Ausgabe 
10.6.1914
 
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Nr. 133 ' Sweitez BIM

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

IM. Jahrgang

Tie«'ebener ZamilienblSttcr" werden dem »Anzeiger* viermal wöchentlich beigelegt, das llreisdlatt für den Kreis «iehen" zweimal wöchentlich. Diecindwirtschastlichen Seil, fragen" erscheinen monatlich zweimal.

Gietzener Anzeiger

Seneral-Anzeiger für Oberhessen

Mittwoch, 10. Juni 1914

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schc» UniversttätS - Buch- und Steindruckerci.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul» straße 7. Expedition und Verlag: ^^öl. Nedakiion:S-z»»! 12. Tcl.-Adr.:AnzeigerG'cßcn-

Au» Heften.

Rheinhessische Vahnprojekie.

Vor einiger Zeit sind verschiedene Plane der Erbauung von Bahnen ans dem rhcinhessischcn Hinterland aufgetauchl, die auch lebhafte Auseinandersetzungen hervorriesen. Nach und nach verdichteten sich diese zu 2 Projekten: Ten Bau Bahn aus dem Hinterland direkt nach B r n ge n und den Bau einer solchen Bahn über (ha u- lAlgesheim nach Bingen Um Einigung zu erzielen, tvar von den Herren Bürgermeister Nesf-Bingen und Land­tagsabgeordneten Scherr-Bingen eine Versammlung der ver­schiedenen Interessenten nach Bingen einbcrusen worden. Landtagsabg. Scherr-Bingen sprach über die Gründe, die chn bei der Stellung des Antrages an die Regierung betr. Erbauung einer Bahn nach Bingen leiteten. Er führte u. a. aus, daß, nachdem die Regierung in Aussicht gestellt hatte, den Gemeinden für die Erbauung von eletrischen Bahnen Unterstützungen zu gewähren, sehr viele Projekte aufgetaucht wären, da jede größere Stadt und jeder größere Ort berech­tigte Ursache haben, den Verkehr soviel als möglich an sich zu ziehen. Für die Verbindung des Hinterlandes direkt mit Bingen spreche auch schon der Umstand, daß alle die Orte, die in der nächsten Zeit dem Kreise Bingen zugeteilt imirden, eine schnelle Verbindung mit der Kreisstadt erhielten. Land- kagsabg. Ko rell-Nied er-Ingelheim führte aus, daß er seinen Antrag beltr. die Erbauung der Bahn über* !Gau-AlgcSheim mir gestellt habe, weil die Bahn dann Orte berühren würde, die seiner Erfahrung nach einen sehr großen Verkehr hätten. Tic Orte von Undenheim ab hätten ein wesentliches Interesse daran, an die Bahn zu kommen. Bei dem direkten Verkehr nach Bingen würden aber einige Orte beiseite gesetzt. Ferner habe er die Befürchtung, daß durch die Verbindung mit Büdesheim der Verkehr zum großen Teil über Sarmsheim nach Büdesheim abgclenkt werde. Zum Schluß regte er noch den Gedanken einer R u n d b a h n an, die sicherlich alle etwa bestehenden Gegensätze beseitigen würde. Herr Krcisrat GeheimratTr. Steeg-Bingen führte aus, daß er als Kreisrat nur die Bestrebung habe» könne, der Stadt Bingen bessere Verbindung mit dem Hintcrlaude zu ermöglichen. In den letzten 15 Jahren sei Bingen ver- kehrStcchnisch stark benachteiligt worden. Von einer Bahn mit dem Endpunkte in Gau-Algcsheim hätte er die Besiirch- tung, daß davon weder der Stadt Bingen noch Gau-Alges- heim ein Vorteil daraus erwachsen würde. Ten Bau einer Bahn würde der Staat wohl nicht unternehmen, ivohl aber i Zuschüsse dazu leisten. Tie Kreisstraßen würde,;, soweit die- | seS nötig ist, unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden.

