Hk- 14? Zweites Blatt
Erschein! täglich mit Ausnahme de? Sonnl«g5,
164. Jahrgang
®' e „eitfccncr SamilicnHätter" werden dem „Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das „Ureirdlatt silr^ den Kreis Sietzen" zweimal w scheint,ch. Tie „landwirtschaftlichen Seil-
fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhejfen
Zreitag. 2§. Juni j1914
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts - Buch- und Sleindruckercl.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Echuk- straße 7. Expedition und Verlag: 51.
Redaktion: 12. Tel.-Adr.:AnzcigerGießen.
lfefsische Zweite Nammer.
rb. Darmstadt, 25. Juni.
Am Rcgiertzngstische: Staatsminister Tr. v. Ewal d, Finanz- Mlnnicr Ttt Braun, Minister v. Hombergk. SlaatSräle Tr
t ' K Su , l tt 'J fii!btlnb ' Lorbacher, Ministerialräte Tr. K ratz, Tr. Webern, a.
Prandcut Köhler cröfmct die Si&ung um »>/, Uhr Das Dans tritt lotort in die Tagesordnung ein: Beratung der Regierungsvorlage, betrcsscnd die
Dirnstbrzüge der staatlich bestätigten Forstwartc. in Verbindung mit den Borstelluugcn der Kommunal sorstwattc und dem Antrag Reh in gleichem Bctress. Ter Ausschußbcrichl- ersnuter Abg. Tr. Osann beantragt die Annahme des Gcsetz- cntwurts mit verschiedenen Abäuderuniwu.
Es liegen hierzu verschiedene Anträge vor. Abg. Tr. Weber begründet einen von ihm gestellten Antrag, dem Artikel -1 des Gesetzes den Zusatz anzusügcn: Tic Beslimmungen des Artikel 27 über die Besoldungen der Staatsbeamten vom 21. März 1914 slndcn bei Feststellung des Gehalts der staatlich bestätigten Forst- warte keine Anwendung. Ter Antragsteller betont, daß im Ausschuß wohl niemand daran gedacht habe, daß für die Koinmunal- iorslwartc drc Sverrvorichriiten des Artikel 27 Anwendung linden würden. Tiefe Spcrrvorschristen müßten jedenfalls Wegfällen. Er beantrage behufs nochmaliger Beratung des Gesetzentwurfs dessen Zurückverwcisung an den Ausschuß.
Abg. Henrich (F. Pp.): Tic Annahme des Antrags Weber auf Zurückverweisung an den Ausschuß würde zur Folge haben, daß die Kommunalforstwarte auch diesmal wieder leer ausgchcn, nachdem sie schon seit dem Jahre 1898 vergeblich auf Verbesserung ihrer Lage ivarten. Mit der Zurückvcriveisung an den Ausschuß würde ich nur einverstanden sein, wenn die Beratung rasch erledigt wird, so daß die Vorlage noch jetzt zur Verabschiedung kommen kann. Jcdeujalls muß vermieden werden, daß die Ausbesserung für die Konimunaljorstwartc nicht erst vom 1. April 1915 ab bewilligt werden.
Abg. Molt Han (Zentr.) spricht sich gegen die Zurückver- weisung an den Ausschuß aus und würde lieber damit einverstanden sein, daß die Ausbesserung erst 1915 beginnt.
Abg. Tr. Osann (Ntl.) erklärt sich gegen die Zurückver- ivcisung au de» Ausschuß und tritt für das Inkrafttreten vom 1. Avril 1914 ab ein. Tic Kommunalforstwartc seien durch das Provisorium schon schwer genug geschädigt. Tie Gemeinden hätten wohl auch genügende Mittel dafür, da ja die zu leistenden Mehrbeträge nicht groß sind. Der Redner rechtfertigt schließlich die Ausschußbeschlüsse, besonders die Erhöhung des Prozentsatzes von 70 auf 75 Prozent der Ausbesserungen der staatlichen Forstwartc.
