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Eriche!,,! täglich mit Ausnahme de« Sonntags.
D,c „Siehcner zamiliendlätier" werden dem
.Anzeiger' viermal wache,> 11 ,cf, beigelegi, da« ..«reirdlotl für den Kreis Sictzen" zweimal wöchentlich. T,c „randwirljchastlicheu Ski,.
jragen" erschcnien monatlich zweimal.
Blatt
164. Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gderhefsen
Dienstag. 2. Juni
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jche:» Universitärs - Buch- und Stemdruckerct. R. Lange, Gieren.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« firajse 7. Expedition und Verlag: Redaklion:^^112. Tel.-Adr.:RnzeigerGießelu
Die Tagung der deutsch französischen ZriedenLfreundc in Sasel.
Basel, 30. Mai. Das ständige deutsch-französisch e i n t c r p a r l a m e i, t a r i s ch c Komitee, da» von der Berner Konferenz eingesetzt ist. trai heute vormittag 10 Uhr zusammen. lieber den Erfolg der Berhandlunqen wird berichtet, dag das Komitee beschlossen habe, zunächst einen N a ch iZ ch t e n a u s t a u s ch zu organisieren, damit deutsche und Franzosen gegenseitig unterrichtet werden über den wahren Sachverhalt der Ereignisse Das Komitee er tlärtc ferner, daß es geboten sei, einmütig und nachdrücklich daraus hinzuweisen, das; bei Schwierigkeiten in Regelung »on Streitfällen das schiedsgerichtliche Verfahren, und zwar in den durch die Haager Konvention vor- gesehenen Formen eingeleilcl lverdc, das der Würde und dem Wähle der zivilisierte» Völker am meisten entspricht. Das Komitee äußerte ferner, cd sei zlvcckmäßig, um den Willen zum Frieden einer sedcn der beiden Nationen der anderen gegenüber klar hcrvortrcten zu lassen, zukünftig die Plenarversammlungen in Deutschland und Frankreich zu veranltaltcn. Das ständige Komitee veranstaltet noch in diesem Fahre, an demselben Tage, in Deutschland und Frankreich zwei interparlamentarische Versamnilungeu, au denen in jedem der beiden Länder auf dcui Boden der Berner Konferenz stellende Parlamentarier Deutschlands und Frankreichs teilnchmen iverdcu. Der Regierungspräsident des Kantons Basel Stadt batte an den Präsidenten der Konferenz ein Begrüßungsschreiben gerichtet Tie Konferenz beauftragte die beiden Präsidenten, dem Regierungspräsidenten persönlich den Tank der Konferenz abzustattcn. Tic französischen und deutschen Teilnehmer drückten ihre Befriedigung über das Ergebnis der Konferenz aus.
Nach einer gemeinsamen Sitzung der Verständiguugs- konfercnz fand heute nachmittag ein Bankett statt, in dessen Verlaus ReichStagSabgeordnetcr Haußmann, an die lctztfährigc .Kousercuz in Bern erinnerte und der Schavciz für ihre Gastfreundschaft dankte. Er trank auf das Werk der Versöhnung und aus die Zukunft, ivelchc die -Erfüllung der heute gcbegken Hoffnungen bringen müsse. Senator d'E st o u r n e l l e S de Eon st a n t führte aus: Wenn die -Zukunft reicki an Verheißungen fei, so sei auch das bisher Erreichte bereits kostbar. Was mau auch sagen möge, wir vertreten eine unbesiegbare Macht, die sich dem verderblichen Chauvinismus siegreich entgcgcustellen wird. d'Estonr- melles trank ebenfalls aus die Zukunft und die baldige Verwirklichung des von dem permanenten Komitee unier- knommenen Werkes. Bl o ch c r, Mitglied des Regierungsrats ider Stadt Basel, wies in einer mit warmem Beifall aufgc- snourmenen Rede auf das große intellektuelle, moralische und ökonomische Interesse hin, das die Schweiz, besonders die Stadt Basel, daran babc, daß die Beziehungen zwischen Den beiden Nachbarmächtcn sich immer herzlicher gestalten.
vurazzo in neuer veörängni;.
