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Nr. 105

Der Sictzencr Anzeiger

erscheint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal wöchentlich »ietzenerIamiliendiätter;

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(Dienstag nnd Freitags; zweimal monatl. land- «irtschastliche Zeitsragen ilerttiprech » Anschlüsse: Kr die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse fiir Tepeichen: Anzeiger Kietze». Annahme von Anzeigen iür die Tagesnuninier bis vormittags S llhr.

Erster Blatt

164. Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der vrühl'schen Univ.Ruch- und Steindruckerei R. Lange.

Mittwoch, 6. Mai 1914

Ve;nqSpreiS:

monatlich75Vf., viertel­jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15Pf^ auswärts 20 Psenniq. Chefredakteur: A Goetz. Berairtwortlich für den polit. Teil: Aug. Goetz; für »Feuilleton", »Ver­mischtes" uudGcrichts- faal": Karl Neurath; für »Stadt und Land":

Redaktion, Lrpedition und Druckerei: Schulftrahe 7. Anze,g?n!( H? Beck!

Die heutige Nummer umfatzt 12 Seiten.

Die Verstaatlichung der Eisenbahnen in England.

Infolge ihrer Beschäftigung mit der Homerule-Bill, be­sonders der Ulsterfrage, und zuletzt auch mit der Erweiterung des Drewerbandes zu einem Dreibund hat die deutsche Presse bisher einer Frage wenig Aufmerksamkeit geschenkt, die seit der Jahreswende England beschäftigt und bei der es sich um nichts mehr und weniger handelt, als um die Verstaat­lichung des englischen Eisenbahnnetzes.

Der deutsche Leser, b&c seit Ende der 70cr Jahre des vergangenen Jahrhunderts an den Begriff der Staatsbahnen gewöhnt ist. wird sich hierbei vor allem erst klar machen müssen, daß die 37 500 Kilometer des englischen Eisenbahn­netzes einigen siebzig Gesellschaften gehören, und daß im Gegensatz zu Deutschland, wo der Betrieb tadellos sunktio- niert, dies bei dem Jnleressenwiderstreit der verschiedenen Gesellschaften in England nicht der Fall ist. Die englischen Eisenbahnen waren die ersten, die gebaut wurden; trotzdem hat cs ihr privater Charakter mit sich gebracht, daß sic an Organisation des Betriebes, Sicherheit usw. manches zu wün­schen übrig lassen, weil eben dcr Dividcndcnhungcr derAktio- närc Verbesserungen, die natürlich Geld kosten, aus das aller- notwendigste Maß beschränkt. Gewiß, man würde sich zu organisatorischen und technischen Fortschritten entschließen, auch die Löhne der Eisenbahnangestelltcn ausbcssern, wenn eben nicht die Verwaltung eine so ungemein teure wäre. Wohl haben die Eisenbahngescllschastcn schon längst durch Verträge alle Konkurrenz bei den Personen- und Fracht­tarifen ausgeschaltet, aber ihre Vielheit macht aus den zahl­reichen Uebergangsstationen mehrere Stationsgebäude usw. nötig, sie bedingt ein überaus zahlreiches Personal und vor allem das riesige Abrechnungshaus (Clearing House) in Lon­don, wo Tausende von Beamten tagtäglich damit beschäftigt sind, aus Grund der Fahrkarten und Frachlbriese zu be­rechnen, wie viel an Gewinn aus diese und jene Gesellschaft entfällt.

Der Gedanke an eine Verstaatlichung des gesamten eng­lischen Eisenbahnbetriebes ist durchaus kein neuer. Besteht doch schon seit ungefähr siebzig Jahren ein unter Gladstonc zustande gekommenes Gesetz, der sog. Cheap Trains Akt, nach dem der Staat das Recht hat, alle Eisenbahnlinien anzukausen, die nach dem Jahre 1844 gebaut wurden. Es sind diese 33 800 Klm., doch ist die Preissestsetzung mit ihren rund 1176 Millionen Pfund (23 Milliarden Mark) «ine so immense, daß man davor zurückschreckt, wenn auch die Rentabilität aus 4 Proz. angenommen wird und sich durch Vereinheitlichung des Betriebes noch so große Summen ersparen ließen, daß man wirklich an Verbesserungen man­cher Art denken könnte.

