Ausgabe 
18.6.1914
 
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Der Sittzrnrr Anzeiger

erscheint tägkch, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich SietzrnerLamitiochtäUer; zweuuat wöchentUirek- dlattfürda, «reis Sichen i Trenslog «vdFrett aa ); jrottraal motnrtt. Qwö- wirlschafittchr Scitfragen Ferusprech - Anschlüsse: lür dis Redaktion US, Verlag ». Expedition 51 Adresse für Depeschen: Anzeiger «jeAe». t muchmr von Anzetgr, iür die Tagesmnnmer dir vormittags S Uhr.

Erstes Blatt

164- Jahrgang

Donnerstag. 18. Juni 1914

General-Anzeiger für Oberhessen

8otaki»llsör«k mrt Verlag der Srühi'sche« U«io.-V»ch- und 8teindru<lerei 8. Lange. Redaktion, Erpedition und Druckerei: Schulftrahe 7

Bezugspreis:

monatlich 7LPf.. viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dieVost Mk. 2.viertel« jährl. ausschl. Beslellq. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A.Goe^ Verantwortlich für den volit. Teil: Aug. Goek;; fürFeuilleton", .Der- mischles" und^Gerrchts- faal": Karl Neurath; fürStadt und Land-: Kurt Beirdt; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Deutschland und Frankreich in Uleinafien.

rj. Berlin wird uns von unterrichteter Seite ge-

schrieb en:

Eine niedliche Intriguc leislrt sich dasEcho de Paris". Es behauptet, Deutschland habe die Absicht, durkb ein Ucber einkommen mit Bulgarien einen Stützpunkt im Mittclnreere nabe den Dardanellen zu gewinnen. Deutschland strebe den Belitz des Hafens Lagos an und werde durch die Bahnlinie Lagos-Äaskovo den russischen Einfluß in Kleinasien iwch kraitiger bekämpfen können als bisher. Was denn die fran­zösische und die russische Regierung dazu sage? Es sei doch wünschenswert, Näheres darüber zu erfahren, ob der Hafen Lagos etwa für ein Zusammenwirken deutscher und österreichischer Kriegsschiffe bestimmt sei...

Man sicht, die Begegnung von Konovischt hat die Neu gierdc des Auslandes doch mächtig erregt. Man möchte gar zu gerne wissen, was dort besprochen wurde, und die Lagos- asfäre soll den Lockvogel bilden. Wir werden den Neugierigen den Gefallen natürlich nicht tun und weder über Konovischt noch über Lagos Enthüllungen bringen, schon deshalb nicht, weil es da wirklich keine Geheimnisse gibt. Die angczctlcltc Zntriguc zeigt deutlich, daß in der französischen Presse das Vorurteil und die bestellte Arbeit leider immer noch vor­herrscht. Man kann sich in Paris immer noch nicht darüber beruhigen, das; Deutschland in Klcinasien nun endlich zum Beherrscher der B a g d a d b a h u geworden ist und man ver­gißt und lvill vergessen, daß Frankreich bei der klcinasia-- tischcnFlurbereinigung" ganz außerordentlich gut abge­schnitten hat. Frankreich besitzt jetzt in Kleinasien 2126 Kilo­meter Eiscnbahnkonzessionen, wozu noch die fetten Hascnkon- Sessionen kommen. Deutschland hat nur 1753,4 Kilometer Konzessionen. Rechnet man die ganze Bagdadbahn, wie sie 1916 fertig sein wird, dazu, so besitzen die Franzosen, nach­dem sie die in Syrien verlangten Konzessionen lRavak- Jeru­salem und Lydda-Aegyptischc Grenz«) bekommen haben, immer noch mit den Konzessionen in Qstanatolieu und auf dem Balkan weit mehr Bahnen als wir. Nicht eine von all den Forderungen, die Frankreich bei der Pforte erhoben, «»erfüllt geblieben. Ja, sogar der Widerspruch Rußlands, daS aniänglich keine französische Zweiglinie nach Wan und Drscrum hinüber dulden wollte, ist überwunden worden. Auch die Konzessionen für diese ostwärts nach Armenien hinein ^»führenden Linien hat Frankreich erlangt.

