Nr. 156
Der Sletzener Anzeiger
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Erstes Blatt
m. Jahrgang
iehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Botofions&nid mib Verlag der vrLHI'sche« Unio.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange. RedaMon, Lrpedition und Druckerei: Schulstrahe 7.
Samstag. l3. Juni TO
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n,onatlich75D^ vierteljährlich m. 2.20; durch Abhole« tu Zweigsteller, mornitlid) 65 Pf.; burcf diePost Mk.2.— viertel« jährl. ausschl. Bestellcr Zeilenpreis: lokal 15Pf^ ausrvärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goeq. Perairtivoctlich für den polit. Teil: Aug. Goctz; füL .Feuilleton"» .Vermischtes" mrd^Gerichts- faal": llarl Neurath; für .Stadt urld Land": Kurt Be»,dt; für den Ai,zeige:,teil: H. Beck.
Die heutige Nummer umfatzt 18 Seiten.
^Politische wocheufchc»«.
Gießen, 13. Juni.
Die Betonung des unveränderten deutsch-österreichischen chreundlchastsbündnisses ist gerade jetzt von großem Werte, da die neue Staatenschöpfung Albanien, die sich besonders aus . " -oeuiuhungen des Dreibundes herlcitet, zur Freude des sranzosrsch-rufsischcn Anhanges anscheinend schon aus dem Aussterbeetat steht. Es schien wirklich so, als werde das neue Reich des Fürsten Wilhelm nach den sensationellen Verhaftungen der beiden Italiener ganz und gar aus den Fugen gehen, da eine Mißstimmung zwischen den Schutzmächten Albaniens den Ausrührern nur Vorschub leisten konnte. Ta war es eine angenehme Ueberraschung, als der italienische JJamjlet des Auswärtigen am Mittwoch in der Kammer er- ' ei “ em ^ wieder eine Vereinbarung zwischen Wien und Rom getroffen worden. Wir haben den Wortlaut dieses Abkommens wicdergegeben, und der Kernpunkt ist. daß Albanien in seiner Unversehrtheit und Unabhängigkeit erhalten werden soll, daß man über der Krone Wilhelms die schützende Dand ausstreckt und dafür sorgen will, daß die Großmächte Enliendung von Kriegsschissen ihren e inmüligcn Willen kund tun, auf den Beschlüssen der Londoner Kon- serenz bestehen bleiben zu wollen. Alle Versuche, die nach Enad Paschas Entsernung angestcllt worden sind, die italienisch-österreichischen Beziehungen zu trüben, sind also vergeblich gewesen. Und zur Bekräftigung der Einmütigkeit des Dreibundes kommt nun noch die Begegnung des deutschen Kaisers mit dem österreichischen Thronfolger aus dessen Schloß Konopischt. Es ist noch nicht sehr lange her, daß Kaiser Wilhelm dem greisen Beherrscher Oesterreich-Ungarns selbst emen Besuch abgestattet hat, und wenn nun die offiziöse Wiener Presse auch von einem Frcundschaftsbund unseres Kaisers mit dem Erzherzog-Thronfolger spricht, so werden unsere Hoffnungen neu geflügelt. Vor einigen Jahren noch war man über des künftigen Habsburger Herrschers Denken und Fühlen noch im unklaren; man wußte oder ahnte nur, daß er ehrgeizig sei und seinem Reiche neuen Glanz verleihen wolle. Dem letzten Jagdbesuch des Kaisers aus Schloß Kono- pischt im Oktober v. Js. folgt nun diese neue Besprechung. Die Verwicklungen im nahen Osten haben es gefügt, daß auch Franz Ferdinand von des deutschen Reiches mächtigem, freundschaftlichem Einfluß die deutlichsten Beweise erfuhr. S o intim gefügt sind heute die französisch-russischen Beziehungen nicht! Man hat in Wien aus den letzten blutigen