrbahn, i» der Bahn- hosstraße einen Kiosk sür Zigarrenverkaui zu errichten, wird ab« gelehnt, da solche Vcrkausshäuschen die Ladcnbesitzer, die hohe Mieten zahlen müssen, sehr schädigen.
Ein Baugcsuch I. h. Jhring, der am Astcrweg 12 Fenster in einer Brandmauc anbringcn will, wird unter gewissen Bedingungen genehmigt.
Ein Baugesuch des Wilhelm Horn sür Kreuzpsatz 15, das mehrere Dispense erforderlich macht, wird teilweise genehmigt. Nickst bewilligt wird, daß das Haus an der Rückseite höher gebaut wird, als das Baustatut genehmigt.
Außerhalb der Tagesordnung werden die beiden folgenden Gesuche erledigt. Ein Gesuch der Firma Franz Schmidt, die Selterswcg 63 ein Lagergebäude errichten will, wird angenommen. Ein Gesuch der Firma Schlüter, das bereits früher Vorgelegen hat, und die Vergrößerung eines nicht an der Strafte liegenden Gebäudes bezweckt, soll zurückgestelli werden, bis weitere Erhebungen dargeMn habet, daft es sich nicht nur um eine Vergröberung eines Kontors handelt. '
Tie Derrichtung des Geländes neben der Marftlaubenstrafte, das planiert und bepflanzt werden soll, wozu 1000—1300 Mk. erforderlich sind, wird genehmigt. Ebenso der Bebauungsplan für das ehemalige Eulersche Grundstück sür die Strafte von der Steinstrafte nach der Tammstrafte Tic Uhranlage am Schlachthof, sür die schon früher 3382 Mk. bewilligt worden sind, wird an eine auswärtige, von hiesigen Uhrmachern empsohlene Firma vergeben.
Die Ferien der Stadtverordnetenversammlung werden vom 1. Aug. bis l. Sept. angesctzt.
Zum Schlüsse werden die Gesuche um Erlaubnis zum Schankwirtschasisbetriebc erledigt. Das Gesuch des Wilhelm Kern für Seltersweg 70 wird genehmigt. Das Gesuch des Johann Gerlicher für Alicestraftc 12 wird abgelchnt. Das Gesuch der Karl Wagner Ehefrau für Ludwigstraßc 6 wird genehmigt.
Tie Klagen über Rauchbclästigungen durch das Ekektrizitäls- wert geben nach Schluß der Tagesordnung dem Stadtv. P l a n k Geleaenhcit, allerlei Besscrungsvorschläge zu machen, die er schon vor Jahren angeregt hat. Oberbürgermeister Keller erkennt an, daft die Klagen größtenteils berechtigt seien, aber bei einem Kessel mit so großer heizstärkc ließe sich das nicht völlig vermeiden. Es ist aber eine Umänderung an dem Kesse! geplant, die bis September beendet sein könne, so daß alsdann die schlimmsten Unzulräglich- kciten beseitigt seien.
wandern und Reisen. Räder und Sommerfrischen.
Eine billige Fahrt nach der Edcrtalsperre, lvelchc auch bequem in einem Tage zurückzulcgen ist, kann man Sonntags von Gießen aus unternehmen, ohne dabei den Hinweg über Webern Wildungen machen zu miiffen. Mai! ttcjmc bis Marburg zu dem Zuge 6,45 Uhr vormittags eine Sonnlagssahr- kartc. Ter uni 7,48 Ille in Marburg eintreffcnde Zug hat wenige Minuten später Anschluß bis zum Edergebict, doch hat man in Marburg auskömmlich Zeit, sich eine Soniitagssahrkarte bis Frankcnberg zu lösen. Die beiden hin- und Rückfahrkarten kosten zusammen 2,50 Mark. In Frankcnberg hat inail wieder be- auem Zeit, sich eine Fahrkarte bis holzhausen zu lösen, welche 65 PiciiNlg kostet, aus welcher Station der Zug 9,48 Uhr ankonnii! Bau holzhausen wandert man rechts oder links der Eder, aus her rechten Seile geht der Weg durch prachtvollen hockiwald und hört man tief unten das Geplätscher des Flusses, bis Asel, wo man nach >'«tb zwölf Uhr das hundert Personen fosseiide Motorboot besteigt, mit dem man auf dem Edersee, oder wie es offiziell beißt auf dem Waldccker Staubecken in 1i ° Stunden bis zur Sperrmauer bei hcmsurt reist. Tie Fahrt kostet nur 80 Pscnnig. Für 21, P,g kann