4- Es ist also ganz Nord- und Oftanatolien nördlich der * Bagdadlinie zur französischen und russischen Interessen­sphäre geworden, und da ebenso Syrien bis nach Aleppo hinauf dem französischen Einfluß unterworfen ist, so ist das der deutschen Betriebsamkeit überlassene Gebiet zwischen diese beiden gewaltiger Entwickelung fähigen fremden Ge­biete eingekeilt. Wir haben uns damit zufrieden gegeben. Haben wir aber jemals den französischen Anstrengungen so kleinliche Verdächtigungen entgegengestellt, wie sie jetzt be­liebt werden, just in dem Augenblick, da die griechisch- türkische Spannung in Klcinasien ihren Höhe­punkt erreicht, da ein neuer Balkankrieg vor der Türe steht und alles daraus ankämc, daß sämtliche Großmächte, auch die des Dreiverbands, durch freundschaftliche Vercinba- rungen einen kriegerischen Zusammenstoß an den Küsten Kleinasicns vermeiden? Gerade Frankreich hätte doch jetzt allen Grund, durch ein entsprechendes Zusammenwirken mit der deutschen Diplomatie auf friedliche Zustände in den Gebieten hinzuwirken, in denen jetzt die Panik, die Plün­derung und das politische Chaos herrscht. Tie Bahn, die durch "Abtretung unserer Konzessionen im nördlichen Klcin­asien zum Bau für Frankreich reif geworden ist, erschließt

der Republik nicht nur alle Nvrdgcbietc und gewährt ihr die Ausnützung der Häfen an den Dardanellen und am Schwarzen Meere, sondern durch jenen Schiencnstrang er­hält Syrien, aus dem jetzt die Griechen zu Tausenden fliehen, für die Franzosen eine Bedeutung, die sie sich bis jetzt selbst nicht träumen ließen. Für Syrien galt lange Zeit die Annahme, es sei mit durch Bewässerungsanlagen in der früheren Zeit in den Stand gesetzt worden, die reichen Er­träge hervorzubriugcn, von denen berichtet wird und die die zahlreichen Ueberreste menschlicher Wohnstätten in wei­len, jetzt verlassenen Teilen des Landes beweisen. Diese Annahme ist jetzt durch eine fachmännische Untersuchung von H. Auhagen (also wieder eines Deutschen!) widerlegt worden. Aus ihr ergibt jich, daß in Syrien wie in früherer Zeit, so auch jetzt der Anbau landtvirtschaftlicher Früchte in besonderer, dem Landescharakter angepaßter Form ge­schieht, der Boden aber nicht der Bewässerung bedarf. Wäh­rend wir also viele Gegenden der Bagdaddahn erst durch Bewässerung erschließen müssen, fliegen den Franzosen in Syrien gebratene Tauben in den Mund. Also warum gerade jetzt die Feindschaft und Eifersucht in kleinasiakischen Fra­gen:? Deutschlands Ziele in Klcinasien haben sich iinmer deutlicher um den Begriff der Bagdadbahn kristallisiert, und wir haben gar keinen Grund, unsere Kraft durch Verfol­gung phantastischer Dardanellenproblemc zu verzetteln. In Klcinasien gilt cs jetzt, die Verwahrlosung von Jahrhun­derten wieder wett zu machen, und dabei gibt es für die beteiligten Nationen, sür jede in ihrem Bereich, sehr viel zu arbeiten. Für internationale Intrigier, in Klcinasien wäre jetzt der schlechteste Augenblick gewählt.

Die neuen Ereignisse um Durazzo.

