Nr. W
Der «letzter »nzeiger
erjchrmt täglich, außer SonntogK. - Beilagen: viermal wöchentlich «irtzrner.somtliindlätler:
zweimal wöchentl.itreir- dlatt sürden Urei; Sietzen
lDienstag und Freitag): zwriinal monajl. Laad' «irtschaftsiche Sejtsragen .rtrnsprech - Anschlüße: inr die Redaktion 112 , Verlag Expedition öl Adreffe liir Depeschen: Anzeiger «ietze». Annahme von Anzeigen liir die Tagesnuminer bis vormittags S Uhr.
Erstes vlatt
\W. Zchrgang
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Notationrdrsck und veriag der vrnhl'schr« Univ.-Vuch' »nd Ztrin-ruckrrei R. Lange.
ßreitag. 26. Zuni M4
Bezagsprei»:
monatlich75Pf^ vierteljährlich Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch diePost A!k.2.—viertel- jährl. ailsschl. BesleUq. Zeilenpreis: lokal 15'$* auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goeq. Perautivortlich für den polit. Teil: Aug. Koey; für .Feuilleton", .Vermischtes" und.Gerichtssaal": Karl Neurath; für .Stadt und Land":
Htöottion, trpcöition und Druckerei: Schulstrahe 7. A»l-t^n!-ä:' H? B-ch
Die heutige Nummer umfahl 10 Setten.
Der verrat deutscher Zestungsplane.
Ber l in, 25. Juni. In der Angelegenheit der gemeldeten ^erdamniqen lallen sich ,etzi noch folgende weitere Eliizelheiien trytttellen: Nachdem bei der ersten Jngenicurmspcksio» das Feh len ton ^Bläuen iestgeliellt worden war, wurde eine Be- v dach taug eingeleitet, die starke Bcrdochtsgründe gegen den Frld- Un'belP v b l ergab. Dieser wurde daher festgenonrnicn. Er hat das Verbrechen eingcstanden. Bei ihm wurde die Adresse des Dr. Blumenthal in Dresden gefunden, der, imc Bohl auSsagte, mit ihm im Komplott handelte. Die Polizei slelUe srli, dal! der angebliche Blumenthal der in Berlin geborene Shirt Staul ist, der unter einem falschen, ihni von Petersburg ausqe- lteNien Paf> als Dr. Blumenthal in Dresden wohnte. Da die Festnahme Pohls streng qeheimgehaiicn wurde, gelang es, einige Tage später auch Sk a U l sestzunehmcn; auch er itwr geständig.
Die Spümageafsäre Pohl und Kaul rust, so schreibt man uns aus Berlin, in militärischen und politischen Kreisen außerordentliches Aufsehen hervor. Nach den neuesten Auf Heilungen sind die vollständigen Pläne östlicher deutscher Festungen verraten, und zwar sowohl durch gepauste Kovien als auch durch Anfertigung photographischer Ausnahmen der Originalpläne. Wie der Feldwebel Walter Pohl auch solche Photographien Herstellen konnte, ist noch unaufgeklärt. Unbegreiflich »scheint es, wie Pohl, der erst vor wenigen Mo natcn als Schreiber zur Ingenieur-Inspektion kommandiert worden war, so rasch in den Besitz höchst wichtiger Zeichnungen kam und w!ie er zunächst ganz unaussällig und unbemerkt diese Zeichnungen kopieren und zum Teil sür einige Zeit entwenden konnte. Der Berliner Kurt Kaul, der als ein Dr. Blumenthal in Dresden wohnte, scheint einige der Zeichnungen zur eigenen Anfertigung von Kopien für kurze Zeit in .Händen gehabt zu haben. Was ist nun verraten worden?
