vr. m
Äoetter BM
M. Zahrgang
Effcheinl täglich mit Aufnahme d«S Sonntag;.
Die „Kietzrner Zaimlitichlätter" werden dem »Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, da; ..Kreisblatt für den Kreis Sichen" zweimal wöchentlich. Die .Landwirtschaftlichen Seitfragen" erscheinen monatlich zweimal.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhejfen
Montag. 8. ZumJW
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichen Universität; - Buch- und Eleindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Echul» straße 7. Expedition und Verlag: ^^LI. Redaktion:^^I12. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.
Italienischer verrat in vurazzo.
Ein neuer Zwischenfall in Durazzo hat dem Fürsten seine Mission noch mehr als bisher erschwert: einige Italiener wurden dabei ertappt, als sic sich mit den Aufständischen in Verbindung setzen wollten. In jedem anderen cptaatswesen würden die Verräter sofort abgeurteilt und in Haft behalten werden, aber Fürst Wilhelm ist von dem Wohlwollen Italiens abhängig und so hat er die beiden Missetäter wieder sreigelassen, und sein Ministerpräsident hat dem italienischen Gesandten sogar sein Bedauern über das Vorgehen.gegen die beiden Italiener ausgesprochen. Es ist für den Fürsten nur ein schwacher Trost, daß die Großmächte jetzt grundsätzlich bereit sind, Kriegsschiffe in die albanischen Gewässer zu entsenden. Wir erhielten folgende Meldungen:
R o m, 6. Juni. Die „Agencia Stefani" meldet aus D u - ra zzo: Am 5. Juni um 7.45 Uhr abends wurden in dem! Hurse des Direktors der italienischen Post, der italienische Oberst Muricchio und der italienische P ro sc s s o r C h in i g o unter der Anschuldigung verhaftet, dabei überrascht worden zu sein, wie sie mit den Aufständischen Lichtsignale austau.schten. Das italienische Konsulat wurde um 8.30 Uhr von der Verhaftung benachrichtigt. Marquis Dnrazlo, der Vertreter des Konsuls, protestierte wegen der Verzögerung, mit der er von der Verhaftung zweier italienischer Untertanen, die unter dem Schutze der Kapitulationen standen, in Keirntnis gesetzt sei. Er protestierte ferner gegen die Verletzung des Hausrechts und ließ schließlich die beschlagnahmten Papiere prüfen und versiegeln, looruntcr Oberst Muricchio ein Notizbuch fand, das ihm nicht gehörte. Um Mitternacht wurden die beiden Verhafteten frcigelafsen.
Uebcr die Vcrhastungen meldet auch das „Wiener Korr.- Bureau": Wegen der seit längerer Zeit abends beobachteten L i ch t s i g n a l c, die von dem von den Italienern bewohnten Gebäude mit einem am Rastbul im Gebiete der Aufständischen gelegenen Hause gewechselt wurden, sowie anderer sich häufender Verdachtsmomente gegen die in jenem italienischen Gebäude verkehrenden Italiener wurde Freitag abend, als abermals Signale gewechselt wurden, von einem holländischen Offizier auf Grund des Belagerungszustandes eine 5z au s- suchung vor genommen. Hierbei wurde der italienische Oberst Muricchio und der italienische Professor Ehinigo verhaftet. Ferner wurden viele kompromittieren de Schriftstücke beschlagnahmt. Bei dem von dem Platzkommaichanten Thomson vorgcnomme- nen Verbör haben sich die Verdachtsmomente bestätigt. Da uaa, Aussage der holländischen Offiziere gegen die beiden Verhafteten belastendes Material vorliegt, verweigerte Ober st Thomson die von demitalienischcn Gesandten Aliotti geforderte Freilassung der beiden Gefangenen. Diese wurden erst auf das von dem italienischen Gesandten nachgesuchte Machtwortdes Fürsten, sie gegen Ehrenwort vorläufig freizugcbcn und zur Disposition zu belassen, auf fteien Fuß gesetzt. Tie Nachforschungen werden fortgesetzt. Strenge Untersuchung ist entbleitet. ' Der Vorfall erregt in der Stadt großes Aufsehen.