Die heute eingelaufenen Meldungen lauten wider­sprechend, aber auch ernst. Es ist kaum ein Zweifel, daß ein Hilfskorps des Fürsten umzingelt und überwältigt wor­den ist. Wie man weiß, standen solche Truppen außerhalb der Stadt Durazzo zur Umzingelung der Aufständischen be­reit. Unterm 17. d. M. wird auch von einem siegreichen Ge­fecht der Regierungstruppen gemeldet. Während in Durazzo der Fürst eine Truppenschau abgehalten hat, ist, wenn man einer bisher unbestätigt gebliebenen Nachricht glauben darf, hinterher schon wieder ein Uebcrfall auf die Stadt versucht worden.

Wir erhalten folgende Meldungen:

Ein Hilfskorps des Fürsten umzingelt und geschlagen.

Durazzo, 17. Juni. 7,15 Uhr abends. «Agcuzia Stefani.l Das aus etwa 1000 Mirditcu und Malissoren be­stehende Exbeditionskorps wurde von den Aujstän- drscheu umzingelt und dezimiert.

Ein neuer Ucberfall auf Durazzo.

lieber Rom wird derFrkf. Ztg." aus Durazzo vom 17. d. M., 2 Uhr nachmittags, noch folgendes, bisher unbestätigt gebliebenes Telegramm gesandt: Die Aufständischen haben die Stadt plötzlich über­fallen, während die Malissoren bei S i j a k kämpfen. Man fürchtet, die Rebellen könnten von einem Augenblicke zum andern in die Stadt einbrechen. Tie Malissoren ziehen sich zurück. Man trifft aber Anstalten, um die Stadt so lange zu halten, bis aus Norden Hilfe kommt.

V a l o n a , 17. Juni. Die Regierungstrupven erstürmten, wie die Albanische Korresvondenz meldet, unter Führung des Majors Besim noch hartnäckigem Kampfe den Aufständischen die Höhe von A r d c n i c a und schlugen die Aufständiichen unter Verlusten in die Flucht. Diese zogen sich IN der Richtung auf L j u s ch n a zurück, wohin die Regierungstruppen vorrücken sollen.

Durazzo, 17. Juni. Major Kreon ist gleichzeitig mit den Malisforen in Durazzo cingetrosfen und hat das

Oberkommando übernommen. Bei der Ankunft der Malisso­ren dielt der Fürst eine Truppenschau ab, wobei be­geisterte Kundgebungen für ihn veranstaltet wurden.

Parlamentäre der Aufständischen.

DieWiener Allgemeine Zeitung" meldet aus Durazzo: Tic in Durazzo eingetrofiencn zwei Parlamentäre übcrbrachnm die Bitte der Aufständischen, die Toten und Verwundern foitschasien zu dürfen. Gestern abend um 8 Uhr sind die Parla­mentäre heimgckchrt.

Das Begräbnis Thomsons.

Durazzo. 17. Juni. Gestern fand das Begräbnis des Obersten Thomson statt. Auf Befehl des Bürgermeisters blieben die Läden geschlossen: in der Stadt waren Trauerfahnen gehißt. Die Fürstin legte am Sarge .einen Lorbeerkranz nieder, eben', der Für st, dessen Kran- mit der höchsten dldanischen Auszeichnung geschmückt war. Zlvet Abteilungen österreichische und italteniiche Matrosen crwieien die militärischen Ehren. Dem Trauerzugc folgten das diplomatische Korvs, drei Admirale und eine groß: Menlchemnengc. Voraus schritten Mirditcn und Gendarmerie.

Amsterdam, 17. Juni. Der PanzerkreuzerNoor» Brabant" begibt sich morgen »ach Durazzo, »m die Leiche des Obersten Thomson nach den Niederlanden zu bringen.

Ein Telegramm des Kaisers Franz Joseph an Königin Wilhclmina.

Wien, 17. Juni. Ter Kaiser richtete an die Königin der Niederlande aus Anlast des Todes des Obersten Thomson folgendes Kondolenztclegramm:

Ich lege Wert darauf. Ihrer Majestät meine aufrichtigste Teilnahme anläßlich des Verlustes auszudrücken, den die ruhm­reiche niederländische Armee durch den Tod des Oberstleutuams

Thomson erlitten hat. Ich bitte Ihre Majestät, uberzeugt zu sein, daß die heldenmütige Haltung des tavscrcn Offiziers und sein vorbildlicher Mut von meiner. Armee lebhaft gewürdigt wird.