Der 1. Ingenieur-Inspektion, die in der Kursürsten- stratze zu Berlin ihre Bureauräume hat, untersteht die erste Festungsinspektion in Königsberg und die zweite FestungS- inspektion in Kiel. Letzterer sind die Küstenfestungen von Swincnlünde bis nach Borkum zugcleilt. Dieses Ressort ist nicht getroffen. Der ersten Festungsinspektion unterstehen die Festungen Bollen. Königsberg i. Pr., Danzig und Pillau. Hier hat der Blitz der Spionage eingeschlagen, und nach Andeutungen derer, die in diesen neuesten Spionagefall eingeweiht wurden, ist es die Gürtelfestnng Königsberg und ihre Ncuanlagen, die der Neugierde der „fremden Macht" besonders ausgesetzt waren. Die freindc Macht war natürlich, woraus schon der salsche, in Petersburg ausgestellte Paß des Dr. Blumenthal alias Kaul hindeutet, Rußland! Der Name unseres östlichen Nachbars wird seit dem Vertragsbrüchigen Verhalten des russischen Militärattachees in Wien auch in Deutschland bei spionagcassären nicht mehr unterdrückt, sondern offen genannt. Man kennt sich eben jetzt doch allzu gut aus. Die Zahl der Personen, die im Dienste der russischen Ausspähung stehen und dafür Gehälter oder gelegentliche Zuwendungen vom russischen Gcneralstab oder von den russi-, schen Kundschafterbureaus in Deutschland, Holland, Belgien und der Schweiz erhallen oder Gelder von der Ochrana oder nationalistischen Vereinen und — Kirchenbehörden Rußlands beziehen, wird aus mehrere Tausend geschätzt. Ucber die Verdächtigen führt man auch in Berlin eine Liste und es finden sich darin Angehörige beider Geschlechter, jeden Alters, von jungen Studenten bis zum Greis, und jeder Beruf. Unter den Verdächtigen gibt es besonders solche, die für russische Blätter zu schreiben hchauptcn, obwohl sie den zünftigen Zeitungs- lcutcn gänzlich unbekannt sind und cs für die Behörden kein Geheimnis ist, daß die ihnen aus Rußland zugesandten Gelder nichts weniger als eine Entlohnung für journa
listische Arbeiten sind. Von diesen russischen jAusspähern aus deutschem Gebiet ist aus besonderen Vorsichtsgründen nicht etwa immer ein Spion mit einer bestimmten Ausgabe betraut, sondern mehrere, die voneinander nichts wissen, haben die Weisung, sich mit dem betrefsmrden Gegenstand zu beschäftigen und ihre Berichte an einen Dritten, noch in Deutschland ivvhncnden cinzuscnden, der die Eingänge vergleicht, das „Wertlose ausscheidet und das Wichtige über die Grenze schickt. Werden gleichlautende Berichte zlveicr verschiedener Spione eingesandt, so hat das Ausland die an nätzerndc Gewißheit, datz die Spione ihre Ausgabe erfüllt und keine Phantasieprodukte hergestellt haben. Man hat also alle Ursache, anzunchmcn, daß neben dem Feldwebel Pohl mindestens noch ein anderer Spion daran gearbeitet hat, die deutschen tzleubautcn an der Ostgrenze an Rußland zu verraten.
In unserer letzte» Wehrvorlagc wurden bekanntlich 210 Millionen Mark sür den Bau von Festun- gen bewilligt und 64 Millionen davon wurden 1914 als erste Rate gefordert. Man weiß solvvhl im Kriegsminisic- rium, als auch im Großen Generalsbab und im Auswärtigen Amt, welch ungeheure Summen jcni-its der Grenze aus- geboten werden, um die aus unser, neuen Wchrvorlage begründeten Rilstungcn möglichst bekannt und osjenbar unb dadurch im Kriege unschädlich zu machen. Wir haben tsa gegen keine anderen Mittel mehr als unser neues Spionagcgesctz vom 3. Juni 1914, das uns gestattet, gegen die entdeckten Spione mit größerer Schärfe vorzugehen, als dies nach dem alten Gesetz vom 3. Juli 1893 möglich war. Danach kann der Verrat von Festungsplänen mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestrast werden. Da der Feldwebel Pohl deutscher Beamter und deutsche Militär- person war, tänn er nach § 4 des Gesetzes Zuchthaus bis zu 15, Jahren bekommen. Sollte sein Verrat einen schweren Schaden für die Sicherheit des Reiches zur Folge gehabt haben, so kann sogar aus lebenslanges Zuchthaus erkannt werden. Das neue Gesetz gestattet daneben Gcldstrasen bis zu 50000 Mk. (im alten Gesetz war die höchste Grenze 15 000 Mark). Auch verfällt nach § 16 das von den Tätern sür die Straftat Ernpsangenc dem Staat. Aber ob die jetzt gefaßten Spione sür den angerichteten Schaden damit ausreichende Sühne bieten können, ist noch sehr die Frage.
