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General-Anzeiger für Oberhessen
Mfttwoch, 24. Znnl M4
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Zeilenpreis: lokal!5Ps. ausivärtS 20 Piennig, Chejredakteur: A. Goetz. Verantwortlich jür den polit. Teil: Aug. Goetz: sür .Feuilleton", .Vermischtes" und,GerächtS- saal"; Karl Neurath; sür .Stadt und Land":
8otat1onr-n>ck und Verlag der vrühl'scheii Univ.-V«ch- und Steiudruckerei R. Lange. RedaMou, Lrpcdition und Druckerei: Schulstraße 7. AnzeigenM.' ^ B«L
Die heutige Nummer mnfatzt 10 Seiten.
finanzielle Leistungzsähigkeit Deutschlands
-infolge deS gestern iviedergegebenen „Betrübenden i „TemvS" bezüglich der Eröffnung des
Hohenzollerukauals und der Zustände in Frankreich tvird folgenden Ausführungen, die wir in der „Deutschen Bvlkstv. Korr." finden, mit besonderer Befriedigung lesen;
. Uefeet die finanzielle Leistungsfähigkeit Deutschlands fntd ui den letzten Jahren die mannigfachsten Betrachtungen angestellt worden. Sic wurden unmittelbar veranlastt durch me Tatsache^ hast man sich in Deutschland durch eine ganze Reichs von Zähren nacheinander in kurzen Llbständen mit der «uche nach neuen Steuern befassen mußte, und erhiel- biffcr Beziehung ihren großen, letzten Anstoß durch die Erwägungen über die finanzielle Tragfähigkeit des deutschen Volkes im Hinblick auf den großen Wehrbkitrag. Es kam hinzu, daß wir fortgesetzt die Beobachtung machen inußtcn, wie lebhaft sich Frankreich an allen Ecken und Enden der Welt darum bemühte, seine Kapitalkraft einzu- letzen, um deutschen Wettbewerb auszuschallcn und politische Whängigkeiten zu schaffen. Deutschland seinerseits mußte sich angelegen sein lassen, ihm befreundeten Mächten mit Anleihen zuhilfe zu kommen und cinzuspringcn, wo Frankreich aus politischer Absicht versagte oder wo die von Frankreich gestellten Bedingungen eine starke mittelbare Schädigung deutscher^Jnteressen zu bewirken drohten.
J^t stehen wir offenbar in einer neuen Phase der Entwicklung — einer drinnen und draußen durch mancherlei gewichtige Kennzeichen charakterisierten neuen Phase; Mit lebhafter Uebcrraschung hat die Welt gesehen, daß doch schließlich auch aus dem Gebiete finanzieller Weltpalilik die Bäume nicht in den Himmel wamsen, und seien es selbst die des reichen Rentnerstaatcs Frankreich! Das Land, das selbst nach einem auf seinem Boden geführten unglücklichen Kriege fünf Milliarden sozusagen aus der Erde stampfe» und trotz dieser bedeutenden Abgabe sein Bolksvermögen wieder.gewaltig vermehren konnte, sieht jetzt plötzlich seine finanziellen Kräfte doch in einer gewissen Erschöpfung. Es hat im Dienste der Auslandspolitik seine finanzielle Kruft überanstrengt, indem es gleichzeitig in allen möglichen Ländern als großer Kreditgeber auftreten wollte, und sowohl in die eigenen wie in die russischen Rüstungen gewal- tige Milliardcnopser hineinsteckte, um aus einem militärisch defensiven einen stark offensiven Zweibund zu machen. So sehen wir für den Augenblick zunächst ein unerwartetes Hinüberglciten des Züngleins an der Wage finanzieller Leistungsfähigkeit zugunsten Deutschlands.
