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Latrllik in Donnsladt beauftragt. Sie versendet soeben die Er-

hrbungssorniulare an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.

^Dcr Landesverband der Bürgermei st er im Gr atz Herzog, um Hessen hält Montag, den 25. Mai. vor- nrittags 11 Uhr, imKaisersaal" zu Darmstadt, seine Hnuolver- ^mmmlung ab. Die Tagesordnung lautet: 1. Tätigkeitsbericht des Vorsitzenden; 2. Rechnungsablaqe: 3. Festsetzung des Otts der nächsten Haupiversanonlung; 4. Borstandsw.rhl: 5. Anträge; 6. Be» such der Kunstausstellung.

** Der Feuerversicherungsverband hessischer Dehrcr, geleitet von Lehrer Gg. Dein in Neu-Isenburg als Direktor, h»ilt seine diesjährige Hauptversammlung am 20. Juni in Os,enbach ab.

Gewerbeaus st ellung Gießen 1914. Mit der Gewerbeausstellung Gießen 1914 ist auch eine Lotterie verbunden, die für das Großherzogtuin Hessen, die Provinz Hessen-Nassau und den Kreis Wetzlar genehmigt worden ist. Es werden insgesamt 60000 Lose zu einer Mark aus- gegeben, denen Gewinne in Ziner höhe von 30000 Mk. gegenüberstehen. Neben zwei .Hauptgewinnen von 10 000 Mk. und 4000 Mk. werden ausgelost 2 Gewinne von jrlOOO Mk., 4 Gewinne von je 500 Mk., 8 Gewinne von je 200 Mk., 15 Gewinne von je 100 Mk., 35 Gewinne von je 20 Mk., 60 Gewinne von je 10 Mk. und 1520 Gewinne von je 5 Mk. Die Auslosung sindet am Schluß der Ausstellung statt.

Zw ei jugendliche Ausreißer im Alter von 7 und 4 Jahren trafen am vergangenen Sainstag, mit dem Personenzug 306 nachm, von Niederwalgern koinmend, in Gießen ein, mit der Absicht, zu ihrem Onkel, welcher in Mainz wohne, ,ivo der Rhein fließe*, z» reisen. Sic batten nur so viel Geld, uni sich eine Karte nach Gießen läsen zu können, und mußten deshalb hier anSncsetzt^werdcn. Die jungen Bürschchen wollen das Geld zur 9!ei[e durch Aus- stellen von Kegeln verdient haben. Sie sind auSj Endbach gebürtig und gaben an. den Weg bis Niederwalgern zu Fuß m 4 Stunden zurückgelcgt zu haben. Anscheinend haben die Kinder er vermieden, aus Bahnhof Endbach einzusteigcn, da sie dort erkannt und zurüekgehalten worden wären. Der ältere gab an, das Elternhaus ohne Wissen der Angehörigen verlaßen zu haben. Da die Kinder Hunger hatlcn, wurde in Eisenbahnerkreisen schnell das nötige Kleingc d aufgebracht, und sie wurden reichlich bewirtet. Auch das Geld für die Rückfahrt wurde gesammelt und die Bürschchen mit dem 5-Uhr- Zug nach Hause geschickt.