* * *
Wege.» Landesverrates sind in Düsseldorf drei Personen sestgenommen worden. Sie sind verdächtigt, an eine fremde Macht Material geliefert zu haben.
Die bayerische post.
München, 25. Juni. Im Landtage führte der Verkehr s m l n i st c r aus, daß der von einem Abgeordneten var- ausgesagte Zusammenbruch der bayerischen Post bisher noch nicht erfolgt sei. Es seien nicht nur die AuSgleuhsbesiräge sür das Reich ausgebracht, sondern darüber hinaus Ablieferungen) an die bayerische Staatskasse gemacht worden. Wenn das bayerische Postrescrvat ein kostspieliges Vergnügen genannt werde, so sei dies durch nichts begründet. Der ballerische Staat habe an seine Postverwaltung nichts ausgezahlt, sondern finanzielle Vorteile aus ihr gezogen. Es wäre durckiaus zweffel- daft, ob unter der Wirtschaft der ReichSoost die jetzigen niedrigen Tclephvngebühren bcsichen bleiben würden. Tie Rcichspost könnte Bayern unmöglich eine andere Verwaltung geben, als den übrigen Gebieten des Reichs. Die bayerische Post stehe hinter keiner deutschen Postverwaltung zurück, in mancher Hinsicht sei sie sogar beweglicher alS die Rcichspost, beispielsweise im Motoryolt- betrieb. Die Berkehrsbedürsnisse und Wünsche könnten leichter befriedigt werden als in einem großen VcrkebrSgebiet. Man hätte allen Grund, der Eigenart Bayerns auf dem Gebiete der Post lind Telegraphie Rechnung zu tragen und sie zugunsten der wirischajilichen Entioickelung Bayerns und seiner Selbständigkeit
zu erweitern. (Bravo im Zentrum.) Das Gleichgewicht »Nischen Einnahme und Ausgabe müßte durch die Schaffung neuer Ein- nahmcaueUcn hergeltrllt loerde». Ter Eintührwig von Postsparkassen ständen große Schwierigkeiten entgegen. Die Verwaltung glaube, von der Einführung einer Postsparkasse zurzeit abschcn zu sollen. Tic AuSglcichSbcilräge an das Reich seien das höchste Maß dessen, was verlangt werden könne. Weitere Ab- lieserungcn an die Staatskasse über diese Beitrage hinaus könnten nicht verlangt iverden. Die Verwaltung müsse versuchen, die Ausgabe» hcrabzu ni Inder n. Durch Einsübrnng von automatischen Umschaltcnellc» werde eine crdebliche Personalersparnis erzielt. Die Hoffnung aut Besserung der Rentabilität der bayerischen Post sei nicht aussichtslos.
Die Kieler Woche.
Kiel, 25. Juni. Der Staifer machte heute morgen Prinz und Prinzessin Heinrich einen Besuch in dem Königlichen Schloß und untcrnahin später einen Spaziergang durch den Düstcrbrooker Weg und die Strandpromenadc nach Bellevue. Ilm 12 Uhr besuchte der .Kaiser de» engt- tischen 'Admiral W a r r e n d c r ans dessen Flaggschifs „King George V." Um l2V, Uhr nahm der Kaiser an Bord der „Hohenzollern" militärische Meldungen entgegen, darunter die des sranzäsischcn Marineattachss, Kapitän zur See lKraf Faramond, zur Uebcrreichung der französischen Marine- Ranglistc.
Stadtverordnetenvorsteher Ahlmann gab nachmittags zu Ehren der Ossiziere des englischen Geschwaders ein
Gartenfest.
Bei der 2 e g e l w e t t s a h r t auf der Förde, die zeitweise eine völlige Flaute hatte, so daß die Regatten sehr spät beendet wurden, erhielt in der AchtmeterNassc „llnda" den ersten Preis (Ehrenpreis der Stadt Kiel). 7 Meter- Klasse: Erster Preis „Panne", 6 Meter-Klasse: Erster „Pep".
