Nr. \z\
Zweiter Blatt
Lricheinl täglich mit Aufnahme des Sonntags.
Ti- „Kießcner ZanillenbläNer" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich b-igelegt, das „Kteisblatt für den Kttis Gießen" zweimal wöchentlich. Tie „kandwirlschasttichen Seil.
fragen" erscheinen monatlich zweimal.
Jahrgang
euer
General-Anzeiger für Oberhessen
Dienstag. 26 . Mai M?
Rota1i»nsdruck und Verlag der Brühl'scheu UniveMläls » Buch- uud Steiudruckerei.
R. Lange, Gieüeiu
Redaktion. Expedition und Truckerei: Schul« strave 7. Expedltioir und Verlag: Redakuon:L^H2. Tel.-AdruAnzelgerGieven.
Der prinz-heinrich-ziug.
Tie Ungliicksfälle.
Bon der Oberleitung des Prinz Heinrich-Fluges wird uns geschrieben:
Tic Ursachen von Unfällen beim Fliegen werden selten von Anfang an klar erkannt. Zunächst werden schnell Nachrichten von Berichterstattern verbreitet, die naturgemäß nicht über genügende Fachkenntnis verfügen, um sich ein richtiges Bild ans den Angaben der Augenzeugen zu machen. Auch für die Fachleute bcdars cs einer geivissen Zeit, um aus den Protokollen über den Befund am Flugzeug und nach den Awraben des oder der am Leben gebliebenen Flieger eine einwandfreie Erklärung zu geben: vielfach auch ist eine Slnftlärnng überltziupt nicht zu erzielen. lieber die Unfälle, die sich beim diesjährigen Priiiz-bcinrich-Flug bis zum 23. ereignet baben, sind die Akten jetzt geschlossen: cs sei daher kurz das Ergebnis der Untersuchung angegeben.
Ter Unfall von Carganico in Darmstadt ereignete sich, wie die Tagespreise richtig angegeben hat, bei einem Stnrzslwze. Carganico sagt aus, er habe einen Spiralglaitslug ausgesührt, der gegen seinen Willen immer steiler und steiler wurde und schlieszlich zum Kopfsturz ausartete. Als er dann den Versuch machte, durch nochmaliges Gasgeben eine gröbere Geschwindigkeit und demnach eine gröbere Wirksamkeit der Steucrorgane zu erzielen, gelang ihm, dies nicht mehr, weil er sich in zu geringer Höhe befand. Es ist ja ' allgemein bekannt, dab die Stcncrorganc um so besser wirken, je gröber die Geschwindigkeit ist. Bei Schiiten liegen die gleichen Verhältnisse vor.
m er des Flugzeuges von Oberleutnant Waltz, bei dem
der Beobachter tödlich verletzt worden ist, hat seine Ursache im Versagen des Gleichgewichtsgefühls. Der Führer hatte den Flug in den nicdrighäiiqenden Wolken durchführen müssen. Wie jetzt unzweisel- bast ieststcdt, verliert man dein, Flug in den Wolken oder Nebel sehr leicht das Glcichgewichtsgcsühl. Als der Führer aus den Wolken berausgckommen i|t, sah er ungünstiges Landungsgclände vor sich. Diesem wollte er ausweichcii, cs ivar ein steil ansteigender Dang. Er verstärkte dazu wahrscheinlich die schon bestehende Schräglage, wodurch notwendigerweise Rutschen des Flugzeuges und dann Sturz eintrat.
Oberleutnant Kolbe, der bei Hcchtsheim abgestürzt ist, vollzog, weil der Motor in der Tourenzahl naltüieß, eine Notlandung. Hierbei überschlng sich die Maschine, weil sie an ein .Hindernis angestoben ist. Der Beobachter wurde durch die Karosserie erdrückt. Vielleicht hätte der Beobachter sich noch vor dem tödlich wirlimden Stob bewahren können, wenn er nicht schon vorher infolge des böigen Wetters stark seekrank gewesen und dadurch in der Leistungs- sähigkcit becinträchiigt worden wäre.