** Jephta-Aufführung des Konzertvereins. Das bevorstehende Konzert am Dienstag, den 19. Mai macht uns mit einem musikgeschichtlich höchst interessanten Werke bekannt. Es gilt Ö ä n d e l s säst verschollenem, gewaltigem Oratorium «Jephta". Georg Friedrich Händel lgeboren 1685, gestorben 1759) komponierte das Werk im Jahre 1751 im Alter von 65 Jahren. Es war sein letztes und zugleich vollendetstes Werk, in dem er völlig neue Bahnen einschlug und noch einmal die ganze Gewalt seines Ausbruchs zeigte uird seine über alles külnic Er- sindung. Mitten in der Arbeit erblindete er. Mehr als 160 Jahre ist das Meisterwerk in Deutschland in der Originalgestalt so gut wie unbekannt geblieben. Nun hat es der vekanute Händelforschcr, Dr. H. Stephani, durch eine glänzende, stilgetreue Bearbeitung zu neuem Leben erweckt und ausklingen lassen in dem großartigen nSiegeslied aus denr KrönunqSanthem, das Händel selbst auch in seiner Esther verwendet hat. Der ersten Aufführung in Leipzig sind weitere in einer Reihe anderer deutscher Städte gefolgt und die begeisterte Ausnahme allenthalben berechtigt zu der Annahme, daß das Werk bald Gemeingut aller Ch» Vereinigungen und mit der Zeü auch vielleickit das beliebteste aller Händelscher Oratorien werden düz>ste. Händel hat dem Chor umsangreichc und glänzende Ausgaben zugeiviesen. namentlich tn den gewaltigen Schlugehören der 4 Akte. Auch die Solostimmen sinb reichlich bedacht und unter den Arien begegnet man wahren Prachtstücken. Die schlichte und doch so ergreifende und eindrucksvolle Handlung ist bekannt. Aber während in der Bibel, imBuch der Richter", die Geschichte Jephtas ein grausam blutiges Ende sindet, da der Untergang der Tochter durchaus keiner sittlichen Notwcnbigkeit entspringt, führt sie Händel zu einem erlösenden Abschluß. Im übrigen bleibt der Gang der Handlung der nämliche wie in ber Bibel. Der israekitischc Heerführer Jephta fleht um plattes Beistand im Kampf gegen die Ammonite: und gelobt im Falle des Sieges das Erste zum Opfer zu weihen, das ihm bei seiner Rückkehr dakeim begegnet. Die einzige geliebte Tochter eilt dem heimkchrenden Sieger entgegen, vernimmt aus dem Munde des gramerfülltcn Vaters dessen unheilvolles Gelübde und bereitet sich gkfaßt zum Opsertod. In Händels Dar» chcllung bleibt uns das Entsetzliche erspart. Er hat dir milde christ­liche Äufsassung cingeführt, die sich an der Bereitwilligkeit zum 'Ooier genügen läßt. Ein Engel verkündet als Ratschluß Gottes, daß die Tochter Jeplstas zur ewigen jungfräulichen Pricsterin seines Tempels besttmmt sei. Mit dieser glücklichen und befreienden Lösung, die gleichzeitig an die Jphigeniensagc anllingt, beschließt Händel sein Werk.M n s i k a l i s ch stehtJephta" mit obenan. Seine Bllder sind nach Dein Urteil des Biographen F. Volbach, von überwältigender Kraft, die xnclodischen Linien von höchster Kühnheit und Fvrnivollendung, chic gesamte Ausführung von er­greifender Wahrheit des Ausdruckes."

