Nr. 112
164. Jahrgang
Erlcheinl tiglich mit A»?nahm« de? Sonntags.
Die „Oetzener Za«iU«ndIätter" werden dem
.Anzeiger^ viermal wöchentlich beigelegt, dar „llreirdlatt siir den Kreis «ietzen" zweimal wöchentlich. Die „landwirtichafllichen -eit-
tragen" erscheinen monatlich zweiinal.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberheffen
Donnerstag, 14. Mai 1914
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e^§*51. Redaktion: 112. Tel.-AdruAnzeigerGießen.
Mb. Deutscher Reichstag.
256 . Sitzung, Mittwoch, 13 . Mai.
Am BundeSratStische: Dr. Solf.
Präsident Tr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Min. Bor Eintritt in die Tagesordnung erklärt
Abg. Dr. Liebknecht (Soz.):
Herr Erzberger hat gestern als Berichterstatter, ohne mich zu benachrichtigen, in meiner Abwesenheit erklärt, daß in Sachen der Firma Gocrz auf Grund einer Denunziation eines früheren Direktors von der Staatsanwaltschaft Ermittlungen angestellt, aber ein Einschreiten abgclehnt sei, und daß ich in meiner Rede nichts davon erwähnt hätte. Ich erwidere darauf, ich habe ausdrücklich erwähnt, daß sich die Staatsanwaltschaft bisher geweigert hat, einzuschreiten. Meine Angaben haben sich auch nicht auf eine Denunziation gestützt, sondern auf zeugeneidliche Aussagen.
Abg. Erzberaer (Zentr.):
Gegenüber Herrn Dr. Liebknecht habe ich nur festzustellen, das; dre Staatsanwaltschaft zweimal das Einschreiten abgelehnt hat, und zwar nachdem Zeugen eidlich vernommen waren. Ich habe also meinen früheren Ausführungen nichts hinzuzufügen.
Der Elal für Kamerun.
Die zweite Beratung des Kolonialetats wird bei dem Etat für Kamerun, insbesondere der Frage der D u a l a. E n t e i g . n u n g, fortgesetzt.
Slbg. Frhr. v. Rechenberg (Zentr.):
. Die Denkschrift bringt keine Klarheit über die Enteignung der Duala. Der Beschluß der Enteignung mußte Un- ruhe Hervorrufen. Die Denkschrift geht von der Ansicht aus. daß die Eingeborenen selbst die Seuchenherde der Malaria sind. Nun wechselt sa die Wissenschaft ihre Anschauungen — das soll kein Borwurf sein. Wenn das richtig ist. dann hat doch die Beseiti. gung der Wohnräume keinen Zweck. Oder soll den Eingeborenen auch verboten sein, Kinder zu bekommen? Tatsächlich aber hat man doch die Eingeborenen als Arbeiter weiter verwendet. Das Natürliche wäre gewesen, erst den Schiffahrtsweg auf dem Kame- runfluß herzustellen und dann zu Enteignen, nicht aber unigekehrt zu verfahren. Jedenfalls muß man den Leuten einen Zugang zum Fluß gewähren. Auch wird es der Wunsch des Reichstags sein, daß die Eingeborenen für ihr Eigentum voll entschädigt werden, nicht bloß nach einem Anschläge, sondern nach dem richtigen Werte. Selbst Steigerungen des Grundstückswertes müssen berücksichtigt werden. Es wäre unbillig, in der Beziehung von den Dualas eine Opferwilligkeit zu verlangen, die in Deutschland niemand zeigen würde. (Heiterkeit.) Schlechte Eigenschaften dürfen nicht zur Enteignung führen. Denn qualifizierte Frechheit ist bisher noch kein Enteignungsgrund. (Heiterkeit.) Der Agitation gegen die Duala. die sich infolge der Enteignung entwickelt hat. muß entgegengetreten werden. Der Nervosität mancher Europäer dort wäre eine Dampfung ganz gut. Aber wie manches andere ist es uns vollkommen egal, welches Honorar z. B. der Rechtsanwalt Dr. Halpert bekommt. (Sehr richtig!) Wir haben volles Vertrauen zu der Kolonialverwaltung, daß sie das Nichtige trifft. Nehmen Sie die Beschlüsse der Budgetkommission an mit der Maßgabe, daß uns im nächsten Jahre ein Plan vorgclegt wird, wie sich die Regierung die Durchführung ihrer Absichten denkt. (Beifall im Zentrum.)