Der Unfall von Leutnant Boeder erscheint geklärt, obwohl beide Insassen den Tod erlitten haben. Aus der Barogravhenkuroc geht nämlich unzweiselhait hervor, daß in 1450 Meter .Höhe ein Gleit- slng eingeleitet wurde. Auch die Landleutc, die Zeugen des Unialles gewesen sind, geben an, der Apparat sei zunächst langsam nieder- geganqen. Der Glcitslug ist dann plötzlich sehr steil geworden, die Maschine streifte die Wipfel eines Baumes, rutschte nach der Seite ab und wurde völlig zertrüncmcrt. In den LDpseln blieben einige Fetzen des Apparats hängen. Die Besichtigung der Unsallstelle ergab, dab der Platz, den sich der Führer zum Landen ausgesucht hatte, sehr klein war. Dia serner die Bauern angehchi, das Flkugzeaig habe einmal kehrt gemacht, so ist anzunehmen., daß der Führer einen Sviralgleitsluq hat machen wollen, um unbedingt über dem kleinen Platze zu bleiben. Ac ist bann den BäuinOn zu nahe gekommen, hat sic gestreift und mußte nun natürlich abstürzen.
Wir haben es also in allen Fällen mit Unfällen zu tun, die immer wiederkchrcn können.
Köln, 25. Mai. Zu Ehren des Prinzen Heinrich von Preußen und der Teilnehmer am Prinz-Hcinrich- Fluge gab beute in dem prächtig mit Blumen und Blattpflanzen geschmückten Saale des Gürzenich die Stadt Köln ein Festmahl, zu dem u. a. erschienen waren: Prinz Heinrich von Preußen, Prinz Waldemar von Preußen, Prinz Max von Sachsen, Prinz Karl Anton von Hohenzollcrn, Prinz ?ldols zu Schaumburg-Lipvc, der Fürst von Hatzseldt-Wildcnburg, Kriegsminister v. Falkcnhavn, Sc- natspräsidcnt Stodtländcr «Bremen), Generalleutnant v. Wandel, Gouverneur der Festung Köln, Generalleutnant v. Titfurth, Kommandeur der Landivehriiisvektion Köln, Regierungspräsident Dr, Stcinmeister (Köln), Oberbürgermeister Walras (Köln), Universi- tätsprosessor Tr. v. Mises (Straßburg). Au der Ehrentafel saßen die Preisträger vom Militär und Zivil. Es hatten Preise erhalten: den Kaiscrprcis Leutnant Freiherr von Thüna, den Prinz- Hcinrich-Preis K r u m s i e k, den Preis des Königs von Bauern Leutnant v. Klei st, der Beobachter des Freiherr» von Thüna, den Preis des Großhcrzogs von Baden Leutnant Klagcmann, per Beobachter von. Krumsick, den Preis des Grobherzogs von Oldenburg Lblt v. Beaulicu, de» Ehrenpreis des Herzogs von Braunschwcig und Lüneburg und den Ehrenpreis des Fürsten Wedel Lt. v. Buttlar, den Preis des lzamburgischen Landwehr ossizierskorps Oblt. HantclINann und Lt. Bond e, den Preis der Stadl Köln Lt. v. Schröder, den Preis der Stadt Münster Schauenburg, den Preis des bZvrischen Kricgsministeriums Lt Müller, den Ehrenpreis der Stadt Hamburg Lt. v. Hid- dessen, den Ehrenpreis der Stadl Bremen Lt. Müller, den Ehrenpreis des preußischen Kriegsministeriums Hptm. Geerdtz, den Preis des Fürsten von Hohenzollern Lt. Schlemmer, den Preis des Fürsten zu Hatzfeld Lt. König, den Preis des Fürsten von Schaumburq Lt. v. S ch r ö d c r. den Preis der Stadt Minden Lt. v. B c a n l i e i, und den Preis des Kreises Minden Hptm. Geerdtz. Prinz Heinrich von Preußen gedachte in einer kiirzcn Ansprache der Toten und beglückwünschte die Preisträger.