Dre Verhaftung italienischer Untertanen in Durazzo kann, wenn man das Benehmen in Betracht zieht, das von mernären Ausländern in Albanien an den Tag gelegt wurde, nicht überraschen, 'um so weniger, da Oberstleutnant Thomson , der jetzige Platz komm andant, im Gegensatz zu seinen anderen holländischen'Offizierkollegen eigentlich viel weniger Offizier als Diplomat ist und sicherlich lange beobachtete, bevor er zugriff. Es halten sich seit Monaten bereits in der albanischen Residenz Italiener auf, v o n de n e n
manbeimbcsteuWilleunichtwissenkann,was
sie eigentlich dahin geführt hat. Sic kamen als Agenten. Ingenieure, Advokaten und ähnliches. Freilich mußten sic sich vorher schon sagen, daß sie in dieser Eigenschaft vorläufig gar nichts zu tun haben würden. Merkwürdigerweise waren sie aber alle ausgezcichuetc Kenner des Landes, ja einige von ihnen beherrschen sogar die Landessprache. Das Haus des Postdirektors, in dem Oberst Muricchio, ein italienischer Artillcricoffizicr albanischer Ab- stamnrung, der seit Monaten dort bereits weilte, verhaftet ivurde, befindet sich ebenso wie das benachbarte Haus des italienischen Schuldirektors Pros. Ehinigo, aus einer Anhöhe, wenige Schritte von den: Hause Essad Paschas entfernt. Es beherrscht wohl die Stadt, aber es können, wie ein Kundiger im „Lok.-Anz." mitteilt, von da aus keine gewöhnlichen Lichtsignale an die Ausständischen gegeben worden sein, einfach aus dem Grunde, weil dicht dahinter im Bereiche der Stadt sich noch starkes Erhebungen befinden, die jede Aussicht.nach den Plätzen der Rebellen versperren.
Die Freilassung der Verhafteten.
Rom, 7. Juni. Die „Agcnzia Stefani" meldet aus Durazzo vom 6. Juni: Der Ministerpräsident T urkhan Pascha begab sich im Laufe des L.ages auf die italienische Gesandtschaft, um sein lebhaftes Bedauern über die Verhaftung des Obersten Muricchio und des Pros. Ehinigo auszu drücken. Gleichzeitig hatte der Ministerpräsident eine Besprechung mit Baron Aliotti über die Regelung des Zwischenfalles. Abends richtete Turkhan Pascha infolge der Entscheidung des Ministerrats an den italienischen Ge sandten einen Brief, i» dem die albanische Regierung ihr lebhaftes Bedauern über das ungesetzliche Vorgehen am gestrigen Abend gegen Muricchio ausspricht und erklärt, daß sie endgültig jedes Verfahren gegen ihn cinstellt. Außerdem erklärte sich die albanische Regierung bereit, der italienischen Regierung jede Genugtuung zu leisten. Auf den ausdrücklichen Wunsch Aliottis werden die bei Muricchio b eschlp g n a h in t e u Papiere einer Prüfung unterzogen. Die Stadt ist ruhig. Ter Belagerungszustand ist noch in Kraft.
Tic Entsendung von Kriegsschiffen.
Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt in ihrer Wochen- rundschau: Tie Regierungen her Großmächte ließen, soweit bekannt ist, die Bereitwilligkeit er-,
kennen, nach den albanischen Gewässern Kriegsschiffe zu entsenden. Durch die Ausführung der Maßregel würde bekundet werden, daß Europa sein Interesse an der Entwicklung des durch Beschluß der Großmächte begründeten Staates Albanien äls fortbestehcnd ansicht. Tie Arbeiten des internationalen Kontrollausschusses und die Bemühungen des Fürsten Wilhelm, die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Lage zu überwinden, kchmtcn unter dem von einer solchen Kundgebung zü erwartenden Eindruck erleichtert werden.
Rom, 7. Juni. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Petersburg: In politischen Kreisen Petersburgs wird versichert, daß die russische Regierung, die sich zuerst immer weigerte, jetzt einwilligc, ein KriegSschisf nach Durazzo zu enffendcn, wenn die anderen Mächte es auch täten.
Die Serben.
Belgrad, 7. Juni Die Nachricht der „Albanischen Korrespondenz", daß 2000-Mamn serbischer Truppen fich in der.Richtung auf Elb assan versammelt hätten, wird von zuständiger Seite für unrichtig erklärt, weil schon seit Monaten keinerlei Trnppcnvcrschiebungen in dem fraglichen Gebiete ftattgesündcn hätten.
riirÄie und Schule.
Wacker aus dem Index.
Ein Beschluß der Jndexkongregation verbot nach einer Meldung aus Rom mehrere Bücher, darunter die Bro- schüredesbadischcnZcntrumssührersWackcr gegen die „Q u c r t r ei b c r ei": „Zentrum und kirchliche Autorität", Essen 1914. Wie verlautet, hat sich die Kurie besonders an der „Unabhängigkeit von der christlichen Autorität" gestoßen, sowie an der „Aconfesfionalität", wie sie Wacker haben will.
