Ausgabe 
18.5.1914
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 115

Zweites Blatt

M. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSietzener ZamilienWStler" werden dem »Anzeiger* oiernial wöchentlich beigelegt, daS KreisWatt für den Kreis Sietzen" zweimal

wöchentlich. Dielandwirtschaftlichen Seil­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejjen

Montag. 18. Mai (9(4

Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Unwersitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schuf- straße 7. Expedition und Verlag: es@51. Redaktion:^^112. Tcl.-Adr.:AnzeigerGießen.

Der Naiser in Wiesbaden.

Wiesbaden, 16. Mai. Ter Kaiser nahm heute vormittag um 11 Uhr eine Parade ab über das Füsilier- j Regiment v. Gersdorff (Kurhcssisches) Nr. 80, das 2. Nas- sauische Titfanterie Regiment Nr. 88 lohne das 2. Bataittony das 2. Nassauische Pionierbataillon Nr.. 25 und die 2. A'o ' 'teflwng des 1. Nassauischen Feldartillcric-Regiments Nr. 27 ! (Oranten). Die Truppen hatten wie üblich vor dem Kurhause ^Aufstellung genommen. Tic Parade befehligte der Komman­deur der 41. Jnsanteriebrigad« Generalmajor von der Esch. Zugegen war der Kommandierende General des 18. Armee­korps, General der Infanterie, G..ieraladjutant v. Schenck. Kriegervereine, Sanitätskolonncn, Jungdcutschlandvereini- guugen von Wiesbaden (Stadt und Land) waren cinmar- schiert, Schulkinder bildeten Spalier, hinter ihnen ein tau- sendkopsiges Publikum. Deute ist hier Kinderhilfstag. Alles war daher mit K o r n b l u mJ n und Margueritcn jgeschmückt, und so trug auch der Kaiser, wie er ,n der Uni- form der Gardekürassierc vom Schloß zur Parade ritt, am Küraß einen Strauß Kornblumen. Ter Kaiser wurde stür­misch bejubelt. Nach der Parade führte üer Kaiser die Fahnenkompagnie nach dem Königlichen SchloZ zurück und ließ sic hier noch einmal vorbcimarschicren. Um 1 Uhr war Frühstückstafcl im Schloß. Hierbei saß der Kaiser zwischen der Prinzessin und dem Prinzen Friedrich Karl von .Hessen.

Am vierten Abend der Fcsworstettungen wurde Mozarts Don Juan" in der Wiesbadener Einrichtung von Or­chester und Sängern unter Professor Manustaedts Leitung in würdigster Darstellung zu Gehör gebracht. Eine glänzende Leistung in Gesang und Spiel !var derDon Juan" des Stockholmer Kammersängers John Forscll.

Wiesbaden, 17. Mai. Ter Kaiser nahm heute vormittag an dem Gottesdienst in der Marktkirche teil, be­sichtigte das Kaiser Friedrich Bad und empsing im Schlosse den Generalstabsarzt v. S ch j c r n i n g, 'der zur Frühstücks­tafel geladen wurde.

Der Kaiser unternahm heute eine längere Automobil­fahrt durchs Wispertal und den Rheigau. Am 5. Abend der Fcstvorstcllungcn wurde die GcsangsposscRobert und Ber­tram" in einer sehr hübschen und sehr lustigen Ausmachung gegeben. Besonders die beiden Vagabunden, die Herren Herrmann und Andriano waren unerschöpflich in zum Teil aktuellen Witzen, waren unglaublich beweglich und höchst komisch im Kouplctvvrtrag. Das Publikum nahm das Stück mit behaglicher Heiterkeit auf. Den Kaiser und die Herren seines Gefolges sah mm oft herzlich lachen.

Meutereien Ser Truppen Huertas.

