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Der Eirtzener Anzeiger
erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich SietzenerZamilieilbiätter; zweimal wöchentl.tlreis- blatt für den Kreis Eichen (Tienstag und Freitag); zweimal monatl. kand- wirtfchoftliche scitfragcn Feknsvrech»Anschlüsse: inr die Redaktion I1L, Verlag ». Expedition 51 Adresse sür' Depeschen: Anzeiger «Sieben. Annahme non Anzeigen «ür die Tagesnummer bis vornnttags 9 Uhr.
Erstes Blatt
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164 Jahrgang
Dienstag. 9. Juni 19X4
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotatioitsörntf und Verlag der Srühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckerei R. Lange.
Bezugspreis:
monatlich75Pf., vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole« u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch diePost MI. 2.— viertel« jährl. ausschl. Bestell^. Zeileiwreis: lokallöPf^ auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goek;. Verantwortlich für de» volit. Teil: Aug. Goetz; für „Feuilleton", „Ver- nnfchtes" und„Gerichts» faal": Karl Neurath; für „Stadt und Land":
_ . , .... .. . Kurl Bendt; für den
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Nicht Kabinetts- sondern Ztaatzkrisjz.
Aus Paris wird uns geschrieben:
Daß Frankreich jedes Fahr seine Ka b i n c t tskr i fi3 l>at. Damit rechnet man allgemlach wie mit der regelmäßigen Wiederkehr der Jahreszeiten. So hartnäckige Schwierigkeiten wie diesmal aber hat noch keine ihrer Lösung entgegen- gesetzt, und die im Laufe einer Woche nntcrnonnnrnen Persuche sind sämtlich gescheitert. Die Schwierigkeiten sind doppelter. Art. Wenn in parlamentarisch regierten Ländern eilt Ministerium gestürzt wird, so irkuß dies doch durch eine parlamentarische Mehrheit geschehen, und cs liegt in der Ratnr der Sach«, daß die siegreiche Mehrheit aus sich heraus die Kabinettsbildung in die Wege leitet. Der nor- tnaie Fall war jedoch diesmal nicht gegeben, da Do umer- g ue cs vorgezogen hatte, zu gehen, bevor er gegangen wurde. Tic zweite Schwierigkeit liegt darin, daß Frankreich durch die Frage der M i l i t ä r d i c n st z c i t in zwei Heerlager gespalten ist, die beide in,allen anderen politischchi Fragen nichts weniger als homogen sind. Für die Parteien der Rechten und die gemäßigten Republikaner ist die dreijährige Dienstzeit, ein Bliimlcin „Rührmichnichtan". Die Radikalen wären im Grunde zu Kompromissen bereit: sie wagen cs nicht, die dreijährige Dienstzeit jetzt abzuschaffen, nachdem sic soeben erst wieder eingeführt wurde, aber sie möchten doch einen Wechsel auf die Zukunft haben, der für später den Abbau des Treijahrsgesctzes in Aussicht stellt. Tic Radikalsozialistcn verlangen wenigstens eine stufenweise Herabsetzung, und die Sozialisten fordern die sofortige Rückkehr zur zweijährigen Ticnstzeit. Aber schon in der nicht minder aktuellen Frage der Einkommensteuer mit Selbsteinschätznng --ändert sieb das -Bild, da hier, die Linke von den Radikalen bis zu den Sozialisten wenigstens im Grundsatz einig ist, während die Rechte jene Reform leidenschaftlich bekämpft.