Staatsrat W i l b r a n d ist auf der Tribüne schwer verständlich. Er tritt für die Annahme der Regierungsvorlage ein i,nd führt aus, daß der Antrag Weber die schwerste Schädigung für die Kommunalsorstwartc bedeuten würde.
Abg. Wiegand (Ztr.) ersucht dringend, das Gesetz vom 1. April 1914 ab in Kraft treten zu lassen. Ebenso müsse unbedingt an der Ausschußsorderung von 75 Prozent fcstgehalten werden. Nachdem die staatlichen Forstwarte in der Besoldungsreform eine entsprechende Ausbesserung erfahren haben, müssen wir auch den Kommunalsorstwarten das geben, was ihnen gebührt.
Abg. Raab (Soz.> ist ebenfalls gegen Zurückvcrweisung an den Ausschuß und wünscht entgegen den Ausführungen des Re- gierungSvcrtrctcrs die Bewilligung von mindestens 75 Prozent.
Abg. K o r c l l - Angenrod (Bbd.1 begründet einen mit seinen Parteifreunden gemeinschaftlich eingebrachten Antrag auf die Wiederherstellung der Regierungsvorlage und die Festsetzung der Bestimmung, daß das Gesetz mit dem 1. April 1915 in Kraft treten soll. Redner erklärt, er verlange Gerechtigkeit für die Gemeinden und iür die Kommunalforstwarte. Man kenne hier im Dause meist nur die Verhältnisse der größeren Gemeinden. Tie kleinen Gemeinden hätten mit jedem Pfennig zu rechnen, besonders, da sic viel von llcberschiveminungcn usw. zu leiden hätten.
Abg. u rsta dt (F. Bp.i erklärt sich im Name» seiner Fraktion entschieden gegen die Zurückverweisung an den Ausschuß. Tenn diese bedeute eine Verschiebung aus den nächsten Landtag und vielleicht auf sehr lange Zeit, und das wäre geradezu eine Ungeheuerlichkeit, nachdem die Gemeindefvrslwarte schon seit 1906 ungerechter- weise im Nachteil geblieben sind. Es genügt nicht, ihnen ihren prozentualen Anteil von der Aufbesserung der Tominalsorstwarte zu geben Es gilt auch eine alte Ungerechtigkeit auszugleichen, Tes- halb darf unter keinen Umständen die Erhöhung aus den l.Avrrl 1915 binauSgeschoben werden. Tie Regierung erkennt an, daß Aus- bUdung und Tienstobliegcnhciten bei den Tomanial- und Kmn- munalsorstwartcn die gleichen sind. Deshalb mußte auch die Bezahlung bei den vollbeschäftigten die gleiche fern. E,n Zurückbleiben in den Bezügen hinter den Tomanialsorstwarten wäre nur bei Bezirken unter 300 Hetlar berechtigt. Die sortschrittl. Fraktion hat nur 80 Pro, gefordert statt 100. um den Gemeinden einen zu plötzlichen Ruck zu ersparen. Im Interesse der weniger lettliings- fähigen hat sie eine entsprechende Erhöhung des -staatszuichuffes beantragt Wenn 80 Pro;, nicht angenommen werden, ttimmen wer dem AuSschußantrag zu, deil mir auch IN den übrigen Punkten
^Abg. Hartman» (Soz.) tritt gleichfalls sür die sofortige
^IVo" t snatl.l erklärt sich für die Ausschußanträge, wünscht aber, wie der Antrag KarclI-Angenrod, die Festsetzung
*** Abg°U^-ch>A Acntr'.' erNärt^sich für die Regierungsvorlage
^Abg ^EZß^ncr't (Soi^ift für das Inkrafttreten zum 1. April 1914 und für die Erhöhung auf M Droz. Er erklärt, datz seine Partei zuen't für den Antrag der Freisinnigen und dann fur die «uss^ßäntr-gc cintreten »verde.ei^,t. ^ liege nicht
Bewilttgung von 70 oder 75 Pro,., sondern IN der Be- frimmmin 'des Zeitpunktes sür das Inkraitrreten des Gesetzes. ^"K°-el " Jnselh7im -f. Bp.' bemerk-, er verstehe den StaichPunkt des Abg. Scholl als Burgermclsttt einer Gemeinde, ch der cs sich um Schälwald Handel,. Tue Regierung gewahre 'JLr ,inidwn ungünstig gestellten Gemeinden Unterstützungen, von Li t7sü77°rLndeE Fonds von 20 000 Mk. seren erst oOOO Mk.