** Marie Wittich, das Kind einer alten Gicßlmcr Fa­milie, hat jetzt nach einer glänzenden Bühnenlaufbahn die Dres­dener Hosoper, an der sic 25 Jahre wirkte, verlassen. Ihre Kon- eertreisen führten die Künstlerin auch wiederholt nach Gießen, wo sie ausgewachsen wart ihre vorzüglichen Leistungen werden in Gießen er Musikkreiscn noch in lebhafter Erinnerung stehen. Ueber das letzte Austreten Marie Wittichs schreibt eine Dresdener Zer- tung:Silbernes Jubiläum in ihrer Wirksamkeit an rmserer Hos­oper und Abschied feierte Marie Wütich an einem Abend und so war der Beifall, der sie umbraustc, und sie am Schluß inmitten einer erdrückenden Fülle von Blumen und Lorbcerkränzen immer amd immer wieder an die Rampe ries, zugleich Tank sür alles, was sie uns in so langer Zeit gewesen, >md rührender Scheidegrnß. Als I s o l dahm die bedeutende Künstlerin, die als neuernannlcs C b r en m i t g l ic d hosscntlich noch zu manchem Eiastspiel die Bühne betreten wird, Abschied von uns. Ws Isolde hat Marie Wittich hier »uv an vielen anderen Orten, auch aus den geweihten Brettern Baircnths, hundertmal die Herzen lzvher schlagen fassen, aber ich meine, schöner als gestern haben sich bei ihr kaum jemals Gesang und Spiel vereinigt. Sie scheidet als Siegerin im Lollbesitz ihrer künstlerischen Kraft und läßt uS eine Erinnerung zurück. die nicht leicht crlölckzcn wird. Was der zurücktretenden Jubilarin in erster Linie eigen ioar, war der große Stil. Ihr machtvolles Organ besaß alle Farben, von sanflcr Milde bis zu hellausloderndcr Leidenschaft, und ein Zug cdlcr Größe durchwehte fcbc ihrer Kunstlcistungen. Eine Opernsängerin im landläusigen Sinne^war sie Nienrals, denn die Ausübung ihrer Kunst galt ihr als ein pricsterlichcs Amt, dein sie sich mii um so größerer Hin­gabe widinete. sc mehr das Aenßcrliche, das Bittere des Theater­betriebs ihr offenbar wurde. Denn das ist ihr bei allen Ehren und Ln'olgen doch nicht erspart geblichen irnd sie empsand diese Dorsten unter dem Lorbeer ihrer ganzen Naturanlage nach wohl ost schmerzlicher als manche Sunstgcnossin. Ihre Donna Anna, ihr Fidelio. ihre Selica. Elisabeth, Elle und neben der Isolde vor allem ihre Brünbildc, zu denen sie nicht nur die jauchzende Pracht der Stimme, sondern mich die hoheitsftollc Erscheinung und Dar stellirng mitbraxMc, werden unvergeßlich sein, und sic selbst wird im dankbaren Gedenken vieler Tausende sortlebcn als eine Haupt Vertreterin einer glanzvollen, großen Zeit unserer Hosoper. War Frau Wittich schon nach dein ersten und zweiten Akt Gegenstand üwzlichcr Kundgebungen gewesen, so steigerten sich diese zu wahrei Begeisterung, als sie am Schluß zwischen Lorbeerbäumen. Kränzen und kostbaren Blumcnspenden erschien. Bohl 30 Dervvrrusen mußte sic Folge leisten und tiesbcivcgt nahm sic all diese Flut von Liebe und Verehrung entgegen."

** Das 30jährige Arbeitsjubiläum als Hand­werker in der Eisenbahnwerkstalt Gießen feierte gestern der Schmied Wilhelm Volk aus Klein-Linden

** Kleine Mitteilungen. Dem Landwirt Heinrich Adolph I. von Herchcnhain gingen, als er eine Fuhre Heu zur Verladung an den Bahnhof HartmannShain gebracht Hane, auj dem Heimwege, oberlxllb Harlmannshain, die Pferde durch. Adolph hak nur eineu unbedeutenden Schaden an der einen Hand erlitten. Am nächsten Mittwoch feiert der Rentier Abra ham Sundhcimer in Heppenheim a. B. seinen 100. G e - burtstag. Ter alte Herr, der aus Grosz-Rohrheim stammt, ist noch sehr rüstig: er macht täglich ausgedehnte Spaziergänge. Landkreis Gießen, n. Göbelnrod, 10. Mai. Gestern nachmittag geriet ein junger Mann, der bei dem Sägewerk aus der Mücke beschäftigt ist. mit der linken Hand in die Kreissäge. Hierbei wur­den ihm die drei Mittelfinger bis aus das zweite Glied volstän big abgcschnittcn. Tct sofort zur Stelle hinzuaezogcnc Arzt von Nieder Ohmen leistete dem Verletzten die erste Hilfe.

tt. II g s d o r s, 9. Mai. Bei Hem Pflügen eines Ackers stteß der Lankmnrl Gustav Schmidt aus einen Hirten Gegenstand, welcher sich bei näherer Untersuchung als ein nock, ziemlich gut erhaltener Degen aus der Bronzezeit dcraussteltte. Turch Vermitt lung des Lehrers Leidig gelangte die Wassc in die Hände des Direktors vom Grcßencr Museum, Dr. K r a m e r. Dieser stellte fest, daß der Togen eine ivcsentliche Bereicherung des Museums bedeute, er stamme wahrscheinlich aus der Zeit von 800 bis 500 Jahre v. Ehr. Geburt. Aus seine Veranlassung wurde noch weiter nachgcgraben und in einer Tiefe von 4050 Zenti­metern ein Grab sreigclcgt, ivelcheS rundum mit Steine» einge- saßt war, und außer einer 15 Zentimeter Bronzenadel eine Urne und einen noch mit erhaltenen Zab» enthielt. Die Nachsorsckningcn sollen noch wciicr ausgedehnt werden.