Abg. Kcinath (Natl.):
Die wichtigste Förderung kann die Kolonie durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes erfahren. So erfreulich die Entwicklung Kameruns in letzter Zeit war, so trübe sind die Aussichten für die Zukunft. Das neuerworbene Neukamerun wird die alte Kolonie stark belasten. Wir dürfen deshalb von ihr ein Aufkommen für ihre Eisenbahnen und Eisenbahnanleihen mit ihrer Verzinsung nicht verlangen. Die Bekämpfung der Schlafkrankheit kann nur Erfolg Huben bei einer Verständigung mit den Nachbarkolonien. Die Enteignung der Duala kann nicht für sich allem, sondern muß im Zusammenhang mit der ganzen Entwicklung des Schutzgebietes betrachtet werden. Sie war eine Staatsnotwendigkcit. Soll Duala wirklich das Handelszentrum werden, dann sind gesunde Verhältnisse unbedingt notwendig. Um sie zu erreichen, müssen wir uns auf den gegenwärtigen Stand der medizinischen Wissenschaft stützen. Möglich, daß in Zukunft eine Sanierung mit geringeren Belästigungen der Bevölkerung durchfiihrbar ist. Heute geht es nicht, und deshalb müssen die Eingeborenen sich die erforderlichen Maßnahmen. besonders die Trennung von Schwarz und Weiß, gefallen lasicn. Das geht aber nicht ohne Enteignung. Wenn wir später das ganze Land brauchen, dann ist es besser schon heute die Enteignung gan^ durchzuführcn und nicht von Jahr zu Jahr gruppenweise zu enteignen. Würden denn die Sozialdemokraten auch opponieren, wenn die Bergregale enteignet würden? (Abg. Henke (Soz.): Unsinn I Präsident Dr. K a c m p s ruft den Abg. Henke zur Ordnung.) Die Enteignung ist nicht in harter Form durchgeführt worden. Den entcigncten Eingeborenen sollte man aber jedenfalls den unmittelbaren Zugang zum Fluß ermöglichen. Denn sie sollen in ihren wirtsck)aftlichen Verhältnissen nicht geschädigt werden. Deshalb fordern wir auch volle Entschädigung für die Eingeborenen. Ter heutige Wert der Grundstücke muß dabei zugrunde gelegt werden. Von der künftigen Wertsteigerung müssen die Eingeborenen entsprechenden Anteil erhalten. Unter diesen Kautelen können wir der Enteignung ruhig zustimmen. Abg. Dr. Braband (Vp.):
So sehr wir an den Beschlüßen der Budgetkommission fest- halten, so müssen wir doch oen Vorwurf, daß manche Unge- schicklichkeit vonderRegierung begangen worden ist, für gerechtfertigt halten. Die plumpen und geschmacklosen Be- leidigungen des „Vorwärts" weisen wir allerdings entschieden zurück. Wenn der geschmackvolle Schriftsteller des Blattes sagt, die Sache stinkt zum Himmel — nun. wir haben im Norden dafür das schöne Sprichwort: Wer'S zuerst gerochen, hat's verbrochen. (Heiterkeit.) Eine g e w i s s e W i l l k ü r liegt vor. Cie mit Rechtsgrundsätzcn zu umkleiden, ist nicht angängig, auch nicht Schwarzen gegenüber. Im Interesse der Ausgestaltung Dualas zu dem großen Kolonialhafen Kameruns ist oi« Sanierung und auch die v o r g e f e h e n e E n t e i g n u n g u o t w e n d i g De Entschädigung soll natürlich angemessen sein. Der Sozraldemy- kratie wird der Beweis nicht gelingen, daß die Agitation der Neger durch bezahlte Spitzel hervorgerufen worden fei. Eine Agitation, die die politische Ruhe gefährdet, ist nicht zu dulden. Gegen di« Schlafkrankheit brauchen wir mebr Aerzte in der Kolonie, vor allem aber erfahrene Leute. Endlich soll daS Bahnbauprogramm großzügig durchgeführt werden.
