Die Einnahme von Tampico durch die Nebellen.
Washington, 14. 9tai. Der Bericht des Admirals Mayo deutet an, daß Tampico gefallen und die Rebellen bis in die Stadtmitte vorgedrungen sind. Auf der Placa lxibe ein sehr heftiger Kampf stattgefundcn. lieber Verluste an Menschenleben und über Sachschaden meldet der Bericht nichts. Die aus Tampico fluchtenden Bnndes- truppcn suchen mit der Eisenbahn Pachnco zu erreichen. Die Insurgenten halten die Eisenbahn von Tampico nach Munteren besetzt.
'Admiral M a y o ist ermächtigt, seine Schiffe ans dem Panucoslusse bei Tampico zurückzuziehen. Für den spaten Abend wird eine Zusammenkunft zwischen Mayo und dem Kommandanten der Kanonenboote der BundeStruppcn erwartet, die nach der gestrigen Räumung der Stadt aus dem Fluß herausgedampst sind. Es verlautet, daß diese Kä- nonenbootc mit mcrilanischcn Bundcssoldaten nngksüllt sind. Es wird glaubwürdig gemeldet, baß zwischen den amerikanischen Behörden und den Führern der Konstitutio- nalisten bereits Vereinbarungen getroffen worden sind, wonach die Angestellten der O c l w c r ke, die sich kürzlich nach Galvcstvn und nach anderen südlichen Häfen in den Vereinigten Staaten begaben, sosorl zurückkehren sollen. Eine dahingehende Mitteilung sei den Vertretern aller Re gierungen, deren Untertanen an den Oeljeldern interessiert sind, übermittelt worden.
New Bork, 14. Mai. Nach einer gestrigen Meldung des Panzerkreuzers „California" von Mazatlan haben die Flugzeuge der Zapatisten abermals Bomben aus die Berschanzungen der Bundcstruppon herab- sallen lassen.
Die Verhandlungen in Albanien.
Die „Albanische Korrespondenz" meldet ans Korfu: In den Ber Handlungen zwischen dem internationalen Kontrollausschuß und den Vertretern der epirotischen Bewegung ist insofern ein Fortschritt zu verzeichnen, als in mehreren Punkten eine Einigung erzielt ivnrdc. lieber die ungelösten Fragen werden die Verhandlungen fortgesetzt.
Der albanische Ministerpräsident Turk h a n P a s ch a ist am Mittwoch von Turazzo nach Rom und Wien abgcreist. Zu Rom ist Turshan Pascha bereits am Ton nerstag vom Ministerpräsidenten Salandra und dem Minister des Aeußeren di San Ginliona empfangen worden. Er stieg als Gast der Regierung in einem Hotel ab. San Giuliano gab zu Ehren Turkhans ein Frühstück. Dann hatten die beiden Minister in der Konsulta eine lange Unterredung. Freitag wird Turkhan einer Einladung des Königs zum Frühstück folgen.
Deutsches Nei«L».
Zum Voranschlag des Auswärtigen Amis. Ein gemeinsamer Antrag des Zentrums, der National l i b e ra l e n und der Freisinnigen ist im Reichstage zum Etat für das Auswärtige Amt gestellt worden, der einen besseren Ausbau der Auslandsstudien wünscht und für die Generalkonsuln an den wichtigsten Plätzen ein deni ddr Gesandten glcichstchendes pcn- sionssähiges Gehalt fordert.