*fireis Büdingen.

X Wallernhausen, 8. Mai. Hier wurde Landwirt Karl Schlenning, dessen erste Wohl als B >1 rgerni ei!ler nicht bestätigt worden war, z»»i zweite» Male mit großer Mebrhesi zum OrtSoberhaupt gewähdt.

Kreis Lnut-rbnch.

Ii AngerSbach, 10, Mai. Der hier geborene Fabrik­arbeiter Karl Boß stürzte beim Ucbcrklctter» eines HosioreS in RüsielSheim so unglücklich, daß er nach kurzer Zeit starb. Boß wollte sich in dieser Woche verheiraten.

Kreis Schotten, n Schotten, 10. Mai. Die in sämtlichen Gemeinden deS Kreises ausgestellten Waisenbüchseu haben im Jahre 1913 einen Gesamtbetrag von 136,44 Mk. eingcbrocht.

ir Groß-Felda, 10. Mai. An Stelle des De. med. Skriba hat sich hier Or. insd. Karl Weigand als praktischer Arzt niedergclasien.

Kreis Friedlin g.

= Friedbcrg, 12. Mai. Ter Vorverkauf der Plätze znm Reitcrsest des Wettcrauer Reitervcreins am 24. Mai d. Js., bkion- dcrs der Tribünenlogen und numerierten Tribünenplätze, ist sch: gut. Ter Verein wird eine säst 90 Meier gedeckte lange Tribüne, die zukvinmcn mit dem Logenplatz zirka 1200 Personen ansnchmcrr kann, bauen lassen. Auch hat die Stadtverwaltung die Kurven ver­ändern und die Bahn dadurch vergrößern lassen. Zum Gelingen eines Rcitcricstes gehört vor allem eine gute Besetzung der ver­schiedenen Konkurrenzen. Die Anmeldungen lausen zurzeit eben­falls zahlreich ein. Ter Verein hat in letzter Zeit eine größere Anzahl neuer Mitglieder gewonnen und es wäre wünschenswert, wenn die Anmeldungen zu den Konkurrenzen raschestens criolglen, damit das Programm sertiggestcllt werden kann. Besonders er­wähnt sei, daß zum ersten Male auch der Franksurtcr Landwirt- schastlichc Verein einen sehr wettvollen Ehrenpreis zur Vcrsügung stellte.

Bad-Na »hei IN, 10. Mai. lieber der mächtig aus- blühenden Badcltadt Nauheim siebt in künstlerischer Hinsicht ein besonders günsllger Skern. Ragen schon die regelinähkqeu Lintoilie- konzerle der llnrkavelle lWindersteiii-Orchesier, Leipzig) über das in de» Bädern sonst miisikalisch aeeolene weit hinaus, so ermög­lichte» gerade !ür Nauheim günstige Umstände wiederholie Ber anstaltungc» im größerem Rahmen. Zu dielen gehören »euerdingS ivieder die Konzeite am 12. -l»ai und 7. Juni, in welch letzterem dieIX/ mit dem Darmstädter Musikvereni imicr Prof. Windcr- stetzi zur Ausjührung gelangt. DnS Festkonzert am Dienstag bringt uns sielir v. Weingartner als Dirigent »ndKo>npo»i>t. Lei» Violinkonzert wird Herr H a v e in a n n - Leipzig, ein in ver- häiinisniäßig kurzer Zeit in die vorderste Reihe der »Großen' ge­rückter Geiger, spiele», wäiirend sich die hiiiidertkvpsige Musikerschar ijziiikapestc - Bad-Nauheim nnd Hoikapelle - Darmsladt) in zivei x)rck>esictglaiiznm»mern, «Jreischütz'-Ouverlüre und «Eroika' prä- sx,uieien wird.

Universitäts-Nachrichten.