Abg. v. Böhlendorff-Kölpin (Kons.):
In Kamerun haben wir eine sehr wertvolle Kolonie. Wir dürfen nicht allzu bescheiden, sondern müssen zielbewußt Vorgehen. Erfreulicherweise stimmen in der schwierigen Frage der Sanierung und Enteignung von Duala alle bürgerlichen Parteien im großen unö ganzen überein. Die Sanierung war unbedingt nötig zur Ausgestaltung des wundervollen Hafens von Duala. Daö Widerstreben der Eingeborenen ist verständlich und soll ihnen nicht zu sehr verdacht iverden, ebenso wenig, daß sie eine möglichst hohe Entschädigung wünschen. Aber die Autorität der Regierung muß unter allen Umständen feststehen. Das ist für uns suprema lex. Die Eisenbahnbauten müssen mit größter Anspannung gefördert werden
Abg. Dr. Arendt (Rp.):
Ich beklage es, daß Dr. Semler durch schwere Krankheit verhindert ist, an diesen Debatten teil^unchmcn. Hoffentlich findet er bald wieder volle Gesundheit. (Beifall.) Die Haltung der Sozialdemokratie setzt mich tn Staunen. Die Enteignung der Duala ist doch nur dre Anwendung sozialdemokrati- scher Wünsche aus Afrika. (Sehr richtig! rechts.) Ich fürchte, Herr Wels wird mit seiner Ansicht über die Enteignung Schwierigkeiten auf dem sozialdemokratischen Parteitag finden. (Heiterkeit.) Für die jetzige Enteignung liegt als Grund die Sanierung vor und das ist eine Lebensfrage für die Kolonie. In Duala geschieht nur dasselbe, was die Engländer und Holländer wiederholt gemacht haben. Verkennen Sie doch nicht, als wie segensreich sich die deutsche Herrschaft für Kamerun -rmiec-» hat.
Die namentliche Abstimmung über das Militärtabinett
Auf Vorschlag des Vizepräsidenten Dr. Paaschc wird jetzt zunächst die auf 5 Uhr angcsetzte namentliche Abstimmung über den Neubau des Militärkabinetts (Viktoriastr. 34) vorgenommcn. Die Forderung wird mit 268 gegen 75 Stimmen, bei 1 Enthaltung, abgelehnt. Dafür stiminten nur die Parteien der Rechten und einige Nationallibcrale. Das Ergebnis der Llbstimmung wurde von der Mehrheit mit einigen Beifallsrufen ausgenommen.
Dann geht die Etatsbcratung für Kamerun weiter.
Staatssekretär des Reichskolonialaints Dr. Sols:
Zu den Beschwerden des sozialdemokratischen Redners über die Deutsch-Westafrikanische Handelsgesellschaft in Kamerun möchte ich bemerken, daß die Kolonialverwaltung in der Denkschrift über Kamerun das Vorhandensein von Beschwerden schon zugegeben hat. Wir haben dem Gouverneur zugesagt, daß wir auf Grund des Enteignungsvcrfahrens so rigoros wie möglich gegen die Gesellschaft Vorgehen iverden, und ich habe angeordnet, daß ein Spezialkommissar hinausgesandt wird. Ich hoffe, im nächsten Jahre erfreulichere Mitteilungen machen zu können. Ueber die Expedition im Süden unseres Gebietes, bei der der Feldwebel Siemens gefallen ist, haben wir im letzten Jahresbericht keine Mitteilungen machen können, da die Expedition erst April 1913 stattgefunden hat. Ich möchte aber bei dieser Gelegenheit den Tod des genannten Feldwebels, der als erster und einziger Deutscher in Neukamerun gefallen ist, ehrenvoll erwähnen. Friede seiner Asche! Da die Expedition nach Neukamerun jetzt zurückgekehrt ist, bin ich in der Lage, über den Wert der Neuerwerbungen genauere Mitteilungen zu machen. Die Ländereien im Süden sind mindestens ebensogut, wie die angrenzenden Ländereien.