Gcheimrat von B r e n t ano-Ofsenbach führte aus, daß er f in keiner sehr angenehmen Lage sei, da er sowohl die Inter- ! essen der Gemeinden zu vertreten habe, die einen Endpunkt i in Gau-Algeshcini, als auch der, die ihn in Bingen wünsch- ! len, zu vertreten habe. Die verschiedenen Wünsche müßten ! /daher zu einem zusammengeschmolzen werden. Man könnte ja auch die beiden Linien derart verschmelzen, daß eine aus i der anderen abzweigen würde. Kreisrat Wolf- Oppenheim ! führte aus, daß der Kreis Oppenheim an der Ausführung der projektierten Bahnen ein sehr großes Interesse habe, da dadurch Wörrstadt und die anderen Orte des Kreises der Kreisstadt näher gcbraclff würden Auf jeden Fall dürfe man sich auch nicht die Schwierigkeiten verhehlen, die be­sonders in der Finanzierung liegen würden. Das Projekt UndenheimWörrstadtBingen ivürdc eine etwa 3'8 Kilo­meter lange Strecke bedingen. Der Ausbau dieser Bahn würde dann etwa 1,9 Millionen Mark kosten. Der Staats- ! zuschuß würde vielleicht etwa 800 000 Mark betragen, so daß die Gemeinden immer noch 1,11,2 Millionen Marl auszu­bringen hätten. Zu der Frage des Endpunktes der Bahn i wollte der Redner keine Stellung nehmen, doch würde für ! die Rentabilität Bingen als Endstation zweifellos besser sein. Nach einer längere» Aussprache, an der sich noch^Landtags- abgeordneter von Brentano, Stadtverordneter «churgens- ! Bingen, .Krcisrat Wolf, Kreisrat Steeg und andere betei­ligten, wurde von der Versammlung folgende Entschlie - ! ß u n g einstimmig angenommen:

Die Versammlung erachtet die Herstellung einer direkten, elektrischen normalspurigen Bahnverbindung mit Güterverkehr vrn der Mitte der Provinz Rheinhessen etwa von der Gemeinde llnden- heim über Gau-Bickelheim und Wörrstadt nach der Rordwestecke der Provinz für dringend notwendig, da durch eine solche Ver­bindung bic wirtschaftlichen Verhältnisse aller in Betracht kommen­den Gemeinden sehr gefördert würden. Die Versammlung ist einig darüber, das; die Stadt Bingen einen gerechten Anspruch daraus hat, eine direktere und schnellere Verbindung mit dem Hinterlande, mit dem Herzen der Provinz, zu erhalten, umsomehr, als sie durch die neuen Bahnverbindungen in ihrem Verkehrsmteresse schwer geschädigt wurde. Bingen hat als Sitz zahlreicher Behörden und höherer Schulen, als Hasen und Ueberschlagsplatz. als Markt­platz für viele Handesprodukte, sowie mit ihren leistungsfähigen Handels- und Gewerbebetrieben, das Recht, mit fernem Hinterland endlich in eine gesicherte Verbindung zu gelangen. Die Versamm­lung ist ferner der Ansicht, daß eine besondere Verbindung von Oberhilbersheim nach Gau-Algesheim erforderlich ist.

Diese Entschließung soll der Regierung und den berden Landständen unterbreitet werden. _

hessische Zweite Kammer.

rb. 2 a r m st a dt, 9. Juni «Cie Zweite Kammer trat heute vormittag wieder zu einer Tagung zusammen. .....

' Am Regicrungststche: Staatsnnmster Tr. v. Ewald, Fr- nanzminister Tr.'Braun, Minister des Innern v. Hom- b ev q k Staatsrat Lorbacher, Ministerialrat Dr. K r a tz.

Präsident Köhler-Worms heißt die Mitglieder nach der Pause willkommen. Bei Eintritt in die Tagesordnung ersucht Staatsminister Tr. v. Ewald, den ersten Punkt, Rückäußcrung Erster Kammer bezüglich der Regierungsvorlage, die Rachweisungen über die Staatseinnahmen und -Ausgaben für das Etatchahr 1907 von der Tagesordnung abzusetzcn, da die Erste Kammer über die Versetzung von Beamten in ein anderes Amt zum Art. l3 des Besoldungsgesetzes einen Beschluß gesaßt babe, dem die Regierung nicht beitretcn könne. Er wolle Gelegenheit nahmen. nnt dem Finanzausschuß, der diesen Beschluß anzunchmen beaMragt hatte, sich darüber naher zu besprechen ^ - . .