Der Konflikt an der Handelshochschule Ber­lin ist bcigclegt. Es ist zu einem Einvernehmen gekommen, wonach die Handelshochschule nur noch lebenslänglich angestelltc Dozenten im Hauptamic traben, bei Berufung das Tozenten- kollcgium in derselben Weise gehört werden wird, wie dies an den Universitäten üblich ist. Das Dozentenkollcgium richtete an die Studierenden eine Erklärung, in der sie Mlsgesordett werden, ab II. Mai die Vorlesungen wieder zu besuchen. Ferner wird darin mitgeteilt, daß Professor Jastrow ansdtticklich den Dozenten gegen­über crklätte. daß er unter keinen Umständen von neuem IN ein Vertragsverhältnis zur Handelshochschule treten wolle. Von anderer Seite wird gemeldet, daß Professor I a st r o w in einem Schreiben an den Rektor der Handelshochschule gebeten habe, die Studierenden so schnell wie möglich zur Wiederausiiahmc des Be­suchs der Vorlesungen zu ersuchen. Die Vorlesungen beginnen dem Vernehmen nach am Montag, da die Aeltesten der Kaus- mannschait und die Dozenten der Hochschule zu einem Einver­nehmen gelangt sind.

Lnstschisfahrt.

-f- Eschwege a. d. Werra, 10. Avril. Zwei baperlsche Fliegerossizierc Hauptmann Silier als Führernd Leutnaiit Wehle als Beobachter die gestern nach der Teilnahme an dem Militärgeschwaderflug von H a n n o v c r bis Darm stabt fliegen ioolltcn. mußten gegen 7 Uhr abends in der Nähe des benach­barten thüringischen Dorfes Großcngottern unter schwiettgcn Umständen eine Notlandung vornehmen. Infolge Heißlaufens einer Welle schlugen plötzlich Stichslamme» aus dem Motor, woraus die Flieger im Gleitfluge aus einer Hölze von 200 Metern niedcr- aingcn. Hierbei geriet das Flugzeug in Brand. Kurz vor dem Autstoßen auf den Erdboden sprangen die beiden Offiziere ab. Sie blieben beide unverletzt, während das Flugzeug ein Dop­peldecker voll-ständig verbrannte. Die Flieger fuhren mit der Eisenbahn »ach München. Heule nachmittag überflogen IN der Richtung von Norden nach Süden eine größere Anzahl Freiballons das W c r r a t a l.

Stettin, 9. Mai. Auf dem Kreckower Exerzierplatz stürz­ten heute mittag zwei Militärflieger ab, die sich aus einem Uebungsslug Schwerin-Posen besanden, und die hier eine Zwischenlandung vornehmen wollten. Der Absturz erfolgte ans einer Hölze von 200 Metern. Der Apparat wurde zertrümmert. Die Insassen. Leutnant Fa ber vom Jnianterie-Re-simeni Nr. 19, und Leutnant Kn r tz vom sächsischen Infanterie-Regiment Nr. 182, waren sofort tot.

Das Erdbeben auf Sizilien.

Aus der periodischen Wiederkehr und der Geographie der iühilalienischen Erdbeben muß sich doch manches ergeben, was sür den Wiederaufbau zerstörter Wohnstätten und sür die Vermeidung neuer Bcbcruruig von Wctt und Wichtigkeit ist, denn während nach

