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Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

§reitag. 5. Zum

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- sircrße 1 , Expedition und Verlag: e^g*51. Redaktion:^« 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießeru

Die Erhebungen über den Nüüaang der Geburienzisser in Deutschland.

die im preußischen Ministerium des Innern veranstaltet wor­dennd, haben zu dem Ergebnis gciiihrt. daß ein Hcruntcr- gang der Gebar- und ZeugungSiähigleit nicht die Ursache des Geburtenrückgangs sind, sondern daß allen, wirt- schastlichc Gesichtsvunkle eine Rolle beim Geburtenrück­gang spielen und die zunehmende Ehelosigkeit ebensalls ihren Teil dazu beilrage. Gesetzliche Maßnahmen zur.Hebung der Geburtenzisscr werden unter diesen Umständen keine Ersolge zeiligcn. Nur eine wcitumsassendc Ausklärungsläligleil und eine polizeiliche Ucberwachung des Handels mit Abtreibungs- mitteln kann Helsen. Daß das deutsche Volk iiickn degeneriert ist. zeigen am besten die Zahlen der Aushcbungslisten sür die Rekrutencinstellung. Man hat seit Jahren die Bedingungen sür die Tauglichkeit erweitern können und kann jetzt an den Ersatz erhöhte Ansorderungcn stellen, auch bic durchschnitt­liche Körpergröße hat zugenoniincn. Mai, hat weiter wahr- gcnommen. daß gerade die finanziell lcislungssähigen Kreise der Bevölkerung dem Anwachsen der Geburlenziiser entgegen- arbeitcn.

Das Sinken der Geburtenziffer ist übrigens nicht neuen Dettums. schon seit mehr als 20 Jahren hat man statistisch sestgcstellt, daß die Geburtenziffer sinkt. In Deutschland merkte man weniger davon als in den romanischen Ländern. Kein Staat kann sich aber rühmen, vom Sinken der Gc- burtenzisfcr unberührt geblieben zu sein, vielleicht mit Aus­nahme von Bulgarien und Rumänien vor den Balkankriegcn dieses Jahrhunderts. Eine Gefahr bildet der Rückgang der Geburten für Deutschland noch lange nicht, denn cs ist er­wiesen, daß die fetzige Nachkommenschaft lebensfähiger ist, was das Ansteigen der mittleren Lebensdauer bei uns zeigt.

Auch die Zahlen des Geburtenüberschusses beweisen, daß es in Teutschlanh noch recht gut mit dem Nachwuchs steht. Jugendpflege und Gesundheitspflege werden dazu führen, daß kein Volk Europas uns durch das Aussteigen der Geburtenziffer überflügelt. Ter Geburtenrückgang ist eine allgemeine Erscheinung, die nicht ausgchalten werden kann. Aus verschiedenen Gründen wird man sie nicht einmal bedauern können. Die Hauptsache bleibt, eine gesunde, kräs- tige Nachkommenschaft zu schaffen, auch in den unteren Ständen, die jetzt durch großen Kinderreichtum,' aber durch vielfach kranke Kinder sich auszeichnen. Nicht die Zahl macht es, sondern die innere Kraft eines Volkes. Ein Volk, das noch trotz erheblicher Vermehrung seines Heeres 38 000 taug­liche junge Männer zurückiveisen muß, iveil cs sie im Heere nicht unterbringen kann, steht nicht auf dem Aussterbeetat.

Die Sicherheit auf See

hat in den letzten Jahren immer mehr zuge­nommen durch die obligatorische Ausstattung aller Paffa- zierschiffe mit Funkcntelegraphie. Nach einer Aus­stellung des Welt-Telegraphenvereins in Bern belief sich Ende 1013 die Zahl der Funkentelegraphenstationen auf der Erde auf fast 4000 (3908), hiervon waren 52 feste Land ,'tationen, 483 Küstenstationen, 3403 Bordstationen. Tie Zahl rer Bordstationen auf Schiffen wird sich im Laufe des Jahres 1914 wahrscheinlich um einige weitere hundert ver­mehren. so daß bald jedes Schiff eine Junkenstation besitzen wird. Großbritannien hat die meisten Stationen, nämlich 1300, es folgen Deutschland mit 526, Nordamerika mit 430, Frankreich mit 301, Italien mit 182, Rußland^mit 122, Japan mit 107, Holland mit 103, Kanada mit 90, Schweden mit 66, Norwegen mit 62. Die übrigen 709 verteilen sich auf andere Länder.