Das Haus beschließt die Absetzung von der Tagesordnung. Abq B ä h r (Bbd.) wünscht Auskunft betreffs seiner Anträge über den Bau der Bahnstrecke Hanau Büdingen.

M i n i ft e r T r. Braun glaubt, datz die Anträge demnächst beantwortet werden würde. . , . '

Qg folgt die Beratung der Regrerungsvorlagc, betr. Nach

Weisungen über die Staatseinnahmen und -Ausgaben des Grob- s Herzogtums im Jahre 1910 nebst den öl Slnlagcn usw.

Abg. Tr. Osann (nattz) als Vorsitzender des Finanz­ausschusses führte Klage darüber, daß die Mitglieder des Hauses fast gar nicht in der Lage sind, eine Nachprüfung dieser Nachivei- sungcn vorzunehmcn, da der Vorlage die sonst von der Regierung den Nachweisungen beigefügte» detaillierten Rechnungsbelege fehlen. Für die Regierung liegt wohl eine gewisse Entschuldigung darin vor, duß die Zeit für die höchst umständlichen Arbeiten zu kur; war.

Abg. Ulrich <Soz.) erklärt, er könne sich den Ausführungen Tr. Osanns nur in jeder Hinsicht anschließen und ersucht, zu be­schließen, daß das Versäumte nachgcholt und die fehlenden Belege nachträglich heigebracht werden.

Finanzminister Tr. Braun stimmt der Meinung zu, daß das Fehlen der Belege einenliehsamc Sacht: sei, aber Abg. Tr. Osann habe den Grund beraits richtig angcdeutct. Er sei bereit, die sehlendcn Rechnungsbelege nachzuliesern.

Die Regierungsvorlage wird darnach genehmigt.

Taraui wird ohne Aussprache die Regierungsvorlage, betr. den Verkauf eines Geländestrcifcns des Landcseigentums an die Stadt Gießen, genehmigt, desgleichen die Vorlage über die Gcländc- adtretung in der Gemarkung G i n s h c i m an die preußische Eiscn- bahnverwaltung

Bel der Regierungsvorlage, betr. die Verleihung der Rechte von Zivilftaatsdiencru an die Reallchrer, bemerkt 2lbH. Wie­gand (Zcntr.j, es sei bei den älteren Rcallehrcrn der Wunsch vorhanden, im vorgerückten Dicnstaltcr einen anderen Titel zu erhalten,

Tie Regierungsvorlage wird daraus angcnommcir.

Tic Beratung der Regierungsvorlage, betr,

Revision der Ordensgejetze.

in Verbindung mit den hierzu cingegangencn Vorstellungen, be­antragt Abg. Ulrich an den Ausschuß zurückzuweiscn, da in- zwisck>en noch verschiedene wichtige Anträge zu der Vorlage ein­gegangen sind.

Abg. Tr. Stephan (Natl.) wünscht cbensalls die Absetzung von der Tagesordnung, weit seine Fraktion sich erst über die neuen, Anträge beraten wolle.

Abg. K o r e l l - Ingelheim (Fr. Vp.i hat hierzu verschiedene Anträge vorgelcgt, die den Zweck lzabcn, den simultanen Charakter der Volksschule, z» wahren, sowie die Zulassung neuer Männerorden zu verhindern. Er will auch, daß die Genehmigungen zu Nieder­lassungen usw. nicht ausschließlich von her Regierung, sondern nnt Zustimmung lev Bo.tsvcrtrctzing er olgcn soll.

Abg. Tr. Schmitt (Zentr.) bedauert, das diese neuen An­träge erst so spät cingebracht worden sind, worauf

Abg. K o r c l l - Ingelheim erklärt, daß ihm der Ausschuß bericht erst iüngst zugcgangcn sei und cs ihm bei der Schwierigkeit und Wichtigkeit der ganzen Frage nicht eher möglich war, seine Anträge zu stellen.

Aus Antrag des Abg. Reh (F. Vv.> wird die Regierungs­vorlage mit den neuen Anträgen an den Ausschuß zurückver- wiescn.