Rom, 30. Mal. Wie die „Agcnzta Stciani" meldet, bat T u r k >> 0 u Pascha an den italienischen M , n , st e r „des A e u ß c r n di San Ei i u l i a n o ein Telegramm .gerichtet, in len, er dringend u m die Entsendung non 5 0 0 Mann der europäischen Kontingente aus Skuiari nach Durazzo ersucht, um die Sicherheit der -Hauptstadt verbürgen zu könne». Ter Minister des Acuhern erwiderte, daß er die bei den europäischen Kabinetten unternommenen -^chri'te erneuern würde, um deren Einwilligung zur Entsendung imernarionaler Streikkräitc nach Durazzo zu erlangen.
Turazzv, >. Mai. Ter holländische Major Schleust, der in der Nacht vom 10. Mai die Lperationen gegen Essad Pascha leitete, ist nach Holland a b g c r c i st. Ter internationale Kontrollausschnß
wird sich nicht »ach Tirana zur Versammlung der Autständiichen begeben, weil er die S l e l l u n g des Fürsten zu.den Forderungen der Ausständischen, die sie ilun überreichen werben, abmarten will. Die Einnab m cElBasianSdurchdicAus ständischen steht bevor, iie sind tetzt zum Marsche bereit.
Die Re i s c d e S F i n a n z m i n i st c r s N o g g a z n P renk Bibdoda criolgt iniolge einstimmigen, vom Fürsten sanktionierten Beschlusses des Ministeriums und hat de» Zweck, V c r st ä r - kungen, die mindestens zur Hälite aus Mohammedanern bestehen sollen, für die Gendarmerie hcranzuziehen.
Eine Spaltung unter den Aufständischen?
Durazzo, 1. Juni Unter den Aufständischen sollen tich Schwierigkeiten ergeben haben, die zu einer S v a l t u n a iubrcn könnten. Verschiedene Notabeln aus dem Fnnern boten dem Fürsten ihre Lilie a». Bei L „ st n i a heben 700 regierungstreue Albanesen unter dem Gendarmeriebauptmonn Fbrahin,. Zum Stadtkommandanten wurde Vberst Thompson ernannt.
Das neue Kabinett,
Durazzo, 30. Mal. Tis neue Kabinett mürbe folgendermaßen gebildet, Präsidium Turkhan. Aeustercs PrenkBi'b d o d o , F uitiz M u i, d , Unterricht lurtul ,. Finanzen Rag a a , Ackerbau Abdincv Tovtani, Inneres A k I i Pascha, öiientliche Arbeiten, Post und Telegraphen Mid Hai Bcy Fra- i ch c r i.
Essad Pascha in Rom,
Rom, l. Juni. Essad P a l ch a stattete dem deutschen, österreichiick,-ungarischen und französischen Bolfchatter B e i u ch e ab.
Der Untergang der Smpreh of Zreland.
Ein schissstechnischer Mitarbeiter schreibt uns: Der Dampfer „Empreß os Frcland" der Canadian Pacific Rail- wan Coinpanp wurde im Fahre lOOtl erbaut. Damals war die englische Schisssbantechnik bereits so weit, um jedem größeren LandetSschisse ein zieintich modernes ^chotttvitcin ein - zubaucn. 30)er vor acht Fchiren legte man doch nicht jo viel Wert auf eine eingehende Berechnung der Unsinkbarkeit lvic heutzutage, besonders nach dem entsetzlichen WarnungS- signal der Tltanic-Kütaftrophe. Und^ gerade die englischen Wersten stellten bis vor kurzem die Schotten dortbiu, lvo es ihnen auf Grund der ganze» Einrichtnngsverhältnissc müg- lach und passend erschien. Sie untersuchten nicht allzu genau, ob die durch die Schotten entstandenen Räume überall so qrotz waren, das; im Falle des Leckwcrdens eines solchen Raumes das Schiff vielleicht erst recht zum Sinken gebracht werden müßte. Man begnügte sich damtt, daß man ein
vorderes Kollisionsschott, ein hinteres Stopsbüchsonschotl einsetzte, sodann Kessel- und Maschincnröumc gegen die Laderäume durch Scholtivände abgrcnztc und schließlich nur bei großen Schissen ,vie bei der „Empreß of Frcland" den Laderaum noch einmal unterteilte. Tie Bunkerscholten waren bei diesem UngtückSschisf, wie angenommen werden darf, zwar gut abgedichtet. 