Der Deutsche Lehrertag in Kid.

Kiel, 3. Juni. Die zweite Hauptversammlung des D. L.-V. begann mit einem Vorträge des Scminardircktors Dr. Seysert, Zschopau i. S.,

Mitglied der 2. Sächsischen Kammer, über das Thema: Ter Deutsche Lehrcrvcrein und die pädagogische Wis­se n s ch a s t.

Nach einer Aussprache imhm die Versammlung folgende Ent­schließung an:

Tic Deutsche Lehrcrvcrsammlung hält es für notwendig, daß die pädagogische Wissenschaft im Mittelpunkt aller Lehrerbildung stehe. Sie erhebt daher die Forderung, daß die Pädagogik an den Universitäten als selbständige Wissenschait anerkannt und vollwertig vertreten und das pädagogische Studium Lehrern aller Schulgattungen zugänglich gemacht werde.

Als Ausgaben des Deutschen Lchrervcrcins betrachtet die Ver­sammlung I die Unterstützung der pädagogischen Forschung und die Verbreitung ihrer Ergebnisse in der Lehrerschatt, 2. die An­regung und Organisation pädagogisch-wissenschaftlicher Arbeit in­nerhalb der Lchrervereinc Zweck der pädagogischen Arbeit im Deutschen Lchrervercin soll nicht eine erzwungene Einheitlichkeit pädagogischer Ueberzeugungen. sondern eine lebendige Anteilnahme der Mitglieder am pädagogischen Leben sein.

Als zweiter Redner sprach Lehrer B r u n o t t e (Hannover) über die Frage: Droht unserer Schularbeit die Ge­fahr der Veräußerlichung und wie ist ihr zu be­gegnen? Die Besprechung des Vortrages zeigte die Ueberein- stimmung der Vcriammlttng mit den Ausführungen des Redners. Es wurden solgende Beschlüsse gefaßt:

1. Tie Gefahr der Veräußerlichung droht der Schularbeit un­serer Tage im besonderen Maße: denn a) TtosfüUc und Einzcl- vorschristen der Lehrpläne, sowie bureaukratischc Maßnahmen der Schulverwaltungen engen die Sclbsttätigkeit der Kinder und die methodische Freiheit der Lehrer ein: h> aus äußere Veranstaltungen (Aiissührungcn. Ausstellungen usw.) wird ost zu großes Gewicht gelegt: c) durch Erledigung burcankratischcr Kleinarbeit, durch Be­rücksichtigung von außen kommender Gelegenheitswünsche und durch die Anforderungen, die notwendige soziale Hilisarbeitcn an die heutige Schule stellen, wird der Fortgang der Schularbeit häufig gestört.

2. In Rücksicht auf die dringend notwendige Verinnerlichung der Schularbeit erhebt die Deutsche Lchrervcrfammlung solgende Forderungen: a) Tic Selbsttätigkeit der Schüler muß als Grund­satz der Erziehung praktisch durchgesührt und der srcien Entfaltung der Lehrerpersönlichkeit dürfen keine anderen Schranken gesetzt wer­den, als die Erzichungszweckc gebieten: b> Verwaltung und Be­aufsichtigung Find im Sinne der Schulvtlegc umzugestaltcn, und an der Verwaltung sind die Lehrer durch selbstgcwählte Vertreter zu beteiligen: c) die Lehrerbildung ist wissenschaftlich zu vertiefen.

Nach Tankcsworten an die Stadt Kiel und ihre Lehrerschait. an die Referenten und Teilnehmer schloß der Vorsitzende die Tagung.

Sondcrburg, 4. Juni. Heute nachmittag sind etwa 3500 deutsche Lehrer, aus cts Dampscrn, von Kiel kommend, hier eingetrossen und festlich empfangen worden. Unter Borantritt einer Militärkapelle wurden die Lehrer nach den Höhen von Düppel geleitet, wo eine große nationale Feier stattsand.

Hauptversammlung des Dundes iruscher verkeyrsvereine.