Zugleich aber beobachten wir noch einen anderen, auf diese Dinge zurückwirtenden Ausgleich der Kräfte bei uns im eigenen Lande; Befand Frankreich sich in einer Epoche, in der es seine Finanzkraft für die Zwecke finanzieller Weltpolitik überanstrengte, so hatte Deutschland eine Periode durchgemacht, in der es in überreichlichem Maße seine Mittel für industrielle Ne uanlagen verwandte.Das war mit mancherlei unerfreulichen Nebenerscheinungen verbünde»,; unter ändert» trug es dazu bei, daß wir trotz des großen Volkswachstums mit den heimischen Arbeitskräften nicht auskamen, sondern für die Industrie wie für die Landwirtschaft des unerumnschten Massenzuzuges slawischer Hilfskräfte bedurften.
Ein aufmerksamer Beobachter unseres Wirtsfltzifls- lebens, der Direktor der Deutschen Bank, Lcgationsrat Helfferich, macht nun in einem Borwort zur eben erscheinenden neuesten Auflage seiner Schrift übcr„Dcutsch- lands Volkswohlstand" darauf aufmerksam, daß im Jahre 1912 seit langen Jahren zum ersten Male die Gesamtheit der industriellen Aktiengesellschaften eine beträchtlich größere Summe an Dividenden ausgeschüttet Isal, als sie gleichzeitig an neuen Kapitalien investierte. Damit scheint üer innere Ausbau des deutschen Wirtschaftsapparates aus der Periode der beständigen Neuschopsungen in eine Periode ruhigerer Weitercnttvicklnng eingetrcten zu se.n. Um tv.-lch« Umsätze cs sich hierbei handelt, erhellt aus der Tatsache, daß die deutschen Aktiengesellschaften — alle anderen Unter» nchmungs, armen ungerechnet — allein mit rund 15 Milliarden Nominalkapiial arbeiten, das sich mit durchschnittlich 8Proz. verzinst. Im Jahre 1912 wurden bei den bestehenden Aktiengesellschaften insgesamt Kapitalerh Hungen vorgenrmmcn, die immer noch um 700 Millionen Mark die gleichzeitigen Kapitalherabsetzungen übertrcsscn. Dazu kam ein Ueberjchuß des Rominalkapitals im gleichen Fahre neu entstandener über das Nominalkapital der gleichzeitig aufgelösten Aktiengesellschaften im Betrage von über 150 Millionen Mark.
Trotz des immer noch recht reichen Maßes von Neu- gründungcn sck)cinen wir nunmehr mit unserer Wirtschaftsentwicklung doch eben an einem Punkte angelangt zu sein, der in erwünschtem Krästeausgleich die über das Maß vorhandener Heims,cher Arbeitskräfte hinausgehende Erweiterung des Jndustriali;ierungsprozesses zu einem gewissen Stillstand kommen läßt und den Zuwachs des Volksvermögens nicht mehr in altem Maße für industrielle Neuanlagen verbraucht. Dieser Stand der Entwicklung verspricht zwei Vorteile, die mit Verständnis und Geschick genutzt sein wollen; einmal den, daß wir ohne wirtschaftliche Geiahr den ausländischen Arbeiterzustrom alln'.ählich werden eindämmen können; zum andern den, daß wir reichlichere Beträge deutschen Sparkapitals als bisher werden flüssig machen können für maßvolle und wohldurchdachte Betätigung auf dem Gebiete der finanziellen Weltpolitik.
Line Aaiserrede.
Brunsbüttel, 23. Juni, Der Kaiser ging bald nach 7 Uhr an Bord der hapagdampfjacht „Viktoria Luise" und nahm dort an dem Regattodiner des Norddeutschen RegattavercinS teil. Bei der Tafel hielt Bürgermeister Dr. Predoehl eine Rede, die in ein Hoch auf den Kaiser ausklang.