Balkankriegen die notwendigen Folgerungen gezogen: nur durch vereinte Macht der Deutschen, durch starke Rüstung zu Lande und zu Wasser können wir uns die Gefahren vom Halse halten. Es scheint, als wolle Erzherzog Franz Ferdinand künftig noch mehr als bisher des Schillerwortes eingedenk sein, daß das Meer der Raum der Hoffnung sei und daß „das grüne kristallene Feld" mit des Schisses eilendem Kiele gepflügt werden müsse. Unseren Kaiser begleitet auf ausdrücklichen Wunsch von österreichischer Seite der verdiente Reorganisator der deutschen Marine, Staatssekretär v. Tir- pitz. So wird wohl damit zu rechnen sein, daß^in Konopischt nicht nur von dem schlechten Wetter dieses Sommers die Rede sein und daß man sich nicht nur ancisern wird mit dem Knallen der Büchse: „der strengen Diana, der Freundin der Jagenden, lasset uns folgen ins wilde Gehölz, wo die Wälder am dunkelsten nachten, und den Springbock stürzen vom Fels". Wir dürfen von der Konopischter Begegnung politische Ergebnisse erwarten, vielleicht eine Aussprache über Mittcl- meerfragen. Es könnte uns sehr erwünscht sein, wenn man
in Oesterreich mehr und mehr die Notwendigkeit begreift, eine Flotte zu bauen, um mit den gleichen russischen Bestrebungen Schritt zu halten.
Die Besprechung zu Konopischt wird sich wohl auch daraus erstrecken, wie weit das englisch-russische Einver- nehnicn reicht. Am Donnerstag hat im englischen Unter- Hause Sir Edward Grey eine etwas vorsichtige und gewundene Erklärung darüber abgegeben. Bekanntlich war nach dem Besuch des Königs Georg in Paris davon ge- munkelt worden, es sei ein englisch-russisches Flottcnbündnis im Entstehen begriffen. Der russische Botschafter an der Seine, Herr Jswolski, hatte sich vielleicht wieder einmal im dcutsch-scindlichcn Sinne betätigt. Doch englisch-russische Bündnisgcdanken sind in England keineswegs populär. Wir haben früher die Aeußcrung.n Londoner Blätter wicdergc- geben, in denen sogar unverblümt erklärt worden war, ein Sturm des Volksunwillens würde ein mit Petersburg getroffenes Abkommen hinwegsegcn. Am Donnerstag haben liberale Abgeordnete von ihrer Regierung nochmals bestimmte Auslunst darüber verlangt, wie es sich mit den erwähnten Gerüchten verhalte und >vie dadurch die Beziehungen zum Deutschen Reiche berührt würden.
Staatssekretär Grey gab etwa folgende Antwort:
lAehnliche Anfragen seien im vergangenen Jahre bezüglich der militärischen Strcitkrästc gestellt worden. Prcniierminister A s - a u i t h habe damals erwidert, daß, wenn zwischen den Mächten Europas ein Krieg ausbräche, keine geheimen Abkommen beständen, welche,die Regierung »der das Parlament in ihrer Entschlußsrciheit beschränken oder behindern könnten, ob Großbritannien an dem Kriege teilnchmcn solle oder nicht. Diese Erklärung gelte heute so gut wlic vor einem Jahre. Weder saien solch: Verhandlungen abgeschlossen worden, noch in der Schwebe, welche die Erklärung Asquiths weniger zutressend machen könnten, noch sei es, soweit er beurteilen könne, wahrscheinlich, daß solche Verhandlungen ausgenommen werden. „Wenn aber", schloß Grey, „irgendein Abkommen geschlossen werden sollte, welches es nötig machte, Asquiths Erklärung zurückzuziehen oder einzuschränken, so müßte cs meiner Meinung nach dem Parlament vorgelegt werden, und das würde, wie ich vernrute, auch geschehen."