Köln, 4. Juni. Die Beratungen der zuständigen Haupt­versammlung des Bundes deutscher Verkehrsvereine nahmen gestern morgen ihren Ansang mit den gut besuchten Sitzungen des Vor­standes des Ausstellungsausschusses und des großen Bundes-Aus- schusses. Die Verhandlungen, deren Vorsitz der Bundespräsident G o n t a r d - Leipzig sührte, betrasen zum großen Teil wichtige Fragen der Verkehrspropaganda und galten zum Teil den Vor­bereitungen sür die am Donnerstag stattsindende geschlossene Mit­gliederversammlung und der Besprechung des Programms für die öffentliche Hauptversammlung, die am Freitag vormittag im Kongrcßsaal der Wcrkbund-Ausstellung tagt. Im Anschluß an die Sitzung des großen Ausschusses wohnten die Teilnehmer einer Vorsührung von Lichtbildern und Filmen deutscher Städte und Landschaften bei. Abends fand ein zwangloses Zusammensein im Stapclhaits-Rcstaurant statt. Bei dieser Gelegenheit hielt .Geh. Baurat b e i m a n n einen Lichtbildcrvortrag zur Einsührung in die Geschichte und die Architektur Kölns.

Heute morgen hielt der Bund seine geschlossene Hauptver­sammlung unter der Leitung des Verbandsvorsitzenden. Direktors G o n t a r d, ab. i>!ach dem Jahresbericht hat sich die Hauptarbeit des Verbandes darin bewegt, eine Reihe von Maßnahmen durch- zusühren, die sich aus den Beschlüssen der letzten Hauptversamm­lung ergaben. Der Bund strebt namentlich einen regen Ge­

dankenaustausch an mit zahlreiche» anderen Bereinigungen mit ähnlichen Zielen, UIN die Hebung des Deutschtums im Auslände z» sördern. Der Bund hat 2t Mitglieder ge­wonnen und zahlreiche Badeverawltungen l>abcn sich ihm ebensalls angeschlossen Tie Auskunstsstcllen im 'ktuslande ltaben Fort­schritte gemacht: neue wurden gegründet i» Paris und London. Insgesamt unterhält der Bund im Ausland 50 illuskimstsstellen, darunter drei i» außereitropäiiche» Ländern. Eine weitere in Nordainerika wird demnächst errichtet. Geplant ist die Herausgabe eines allgemeinen deutschen Hotel- und Reise­führers Ul Taschenformat. der in dcutscktcr, englischer und sran- zöiischer Sprache erscheinen soll.

^8. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

O Hamburg, 4. Juni.

Am dritten Beratungstagc der diesjährigen Hauptversamm- lung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins sand die offcntlechc Festsitzung im Vorlcsungsgcbäudc des Kolonialinstituts statt. Pros. S i b c l i u s rühmte das verdienstvolle Wirken des Sprachvereins, der ersichtlich mit größerem Erjolge wieder ausgenommen habe, was in vergangenen Zeiten schon mchrsach versucht worden sei. Die vorzüglichen Mittel des Vereins seien dabei seine Zeiffchrist und ihre wissenschaftlichen Beihefte, sowie die Svracheckcn. Durch sic dringe das sichere, bffonncne Wirken des Sprachvereins in immer weitere Kreise des deutschen Volkes ein. Hieraus erteilte der Vorsitzende Wirkt. Geheimer Rat Sarrazin dem Professor des Hamburgische» Kolonialinslitutcs Tr. C. B o r ch l i n g das Wort zu.seinem Fcstvortrag: .Sprachcharakter und die literarische Verwendung des sogenannten Mis­singsch.

Missingsch sei wohl nur zu erklären in, Zusammenhang mit Messing. Es bedeute eine Mischsprache, die sich zur reinen Sprache verhalte wie Messina zu Gold. Zuerst sei es ost der Uebcrgang vom Gebrauch der Mundart zu dem der Schriftsprache gewesen. Zuweilen werde es schcrzbast verwendet, zuweilen war es das Bemühen eines Ungebildeten, gebildet zu sprechen. Es wurde daher nicht immer sehr hoch eingeschätzt, sondern schon im 18. Jahr­hundert angeseiudct, was ihm aber nicht geschadet hat. Zuweilen war cs eine persönliche Sprache, wie bei Reuters Bräsig, bei Brink­manns Kasper-Ohm und ähnlichen Gestalten. Daniel Bartels hat es in seinen Gedichten angcwendet. Das Missingsch ist unbe­ständiger Art, weil es meist bei seinen Gcbrauchcrn urid ihren Kreisen nach und nach vom Hochdeutschen verdrängt wird, in kleinen Orten leichter als in großen. In Hamburg dürste cs sich, wie auch das reine Niederdeutsch, noch länger hatten, vielleicht dauernd. (Lcbhaster Bestall.)