Der Kaiser erwiderte mit folgendem Trinkspruch;
Wollen Eure Magnifizenz mir gestatten, unseren herzlichsten Dank ausznsprechen für Ihre freundlichen Worte und sür den schönen Rückblick, den Sie soeben über Nnchligc Phasen unserer na- iionalcn Entwicklung geworfen haben. Ich möchte zn gleicher Zeit dicicm Dank auch einen anderen anschließen, nämlich den. der noch mein ganzes .Herz erfüllt, für die Aufnahme, der ich mich seitens der Bevölkerung der Stadt Haneburg in diesem Jahre wie immer erfreuen durfte, und zwar geht das von den ältesten Jahrgängen herunter bis zu der großen Schar lieblicher Kinder. Ich habe daraus ersehen können, wie nun allmählich die von mir schon früher öjiers als eng und herzlich berührten Verhältnisse der Beziehungen ztvischeit Hamburgs Bürgcrscktast und mir anfangen, historisch und traditionell zu werden, denn sie gehen von Generation zn Generation. Eure Magnisizcnz haben hingewicsen aus die Quelle, Ivelche zu der Entwicklung des Mcnschcnmaterials des Vaterlands aus der See geführt Hai, und einzelne wichtige Erscheinungen mis diesem
Gebiete uns vvrgesührt. Wenn ich auch meinersefls mit Freud« die Entivicklung unserer Nation durch den Sport zu ernsten Leistungen beobachtet habe, so möchte ich noch« auf
eins Hinweisen, von dem ich glaube, daß sich unsere
Nation auf den, richtigen Wege befindet: Wenn sic sich bestrebt, die Hauptlcistungcn aut die Gesamtheit zu übertragen, die große Masse aus ein höheres Ni v e a u zu bringen und nicht die einzelnen erstklassigen Leistungen aus einem allgemein niedrigeren Niveau sich berausschälcn zu lassen. Unser Wassersport, dem wir alle huldigen und der uns auch beute wieder in dieses gastliche Heim zusammengesührt Hai, h t auch wieder eine neue Jacht unter meiner Flagge erscheinen scheu, >ld es ist ihr ,««glückt, den Preis des Hamburger Staa'es zu gewinnen, für welche Ehre ich besonders crsreut danke. Sic in l ifliprnngeil dem OKdanken eitle« deutschen SchissbauerS der Hansastadt Hmnburg, und sie entstand von kunstfertigen Händen aus der bewährten Schissstverst der Herren Krupp an der Waterkant. Auch ist dies ein Betveis sür den Fortschritt und die Entwicklung unserer Technik, welche nur möglich war in langen Fricdenszciicn, die unS »ach aufregenden ^kriegerischen Jahren beschicdcn wurden, sic ist gewissermaßen ein Sinnbild dcS Friedens, den ja auch der Kaufmann, der Bankier und der Reeder brauchen, um sich zu entwickeln, und die sic auch in hervorragender Weste, jeder in seiner Art, ansgenutzt haben. Ich glaube wohl im Sinne aller hier versammelten Herren zu sprechen, wenn ich der Hamburg-Amerika-Linie, bei der wir heute wiederum aus diesem schönen altbewährten Schüfe vereinigt sind, noch einen besonderen Tank aussprcchc sür den Tag, den sie uns neulich beschert hat. Auch als ein Erzeugnis langer Fricdcnszcit lies vor diesem Tage der „B i s m a r ck" vom Stapel, das größte Schiss, das augenblicklich auf dem Wasser schwimmt. Darüber herrscht wohl unter »ns allen kein Zwoisel, daß diel kein gewöhnlicher Stapellaus war, sowohl im Hinblick aus die Größe des Schiffes als auch in bezug aus die Stimmung aller Zuschauer. Die Hamburg - Amerika - Linie hat durch den Kau dieses Schisses uns die Möglichkeit gegeben, eineti großen nationalen Festtag zu erleben in dem Augenblick, als dort die 30 000 Tons ins Wasser hinabglilten. Alle Schlacken, der Neid und die Kleinlichkeit der Tagcskämpse verschwanden, alle Herzen schlugen höher und gedachten der großen Zeit und der Männer, die in ihr loirktcn, des großen Kaisers und seines eisernen Ratgebers. 'Das unserige ist, dafür zu sorgen, daß das, was uns überkommen ist, von uns weiter verwaltet werde, und daß wir, wie wir in nnt'eren einzelnen Bestrebungen und wie wir bei unseren Sportveranstaltungen alle unsere Kräfte Msammennehmen und anspannen, um das Ziel zu erreichen, das auch im Großen sür das Vaterland tun. Air müssen in der Lage sein, eins der besten Worte, das der eisern« Kanzler je geprägt, tätig aus uns zu übertragen und aus- zusühreu Es heißt, wir müssen so leben und so bandeln, daß wir allezeit mit ihm sagen können; Wir Deutschen fürchte« Gott und sonst absolu t nichts und Niemanden aus dieser Welt. Fürst Bismarck — in diesem Sinne erhebe ich mein Glas und fordere Sie auf, mit mir auf den Hamburgeh Staat, den Norddeutschen Regattaverein und die Hamburg-Ame- rika-Linie zu trinken , l
Nach der Tafel fand die Prcisverteilung für die Rc- gatta-Ergebnisse am Dienstag statt. __
vie wirren in Albanien.