Der Kaiser gab aus der „Holzcitzollern" eine Abendlasel zu Ehren der Ossiziere des englischen Geschwaders. Bei Tisch halte der .Kaiser zu seiner Rechte» den großbritau- nischen Botschafter Eduard G o s ch e n,> Großadmiral von Tirpitz, den großbritannischen Kapitän Commodore William Goodenough, Admiral Pohl, zu seiner Linken hatte der Kaiser de» großbritannischen Bizeadiniral Sir George Warrcnder, Generaloberst v Plessen, den groß- britannischen Kapitän zur See Michael Culme Scymour, den Admiral I n g e n o h l. Gegenüber dem Kaiser saß Prinz Heinrich von Preußen. Wegen der Trauer sür den verzog von Sachsen-Meiningen spielte die Kapelle der „Hshcn- zollern" nicht.
Tie Enkelin des Fürsten Bismarck, Gräfin Hannah v. Bismarck und ihre jüngere Schwester, wurden vom Kaiser als seine Gäste bei der Kieler Woche eingeladen. Sie sind der Einladung gefolgt.
Zum Hinscheiden de? Herzogs Georg II.
In dem Nachruf der „Nordd. Allg. Ztg." zu dein Tode des Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen heißt cs:
Mit warmer Teilnahme wird diese Kunde allenthalben in Deutschland, namentlich in Preußen, dessen Herrscherhaus mit der Herzoglich Meiningischen Familie in nahen vermandtschajt- lickien Beziehungen sicht, vernommen werden. Gehörte doch Herzog Georg zu den volkstümlichsten Fürstcngestaltcn Deutschlands. Ihm war cs vergönnt, an den Ereignissen tätig mitzuwirken, die zu, einer Einigung des deutschen Volkes sührieu. Ter deutsch-französische Krieg ries ihn aus der Heimat zu den Kämpfen, in denen es um Teutschlands Schütsal ging. Nach dm Errichtung des Reick.es hal Herzog Georg jederzeit sich als rcichsireucr Herrscher bewährt, dem die Entfaltung der naiionalen Kräfte in steigender Entwickelung am Herzen lag. Tem Meininger Lande galt seine unablässige förderliche Fürsorge, die sichtbare Erfolge gezeitigt hat. lJn den Zeiten des Friedens legte der Saerzog einen seltenen Sinn sür Kunst an den Tag, die unter seiner Führung in Meiningen
hessische viographien.
Soeben erschien das dritte Lest der „Hessischen Biographien", die im Jahre 1912 die Reihe der von der Hist' rischen Kommission für das Großherzogtum Hessen hcrauSzugcbenden Werke erösineicn. TaS Ltvsigebiei dieses groß angelegten Werkes ist räumlich aui das Großherzvgtum dessen uiw zeitlich aui daS 19. Jahrhundert beschränkt, in dem eS Lebensbilder aller in der Zeit von 180b bis 1900'verstorbenen Personen enthalten soll, die während dieses Zeitraumes kürzer oder länger dem Großherzogium angehört und sich in Wissenschaft. Kunst, Industrie, im SiaatSdienst. IM öftent- lichen Leben oder sonstwie hervorgetan haben. Tiese Beschränkung tut jedoch der Reichliolsigkeii der Inhalts der Bwgravhiensamm- lunq durckzaus keinen Abbruch. Innerhalb der ihr gesetzten Grenzen dehnt sich ein weites Arbeitsfeld, das sich aus der einen Seite nicht au, geborene Dessen beschränkt, aus der andern Seite aber auch geborene Hessen umfaßt, die sich außerhalb des Großherzogtums au, irgend einem Gebiet ausgezeichnet haben. ES sei hier voll, besonder« hervorgehoben, daß die hessischen Biographwn nicht nur daS literarische Gebiet berücksichtigen, sondern außer Schriststellern lq-lehrum und belletristischen auch Fürsten. Oftiiierc Politiker. Geistliche Aerzie Lehrer, Beamte, Techniker, Skunstler (wie Maler, Bildhauer. Schauspieler. Sänger, Musikerl, Kaufleute. und »war lowotl Männer als Frauen, uiw. autnehmen. Dementspreckiend