Im Verlause des Festtnahlcs brachte der erste Preisträger Leutnant Freiherr v. Thüna das Hoch aus den Kaiser ans Hierans begrüßte Oberbürgermeister W a l l r a s namens der Stadt Köln den Prinzen Heinrich, worauf Prinz Heinrich sich zu folgender Ansprache erhob: Wer heutzutage Gelegenheit hat, in der Welt Umschau zu haltrn, der kommt zu dem Resultat, daß der Teiitschc hochgeachtet und im ssiislandc gern gesehen ist, »nd daß das Land, dem er entstanimt, hochgeachtet und von sehr vielen viel beneidet wird Wüßte nur ei» jeder, der sich ein Deutscher nennt und den dieses deutsche Vaterland geboren hat, n>as es heißt, ern Deutscher ,u sein Mancher würde vielleicht die Sprache nicht sprechen, die er spricht. Man wird uns vielleicht auch aus diesem Gebiete, das uns lieutc am nächsten liegt, beneiden. In kurzer Zeü hat vermöge der Opserwilligkett des Volkes, der Opierwilligkeit der Städte sowie der einzelnen Bundesstaaten das Flugwesen eine Entwickelung genommen, die uns mit berechtigtem Swlze erfüllen darf Aus ein freundliches Wort des Willkommens gehört ein freundliches Wort der Erwiderung, und so ist es mir am heutigen "lbend eine liebe teuere Pflicht, Ihnen, Herr Oberbürgermeister, dafür zu danken, daß sie meinen braven Fliegern ein gastliches Heim bereiteten. Auch muß ich Ihnen dafür danken, daß sie es oer niocht haben, die Bürger dieser gastlichen Stadt dazu zu bringen, Opfer zu bringen, sie gerne zu bringen zum Ende und ZNNI gitten Ende des diesjährigen Fluges. Durch die Lande sind wir gekommen zu nnserm braven' alten deutschen Rhein.und wir sind geendet in der asten schönen gescbielittichen Stadt Köln. (Das Glas, das ich
nuiiinchr erbebe, gilt der Sticht Köln und der Bürgerschaft Kölns, dem Bürgermeister dieser gas lichen Stadt. Tie Stadt Köln und ihre Bürger Hurra Hurra, Hurra!
Osnabrück, 25. Mai. Heute nachmittag wurden mit der RegimeittSmusik der 78er die tüd ich verunglückien Fliegeroisiziere Boeder imd Bcrnlzard vom Garnison ' ;ire:t nach dein Bahnhof Lbergesühri, von nw abe.ids die llebcstführiing nach den Heimatorten Halle und Breslau crrlgt.
Zranz ttosi tl) f.
Budapest, 25. Mai. Der Abgeordnete und frühere Han- dclsininistcr Franz v. Kossuth, ist im Wter von 72 Jahren gestorben.
Ein ungewöhnliches, vicliach bewegtes Leben ist durch den Tod Franz Kossuths zum Abschluß gelangt. Freilich, der Sohn des Mannes, der l848 an der Spitze des ungarischen Volkes und seines Kampfes stand, war wohl von vornherein dazu bestimmt, ein anderes Leben zu führe», als andere Sterbliche. Als der unglttische Aufstand iiisammengebrvchcn war, da verließ Ludwig Kossuth das Land und mnrdc zu Kutahia in Klcinasicn interniert. Damals war sein Sohn Franz acht Jahre alt. Man brachte ihn und die anderen Gcsckzwister heimlich zu vertrauten Freunden der Familie, deren Haus in den Wildnisieu des Bakonperwaldes gc- | legen war. ?lber das (Versteck wurde ausgcspürt und .itossuihs Kinder 'wurden nach Preßburg Ins Gefängnis gebracht. Do leinte der junge Franz früh die Bitterkeiten und Nachteile deS Loses kennen, der Sohn eines Volkssührcrs zu sein, und