HD&erft I h-v m f o » um 6 Uhr gefallen war, übernahm Major Rät, sein« das Kommando der Stadt. Um 8 Uhr wurde ein italienisches Torpedoboot zur Erkundung dcS Feindes abgesandt. Es snbr bis Capopali. Der Kommandant des Tor. vedobootes berichtet, daß die Ausständischen in großer Zahl die Höhen zunächst der Stadt besetz! hielten. Der Angriss smoodl von der Seite des Meeres wie auch von der Seite des Gebirges wurde nun lebhastcr. Die Kugeln flogen bis zu de» Landungzstcllcn. Um halb neun Uhr wich-rn die Aufständischen vor dem gut geleiteten Geschützseucr zurück. Italienische und üsirrrciehisch-unga- rische Matrosen schassten die Berioundeten zurülk, zioer italienische Verbandsplätze wurden bei dem fürstlichen Konak errichtet. Dann gingen zwei italienische Torpedoboote nach San Giovanni, um die dort befindlichen Malilsoren zur Verstärkung heranzuholen. Tie Aufständischen erneuerten öen ganzen Tag über ihre Angriffe, sowohl rom Gebirge her als auch von den Sümpfen. Ber Einbruch der Nach! schien das Feuer nachzulassen. Aus den Beffckxrnzungcn waren Scheinwerfer ausgestellt, um die Aluv.-Hr von Nachtangriffen zu erleichtern. Auf den Äugeln längst der Küste sah man Gruppen von Aufftändischen, die nochmals ein schwaches Gcwehr- gcsechi sühnen, nnffcherncnd, um die Verteidiger nicht zur Ruhe kominen zu lassen. Die Zahl der cingebrachlcn Verwundeten beträgt etwa 100, die der Toten 20. Die Leiche des Obersten Thompson wurde nach dem Palast des Fürsten gebracht.
Die Rebellen zogen sich um 8 Uhr morgens zurück. Man führt jden Rückzug aus die Ankunst von Verstärkungen zurück, bie_ zu Wasser und zu Lande eintrafen und bereits die Stadt Kroja besetzt haben sollen, welche die Ausständischen ohne Garnison lieben.
Die Haltung des F'rstcn.
„Givrnale d'Jtalia" ocröfientllchl eine Zuschrift aus Durazzo über die gestrigen Ereigitisse, in der die tapfere und kaltblütige Haltung des Fürsten hervorgchobcn wird. Dieser bewahre als guter deutscher Soldat immer seine gelassene Haltung und betrachte die Lage mit der größten Kaltlütigkcit Die Fürsffn Sofie pflege die Verwundeten aui einem Verbandsplätze in der Nähe des Palastes. Die kleinen Prinzen und das gesamte Zivilund Miliiärversonal des Hvses seien immer im Palast, nff vollkommen Rübe herrscht. Gegen Mittag habe der Fürst die Verteidigungslinie besichtigt. Er seit dort einige Zeit geblieben und habe sich lebhaft für alle Vorgänge des Kampfes interessiert.
Die holländische Milwirkung.
Haag, 16. Juni. Die Königin empfing den Major der albanesischen Gendarmerie, Sluys, um von ihm Einzelheiten über die Schwierigkeiten zu erfahren, denen die holländischen Offiziere in Albanien begegnen. Der Fürst von 'Albanien sandte an die Königin der Niederlande ein Telegramm, in dem er ihr den Tod Thompson? meldet, dessen heroischer und kluger Führerschaft der Sieg zu verdanken sei.
Die holländische Regierung wird den in Durazzo gefallenen Oberst Thompson nach Holland überführen lassen. In der Kammer ehrte heute Staatsminister v. Savornin Lohman im Namen des Präsidenten das Andenken des Obersten Thompson, der als Held gestorben sei und dessen Tod einen großen Verlust, nicht nur für Holland, bedeute. Der Ministerpräsident schloß sich diesen Morten an und sagte, daß der Tod des Obersten zugleich einen Verlust und einen Gewinn bedeute, einen Gewinn insofern, als der niederländische Name dadurch in der ganzen Welt geehrt werde.