vielseitig ist auch der Inhalt des dritten Heftes, das 46 Per,on- lichkeiten behandelt. Von den csirzelnen seien iolgende hcroorge- bnben' Alovs Karl Obler 1817—1889,. katholucher Theologe und Pä^qoge: Otto Roguette 51824-1896, Dicht»:'Alfred Elcbsib 11833—1872), Matkomaiikcr: Philivv Welcher .1812 bis 1887 > Bibliothekar, Bibliograph und Historiker: Karl Weyp- rechi (1838—1881). Nordvolarsorscher: Heinrich Adolf von Barde- lebe» (1819—1895), Chirurg: Heiirnch Wenzel (1855—1893), Sorachsorschcr: Friedrich Lcnnig (1796—1838). a-ialektdichler: SS Brok (1817—1881, Begründer des beisischen Getto,ien- ^aftswcsenS: Rudols Oeser (O. Glaubrechi 1807-1K59 BolkS- fSrtitftrt pr - Sektor Röfckcr (1806—1875), Techniker: W,lh. Eurt- man '(1802—1871), Pädagoge: Johann J-lob Mendel (1809 bis 1881, Orqelvirtuosc und Komponist (erlte Kompoittion dert.W°cht hriTt" ‘ Karl August Eredner (I i97—1857), Theologe. Rbilivv Main! -mder (1841-1876 , Philosoph: Friedrich Freiherr ^ Ldeck zur Rabenau (1793-1883). bttsilcher General: Georg Swttfried Gcrvinus (1805-1871, »„wl.ker und Literalurhiiia- ri »' August Schvtl (1839—1886, Arzt, BcgrwAr der Aau- heüner Methode: Ludwig Baist (1825—1899), Chemiker, Be
gründer der chemischen Fabrik, Griesheim a. M. Jedes Lebensbild enthält auch em vollständiges Schiilten- und LucllrnverzeichniS: so sind z. B. noch nirgends alle Schriften Otto Roauettcs so vollzählig ausgczähli worden, wie am Schlüsse jenes Aufsatzes. Obwohl au dieser Stelle von den Namen der Verfasser der einzelnen Arttkcl abgesehen werden soll, sei hier dennoch Otto barnack als Berfasier deS Aussatzes über GervinuS genannt: dieser Aussatz ist Wohl daS letzte, lvaS sein Verfasser dem Druck übergeben l»at. War urt'vrünglich geplant, je süns Hesie zu einem Band zu verewige», so wurde dieser Plan jetzt dahin geändert, daß vier Hefte ewen 'Band auSMachcn sollen: das hat den Vorteil des rascheren Abschlusses und der größeren Handlichkeit der einzelnen Bände. Der Preis der einzelnen Liefcrunq beträgt bei Subskription 2,40 Mart, im Elnzelverkaut 3 Marl: nack', Abschluß eines Bandes werden die ihn 'bildenden Eirrzelheftc nicht mehr besonders abgegeben, sondern nur der ganze Band zu 12 Mark.
— Regelungdcr bildhauerischen Wettbewerbe von Reichswcgenk Nach sechSiährigen. zähen Bemühungen hat der „Künstlcrverband Deutscher Bildhauer" es nun glücklich erreicht, daß die Wettbewerbsbedingungen sür bildhauerische PreizailSschre,- ben in allen deutschen Bundesstaaten aut eine einheitliche Grundlage gestellt wurden. Auf lei» eisiigeö Betreiben haben sich alle Bundesstaaten gründlich mit dieser Materie beschäftigt. TaS Ergebnis lieg! nun vor und ist den Preußischen Ministerien, sowie den außcrpreußischen Bundesregierungen und den, Statthalter in Elsaß-Lothringen übersandt worden, mit der Bitte, den Grundsätzen nunmehr durch geeignete Verössentlichung und Mitteilung an Behörden und Körperschasten Geltung zu verschaiseu. Es ist dies ein vorbildlicher Erfolg der für ihre wirisclwiilichen Interessen besorgten Künstler. Besonders ans dein Gebiete der bildhauerischen Wettbewerbe herrschte bedauerliche Unklarheit, die vielfach eine Schädigung der KAnsiler zur Folge hatte. Nu» ist von Rcichs- wcgen die erwünschte Klarheit geschaften und den Architekten, Malern imb Kunstgewerblern der Weg eröffnet worden, aut dem sic aui dem Wege deS wirischaillichcn Erfolges nachcisern können.