Im preußischen Abgeordnetenhaus wurden am Donnerstag zunächst einige Reste des.Voranschlags des Abgeordnetenhauses und des landwirtschaftlichen Voranschlags ohne Zeitverlust erledigt. Längeren Aufenthalt gab es sodann bei dem zum Voranschlag des Finanzministeriums gehörigen Altpensionärfonds. Hierzu lag ein Antrag v. Go ßler (Kons.) vor, eine gesetzliche Regelung der Bezüge der Altpensionäre und deren Hinterbliebenen in Preußen in der Weise »orzunehmcn, daß den Altpensionären ohne besonderen Antrag eine Pensionszulaze gewährt wird. Ein Antrag Aronsohn (Bpt.) verlangt einen Gesetzentwurf, durch den dje Ruhegehälter der vor dem 1. April 1908 in den Ruhestand versetzten Staatsbeamten und Lehrer, sowie die Witlven- und Waiscngelocr erhöht werden sollen. Gegen diese Anträge nahm alsbald Finanzminister Dr. Lentze Stellung. Seine Ausführungen gipfelten in eincin entschiedenen: Ron possumus. Wo wirklich ein Bedürfnis vorlag, da sei auch jetzt schon geholfen worden. Wenn Dr. Lentze geglaubt hat, seinen Standpunkt mit durckischlagenden Gründen verfochten zu haben» so sah er sich alsbald enttäuscht. Denn die Abgg. v. bew Sagen (Zcntr), Dr. Schröder-Kassel (Natl.), v. Oertzen (Freikons.), Dell u s (Bpt.), Strobel (Soz.) traten lebhaft für den konservativen Antrag ein, der übrigens einen früheren nationalliberalen Antrag in sich ausgenonrilien hatte. Schließlich wird ein nachträglich eingegangener Antrag des Budgetaus- schnsses, der sich init dem konservativen Antrag deckt, angenommen. Ter fortschrittliche Antrag wird damit zugleich «erledigt. Beim Voranschlag der Allgemeinen Finanzvcrwal- titng übt der Mg. Kopsch <Bpt.), wie alljährlich, abfällige IKritik an den Königlichen Theatern, die indes der Abg. Dr. Levy (Ratl.) nicht oder nur in sehr beschränktem Maße ucltcn lassen will. Zu längeren Auseinandersetzungen führt ver Gesetzentwurf, betr. die Dienstvergehen der Beamten der Orts-, Land- und Jnnungskrankenkasscn, bclännt- lich ein Entwurf, dem die Sozialdemokraten sehr mißtrauisch
geschmückte Tischchen und mit weißen Vitrinen, darinnen alle Kostbarkeiten auigebau! sind, von denen Frauen träumen: Perlen lnnd Pelze, Federn und Fächer, Spitz« und Steine. In diesem iTecramn wird sich vom 23. bis 27. Juni die Franenwoche abspielen, Frauen n-erden über die vcrichiedenen Gebiete neuzeitlichen Ftancnschaiicns sprechen, und das „Haus der Frau" wird für eine Weile der Mittelpunkt der Leipziger Weltausstellung sein, deren reizvollste SondcrauSstellung cs sowieso ist.
— Richard Strauß in Paris. Aus Paris wirb unterm 14. Mai gemeldet: Heute abend fand in der Großen Over die Uraufführung der „Joses-Legende" von Richard Strauß statt. Ter Dirigent wurde von dem bis auf den letzten
f lag gefüllt« Haus — darunter dir Großfürstinnen Paulowngund yrill, der deutsche Botschafter Freiherr von Schocn und ,G:- mablin, Botschaftsrat v. Radowitz und Gemahlin und die übrigen Herren und Damen der deutschen Botschaft, der bayerische Gesandte Freiherr v. Ritter, der österreichisch-ungarische Bolschtstcr, der Untcrrichtsminister Biviani, zahlreiche Personen der russischen und französischen Gesellschaft, viele Vertreter dar deutschen Musikwelt und der Kritik — mit großem Beifall begrüßt. Das Mimodram, dar die biblische Erzählung des Josef und der Frau des Potivhar zum Gegenstände hat, wurde von dem russischen Ballet meisterhaft dargesteltt uizd fand eine überaus beifällige Ausnahme. Tie Musik, in der Richard Strauß seine Eigenart in glänzender Weise zum Ausdruck bringt, entfesselte großen Beifall. Zu dein Eriolg trug die glänzende Dekoration von Sart und die im Renaissancestil gehaltenen Kostüme von Bakst viel bei. Botschafter Freiherr von S ch o e n überreichte nach der Vorstellung dem Konrponisten das Offizierskreuz der Ehrenlegion.
