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erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöcl'enllich Hiehener.^amilienblütter; »wennal wöchentl.Nrris- dlotl fürden Breis Sichen ^Dienstag und Freitag); -weiinal monatl. Land­wirtschaftliche Zeitftaaen Ferusprech - Anschlüße: für bie Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse iür Depeschen: Anzeiger Gieße«. Annahme von Anzeigen iür die Tageonmnmer bis vormittags 9 Uhr.

Erster Blatt

J64- Jahrgang

Dienstag, 5. Mai lW

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck «vd Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei R. Lange.

VeznqSvreiS:

monatlich75V., viertel­jährlich AU. 2.20: durch Abhole- lu Zweigstellen monatlich 05 Pf.; durch die Post Mk.2. viertel- jährl. arrsschl. Bestellg. ZeilcnprciS: lokal 15Pf^ auswärts 20 Pseuniq. Chefredakteur: A. Goet;. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Woetz; fürFeuilleton",Ver­mischtes" undGerichts- saal": Karl ^tcurath: fürStadt llud Land":

Redaktion, Expedition und Druckerei: §ch»Istrahe 7. Anzeimnleü:' H?Bcck!

Die heutige Nummer umsahl 12 Seiten.

DerEhrenhandel" des Ministers Laillaux

Frankreichs Finanzminister, Herr Caillaux, sollte sich nicht schießen, Maitre Labori, der Verteidiger der Frau Caillaux, erlaubte es nicht. Er ist im Interesse seiner Klien­tin unbedingt gegen ein Duell, weil Caillaur einer der besten Pistolcnschützen Frankreichs sei und ein tvdlrckter Ans­gang des Duells den Urteilssprnch der Geschworenen in der Ealmetteasfäre ungünstig beeinflussen müsse. Man verließ sich also auf den Schiedsrichter General Mangin, der in löb­lichem Zusammenwirken mit dem Scl>icdsrichter der Gegen» Partei, Vicomte de Villcbois-Mareuil, ein böchst salomo» nis<i>es Urteil fällte. Die Behauptung von Caillaux's Gegen­kandidaten Ailliere, Caillaux sei der Mitschuldige eines Betrügers (Röchelte), ist, so entschieden die weisen Schieds­richter, allerdings eine Beleidigung, die nur nrit Blut ab- gcwaschcn tverden lüuuc, aber ans den Versicherungen der Zeugen des Geforderten Ailliere löuuc inan schließen, daß dieser weder Herrn Caillaux noch die Wähler des Wahlkreises Mamers habe hclcidigen wollen. Also sei es nicht nötig sich zu schießen.

Man wird es den Fernstehenden nicht übel nehmen können, wenn sie in dieser Art der Beilegung des' Caillaux- schcn Ehrenhandels nicht viel mehr als eine Komödie er­blicken, wie ja überhaupt das französische Duell allgemein reicht im Ruse eines besonders ernsthaften und blutigen Geschäfts steht, Schuld an diesem mangelndenAnsehen" sind aber nicht die Forinen und Bedingungen, mitcr denen in Frankreich Duelle dnrchgesührt oder vermieden werden, sondern die hinter den Kulissen geschickt betätigte Umbiegung und Abschwächung. Ein gelegentlicher Mitarbeiter übersendet uns interessante Einzelheiten aus dem Duell-Kom­ment, der dem Ehrenhandel des Ministers Laillaux zu­grunde gelegt wurde und nach dem man sich schließlich auch geschossen hätte, wenn der Advokat Labori nicht eben so sehr dagegen gewesen wäre: Man richtete sich nach den Auszeich­nungen, die Graf Chatcanvillard, ein Mitglied des Pariser Jockcyklubs, 18.% in seinemEssai sur le duell" unter Mit­wirkung von französischen Generälen und Gentlemcn ver­öffentlichte; diesesheilige Buch" trägt die Unterschrift; 100 der vornehmsten Edckleute Frankreichs und hat im ganzen Lande heute noch, auch in der Republik, bindenda Kraft für alle, die alssatisfäktionsfahige" Kavaliere gelten wollen oder gelten müssen. Danach muß jede Forderung spätestens 24 Stunden nach Kenntnisnahme der Beleidi­gung, die Antwort in derselben Zeit nach Empfang der Forderung crsolgen. Das Duell muß, wenn nicht ans be­sonderen Ursachen eine Verzögerung nötig wird, 48 Sttrnden nach erfolgter Forderung stattsinden, Wenn sich die Sekun­danten über die Wahl der Waffen, über die Art des Zwei- lampscs nicht einigen können, so müssen, wie eben im Falle Caillaux, Schiedsrichter entscheiden, die von beiden Teilen anerkannt werden. Diese Schiedsrichter entscheiden nicht nur über dieNotwendigkeit" des Duells, sondern auch, wenn sie diese bejahen, über die Durchführung, Ter Wort­laut der Vereinbarung ist niederzuschrcibcn, von den vier Sekundanten zu unterzeichnen und bei dem Zweikampfe mit zur Stelle zu bringen. Ein Duellauf Leben und Tod" darf nie vereinbart werden, In ernsten Fällen kann nur fest­gesetzt werden, daß der Kampf bis zur Kampfunfähigtcit eines Gegners fortgesetzt werde.