Tic Beratung der Vorlage wird darnach mis nächsten Freilag seslgesetzt.

lieber die Regierungsvorlage, betr. die Aiistellungsverbäll- Nisse der hessischen initiieren Beamten in der preußisch-hessischen Ciscnbahngemeinschast berichtete

Abg. Dr. O s a n n : Es w'-d von ihm besonders daraus hin gewiesen, daß besonders der Unrtand, daß die preußischen Be amten bisher vielfach in einem längeren Dienstalter zur Anstel lung gelangten als die hessischen, zu Mißstimmungen Veranlas­sung gegeben habe. Dieser Zustand werde durch die Regierungs­vorlage beseitigt und er empfehle deshalb deren einmütige Äw- nahme.

Abg. Henrich sfr. Vp.) empfiehlt ebcnialls die Annahm der Vorlage und wünscht, daß man auch den anderen Wünsche* der Eisenbahnbeamtcn emgegenlommen werde.

Aba Molthan sZcntr. lschließt sich den Ausführungen der beiden Vorredner an und bittet, besonders auch die noch vorhan denen Unebenheiten bezüglich der Pensionskasse zu beseitigen.

Abg. K o r e l l - Angenrod sBbd.s erklärt, daß auch seine Par­tei der Vorlage einmütig zustimmen werde.

Nachdem noch Abg. Bach snatl.i dafür cingetretcn ist und die vollständige Gleichstellung der preußischen mit den hessischen Beamten bestirwortet Hai, wird nach einer kurzen Bemerkung des Finanzministcrs Dr, Braun die Vorlage einstimmig ange­nommen.

Die Regierungsvorlage, betreffend die

Förderung von Kraftwagenlinien

wird aus Grutrd des Ausschußberichts ohne Aussprache angenom­men desgleichen der Antrag des Abg. M,öiski hierzu, nach welchem unier bestimmten Verhältnissen auch über die in Absatz l vorgescbene Beihilfe hinausgegangen werden kann.

Bei Beratung der Regierungsvorlage, betr. den Automobil­verkehr W e i n h e i mT r ö f c 1 wird die Vorlage vom Abg. Wiegand (Zentr.) warm befürwortet und darnach einstimmig angenommen.

Ohne Aussprache erfolgt daraus die Annahme der Regierungs­vorlage, betr. den Landdamm in der Gemarkung Rüssclsheim Ein Antrag Ö a u ck u. Gen! betr. die Verwendung des U r - künden st empels, wird dem Ausschußantrag entsprechend für erledigt erklärt.

Der Antrag des Abg. U c b e l, betr. die Abänderung der Landgemeindeordnung vom 8. Juli 191 l, beantragt der Ausschuß abzulehncn.

Mg. Hebel (Ztr.) gibt eine ausjührliche Begründung seines Antrags und besonders der Forderung, daß die Anstellung der Gemeindebeamten nach fünfjähriger, tadelloser Dienstzeit als eine unwiderruiliche gelten soll. Es sei zu bedauern, daß im Aus- schußbcricht gesagt werde, man beflöge sich darüber, es werde seitens der Kreisräte off in das selbstoerwaltungsrechi der Gemeinden eingcgriffen. Tie neue Gemeindeordnung habe für die Gemeinde­einnehmer eine erheblicke Verschlechterung gebracht. Tie Polizei­beamten und die Feldschützen seien noch am besten dran, da die mit Genehmigung des Kreisrats anqcstellten Beamten auch nur mit twssen Genedmigung entlassen werden könnten. Ten anderen Bes amten fehle dieser Schutz. Sehr bemerkenswert sei auch ber Um­stand, daß die sozialdemokratischen Gememdcmilgliedcr die Beamten bedrückten: so sei in einer Gemeinde nackt dein Eintritt sozial­demokratischer Mitglieder der Veriuch gemacht worden, Gemeinde beamten zu kündigen und ihre Gehalte zu verkürzen. Abg. B u s o l d rust: Wo war das?) Zn Urberach, wo man während der Wahlzeit den Beamten alle möglichen Versprechungen gemacht batte. Die Aufkündigung der Gemeindebeamten führe zur Korruption. So werde auch kein Gemeindediener cs wagen, die Honoratioren an die Feierabendstunde zu erinnern. (Heiterkeit.) Er gebe aber zu, daß solche Dinge auchi bei anderen Parteien Vorkommen könnten. Er sei der Meinung, daß eine Bewährungsirist Von 5 Jahren genüge und er bitte deshalb um die Annahme seines Antrags.