L on d o n, 16. Mai. DerDaily Telegraph" meldet aus Niew P o r k vom 15. Mai: Nach Berichten aus Vera cruz haben Huertas Truppen am Donnerstag gemeu­tert, Ossiziere erschossen, die sich weigerten, mitzumachen und sind abgegangen, um zu Zapata überzugehen, der 18 Meilen von der Stadt im Gefecht mit den mexika­nischen Vorposten stehen soll. Berichte aus derselben Quelle besagen, daß Huerta sich in wachsender Gefahr befindet, er­mordet zu werden und jeden Augenblick Anarchie in der Hauptstadt ausbrechen kann. ,

Nach einem Telegramm derEvening World" aus Veracruz hat ein Bote aus Paso del Macho die Nach­richt gebracht, daß die Truppen in der Piedad-Kasernc in der Stadt Mexiko am Mittwoch gemeutert hätten. Mehrere kommandierende Offiziere, die sich weigerten, sich den Meu­terern anzuschließen, seien niedcrgeschosscn worden. Eine Abteilung des 29. Aataillons und Armeegeneral Blanquez wurden nachmittags mit Maschinengewehren nach der Ka­serne geschickt, die Meuterer waren aber geflohen. Man glaubt, daß sie sich den Zapatisten in den Bergen von Ajusco oder bei Cuernavaca anschließen werden.

Veracruz, 16. Mai. Die Konstitutionalisten haben Tuxp a m am Donnerstag ,e in g c n om m e n Tie 500 Mann starke Garnison war von'den Aufständischen, die ihr 2000 Mann stark entgegengezogen waren, überwältigt wor­den. Die Bundestruppen sind in die Berge geflohen.

Die Verhandlungen in Albanien.

Wien, 16. Mai. Tie Albanische Korrespondenz meldet aus Korfu: Wie verlautet, sotten die Verhandlungen zwi­schen dem internationalen Kontrollausschuß und den Ver­tretern der epirotischen Bewegung bereits zu einer prinzi- pietten Einigung geführt haben. Gegenwärtig verhandele man über die Einzelheiten der Konzessionen, die den Epi­roten gemacht werden sotten.

DeralbanesischeMinisterpräsidentTurk- han Pascha ist am Samstag von Rom nach Wien ab­gereist. 1

Gewerbe-Ausstellung Giehen IY1§.

Gießen, 16. Mai.

Das Wetter meinte es am Samstag gut mit der Aus- stellung, zeigten sich auch hin und wieder drohende Wolken, der gefürchtete Regen trat nicht ein, und das graue Gelvölk, womit sich der Himmel während der Erösfnungsfeier bezog, war nicht allein imstande, die vielen Besucher, die sich schon am ersten Ausstellungstage cingefunden hatten, zu ver­scheuchen. Leider war es zu kühl, als daß man den vortresf- lichen Musikstücken der Kapelle des Infanterie-Regem enls Kaiser Wilhelm" unter Musikmeister L ö b e r s Leitung un Garten des Wirtschaftsgebäudes beim Glase Bier lauschen konnte, doch auch so verfehlten die meist munteren Klänge ihre Wirkung auf die Stimmung des Publikums nicht.

Nach dem attgemeinen Rund gang und der eingehen­den Besichtigung" unter Führung der Äueschußmitgliedev -rüsteten sich die Ehrengäste zum

Festmahl,

an dem etwa 250 Personen teilnahmen. Tic Tafel bot mit ihrem 'Blumenschmuck in der geschmackvoll dekorierten Fest- Halle ein hübsches Bild. Und neben den vorzüglich zuberei­teten leiblichen Genüssen trug auch die Tafelmusik von dem Künstlerorchcster der AusstcllungswirtschafrAlt-Hesjen" unter der Leitung des Kapellmeisters Zwirn zu der fröh- kichcn Stimmung der Festversammlung bei.

Das Festessen begann um 2 lllxr Als erster Redner nahm Oberbürgermeister Keller das Wort zu folgender Ansprache:

Hochgeehrte Anwesende!

Noch stehen wie unter dem Eindruck dem großen und nachhaltigen Eindruck, den die soeben eröffnet«: Gewcrbeausstellung in iljrcr Fülle, ihrer Gediegenheit tmb der Zweckmäßigkeit ihrer Anordnung aut jeden von uns ausgeübt hat. Noch ist in uns allen lebendig das schöne und erhebende Bild der Tatkrast, der Gcistes- sähigkcit und des Fleißes des Gewerbes, das diese Ausstellung uns dargcboten l>at!