°""7bg^ Molt Han (Zentr., tritt für die Festsetzung von 75
AbaWeber (Bbd.) verteidigt sich gegen den Vorwurf des mangelnden Interesses sür die KommunalforiNvartc Man >ci „ch ^ Ausschuß über die Wirki.ng des Geictzes und der Sperrvor- schristen mcht klar gewesen. Er beantragt nachmals Zuruckverwei-
fm Vb", % wendet sich als Berichterstatter gegen den
letzteren Antrag des Vorredners und bittet um Annahme der
^Bm°dLÄbstimmung wird zunächst der Anttag aus Zurück- verwcisung an den Ausschuß nnt geringer Mebrhert abge- lebnt Das Daus stimmt darauf den einzelnen Bestimmungen den Ausschußanträgen (75 Proz.j zu. «Der Antrag Reh ». E ^us Festsetzung von 80 Proz. ist inznnsckwn zuruckgezogmr Len > ÄLch wird der Antrag Weber aus Au,Hebung dm /Art. 27) einstimmig angenommen, desgleichen
mit großer Mehrheit auch der ÄuSschußaurrag. daß das Gesetz am 1, April 1914 in Kraft treten soll, (Der Antrag Korell-Angenrod, als Termin des Jnkraittrclens den I, April 1915 festzusetzen, ist damit abgelehitt.) Schließlich wird auch das ganze Gesetz mit gro ßcr Mehrheit angenommen.
Rach längerer Pause, tvährend welcher der Tcniorenkonvent eine Sitzung abgehaltcn und, wie Vizepräsident Korcll mitteilt, beschlossen hat, morgen früh 9 Uhr mit der Einzelbcratung der Vorlage über die Reoision der Lrdensgcsetzgebung zu beginnen, dann die Einzelabstimmung um 10,20 und die namentliche Gesa >» t a b st > m m u n g um 11 Uhr beginnen zu lassen, wird die Beratung wieder ausgenommen.
Zur Geschäftsordnung ersucht Abg. Schönberger, seinen schon^zu Anfang der Session gestellten Antrag, betr. die Erhebung der StaettSsleuern, der doch die Ersparnis einer halben Million für den Staat bezwecke, nicht einfach unter den Tisch fallen zu lassen, sondern ihm wenigstens Gelegenheit zur Begründung des Antrags zu geben,
Vizepräsident Korcll sagt möglichste Berücksichtigung aller als dringlich erachteten Anträge zu.
Es folgt die Beratung der Regierungsvorlage, betr, die L o s - g c s e l l s cha s t en, die Veräußerung von Jnhaberpapicrcn und den Dandet mit Lottericlosen.