Die veisktzongrftier in Neustrelitz.
Neustrelitz, 16. Juni. Der Kaiser in der Uniform des ersten Garberegiments mit dem Bande des Schwarzen Adlerorhens ist rm Sonderzng um 12.40 Uhr hier eingetrofscn und wurde aui dem Bahnhof von dem Grvßherzvg und dem Staetsmi-ff'Icr Bffsart empfangen. Der Kaiser begrüßte im Schlosse zunächst die 02 Jahre alte Grobhcrzogin Augusta Karvline, die an der Trauerseier nicht teilnahm, und ging dann zu Fuß mit dem Grnßherzog zur Schloß- kirchc. Ter Kaiser legte einen Kranz an dem Sarge nieder und nahm domi mit dem Großherzog, der Großherzogin- Witwe >md der Grosherzogin - Wüwc Marie pan Mecklenburg - Schwerin zur Rechten des Sarkophages Platz. Die Feier, der zahlreiche Fürstlichkeiten beiwohnten, wurde mit dem von der Gemeinde gesungenen Choral: Jesus, meine Zuversicht einzcleffet. Hofprediger und Landessuperintendent Horn hielt die Gedenkrede.
Noch der Feier fuhr der Kaiser in Begleitung des Groscherzogs wiederum durch die Spaliere zum Bahnhof, wo die Abreise um 2 Uhr erfolgte. t ;
Dsutschss Reich.
Die beiden Häuser des preußischen Landtags wurden durch König!. Verordnung bis zum 10. November vertagt. Das Herrenhaus hat in seiner Schlußsitzung am «estrigen Dienstag die Besoldungsnovelle unverändert einstimmig angenommen.
In der badischen Zweiten Kammer zog am Dienstag vormittag das Zentrum seine am Montag cinge- brachte Entschließung welche die Regierung ersucht, mit der Ausarbeitung eines Entwurfs für die Schiffbarmachung des Rheins von Straßburg nach Basel nicht eher zu beginnen, als' bis die an der Schiffahrt interessierten Staaten zu den Vorarbeiten einen Kostenbeitrag geleistet lchtten, zurück. Der Minister des Innern Frhr. Y und zu Bodmann präzisierte nochmals die Stellungnahme der Regierung dahin, daß sie mit tunlichster Beschleunigung sich dessen vergewissern wolle, ob sie die Mitwirkung von Elsaß-Lothringen und derSchweiz an dem Projekt erlangen könne. Im Falle dieser Zustimmung wolle die Regierung sofort mit der Projektberatung beginnen. Das Haus nahm darauf die geforderte Position von insgesamt 40 000 Mark einstimmig an.