So ergibt sich in Frankreich eine vollkommen zerfahrene politische Lage, die dadurch noch weiter erschwert wird, daß der Präsident Poincars, der seinerzeit mit Hilfe der Rechten und der gemäßigten Republikaner gegen den überwiegenden Teil der Linken gewählt wurde, sich erst unlängst init einer bei ihm ungewöhnlichen «Entschiedenheit für das Treijahrsgesetz erklärt hat und wohl oder übel an diesem Standpunkt festhalten muß, schon weil er den Parteien der Rechten gegenüber wenigstens moralisch gebunden ist. Aus dieser verfahrenen Lage erklärt cs sich, daß- die Mission Vivianis, der mit seinen Kompromissen eine Art -Quadratur des Zirkels anstrebte, scheiterte, und daß Deschancl, Peytral und Dupuys ablehntcn, während der seit einiger Zeit immer auffälliger präsentiert-! Telcasse sich ans sein Karbunkel berief. Wie groß Poin- cares Verlegenheit ist, geht am deutlichsten daraus hervor, daß er sich zum Schluß sogar des 72jährigen Ri bot, des Mitbegründers der französisch-russischen Allianz, erinnerte, dem die Parteien der Linken längst nicht mehr trauen, und dem sic seit Jahren starkes Liebäugeln init der Rechten vorwerfen.
Es ist kennzeichnend, daß die Blätter der Rechten von Ribot die Bildung eines starren, d. h. aus dem Treijahrs- gcsetz ansgcbantcn Kabinetts erwarten, nachdem Vivianis halbstarres Kompromißministerium ausgeflogen ist, während die Organe der Linken nur von eineni — um im Bilde zu bleiben — unstarren Kabinett das Heil crhosscn, d. h. von einem Block der Linken, dessen Tendenz notwendigerweise gegen das Treijahrsgesetz gerichtet sein müßte.
Die Gozzoli-Zresken im Lampo Santo von Pisa.
Die Tausende von deutschen Kunstfreunden, die alljährlich nach Pisa pilgern, um im Campo Santo die berühmten altitalienischeu Wandgemälde zu schauen, werden sich der großartigen Freskcn- Serie entsinnen. die an der Nordwand die Geschichten der Genesis erzählen und in denen Benozzo-Gozzoli mit Meisterhand in aem» pera 2.2 Tarstcilunge» aus dem Alien Testament verkörpert bat. Es sind Noahs Weinlese und Trunkenheit, dabei die verschämte Zuschauerin, ,,la vergognosa di Pisa", Hains Verfluchung, die Geschichten Abrahams, Isaak-, Jakobs, Elans, Josephs,.Mojes und Arons, der Sturz-der Mauern von^Jcricho, die Geschichten Tavidet, Salotnos und der Königin von zpaba und der Turmbau zu Babel, au, dem Benozzo eine Reihe berühmter Zeitgenossen, Cosimo de Medici, dessen Sohn Piero und seine Enkel Lorenzo und Ginliano, verkörpert bat
Schon seit langem ,var der fortschreitende Verfall dieser be- rühmten Wandgemälde der toskanischen der Renamance nrmt mehr -u verrennen: sie bedroht das gleiche Schicksal wie die prächtigen Fresken Paolo Ucecllos inr grünen Chor von Santa Maria Novella in Florenz. Tic mächtige Gestalt, die ,m Turmbau von Babel den Mittelpunkt der Familicngrupvc der Medicäer bildet, ist zuni großen Teil bereits- zerstört, Schultern und Kopf sind verschwunden, und die übrigen Wandgemälde erscheinen vor dem JA schaucr beinahe als- ein Chaos sich zersetzender Farbcnparticn. ^cit säst einem halben Jahrhundert tat man immer wieder die Restauratoren zu Hilsc gerufen, um diese langsam dahinsterbcndcir Meisterwerke zu retten. Man versuchte es mit Swckeinspritzungen, mit Mctallnctzcn, mit allen bisher üblichen Wiedcrliersteilnngs- vcrsahreii, aber der Periall der Bilder blieb unoushaltian,. Por kurzem unternahm Ezio Giovaiw'.zi noch einen .Versuch, ans den große Hoffnungen gesetzt wurden, aber die Ergebnisse waren un befriedigend und haben dem Restaurator ivegen der starken Ein- arisse, die er sich