Da der Ans schuß bericht er sta l ter, Abg. Fulda, erkrankt ist, gibt Staatsminister Dr. v. Ewald eine kurze Erläuterung über die Besttnrmungen des Entwurfs. Er richtei sich gegen die Ausbeutung der Spiellust des Publikums. Die bisherige Gesetzgebung Hot sich g ss nicht ausreichend erwiesen. Es Iverden in ucuerei: Zeit vielfach Spiclgeuostenfchastcn sür dcii Erwerb von Prämienlosen gebildet, die .eine bcdenlliche Ausbeutung des Prchlikums darstellen, da der Unternehmer bei regelmäßigen monatliche» Prämicuzahlunge» große Summen einstcckt, die den dafür erworbenen verlosborcu Prämienlosen bei weitem nicht entsprechen. In Preußen sei schon 1911 ein ganz ähnliches Gesetz geschaffen Ivordcn und dort lzabc der RegierungSoerlretcr dargelegt, daß nach den Ermittelungen solche Unternehmer 60 000, sa 100 000 Mark ans diesen Spiclgenosscnschasten in die Tasche steckten. Der hessische Entwurf schließe sich ganz den preußischen Bestimmungen au und da der Ausschuß nur unwesentliche Acndcrungcn daran vorgcuominen habe, so empfehle er die Annahme des Gesetzes nach diesen Anträgen, vorbehaltlich einer Abänderung auf dem Wege dec Rckommunikation. Das Haus nimmt darauf die einzelnen Artikel nach den Aussckmßanträgen an, mit Ausnahme des Art, 7, ivclchcr nach der Regierungsvorlage bewilligt ivird. Die alsdann zur Beratung gestellte Regierungsvorlage, betr, die Durchführung der elektrischen Straßenbahn durch d i e H o ch s ch u l st r a ß c in Tarmstadt wird ohne Aussprache »ach dem AuSschußantrag genehmigt.
Bei der Beratung der Regierungsvorlage, betr, Auflösung und Verkauf des HosguteS „Scnsfelder Hos" beantragt der Ausschuß Genehmigung,
Abg, Senßselder (Bbd.) wendet sich gegen den Ausschußantrag und bedauert, daß die Regierung nicht dem Konsorttum von 27 Bauern zugestimmt habe, die das Gut zwecks Parzellierung sür 152 000 Mark erwerben wollten,
Abg, .Henrich (f. 33p.) erklärt sich grundsätzlich sür die Abgabe solcher Güter an dci! kleinen Banernstarid, während
Abg, Raab (Soz.) dem Ausschußantrag zustimmt, aber die Regierung fragt, wie cS mit her Beibehaltung des Jagd- und FischercirechtS für die Regierung.gehalten werden solle.
Nachdem Staatsrat W i l b r a n d dem Vorredner kurz erwidert hat, wird der AuSschußantrag auf Zustimmung zu der von der Regierung beabsichtigten Parzellierung mit allen gegen die Sttmme des Abg, Senßselder genehmigt,
Fiiianzminister Tr, Braun verliest darauf noch eine Regierungserklärung betr, der dringlichen Anfrage Tr, Weber, über die Schädigung der Waldbejitzer und Gewerbetreibenden durch das eVrbot der Verwendung einheimischer Hölzer bei Vergebung össent- lichcr Arbeiten, und
Minister v. Hombergk beantwortet die Anfrage u e b c l, betr, die Gewährung des Heilverfahrens an invalidenversichette Mitglieder der Fürsorgekasse sür Gemeindebeamte, Tie Besprechung über beide Anfragen wurde vertagt.
Tie Sitzung schloß darauf um U/s Uhr. Nächste Sitzung: Freitag früh 9 Uhr.
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rb. Da rmst a dt, 25. Juni. Infolge der verzögerten Verabschiedung der Regierungsvorlage über die Revision der Ordens- gesctzgcbung in der Zweiten K a m m e r ist der sür den 29. Juni angesetzt gewesene Zusammentritt der E r st e n K a m m e r auf Dienstag, den 30, Juni, vormittags 10 Uhr, verschoben worden und die Kammer wird sich, da die erwähnte Regierungsvorlage erst noch den Gesetzgebungsausschuß zu passieren .hat, in dieser Sitzung zunächst nur mit der Erledigung einer Anzahl lleinerer Vorlagen beschäftigen können, die Finanz- und Gesetzgebungsausschuß in diesen Tagen fertig gestellt haben, .