— 'Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft, In Stuttgart wurde ani gestrigen Donnerstag die von der Stadt veranstaltete Ausstellung für Gesundheitspflege scierlich eröffnet»
gegenübcrstehen und den sie daher durch eine Reihe ton Anträgen abändcrn wollen, die indes wenig Anklang finden, abgesehen von einem Antrag ans Aufhebung der Arrest- stra fen der Kasscnbcaintcn, für den sich auch die Mgg. Dr. F l e sch (Pp.), Tr. G o t t s ch al k (Natl.), Gro n o w s k i (Zentr.) und Frhr. v. Zedlitz (Freik.) aussprcchen. Dieser Antrag wird denn auch angenommen nebst einer frcikonser- vativen Eniscbließnng ans generelle Beseitigung der Arreststrafe für Untcrbeamte. Hierauf wird der Gesetzentwurf selbst, in zweiter Lesung, angenommen. Das Haus tritt in die dritte Les'tng ein, die ohne Aussprache gcsckstossen wird. Der Ab sNmMuug über den Gesetzentwurf im ganzen widersetzen sich aber verschiedene Mitglieder, mit der Motivierung, daß sie gar nicht gehört lstitten, daß in die dritte Lesung eingetretcn sei. Rach einer längeren Gcschästsordiiungsaussprachc wird die Gesamtabstimmung Auf Freitag vertagt.
Die bayerische Kammer der Abgeordnete» hat die Nachtragssvröeruugen her Regierung in Höhe von 2031817 Mk. für den bereits gebildete» Bayerische» Rhcin- ichisfahrts-Konzern zur Sickiening des pfälzischen und Aschasfenbnrger Umsckflagverkehrs genehmigt. Die Eisen bahnvcrwaltung übernimmt hiervon 677 272 Mk. Der Rest »ou 1 354 .744 Mk. wird durch Anleihen ans Rechnung der Ministerien der Finanzen, des Innern und des Aeußeren gedeckt.
Die Beisetzung der Gattin des Reichskanzlers. Ans Hohenfinow wird vom 14. Mai berichtet: Die sterbliche» Reste der Frau v. Bethinann-Hollweg wlirden heute unter außerordentlich großer Beteiligung äus der näheren und weiteren Umgebung zur letzten Ruhe bestattet. Außer den Einwohnern des Landkreises waren ebenfalls viele Leidtragende aus Freienwalde, Eberswakde und Aric- zen erschienen. Tie Trauergemeinde, unter der sich der Statthalter von Elsaß-Lothringen, v. Dallwitz, Oberpräsident von Bülow, General v. Psuel und Unterstaatssekretär von Wahn- schasfe befanden, versammellc sich mit der Familie Bethmann in der schönen Hohensinower Kirche, die der Reichskanzler selbst erst vor kurzem in alter Schönheit wieder Herstellen lieh. Tie Trauerrede hielt 'Pastor Passolo über Jes. 60 Vers 1: „Mache dich auf und werde Licht, denn dein Licht konkmt und dje Herrlichkeit des Herrn leuchtet über dir!" Danach wurde der Sarg von Gutsleuten nach dem nahegelegenen Friedhof getragen, wo die Beisetzung unter Gebet und Segen erfolgte.
Zur Auflösung der natioitalliberalen Sondergruppen. Ter geschäitssührendc Ausschuß der nationalliberalen Partei hat in Ausführung des thni vom Zentralvorstand erteilten Auftrags eine» Unterausschuß gebildet, der mit den Vertretern der Jungliberalen und Ält- naliouallibcralcn in Verhandlung darüber cintreten soll, ob der Beschluß des Zeutralvorstandes betreffend die Auslösung der Sondergruppen ausführbar erscheint. Der Unterausschuß sowohl wie der Gaschästssührende Ausschuß werden sich die Erledigung der ihnen zugcwieseuen Ausgabe angelegen sein lassen.
Ein neuer Luxemburg-Prozeß? Wie die Frankfurter „Bolksstimme" miltcilt, hat der Kriegsminister v. F a l k e n h a y n gegen Rosa Luxemburg Strafantrag wegen Beleidigung der deutschen Armee gestellt. Das Telitt wird in einer Aeußerung erblickt, die Rosa Luxemburg vor zwei Monaten in Freibnrg i. Br..getan haben soll, indem sie behauptete, daß in der deutschen Armee Soldatenmißhandlungen an der Tagesordnung seien.
Ausbau der Häfen in Bremerhaven. Die Bremische Bürgerschaft bewilligte am Mittwoch abend einmütig für den weiteren Ausbau der Häsen in Bremerhaven die Mittel im Betrage von 32 050 000 Mk.
AttsianS.