man übersetzen nach dem Bergstädtchcn Waldeck, von dessen höhe das alte Tchloft Waldeck sckwii ans der Ferne grüßt In 40 Minuten kann man aber auch sn Fnft von der Sperrmauer allerdings auf steilem Wege dahin lommcii. In der Stadt Waldeck sowohl wie aus dem Schlosse ist man für Gäste sehr gut eingerichtet Die Lage des Orts, unmittelbar am Staubecken gelegen, rings von Wold umgeben, ist prächtig. Nach 2>/ s bis Mündiger Rast geht die Wanderung nach der Eisenbahnstation Woldeck welck>e man in 30 Minuten bergabichreitend, erreicht. Man löst sich eine Fahrkarte bis Frankenbcrg 3. Klaffe sür 1,25 Mark, wohin man über Korbach. Talitter, hcrzhauscn gelangt, allerdings muß 'man in Korbach umstcigen, doch hat man gute Anschlüsse mit allen Zügen. Man hat van der Station Wäldeck mit Marburg entweder um 8,13 Uhr oder »m 10,15 Uhr abends dort eintrefsend Beide Züge habe» Anschluß „ach Gießen. Die Eiscnbahniahrt Waldeck— Korbach —Talitter—herzhause» geht durch vrachtvoUcs Gelände wo ein wundervoller Waldbestand und schöne Bergpartien das Auge des Reisenden fesseln. Die Taqestour ist also Sonntags für den Preis von 5,20—5,40 Mark 3. Klaffe zurückzulegen. Ohne Sanntogsfahrkartcn. also an Wochentagen, mutz man l 70 Mk. bis 2.— Mark mehr sür die Fahrt auftvenden.
Sport,
z» Bad-Nauheim, 25. Juni. Durch die Erwerbung des Golfplatzes am Frauenwald mft dem angrenzenden Glockrnstück steht der Kurverwaltung sür den Golssport nunmehr ein ideales Ge lände zur Verfügung. Ebenso wird nach Ablauf der Pacht das Feld
zwischen Frauenwald und Eksticnwakd und der untere östliche Berg-
abhang des Frauenmaldes dem gesamten Goligclände einvcrlcibt.. Dadurch ist es möglich, das Spiel non 9 aus 18 holes zu cr- Iwden. Der fiskalische Sportplatz zwischen dem Bade und Fricd- bcrg dient allen weiteren sportlichen Veranstaltungen jedweder Art: er wird später als Polo-Platz, als Flugplatz, als Turnierplatz sür olympische Spiele und als Schießplatz Venvendung linden.
Wien, 25. Iu»,. Koch erringt aus Opel in der heule beendeten^ österreichischen Alpenfahrt 1914 einen neuen große» Sieg. Er beendete die säst 3000 Kilometer lange Strecke über die höchsten und schwierigsten Alpenpässe ohne Strafpunkt.
Landwirtschaft.
** Gut gewonnenes, trocken et Heu neuer Ernte kaust von frtzt ab das Proviantamt Hanau. Das Heu tonn ge- liesert werden, unmittelbar von der Wiese weg, ehe es zu schwitzen angesangen oder srühestens sechs Wochen nach der Ernte, nachdem cs ausgeschwitzt hat.
6crid)t»faaL
Metz, 25. Juni. Heute hatte sich vor dem hiesigen Kriegsgericht der Kaplan Adam aus Algriugcn wegen Beleidignug zu verantivorten. Adam war einei der vier Dtedeiihoieuer Kapläue, die ivegen der gemeiniame» Beschwerde ans Aula» einer Kontroll- veriainmluiig von dem Kriegsgericht zu einem halben Fahr lse- änqnis und vom Oberkriegsgericht z» emem halbe» Jahr Festunqs- tait verurteilt ivordeu ivare» und diele Ziraie in 'Magdeburg verbüßt haben. Adain hatte die Wände seiner Zelle mit bür Deutschland und die St t m e e beleidigenden "21 u f J rh ritten versehe» lind seine» Name» darunter gesetzt, TuS Kriegsgericht hat den Kaplan Johann 91 b a m frei- sgesprochc n. I» der Begründung heißt eS, daß die Unschuld des Slngeklagleu zwar nicht erwiese» sei, daft aber nnderer- seits ei» schlüssiger Beweis daffir, das, Adam der Täler ge- iveieu sei, »icht erbracht Iverde» kömile, da die Slussage» der koi»- »iissarisch veriioinmenkiiBelanuugszeugen beute, nach Enlieruimg der beleidigende» Inschriften, nicht melir iiachgevristt werden könnten
Univcrsitcits»!Nc>ci4rict)telr.