Durazzo, 17. Juni. Durch Funkspruch vom Kreuzer Szigctvar": Das Gefecht in der Nacht zum 16. Juni dauerte mit kurze Zeit und beschränkte sich auf ein erfolg­loses gegenseitiges Feuer, welches nach einer halben Stunde auf der ganzen Linie völlig verstummte. Die übrige Nacht verlief ohne Zwischenfafl. Ter Feind räumte die .Höhen nördlich von Durazzo und zog jich in der Richtung auf Rasbul hinter die Hügelkette zurück. Dort stehen starke Posten der Aufftändischen. "Der gestrige Vormit­tag verstrich, ohne daß das Gewehrfcuer lvieder eröffnet wurde. Immerhin wurden die Anhöhen um Durazzo zeitweilig mit Geschützfeuer bestrichen, das eigene und das feindliche «Gelände nach Toten und Verwundeten ab­gesucht, deren Anzahl zwar nicht genau bekannt ist, aber Hunderte betragen muß. Während des ganzen Vormittags wurden die aufgesundenen Toten beerdigt. Die Leiche des Obersten Thompson wurde in das im Palais eingerich­tete Hospital gebracht und dort ausgebahrt. Sie soll aus Mangel an Konservierungsmitteln hier bestattet und später nach der Heimat übergefuhrt werden. Der Fürst drückte der Familie des Gesaflcnen sein herzlichstes Beileid aus. Für gestern abend war der Vormarsch der Regierungstruppen mit den vorgestern angekommcnen 1200 Malissoren gegen die Rebellenlager bei Schrak geplant. Da der Fürst aber einen Rasttag angeordnct halte, wurde der Vorstoß um einen Tag verschoben. In das Palais gelangten Nachrich­ten aus Kawaja, daß dort gestern nacht Kämpfe zlvi- schen den Regierungstruppen und den Rebeflcn stattsarchen. Tic Rebellen sollen sich ergeben und erklärt haben, keine eigenmächtigen Ziele zu verfolgen, sondern zum Kampfe aufgehetzt worden zu sein.

Lin geistlicher Licdersänger.

Am 18. Juni 1864, vor nunmehr 50 Jahren, starb in Stuttgart Albert Knapp, der sich sowohl als Dichter und Hvmnologe wie als Kanzclreöner einen Namen gemacht hatte. Er war am 25. Juli 1798 in Alpirsbach als Sohn de:- Oberamt­manns Knapv geboren. Knapp wandte sich nach Absolvierung der hergebrachten Ausbildung zum Theologen mit großer Ent'chieden- heit der strenggläubigen Richtung zu, bereu Führer in Schwaben hamal» Ludwig Hosackcr war. Bis an lein Lebensende blieb er dieser Richtung treu, ohne jedoch in engherzige Einseitigkeit zu verfallen 1825 wurde er Diakonus in Sulz, 1831 in Karchhcim. Hier wurde die Herzogin .Henriette von Württemberg, die beson­ders durch ihren Wohltätigkeitssinn bekannt war, seine eitrige Gön­nerin 1836 kam er nach Stuttgart als Diakonus an der Hospital- klrche, wurde 1839 Archldiakonus an der Stiftskirche und endlich 1845 Sladtviarrer au der Lconbardskirchc, eine Stelle, die er bis an sein Lcbcnseudc bekleidete. Er genoß ein hohes und durchaus verdientes Ansehen als ausgezeichneter Prediger. Allein seine Hauptbedeutung beruhte mehr au, seiner dichtcisichcn Begabung als auf kirchlichem oder tbcologischcm Gebiet. Ein großer Reich­tum an Eriindung, eine Gcwaildthcii in der Behandlung des Verses und c>ne Fülle van Gedanken und Gefühlen zeichnen seine Werke aus Groß war sein Slossgebict. Eingehende histonlche Studien, große Reisen und sinn llmgang mik^geistig hervorragenden Män­nern wie Arndt, Rückcrt. Gustav Schwab, Vnrkcr, Lenau, Ana­stasius Grün, hatten seinen Gesichtskreis geweitet.