Der Vorsitzende bat den Vortragenden, den Dortrag in den Beihcsten der Sprachvcreins-Zcitschrist zu veröffentlichen. Geh. Regierungsrat Proscssor Dr. Pietsch lGreisswald) verkündete dann das neue Preisausschreiben. Die Ausgabe lautet:Samm­lung des Wortschatzes deutscher Handwerks- spräche n". Tie näheren Bedingungen sollen in der Zeitschrist des Vereins verösfentlicht werden. An Preisen stehen den sieben Preisrichtern 3000 Mark zur Versügung. Weiter teilte der Vor­sitzende unter lautem Beifall noch mit, daß zwei Mitglieder zu Ehrenmitgliedern ernannt worden seien: Peter Rosegger und Gras Zeppelin. Nach Erledigung der Tagesordnung wurde die Versammlung vom Vorsitzenden in der üblichen Weise ge­schlossen. Tie Teilnehmer am Kongreß unternahmen im Anschluß daran Ausflüge nach Lübeck und Helgoland.

Internationaler Kongreft für Rechts- und Wirtschaftsphilosophie.

h. Franks urt a. M., 4. Juni. Der zweite Vcrhandlungs- tag brachte Vorträge, die sich in erster Linie mit Problemen bind Erörterungen aus dem Gebiete der großen wirtschaftlichen Gebiete beschäftigten. Es sprachen Dr. T r u m p l e r, Syndikus der Frankfurter Handelskammer, überDie Emission von Wert­papieren in rechtsvergleichcnder und gcsetzgebungspoliffsck>er Be­frachtung", Magistratsrat Paul Wölfling lBerlini überDie Organisation der Großgemeinden", stadtrat Pros. Dr. Stern (Frankiurt, überDie kommunalpolitischen Ausgaben sür Woh- nungsrcsorm", Rechtsanwalt Tr. Wassermann (Hamburgs über .^Industrie »nd Wettbewerb" und Pros. Dr. Erman (Münster) überVolksschädliche Wirkungen imseres technisch voll­kommenen Hnvotl-ekenwesens". Am Freitag werden die Be­ratungen zu Ende geführt.

rinnst, rvisscnsctfnst «»- Leben.

Drahtliches Fernsehen Mit einer bedeutsamen Erfindung. die über die Konische Bildtelegraphie hinauszugreisen scheint, tritt ein englischer Gelehrter, Dr. Archibal M. Low an die Öffentlichkeit. Er hat ein Verfahren erfunden, durch das es möglich wird, den Trabt gleichsam als Teleskop wirken zu lassen damit die Basis umrissen, auf der es möglich werden kann, bei­spielsweise bei einem Telephongespräch den Partner nicht nur zu hören, sondern zugleich auch .zu sehen. Dr. Lows Apparat besteht nach einer Schilderung der Daily Mail aus einer Uebermittelungs- und aus einer Empfangs-Vorrichtung: beide sind drahtlich mit­einander verbunden. Der Uebermittlungsapparat enthält eine etwa siebartige Scharbe, die in eine große Anzahl klcick^r viereckiger Felder getrennt ist. Jedes dieser kleinen Felder besteht aus einer Seleniunr-Zelle". Die Scheibe ist in einem Gehäuse verwahrt, das in eine Linse ausmündet. Der ^lpparat werft also rein äußer - lich erne gewisse Aehnlichkeit mit einem photographischen Apparate auf, wobei die photographische Platte durch die scheibe mit den Sclenium-Zellcn ersetzt wird. Durch die Linse wird das Bckd ,edes Gegenstandes, der vor ihr aultaucht. auf die Lcherbe geworfen. Run wechseln die verschiedenen .Teile des Bildes naturgemäß rn ihrer Licht- und Schattenftärke, so daß die durch die L-elenrum- Zellen fallenden Lichtstrahlen in ihrer Intensität ver,ch,cden sind Die Zellen stehen mittels Draht in elektrischer Verbindung mit dem Empsanqsapparat In dem glcul,en Maße, als, die Lichtintenntat der einsallcnden Strahlen wechselt, verwandelt» auch der elek­trische Strom Tie verschiedenen Strome treffen au, Aektrv- magnete, die ihrerseits kleine Spalten regulieren, durch mt Da» Licht sich im Empsangsapparat prämiert Wie -peil bteic licht- - spalten sich öffnen, hängt von der Stromstärke ab.