3lbcr cs bestehen in Fachkreisen Zweifel, ob die Schotten so weil nach oben durchgcsührt waren, baß bei dem Zusammenstoß mit den, Kohtondainpser „Fstorstad" das cinströmende Wasser abgchatteil wurde, von oben her aus einem Raum über die Schottwände in einen anderen fließen konnte. Bei dem furchtbaren Sturm, der gerade auf dem Lorenzstromc herrschte, ist anzunehmen, das; der Dampfer während der Katastrophe so stark hin und her getvvrsen wurde, daß die Sturzwellen von oben in alle ^liäume hincindrangen. Ferner besteht ein Zweifel, ob P’ c ^chEen der „Empreß of Ireland" hinsichtlich des auf ihncn^ lastenden furchtbaren Wasserdruckes, wie er natur- gemäß entstehen mußle, als das Schiff leck wurde, richtig berechnet waren. Tie Schottwändc solcher schon etwas „alteren" erchiffc^ sind meist aus dünnem Blech gebaul. mittels zweier Spantwinkcl an der Außenhaut befestigt und sonst ganz schematisch durch einige vertikale und aus der anderen Seite horizontal angebrachte Dinkeleiscn leich tercn Profils verstärkt. Da? Hai zur Folge, daß in dem rialle, in dem ein einseitiger Wasserdruck infolge eines Lecks anß das Etlwtl kommt, das Schott durchbiegt, an der Außenhaut abreißr oder in seinen Nietungen so undicht lvird, daß die Wasser,vagen aus einem Raum in den Nach barraum übcrströmcn. In solchen Fällen konnte manchmal das eschisf dadurch gerettet werden, daß man das Schott, das den lecken Raum gegen die dichten SchiffStcilc abschloß, durch Balken und Bohlen noldürstig abstctsle. Zu solchen Maßnahmen war aber bei der Katastrophe auf dem Lorenz- strom ivoht kaum noch Gelegenheit. Das Schiss ist ja in un - glaublich kurzer Frist weggesunken. Wir denken uns also die ll r s a ch c des schrecklichen Unglücks so. Die Schottwinde hätten bei einseitigem ruhigen -Wasserdruck im lcckgcworde- ncn Raum wahrscheinlich noch ftandgchalten: aber bei der äußerst stark bewegten Sec (der Lorcnzstrom hat bei Father Point eine Breite von 70 Kilometer und eine Tiefe von etwa '-*00 Nieter schlug das eingedrungene Wasser mit so großer Wucht gegen die Schottwände, daß diese durchbrechen mußten und das Schiss in kürzester Frist wie ein Stein hinuntersank.
Durch diese kritischen Bemerkungen soll der englische Schiffsbau nicht herabgesetzt werden, aber man darf wohl sagen, daß die englischen Vorschriften über den Einbau des Schottsystems im Passagierfchifsc 'und vor allem die Kontrolle nicht so gründlich und vollkommen sind wie die deutschen Bestimmungen des „Germanischen Lloyd", die für alle unsere Schisse seit Ende der neunziger Fahre des vorigen Fahrhundcrts vis in die letzte Zeit maßgebend lvaren. Tie deutschen Vorschriften geben für die Schotten selbst und ihre Konstruktionen ganz bestimmte Material- stärkcn der Bleche und Versteifunasprofitc. der Vernietung usw. an, die beim Bau der Handelsschiffe unter keinen Umständen unterschritten werden dürfen. Die Kontrolle darüber, ob di" Vorschriften erfüllt werden, übt die Klassisika- tionsgesellschaft, in Deutschland der Germanische Lloyd aus. Seil etwa einem Fahre ist die. Londoner Konvention über die Sicherheit des Lebens auf dem Meere, das Ergebnis der sog. Titanic-Konferenz, maßgebend. Die Konvention enthält eine Anzahl besonders scharfer Bauvorschriften hinsichtlich der Schotten, der dvvpetlcn Böden und des Steucrappa- ratcs. Bor diesen neuesten Vorschriften würden die Sicher- heilSeiniichtungen einer „Empreß of Frcland" wahrscheinlich nicht mehr bestehen. Aber dafür lann niemand verantwortlich gemacht iverdcn. Kapitän Kendcll hatte auf dein untergegangenen Schiff die Möglichteit, die Schotten von der Brücke aus zu schließen, er yat sie bei dein herrschenden Nebel aits dem Lorcnzstrome zweifellos geschlossen. Er hat ferner soiort nach dem Zusammenstoß die Pumpen in Bewegung setzen lassen und alles getan, um den Kampf mit dem Element auszunehmen. Das Element war starker, und das traurige Unglück kann uns nur wieder Warnungen und Winke erteilen, was dem 'Menschengeist im Schisssbau alles noch zu tun übrig bleibt.