einer gewissenhaften Schätzung die Erdbeben in Kalabtten zwi­schen 1783 und 1857 rund 111000 Menschenleben (1500 jälzr- jich im Dnrchsck'nilti sordencn, verloren vor fünf Jahren aut Sizilien allein 120 000 Menschen ihr Leben. Daß oiesmal die Menschenopfer nicht so furchtbar groß geworden sind, liegt nicht etwa an einer anderen Ursache des Erdbebens, sondern nur daran, daß sich 1908 der Herd des Bebens gerade unter der großen, mcnschcnersüilten Stadt Messina befand, die Erdbewegung diesmal aber die vcrsttciit liegenden Dörfer in der näheren Umgebung des Aetna traf. Nicht richtig ist es, diesmal vo» einem nur vulka» nischeu Beben za spreckzcn. Weder beider Katastrophe von Messina noch bei dem jüngsten Unglück hat der Aetna Zeichen besonders verstärkter vulkanischer Tätigkeit gegeben. Die Erdbeben und die vulkanischttl Vorgänge scheinen überhaupt Ivcnig miteinander zu tun zu haben. Er gibt angesehene Natursottcher, die die Möglich- scit der Enlstelning größerer Erdbeben durch den Vulkanismus überhaupt bestreiten. Selbstverständlich trete» gewisse Erdcrschüttc- rungen auch im .Gefolge von vulkanischen Explosionen ein, aber sic bleibe» sehr örtlicher Natur ünd verbreiten sich nicht nach dev Art von Erdstößtti. Diese gehen von tieferen Schichten der Erd­kruste aus und sind entweder die Folge einer Schollenbewegung kGebirgsbildung oder aber die Folge einer viel tiefer liegenden Ursache, die mit der Gebirgsbildung nicht identisch ist. also z. B. die Folge von Kräitcn, die von außen her aus den Erdball ttn- wirken und an ganz besttmmten Stellen ungeheure Spannungen erzeugen. Man hat neuerdings die Liiftdttickverhällnisie in Ver­dacht. daß sie in den Erdbebengrbicten wirken wie der Funke im Pulversas. Andere Forscher wieder klagen die Anücbungskrait des Mondes und anderer Gestittie a». Der volle Wahrheitsbeweis sür die Auschauunge» ist noch nicht erbracht. Aber das nnia Erdbeben aus Sizilien könnte das eine Gute lzabcn, daß es die Erkeirntnisse der noch im Ans an g steckenden Erdbebcnkunde um einen Schritt weiter bttngt.

lieber das Erdbeben wird cms gemeldet:

A c i r e a l e, 9. Mai. Es bestätigt sich, daß das Dorf L> n era beinahe vollständig zerstört worden ist. Die Zahl der Opfer konnte noch nicht scstgesiellt werden. Sieben Verwundete wurden >m Hospital von Arireale nntergcbracht. Allem Anschein »ach wurde in den Dötteim Santa V e n e r i n a , Santa M a r i a d e g l r Anrmalati Guardia Santa Mavia Bergiite, Cosensi »nd Peviiiir nur Sachschaden angcrichtct. Der Präfekt von Eatania und andere Bertteter der Behörden haben sich mit Hilfsmcrnnschasten und Material zur Lilieleistung nach Linera bcgebcn. Die Eisenbahn­verbindung »von Acireale nach Guardia ist wegen Rissen im Tunnel nkltcrbrochen. ^

Catania, 9. Mai. Das gestrige Erdbeben in Sizilien war verhäiignisvoller, als die ersten Meldiingen erkennen ließen. Be­reits 3 0 Tote und >20 Verwundete sind geborgen. Von dem Dorfe Linera sind nur Trümmer übttg. Auch andere am Fuß- des Aetna liegende Ortschaften sind stark beschädigt. Man inelbct aus dem Dorsc Bongiardo in der Gemeinde vo» Zafferana Etnea, daß 10 Personen tot und 20 verletzt sind. Auch iu Pisano in der gleichen Gemeinde hat cs Tote nnd Verwundete gegeben. Die Eisenbahnverbindung von Acireale nach Guardia ist wegen Rissen im Tunnel unterbrochen.

Rom, 9. Mai. Die Bläticr veranstalten Sonderausgaben,! wonach der Ilmsang der Erdbebenkatastrophe bedeutend größer ist, als bislzer bekannt war. Die Zahl der Toten in der Provinz Eatania beträgt mehrere Hundert, die Zahl der Verwun­deten soll 1000 erreiche». Authentische Nachrichten geben sür Linera und Bongiardo 150 Tot- an. Die Dörfer Lima und Acireale sind zerstört. Tie Stadt Nttnale ist verschont werden . In Santa Bererina wurde schivercr Sachschaden angcrichtet. Die Zahl der Ovser ist genug. Telegraphen- und Telephonmasten sind kilometer­weit niedergelegt. Die Eisenbahnbrückc und der Tunnel von Gu­ardia drohen cinzu stürzen. Die Bevölkerung kampiert im Freien.