Tie Bekehrung einer Führers der Aufständischen.
Durazzo, 22. Juni, 10 Uhr nachts. (Wiener Korr.« Bureau.) Dem schwer verwundet gefangen genommenen Kaimakau von Schiak, dem Scheich Hamdi Rubieka, wurde die Nachricht überbracht, daß Turkhan Pascha und die übrigen Mitglieder des Kabinetts für ihn die T o d c s st r a s e d u r ch d e n Strang forderten, wogegen Major Kroon energisch Stellung nahui. Aus Dankbarkeit sür die Haltung Kroons machte der Scheich
ver „Von )uan" des Deutschen vühnenoereinr.
Man schreibt uns aus Dresden; Grat Sccbach. der wagemutige Fechter für das Schassen Richard Strauß', unternahm cs auch, den allbekannten „Ton Juan" mit einem neuen Text heraus- zubringcn. Der Text stammt von dem berühmten Dresdener Kammersänger Karl Scheidemantel und ist unter 54 Einsendungen vom Preisgericht des Deutschen BühnenvercinS, das aus Erlangung eines cinwandireicn Wortlautes des Textes gerichtet war, als beste« mit dem ersten Preise bedacht und aus der Tagung des Deutschen Bühncnvercins den Mitgliedern zur Ausführung empfohlen worden. Ja. man ging dort »och weiter und verpflichtete die Opernbühnen, künftig nur noch den Schcidemantclichen Text bei „Don-Juan"-?lussükrungen zugrunde zu legen. Der Beschluß >var berechtigt, denn der neue Text erwies sich bei der getirigcn Uraufführung in der Dresdener .Hotoper als sehr sangbar und bedeutend sinngemäßer, als die zahllosen schon existierenden Bearbeitungen und Ucbersclzungen der Originaldichtung von Ta Vonlc Wohl Und etliche bekannte Arien, dem Wortlaut, nicht dem Sinne nach gejallen, wie „Reich mir die Hand mein Leben" und die sogenannte „Cbompaqnerakic", die desdalb sinnlos und stillos ist weil maii zn Mozarts Zeiten noch keinen Champagner kannte. Der neue Wortlaut trifft den lebenslustigen Ton der Komposition ausgezeichnet. Die berühmic Register-Arie des Leporello ist jetzt besser durchgearbciict und klarer. Der Text ist ohne Zwcitel dem Original treuer nachgedichtet — lieber der Dresdener 'Aussuhrnng lag die Weihe böchster Kunst. Das iveltberühmtc Orchester bot den Zuhörern einen Ohrenschmaus seltenster Art. Ten Titelhelden sang der Berliner Hosschouspieler und jetzige Heldenbariton der'Dresdener Hosopcr, Dr. Waldemar Stc ege mann. Mit glücklichstem Gelinaen. Darstellerisch und gesanglich war er ein echter Don Juan Die szenische Ausgestaltung war schlechten voll endet die Ballsaals,enc ein Triumph bewegten Büdncnlcbcns. Tic Kostüme au« der Zeit des Velasqucz funkelten und sprühten in den reichsten Fa-ben Der Beifall des ausverkausten Hauses nahm nach iedem Akte stürmischen Charakicr an: Scheidemanrcl und die Haupt- d-rsteller wurden mit Recht gefeiert. Im Publikum bemerkte man viele deutsche Lperndirektoren, Dr. Hartmann-Berli». Martertteig- "eipzig und andere mehr. Es steht nun zu hosfc», daß die deutschen Bühnen den endgültigen Text, der