wenn ihm vor nunmehr sechs Jahren vom Kaiser Franz Josef Rang und Titel als Exzellenz verliehen worden sind, so ward ihm dies, wie einer seiner Biographen bemerkt, wahrlich nicht an der Wiege gesungen. Nach einigen Monaten wurden die Kossuthkinder ireige- lassen »nd zu ihren Eltern nach Kleinasicn gebracht, und es begann nun das Leben im Exile. Ludwig Kossuth ging nach England, später nach Amerika aus eine Vortragsrciic und sckilicßlich nach Italien, unermüdlich gegen das verhaßte Oesterreich und für die Bcireinng Ungarns Pläne schmiedend. Der Sohn Franz erhielt seine Erziehung in London, widmete sich der Technik und ging, nachdem er das Divlom als Maschinen- und Bergingenieur erlangt hatte, dem Bater folgend, nach Italien, wo er zuerst Direktor der Schweselgrnben pon Cefena und dann Leiter einer großen Brücken- baii-Ansalt in Castellamare-Stabine wurde.' Diese tätig-stillen Jahre waren vielleicht die glücklichsten, die Franz Kossuth erlebt hat. Er hatte sich nrit einer feinen, gebildeten Engländerin, Emilia Hopvnis, verehelicht, die der Familie Kossuth in dem alten Mala- tesla-K'astelle zu Eesena ein echtes, trauliches Heim bereitete, aber bereits durch einen frühzeitigen Tod den! Gatten entrissen wurde. In Cefena bewährte Franz Kossuth bei ernster Gelegenheit seinen Wagemut und seine Menschenfreundlichkeit. Ein schlagendes Wetter explodierte, und üm den Ovsern im. Bergwerke Hilfe zu bringen, fuhr Mossuth trotz dringender Gefahr ein, um durch eine neue Explosion nahezu ums Leben zu kommen. Schwer verletzt kam er wieder ans Tageslicht und es dauerte lange, bis er die Folgen dieses linsalles ganz überwunden hatte.
Das war die bürgerliche Seite seines Lebens. Aber es ist sehr begreiflich, daß der Sohn Ludwig Kossuths doch ans der Politik nicht ganz fremd bleiben.könnte. Er verkehrte viel in den italienischen, speziell in den piemontesischen Kreisen, mit denen sein Vater in Verkehr stand, darunter mit Männern wie Cavour und Ricasoli. Aber zwischien Kossuth Vater und Kossuth Sohn lag doch eben der Abstand einer Generation. Als int Jahre 1866 endlich der Ausgleich zwischen Oesterreich und Ungarn zustande kam, da hielt sich Ludwig Kossuth freilich vergrämt und schmollend zurück, um nicht seinen alten Idealen untreu zu werden, aber der Sohn konnte sich an das Programm des Vaters unmöglich gebunden sühlcn. So geschah es, daß. als der alte Wanderer in der Verbannung 4875 endlich die müden Augen geschlossen hatte, Franz Kossuth in die Heimat zurückkehrte, die der Fuß seines Vaters seit der großen Katastrophe nicht wieder betreten hatte. Unvergessen war der Name Kosinth im ungarischen Lande und dem heimkchrenden Sohne wurden damals stürmische Ovattonen dar- gcbxacht, die auf manchen Seiten Bedenken erregten. Welchen Anteil er damals an der ungarischen Politik genommen hat, gehört nicht hierher, aber es illustriert jedenfalls den völligen Wandel, den dies merkwürdige Leben durchgemacht hat, daß der Sohn des Verbannten als Geheimer Rat des Kaisers Franz Joses sein Leben beschließen konnte.
Aus Stadt und LanS.
Gießen, 26. Mai 1914.