Das ist der Gegenhicb der Integralen, die Wacker bereits vernichtet zu haben glaubte. Ein schwerer Schlag fürwahr, süt Wacker nicht nur, auch für die Geistlichkeit Badens, die ihn schützte, und für das badische Zentrum, das seinem Führer blindlings folgt. In Baden, so rühmte sich Wacker, haben die Integralen kerne Bedeutung. Er setzte es durch, daß die paar führenden Integralen ihre Ehrenämter in der Partei nicderlegten. Er erreichte, daß sich die badische Geistlichkeit mit ihrem Erzbischof Wrber an der Spitze gegen die Intransigenten und sür ihn aussprach, ganz zu geschweigen von der Zenirumspartei, die er ganz in der Gewalt hat. In Essen hält er eine Rede im Sinne der Kölner Richtung, weitert gegen die ,>Quer- treiber" und läßt die Rede als Broschüre drucken. Aber jetzt dreht sich das Blatt, der Papst selber wendet sich gegen ihn: seine Broschüre wird ans den Index gesetzt Zwar wird jetzt in einem wohl ans römischen Kreisen inspirierten Artikel des „Badischen Beobachters", des Hauptorgans der badischen Zentrumspartei, darauf hingewiesen, daß der auf den Index gesetzte Aufsatz Wackers keine Schrift für sich bildet, sondern sich in der Broschüre gegen die „Qucr- treiber"-Kundgebung der deutschen Zentrumspartei im städtischen Saalban zu Essen am 15. Februar 1914 befinde. Daraus, daß nicht diese Broschüre, die sich ausschließlich gegen die Quertreiber richtet, sondern nur ein Aufsatz derselben verboten wird, ergebe sich von vornherein, daß sich die Aktion der Jndexkongregation in keiner Weise gegen die für die deutschen Katholiken notwendige Abwehr der Quertreiber richte. Aber das sind Beschönigungen, die nicht überzeugen, denn das Blatt fährt fort:
Es sei aber zugegeben, daß sich in den nicht von wlssen- ichastlich theologischen Standpunlt, sondern von dem der politischen Praxis gemachten Aussührungen daS eine oder andere befinden könne, was mißverständlich oder zweideutig sei, und daher exakter und klarer ansgedrückt werden müßte, so daß ein Mißverständnis ausgeschlossen sei. Wenn die Kongregation zu dem Urteil kam, daß tatsächlich einzelne Stellen in dieser Hinsicht zu beanstanden seien, so mußte sic konsequenter Weise den Aussatz Wackers aus Acn Inder setzen. — ES fei, io heißt es in dem Artikel znm Schluß, nicht ausgeschlossen, daß unter Umständen die diesen Aussatz enthaltende Broschüre mit den kirchlich erwünschten Korrekturen bezüglich der theologischen Partien des Aufsatzes wieder berans- gegeben werde. Ter badische Zentrumssührer sei und bleibe der Mann, der seit über einem Menschenalter zu den enlichiedcnstcn und geschicktesten, aber auch verdientesten Dorkämpsern der Freiheit der katholischen Kirche gehöre.
Man will Wacker also eine goldene Brücke bauen und unliebsames Aussehen vermeiden. Wacker soll sich bekehren, dann will man seine Broschüre wieder freigeben. Zweideutig, freilich nicht mißverständlich, erscheinen uns lediglich diese Aeußerungen aus Rom, und das wenig offene und gerade Vorgehen der vakikanischen Politik wird allmählich auch im ganzen Zentrumslager Unwillen finden.
Der Einzug des Kardinals Bettinger in München.
München, 6. Juni. Heute nachmittag 5 Uhr erfolgte unter überaus zahlreicher Anteilnahme der Bevölkerung der feierliche Einzug des ncucrnaiiiitcn Kardinals, Erz- bischofs v. Bettinger, der von seiner Romreisc zurückgekehrt war. Bet dem Eintreffen des Sonderzugcs auf dem Hauptbahnhose begrüßte im Auftrag des Königs der Oberzeremonienmeister Graf M o y den Kardinal. Kultusminister o. Knil ling überbrachte im Namen des gesamten St.iats- ministcriums dessen Willkomm und Glückwünsche. Ober- büigcrmeister Bor sch t feierte im Fürftensalon in herzlichen Worten den Kardinal. Vom Bahnhöfe ging die Fahrt im Hosgalawagcn mit Spitzlnreitern nach dem Tom, wo ein Tedeum stattsand, daraus nach der Residenz, wo König Ludwig im lleinen Thronsaal, umgeben von den.Herren des großen Dienstes, darunter Ministerpräsident v. Hert- fing, den Kardinal in feierlicher Audienz empfing. Von der Residenz erfolgte die Fahrt nach dem erzbischöflichen Palais, wo abends das katholische Sänger- kartcll dem Kardinal seine Huldigung darbrachte.