erlaubte, mannigfachen Tadel eingetragen. Nun hat sich die italienische Regierung entschlossen, einen letzten Versuch zu machen, die Fresken der Zukunft zu erhalten. Tic Mitglieder des Rates der 'Altertümer und der schönen Künste besichtigten dieser Tage in Visa die Wandgemälde und haben daraufhin beschlossen, Lingi Eavenaghi, dem die Restaurierung"oes Lu>- nardosche'n Abendmahles io glücklich gelungen ist, die Wiedcrbcr- Ilellung der Solozn'-Frcsken zu übertragen. Eavenaghi beginnst bereits in den nächste» Tagen mit Versuchen, bei denen er, zunächst nui einer Fläche von wenigen Qiiadratzcntimctcrn, ein neues Wicdcrhcrstcllungssyste erproben will. Es handelt sich da- ba ünr eine Einspritzung : mit Terpentin getränktem gelösten
Harz das bestimmt ist, sie ttior die Farben zu legen und die losbröckelnden Farbenteilchcn wieder zu befestigen. Von dem Er-
Aber welche Kombination auch zum Schluß nach der kabincttslosen, der schrecklichen Zeit verwirklicht werden sollte, sie wird nicht von Bestand sein, sie kairn nur ein Provisorium darstellen, da die Grundlage für ein parlamentarisch gesichertes Kabinett fehlt, so lange- nicht in der Depnticrtenkammcr der erneute Kamps ansgcfochtcn worden ist, der mit dem Feldgcschrei geführt werden wird: .Hie Treijahrsgesetz, hie allmähliche Rückkehr zur zweijährigen Dienstzeit! Tic außerordentliche Gefahr der Krisis liegt, wie schon gezeigt, darin, daß die Parteien, welche in dieser Frage übereenstimmcn, in fast allen anderen von cntschci- dender. Bedeutung uneinig sind. Die Gefahr liegt weiter darin, daß sich hier ein scharfer Gegensatz zwischen der derzeitigen Kamnicrmehrheit, wie sic aus den Wahlen hcr- vorging, und dem Präsidenten der Republik herausgebildet hat.
Eben deshalb kann man nicht mehr von einer Kabinettskrisis, sondern man muß von einer Staatskrisis sprechen, deren Fäden sich von der Seine bis zur Newa ziehen. Zwar dementiert die RcgicrnngSpresse die Meldung von der russischen Einmischung, aber trotzdem scheint es sicher zu sein, daß von Petersburg aus ein starker Truck aus die Beibehaltung der dreijährigen Dienstzeit ausgcübt worden ist. Dies ist der bedeutsame internationale Hintergrund der Kabinettskrisis, die, selbst'wenn ihre provisorische Lösung gelingen sollte, sich leicht urplötzlich in eine PräsidentschaftS- krisis verwandeln könnte. Da aber die Frage „dreijährige oder zweijährige Dienstzeit" in letzter Linie trotz aller Ab- leugnngen mit der Stellung der Parteien zur Revanchehoff- nnng zusammenhängt, so erhellt hieraus, daß die gegenwärtige Krisis, ebenso wie ihre Lösungsversuche, eine weit mehr als innerpolitische, eine weltpolitische Bedeutung aufweisen und daß man besonders in Dcnischland sehr ernsthafte Gründe hat, diesem Jntriguen- und Ränkespiel mit angespannter Aufmerksamkeit zu folgen.
PariS, 8. Juni. Ribot beabsichtigt, ein Kabinett der Linken zu bilden, in dem mehrere Minister aus dem früheren Kabinett, vor allem N v ul e n s und Bi v e a nt sich befinden wcr- iden. Ribot ist der Ansicht, eine militärische Frage sei nicht gestellt. Das Kabinett müsse das Gesetz ebenso loyal anwenden, wie das Kabinett Doumergne. De l c a s s e , der an einem Karbunkel leidet, ist gestern operiert worden. Er hat leichtes Fieber und hustet stark, da er erkältet ist. Sein Zustand gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß.
Ribot erklärte einem Berichterstatter: ,^hch habe niemand ein Portcsenille angeboten und kami cs auch noch nicht. Tenn bevor ich annehme, muß ich die Lage prüfen imd mit mir ernstlich zu Rate gehen."