"Die Sektion VI der Hess.-Nass. Baugewerks- B e r u s s g cn o s s e n s ch a s t, welche die Kreise Gießen, Als- seld. Lauterbach, Schotten, Biedenkopf, Tillenbnrg, Frankenbcrg, Fulda, Kirchhain, Marburg und Zicgenhain umfaßt, hielt am Sonntag vormittag im Gasthos Kobel zu Gießen ihre Sek- tionsversammlung ab. Der Sektionsvorsitzcndc Stadtverordneter L. Petri II., Gießen, begrüßte die erschienenen Sektions- Mitglieder, worauf der Gcschästsiührer der Sektion nach Verlesung des vorjährigen Protokolls den Geschäftsbericht sür 1913 erstattete, der gleichzeitig auch die Rechnungsergebnisse des letzten Geschäftsjahres cnthictt. Ans diesem Bericht ist besonders z» erwähnen, daß im Jahre 1913 bei der Sektion 340 Unfälle (im Vorjahre 302i zur Anmeldung kamen, darunter drei Todesfälle. Aus die einzelnen Wochentage verteilen sich die Unfälle wie folgt: Dienstag 63, Donnerstag 57 Mittwoch und Freitag je 53, Montag 52 usw. Erstmalig enlschädigungSoilichtig wurden im Jahre 1913 70 Unfälle. Diese hattech zur Folger den Tod des Verletzten 2 (im Vorjahre 9), dauernd teilweise Invalidität 21 (i. Vorj. 23), vorübergehende Invalidität 47 (i. Vorj. 41). An Entschädigungen wurden 1913 insgesamt 117 729 Mk. gezahlt. Versichert waren 1913 2130 Betriebe, außerdem 1398 veisicheriingsvslichtige und 45 freiwillig versicherte Unternehmer. Die Zahl der in den 2130 Betrieben durchschnittlich beschäftigten Arbeiter betrug 8812, die nachgewiesenen Löhne 6 987 783 Mk. Bei der der Sektion angcglicdertcn Zweiganstalt, welche die Regicbaubctriebc umfaßt, kamen nenn Uniällc zur Anmeldung, wovon zwei cntschädignngsvilichtig wurden. Tic Vcrwallungskosten der Sektion betrugen 23 591,39 Mk., davon entfallen aus Unsalluntcrsuchung 4507 Mk., auf die lieber wachung der Betriebe 8868,75 Äk. usw. Das Rechnungsergebnis ergibt eine Mindcrumlagc von über 5000 Mk. gegen 1912. Durch die beiden technischen Aussickstsheamtcn der Sektion fanden in 1913 5302 Betriebsbesichtigungen und 527 Lohnprüfungen statt. In der Organisation ist durch Jnkrastttcten der Reichsversiche rungsordnung insofern eine Aendcrung eingetreten, als der Vorstand wie auch die Vertreter (Delegierte) im' letzten Jahre zum ersten Male nach dem Vcrhältniswahlsnstem gewählt wurden. Nach der Erstattung des Jahresberichts und der Rechnungsergebnisse crsolgte die Feststellung des Voranschlags sür die Verwaltungskosten 1916 (Haushaltungsvlan). Die übrigen Dünkte der Tagesordnung waren rein geschäftlicher Natur (Wahl der Rechnungs- Prüfungskommission, Personalangelegenheiten usw.).
•* Alkohol in Konfekt. Gegen den Genuß von alkoholhaltigem Kvnsckt hatte sich der preußische Kultusminister schon im Jahre 1908 in «ner besonderen Bersügung gewandt. Die Regierung glaubt ein.r Anhalt dafür zu haben, daß sich der Vertrieb
und Verbrauch von Likörkonfckt von Jahr zu Jahr mehr ansbreitct.
Ter Minister des Innern bringt deshalb als Mkdizinalminister jenen Erlaß von neuem in Erinnerung. Tic Regierungspräsidenten und der Polizeipräsident in Berlin sind ersucht worden, Vorschläge darüber z» machen, ob etwa weitergehende Maßnahmen zum je« s >i n d h c i t l i ch c n Schutze von Kindern gegen den 6>eii»ß alkolwUialligen Konselts nach den Beobachtungen der Behörden nötig sind.