Da somit auch keine Aussicht vorhanden ist, daß beide Kammern in den ersten Tagen der kommenden Woche ihr Arbeitspensum erledigen, so ist der o s f i z i e l l e S ch l u ß d e s L a n d t a g s nunmehr aus Samsrag, den 4, Juli, festgesetzt worden.
Der parlamentarische Ausschuß für Vereinfachung der Staatsverwaltung Ivar für Freitag nachmittag vom Staatsminister Dr. v. Ewald zu einer Beratung einberuscn ivorden, die sich hauvtsächlich mit der Prüfung der Notwendigkeit einer Anstellung von neben neuen Amtsrichtern und Staatsanwälten in Tarmstadt. 4statn-„ Offenbach und WorinS beschäftigen sollte, die auf Antrag des Abg. Dr. W ü n, e r von der Zweiten Kammer unter Vorbehalt dieser nachträglichen Prüfung beschlossen worden war. Die Großh. Regierung hat hierzu eine Denkschrift vorgelegt, in welcher die Notwendigkeit dieser neuen Novelle näher dargetan wird. Ta indessen die 2. Kammer sich noch cinqehend mit der Ordensvorlage zu beschälttgen dat, so ist die Sitzung deS VereiniachungSaustchusseS wieder vertagt worden und wird voraussichtlich erst am nächzten Mit twoch nachmittag stattsinden können.
politische Jagcsjchan.
Eine englische Ansicht über die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen dem britischen und dem Dentscheu Reich.
In der Königs. Statistischen Gesellscherst in London 'w-urde eine interessante Arbeit »on Mr, Edgar Cram- mond über das obige Tlzema .zur Vorlesung gebracht. Der Verfasser behandelt eingehend die Enttwicklung der beiden Länder und spricht die Ansicht aus) dich in 15 Jahren das Deutsche Reich in der Lage sein könne, jährlich mindestens zwei Milliarden Mark für Rüstungszwecke auszngeben, ohne das deutsche VolkmiteinerschwererenLa st znbe- legen, als das englische Volk heute schon zu tragen habe. . _ „ .
Der Export britischen Kapitals sei von vitaler Dichtigkeit sür dst Welt im ganzen und besonder? für Dcutsch- lttstd. Sollte die Anlage englischen Kapitals einmal auf- hören, so wütde die deutsche Handelsausfuhr auf der ganzen
Welt in enormem Maße zurückgehcn, und Deutschland müßte selber im Auslände Kapital anlegen, das es zur Entwicklung der heimischen Industrie brauche.
. lstegenunirlig könne man sagen, daß die wirklichen wirtschaftlichen Interessen beider Länder Hand in Hand gingen und miteinander nickst im Widerstreit ständen. Man könne dies aber nicht mit dersellwn Sicherheit sür eine Zeit etwa nach 35 Jahren sagen. Deutschlands Bevölkerungszahl würde dann 100 Millionen betrage», die englische dagegen etiva .58 Millionen. Falls dann England, um einen wirtschaftlichen Ausgleich herzustellen, Einfuhrzölle sür sis- kalisckst Zwecke sür nötig erachten sollte, so könne man nicht unihin, an die Möglichkeit von irgendivelchcn Friktionen mit Deutschland zu denken, Obeiidrein sei es n>ahrscheinlich, daß die Konkurrenz zwischen England, den Bereinigten Staaten und Deutschland um die Zusiihr von Nahrungsmittel» und Rohstoffen aus der ganzen Welt akut iverden werde, wenn nicht neue Gebiete in der Zwischenzeit erschloss e » io ü r d c », I n d i e s e r R i ch t u n g l > e ge d a s f r u ch t b a r st e F e l d für das Z u s a m m e ii a r b c i t e n von britischem Kapital und englischem und deutschem >1» t e r n c h m u n g S g e i st,
Lord Welslcn erklärte, der große Fortschritt Deutschlands habe die Prodiiktionskraft der Welt vermehrt und davon müsse auch England profitieren.
heimatpslegcoerein für den Kreis Giehen.