Wie cs heißt, bat Viviani cs abgelehnt, in das Kabinett Ribot einzutrctcn. Nonlens machte d:e Ilcbcrnahmc des Porrc- ienillcs von der Zustimmung seiner politischen Freunde abhängig, Leon Bourgeois versprach seine Mitarbeit.
Die Haltung der Russen.
Paris, 8. Juni. Hiesige Blätter heben hervor, daß die r u s st s ch e 'P re j j e einstimmig bedauere, daß Telcasse infolge seiner Erkrankung nicht in der Lage gewesen sei, ein Kabinett zu bilden. Insbesondere wird ein Artikel der „Gazette de St. Petcrsbourg" zittert, in welchem erklärt wird, daß ein Ministerium De leas so in ganz Rußland mit lebhafter Freude ausgenommen worden wäre, denn dami würden an der stelle Frankreichs zivri kraftvolle und aufrichtige Patrioten und wahre Freunde Rußlands stehen.
Die Untersuchung über den verrat der beiden Italiener in Albanien.
Durazzo, 8. Juni, (Agenzia Stesani.) Gestern hatte der italienische Gesandte eine Besprechung mit dem
gebnis dieser Versuche wird cs nunmehr abbängc», ob eine Mög lichkeit besteht, die berühmten Meistcrwerke'dcr Nachwelt zik retten.
— Eine neue Komödie von G u st a v Wied. Aus
Wiesbaden wird uns geschrieben: Im König!. Theater fand die Uraufführung der Komödie „T i c E n I e" statt. Ter Bcr sasscr ist der Däne Gustav Wied, der erfolgreiche Autor von „2x2 --- 5". Diese neueste Komödie des geistreichen Dänen, in der ilebersctzung von Earl Morbnrgcr weist starke literarische Qualitäten auf. Bier Ausschnitte aus dem Leben, die sich ancinander- reihen. Anton Peter van Borgen ist wie ein harmloses Kind, das mit naivem Egoismus seine Tochter in die Hände eines gewissenlosen Impresarios liefert, sein fünfzehnjähriges Mädel, das so schön singd und nun als knapp dreizehnjähriges Wunderkind auftrctcn muß. Wahl sträubt sich die Mutter dagegen, aber Line, die Kleine, tut alles, was der Vater will, dieser Vater, der sic liebt und sic abgöttisch liebt, — Und der gar nicht ihr Vater ist. Line, jetzt Lilli Sonntag von Borg, wird auf der Tournee so krank, daß ihr Kontrakt gelöst werden muß. Es geht wieder nach Hause in das einfache Heim. Der Traum, von eer fabelhaften Gage der Kleinen, das aroßc Gut der Elter» znrückkaufcn zu können, acht nicht in Erfüllung. Ter Vater mit seinem goldenen Leichtsinn hat das kleine Vermögen in Monte Carlo mit einem „System" ausgerüstet verspielt. Aber bald wollen sie wieder hinaus in die Well, neues Gold erraffen, neue Lorbeeren ernten. Das kaum genesene Kind ver- spricht dem Vater mit leuchtenden Angen, wieder singen, verdienen zu wollen. Ter richtige Vltztcr des Kindes Imll sprechen, will dem Ahnungslosen sagen, daß er der Vater des Kindes ist, da tritt Frag Mägde, die den Verführer noch immer liebt, aber auch den Gatten nicht kränken will, die schwer an ihrer Schuld trägt, dazwischen, schließt dem einstigen Gettebten durch ein energisches Wort den Mu:rd und erklärt mit fester stimme: „Kein Wr,rt weiter. Wir reisen ich weiche-dir treu zur Seite stehen." So will Fra» Magde sühnen, indem sie ihr Liebstes ovf'ert, indem sic weiter mit dem leichtsinnigen, gutherzigen Menschen durch das Leben geht, ihr Schicksal an sein unsicheres Schicksal kettet und immer voller Angst ist, welche geniale Idee ihm wohl nächstens durch den Kops gehen wird. Gesvielt wurde durchweg gut. Bis ans wenige Kleinigkeiten war die Regie vorzüglich. Tas zahlreiche Pnbliknm brachte dem Stücke erst lcbhaites Interesse und viel Beifall entgegen, blieb aber zum Schluß kühl, fast feindlich. B. v. N.