Das Christentum, die Vaterland,lchc Geschichte und die Natur sind die drei großen Quellen seiner Poesie. Von seinen geistlichen csiedern sind mehrere in die vrotestantischen Gesangbücher Uber- gegangen Bon seinen weltlichen Gedichten, unter denen sich schwache GeleaenbcitSdichnmgcn zu bestimmten fcultrficit Tagen und auch sonst viel Mittelaul bcsindei, Hai er in der Zeit innerer religiöser Kämpfe zwei dicke Bände in der Handschrift verbrannt,geopfert',

WIC Bon seinen historischen poetischen Arbeiten seien erwähnt: Hvbenstaincn, ein Zyklus von Liedern und Gesängen" l 1839« und "Lieder der Vorwelt" (1862h in denen er die Künst und die Taten des Heidentums besingt. .... , - . - .

-eine bedeutende Tätigkeit «4s vymnologe ,and ihren Nieder- s Maa in demEvangelischen Liederschatz für Kirche und Haus" und der Herausgabe von Gottiried Arnolds und Zrnzcn- ßorks geistlichen Liedern und den österreichischen Efulantenttedcrn dem 50jährigen Krieg, knapv war auch de r A e rau sgeber des Zimten Taschenbuchs positiver ThcolvgreEhnkatexpc . .

Knapp, der am Ende seines Lebens halb erblindete, war drei­mal verheiratet: Mit Christiane v. Beulwitz in erster Ehe, nach ihrem Tode mit Amalie Geiger und nach abermaliger Vcrwitwung mit Minette Lerche. Er halte eine große Schar von Kindern.

Geschichten vomalten Tchado w". In Berlin vor hundert Jahren war deralte Schadow", tvie man den großen Bildhauer allgemein nannte, eine dm populärsten Gestalten: an sie erinnert ein soeben erschienenes Bändäscn derBerliner Heimat- büchcr",Jol^inn Gottiried Schadow, der Begründer der Berliner Bitdhaucrschulc und^ Vorkämpfer sür deutsche Hcimatkunst" von Otto .Hach. Ging schadow in seinem langen taschenreichen Rock, aus dem er ein buntkarriertes Taschentuch hervorzuziehen vilcgte, mit seiner Schirmmütze und in seinen riesigen Filzschuhen, seltener in kalbledernen Stieseln, in die er für die Ballen und Zehen große Locher geschnitten hatte, durch die Straßen, dann grüßte ihn jeder und er antwortete in scineni urwüchsigen Berliner Dia­lekt. Nicht anders bewegte er sich in der Akademie, deren Direktor cr 50 Jahre lang gewesen. Langsam schritt er durch die säte, blieb dann und wann bei einen, der zeichnenden Schüler stehen, und w:mi er zufrieden war, tlopstc er ihm Mit seiner inächtigen Hand auf den Kops und sagte:Tel ir sut". Bei einem andern hicy es wieder:Det iS nischl". Da müht sich ein dritter vergebens, den Umriß einer menschlichen Gestalt aus dem Papier festzuhattim. Der Mtc läßt ihn aufstehen, setzt sich aus seinen Schemel und meint:Nu paß usi. Ick mach: det so." Dann nimmt er den Krerdesttit, macht mit fester »and Punkte hier und da aus dem Parier, und während er diese Punkte durch sicher gezogene Linien untereinander verbindet, brummt cr vor sich hin:Tel bab ick von meinen Vater. Ter war'n z-chncider." Nicht nurberlinisch" war der alte Schadow. sondern echt preußisch urdeutsch. Man hat sälschlicherweisc von ihm gesagt, er habe an den Vefreiungs- kriegen wenig Anteil gezeigt: aber bei der allgemeinen Erhebung trug auch cr sein -ocherslein aus dem Altar des Vatersandes bei und stistctc außer 80 Dukaten seine in Ron, so schiver crrmigenc große goldene Medaille zun, Einschmelzen Auch cr trug im Ber­liner Landsturm Säbel und Muskete und hat in prächtigen, schars- trefsendeu Spottbltdeni den Erbfeind Napoleon mit seinen Waisen bekämpst. Vaterländisch war auch seine voll einem gesunden Realis­mus getragene Kunst, und der ausgesprochene HeimatSsinn in seinen Werken lebt auch zu seiner Liebe zur Landschaft der Mark, für deren Schönheit cr eiutrat, als die damalige Kunst ihr Natur­ideal in der Ferne suchte. Ost wetterte cr gegen dasewige Jtalienanalen". ,Lch bin nich io sehr vor Jlalien," meinte er drnyr wohl, ,Mi die Bööme gejalbcn mir nar schon iar nich. Immer