Ein Jubiläum des österreichischen Chefs der Militär kanzlet. Der Kaiser Franz Joses überreichte am Donnerstag vormittag dem Chcs der Militärkanzlei Frhr. B o l- fras v. Ahnendurg zu seinem 25jährigen Jubiläum als Generaladjutant und Chef der Militärkanzlei die Verdienstmedaille und eine große Reitecstatuette des Kaisers mit einer überaus fieundlichen Widmung. Der deutsche Kaiser sandte eine Glückwunschadresse, deren Schluß lautet: Mögen Sie in Gesundheit und Frische Ihrem kaiserlichen Her«, meinem hohen Verbündeten, in verantwortungsvoller Stellung zum Wohle des Vaterlandes noch lange erhalten bleiben. Der Thronfolger sandte ebenfalls eine Glückwunschdepeschc. Der Kaiser, Kriegsminister Kro- batin, Landesverteidigungsminister Freiherr v. Georgi, Freiherr Harzay sowie andere Persönlichkeiten gratulierten persönlich.
Ein Duell des ungarischen Ministerviäsiden- t e n. Ter Ministerpräsident T i s z a forderte den Abgeordneten Stefan R a k o v S f ti infolge des lebhaften Wortwechsels in dem Ausschuß der Delegation. Die Zeugen Tiszas sind Fürst Geza Odescalchi und Gras Julius Czekoniez, während Rakovsky Prinz Ludwig Windischgrätz und Marigras Georg Pallavieim benannte.
Das belgische Schulgesetz. Ter belgische Senat hat am Donnerstag das Schulgesetz mit 68 Stimmen angenommen. Die Liberalen und die Sozialisten verlasen vorher Protestkundgebungen und verließen vor der Abstimmung den Saal.
SystematischeVerleitungzur Fahnen fluchtim türkischen Heer? Aus K o u st a u t i n o p e I wird den Pariser Blättern gemeldet, daß dort in der letzten Zelt ungewöhnlich viele Fälle von Desertionen vorgekommen seien. Die aus Veranlassung der Militärbehörden von der Polizei eingestellte Untersuchung hätte ergeben, daß dort eine von einem fremden Staat unterstützte Agentur bestehe, di: Soldaten zur Fahnenflucht verleite. Jeder Deserteur habe ein Handgeld von 3.70 Franks erhalten. Mehrere in die Angelegenheit verwickelte Soldaten seien verhastet worden. Die Verhaftung des Hauptbeschuldigten, eines Zivilisten, stehe bevor.
An» Stadt «nd
Gießen, 15. Mai 1914.
Ter steigende Fleischverbrauch bei angemessenen Ladenpreisen.
Wir haben vor einigen Tagen aus Grund einer Schlachthans- statistik nachgewiesen, wie bedeutend die Schlachtungen in allen Biehsorten innerhalb der letzten 14 Jahre znrllckgegangen sind. Die amtlichen Zahlen in dieser Zeit beiueisen aber auch, wie der Konsum an Fleisch in die Höhe schnellt in Jahren, wo Fleisch durch unsere Metzger zu erschwinglichen Preisen der Bevölkerung angeboten wird. Um dies zu beweisen, haben wir das amtliche Ergebnis in 3 Gruppen zusammengefaßt und wollen daraus die jährlichen Durchsehnittsschlachtungen in diesen Zeiträumen in Großvieh mitteilcn.
Es wurden demnach für den Bcdars der Stadt Gießen jährlich geschlachtet:
bei 25 500 20000 31 100 Einwohnern
1900—1004 1005-1009 1910—1914 Ochsen 1290 1070 1130 Stück,
Ri nder 1280 _1750_
zus. 257U 2820 2410 Stück,
Kühe 285 458 686 Stück,
Bullen 130 178 168
,»s. 2985 3480 3164 Stück.