durchlasugcn -----

Tie Folge ist. daß die Lichtstrahlen die

öcheibe des Enipfangs-

apparats in denselben Stärken und in genau denselben Abstuiungcn treffen wie dre Scheibe des Abgabeapvarates. Eine «rennende Kerze 'wirkt beispielsweise aiif eine An.za hl Sclemum-Zcllen des Abgabeapparales mit bestimmter Stärke. Der Draht übermittelt diele Llchtwirkung in Form von cleklrisck>cm Strom den entsprechen­den Zellen des Emviangsopvarates. Tie Vierecke, die beim Al>- aabeapvarat starkes Licht einpfangen. öffnen am Empsangsapparat die lichtdurchlässigen Spalten weit, die umliegenden Spalten we­niger die entkernt liegenden gar nicht: und die Folge ist, daß der in den Empsangsapparat blickende Mensch vollkommen deutlich das Bild des brennenden Lichtes sieht. Wird die Kerze am Abgabe- avvarot bewegt, so bewegt sich ebenso das Bild im Empfangs­apparat. Wettere Versuche werden zeigen, bis zu welchem Maße diese sinnreiche Ersindung auch zartere Schattierungen und Farben drahtlich wcttcrgebeu kann.

Wolken als Krankheitsträgcr. Mit der bisher noch kaum genügend ergründeten Rolle, die die Lust und die Wolken als Träger und Verbreiter von Krankheitskeimen spielen, beschäftigt sich eine Untersuchung des Medical .Council von Philadephia. Der in den Lustschichtcn treibende Staub vermag in Zusammen- wirlüng mit der Feuckttigkeit und der Wärme das Keimen und die Entwicklung von Krankheitserregern zu sördern und Gelehrte haben berechnet, daß Jahr um Jahr ungezählte Tonnen solchen Staubes auf die Erde nicdergchen und dabei Bakterien aussäen. Der deutsche Forscher Weber hat beispielsweise nach dem Niedergehen gelblichen Schnees Myriaden von Mikroben in den niedergegangenen Schnce- massen scstslcllen können und schon 1755 ergab die genaue Unter­suchung großer, in den südlichen Alpcngebieten niedergegangener Schneemassen das Vorhandensein gelber Batterien. Auch im Oktober 1846 wurden in Frankreich bei einem Schncesall bisher unbelannte Mikrobrn sestgcstellt In den meisten Fällen wird es nicht nachzuweisen sei», woher diese Krankheitskeime kommen, daß sie sich aber in den Lüsten Iveiterentwickcln und von den Wolken wcilcrgcsührt werden, ist erwiesen. Diese Tatsache erklärt auch den Umstand, daß in manchen Gegenden plötzlich neue scheinbar völlig unbekannte Krankhfflen austauchen: die Kranfheilscrschei nungen pnd der Krankheitsverlaus zeigen dann mancherlei Ab­weichungen gegenüber den bisher an anderen Stätten bereits bc- tannt gewordenen ähnlichen Krankheilsarien. Das erklärt sich da­durch, daß unter einem ungewöhnlichen Milieu die Mikroben den Gesetzen der Evolution unterliegen. Wenn nun gewisse Bakterien durch die Wolken auf Gebiete getragen werden, die sür sene Mikroben gleichsam noch sungsräujicher Boden sind, bleiben Epi­demien nicht aus. Die Ansteckung und Uebcrtragung von Epi­demien aus diesem Wege sind häuffger, als der Laie das annehmen würde. Die pathologischen Formen erscheinen alsdann als neu, denn von ihrer Heimat und ihrem Zentrum entfernt, entwickeln die Kaime veränderte Eigensibaffen. Eine die ganze Welt umfassende vergleichende Pathologie würde die bedeutende Rolle, die der Lust­staub und die Epidemien spielen, klarer erkennen lassen als dies bisher inöglüh war. Jedenfalls dürscn in vielen Fällen die Regen- oder Schneenwllen, die wir am Fsrmamcnte dahinziehen sehen, als die Bringer von Krankheitserregern angesehen werden.