erst jetzt bei Bote L Bock gedruckt werden soll, ebenso wie die Partflur, ihren zukünftigen Don Juan-Ausführungen zu Grunde legen werden. Allerdings meldeten sich schon vor der Aussührung in Dresden gegnerische Stimmen, die der alten Fassung des Textes den Vorzug gaben, aber sie werden vor dem Votum der Masorität verstummen müssen. Nachdem nun einnial der Ansang gemacht ist, wäre cs wünschenswert, daß auch andere Opern mit fremdem Text ihren Neichearbefler fänden Der Deutsche Bühncnvcrcin darf des Erfolges >>chrr sein, denn fortan
kömicn häßliche Stildivergenzen zwischen den Darbietungen der ein zclnen Sänger nicht mehr Vorkommen. Der erste Schritt ist mit Erfolg getan, mögen weitere im Interesse unserer deutschen Opern- musik solaen.
— Der Meister der Handschriftendeutung. Die in unseren Tagen wohl zu Tausenden zählenden Graphologen können am 2 4. Juni den hundertjährigen Geburtstag Adolf H e n z e ' s feiern, des Mannes, der die Handschriftendeutung in Deutschland populär machte und Wohl überhaupt erst diese Wiisen- schast - oder mit Bezug auf Henze darf man lieber sagen; Kunst — in Deutschland einsührte, nachdem sie bereits in Frankreich lange, besonders durch hohe geistliche Würdenträger, vor allem durch den Abbe Michon, sehr gepflegt wurde. Adolf Henze, der am 24. Juni 1814 in Leipzig geboren war, gab dann im Jahre 1862 in Leipzig ein Werk „Chirogrommatomantie" lwraus, in dem er, olwe ein besonderes Systein auszustellcn oder irgendwelche Regel" zn geben, die Kunst der DandschriitcndeuMng darstellic. Und '<■ trug diele Kunst dann in weitere Kreise, indem er Vorträge. auch außerhalb Leipzigs, hielt, wobei er Haildschristen aus den Kreisen seiner Zuhörer sofort deutete und diese dabei ofl in Erstaunen setzte, tvcnn er voll ihnen selbst oder ihren Angehörigen die Bestätigung seiner richtigen Diagnose erhielt. Dabei kamkii oft recht drollige Szenen vor, wenn er z. B. unangenehme Claraktereiacnschafien diskret in »michreibende Worte einhüllte. Großes Aufscl^n erregte zum Beispiel ein Dortrag, den Henze in dem Dresdener Literarischen Verein lstcli, dem damals eine Anzahl der bekanntesten Schriitstcller beiwohnte, die dann über den Vortrag in eine lebhafte, noch in der Preise sortgeiührie Diskussion aerieten. Besonders bekannt wurde 5,e»ze dann, als er seine Kunst in der Leipziger „Illustrierten Zeitung" praktisch ver- ivertete. was später von Berufenen und Unberuteiicn viel in anderen Zeitschriften uird selbst in der Tagespresse mit mehr oben weniger Glück nachgeahmt wurde. Zweifellos geschah es durch Henze zumeist mit Glück. Fhnr wurden überraicktcnde Deutungen nackigcsagt. doch war er, wie gesagt, mehr Künstler seines Facktes der intuitiv zu den Lösimgen gelangt. Erst von seinen Nachfolgern, besonders von Eugen Schwiedland. wurde die Graphologie in mehr wissenschaftliche Bahnen gelenkt.