In London tagt jetzt ein Ausschuß, der sich mit der Frage der Eisenbahnverstaatlichung beschäftigt. In letzter Linie waren für ihre Einberufung wohl zwei Momente maßgebend, nämlich erstens die Abnahme der Betriebs­sicherheit aus den Bahnen und zweitens das sich immer mehr verschlechternde VerhÄInis zwischen den Gesellschaften und ihren Angestellten, das, wie öftere Streiks beweisen, die Betriebsmöglichkcit nicht selten in Frage gestellt hat. Eine größere Betriebssicherheit kann nur dadurch geschossen wer­den, daß die Organisation vcreinsacht, die dadurch bewirkten Ersparnisse aber nicht in die Taschen der Aktionäre fließen,

ttuttft, wi?ic»ict)aft und Leben.

Kritiker und Publikum. Herr Professor Krüger schreibt uns:Ter Gicßener Korrespondent der in Fricdbcrg er­scheinenden Reuen Tageszeitung (Rr. 08 vom 28. April» bat es für richtig gehalten, im Zusammenhang einiger Bemerkungen über die Kritik der Opernaussührungen in Gießen aut einen Satz aus meinem Feuilleton über Kritiker und Publikum auszugrcisen, in dem die Anwendung verschiedener kritischer Maßstäbe an dem Beispiel des Akademischen Gesangvereins und des Vereins Sänger- kronz erläutert wird. Ich habe gleich nach Erscheinen meines Feuilletons auf mir gemachten Vorhalt hin den Vorstand des Vereins Sängerkranz in längerem Schreiben über den -rinn merner Bemerkung ansgcklärt. Ilm zu verhindern, daß aus jener Friedbcrger Notiz Folgerungen gezogen werden, die das gute Verhältnis unserer Vereine trüben könnten, erkläre ich hiermit gerne, daß mir bei meiner Bemerkung irgend welche Herabsetzung des Vereins Sängcrkeanz sernge egen hat, dessen Leistungen Ith noch vor kurzem dankbar anzuerkcnncn Gelegenheit hatte."

Hoch bedeutsame Kleistsundc, die teilweise ganz neues Licht auf das Leben des unglücklichen Dichters werfen, hat der Direktor der städtischeri Sammlungen in Dresden, Pros. Ar. Mind« Bauet, gemacht. Aus Dresden wird uns darüber^tolgendcs niitgctcilt: Prof. Minde-Pouct, der erst vor etwa einem Jahre aus Brombcrg nach Dresden berufen wurde, hat im Nachlasse der Familie der Marie v. Kleist, der Cousine des Dichters, »wie im Nachlaß des preußisckx'u Ministers v. AltenftMi Briefe an die beiden Genannten ausgesunden, die UNS die wahren Beziehungen Kleists zu seiner Base offenbaren und uns einen Einblick in die Köurgsbcrgcr Zeit gewähren. Aus den ausgesundencn Brieten er­gibt sich, daß die angebliche Pension, die Kleist von der Königin Luise bezogen haben solj, in Wahrheit von Marie v. Kleist stammt, die den frommen Betrug erfand, um den stolzen Dichter zur An­nahme der »ntrrsrütznng zu bewegen. Auch die Ehescheidungs- anqelcgenheit Maries erscheint jetzt gcklärtt ihr Mann war der Schuldige, denn er stellte den Antrag aut Scheidung der Ehe, um eine andere Frau heiraten zu können. Auch geht aus dem Briel- wcchsel hervor, daß von den, bisher vermuteten Liebesverhältnis Kleists zu seiner Cousine keine Rede sein kann, er mithin auch durch diese Bezichunmn nickst in den Tod getrieben worden ist. Die Briese an den Minister v. Altenstcin geben Auskuntt über Kleists amtliAe Tätigkeit in Königsberg Er hatte sich besonders der Befreiung der Zünfte und Gewerkschaften zu wrdnic», lat dies anfangs auch mit Begeisteruna, doch wurden seine Klagen über körperliche Beschwerden bald so stark, daß man deutlich cmpsrnde!, wie sehr er sich aus dcnr Amte herausschnt. Ferner hat Pros. Minde-Pouct die lange vermißten gerichtlichen Protokolle über die Auffindung der Leichen Kleists und der Frau Vogel gesunden.