— Dr. Jos. hor ov itz hat de» Ruf aus den Lehrstuhl der semitischen Sprachen an der Universität Frankfurt angenommen. Dr. .horovitz lgeb. 1874 zu Lauenburg in Pommern) der seit 1907 als Professor des Arabischen an>. Mo- hammc dan Anglo-Oriental College in Aligarh (Indien) tätig ist, gehört zugleich dem Lehrkörper der Universität Berlin als Privatdozent an.
— Als Nachfolger des verstorbenen Präsidenten G. Evert wurde der Geheime Regierungsrat und Vortragende Rat im Ministerium des Innern Dr. Konrad Sacngcr vom 1. August 1914 ab zum Präsidenten des Kgl. Preust. Statistischen Landesamts in Berlin ernannt.
— Der Gymnasiallehrer Dr. v a n h a m e l in Ro tt e r- d am hat einen Ruf als a. o. Professor für niederdeutsche und niederländische Sprache an die Universität Bonn erhalten: er soll hier den vor kurzem verstorbenen Geheimrat Prof. Dr. Johann Franc! ersetzen.
— Dr. Grabein in Friedenau hat einen Lehrauftrag sür landwirtschaftliches Gcnossenschaslswesen im Seminar für Genossenschaftswesen der Universität h a l l e a. S. erhalten.
vermisclite».
* Stiftung einer halben Million. Den Berliner Blättern zusolge hat der verstorbene Berliner Sladtrat 5dermann Jacoby die von ihm im Jahre 1909 der Berliner Handelshochschule ohne Nennung seines Namens gemachte Stiftung von 100 000 Mark, die er später auf 150 000 Mark erhöht hatte, in seinem Testament auf 500000 Mark erhöht. Die Stiftung bezweckt, die Erfahrungen des Slusla.^es dem deutschen Handel durch die Gewährung von Sluslaudsbe,Hilfen nutzbar zu machen. Slns der Stiftung s,^en Beihilfen an die Studierenden der hiandclshochschule in Bcrlrii gewährt werden, die die Tiplom- prüsung mft gut gestanden haben. Tic Bcihilsen werden sür je 2 Jahre aus je 2000 Mark bemessen, können aber auch erhöht werden. Zu Ehren des Stifters ivurdc lieschlossen, der Stiftimg den Namen „Hcimann-Jacoby Sluslands-Stipendienstistung" zu gebe».
Kleine Lagerchronik.
In Magdeburg sind zwei Verbrecher, die sei! langer Zeit der Schrecken der Bevölkerung waren und seinerzeit den Molkereibesitzer Kärslci, in Drurberge erschossen hatten, verhaftet worden. Es handelt sich um die Arbeiter Albert Kratzcnbcrg und Karl Becker aus Wedringcn. Zwei weitere Mitschuldige sind entkomiiicn. Becker zog bei seiner Verhastung einen Browning und schoß auf die Beamten. Ein Beamter schoß daraus in der Notwehr zwei Schüsse aus Becker ab und verlegte ihn schwer. Kratzenbcrg wurde überwältigt und in das Gesängnis eingeliestrt.
LingcsanSt.
(Für Form und Inhalt aller „iitcr dieser Rubrik stehende» Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Büdingen, 25. Juni.
Zum Biibnbai! .vaunu—Büdingkii.
In Nr. 139 Ihrer geschätzten Zeitung bringen Sic aussührlich die Verhandlungen der hessischen Zweiten Kamnier über den Bahn- bau .Hanau—Büdingen.
In der Debatte wurde zum Ausdruck gebracht, daß die Mehr- beit des Gemeinderats zu Büdingen in srühercn Jahren bekanntlich sür das Bahnprojckt stimmte, später aber, iusolge ftleuwahl dreier Gemcinderäie, sich in eine Minderheit verwandelt hätte. Dies ist nicht zutreffend. Der alte Gcmeinderat bis 1910 war für den Bahnbau. Bei der Neuwahl iür die Periode 1911/13 wurden sämtliche ausscheidenden Gemcinderätc wiedergewählt bis auf einen (Albert). Es trat also nur ein neu gewählter (öemeindcrat hinzu. In dieser Besetzung wurde der ablehnende Beschluß mit alien gegen zwei Stimmen gcsaßt. Letztere ivaren nur ein alter Gcmeinderat (Andrae) und der neu hinzugewähltc (Klein).
Tie erst nach der letzten Bcschlußfaisung am l. Januar 1914 cingetreteiien drei neuen Gemcinderätc haben daber mit der Saite afclolut nichts zu tun; das sind noch unbeschriebene Blätter. X.
Verantworllich für ..AuS Stadt und Land" i. 93.: K. Neurath.