Warum hat Sir Grey nicht mit einem schlichten „Rein" geantwortet? Wir dürfen e? wohl glauben, daß England keinen Angriffskrieg gegen uns zu führen gedenkt und daß cs sich weder durch Frankreich noch durch Rußland in Abenteuer stürzen zu lassen gedenkt. Aber die weitläufige Antwort Sir Greys scheint doch darauf hinzuweisen, daß man für bestimmte Fälle sich zu einem gemeinsamen Flottcn- kriegsplan gerne verstehen würde. Es ist ja immer für ein Heer oder eine Flotte interessant, wie unter diesen odep jenen Umständen zu bandeln wäre. Es könnte nichts schaden, wenn auch in Konopischt solche Gesichtspunkte einmal eine Prüfung erfahren würden. Die „Triplealliance" hat das alleinige Rechl nicht, für künftige Fälle Möglichkeiten ins Auge zu fassen. Unsere erfreulich guten Beziehungen zu England brauchen sdarunter durchaus nicht zu leiden und die Hossnung braucht nicht zu schwinden, daß auch das letzte Mißtrauen zwischen London und Berlin völlig beseitigt werden kann.
Die veaegnung in konopischt.
Schloß Konopischt. 12. Juni. Der Bahnhof war mit Blumen, Tannen und Blattpflanzen überaus reich geschmückt. Von einem offiziellen Empfang wurde Abstand genommen. Darin ist schon der familiäre und intime Charakter des Besuches ausgedrückt. Um 8.50 Uhr traf Erzherzog Franz Ferdinand mit Gemahlin. Frau Herzogin Sophie von Hohenberg mit ihren Kindern, dem Prinzen Max, der Prinzessin Sophie und dem Prinzen Ernst aus dem Bahnhof ein. Es folgten der Obcrsthofmcister Frei
herr v. Rumerskirch, die Flügeladjutanten Oberst Tr. Bar- dolff und Dienstkämmerer Rittmeister Gras van der Stratcn- Pontholz sowie Gräfin Lanjns. Der Erzherzog trug die Oberstinhabcruniform seines preußischen Ulanenregiments. Punkt 9 Uhr lies der deutsche Hofzug ein. Kaiser Wilhelm, der preußische Hofjagdunisorm mit Stock trug, verließ den Salonwagen und schritt auf den Erzherzog zu. Die Begrüßung war ungemein herzlich. Die hohen Herren küßten einander. Der Kaiser küßte der Herzogin die Hand. Nach der Vorstellung der Gefolge reichte Kaiser Wilhelm der Frau Herzogin den Arm und verließ in Begleitung des Erzherzogs durch den in einen Blumenhaiu umgestaltcten Hos- lvartesalon den Bahnhof. In diesem Augenblick wurden aus einem Geschütz in Tuzinka, dem Jagdschloß des erzherzog- lichcn Reviers, 2k Salutschüsse gelöst. Kaiser Wilhelm mchm im erzherzoglichcn Hofautomobil, das die Kaisecstandarte aufgesteckt hatte, Platz, ihm zur Linken Erzherzog Franz Ferdinand. In weiteren Automobilen folgten Frau Herzogin von Hohenberg mit ihren Kindern und sodann die beiderseitigen Gefolge. .Die Fahrt ging über die Bezirksstraßg zunächst an Feldern und Wiesen vorbei und dann die zum Schlosse führende Straße entlang.
Im Augenblick der Einfahrt ftl das Schloß Konopischt wurde auf dem kleinen Turm die Kaiserstandarte kochgezogen. Ter Erzherzog geleitete seinen Gast in das Maria- uheresien-Appartement und zog sich in seine zurück. Um 10 Uhr wurde ein Rundgang durch den Rosem garten angetreten.
Der Rcgierungswechs l in Mccklenburg-Strelitz.