Bericht des Kapitäns Kcndall.
Montreal, 30. Mar Dem Berimt des Kapitän Kendall zufolge panierte der Damvier ,.Empreß vi Frcland" Rnnpuski um 1' . Uhr nachts. Damals herrschte aut der Fahrt kein wirklicher Nebel, dann aber verdichtete nch das Wetter zu einem starken Nebel. Kcndall stand aui der .Kommandobrück' und ordnete langsame Fahrt an. Plötzlich erkannte er die Lichter eines näner kommenden Dainpiczs und gab den Kcieb! zum Stovvcn und Pfeifsignale, welche der Damvier mit „verstanden" beantwortete. Als diese ersten Anordnungen getroffen wurden, waren die Schnee noch ungeiätr zwei Meilen auseinander. Als die Schiiie sich näherten, standen die Maschinen der „Empreß oi Frcland" vali- ständiq still. Aber da sein Dampfer die Fahrt nicht vollständig verlor, befahl Kendall „langsam rückwärts". Der Damvier „Stor- itad" iubr direl, oni den Pcknagicrdamoier los. Man vermutet, daß Kavüän 'Anderion glaubte, cr^tönne noch an dem Bug des großen Tamviers vorbeitommen. Leine 'Absicht wurde nicht er- lannt. Nun ereignete iicki folgendes: Der „Siorstad" kam näher und näher, das Vorbciiadren gelang ihm »doch nicht mehr. Sein Bug bohrte sich steucrhardieits in die „Empreß vi Frcland" milschitfs. Ter Bug des schwer beladenen Kot'endnmpiers zerriß die Dampservtotten, dann gab der „Siorstad" rückwärts Dampf und drehte bei. In der „Empreß oi Frcland" ilaiile ein lieici Riß, durch den das Wasser raulcheud cindrang.
1032 Personen «mgckommc».
Montreal. 30. Mai. Die Canadian Pacisie-Kesellichait gibt heute irüh die Zahl der bei der Katastroobe der ..Empreß oi Ireland" U m g e k o m m e n c n mit 1032. die der Geretteten mn 355 an. nämlich lfi Passagiere erster Klane, 131 Passagiere zweiter und dritter Klasse und 20h 3Nann,'chatten An Bord bcian een tich im ganzen 1387 Personen, nämlich 87 Passagiere erster Klasse 1.73 zweiter Klane, 7In dritter Klasse und 432 Mannschaften.
Schilderungen Ucberkcbendcr.
Suebeck, 30. Mai Ein Mitglied der Heilsarmee, Fowler, ein Ueterlebendcr des Schiltsungllicks aui dem Lorenzstrom, icknl der! dieses folgendermaßen! Ich iah gerade aus der .Kabincnlnkc heraus, als eine schwarze Man'c auttauchte. ES ectolgrc ein knir- ichendes Geräusch und die Kabine füllte sich mit Wasser. Ich eilte hinaus. Ein 'Mädchen mit einem Kinde auf dem Arme bat mich, ihr einen Rctlungsgürtel anzulegen. Ich lat dieses. Als ich das
Deck erreichte, hatte das Schiit derart Schtagieilc, daß sich die Pailagicre an dem Geländer lesthatlen mußten Daraui ,'vrang ich ,NS Waner. Andere waren bereits hincingetprungen. andere, die Iiachwrangcii, stießen aui mich. Einmal mußte Ich mich von einem 'Manne, der sich an mich anNammerte, losrcißen. Smart, ein anderes Mitglied der Heilsarmee, erzählt iolgendcs: 'Als der Zu- iammenstotz eriotgte, bciand lickt der Kapitän au> der Kammando- brucke und ermalnilc, durch ein Sprachrohr sprechend, die Mann, schall, ruhig zu bleiben. Als das Schiit sich zur Seite neigte, schrie er! Beeilt Euch, keine Minute ist zu verlieren! Falls die Türen verschlossen sind, brecht sie aui! Vergesset nicht, die Frauen und Kinder zuerst zu retten. Trotzdem der Kapitän das Sprachrohr benutzte, wurde ieine Stimme bei den, Geschrei und Gewimmer Überton,, Als ich de» Kapitän iviedersab, tag er ausgcstrcckt an Bord der „Ladn Eretpne" und weinte herzzerhreckiend.