Besonders wertvoll ist dieser Teil dadurch, däß wir dort einen ständigen Hafen in der Munibucht mitten im Lande er- ioorben haben. Das weiter nördlich gelegene Gebiet ist teilweise besser als die gleichartigen Ländereien Altkameruns. Besonders wichtig ist es, daß wir dort ein sehr volkreiches Land erworben haben, das allerdings durch die Schlafkrankheit schwer bedrückt ist. Der Sangagipfcl bietet durch die vielen Kanäle und Flüsse im Sangadelta reiche Möglichkeit für den Verkehr. Allerdings halten es viele für ein hoffnungsloses Ueberschwemmungs- gebiet. Demgegenüber möchte ich auf die Erfahrungen der Engländer in dem benachbarten Nigeria Hinweisen. Anfangs der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts, als die Engländer dort festen Fuß faßten, haben in diesem Sumpfland 88 Engländer binnen kurzer Zeit ihr Leben verloren. Damals durfte man in England von diesem Sumpfland nicht sprechen. Die Engländer ließen aber nicht locker und heute ist Nigeria die blühendste Kolonie der Engländer. Wir wollen denselben wie die Engländer zeigen und für Sanga erhoffen, was die Engländer in Nigeria erreicht haben. (Beifall rechts.)
Allerdings muß zugegeben werden, daß die dort herrschende Schlafkrankheit eine schwer zu bekämpfende Seuche ist. Es wäre falsch, das zu beschönigen. (Sehr richtig! links.) Wenn wir aber eine Kolonie erwerben, so tun wir cs nicht, um schon morgen Nutzen daraus zu ziehen. Wir wollen nicht ernten, ohne gesät zu haben. Wir müssen in erster Linie nicht an uns, sondern an unsere Kinder und Enkel denken. (Zuruf bei den Soz.: Und an die Neger?) An die denken wir jetzt schon. Unsere Enkel würden uns großer Unterlassungssünden zeihen, wenn wir still zusehen würden, wie die Seuche wütet. Alle Seuchen haben das gemeinschaftlich, daß sie entstehen, anschwellen, einen Höhepunkt erreichen und dann wieder verschwinden oder wenigstens ihre Bösartigkeit verlieren. So würden wir auch, selbst wenn wir gar keine Mittel gegen die Schlafkrankheit hätten, diese Länder nicht aufzugeben brauchen. Aber heute im 20. Jahrhundert braucht man solchen Pessimismus nicht zu hegen. ^ Das, wäre eine Blindheit gegen dieErfolgeder Medizin und der deutschen Aerzte, die das meiste zur Erforschung und Kenntnis der Seuchen geleistet haben. (Sehr richtig!) Wir haben schon mit den bisherigen Mitteln viel erreicht. In Ostafrika hat sich mancher Arzt infiziert, aber trotzdem ist keiner an dieser Krankheit gestorben.
Wir haben im Atoxhl, Salvarsan u. a. glänzend bewährte Mittel und vertrauen darauf, daß sich noch andere Mittel finden werden. In einzelnen Teilen Ostafrikas haben wir die Seuche bereits bekämpft, daß von einer großen Gefahr nicht die Rede sein kann. Schwieriger sind die Verhältnisse am Tanganjika, aber auch dort ich der Seuchenherd eingeschränkt. In Togo ist die Schlafkrankheit nie sehr schlimm gewesen, wenn sie auch ziemlich häufig auftrat. Wenn die Decker überall bearbeitet werden, sterben die Erreger der Schlafkrankheit aus. Schlimmer liegen die Verhältnisse in Kamerun, wo nicht nur die Neuerwerbungen, sondern auch Altkamerun Schwierigkeiten bereitet. Speziell die MakkaS, ein sehr kriegerischer Volksstamm, der erst vor wenigen Jahren unter unsere Botmäßigkeit ^gekommen ist,
* habiw in ihrem Land^ eriöbreckliche Herde von Schlafkrankheit.
i Wir müssen diese Leute vor allem sanieren und verhindern, daß I die Seuche an die Küste kommt. Auch in Ncukamcrun werden i wir Herr der Seuche werden, wenn cs auch sehr viel Arbeit kosten wird. Die Engländer haben in ganz verseuchten Gebieten durch Abholzungcn, Verbrennung einzelner Dörfer und Zusammenziehung der Eingeborenen in neuen Dörfern, schon sehr viel erreicht, und das wird uns auch gelingen. Daneben haben wir Nl»ch m der Einführung europäischer Kultur ein ideales Mittel, um die unglücklichen Eingeborenen zur Gesundung zu bringen. Ich glaube in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich von Jahr zu Jahr mehr Mittel von Ihnen zu diesem Zwecke anfordcrc.