— Eine epochemachende Ersin dnn a. Ein Pilsener Ingenieur hat einen Apparat enunden, mit weltlrem man elektrischen Strom von verschiedener Spannung und Intensität drahtlos aus bestimmte Entfernungen übertragen kann. Durch diese Er- sinduna wird es ermöglicht, Natnrkräste, speziell Wasierkräiie, die in elektrische Energie verwandelt weiden, drahtlos aus einen beliebige« Ort zn übertragen. Die elektrische Energie würde dadurch natürlich ungewöhnlich verbilligt und allgemeiner benutzbar gemacht werde«.
— Kostbarcs chinesisches Porzellan. Aus London wird berichtet: In den Auktionssälen von Christic entspann sich am Mittwoch unter den Kennern ei» heißer Kamps um den Besitz einer Anzahl einzigartig schöner- und kostbarer alter Porzcllan- werle. Den höchsten Preis erzielte ein altchinesischer Humpen mit prachtvollem ichwarzc» Eniaillegrund mid rei-hcn Btunienorna- uienten von grüner Farbe; das Stück, das 27 Zoll hoch ist, entstammt der Kang-He-Periode und erzielte schließlich den Rekord- vrcis von 100 800 Mark. Noch nie ist in London für schwarz- emailliertes Porzellan ein so fürstlicher Preis bczahti worden. Ein anderer altchinesischer Humpen aus gleicher Zeit, 18 Zoll hoch, mit gelbem Grund, wurde mit 92 200 Mark bezahlt. Zwei chine- sisck>c „iamille-rosc"-Waflerbel-älter in Emaille, im Ornament reitende Frauen darstellend, aus der Kien-Lung-Pcriode, erzielten 30 450 Mark. Für ein Paar Dresdener Basen und einen Humpen, in orientalischer Stilisierung gemalt, wurden 18 900 Mk. angelegt. Lebhaft umstritten war auch ein griechisches Mormor- rclies aus dem Besitze H. S. Cowpers; das Werk, das dem 4. Jahrhundert entstammt und bei einer Größe von 29 :34 Zoll drei Npinphen darstcllt, tvurde schließlich sür 28350 Mark zugeschlagcn.
— Kann man einen Radium- Motor bauen? Ta» Radium sendet bekanntlich fortwährend Energie, Arbeits- krast, aus, und iiichrsach ist die Frage laut geworden, ob man dies« Arbeitskraft nicht nutzbringend verwenden könne. Ein Ersinder hat beispielsweise versucht, eine Uhr durch Radium zu treiben, und cs fragt sich, ob man die sreiwerdendc Krast de« Radiums, nicht in der Technik, etwa zum Treiben von Maschinen, verwenden kann. Im „Prometheus" Verlag von Otto Lpamer, Leipzig; beschästigi sich ein Ingenieur mit dieser wichtigen Frage. Der .Radiummotor wäre tatsächlich leicht zu bauen, tvcnn es aclänge, den Zerfall des Radiums zu beschleunigen, iodaß die Ärbcitsinenge, die sonst im Lause einiger Jahrtausende frei tvird, in einer kurzen Zeitipannc ausgcnntzt werden kann. Man hat verschiedene Versuche hierüber gemacht; man bat das Radium erhitzt, man hat es der Einwirkung von Kathoden- und Röntgenstrahlen ausgesetzt, man hat versucht, ob cflic längere Einwirkung elektrischer Entladung in Helium einen Einfluß ausübt, aber bei allen bisherigen Versuchen hat das Radiuni sich sehr hartnäckig gezeigt; bisher ist cs noch nicht gelungen, seinen Zerfall zn he- schleunigen, und so ist vorläufig mit einer technischen Ausnutzung der großen Energiemengen des Radiums und einem Radiuni- motor nicht zu rechnen.
— Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen- s ch a s t. Ter König von Bauern hat angcordnci, daß die Büste Johann Sebastian Bachs in d>'r Walhalla aufgestclfl