Neustrelitz, 12 .Juni. Der Großherzog Adolf Friedrich VI. hat eine Proklamation erlassen, in der er verkündet, daß er die Negierung des meckleuburg- strclitzschen Landes angetreten habe. Es wird eine dreimonatige Landestrauer und eine sechsmonatige Hoftrauer angeordnet. Tie Truppen wurden heute vormittag vom jetzt regierenden Großherzog vereidigt. In der Residenzstadt sind die Flaggen auf .halbmast gehißt. Diele Häuser haben Trauerschmuck angelegt.
Für den verstorbenen Großherzog von Mecklenburg.-Strelitz fand am Freitag nachmittag im Stcrbehause um sechs Uhr eine Drauerfeier statt, an der die Kaiserin teilnahm. Die Ueberführung der irdischen Hülle erfolgt in der Nacht auf Samstag um 12 Lhr unter militärischer Eskorte nach dem Stettiner Bahnhof, von wo sie Samstag früh 8 Uhr mittelst Sonderzuges nach Neustrelitz gebracht wird.
Der des Kabinetts Ribot in der französischen Kammer.
Die Radikalen, Sozialistisch-Radikalen und die Sozialisten in Frankreich haben das Kabinett Ribot wirklich schon wenige Tage nach seinem Bestehen zu Fall gebracht. Das Parlament, dessen Mehrheit heute gegen die dreijährig« Dienstzeit ist, steht nun dem Präsidenten Poincare gegenüber! Es werden nun wohl Neuwahlen stattfinden, und vielleicht wird eine chauvinistische Hetze beginnen, wie sie Frankreich noch nicht gesehen hat.
Paris, 12. Juni. Die heute verlesene Erklärung der Regierung versichert, daß die Regierung, die aus zuverlässigen Republikanern besteht, ihre Existenz- nur in Verbindung mit einer republikanischen Mehrheit der beiden Kammern suchen will. Sie kündigt sodann einen Entwurf über eine Anleihe und eine sofort vorzunehmende Prüfung der durch das Finanzgesetz fcstznsetzendcn
Auf der Suche nach dem Nordpolfestland.
Es gibt im Nordpolarmccre ein ausgedebntes Festland oder breitet sich um den nördlichen Erdpol ein gewaltiges Meer aus? Dieses bcrülMte geographische Problem ist im Wandel der Zeiten ganz verschieden betrachtet worden. Als Nansen bei seiner denkwürdigen Polarfahrt ein großes MeereSbecken mit Tiefen bis zu •4000 Metern nachzcwiesen hatte, und Pcarys Reisen dies bestätigten, ließ man die Annahme eines Nordpolsestlandes fallen. Neuerdings aber sind die Meinungen Ivieder umgeschlagen, und gegenwärtig sindtzwei Expeditionen, die D. B. Maemillans, und die V. Stesanssons, auf der suche nach diesem gcmulmaßten Nordpol- sestlande unterwegs. Was für Gründe sind es nun, die für das Vorhandensein eines ausgcdednten Landkomplcxcs zwischen dem Nordpol und den Nordküsten des westlichen Amerika und des östlichen Asien sprechen? Schon seit Jahren hat sich ein hervorragender amcrikaniicher Ozcanoqraph, R. A. Harris, mit dieser Frage beschäftigt, und seine Methoden und deren Ergebnisse setzt Pros. Otto Baschin. der zdustos des Geographischen Institutes der Universität Berlin, in einem gehaltvollen Aussatze auseinander. Harris schickt gewissermaßen di» Flutwellen als Polarforscher aus. Längst weii: man, daß die Verhältnisse von Ebbe und Flut längst nicht so einfach sind, wie es ans der Theorie zu folgen scheint. In der Bucht von Southampton gibt es beispielsweise in 24 Stunden dreimal Hochwasser. Und für die Gezeiten der Nordsee hat Wiechert daraus hingewiesen, daß sie aus dem Indischen Ozean stammen: die Gezeiienwelle biegt um die Südspitze Afrikas nach Norden herum, durcheilt die rund 10 MO Klm. lange Strecke bis nach England in 12 Slmtdcn und erreicht im ganzen zwei Tage nach Verlassen des Jndiscknm Ozeans die deutsche Küste. Die mathematische Analyse solcher Erscheinungen hat nun bestimmte Gesetz- mäßiakeitcn nachgcwiesen: so weiß man z. B., daß die Gezciten- wellc in einem 4000 Meter tiefen Meere sich in der Sekunde um 2M Meter fortpflaizt, bei 1M0 Meter Tiese dagegen nur halb so schnell, kurz, ans der Zeit des Eintresfens der Gezeitenwalle an h-n Küsten des Meeres kann man Schlüsse aus Ausdehnung und Dieken machen, und dieser Methode, die in Wirklichkeit freilich bedeutend verwickelter ist, hat sich Harris für das Nordpolarmeer
bedient.