— Eine neue Operette in den D a r m st ä d t e r F r ü h l i n g s f c st s p i e l e». Aus T a r m st a d t, i>. Juni, wird uns geschrieben: Tic Frühlingsiestspielc fanden mit der Uraufführung von „Hans im Glück", einer dreiaktigen Ovcrettc von O t t c n h ei m c r , ihren Abschluß. Das Libretto erzählt die Geschichte von einem armen Kapellmeister, der eine Grascntochicr liebt. Das Schiilsal zivingt ihn, zu ihrem Verlobungsfest aufznspiclenZ
Fürsten Wilhelm und den Ministern, welche anerkannten, daß der holländische Oberst schsch gelfmidclt habe, und versprachen, volle Genugtuung zu geben. Ter italienische Gesandte bestand auch auf der Prüfung der Papiere, die von einer geniischten Kommission vorgenommen wurde, weil der Gesandte die Haltlosigkeit der Anklage bcweffen will, ungeachtet der Genugtuung, die für die Verletzung der Kapitulationen geschuldet wird. Es heißt, die holländischen Osfiziere, besonders Oberst Thomson, verweigern der albanischen Regierung den Gehorsam, weil sie ihr Amt aus dem Mandat der Machte herlciten. nne es ans der Londoner Konferenz beschlossen wurde. Tie albanisch^ Regierung richtete an den italienischen Gesandten ein offizielles Schreiben, in welchem sie die bereits abgegebenen Versprechungen wiederholt, daß sie Italien für die Vcrhaftemg des Obersten Muricchio Genugtuung geben loolic. Sobald der Ausschuß, welcher 'die Papiere prüft, die Schuldlosigkeit Muricchios scstgestellt hat, ivird die albanische Regierung die holländische Regierung um die Ersetzung der für den Vorfall verantwortlichen Offiziere ersuchen.
Durazzo, 8. Juni, löestcrn abend wurde vom Untersuchungsausschuß in Sachen Muricchio und Chintgo, der aus drei italienischen Mitgliedern sowie ans vier albanischen Mitgliedern besteht, ein Protokoll anfgcnommcn, das die Prüfung der bei dem Obersten Muricchio gesniidenen Papiere betrifft. In dem Protokoll heißt es: Bei der Nachprüfung der beschlagnahmten Papiere kamen die vier albanesischen Mitglieder zu dem Ergebnis, daß der Inhalt eines Briefes fiir MUricchio konipromittierend sei. Tic drei italienischen Mitglieder kamen dagegen zu dem «Ergebnis, daß die nachgeprüftcn Briefe weder im allgemeinen noch inbezug auf die Anklage, deren Gegenstand der Oberst ist, irgend etwas konipromittierendes enthalten. Sie versichern, daß es sich bei dem oben erwähnten Briefe um einen Privatbricf bandelt, in denen Oberst Muricchio nur seine persönlichen Ansichten und Eindrücke ansspricht, die in keiner Weise mit der Anklage zusaimnenhängen. Was Chintgo betrifft, so stimmen alle Mitglieder darin überein, daß die Papiere nichA ihn Belastendes enthalten.
Die Abwehr des Ansstandes.
Wien, 8. Juni. Die „Alban Korrespondenz" meldet aus Durazzo: Infolge der Verhängung des Belage- run gszust nndes ist die Einsetzung eines Kriegsgerichtes verfügt worden. Im Lager der Aufständischen sind ernste Zwistigkeiten ausgebrochcn, infolge deren eine größere Neigung zur Unterwerfung vorhanden sein soll. Tie Lage Ivird' hier als gebessert angesch?n. Wie auS E l b a f f a n gemeldet wird, lfat eine issendarmcric- abtcilung die Aufständischen nach einem heftigen Kampf aus dem Torfe Bradaschesch vertrieben. Eine 'große Anzahl Freiwilliger hat sich der Gendarmerie angeschlosscn, welche gegen Tirana vorgcht.