Abg. W o l s - Stadecken (Bbd.) hält es für ganz richtig, daß die Kreisräte das Auffichisrcchl über die Anstellungs- und Besol- dungsveihältnisse der Gemeindebeamten haben und damit eine Vergebung der stellen an den MindesNvrdcrnden unterbunden wird Wenn man vic 5jährige Frist als Termin für die nnwider rustiche Anstellung ffstsetze, so liege die Gciahr nahe, daß die Beamten schon nach 3 oder l Jahren entlassen würden. Es sei sehr gut, daß auch ber den Gehaltssestsetzungen die Vorgesetzte Behörde ein Wort utstzuspiücheu habe.

Abg. Ulrich (Soz.) bemerkt, cs müsse vor allem darauf gesehen werden, daß kerne Bestimmungen erlassen werden, durch welche besonders die kleinen Beamten schwer getrosfcn werden. Ter Antrag Uebel sei in der ictzigcn Form nicht klar und benimmt genug, er sei auch andererseits zu weitgehend und jollie vom Aniragstrllcr näher präzisiert werden.

Abg. Henrich (fr. Bp.) erklärt, daß er dem Antrag Uebel an sich sympathisch gegcnübcrNche: im Interesse der Sicherstel­lung der Gemeindebeamten sei die Forderung der uilwiderruji- lichcn Anstellung durchaus gerechtfertigt. Der Redner erklärt jedoch, er sei nicht in vcr Lage, den Antrag anzunehmen, weil dericlbe jeden Gemeindebeamten ohne Unterschied cingeschloiscn wissen wolle,

Abg. Uebel entgegnet, es sei ein Irrtum der Vorredner, wenn sie annähmen, daß sein Antrag nur die Genieiiwen mit inehr als 3000 Einwohnern betreffe. Besonders habe der Abg, Ul­rich aus des Redners Ausführungen falsche Schlüsse gezogen. Er zeige nur eine platonische Liebe für die Gemeindebeamten.

Nach einigen unwesentlichen Ausführungen des Abg. Dorsch lBbd.) kommt es noch zu einer kurzen Auseinandersetzung zwischen den Abgg. Ulrich und Uebel, worauf der Antrag des Aus­schusses aus Ablehnung des Antrags Uebel mit allen gegen sechs Stimmen angenommen wird.

Der Antrag Grüncwald betr. Ueberweisung der Wahl- Prüfungen der Zweiten Kammer an das Obcrlandesgericht wird von der Tagesordnung abgesctzt. ,

Den Antrag des Abg. S o h c r r (Zentr.) betr. die Gehalte an den Volksschulen in Bingen begründet der tzlntragstcller und macht dazu die Miltellung, daß ihm versichert worden sei, cs werde seilens der Stadt Bingen den dortigen Lehrern sowohl eine Ortszulage, wie auch eine Zulage cntsvrcchend dem neuen Gchalts- regulativ bewilligt werden.

Abg. Bach (Natl.) fragt an, ob die Regierung bereit sei, einer derartigen Zulage ihre Zustimmung zu geben und das srültz-re Gehaltsregulattv aufzuhebcn, worauf Staatsrat S ü f s e r t l>e- mertt, er könne daraus mit I a antworten, vorausgesetzt, daß die Nom Abg. Sohere in Aussicht gestellten Bedingungen erfüllt sind.

Der Ausschußantrag:Unter dem von der Regierung ge­machten Vorbehalt und unter der Voraussetzmig, daß die ini Amt besindlick>cn Lehrer durch die Stadt Bingen schadlos gehalten werden, das Gehaltsregulativ vom 15. Jnni 1906 aufzuheben" wird darauf mit einer durch die Erklärungen des Abg. Soherr bedingten Abänderung angenommen.

Zur Beratung gelangt darauf der Antrag Ulrich und Ge­nossen betr. die nationale Einheitsschule.