Das herzogspaar von Braunschweig in München.
München , 6. Juni. Der Herzog und die 5zerzogt n von Braun schweig sind mit dem Erbprinzen und großem Gefolge vormittags l 1.40 Uhr im -onder- zuge hier eingetriiffen und wurden am Bahnhof vom König mit der 'Prinzessin Franz ip Vertretung der Könrgin
empfangen. Anwesend waren auch die königlichen Prinzen, ferner Staatsminister Freiherr v. Hcrtling, Vertreter der Behörden und des gesamten Ofsizicrkorps des l. Schweren Reiterregiments, sowie die Vereinigung ehemaliger Angehöriger desselben Regiments. Unter lebhaften Begrüßungen "des Publikums erfolgte die Fahrt nach dem Schlosse.
München, 7. Juni. Bei der Galatasel, die heute abend zu Ehren des Herzogs und der Herzogin von Brannschwciq stattsand, hielt der König eine Ansprache, in der er sagte:
ES ist der Königin und Mir eine ticj empfundene Freude, Eure K. Hoheiten bei uns begrüßen zu dürfen. Gerne ergreife Ich die willkommene Gelegenheit, Euren St. Hoheiten nochmals persönlich Meine besten Glückwünsche zu der Geburt eines ThrvnislgerS zum Ausdruck zu bringen uird damit Meinen herzlichsten Tank sür die liebenswürdige Ucbcrtragung der Patenschaft zu verbinden. Wir wissen die Ehre zu schätzen, die Eure Sf. Hoheiten Uns damit erweisen, daß Ihre erste Reise nach diesem frohen Ereignis sich nach München richtet. Eure St. Hoheit sind in Bahcrn nicht fremd. Noch unter Meinem Höchstscligen Herrn Vater jind Eure St. Hoheit in eines der bayerischen Regimenter cingctrctcn, die auf hundert Jahre einer ehrenvollen Geschichte zurückichanen können. Als Offizier Meines Ersten schweren Reiter-Regiments haben Eure Königliche Hoheit mit vorbildlichem Pflichteifer gedient.
Hierauf erwiderte der Herzog von Braun- schw ei g:
' Eurer Majestät sagen die Herzogin und ich unfern innigsten Dank sür den uns gnädigst bereiteten hockMjreulichcn Emvtang und sür das zu Herzen gehende. Willkommen, das Euere Maiestät soeben geruht haben, an UNS zu richten. Eure Maiestät haben dabei die Güte gehabt, auch auf unser junges Familienglück hin- Auweiscn. In Bezug aus dieses möchten wir auch an dieser Stätte Euerer Majestät sür die gnädige Uebernahmc der Patenschaft bet unserem Sohne von Herzen danken.
Es drängt mich des weüercn, der trejen Dankbarkeit Ansdrua zu geben, von der ich gegenüber Euerer - Maiestät uird Euerer Majestät unvergeßlichen Hochscligcn Herrn Vater in Würdigung dessen cffüllt bin, daß ich Bor sechs Jahren in das mir so teuer gewordene Königliche Regiment eintrcten dnffte, dem noch heute verbunden zu fern mrr zur größten Freude und Ehre gereicht. Die glücklichen Jahre des Dienstes bet den 'Schweren Reitern, alle Gnaöc und "llüike, die "ich während di'escr Feit an dem Kömglicksen Hole gcrunöcn habe und das herzliche Entgegenlvmmen, das kch an so vielen anderen Heimstätten des schonen bayerilcyen Laiidcs cffahren durste — alles dieses ist meinem Herzen unauslöichlich eingeprägt. Ich werde insbesondere nie vergessen, welche Bedeutung meinem Eintrütc in die bayerische Armee sür die Gestaltung meines Lebensweges beizumessen ist.
Deutsche Kolonien.
D er neuges ch as f e ne Eis en bah n ta t für Deutsche» st afrika. bestehend aus neun von dem Gouvernementsrat ans verschiedenen Bcrnsskreisen gewähren Mitgliedern, hielt am Ääittwoch und. Donnerstag unter dem Vorsitz des stellvertretenden Erscnbähnrefcrenten seine erste Tagung ab. Die Beratungen, zu deren Beginn auch der Gouverneur anivesend war, und die Begrüßungsansprache hielt, betrafen vorwiegend Aariffragrn. wobei verschiedene Aenderungen vorgeschlagen wurden. Mit allen gegen eine Stimme wurden Sonderlarife für die Usambavabahn und die Tanganhikabahn gefordert, da beide Bahnen völlig verschiedene wirtschaftliche Grundlagen hätten.