Eine wissenschaftliche Herausforderung an Savage Landor. Tie geographischen Meinungsverschieden­heiten zwffchen Roosevelt und Henry Savage Landor haben nun zu einer eigenartigen wissenschaftlichen Herausforderung geführt. Rooicvell hatte nach der Rückkehr von seiner Urwaldiahrt bekannt­lich heftige Angriffe gegen tzenrn Landors WerkDurch das un­bekannte Südamerika" veröffentlicht, in denen der amerikanische Ep-Präsideut eine Reihe von Behauptungen, die Landor über das

Inland Braliliens ausgestellt hatte, als unwahr und unzutreffend bezeichnet. Tie Brasilianer haben naturgemäß ein Interesse daran, über die wirklichen geographischen Verhältnisse in den gewaltigen, noch unbesicdcllen Gebieten ihres Landes Klarheit zu erlangen. Run tritt das Mitglied der brasilianischen 'Akademie Mcllo Franco in einem offenen Briefe mit einem Vorschlag an Landor hervor, der einer Heraussorderung glcichkommt. Gjcschzeitig sollen Ge­lehrte des historischen und geographischen Instituts Brasilien und der iranzöiischen geographischen Gcsellschast den Roosevelt-Landor- Streil schlichlen, indem die Forscher die Behauvtnngen beider nach- prüsen. Die Brasilianer seien bereit, der geographischen Gescll- schast 100 000 Franks zu bezahlen, von denen die Hälite der <H:- richtung eines Preisfonds, die andere Hälfte den Armen von Paris zugute kommen möge. Voraussetzung wäre, daß Landors Aus­zeichnungen über das Innere Brasiliens zutresten. Erweist die Nachvrüsnng die Unrichtigkeit der Bchaupttingcn, so werde Landor so schlägt der brasilianische Akademiker vor gewiß nicht an- stehen, die gleiche Summe zu stistcn. Also gleichsam eine tvissen- schaslliche Wette. Landor hak sich bereit crkjärt, die wisscnschast- lichc Richtigkeit seiner Auszeichnungen zu beweisen, aber auf die ungewöhnliche Herausforderung Mello Francos hat er eine Ant­wort noch nicht erteilt.

kos. Eisenbahnfahrtcn i itt Sommer bilden selbst im vorzüglich eingerichteten Schnellzugwaqcn eine Qual sür den, der sich längere Zeit der Hitze und dem Staub, diesen unangcnchmiHi Begleitern des schönen Wetters, wehrlos aussetzen muß. Oesfnct man die Fenster, um während der Fahrt wenigstens eine er­frischende Abkühlung zu haben, dann dringt mit der Lust meist auch Rauch und Ruß in den Wagen ein. An jedem schiencnglcichcr Bahnübergang wirbelt der Zug eine dichle Staubwolke aus. bic nicht nur den Bahnwättern, sondern auch den Reisenden belästigt. Man hat nun in Amerika vor etwa zehn Jahren versucht, durch Bcsvrengen des Bahnkörpers mit Petroleum diesem Uebcl abzu- hclsen. Aber selbst ivenn man von den hohen Kosten eines solchen Vcriahrcns absieht, den Rauch konnte man da»-it immer noch nicht fernhalten. Jetzt denkt man dort allen Ernstes daran, an die Tampsheizvorrichtung des Zuges eine kleine Kallluftmaschinc anzuschließen, die aus der Lokomotive eingebaut ist. So würde jeder Wagen durch ein Röhrensystcm gleichmäßig gekühlt, man könnte die Fenster geschlossen lassen und durch die io auch sm Winter arbeitenden Lüftungen an der Wagendecke reichliche Atem- luft zugeführt bekommen. Solche von den Reitenden gewiß hoch- geschätzten Einrichtungen sind hervorgcgangen .aus dem freien Wettbewerb der amerikanischen Bahngcscllschasten, die sich gegcn- seittg durch ihre Leistungen zu überbicten suchen.