sondern zu technischen Verbesserungen verwendet werden. Das aber ist nur aus dem Wege der Verstaatlichung zu er­reichen. Und auch nur so lassen sich die Lohn- und Ärbeits- verhältnisse der Angestellten bessern.

Was die Gegner der Verstaatlichung gegen diese an sühren, will zum Teil nicht viel besagen. Denn wenn sic sich darauf berufen, daß die Ausschaltung der Konkurrenz den Reisenden in England gerade nur das Mindestmaß der Bequemlichkeit verbürgen würde, so läßt sich dem ent- gcgenhalten, daß Sicherheit des Betriebes höher einzu- schätzen ist als der Komfort, mit dem jetzt diese oder jene Gesellschaft die Reisenden auf ihre Linien zu locken sucht. Und wenn zweitens das Awvachscn des Beamtentums aus politischen Gründen befürchtet wird, so kann man darauf entgegnen, daß kein Kabinett es wagen würde, Eisendahn- angestcllten für ihre politische Haltung Vorschriften zu machen, wenn es vom Sturm der öffentlichen Meinung nicht fortgesegt werden will. Der dritte Haupteimvand gegen die Verstaatlichung, daß sich nämlich bei dem Ungeheuern An- kaufspreise, und wenn die gcivünschten technischen Ver­besserungen und Lohnerhöhungen Platz greisen, die Eisen­bahnen nicht mehr rentieren, bedars dagegen ernsterer Er­wägung. Tenn die Dividenden der Gesellschaften kann man jetzt kaum glänzende nennen. Immerhin rechnen Kenner der Verhältnisse damit, daß der Staat, wenn er die 23 Mil­liarden Mark in Form von 3 bis Zsizprozentigen Staats­papieren bezahlt, jährlich einen Reingewinn von min­destens 120 Millionen Mark erzielen würde, und außerdem bei Vereinfachung der Organisation noch die nämllche Summe aus Verbesserungen aller Art vcnvcnden könnte. Wie dieses Exempel stimmen soll, ist allerdings eine sehr schwierige Frage; man tappt dabei völlig im Dunkeln. So wird auch die Verstaatlichungslommijsion nur schwer zu einer Entscheidung gelangen können. Sie steht vor einem weitausschauendcu Problem, das sich nicht von heute aus morgen lösen läßt.

Die wirren in Mexiko.

Washington, 4. Mai. Nach einer Meldung des Ge­nerals F u n st o n haben die M e x i k a n e r verlangt, daß die WasserwerkebeiVeracruz ihnen übergeben würden. General Funston hat um Weisungen gebeten. Schüsse wurden nicht abgefeuerk.

Der amerikanische PanzerkreuzerWashing- ton", der sich auf der Fahrt nach Veracruz befand, ist bei Kctz West ausgehalten worden und hat Befehl erhalten, eiligst nach der Nordküste von San Domingo zu gehen, da unter den Ausländern infolge des Bombardements von Puerto Plata eine Panik herrsche.

Das Verhalten Villas.