R o m . 9. Mgi. Wie derMessagero" berichttt. sind nach bei

dem dlrbcitsministcrium eingelaufenen Depcsckzen infolge des Erd­bebens etwa 100 Personen getötet und 120 verletzt worden. Ter telegraphische Dienst ist im Lause des Tages wieder hcrgestellt worden. Ter Eisenbahnverkehr zwischen Mangano und Acireale! wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Das Kriegsministcrinm^ hat Truppen und Lebensmittel soivie Zelle und Sanitätsmaterial abgeschickt, das Rote Kreuz bat ein Feldlazarett erttchttt. Der Ministerpräsident hat den Präsekten beauftragt, im Einvernehmen mit den Ortsbehördcn für die Unterbringung der Obdachlosen zu sorgen.

Vermischte».

* Spionage. ?lus Hamburg, 9. Mal/ wird gemeldet: Die Polizei hat heute eine Kontoristin verhallet. Diele wußte sich von einer hiesigen Werst den Teil plan eines Kriegsschiffes zu verschassen. verkaufte ihn ast ein französisches Naihrichtenburenu und versuchte außerdem eine andere Frau zu bestimmen, ihr weiteres Material zu dem gleichen Zwecke zu bcscharfeii. Die Ver­haftete wird nach Leipzig übergesührt werden, wo vor dem Reichs­gericht die Verhanizlung wegen Landesverrats im Laufe des Monats Mai stattsindcn wird.

* Feuer auf einem Motorboot. In der Mitte des Müggelsees geriet der B.'nzinbehälter des Privatmotorbootes Argo" gestern in Brand. In kur.zer Zeit stand das ganze Boot, das sechs Insassen an Bord hatte, in Brand. Auf die Hilsorufe der in Gefahr bcsiiidlichen Personen eilte ein in der Nähe bcsindliches Ruderboot herbei, dem cs auch gelanq, sämtlickw Insassen des bren­nenden Bootes zu retten. Das Schiss wurde vollständig vcrnichltt.

* 200 Familien obdachlos. Aus M o h i l e w , 10. Mai, wird gemeldet: In der Stadt Kopys am Dnjepr hat eine Feucrsbrunst 90 Häuser, 75 Läden und 4 Svnagogcn z e r - stört. 2M Familien sind in Mitleidenschast gezogen. Die Kirchen und größeren Steinhäuser sind verschont geblieben. ES liegt Brandstiftung vor. Ter Täter wurde ver hastet; er hat bereits ein Geständnis abgelegt.

Ainllickier Wcttcrk-richt.

Oesscntlichcr Wetterdienst, Gießen. Wtttcraussichten in Hessen am Dienstag, den >2. Blak lait: Boriviegend wolkig, einzcjne Regenschaner, kühler, nordwestliche Winde.

Letzte T7rrckrichten.

Der Jubiläumstag des Roten Kreuzes in Berlin.

Berlin, 11. Mai. Das Zcnlralkomitö des preußischen Landesverein vom Roten Kreuz erössnele gestern seine Jubiläumskreuzsammlung mit einem Blumcntag ans Bahn- höien und ireien Plätzen. In Restaurationen und aus der Elek­trische,I Straßenbahn herrschte den ganzen Tag über ein r.-gcr Verkehr. Trotz des wenig günstigen Wttters erzielten die Ver­käuferinnen recht erhebliche Einiiahmen. Das Abzeichen bestand aus drei künstlerischen Eichrichlättern und einem Wapvcnicknld- chen mit Ausschrist. Die Sanitätskolonne hatte sich am Nach­mittag zu einer Fricdensübung eingeninden, die mit einem F-1d- gottesdienst cingeleitet wurde. Auch in vielen größeren Pro­vinzstädten fanden Blumentage und Sammlungen statt.

Dlts Ergebnis der Wahlen in Frankreich.

Paris, II. Mai Nach dem Ergebnis der Wahlen wird die neue Devutiertenkammer »ngeiähr solgendc Zusam­mensetzung haben: 192 geeinigte Radikale und sozialistische Radi­kale, 101 gecigncle Sozialisten. 22 sozialistische Republikaner von der Richtung Augagneur, 31 Linksradikale, 35 Mitglieder der de­mokratischen Linken, 77 Mitglieder des Verbandes der Linken, 61 gemäßigte Republikaner, 36 Mitglieder der Katholischen Action lcherale, 27 Royalisten und Bonapartisten und 12 Wilde.

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