Der arktische Ozean ist ein an und für sich fast slntloses Meer: die ac ringen, dort beobachteten Fluthöhen sind Ausläufer der Flutwellen des Atlantisckpm O^ans. Wenn die Flutwellen aut ihrem Wege kein Hindcinis antreffen, Essen sie zwischen Grönland und Norwegen hindurchlausen, das Polarmeer durchqueren
und in bestimmter Weise, die sich rechnerisch ermitteln läßt, an den gegenüberliegenden Nordküsten von Asien und Amerika ankommen. Nun zeigen aber die Gezeitenbcobachtungcn an diesen Küsten, daß sowohl die Zeiten des Eintreffens der Flutwellen als auch die Höhe des Tidenhubs mit der Voraussetzimg eines tiefen, ununterbrochenen Polarmccres nicht in ücbercinstimmung zu bringen sind. So kommt z. B. bei Point Barow, der Nordspitz: von Alaska, der Flutstrom nicht von Norden, bezw. von Osten, sondern von Westen, imd der beobachtete Hub der ganztägigen Gezeiten bleibt sowohl hier wie an der Nordküste Ostsibiriens noch unter dem halben Betrage des theoretisch, unter der Voraussetzung eines osscnen Polarmceres, berechneten Wertes, Dagegen fallen alle Unstimmigkeiten fort, wenn man annimmt, daß zwischen diesen Küsten und dem Nordpol ein Lcrndkomvlex existiert, und dessen Größe und Form lxit Harris nun voraus berechnet, wobei er noch die Richtung der Eisdrist, die Reisen von Drisikörpcrn im Meere, die Lotungen der Pearyschen Nordpolexpedition und andere Beobachtungen berücksichtigt hat. Die eine Ecke dieses hypothetischen Nordpolarlandes soll nördlich von den neusibirischcn Inseln i» 82 bis 83 Grad nördlicher Breite liegen: eine zweite wird nördlich von Point Barrow unter 77 Grad nördlicher Breite angenommen, nird von da aus erstreckt sich das Land wahrscheinlich ostwürls bis in die Nähe von Banks-Land, der westlichen Insel des nord- amerikanischen Archipels. Die Küste wird also das nördlich von Alaska gelegene Beaufort-Meer im Norden abichließen. Eine diitlc Ecke nimmt Harris nordwestlich von Banks-Land, nahe dein 75. Breitengrade an, und eine vierte endlich nördlich von Grand- Land, wo Peary im Jahre 1906 bereits ein hohes Land lCrocker- Land> gcjichicl hat.