Eine deutsche Rheinmündung. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten richtete an den Verein „Deutsche Rheinmündung" folgendes Schreiben: In, Verfolg meines Schreibens vom 1. 3. v. I. und in Erwiderung der gefälligen Mitteilung vom 8. 3. v. I. benachrichtige ich den Verein ergebenst, daß der zurzeit als Hilfsarbeiter iu meinem Ministerium beschäftigte Regierungsbaumeister des Wasscrbanftrchs Hellmevshausen von mir beauftragt worden ist, Ermittlungen und Untersuchungen darüber anzustellen, inwieweit eine unter Bcrllchichtigunq der Rheinvertiefung bis Eöln und mit dem Ziel inögltchstcr Förderung direkten R he i n sc e oe r ke hr S bis Eöln hcrzuftelleudc Wasserstraße vom Rhein zur Nordsee der jetzigen Rheinschisfahrt gleichwertige oder überlegene Sckftffahrtsverchindmrgen schaffen kann und welchen Voraussetzungen zur Erreichung dieses Ziels der Kanal hinsichtlich der Tieft und Breite des Fahrwassers der Größe und Zahl der Schleusen, der Höhe der Abgaben usw. genügen müßte. Gleichzeitig werden von dem Herrn Landwirtschaftsminister Untersuchungen über die Rückwirkungen eines solckzen Kanals auf die Landeskultur der durchschnittenen Gebiete und von dem Herrn Han- delsminister Untersuchungen über die Tledeutuug eines RheinftekmialS fürdiewirtschaftkicheErschki e ßun g der Don ihm berührten Toneisenlagrr angeordnct werden Ich darf annehmen, daß der Verein bereit sein wird, das von ihm bisher über den gedachten Kanalplan gesammelte Material dem Regicrungsbanmeister Hellrnershausen zur (Verfügung zu stelle« und denselben auch in Zukunft,
namentlich bei der Prüfung und Lösung dar wirtschaftlichen Fragen nach Möglichkeit zu unterstütz-.'!!. Softie cs dem Verein erwünscht sei», die Verbindung mit den die Untersuchungen ausfuhrendcn Beamten durch Bestimmung eines besonderen Ausschusses formell fester zu gestalten, jo sehe ich weiteren Vorschlägen hierüber entgegen.
Ausland.
DiecigcntümlichenAcußcrungcndesspa- nischcn Ministerpräsidenten. Wegen der vom „Tcinps" veröffentlichten Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Dato, die wiederholt aus Deutschland Bezug nimmt, sprach der Madrider Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" mit dem Ministerpräsidenten, der zwar die Richtigkeit der Grundzüge der französischen Acußerungen bestätigte, aber die Fassung des Berichts als zu sehr von dem Wunsche beeinflußt erachtete, daraus für die Zwecke der französischen Politik Kapital zu schlagen. Nichts, sagte Dato, liege ihm ferner, als indirekte Ermunterungen an Frankreich zu richten, die Deutschland verstimmen könnten. Der Kern seiner Ausführungen war nur, Frankreich müsse fortfahren, sich stark zu erhalten, wenn es im europäischen Gleichgewicht eine Rolle spielen wolle. Eine Einmischung seinerseits in die Politik anderer, selbst der kleinsten Staaten sei selbstverständlich ausgeschlossen, .
q. Deutscher §täi>ti-Tag.
Köln, 16, Juni,
Der zweite und letzte Tag der Beratungen des 4. Deutschen Städletages galt dcni zur Zeit vielfach erörterten Thema: D i e Verbindung von Städten und Privatkapital für wirtschaftliche Unternehmungen.
Hierzu hatte der Bofftand des Deutschen Städtctagcs folgende Leitsätze ausgestellt, die der Versammlung Vorlagen:
„Eine Verbindung von Städten und Privatkapital für wirtschaftliche Unternehmungen wird sür die deutschen Stadtverwaltungen bei solchen Betrieben in Frage kommen, deren Leitung volirncgend nach kaufmännischen oder industriellen Gesichtspunkten zu erfolgen hat. Besonders geeignet ist sie bei'Unternehmungen, die den Umkreis einer Emzelgemcindc überschreiten, und in allen Fällen, in denen der Gemeinde bei eigenem Betrieb Sclzwierigkeucn cntgegenstchcn.
Aus jeden Fall erscheint cs wünichenswert, daß die Kom- munalverbändc in den gemeinsamen Unternehmungen die F ü h - rung behalten. Die nähere AuSgestalwng der rechtlichen Bc- ziclningcn zwischen Städten und Privatkapital hängt von der Lage des Einzelfalls ab.
Der Deutsch« Städletag spricht sich aber dagegen aus, daß aus dem Wege der Reichs- oder Landesgesetzgebung besffmmtc Rcchtssorinrn oder -Normen sür die Verbindung von Gemeinden und Privatkapital geschossen werden."