diese Pinien und diese Pappeln, iln waS is denn am Ende damit? De eenen sehen aus wie ussgeklappic Regenschirme und die andern wie zugeklapptc."

Das Tageslicht-Kino. Eine interessante neue Er­findung aus dem Gebiete der Kinematogravhie hat nach einem Be­richte derAgenzia zotefani" ein Engländer gemacht und damit die Verwendung kincmatogravhischer Films im Dienste des wissen­schaftlichen Studiums und Unterrichtes weientlich erleichtert und vervollkomninet. Es handelt sich um eine Vorrichtung, die es ermöglicht, den Film bei Hellem Tageslicht zu projizieren. Bisher war cs bei den Filmnorführmigen notwendig, verdunkelte Räume zu wählen, um die Photographien auf der Leinwand mit wün­schenswerter Dcutlickikeit sichtbar werden zu lassen. Das hat man­cherlei Nachteile, weil der Sehkrast damit erhöhte Anstrengungen auferlegt werden. Dazu kommt, daß Studenten und Lernende, die wiiscnichastliche Filmvorführungen versolgen, nicht imstande sind, sich während des Vortrages oder der Vorführung im Dunklen Notizen zu machen. Bei der neuen Methode wird cs möglich, den flilni im hellsten Tageslicht norznlühren. Die Entdeckung besteht in einer neuen Projcltionssläche, die nicht wie bisher aus weißem, von einem Holzrahmcn eingefaßten Tuche besteht, sondern in einem vergamentartigen Stoffe, der unoerbrcnnbar ist und das Liche IN hohem Maße auisaugt. Der Proiektionoavparat wird hierbei nicht vor der Projektianssjächc, sondern hinter ihr ausgestellt. Die in Birmingham mit dem neuen Verfahren unternommenen Versuche haben aufcrordentsich günstige Ergebnisse gezcisigt. In London haben drei große Kincinatogravhenthealer di: neue Methode für die Tagesvorstellungen eingeführt. Man bedarf dazu weder der Anschaffung neuer Apparate noch cincs stärkeren Scheinwerfers.

T i c Eisenbahn auf Island. Ter vielerörterte Plan der Isländer, ihre Insel um einen Schienenürang zu be­reichen', ist nunmehr gesichert, der Altbing hat die Eisenbahn- Vorlage angenommen, und in nicht allzu ferner Zeit wird zwischen Islands Gletschern mid heißen Quellen das Dampfroß seinen Weg ziehen. Die Eisenbahn nimmt ihren Ausgang von der Hauptstadt Reikjavik und führt nach Thorssaa, von wo aus die eine Strecke zu den Geisern, die andere nach Orbak weitcrqeht. Die «Gesantt- strccke crrcucht annähernd hundert Kilometer, di: Kosten sind aut rund vier Millionen Mark veranschlagt, .'deute lind Handel und Verkehr in senen Gegenden noch auf höckift primitive Belörderungs» mittel migewiesen. Tie Reisenden bedienen sich der Reittiere, Güter wterden durch Karren befördert, die Straßen sind vielfach schlecht und oft durch -prurzbache gcjahrdct.