** W i e soll die Milch sein, die ein S ä u g l i n <f (Klommt? Tic Milch muß a»S einem reinlichen gutgelüfteten Stalle kommen, in dem die Kühe nicht zu dicht beisammen stehen und in jeder Weste gut gcvilegt sind. Wenn die .Kühe mit Rüben- ab allen, Schlempe. Treber u. dergl. gefüttert werden, so Handies einen „„güuittgen Einiluß aus die Milch. Besonders muß das Euler vor deme krn mi: warmem Was er gercinigt werden. Am bestell ür die Milch ist es, wenn die Kühe regelmäßig aus die Weide kommen. Beim Beginn der l>eißen Jahreszeit muß man besonders darauf acht"», die Milch aus einem der Wohnung möglichst nahegelegenen Stall zu beziehen: durch den Transvvrt in oft ungeeigneten 0)e- säßcn leidet die Milch. Wenn irgend möglich, vcrnicidc man Mittelspersonen und hole sich die Milch sclvst in einem reinen Gesäß aus dem Stall: jedes Umgichen von einem Gesäß in das andere bringt die Gesalw mtt sich, daß Schmutzteilchcn oder schädliche Keime in die Milch kommen. Wenn die Milch im Hause ist, wird sie soiort 3—5 Minuten lang, nicht länger, gekocht, am besten gleich in dem Gesäß, in dem man sie aus dem Stall geholt hat. So'ort »ach dem Kochen wird der Milchtooi in kaltes Wasser gestellt, das immer erneuert werden muß, sobald es lau geworden ist. Tann wird sic, ebenfaNs in kaltem Wasser oder in Eis, gut zugcdcckt, an einem lusttgen, kühlen Ort bis zum Gebrauch ausbewahrt, am besten in einer Küblkiste, über deren EinrichtnKg und Gebrauch sich jede Mutter bei der Beratungsstelle oder der Kdicispflegerin der Großh. Zentrale sür Mutter- und Säuglings- sürsorgc Ausknnst holen kann.
** Fünf zig Wanderkur sc in Säuglingspsl ege.
Tie Großh. Zentrale für Mutter- und Säuglingssürsorge in Hessen r blickt,aus ein halbes Hundert Wanderkursc in Säuglingspslegc zurück, die seit September 1912 gehalten wurden. Die beihen Wonder- lehrcrinnen der Großh. Zentrale, welche die staatliche Prüfung als Krankenvstcgerin bestanden und viele Jahre lang in der sozialen Arbeit gestanden haben, belehren in einem Nachmittags- und in einem Abendkursus von je zwölf Doppelstunden die Frauen und Mädchen über alles, was sie über die Grundsätze der modernen Säuglingshogicne wissen müssen. An die Vorträge reihen sich praktische Uebiingcn in der Herstellung von Kinderiväsche und Kinderbetten, inst, er Zubereitung der Nahrung, im Baden, Ankleiden usw. 2809 Tcilnchmcrinne» zogen aus dieser sozialen Arbeit Nutzen, 1576 von ihnen erhielten die Bescheinigung über regelmäßige, d. h. lückenlose Teilnahme am Kursus.
** Zwangsversteigerung. Der Getreide- uud Landesproduktcnhändler Karl S i e r halte Dammstraßc 50 und 52 ein Doppelhaus erbaut, in welchem er vermieten und wohnen wollte; es war ihm nicht möglich, daraus Hypotheken im Oktober v. I. zu bekommen. Das Anwesen war mit 58 000 Mark ortsgerichtlich in der Taxe ausgenommen, mit 31000 Mark für den Kaufpreis des Bauplatzes und zur Sicherung der Bauhandwerker belastet, hierzu sind inzwischen noch Sicherungshvpotheken für Bauhandwcrker gekommen. Jetzt wurde das Doppelhaus zwangsweise vom Amtsgericht versteigert und von Zimmermeister Wilhelm Wag (Großen- Lindcn) dafür 43 050 Mk. als Höchstgebot abgegeben, der etwa damit seine Forderung herausgeboten hat.