Als erster Redner zu diesem Thema sprach Regierungsrat DK. Leoni, Beigeordneter der Stadt Strahlung i. Elf. Er schilderte einleitend, wie der technische Fortschritt speziell
auf dem Gebiete des Clektrizitütswesens das Bedürfnis nach neuen' Wirtschaftsformen gezeitigt habe. Zunächst seien die Privatunternehmungcn, vor allem das Rheinisch- Westfälische Elektrizitätswerk, an die neu sich bietenden Ausgaben herangctrctcn. Schon bald aber sei der Widerstand der Kommnnal- verbände gegen das Vordringen des Privatkapitals erwacht und habe zu schwierigen Auseinandersetzungen und Gegengründilnqen wie die der Elektrizitätswerke Mark und Westfalen geführt. Zu einer Vereinigung zwischen den öffentlichen Verbänden und dem Privatkapital sei es zum erstenmal im Fahre 1908 bei Gründung des Verbandswerks Kracket gekommen. Gleichzeitig etwa habe die Stadt Strahburg nach langwierigen Verhandlungen aui Grund eingehender Prüfung von ber Komnruualisierung des dortigen Elektrizitätswerks Abstand genommen und sich mit der Beteiligung an dem Privatnnternehimcn begnügt, wobei eg ihr gelungen sei, sich nicht nur lvcitgchende Vcrtragsrechte, sondern auch die Majorität des Aktienkapitals zu sichern. Diffe Vorgänge hätten vielerlei Nachahmungen gefunden, so daß heute schon 71 Städte mit einem verantwortlichen Kapital von 190 Millionen an insgesamt 97 Unternehmungen dieser Art beteiligt seien. Bei derartigen Beteiligungen gingen die Städte von der Annahnre ans, das; der Privatbetrieb in fernen Wirtschaftscraeb- U, > r? n der öffentlichen Regie überlegen sei. Dieser Vorsprnng sei aber nicht allgemein, sondern nur für Betriebe gegeben, für deren Leitung das Monrent der Wirtschastlichkett eine besondere Rolle spiele, deren Produktion einen industriellen, oder deren Verwaltung einen kaufmännischen Charakter tragen müisc. Dies letztere habe vor allem von der Verteilung der elektrischen Energie zu gelten. In nicht zu ferner Zeit werde es sür die kon- sunnerende Bevölkerung Deutschlands einen Unterschied von jährlich 100 Millionen Mark bedeuten, ob man dem Gcsamtkonsnm Deutschlands die DurchschnittStafffc der öffentlichen oder privaten Elektrizitätswerke zu Grunde legt. Gegenüber der Möglichkeit eines lderartigcn Fortschritts dürfe es nicht Aufgabe der Städte sein, aus dem Fortbestand der Produktion innerhalb ihrer Mauern zu bestehen.
Bezüglich der sogenannten gemischt-wirtschaftlichen Unternehmungen sei voin kommunalpolitischen Standpunkt aus zu unterscheiden, ob sic gegenüber der Tendenz der Ver- städtischung der Betriebe eine Rückbildung oder den Versuch einer Weiterbildung darstellcn. Nur die letzteren Fälle, in denen die Städte jcdensalls über die Mehrheit des Kapitals der Gesellschaft verfügen mühten, und sür die der Vortragende die Bezeichnung „Oessentliche Unternehmungen in Privatrechtssorm" prägte, seien als berechtigt anzuerkennen. Die Vorteile, die man sich von ihnen verspreche, könnten freilich auch durch eine Weiterbildung der Regiebetriebe erreicht werden. Eine derartige Entwicklung sei aber von heute ans morgen nicht denkbar. Zudem sie aus Gründen der allgemeinen Berwaitung auch nicht unbedingt wünschenswert. Denn dadicGemeindcninerstcrLinicKulturwerteund nicht Geldwerte zu schaffen hätten, so müßten sie sich hüten, sich allzusehr von kapitalistischen Anschauungen durchdringen zu lassen. Deshalb empfehle es sich, die Wirtschastsbetriebe, die dieser Durchdringung nicht cnt- ratcn könnten, organisatorisch von der übrigen Verwaltung zu trennen. Die Beteiligung des Privatkavitalz biete den Verwaltungen dabei den Vorteil eines intinien Zusammenarbeiten? mit den Persönlichkeiten von hervorragenden Spczialkenntnisscn, Organisationstalent und Erfahrungen. Um deren Mitwirkung an städtischen Unternehmungen zu erhalten, müsse an Stelle der einseitigen Durchsetzung jedes städtischen Wunsches eine Ausbalancierung der Interessen treten. In sozialpolitisäcr Hinsicht werde wenigstens in den Fällen, in welchen den Städten die Führung uich dauitt die Verantioortlichkeit zugesallen sei, der Kurs kein anderer sein als in stadteigcnen Betrieben, so daß es un- richttg sei, in derartigen Gründungen schlechthin einen sozialpoli- ttschen Rückschritt sehen zu wollen.