Sic, hochverehrte Anwesende, die Sic sich aus Anlaß der Erössnung dieser Ausstellung zu. festlichem Mahle hier vereinigt haben, begrüße ich aus das herzlichste. Insbesondere heiße ich

willkommen die sehr verehrten Gaste, die von Nah und Fern wie

aus der Otadl Gießen elift sich eingefunden haben: den als Ver­treter des Ministeriums erschienenen Herrn Gcheimcrat Tr. Usinger, die Herren Vertreter auswärtiger und hessischer Behörden, Körperschaften und aflc..Einzelpersonen.

Ich entbiete Ihnen alle diesen Willkommensgrub nicht nur um als Oberbürgermeister dieser Stadt einer konventionellen Pflicht der Gastfreundschaft zu genügen: ich begrüße die geehrten Gäste

vornehmlich in der freudigen Annahme, daß sie ditrch ihr Er­

scheinen Zeugnis ablegcn von dem Interesse und der Wertschätzung, die .sic der Arbeit deutschen Gewerbes entgegenbringen, daß sie ein Herz haben für den deutschen Gcwerbestand, dem Anregung und Förderung zu gewähren das erste und höchste Ziel dieser Ausstel­lung bildet.

Mit besonderer Freude, voll Preis und Tank, darf ich fcststcllen. daß diese Ausstellung von auswärts so zahlreich beschickt worden ist. Tic frcundnachbarlichen Provinzen Hessen-Nassau und die Rhcinprovinz. ja das schöne Sachscnland und das wackere Schwabcn- land haben hervorragende Erzeugnisse ihres Gcwcrbcsleißes zu ung gesandt, und das Gewerbe der Provinz Oberhcsscn wetteiferte, sein hohes Können in der Hauptstadt der Provinz zur Darstellung zu bringen. Das Gicßcncr Gewerbe, daß in reichem und bedeutsamem Maße seine Gebilde dieser Ausstellung zugeführt hat, wird sreudig und neidlos eintreten in den allgemeinen Wettbewerb und keines­wegs scheel sehen aus auswärtige Kunst und fremdes Verdienst, es wird sich jederzeit bewußt bleiben, daß wir alle ein jeder von dem andern lernen können und daß nach dem Spruche des Dichters erst aus der Kräfte schön vereintem Streben wirkend sich das wahre Leben erhebt.

Wenn diese Ausstellung somit bei allen vertretenen Gc- werbetreibendcn den Gedanken der gemeinsamen Interessen heben _ und fördern wird so muß darüber hinaus auch das Bewußtsein überall lebendig sein, daß die Wurzeln aller wirtschaft­lichen Kräfte in der Verfassung und Stärke des Reiches ruhen, daß erst das Reich die Kräfte ausgelöst und die Bahn freigemacht hat, ans der Industrie und Handwerk sich entwickeln können.

Darum wollen wir am Beginne dieses Werkes unsere Blicke nach der Stelle richten, wo die Einheit des Reiches verkörpert wohnt, nach Sr. Majestät dem Deutschen Kaiser.

Und in dem Lande, in dem wir unser Unternehmen ausge- rrchtct haben, gedenken wir insbesondere seines Herrschers Groß- herzogs Ern st Ludwig, der wie kein anderer deutscher Fürst gerade dem Kunstgewerbe neue Wege gewiesen, kraftvolle Unter­stützung geliehen und auch uns sein Wohlwollen bekundet hat, in­dem er diese Ausstellung in seinen gnädigen Schutz genommen.

Hochgeehrte Anwesende, lassen Sie uns, den Gefühlen, die uns beseelen. Ausdruck geben, durch den Ruf: Se. Majestät der Deutsche Kaper Wilhelm II., Se. König!. Hoheit Großherzog Ernst Ludwig von Heften und bei Rhein, hoch.

Für die Landesuniversität sprach Prof. Dr. König: Sehr geehrte Anwesende!