Abg. U rst a dt (fr. Bv > führt hierzu aus: Ein Beweis, klivv und klar für oder wider die Einheitsschule, ist nicht zu führen, cs kommt aus die gesamte Denkweise an, von der aus man die Frage beurteilt Der Redner selbst und seine ganze Fraktion sind überzeugte Anhänger der Idee der nationalen Einheffsschule, weil sie an die sozial-erzieherische Wirkung glauben, und vor allem ans dem Gesichtspunkt heraus, daß auch hervorragend be­gabten Kindern der ärmeren Schichten der Weg zur höheren Bil­dung eröffnet wird. Diesen Gesichtspunkt hat auch die große Kieler Lchrervcriammlung, die in ihrer idealen Begeisternng ein« imposante Kundgebung geworden ist, in den Vordergrund gestellt. Cs müssen nicht nur alle das Recht haben, in die höheren Schulen cinzutreten, man muß auch die Möglichkeit schassen, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Der Einwand, daß der Andrang ju den gelehrten Berufen dann noch größer werde, erledigt sich, wenn durch Aushebung des Berechtignngswesens für eine prompte Aus­lese der Tüchtigsten gesorgt wird. Die prüfenden Kommissionen müssen weniger aus eingedrillte Kenntnisse, als auf Können, rasche^Aussassung, sejbständiges Denken und Gewandtheit in Wort und Schriff sehen. Wo und wie die Vorbereitung erfolgt ist, dar­nach braucht man nicht zu fragen. Das zu erstrebende Ziel ktmn man aber nicht so mit einem Schlag erreichen, wie die tzlnffag- steller wollen, das; der srcmdsprachliche Unterricht bis zum Beginn des 4. Jahresknrses in der höheren Schule hinausgeschoben wird. Das würde einen gewaltigen Ruck, wenn nicht eine Katastrophe be­deuten. Man sollte allmählich Vorgehen und zunächst einmal wie es bei der Oberrealschule schon der Fall ist die fremde Sprache aus der untersten Klasse aller höheren Schulen beseitigen. Ter Redner legt einen dahingehenden Abänderungsantrag vor. Auch die zu erstrebende Beseitigung der Vorschulen kann nicht mit einem Schlage erfolgen. Der Einnahmeansfall würde die Städte mit einer beträchtlichen Summe belasten, die sie für andere soziale Zwecke recht gut brauchen können. Tie nach Aufhebung der Vorschulen entstehenden Vrivatschnken könne man aus Rücksicht auf das Selbstbestimmungsrecht der Eltern nicht einsach verbieten, obgleich sehr vieles gegen sie spricht, nicht nur die Standesabschließung, sondern noch mehr die sicherlich eintretende Konsesjionalisierung. Wenn der von Landtag und Regierung schon angenommene GrundsatzKeinerlei staatliche Mittel für Vorschulen" auch auf die städtischen ausgedehnt und streng durchgeführt wird, wenn gleichzeitig dafür gesorgt wird, daß dre Lehrpläne der Volksschule und der Vorschulen völlig Lbcr- einstimmen, und daß jeder begabte Volksschüler nach 34 Jahren ohne jeden Nachteil in die höhere Schule übertreten kann, dann werden viele Eltern das hohe Schulgeld sparen und ihre Kinder in die Vollsschule schicken. Die Vorschulen müssen dann, »m sich selbst erhalten zu können, das Schulgeld immer mehr erhöhen, bis die Grenze des Möglichen erreicht ist, und dann werden ft< von selbst eingehen.

Die Verhandlung wird darauf um l llhr abgebrochen.

Nächste Sitzung: Mittwoch früh 9 Uhr.

Tie Marktpreise für Vieh und Frucht »nd die Gießeuer Fleisch- und Brotpreise

an, 8. Juni 1914.

Schlachtviehpreise in Franks urt a. M.

Fleischpreise in ®i e ü eit

Ochsen

Kälber

Schmeine

50 Kg. Schlachtgewicht 0490 Ulf.

/, Kg. Schlachtgw. 78-107 <Bi. V, . . 66-61 .

Kg. 8696 Bl).

'/. . 90-94 .

'/, . 70-96 .

Eetreidepreise in Mannheim

Brotpreise in G i e s; e x

Weizen Ivo Kq. 21.50-22.00 Mk. Roggen 100 Kg. 18.2518.50 Alk.

Weißbrot 2 >lg. 62 ibj. Schwarzbrot 2 5lg. 54 Pfg

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