" Obcrhessischer Taubstummenverein. In einer Versammlung, die zu H e u ch c l h e i m stattsand und von ungciähr 30 Taubstummen besucht war, teilte der Vorsitzende des Obcrhes- sischen Taubstumnienvereins, August E i d m a n n -Gießen, mit, daß es nach einer Zusammenstellung des Direktors Dr. Ritzert- Friedberg im tzöroßhcrozgtum Hessen ungcsähr 900 Taubstumme gibt. Viele unter diesen haben sich zu einem Verbände zu- sammengcschlossen, der die Erbauung eines Taubstummenhcims sür alte »nd alleinstehende Taubstumme in die Wege leiten will. Vorsitzender dieses Verbandes ist Pfarrer Hosmevcr -Ossenbach am Main. In Hessen werden Taubstummengottesdienste, wie der „Sonntagsgruß" mitteilt, an folgenden Orten abgehalten: Gießen, Lauterbach, Friedberg, Darmstadt, Ossenbach, Benshcim, Groß-Umstadt, Mainz und Worms.
Landkreis Gießen.
tt. L a n g s d o r f, 24. Mai. Tie hiesige Spar-undDar- lehns ka sse , Gesellsch. mit unbeschr. Haflvfl., hielt heute mittag im Saale des Gasthauses „Zur Traube" ihre diesjährige Hauptversammlung ab. Nach der Veröffentlichung der Bilanz von 1913 wurde die Liguidation der Kasse beschlossen. Zu Liguidatoren wurden die Herren ?lda,n Roth, bisheriger Vorsitzender, Heinrich Schmalz und Wilhelm Schiel ernannt. Bekanntlich wurden schon vor einem Jahre die Anteile der Mitglieder um 8000 Mk. sür jedes Mitglied erhöht.
tt. Langsdorf, 24. Mai. Heute mittag hielten hier im Gasthaus „Zum Deutschen Haus" auf Einladung des Turnvereins die Lehrer Berth und Börstlein aus Hungen Vorträge über Zweck und Ziel des Jungdcutschlandbundes. Die Lcitting der hiesigen Ortsgrupve wurde Herr» Helmut Fabian übertragen.
— Alten-Buseck, 25. Mai. Am Himmelfahrttag sand hier aus dem sog. Köpfchen eine Feier zugunsten des Roten Kreuzes statt, an welcher sich die Sckmlklassen, der stzriegerverein, die drei Gesangvereine und ein Turnverein beteiligten. Musikstücke einer Marburger Musikkavclle wechselten mit' Ansprack>en, Chören der Gesangvereine, Vorführungen des Tunivercins und Deklamationen von Schülern der Oberklasse ab. Junge Mädchen verkauflen Karten und Mzeichen.
Kreis Friedberg.
r Bad-Nauheim, 23. Mai. In zwei Fällen wurde unsere Stadt heute nacht durch Einbrecher heimgesucht. In der Trinkkuraniagc erbrachen sie den Laden der Galanterie- und Uhrenwarcnhandlung von Sprengel und stahlen dort sür etwa 200 Mk. Waren. Dann stattete» sie dem Sporlausrüstungsgeschäft von Karl A h r c n s in der Kolonnade einen Besuch ab, wo sie sür etwa 300 Mk. Waren aller Art erbeuteten. In beiden Fällen gelangien die Spitzbuben durch Eindrücken der Fensterscheiben in das Innere der Verkaufsräume. — In der gleichen Nacht enlstand in der scheuer des Gasthauses „Zur Krone" ein S ch a d e n f e u e r, zu dessen Bekämpfung die Feuerwehr alarmiert werden mußte.
= Trais-Münzcnberg, 25. Mai. Heute (Dienstag) feiert der Landwirt Peter Rumpf mit seiner Gemahlin Sofie, geh. Schmidt, silberne Hochzeit.
t. Groß-Karben, 25. Mai. Bei der Bürgermei st erwähl am Samstag wurde der bisherige Bürgermeister Röthe mit 180 Stimmen wiedergewählt. Sein Gegenkandidat, Forstwart Schäfer, erhielt 70 Stimmen.
Starkenburg und Nheinhesse».
d. Mainz, 26. Mai. Aus dem K r e i s a NI t wurde von der 'Ltaalsanwalt,cha,t der ikanzlist Schäfer verhaftet Es wurden auch eiv- R<-ibe ov" StOTjvin Kif iri „