Betrachtet man diese Durchschnittsschlack,tnngen in den drei Zeitabschnitten, so sieht man, wie die Qualitätsware Ochsen und Rinder in den Jahren 1905—1909 gegenüber dem Verbrauch in den Jahren vorher in die Höhe geschnellt war, wie aber der ver
brauch an Ochsen während dieser Jahre ui» 200 Stück im Jahr zurüelgegangen ist. Die Ursache des ÜtückgangS der Ochsenschlach- tungen ist allein darin begründet, daß damals der Unterschied der Preise zwischen den fetten Ochsen und den fetten Rindern erheblich >var, weil Ochsen im Preise anzogen, während die Rinder in den 5 Jahr« verhälwismäßig recht preiswert zu haben waren und im Jahre 1909 sogar ein« Tiefstand erreichten. Die Rindsmetzger in unserer Stadt folgten damals den sinkenden Preisnarmierung«, wenn auch zögernd, mit angemessenen Fleisch- prrisen mid erreicht« damit einen gewalttgen Vorsprung vor den Ochsenmetzge«: dmn sie erzielten Umsätze in den Jahren 1905 bis 1909, die den knavv« Nutz«, den sie bei billigen Preisen halten, reichlich ansglich«. Um diese Tatsache zu beweis«, führen wir die Rinderschlachtung« für dies« Zeitraum im einzelnen an: 1905 1906 1907 1908 1909
Stück: 1193 1654 1758 1808 2041
Nach diesen fett« Jahr« kamen auch für die Rindermatzger und auch für die Konsumenten von Fleisch in unserer Stadt magere Jahre, die Rindslerschmeise ging« von Jahr zu Jahr in die Höhe und näherten sich dm stets hoch gebliebenen Ochslen- sikischpreisen. Der Bedarf in Rinde« ging daher im Jahre 1910 aus 1159 Stück, die geschlachtet ward«, zurück und sant von Jahr zu Jahr mehr, bis wir 1913 die niedrigste Zahl innerhalb der zurückliegend« 14 Jahre unt 1159 geschlachteten Rindern erreicht«. 1
Beweis dafür, daß erschwingliche Fleischpreise den Bedarf an Fleischnahrung in die Höhe schnell« lass«, sind die in der Statistik angegeb«« Kälberschlachtnng« für Gießen. Während in den Jahren von 1909—1907 jährlich im Durchschnitt rund 6500 Kälber verzehrt wurden, vermehrte sich deren Verbrauch infolge sehr billiger Kälberpreise und einem dementsvrecheirden Abschlag der Ladenpreise für Kalbfleisch 1908 aus 7515, in 1909 ans 8i66 Stück, hm dann wieder mit dem An zieh« der Kalb» fleischpreise abzunetzm« und im abgelansenen Jahr den tiefst« Stand zu erreich«.
i Wenn man die Zahlen der Vichschlachtnng« irr der uns vorliegenden Tabelle für Gießen sür die einzelnen Jahre betrachtet, so kann man >vvhl sagen, »aß in den Jahren 1908—1910 der Verbrauch von Fleischnahrung mi: der Bevöikerungsvermehrnng, durch Zunahme der Schlachtungen an Großvieh und Kälbern int Wachsen begriff« ivar, daß dann aber die Schlachtung« im städtischen Schlaehthof rasch abnahmen, woran allein die beträchtliche Erhöhung der Fleischpreise die Schuld trägt. Es ist Tatsache, daß unser gesamtes Metzgergewerbe über schlechten Absatz zu klagen hat. Unsere Meister ersehen aus den vorstehenden Darlegungen, daß es nur an ihn« allein liegt, wmn der Verbrauch des wichtigsten Lebmsmitteis, wie das Fleisch es nun einmal ist, in unserer Stadt zu wünschen übrig läßt. Es ist eine nicht,wegzuleugnende Tatsache, daß die Ladenvreisc sür alle Fleischsorten und Fleischwaren, ivelche unsere städtische Bevölkerung heute bezahlen muß, dem lies« Stand der augmblicklichen Fettviehpreise nick» entspricht. Ein Teil unserer Bevölkerung Hilst sich, indem es Fleisch zu billiger« Preis« von außerhalb bezieht. Die Gastwirte murr« und überlegen, ob sie nicht zur Selbst- ln'se schreiten sollen, sie woll« in der nächst« Gastwirteversamm- lnng die Angelegenheit zur Svrache bring«. Es wäre an der Zeit, daß sich im heimischen Metzgergeiverbe Männer finden, die das rechte Wort spreel,« und und «blich unter ihren Kolleg« dasür eintret«, daß die Ladenvrcise sür Fleisch, Wurst usw. den billigen Diehpreism «tsvrechcnd auch geringer tverden. Sonst steht zu befürchten, daß von gewisser Seite die Selbsthilse organisiert wird, deren Schattenseite die Bäckermeister schon erfahren! Hab«.
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* Ernennungen. Der Großherzog hat dem Kreisarzt dcs Krcisgesundheitsamts Schotten Dr. Philipp Best den Charakter als Medizinalrat erteilt.