Nach weiteren Erzählungen Geretteter kann man sich allmählich ein Bild von den Evcignisi'en der iurchlharen 'Aachi machen. Die Tragödie spielte iich lo ichnclt ab, day keine Zeit blieb. Rettungsgüvtcl anzulegen, noch tue die Stewards und die Si'lziere, die ,'chlaicnden Pail'aglcre zu wecke». Gleich »ach de.m ersten Zusammenstoß cr'olgic, i'obald das einströnienbc Wal'cr die Keii'el erreichte, eine Ervlolion. Die Dynamomaschinen ar- beiteicn nicht mehr und die uni ihr Leben kämmenden 'Menschen bei'andcn sich in ncister Finsternis Der erste Lchli'isa zt crzähtie. wenn lie „Itorsstad" Nicht sobald znrückgc,ahren wäre, wäre eine größere 'Anzahl Menschen gerettet worden 'Als der Kohlendawpscr zurückgesahren^ war, drang die See in das von ihm gerissene Lea ein und das Scknif sank mit ichreckticher Schnelligkeit. Me. Intnre, ein Mitglied der Heilsarmee, erzäh le, als -er dis Teck erreichte, fand er Leute doraut lteruinstetzenb. Rettungsringe waren dort nicht vorhanden. 'Als das Lchül sank, iei er in Rickilnng aut das Kohlenschilt zugeichwommen, das ihn auigenammc» Hobe 'Als er den Kohlendampser erreichte, war dieser erleuchtet. Viele Gerettete beiandcn sich an Bord. Tie 'Mehrzahl davon war nur blotdürstig bekleidet. Ein anderer lleberlehender berichtet, da? Wetter sei außerordenttick, ruhig gemei'e». Die Haltung der Mtnn- schai't war in, ganzen gut, obwohl sie kaum Zeit batte, die Rettungs- Vorrichtungen shstemaiisch in Tätigkeil zu setzen.
Eine besonders lebendige Schilderung der Katastrophe der „Einpreß oi Ireland" gab der Londoner Anwalt Tartan: Er sei bereits im Bell gewesen, als er ein zwei- maliges kurzes Pinien vernahm, das anzeigle, d'.r der Tainpier stoppte. Er ivrang aus dem Bett und legte dl» Kleider an. als Plötzlich rie 'Maschinen auidöncn zu orbeiieii. Dun.an stürzte aln das Teck, wo^dichler 3!ebel herrschte und ein schreckliches Krachen erteilte Das schi l siegte sich unter einem entletzlichen gurgelnden Geräusch aui t tc ocitc Tic Haltung der Schlttsmannschatt ,nar gut. Unter ^de» 'Matrosen entstand keine Panik Die Ltliziere fal;en deui Tode furchtlos entgegen. Der Kapitän blieb aut der .Kommandobrücke, bis das Schilt ,'ank. Dunean iah Malroien, die Passagieren hatten! verschiedene gaben ihre Retkungsqüttel weiblichen Passagieren, doch war leine Zeit, den Hilfsdienst zu organisieren. Das Schiit schlingerte furchtbar. Sämtliche Äüs- rüstungsgegenstände wurden ins Meer geschleudert. Passagiere wurdeii^untcr schrecklichem Tosen der Sec über Deck geimllt. 'Man hörte Frauen und Männer schreien, dann verschwanden i>e im Dunkel der Nacht. 'Andere rangen niilernanacr im Tods?- kamv>. DiE-tan fühlte unter scmcn Füßen unbekleidete Körper und trieb eine Tätundc lang auf dem Wasser.
Bericht des Kapitäns der Heureka.