T o r r c o n , 5. Mai. Die Antwort V i llc s ans die Auf- sorderung der Anhänger Huertas, sich mit seinen Streit­kräften ihnen anzuschließen, um die Amerikaner zurückzu- trciben, war eine vollkommene Ablehnung. Der Rebcllen- sührer erllärte, die Anhänger Huertas hätten die Interven­tion der Fremden für die eigenen Zwecke hcrausgefordcrt.

Das Verhalten -er Rebellen des Südens.

Veracruz, 5. Mai. In einem Aufruf, der vvn Zapata am 1. Mai unterzeichnet ivordcn ist und der gestern ver­öffentlicht wurde, wird bekannt gegeben, daß die In­surgenten des Südens heute die Stadt Mexiko an­greifen wollen und über Huerta und General Blanquet das Todesurteil anssprechen. Durch diesen Aufruf wird die Mel-

Ivciter die Sektionzbefunde, vvn denen einer aus der Zeit unmittel­bar nach dem Tode stammt, während cip zweiter vier Wochen später abgcfaßt ist und deutlich den Einfluß der Familie Kleist verrät. Ein Tagebuch der Auguste v. Pannwitz über eine Reise in die Schweiz enthält »verwickle Auszeichnungen über Kleists Aufenthalt in Frankreich und in der Schweiz, während Briese des Staatsrats v. Stacgcmann noch über den Selbstmord Auskunft geben. Ver­schiedene Gedichte, so dieGermania an ihre Kinder", tauchen in neuer Fassung aus. Prof. Minde-Pouct wird seine wertvollen Funde in einer demnächst erschienenen Biographie Marie v. Kleists veröffentlichen.

Schutzmittel gegen dic Diphtherie. ES wird noch in Erinnerung sein, daß vor etwa zwei Jahren der Entdecker dcS DivhtheriehcilserumS Prof. v. Behring in Marburg mit einem Schutzmittel vor die gelehrte Welt trat, das nach seinen An­gaben die Eigcnschast besitzen sollte, vor der Ansteckung mit Diphthericgist zu schützen, was also wieder einen Markstein in der Bekämpiung dieser verheerenden Volksseuche bedenken würde. Tat airch das alte Diphtheriehcilserum vollauf seine Schuldigkeit, ver­kürzte den Verlaus der Erkrankung und verhinderte ihre Geffihr- lichkcit, so gewährte es doch nur rinen geringen und kurzdauernden Schutz, wenn es dazu benutzt werden sollte, gesunde Individuen, etwa bei einem Diphthcricsall in der Umgebung, vor der An­steckung zu sichern. Da es aber die letzte Ausgabe aller ärztlichen Krinst ist, Krankheiten zu verhüten, so blieb daö Bestreben von Behrings darauf gerichtet, einen Impfstoff zu finden, der ähnlich wie der Knhoockenimpistosf vor den schwarzen Pocken, gegen die Gifte der Tivhthericbazillenimmunisiert". Das neue Mittel, das Behring stir diese Zwecke darstellte, besteht aus einem Gemisch von Torinen der Bazillen und dem bekannten Antitoxin. Wie theoretisch gut begründet und an Tierexperimenten ausgeprobt, war dock» eine sorgiältigc Prüfung am Krankenbett, wie von vorn­herein festftand, durchaus nottvendig, bevor cs seinen Weg in die weiteren Kreise ffnden kann. Von solchen klinischen Nachprüfungen liegen jetzt die ersten Berichte vor. So veröffentlicht Dr. I. Baucr- Düsscldors seine Erfahrungen, die er damst gemacht hat, in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift. Wie andere Beobachter konnte er scsfftrllen, daß insojgc Abspaltung des Antitoxins im Blute der Geimpften der Antitoxingehatt ansteigt. Die praktische Folge davon- war, daß Personen, in deren nächster Nähe Diphtherie- kranke sich befanden, »nie Acrzte, Wärter, von der Erkrankung verschont blieben. Bei den Bazillenträgern, d. h. solchen Individuen, die Diphtberiebazillen beherbergten, ohne bisher er- krankt zu sein, war die Wirkung nicht ganz so zutage tretend. Sic erkrankten z»var ebensalls nicht, aber es gelang auch nicht, die Diphtberiebazillen im Rackzen abzutöten, so daß sie auch »oetterhtn eine Gefahr für ihre Umgebung bilden. Dennoch steht zu hoffen,