Seine Magnisicenz der Rektor unserer Landesunivcrsität gehört leider auch zu denjenigen, die durch die gleichzeitige Eröffnung der Ausstellung in Darmstadt verbindert sind, an der Festlichkeit hier in Gießen teil zu nehmen. Er hat mich beauftragt, ihn zu vertreten und in seinem Namen an dieser Stelle zu sprechen, und Ihnen sein Bedauern über sein Fernbleiben auszudrückcn. Wenn ich nun in seinem Namen als Vertreter der Landesuniversität um die Erlaubnis bitte, für die freundlichen Worte, mit denen der Herr Oberbürgermeister soeben die Gäste begrüßt hat, im Namen der Gäste zti danken, so möchte ich den Vorzug, den ich damit für die Landcsunivcrsität in Anspruch neltzne, mit der Be­merkung rechtfertigen, daß von allen Betrrcben, die sich im Lause der Jahrzehnte und Jahrhunderte in Gießen und Umgegend heimisch gemacht haben, t» Univeriitätsbetrieb der älteste ist. Tic hohe Schule in Gießen ist gewissermaßen der erste Groß­betrieb un unserer Stadt gewesen: es war der erste Versuch, dem da­maligen kleinen Landstädtcheir ein höheres Niveau und eine beson­dere Phpsiognomie, eine Anziehungskraft nach außen und einen An­trieb zur Weiterentwicklung im Innern zu geben. Zweihundert Jahre lang hat diese Gründung den Charakter unserer Stadt beherrscht. Sic war eine Universitätsstadt und ihr Ruf war be­stimmt im guten und im bösen Sinne durch die Tätigkeit der stillen Gelehrten, die in ihr wirkten, und der nichts weniger als stillen Muscnsöhnc, die in ihren Straßen herumtobten. Wie anders das im letzten Jahrhundert unserer städtischen Entwicklung ge­worden ist, nichts zeigt uns das anschaulicher und überzeugender als ein Gang durch unsere Ausstellung. Alls dem kleinen Land- und Univerjitätsstädlchcn ist eine lcbhastc moderne Handels- und Jndnstriestadl geworden und der Wohlstand ihrer Bewohner ist heute von ganz anderen Faktoren abhängig, als nur von dem Gedeihen der Universität, wie es früher der Fall war.

Wenn ich so das Einst mrd das Jetzt nebeneinander stelle, so möchte ich nicht, daß Sic glauben, auch tmr den leisesten Unterton eines Bedauerns der Universität über diese Entwicklung der Stadt hcraushören zu können. Im Gegenteil, ich wünsche die Gelegen­heit zu benutzen, um es ösientlich auszusprechen und ich glaube im Namen aller meiner Kollegen dabet zu sprechen mit welcher Freude lind mit welchem Jntcrchse wir diese Entwicklung unserer Stadt begrüßen. Die Zeiten, in denen die Wissenschaft in den Studierstnben lebte, sind längst vorbei. Ter frische Wind Unterer modernen, kulturellen Entwicklung weht heute auch durch alle unsere Studicrstubcn hindurch, und wir Gelehrten von heute wollen und sollen mitten drin stehen in diesem modernen Leben mit der ganzen Vielseitigkeit seiner Entfaltung, nicht weil cs sich in einer modernen Stadt mit den Begucmlichkeiten der Neuzeit schöner lebt, sondern weil tausend Fäden unsere Wissenschaft mit dem praktischen Leben, mit Handel, Gewerbe und Industrie verknüpfen, und weil wir die Jugend, die wir hcranzubilden Haben, zu Männern dieses praktischen Lebens erziehen sollen. Sic wissen, wie sehr diele Gesichtspunkte in jüngster Zeit ins Feld geführt worden sind für die Begründung von Universftätcn in großen Städten. Wir haben daneben das Lob der steinen Universitäten gesungen, aber nur deswegen, weil der geringere Umiang ein intensivercs Arbeiten und ein besseres Zusammen­arbeiten von Lehrern und Schülern ermöglicht, aber nicht in dem Sinne, daß wir die Universitäten am liebsten in steinen sftllen Nestern liegen hätten. Im Gegenteil! Ich wiederhole es, wir brau­chen den Zusammenhang, mit dem modernen Leben und wir freuen uns, wenn wir gemeinsam mit allen anderen Faktoren der kul­turellen lLntwicklung, gemeinsam mit Handel, Gewerbe UN» In­