Bei der allgemeinen Ueberproduktion an Gesetzen sei ein Rus nach eincnt Spezialgcsetz nicht angebracht. Ob einer vcrvollkomm- ncten Form des Regiebetriebes oder der Privatrechtssorm das Feld gehöre, könne erst die Zukunst entscheiden. Vielleicht handle cs sich nicht um ein Entweder-Oder, sondern neben dem Regiebetriebe werde voraussichtlich auch die „Oessentliche Unternehmung in Pri- batrechtsfvrm" für die Betätigung der Gemeinden ans dem Gebiete des Wirlschastslebens ihre Bedeutung dauernd bewahren. (Lebhafter Beifall).
Ter Gegcnberichteffbatter, Oberbürgermeister Körte (Königsberg), machte in seinen Ausführungen Mitteilung von den praktischen Effalnmngen, die man in Königsberg mit den -nmischt-ivirt- schaftlichen Betrieben gemacht habe. Der Redner ist mit diesen Effahrungen änßefft zufrieden.
In der Aussprache nahm zunächst der frühere Abgeordnete Oberbürgermeister Enno (Hagen, Wests.) das Wort: Er vermißt m den Leitsätzen überhaupt jede Erwähnung der rein kommu
nalen Betriebe. Er sei entschieden für die kommunalen Betriebe, die ebenso wirtschaftlich arbeiten könnten als die gemischtwirtschaftlichen, wahrscheinlich aber besser. Man dürfe Städte, die keine Industrie haben, wie Straßburg, nicht als topisches Beifviel hinstellen. Wir können in vagen mit einer ständig wechselnden Ar- beiterbcvölkerung keinesfalls nach denselben Grundsätzen versahrew wie in Slraßliur» (Sehr richtig!) DielForncder tgrinischl-wirtschasi- lichen Unternehmungen sei ein neues Moment, wodurch die großen Firmen versuchen, ihre Monovolbcstrebnngen zu ocrwrrTlichen, in- dem sic sich direkten und indirekten Einfluß auf die Kommunal- bctricbe sichern. Der Einfluß der großen Unternehmungen ist ja sogar schon bis in diesen Saal gedrungen. Es ist daher nötig, in den Leitsätzen meine Bedenken zum Ausdruck zu bringen. Ich beantrage daher, den Anfang der Lciffätze wie folgt zu gestalten: .-Soweit der rein koinmunalc Betrieb für industrielle Unternehmungen nicht angängig ist, wird an Stelle der ffühcren Konzcssionsvcffräge eine Verbindung von Städten und Privatkapital . . ."
Professor Dr. zL e i d i g (Wilmersdorf) begründet einen Antrag, den ersten Absatz der Leitsätze durch folgenden Zusatz zu ergänzen: „Notwendig ist dies i» allen Fällen, in denen die gemeinsamen Unternehmungen ein rechtliches oder tatsächliches Monopol haben."