düng widerlegt, daß Zapata und Huerta zusammenwirkten und Zapata auf Bcracruz marschiere. General Fun- st o n ließ heute Feldgeschütz« landen, nachdem er ersahren hatte, daß die mexikanischen Bundcstruppen Vvn der Haupt­stadt aus Artillerie gegen Vcracruz vorführcn, die ver­mutlich für den General Maaß in Solcded bestimmt ist.

Die Kämpfe um Tampico.

Washington, 5. Mai. Wie Admiral Mat> o meldet, dauern die täglichen Fcuergesechte zwischen den Bundes- truppen und den Konstitutionalisten bei Tam­pico fort. Mapo hat dem Marinedepartcment mitgeteilt, er werde keine Schwierigkeiten haben, mit den ihm zur Ver­fügung stehenden Strcitkräften Tainpico zu nehmen, wenn dies für ratsam gehalten iverdc. Adnriral Badgcr in Vcra­cruz hat an das Marinedepartement berichtet, Huerta habe den Zollbeamten in allen Häsen des Staates verboten, nach Häfen in den Vereinigten Staaten bestimmte, oder von dort koinmende Schisse' abzufertigcn.

Deutsche» Reich.

Im Reichstage sind die Parteien übereingekommcn, die Arbeiten am 16. Mai abzuschließen. Neben dem Voran­schlag sollen nur Koukurrenzklauselgesetz und Besoldungs- Novelle verabschiedet werden.

Die Präsidien desReichstags und des Land­tags haben dem Kronprinzen zu seinem Geburtstage Glückwünsche im Austrage der Parlamente übermittelt.

Die Nachrichten st eile im Krieg sm in i st c - rium und die dcntschePresse. Der Gescsstistsführendc Ausschuß des Reichsverbandcs der deutschen Presse richtet zu dem Beschlüsse des Budaetansschusses des Reichstags, der die für die Nachrichtenstelle iin Kriegs­ministerium angesorderten Mittel abtehnt, nachstehende Bitt­schrift an den Reichstag; An den hohen Reichstag richtet der Reichsverband der deutschen Presse als die berufene Vertretung der deutschen Redakteure ohne Unterschied der Parteien die dringende Bitte, entgegen dem Beschluß des Budgetausschusses, die Mittel sür die Nach­richtenstelle im Kriegsministerium unverkürzt zu be­willigen und auch weiterhin den Ausbau des Nachrichten­dienstes den Bedürfnissen der Presse entsprechend fördern zu Helsen. Die Nachrichtenstelle i,n Kriegsministerium ist in der jetzigen Gestalt aus Anregung des Reichsverlxindes der deutschen Presse hin geschaffen ivorden und bewährle sich nach dem einstimmigen Urteil der Zeitungen aller Par­teien durchaus. Das Kriegsministerium unterstützte durch diese Einrichtung die Presse in dankenswerter Weise in der Erfüllung der Aufgaben und erreichte damit, daß die Nach­richten, deren Verbreitung aus Gründen der Landessicher­heit nicht wünschenswert ist, von der deutschen Presse nicht veröffentlicht iverdcn. Ter in dem Budgetausschuß ausge­sprochenen Befürchtung gegenüber können wir seststellen, daß die Nachrichtenstelle sich j e d e r p o l i t i s ch e n B c c i n - flusjungen der Zeitung enthielt, wie sie auch selbstverständlich das Material der Presse aller Parteien gleichmäßig und ohne jede Bevorzugung zukommen ließ. Sehr bedauern »vürden »vir auch, wenn einem in dem Bnd- etausschuß geäußerten Wunsche gemäß anstelle der jetzigen citung des Nachrichtendienstes durch aktive Ossiziere in­aktive gesetzt »vürden. Wir sind soivohl nach den langjährigen Erfahrungen im Reichsmarineamt wie nach der kürzeren iin Kriegsministerium der Uebcrzeugung, daß die Besetzung dieser Stellen mit aktiven Offizieren sich als durchaus zwcck-