dustrie am Fortschritt unseres Landes und unserer Stadt arbeiten können^

Ich muß am Ende fürchten, daß Sic mit diesen Ausführungen wenig zusrieden sind: denn nicht als Vertreter der Universität sondern als Vertreter der Gäste sollte ich hier sprechen. Ent- schuldigcn Sic den Proscssor, tvenn er zunächst von dem spricht, was ilmi am nächsten liegt. Aber tvenn ich vorhin der Freude und Genugtuung über die kraftvolle Entwicklung unsres hessischen Landes und trnserer Stadl Gießen Ausdruck gegeben habe, so glaube ich damit doch sckwn in Ihrer aller sinne gesprocktcu zu haben. Und nttn gestatten Sic mir noch einige Worte über unsere Aus- stcllung. Der Herr Vorsitzende des Ausftellungs Vorstandes fort heute vormittag in 'seiner Erössnungsrcde die erzieherischen Ans- gaben geschildert, die eine solche Ausstellung zu erfüllen hat, die Erziehung des Produzenten und die Erziehung des Konsumenten. Ich möchte noch eine dritte pädagogische Ausgabe hinzusngen, die dabet ganz von selber erfüll! wird, die Belehrung lind An­regung des Publikums überhaupt und der Jugend ganz besonders, und dabei denke ich auch wieder an unsere Siudenten. Ich cr- innerc mich mit Freude und Dankbarkeit an die zahlreichen Stunden, die ich in Ausstellungen aller Art verlebt habe, besonders in meiner Jugend, in der ich nicht leicht eine Ausstellung vorbct- gehcn ließ, ohne sie gründlich zu besichtigen, und wenn ich ihnen auch niemals mit dem Interesse des Produzenten oder Konsumenten gegenüber gestanden habe, niemals selber ausgestellt oder gekauft habe, was ausgestellt war, so habe ich doch immer eine Fülle von Anregung mit nach Hause genommen. Diese schöne Ausgabe wird auch unsere Ausstellung erfüllen. Unsere gute alte Klrnik, die auch nun bald aus ein hundertjähriges Alter znrückblicken kann, Itat in ihrem langen Leben in ihren Mauern schon den verschieden­artigsten Inhalt umschlossen, Soldaten und Kranke, Bücher und Gipsabgüsse: aber eine solche Fülle von Interessantem, Schönein und Belehrendem ist darin wohl niemals vereinigt gewesen, und so wird sie ihre alte Aufgabe nützlicher Belehrung in dlcscmj Sommer schöner tmd reichhaltiger als je erfüllen.

Aber zu dent Erfolg seiner solchen Ausstellung gehört neben der Vortresslichkeit aller Vorbereitungen noch ein Etwas, das man nicht in der Hand hat: gutes Wetter. Möge ihr und uns ein schöner Sommer bcschicden sein, der vom Reisen nicht abschreckt, sondern zum Reisen verlockt. Ter blaue Himmel, der uns heute endlich einmal wieder lächelt, möge vom Mai bis August über unserer Artsstellung ylänzcn, nicht bloß der künstliche über Mt- Gicßen dort hinten rn der hübschen Bierhallc, sondern der na. türliche, echte draußen über den Gartenanlagen und dem Musik. Pavillon.

Lassen Sic unfern Tank gegen die Veranstalter tmd alle guten Wünsche sür das jinternehmen in ein doch auf die Ver­anstalter, auf unser Hcsscnland und unsere Stadt Gießen aus­klingen.

Fabrikant Zurbuch, der die .Handelskammer vertrat, sprach solgende Worte:

Verehrte Anwesende!

Tic Großh. Handelskammer in Gießen für die Kreise Gießen, Alsseld und Lauterbach steht Ihnen bei Ihrem Unter­nehmen, in den Mauern unserer Stadt eine Gcwcrbemisstcllung sür Obcrhessen in solch schöner, großzügiger Weise ins Leben ge­rufen zu haben, mit anlrichtiger Freude und mit den Gefühlen berechtigten Stolzes mitseiernd zur Seite. Ist es doch eine der vornehmsten Ausgaben der Handelskammer, das Boranschreiten von Handel und Gewerbe in ihrem Bezirke zu fördern und da, wo im Erwerbsleben, im Kampf der Interessen der eine oder der andere Geschäftszweig durch schädigende Maßregeln in seiner Entwickelung und in seinem Vorwärtskommcn gehemmt wird, ab- wchrcnd und stützend ihm beizuspringen.