Gießen, 25. Juni,
Unter dem Vorsitze deS ProvinzialdircktorS Tr. Usingcr hielt gestern der Krcisvcrei» sür bcimatpslegc im Felsenkcller seine Hauptvesiammlung ah. Der Vorsitzende verlas dte beiden JohreS- rechnungen für 1912 und 1913, welche von der Versammlung gut- gehcißcn wurden, Ter Kreisverein verfügt über ein Vermögen von >135,50 Mk, Bei Beratung des Voranschlags für 1914 wurde dem Wunsche deS Ausschusses gemäß beschlossen, sür de» Druck und die Vetteilung des Vortrags des Pfarrers Schulte- Großcn- Lindeu „Der Pfarrer und der Friedhos in Ober- Hesse n" 70 Mk. bercitzustcllen. Ter Voranschlag nmrde mit einer Einnahme und Ausgabe von 162 Mk. genehmigt. Nach Mitteilung des Vorsitzenden waren gelegentlich der landwittschgstlichen zkreis- schau 1912 für Einrichtung einer Milchverkaussstelle 194 Mk ver- gusgabt worden. Zur Ergänzungswghl des Vorstandes wurde anstelle des nach Schotten verzogene» KreiSrats Tr. Merck Kreis- amtmann Hcnnncrde geivählt. Es gehören ferner dem Vorstande an: Provinzialdirektor Tr. Usinger, Kreisschulinspektor Professor Dr, Alles, Kirchenrat Strack-Leihgestern, HgnptlehrerSchneider Heuchelheim, Psarrcr Tchulte-Großen-Linden, Bürgermeister Ramps-Lang- Göns, Lehrer Boßler-Klein-Linden, Altbürgermeifter Krämer- Steinbach, Lehrer Val. Müller-Gießen, Hauptlehrcr Bach-Großen- Lindeu, Bürgermeister Benner-Treis, Landtagsabg, Lcun-Grpßrn- Linden, Lehrer i. R, Schweizer-Oden Hausen, Bürgermeister Fcndt- Dungcn.
Lehrer B o ß l c r- Klein-Linden hielt hieraus seinen Vortrag: „Wie kann durch Erhaltung und Verschönerung deS Dorsbildes die Heimatliebc geweckt und gepflegt werden".
In Geschichts- und Altertumsvcreinen, in Derniatpflege- und Berschönerungsvereincn ist seit den letzten Jahren eine rührige Tätigkeit entfaltet worden. Alle Bestrebungen gehen darauf hinaus, das zu wahren und zu vervstlkommnen, was wir von den Vätern erhalten haben. Das Neue muß der Umgebung angepaßt, Sprache. Sitte, Bauart müssen erhalten werden. Leider verschwinden bei Feldbereinigungen manche EigcntümlichkeNen vollständig. So sieht der einst so schöne Hehler (zwischen Gießen und Tutenhvsen im Lahntal: heute öde aus, alle Bäume und Sttäucher und damtt die Störche sind verschwunden. Tie Umgchungsbahn, die eben zwischen Dutenhofen und Klein-Linden im Bau ist, verunziert aufs neue den Blick ins Lahntal und schädigt besonders das Tors Klein-Linden in seiner bisher so schönen Lage. In den ^Bauerndörfern verschwinden leider ,innrer mehr die malerischen Fachwerlbauten. Tiesc und mit ihnen die Dorflinden müssen erhalten bleiben. Rund um das Dorf sollen sich Obstgärten schließen. Ter Schutz unserer heimatlichen Vögel, die Bäume, Hecken und Raine, dürfen nicht schonungslos entfernt werden, cs müssen Vogelschutzgehölze entstehen, die Hecken erhalten bleiben. Die Sttaßen der Torsei sollen nicht schnurgerade sein, die Häuser nicht eins wie das andere öde Backsleinkästen sein. In den Fachwerken könnte mancher sinnigeHauS» sprurli stehen. Bei dem Ausbau der Dörfer ist auch zu beachlen, daß die alten Flur- >md Gewannamen erhalten bleiben, man soll sie den neuen Sttaßen geben. Die Bauart des alten Kirchttirms, die Wandgemälde im Innern des Gotteshauses, die alten Glocken mit ihrem heimischen Klang sind zu erhalten. 