daß durch Modisikationcn und Verbesserungen der Methodik auch hier sich mit dem Sckiutzmitiel Erfolge erzielen lassen werden. Weitere Sachuntersuchungcn dieses oiclversprechenden Schutzmittels sind gemäß der Bedeutung der Angelegenheit überall im Zuge.

Von der Forschungsreise des Dr. de Fil i ppr durch Z c n t r a l - A s i e n sind in Rom Nachrichten eingetroffen, die über die Fortschritte der Expedition berichten. In cinein vom 22. Mär; aus Ladakh in Kaschmir datierten Briese berichtet der Gelehrte, daß er im Begriffe »stehe, die Vorbereitungen zur Uebcrschreitung des Tschang La-Passcs zu treffen, UIN auf diesem Wege das Sck»yok-Tal zu erreichen. Die Ucberwindung des über 6000 Meter hohen Passes, mit der großen, die Vorräte und In­strumente mit sich führenden Kara»vane bietet bei den Schnce- vcrhälmisscn gewalligc Schwierigkeiten; 60 Mann und ebcnsoviele Ochsen arbeiteten bereits seit Anfang März an der Frcilcg»ing einer Straße durch den Schnee. Tr. de Filippi vermag schon jetzt mitzuteijcn, daß die gesammelten geologischen Beobachtungen die bislicr herrschenden Ansck-auungcn über den Ausbau und die geo­logische Geschichte des oberen Tals des Indus erheblich verändern werden. Ein großes Material von Photographien ist zusammen- gebracht.Iin April wird einer von uns in die Rupschu-Sleppcn ziehen, um Studien über Erdmagnciismus und Schwcrkrait an- znstcllcn; Dainelli wird nach Svili ausbrechen, um nach Fossilien zu forschen, und ich werde von Schyok aus zur Tcpsangcbene aus- brechcn."

R adi umfunde in den Silberminen von Co­lorado. Ter amerikanische Staatskommissar sür Bergwelks- wcicn macht in einem Bericht über das Minenwcscn in Colorado die Auffchcn erregende Mttteilung, daß IN den Bergwerken des Eagle-County, iin westlichen Colorado, imnitten bcr Silbererz­stollen uncnvartct reiche Radiumsunde eriolgt sind. Und zwar fand man Carnotit.Wenn inan mir noch vor einem Monat gesagt hätte, daß Silber Und Carnolit zusammen gesunden werden könn­ten, hätte ich lachend den Kops geschüttelt", äußctte der Kom­missar in einem Gespräch mit einem Interviewer.Aber die Tatsache und ihr Vorkommen in den Silbererzen des ^Eagle- CounN» ist nunmehr erwiesen. In einer Ladung von 25 Tonnen Erz mußte man kürzlich 5 Tonnen Carnotit scstlstclleii und die Sendung ergab einen Urangehalt von 8 /io 0 /?- Hätte man das Carnotit für sich allein versandt, so wäre ein Gehalt an Ura- ninm von 4»o feststellbar gcwcftn." Es ist das erste Mal, daß unter Tag Carnotitadern gefunden werden. Bisher entdeckte man cs in den Radiumseldern nur an der Oberfläche. Im Eaglc-Tounth ruht tici umer Tag dos Carnotit in enger Verbindung mit den Silbererzen. _