Stadtverordneter H e y m a n n (Berlin) : Aus den bisher m der Literatur bekannten Tabellen hat mau genau das Gegenteil dessen hcrausgelcsen, was heute der erst«.Rrferent aus ihnen herausgelesen hat. Zu denken gibt auch die Tatsache, daß die gemischtwirtschaftliche Unternehmung vornehmlich überall dort eingesührt wird, Ivo ein großer Gewinn zu crioartcn ist. Alle Betriebe, die schwieriger zu behandeln sind, und bei denen ivenig oder gar kein Gewinn herausspringt, blechen der kommunalst Initiative überlasse». Es ist nicht einzusehen, weshalb die Städte nicht selbst Elcktrizitäts-, Gas- und ähnliche Werke init ihren eigenen großen; Mitteln bauen und betreiben fallen, wobei der Gewinn sür sic, d. h. sür die Allgemeinheit verwertet wird,
Oberbürgermeister Zielen (Bcrlin-Lichtenberg) spricht sich ebenfalls gegen die Leitsätze aus. Ohne die großen Ucberschüssc aus den kommunalen Werken würde cs in zahlreichen Gemeinden Groß- Berlins ganz unmöglich sein, einen Steuersatz von 100 Proz. aufrecht zu erhalten, und dabei den an die (tzemcindc gerichteten Forderungen gerecht zu werden. Der preußische Staat verwaltet die Eisenbahnen geradezu mustergültig, warum sollten die Gemeinden nicht auch lönncn, was der Staat kann.
Stadtrat a. Ä. Luther (Berlin): Die Leitsätze enthalten keinerlei Stellung gegen die rein kommunalen Betriebe, sie enthalten auch keinerlei Empfehlung der gemischt-wirtschaftlichen Betriebe (Zuruf: Dann enthalten sie überhaupt nichts!) Die Leitsätze enthalten lediglich einige Direktiven, über die wir uns hier einigen wollen. Es wäre traurig, wenn die Kommunen nach den privat- wirtschastlichen Unternehmungen sich allein richten sollten. Es kommt auf die Lage des einzelnen Falles an.
Die Leitsätze wurden nach einer weiteren Besprechung mit den Anträgen Cuno und Leidig angenommen. Der Bofftand wurde durch Akllamation wiedergewählt.
An» Stadt und LcrnS.
Gießen, 17. Juni 1914.
Tr inker-Fürsorgestellelür Stadt und Landkreis Gießen, Gießen Asterweg 9. Sprechstunde jeden Donnerstag abend 8 bis
7'/. Uhr.
** Forstwesen. Erledigt ist die Stelle des Oberförsters der Lbersörsterei Grebenhain.
** Der Kreisverein Gießen des hessischen Vereins für ländliche Heimat-, Wohlfahrt- n n d K u n st p f l e g e hält nächste Woche im Felsenkeller eine öffentliche Versammlung unter dem Vorsitze des Provinzialdirektors Dr. Usingcr ab. Ans der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Lehrers Boßler-Klein-Linden: „Wie kann durch Erhaltung und Verschönerung des Dorfbildes Heimatsinn geweckt und gepflegt werden."
** Die Ceylon-Aus st ellung wurde gesterft u n. von Prinzeß Malhilde von Slolberg-Roßla zu Ortenbocg besucht. Ferner wurde die Ausstellung von Schulklassen aus Bellersheim, Münster bei Lieh und Gießen besichtigt.