Wir können hiernach wohl mit gutem Rechte davon sprechen, daß die Gicßener Handelskammer zu dem oberhcss. Gewerbe im Verhältnis steht sagen wir wie die Mutter zu ihrem Kinde. Wenn ich nun dieses von mir gebrauchte Bild noch weiter ausschmückc, so kann ich sagen, daß das darin das oberhcss. Ge­werbe darstellende Kind ein kraststrotzender, echter Sohn Ober. Hessens ist ein Jüngling, 'der als einen Beweis für seine Reite, in der uns gebotenen Ausstellung, zum Stolze der Mutter, hier vor aller Welt ein glänzendes Examen mit der Note I abge- legt bat.

Ter Vorsitzende unserer Handelskammer, Herr Geh. Kommer­zienrat Heichelheim war ja heute morgen bei der offiziellen Er- öjinungsskier unter uns anwesend. Zwingende Umstände halten ihn aber davon ab, dem weiteren Teil unserer Festesseier bei­wohnen zu können. Er hat mich deshalb damit beauftragt, im Namen der Handclskaminer hier von dieser Stelle aus dem ge- mcinsinnigen Vorsitzenden der Gewcrbeausstellung für Obcrhessen, Herrn Pros. Tr. Krausmüllcr, in gleicher Weise auch dem verdienstvollen Vorstand Anerkennung uich Tank der Handels­kammer dafür auszusprechen, und Sie zck beglückwünschen, den Gedanken für die Einleitung der Ausstellung gefaßt und diesen' Gedanken so mcisterhast durchgcsührt zu haben.

Ter Ausstellung selbst wünschen wir weiter einen guten, ungestörten Verlauf. Für die Aussteller haben wir den beson­deren Wunsch, daß sie alte Hoffnungen, die sie in geistiger und wirtschaftlicher Hinsicht an ihre Beteiligung an der Ausstellung geknüpft haben, in reichem Maße erfüllt sehen möchten und daß sie aus dem edlen Vergleiche der Kräfte neue Anregungen zur Nutzbarmachung in ihrem Gewerbebetriebe und zu dessen Höhercntwickelung mit nach Hause nehmen werden.

Unsere Wünsche für alle Beteiligten möchte ich nun darin zulammensalsen, daß ich Sie bitte, Ihre Gläser zu erheben und mit mir einzustimmen in den Ruf: Ter verehrte Vorsitzende, der gesamte Vorstand sowie atte Aussteller, sie leben hoch!

Jtn Aufträge der Handwerkskammer richtete Stadtver­ordneter Petri an die Ausstellungsleitung solgende Worte:

Die Handwerkskammer zu Darmstadt hat zur Eröff- nung der Gewerbe-Ausstellung ihren Syndikus Herrn Schüttler entsandt, weil der Vorsitzende, Herr Gewcrberat Falk und dessen Stellvertreter leider zu der gleichzeitigen Erössnung der Tarm- slädtcr Ausstellung sich vorher verpflichtet haben.

Als ältestes Mitglied im Vorstand der Handwerkskammer habe ich nun den Auftrag, die besten Glückwünsche dem Ge- wcrbcverein Gießen zu der von ihm veranlaßten Ausstellung auszusprechen, die als gleiches Ziel der Handwerkskammer zur Hebung des Handwerks anznsehen ist. Sie nimmt lebhaften Aw- tcil an den Bestrebungen des Gewerbcvcreins.

Es m ö g e die reichhaltige Ausstellung, ein immerhin muti­ges Wagnis des Gewerbcvereins die in allen ihren Zweigen Zeugnis ablcgt von der Lcistungssähigkeit des Handwerks, der Gewerbe und Industrie zur lohnenden Tätigkeit Veranlas­sung geben, um damit das werktätige Bürgertum zu stärken in den ihm obliegenden Verpslichtungen.

Und wenn die gehegten Erwartungen über die Wirkung der Ausstellung sich erfüllen, dann hat her Gewerbeverein das Ver­dienst. in Lösung der sozialen Frngcn sür unsere Mitarbeiter einen Teil beigetragen zu haben.

Ich bitte nunmehr die Versammlung mit dem Gruß der Hand­werkskammer einzustimmcn in den R u s:Ter Gewerbcverein Gießen und sein um das Zustandekommen der 'Ausstellung hoch­verdienter Vorsitzender Pros. Dr. Kratsmüllcr leben hoch!"