Ich komme zum Hauptthema, der DualaEnteignung. Ich war im vorigen Jahre in Kamerun und habe mir Land und Volk der Duala angesehen. Tie Häuptlinge kamen sofort mit einer sehr schwungvollen Petition und wollten eine Audienz haben. Ich habe sie abgelehnt, aber gesagt, mit dem gesamten Volk der Duala wollte ich gern verhandeln, denn ich hatte das Gefühl und habe noch jetzt die Ueberzeugung, daß cs in der Hauptsache die Häuptlinge sind, die der Ersteigung mit so großer Resistenz gegenüberstehen. Ich habe dann die Duala empfangen. Ihr Wortführer lvar Manga Bell, der einen glatten polierten Eindruck machte. Ich habe aber mehr Duala-Lcute kennen gelernt und lasse mich durch äußere Politur bei diesen Leuten nickst bestechen. (Zuruf von den Soz.: Auch nicht bei anderen?)! Auch nicht bei anderen! (Heiterkeit.) Manga Bell hielt eine geradezu glänzende Rede. (Heiterkeit.) Er könnte sich sofort an dies Katheder stellen und würde ihnen gewiß durch seine rethvcischen Leistungen imponieren. (Große Heiterkeit.), Aber auch die Rethorik der Eingeborenen ist nur äußerlich. Manga Bell sagte: „Du hast zu sagen; wir werden gehorchen. Ent- scheidet, du kannst dich auf uns verlassen, wir werden gehorchen und ich iuerde dafür sorgen, daß mein Volk ebenfalls gehorcht;" Als er das gesagt hatte, schöpfte ich trotz der Politur einige Hoffnung, daß nun die schwierige Angelegenheit der Duala aus der Welt kommen werde.
Ich sah mir die Ländereien an, tvo sic wohnen, und die ihnen gegeben werden sollen. Wir ritten in größerer Gesellschaft, begleitet von dem Bezirksamtmann Roon, einem Manne, dessen ich mit Dankbarkeit gedenken möchte, weil er fest auf seinem Posten beharrtc, und haben uns alles angesehen, auch das sogenannte Ueberschwcmmungsgebiet. Dr. Halpert bat nun gemeint, man habe mir Potemkinsche Dörfer gezeigt. Das hat man nicht getan. Ich bin 12 Jahre Gouverneur in einer Kolonie gewesen, und weiß, was ich zu sehen habe. Ich habe alles mit eigenen Augen gesehen. Wenn Sie auch der Denkschrift nicht trauen, so bitte ich Sie, vertrauen Sie mir, der viel in Kolonien war und ihre Völker kennt. Ich werde Ihnen die Wahrheit ungeschminkt sagen. Ich habe gefunden, daß die Neuländer, die wir draußen für die Eingeborenen fertigstellen und bald sertiggestellt haben werden, den Vergleich mit den bisherigen Ländereien durchaus aushalten. Die Anordnung der Stadt und der Dörfer ist sogar besser. Große, reinlich angelegte Straßen entstehen mit guten sanitären Ein. richtungen, Kanalisation usw.