Montreal, 30. Mai. Eine Mitteilung des Kapitäns des Regierungsdamplers „Heureka", der zuerst die Unglücksltälte erreichte, besagt, er bade 50 Leiche» und »10 llcberlcbendc „ach Falber Point gebracht. Als er von dem Funkentelegraphisten in Faller Point von dem Unglück körte, habe er sofort die Mann- schast zusammengerulcn mnd sei mit tcine». Sänne nach der stelle gefahren, loo die „Empreß ot Ireland" vcri'ckimunden war. Er habe verschiedene kleine Boote amgeiischt und die 'Männer, Fr tuen und Kinder daraus IN fein Lchi i übernommen. Die Tati'ache. Hatz so wenig Frauen und Kinder gerettet ivurden, erklärt iub daraus, daß die Stewards nicht genügend Zeit hatten, die Paiia- giere zu wecken. Die Geretteten crzäh.en, sie seien aus dem Bett geschleudert worden, stürzten daraui au> das Deck und hätten gerade iroch Zeit gelobt, in die Rettungsboote zu gelangen und ab- zurutcru. Diejenigen, welche sich mit dem AnNerden aushieltltn. oder auf den Ruf der Stewards warteten, feien ertrunken. Hunderte müßten i m Schlafe ertrunken sein. Die Üeber- lcbenden griiscn nach Kleidungsstücken ;et icher 'Art, um sich vor der Kälte zu schützen. Sobald die „Heureka" den Kai von Falber Point erreichte, wurden 'Acrzte berbeigerusen. Die „Heureß)" letzte darauf die Fahrt nach Rimousti rort. Eine Ltunde. nachdem j,e im dortigen Haien eingelauicn lvar. kan, auch der 'Dampfer „Lady Eveinne" mit 20 Toten und 80 Lebclidcn an.
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Suebeck. 30. Mai. Ucber 300 Leichen der „Empreß ot Ireland" sind bereits geborgen worden. Einige Leichen hatten noch Rettungsgürtel um Viele ertranken mit hochgeü reckten Armen Mit der „Empreß of Ireland" versanken auch 1000 Silberbarren. Kein Vorwuri wurde gegen die Mannschatt vernommen Viele Mitglieder derselben batten zur Zeit der Katastrophe Teckdicnst. Die- senigen. welche, nachdem sie den Pasiagicien behilflich gewesen, über Bord sprangen, konnten schwimmen.
Iuternationale Regatta in Frankfurt o. M.
Frankfurt u M., 31. tMai.
E r st e r Tag.
Tie erste rudersvortlichc Veranstaltung in dieiem Jahre in Deutichland. d-e vom Frankfurter Regatta Verein oerinnaltete internationale Regatta in Frankiurt a. M., brachte trotz des früher als ionst gewählten Rcnntermtns. der die Vereine noch zum Tml im rollen Training antrai. eine rege Beteiligung. Daß der sparst nicht) zu wünschen übrig ließ, zeigten die einzelnen Rennen, bei denen auch ein Schweizer und dr-i belgsich- Vereine sich um die Lorbeeren bewarben. Von den 12 am ersten Tage gefahrenen Rennen konnir den Löwengnteil von 4 Siegen der 'M a i n z e r Ruder verein an sich bringen, der mit seinen verschiedenen gut durcktgearbeltcten Mannschaften beionoers einen Endspurt zeigte, der ieinesgleichen iuchlc. 'Auch am 2 Tag holte er vier Preise.
Im einzelnen hatte der erste Tag folgende!- Ergebnis:
- l. V c g r ü ß It n q s Preis. Einer iür Junioren. 1. 3»freier Rudcrgelellfchaft - Ludm. Kern .3,40 'Min. 2 Ütudcrrtege desEyener Turn- und Fecht-.Klub itz. Kniepkomp' aufgegeben.
K'ntepkamv hat auf halber Bahn die Führung! Iödt Gießen. R-G. l877 und Rcnbold Frankfurter Ruderklub, wegen Kaliifi-in ausgeschlossen: neuer Start von 1000 Mir. Ter Essener Skuller gilt etwa 500 Bieter vorm Ziel aut, Kern gehl allein durchs Ziel.
il Preis voni Saal Hot Vierer ohne Steuermann. 1 Mainzer Ruder Verein 6,34* 2. Frankfurter R -G. „Sachten-
Haufen" <4,40- Main; nimmt vom Start Die Führung und gewinn! sehr sicher.
III. P r e i s d c s T c u t s ch e n R u d e r v c r b a n d e S. Vierer, l. Mainzer Ruder-Verein 6,30. 2. Graßbopver-Klub Zürich 6,34' 3.
II. Staats-Preis. Vierer iur Junioren. I, Luüwigs- hatener Ruder-Verein 6,42. 2. Frank'urter R.-G. „Germania"