2tuf die Gestaltung der Friedhöfe ist ein besonderes Augenmerk su richten. Die Eisen- bahndämnie sollten Akazien »der andere Bäume zieren. Am Dorfe könnte ein Dorstcich, von Linden veschottet, angelegt sein, an ihn schließt sich die Bleiche. Der Teich liefen im Wütter der Jugend die Eisbahn. An passender Stelle muß hinter dem Dorsc eine Rodelbahn angelegt werden. Die technischen Bildungsstätten sollten sich der heimatlichen Bauweise annehmen. Ein Preisausschreiben sollte erlassen werden, um ein Muster für ein Kauern- und Arbcitcrhaus zu erhalten. Die Schulhäuser sollen vorbildliche Bauten sein, in dieser Hinsicht ist in den letzten 15 Jahren viel gelMet ivorden. Vorgätten mit RgsenvüiScn, Rosen, Spalierobst sollen es umsäumcn. Jedes Dorf muß nnbe- dmgt einen Turn- und Spielplatz haben. Durch die Verschönerung des Dorsbildes kann die Heimatliche gepflegt und der unheilvollen Erscheinung der Landsluchi entgegcngcarbeitet werden. —
Nach lebhaftem Beifall dankt der Vorsitzende dem Redner und teilt niit, daß. bei Anlage von Vogclschutzgchölzen die Kreiskasse 50 Mark und der Öessisckw Verein für Vogelschutz 50 Mark gib! und daß ein solches Gehölz nur 150 Mart koste, Pläne seien im KreiSamt vorhanden. Mustergültig ser die Anlage in Lang-GönS. Zur Erhaltung der ländlichen Bauweise und der Flurnamen könnten die Bürgermeister manches tun. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an den Vottrag, in der noch manche Winke für die Heimatpslege gegeben wurden. Pfarrer Schulte weist aus die schönen Fachwerkbauten zu Nieder- und Oberkleen hin. Vogel-ReichclSheim hebt hervor, daß die moderne Kultur in der Wctterau schon manche Lücke gerissen habe, die Torskunst müsse bei dem jugendlick>cn Handwerker geweckt werden. Es beteiligen sich au der Aussprache ferner Hauptlehrcr 3)ach-Großen- Lttrdeu, Pfarrer Bräunliu-Trais-dortoss, Haupllehrer Schneii*!- Heuchelheiui, Kirchenrat Strack-Leihgestern, Dekan Gußmann-Kirch- berg, Psarrer König-Bellersheim. Pfarrer Schulte hat in Großen- Liilden den schönen Brauch eingesührt. daß die Konsirmanden olle Jahre aus dem alten Friedhose eine Konsirmandenlinde pflanzen. Geheimer Kommerzienrat Gail und Psarrcr Hosmann unterstützen den Anttag des Lehrers Boßler zu einem Preisausschreiben für ländliche Wobnhänstt Es sollen Pläne und Modelle hergcstellt werden sür mittlere und kleinere Baucrnhosreiten, für einen Landwitt mit 1 Pserd und ttwa 6 Kühen, und einen klcincii Landwirt mit ttwa 4— 6 Kühen. Die Versammlung stimmt dxm Borschlag zu und der Bosiitzendc gibt dtt Hoffnung Ausdruck, daß ick, die Anregung bald verwirklichen lassen werde.