Die Cauffahrt des Ballons Gietzen.
Gießen, 7. Juni.
Ter Verein für Luftfahrt in Gießen, der vor drei Jahren als Ortsgruppe des Kurhessischen Vereins iür Luftfahrt in Marburg gegründet wurde, und sich auf Wunsch der Großherzogs bald darnach unter seinem Protektorat mit Mainz und Tarmstadt zur Großh. Hess. Vereinigung sür Luitiahrt zusammenschloß, beging heule vormittag bei herrlichem Wetter die Taust eines eigenen Freiballons. Schon in irüher Morgenstunde hatten sich die Bcreins- mitglieder mit ihren Familienangehörigen zur Füllung eingcsun- dcn, denen bald die Vertreter vieler anderer Vereine, der Stadt, zahlreiche Stadtverordnete und sonstige Gäste folgten. Noch während der Füllung erschien die fürstliche Familie von Lich in Begleitung des Provinzialdirektors Gcheimerat Dr. Uiinger auf dem Platze, wo sie von dem Vorsitzenden Prof. Tr. König emv- fangcn wurden. Nachdem der bekränzte Korb an dem Tanwerk befestigt war, bestiegen ihn außer dem Führer, Privatdozcnt Tr. L> t u ch t c y aus Marburg, der zugleich seine 33. Fahrt machte, noch vier Fahrgäste. Als Vertreter der Stadt fuhr Stadtverordneter L ö b c r , als Vertreter des Vereins Lehranttsassesior Walther und ferner Frl. Liddy S i c v c r S »nd Frl. Eli'e Walther, mit, so daß der Verein das seltene Vergnügen hatte, bei seiner ersten Fahrt gleich zwei Damen an Bord seines Ballons begrüßen zu können. Nachdem die Vorbereitungen bis aus das Abwiegen erledigt waren, hielt Prof. Tr. König folgende Ansprache: Durchlaucht! Sehr geehrte Damen und Herren!
Sie sehen den Verein für Lustsahrt heute in der schönen Rolle beglückter Eltern, die ihr erstes Baby taufen. In Parenthese glaube ich versichern zu können, daß cs vorläufig das einzige bleiben wird. Daß wir aber alle Ursache haben, uns als bc- glückte filtern zu bezeichnen, darüber wird der Anblick, den Sic vor sich haben. Sic nicht im Zweitel lassen. Unser Babn ist drall' und rund und von einer beneidenswerten Frische seiner tyvischen Ballonfarbc. Es hat eine gesunde Lunge mit einem Fassungsvermögen mit 1680 Kbm. Tic Klavvenventilc feines Heizens' funktionieren tadellos und es ist mit den feinsten Sinnes- oraancn ausgerüstet, die ihm gestatten, auch die kleinste Aen- derung seiner Höhenlage sofort wahrzunshmcn. To haben wir die Uebcrzcugung, daß wir e§ mit der sicheren Hoffnung guter Fahrten den Lüsten anvcrtraucn können, und in dem Augenblick, da wir dies zum ersten Male tun wollen, lind unsere Herzen erfüllt, von Freude und Dank. Diesen Gefühlen wünsche ich im Namen des Vereins Ausdruck zu geben.
In erster Linie danken wir allen, die am heutigen Moracn erschiene» find, um dieseü ersten Aufiticg mit uns zu feiern. Wir danken vor allem, daß wir die Ehre haben. Eure Durchlaucht als hochgeschätztes Mitglied unseres Vereines hier begrüßen zu können. Wir begrüßen die Vertreter der staatlichen Behörden, der Stadt, des Regiments, der Universität und alle werten Gäste des Vereins, unter ihnen besonders diejenigen, die von auswärts zu dieser Feier herüber gekommen sind, die Vertreter unseres Schwester- oder richfigcr unseres Muttcrvercins in Marburg. Zu ihnen gehört auch unser vortresslicher Ballonführer. Herr Tr. Slnchtey, dem wir Tank wissen, daß wir unser Kleinod seinen bewährten Händen anvcrtrauen dürfen Und besonders möchte ich unter unseren Gästen noch Herrn Gchcimcrat Aßmann begrüßen, den Begründer unserer modernen aerologischen Wissenschaft. Möge ieinc Anwesenheit bei dieser Feier ein gutes Omen