** Die Maul - und Klauenseuche ist festgesteftt in Schwabenhcim (Kreis Bingen); ferner im Bezirk Augsburg (Bayerisch-Schwaben). ^
** Gießencr Stadttheater. Die Operettengastspiels des Bad-Nauheimer Kurtheaters begannen gestern mit einer nockimaligen Aufführung der bereits vom Emser Kurtbcater hier ausgcsührtcn Nebdalschen Operette P o l c n b l u t und hatten wieder einen recht schönen Erfolg zu verzeichnen. Herr Harden, der nun schon seit Jahren ein gern gesehener Gast bei uns ist, sviclte den B o l c s l a w mit Kraft und Temperament, und man hatte an den Fortschritten, die er inzwischen wieder gemacht hat, lebhafte Freude. Frl. Martini, unsere beliebte Soubrette, die die Helena auch kürzlich schon spielte, durste wieder ganz besondere Triumphe feiern. Herr Schmidt, der ebenfalls nicht unbekannt hier ist, spielte den Trottel Popiel mit viel Humor, und mußte zusammen mit Frl. Martini sich zu Wiederholungen entschließen. Als Wanda erweckte Fff. Carola G a l st e r eine sehr gute Alcinung; namentlich im ersten Aufzug war sie blende,ch. Den Gutsbcrr Za- remba spielte Herr A h n e l t, der uns vor allein als Menelaus noch in lebhafter Erinnerung ist. Eine resolute Mutter spielte Fff. Jüngling. Herr Grosser -Braun war ein ivirkungsbollcr Mirski. Herr Lanzer leitete das Orchfftcr im allgemeinen mit Geschmack: nur an einigen Stellen wäre etwas mehr Dämpfung zu toünschen, da die Sänger übertön! wurden.
" Warnung. Bon Herrn Pfarrer D. Schlosser erhalten wir folgende Zuschrift: Die „Erste Easseler
Colportage- und Internationale Weltreise- buchhandlung Georg Wcttcrau" teilte mir mit, daß sie beauftragt sei, in nächster Zeit durch ihre Reisenden das „Illustrierte Deutsche Familien blatt sür das christliche Hau?' auch hier zu vertreiben. An sich wäre dagegen nichts zu sagen. Das Blatt enthält nicht? Schlechtes, aber auch nichts besonders Wertvolles, das man entbehrte, wenn man es nicht liest. Wollte ich cS, wie von mir gewünscht wird, cinpfehlen, so würde ich unsere Gcmeinde- gliedcr zu einer unverantwortlichen unnützen GeldanSgabe verleiten. Vor allen, aber sind es die überaus üblen Er- sahrnnqcn, die immer wieder mit dem Colportagcbuchhandcl gemacht werden, die warnen müssen, sich irgendwie damit cinznlassen. Da wird den Leuten ein Heft ausgenötigt — cS kostet ja nur 20 Psg. — »nd nachträglich merkt man, daß man sich damit zum Bezug des ganzen Jahrganges vcr- pstichtet hat (2,40 Mk.), Es wäre gut, wenn jedermann sich das ein für allemal cinprägen wollte.
**Daszwcitc Abonnementskonzert der Regimentskapelle besteht aus einem R. Wagner-, I, Stranß- und L Jcssel-Abcnd. Das Programm ist sehr sorgfältig zu- sammcngcstcllt und wird jeder Konzertbcsuchcr voll und ganz aus seine Rechnung kommen. Mit dem Kriegsmarsch, Gebet und Finale aus Rienzi beginnt der R. Wagner-Teil, diesem folgen dasPreislied a. d. Meistersingern, Ouvertüre Der fliegende Holländer und Wotans Abschied von Brnnhilde aus dem Miisikdrama Die Walküre. Ter zweite Teil ist dem All- mcistec I. Strauß, während der dritte Teil dem modernen Komponisten L. Jessel gewidmet ist.
** Gewerbeaus st ellung. Einen Kuchcn- A b e n d veranstaltet morgen abend Herr Kemper in der Festhalle und in Alt-Hcsscn. Die Preise sind in den Kuchen eingelegt und werden am Büfett ausgezahlt. Tic Preise sind foigende: 1. Preis 10 ML, 2. Preis 9 Mark, 3, Preis 8 Mark, 4. Preis 7 Mark, 5. Preis 6 Alark, 0. Preis 5 Mk.,