Im ganzen dürste also ein Gebiet von trapezotdischcr Form herauskommen, dessen Größe etwa 1300 000 Quadratkilometer be trägt, das heilst, beinahe ebensoviel wie Deutschland, Oesterreich, England und Italien zusammengcnommcn. Allerdings ist nicht gesagt, daß ein zusammenhängendes Landgebiet von dieser Ausdehnung vorhanden sein muß. Es kann sich möglicherweise um seichte Meercsteile oder einen Archipel von Inseln handeln, jedenfalls aber um ein Gebiet, das nicht vom tiefen Meere eingenommen ist. Wenn Nordvolsvrscher dicics von Harris vorausgesagte Gebiet entdeckten, so stände die Wissenschaft vor einem Seitenstücke zur Voraussagung neuer chemischer Elemente durch Mendeleicst oder zur Irechnerischcn Entdeckung des Planeten durch Lcverier. Die beiden Forschungsreisenden, die gegenwärtig aus der Suche nach diesem Lande untciwegs sind, sind ftcilich von solchem Mißgeschick ver
folgt gewesen, daß sie wahrscheinlich in diesem Sommer ihr Ziel nicht erreichen können.
— Volksbildungstag. Am nächsten Sonntag findet in Frankfurt a. M. die Jahresversammlung des Rhein - Mai,lischcn Verbands für Volksbildung-'statt. Die Tagung wird eröffnet werden durch einen Vortrag von Herrn Professor Fresenius, Essenheim lRheinhessen) über das Thema „Die Volksbildungs- arbeit aus dem stachen Lande". Tie Tagesordnung weist dann anschließend noch eine Reihe wichtiger Verhandlungsgcgenstände aus dem inneren Leben des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung auf.
— Künstle r und Kritiker. „Lob Und Tadel mutz ja sein. Jawohl, mutz! Der Schöpfer verlangt es, wie jeder, der eine Frage tut, eine Antwort ertvartet: die Zeit verlangt es, weil sie am Zeitausdruck dringend interessiert ist und weil es ihr nicht gleichgültig sein kann, wie ihre Mandatare, dis Schaffenden, ihren Auftrag erfüllen. Der Künstler ist Bcans- tragcr der Zeit nnd der Menschheit, ebenso aber auch de, Kriffker. Beide arbeiten gcmeinsan, an der Fesfftellung der Werte, an der Bewältigung der Rohstoffe, an der Fvrmwcrdung des Ungestalteten und damit am Fvrtschreiten der Welt. . . Man spricht immer nur von dem Widerstand, den der Schassende von der Kriffk crsährt. Ich denke, daß der Widerstand der eigenen Znnstgenossen eine viel schlimmere Wirksamkeit zu entsaltcn pflegt.
. . DerSchaffendc gewöhne sich daran, die Kritik als einen unaus- weichlichen, höchst beachtenswerten Faktor anzusehen, als eine Instanz, gegen deren Urteil man lediglich und ausschließlich mit neuen Werken appelliert." So lesen wir in der von Hoftat A. Noch Darm, stadt) herausgegebenen .^Jnnen-Dekoration". Und an gleicher Stelle Ivird in klugen Worten die Bedeutung der „Publizität" für den Künstler ins rechte Licht gestellt. „Das Tödliche für den Künstler ist Mangel an Widerhall. . . Das Publizierte bringt den Künstler in jedem Betracht vorwärts, setzt ihn der Kritik aus, führt ihm! Bestätigung nnd Anerkennung zu, treibt ihn voran." Daraus ergibt sich auch die Bedeutung der Knnstzeiischriften, die „in ihrer heutigen Ausbildung zu den wichtigsten Instrumenten der jiünst- wirkung und unmittelbar auch des Kunstschaffens in einem Volke zählen." Eine Durchsicht der letzten Hefte der ,^Jnnen-Tekoratwn" mit ihrem prächtigen Abdildungsmaierial aus dem Gebiet der neuzeitlichen Wohnkultur läßt den außerordentlich fördernden und anregenden Einfluß einer solchen Zcitschrist klar erkennen. Wo so starke Nnd ersreutichc ästhetische Werte geboten tocrden, da mutz sich notwendigerweise ein immer zunehmender Kreis von ehrlichen Anhängern find Freunden dieser neuen Kulturwerte bilden.