Nun ist behauptet worden, daß die großen Entfernungen von der alten Heimat das Wirtschaftsleben der Duala vollkommen ummodeln würden. Ja, wenn die Duala arme Fischer wären, dann könnte dieses Bedenken wohl zutreffen, aber es sind Leute, die gute Geschäfte machen und nicht ettoa arme, bemitleidenswerte Neger. Ob sie einen Kilometer weiter oder näher ihre Dörfer haben, das spielt bei den Entfernungen im Lande überhaupt keine Nolle. Ein Umschwung der wirtschaftlichen Verhältnisse wird nicht e i n t r e t e n. Nun wurde gesagt, die ungünstige Stimmung der Budgetkommission sei teilweise dadurch zustande gekommen, daß der Gouverneur Ebermeier in der Kommission den Eindruck hinterließ, als ob er seine Hände in Unschuld waschen wollte, als ob er so tat, als gehe ihm die Sache gar nichts an. Dieser Vorwurf tut mir sehr weh; ich kann Ihnen die feste Versicherung geben, daß dieser Eindruck von Herrn Ebermeier nicht beabsichtigt war. Er wollte nur zum Ausdruck bringen, daß er über die Einzelheiten nicht so unterrichtet war, um der Kommission in allen Punkten Aufklärung zu aebeu. Ich muß gestehen: Ich hatte mich auf die Kommissionsverhandlungen sorgfältig vorbereitet, aber aus die mir ganz unbekannten Angriffe Dr. Halperts hätte ich doch nicht antworten können. Diese Angriffe waren vom advokatorischen Standpunkte aus sehr geschickt abgefaßt, und infolgedessen, meine ich, hat die Kommission beim ersten Lesen der Petition doch etwas ab rato gehandelt.
Ich bin getäuscht worden, die Duala haben gesagt, sie wollten gehorchen, und sie haben nicht gehorcht. Wenn jemand wie ich, der die Eingeborenen so genau kennt, sich täuschen läßt, um wieviel leichter jemand, der nicht viel mit ihnen zu tun hat. Die Anschuldigungen gegen die Regierung finden ihre Widerlegung in der dickleibigen Denkschrift. In den weiteren Expectorationen von Dr. Halpert habe ich neue Argumente nicht gefunden. Er hat sich in ihnen doch als ein mittelmäßiger Diskutier, k ü n st l e r erwiesen bei den Verdächtigungen, die uns entgegengeschleudert werden. Da ist er handgreiflich geworden. (Zurufe der Soz.) Geistig, meine ich natürlich — verhauen hat er mich nicht. (Große Heiterkeit.) Er hat gesagt, das Telegramm beruhe auf Küstenklatsch, es sollte die Kommission täuschen, um den Duala ihr Recht abzuschneiden. Hätte ich so gehandelt, so wäre das eine Gemeinheit, und gegen eine solche brauche ich mich nicht zu verteidigen; ich glaube, es traut sie mir niemand hier zu. Ein Passus in der Denkschrift tut mir leid, weil er den Anschein erweckte, als ob wir Herrn Dr. Halpert sein Honorar vorwarfen. Das war nicht meine Absicht. Für mich galt nur der ter. minus ex quo nicht ex quem. Ich wollte zeigen, wie schnell die armen bemitleideten Neger in der Lage waren, sich 8000 Mk. zu beschaffen. Darin, daß sich Dr. Halpert ein Honorar bezahlen läßt, würde ich nie etwas finden. Ich wollte nur zeigen, wie reiche Mittel die Neger haben.
Von der Verhaftung des Duala in Hamburg habe ich erst in der Budgetkommission erfahren. Keiner der Herren des Reichs- kolonralamts hatte telephonisch mit der Polizeibehörde in Hamburg gesprochen, wir erfuhren tatsächlich die Verhaftung erst nachträglich. Ich habe die Verhaftung nicht veranlaßt. Auch haben wir dem Manga Bell in Hamburg den Verkehr nicht erschwert, seine Briefe und Telegramme nicht zurückgel-alten. Tie Postbe. Hörde weiß nichts davon, meine auch nicht. Auch die weitere Angabe ist nicht korrekt, daß die letzte Post von hier, die für Schwarze bestimmt war, nicht abgeliefert worden sei. Mein Ressort ist dafür nicht verantwortlich, vom Staatssekretär des Reichspostamts habe ich negative Antwort erhalten. Er hat aber telegraphiert und wir werden bald Gelegenheit haben zu antworten. Der Abg. Wels sagte, die Eingeborenen gingen ins Ausland, ohne die Enteignung a^uwarten. Ich weiß rächt, ob sein Gewährsmann die Ausgewanderten gezählt hat. Wir haben die zählen lassen, die zurückge- blieben sind, und haben gefunden, daß die Zahl der st euer-