B a l o n a, 8. Juni. Oberstleutnant Th o m s o n ist zur Teilnahme an der Versammlung der Notabeln hier cin- getrossen. Seine Aufforderung zur Bildung eines Frei-willigeknkorps gegen die Rebellen wurde mit großer Begeisterung und Ovationen für den Fürsten und die Regierung ausgenommen. Thomson kehrte nach Turazzo zurück.
Deutsche» Reich.
Das preußische Abgeordnetenhaus wird zu einer kurzen Nachsaison am heutigen Dienstag zu-
dabei kommt es natürlich! zu einer Aussprache und zur Flucht der Liebenden. Im dritten Mt kriegen sic in einem kleinen Tiroler Bahnhof den Segen des Vaters: der im Automobil gefolgte fürstliche Bräutigam bekommt seine Sängerin. Die Komposition kann kaum den Anspruch erheben, die Operettenmnsik mit Ncuschövsnngen bereichert zu haben, da sie zu viel bekannte Melodien enthält, so einen Walzer, der seine Zugkraft längst erwiesen hat. In zwei bis drei Liedkompositioncn sindet sich der sshisatz zu seriöse»! Tonlatz, aber er ist kraftlos bis ans ein Duett voni Scheiden und Meiden. Ten starken äußeren Eriola brachte einzig die glänzende Besetzung durch erste Kräfte, Max Pallenbcrg-Berliii, Mizzi Günther, Mimt Marlow« Hubert Marischka-Wicn und Bruno Harprecht-Tarmstadt.
— EinFranksurtcrRichard-Ttrauß-Muscnm. AM Frankfurt a. M., 8. Juni, wird uns geschrieben: Ter LMngroßhänhler Nicolas Manskovs hat ans Anlaß des am 1l. Juni stattiindcndcn 50. Geburtstages von Rickiard Strauß die Anregung zur Gründung eines Richard-Stranß-Mn- s e n ü! s gegeben. Tas Museum Ivird spätestens im Frübjahr 1915 eröffnet. Als Grundstock hat, ihm Manskopf eine bedeutende flnzahi von Tokninenten, Porträts, ^iomposittonen und Bildern von Tarstellcrii bei Uraufführungen Ltraußscher Schöpfungen zur Verfügung gestellt.
Schlangengift gegen Epilepsie. Vor einigen Jahren mußte ein anierikanischer Arzt in Texas die merkwürdige Beobachtung machen, daß bei einer an schwerer Epilepsie leidenden Patientin infolge des Bisses einer Klavpcrichlanae die Anfälle aushörtcn. Tr. Spangler machte daraurhi» in Philadelphia eine Reihe von Versuchen, bei denen er Evilevtikcrn präpariertes Klavperschlangcngist, das er Crotalin nannte, in Mininialen Quantitäten in die Haut einspritzte. Tie Folgewirkunacn waren sehr günstig, und io begannen 1!H1 zwei iranzösiichc Acrzic, die Tok- ioren Ealmclte und Mözie, ähnliche Versuche, die nun zum Ausbau einer neuen Heilmethode gegen Evilcviie geführt haben. Tic Experiniente wurden an geistesschwachen und geistesgestörten Evi- leptikcrinncn unternommen, und in lämtliche» Fällen zeigte die Anwendung von Klapverichlangengift günstige Ergebnisse. Tie Zahl der Aniällc nahm ab und verminderte sich in den verschiedenen Fällen um von 29 bis zu 73 Prozent. Tie Wirkung der («iifl- einsvritzung war um so günstiger, je jünger und robuster die Patientinnen waren.
— Kurze Nachrichten an s Kunst u n b_ Wissenschaft. Bei Gelegenheit des II. Livvilchen Muiikiestes, welches voni 22.—24. Mai in Tetmold stattfand, wurde der Kölner B a r i t o n i st Ernst E v e r t s voni Fürsten Leopold zur Lippe zum „Kammersänger" ernannt.