— Nansens neuer Seeweg nach Sibirien. Ist'die Schiffahrt um Nordeuropa herum dauernd möglich? Das war die Derantassung der letzten Reise des berühmten Nordvolsahrers nach der Mündung des Jenissei. Ferne Beobachttrngen und Schlüffe führen zur Bejahung der auch sür Deuffchlands Handel wichtigen Tßragc. Nanicn befährt den Jenissei, die transsibirische Bahn und studiert das Amurgebiet bis zum japanischen Meere. In einem neuen Buche „Sibirien, dasLauddcr Zukunft",
wird er im Herbst seine Erlebnisse und Vorschläge der Welt unterbreiten. Tic deutsche Ausgabe erscheint bei BrockhauS.
— Eine siebenjährige T i c s^c eiarsch un gäret sc. Der euglische Farschungsreisende siackhCouje, der seit einiger Zeit eine SüdpoliorschungSrcise vorbereitet, gibt jetzt bekannt. daß er diesen Plan ausgegeben hat, und sttrlt dessen eine Tiessceforschunqsreise ausführen wird, wie sie in solchem Maß- stabe wohl noch nicht dageivesen ist: die berühmie Challenger-Reise Hai von 1872 bis 1876 gedauert: Stackhouse tvill aber sieben Jahre unlccwegs bleibe», und die zwölf Gelehrten, die 6 Offiziere Mid die 18 Mann Schiffsbesatzung, die er mitnimml. hoben sich schon ver- pslichiet, solange bei ihm auszuharreu. Im Dezember dieses JabreS wird Stackhouse von London zunächst nach Island fahren, dann nach Neuschottland und überall Tiesenniessuugen neben anderen Forschungen aussührcu: besonders die Unglücksgegend, wo die „Titanic" gesunken ist, soll genau ausgelotet werden. Ter weitere Weg jührt von Halifax nach den Azoren, dann a»er über das Ai- lanjische Weltmeer, nach Trinidad, weiter nach Rio de Janeiro, und von da um Slop Horn herum und zurück. Die solgendcn Haltepunkte lind Montevideo und Buenos Aires, dann wird das Atlantische Weltmeer wieder gekreuzt, den» die Fahrt geht über Tristan da Cunho nach Capstadt, und von Kavstadt aus weiter in das südliche Eismeer, wo der ivescntlichste Pnnli, den Maioson erreicht hat, ausgesucht werden soll. Tie Sondwickos-Jnscln und Südgcorgien sind die nächsten Ziele, und die Vermessung der Tiefen im Stillen Ozean wird besonders gründlich durchgeführt werden. Danach fährt Stackhouse wieder nach Kapstadt, dann weiter an der Küste entlang über Mauritius nach Sansibar, von da nach dem Seychellen und weiter nach Indien. Bombay soll zunäckut berührt werden, und als weitere Ziele lverdcn Singapure, Hongkong, Clsina überhaupt, wie die iavanilchen Gewässer angegeben. Tas ist in der Tat ein Riesenplan. Zu seiner vollkommenen Dairch- iührnng fehlt cs Stackhouse noch an 25 000 Pfund, also einer halben Million Mark. Diese Summe hofft er durch ösfentlichc ^ammlunqen aufzubringcn, außerdem rechnet er auch aui eine Unterstützung durch die englische Regierung.
„Wie einst im Mai". In dem Plagiatvrozeß, den Tll Max Mcyerscld als Uebcrsetzer des englischen Stückes „Meilensteine" gegen die Direktion Mcindard-Bcrnauer angestrengt hat, ist die von, Kläger eingelegte B c r u s n n g vom Kammeracricht zurückgewiesen worden: das Gericht hält also das von Meyer- seld bchauvtetc Plagiat nicht sür vorliegend.