** Offene Lehrer stellen Erledigt sind: Eine evang. Lehrerstelle zu Guntersblum, Kr. Oppenheim; eine evang. Lehrcrstelle zu Schornsheim, Kr. Oppenheim: eine evang. Lehrerstelle zu Rodheim v. d. So., Kr. Friedberg; eine evang. Lehrerstelle zu Wieseck. Kr.Gießen. Der Inhaber wird vorzugsweise zur Erteilung des Turnunterrichts verwendet iverden.
" Prinz Heinrich von Preußen, der Schwager unseres GroßherzogS, fiihr gestern mittag um 3 1 /, Uhr, im Automobil aus der Richtung Kassel koinniend, durch Gießen. Der Prinz, der sehr langsani durch den SclterSweg fuhr, blieb unerkannt. Von Gießen ging die Fahrt dann weiter nach Frankfurt und von da nach Darmstadt. Der Prinz hat im Nesidenzschlosse auf einige Tage Wohnung genommen, um bei dem Start bcS Prinz Heinrich-Fluges am Sonntag zugegen zu sein.
•' Gewerbe« uS st ellnng Gießen 1914. Um vielen Anfragen zu begegnen, machen wir daraus ausuierksam, daß zu Ausstellcrkarten, Angestelltenkarten und Studentenkarten keine Beikarten auSgegebcn werden. Dauerkarten berechtigen die Aussteller zum Betreten der l!l»Sstellung auch vor der täglichen Eröffnung. Slusstellerkarten gelten auch sür die Veranstaltungen am Abend. Aussteller, die Bci- karten wünschen, müssen sich Dauerkarten lösen und dazu die nötigen Beilnrten. Der für die Ausstellerkarte in solche», Falle gezahlte Betrag wird zurückvergütet.
** Rpte-Kre uz-Sammlung. Weitere Ergebnisse des Rote-Kreuz-Tages werden uns. ans Lich und Darmstadt gemeldet. In Licl> enthielteii 21 Sammelbüchsen zusammen 4-11.20 Mk. Beim Volksfeste hatten die Brauereien Jhring und Heller das» Bier gestiftet, dessen Verkauf 57.36 Mk. ergab. In Darinstaüt betrugl ba§ Gesamtergebnis nach Mzug der Unkosten 15 000 Mk.
** Rhein-Main-Ga st wirte verband. Der 31. Verbands tag des Rhein-Mchn-Gastlvirtcverbands findet am 18. und 19. Mai in Büdingen statt.
** Zwei Kinder in Wetzlar von einem Auto st e r k e tz t. Am Donnerstag, nachmittags '/ 2 b Uhr, kam das Automobil eines Gießener Herrn von Braunfels her nach W^lar. An der Ecke des Schützcngartens kamen dem Automobil zwei Schüler cms Wetzlar, der 9jährige Weller und Her 11jährige Jon eck, entgegen. Sie vermochten nicht mehr anLzuweichen. Auch der Lenker des Wagens versuchte vergeblich auszulbiegen und geriet auf den Fußsteig. Der Schiiler Weller wurde durch den Anprall vom Rade geschleudert und erlitt einen Oberschenkelbruch. Man brachte den Verletzten in die Gießener Klinik. Dem Schüler Jo- neck wurde durch den Anprall eine Flcischwunde am Beine zugefiigt.
»»DieneucnFeucrmclder. Wir berichteten schon vor einiger Zeit von allerlei Unfug, der an den neu ausgestellten und noch nicht einmal in Betrieb genommenen Feuermeldern getrieben worden war. Wie sehr das Neue immer noch reizt, lehrte ein unerguicklicher Vorfall, der sich dieser Tage zutrug. Ein angetrunkener Student hatte einen Feucrmelderzer stört und war erkannt worden. Freiwillig zahlte er100MarkindieArmenkasse,umsich eine AMeige zu ersparen. Man drückte daraufhin ein Auge zu, da höchstwahrscheinlich die Strafe sonst noch höher aus-, gefallen wäre, und unterließ es, Anzeige zu erstatten,
** Konsumverein Gießen und lim gegen d. Wie aus dem Inserat in h«tlger Nummer ersichtlich ist, veranstaltet der Konkumverein nächsten Sonntag eine Besichtigung seiner neuerrichteten Mineralwasser- und Limonadeniabrik sowie der Bäckerei und der übrig« Räirmlichkettm in der Schanzenstraße 16.