In weniger ernsten Fällen, also sicher auch im Falle Caillaux, kämen die Sekundanten darüber überein, daß nur ein einmaliger Kngelwechsel stattfindet oder nur ein« be­stimmte Anzahl von Kugeln gewechselt werden darf, daß jedoch in letzterem Falle die erste Verwundung eines der beiden Gegner den Kampf beendet. Die Sekundanten sind beim französischen Duell ebenso bewaffnet wie die Duellanten und, wenn seitens des gegnerischen Duellanten die festge­setzten Duellbcstimmungen unter Gefährdung ihres Auftrag­gebers übertreten werden, berechtigt und verpflichtet, falls ein Einspruch wirkungslos oder unmöglich ist, von ihrer Masse Gebrauch zu machen. Die Massen der Duellanten müssen gleich und beiden unbekannt sein; nur bei der schärfsten Be­leidigung, bei der aus Wunsch des Beleidigten die Benutzung der eigenen Masse sür beide Teile gestattet ist, dars hiervor eine Ausnahme gemacht werden. Die Pistolen der französischen Duelle haben fast immer nur glatte Läuse, meist unter Entfernung von Visier und Korn! Eine überaus gün­stige Chance gegen den blutigen Verlauf! Es gibt aber Aus- nahmesälle, in denen gezogene Läufe zugelassen werden. Vor Beginn des Duells werden die Duellanten ersucht, ihre Röcke und Westen abznlegen, und von einem gegnerischen Sekun­danten daraufhin untersucht, ob sie auch nicht einen festen Gegenstand auf der Brust haben. Dieser Untersuch­ung dars sich keiner der Duellanten widcrsctzcn. Die Pistolen werden von den Sekundanten unter Aufsicht beider Parteien, die eigenen Massen (bei Beleidigung schärfster Art) von den Gegnern selbst unter Aufsicht der gegnerischen Sekundanten geladen. Aber für bvide ein gleiches Pnlvermaß bezw, di« gleichen Patronen! Es gibt nun fünf verschiedene Pistolen­duelle, mit deren Feinheiten wir den Leser verschonen wol­le», Wer absichtlich in die Lust schießt, wird satisfakttons- nnfähig. Aber wenn inan diese Absicht nicht kund gibt und die Sekundanten nichts merken wollen, bleibt das DneN ein ernsthafter und befriedigenderEhrenhandel". Oder doch nicht?

Nun hat aber das Duell doch sdattgesundcn. Allerdings blieben

beide Gegner unverletzt.

Paris, 4, Mai, Ae Zeugen Ailliers kanten heute vor­mittag bei Caccaldi mit dem Zeugen Caillaux zusammen. Im Gegensatz zu dem Spruch der Schiedsrichter er­klärten die Zeugen Aillieres, daß der ZwischensaN keineswegs bei- gclcgt sei. Es wurde deshalb der Zweikamps beschlossen, Ae Zeugen Caillaux haben die Bedingungen angenommen, welche aus z w c i m a l i g c n Kugelwcchsct bei 25 Schritten Di­stanz und Schuß auf Kourmando lauten,

Paris, 4, Mai, Das Pistolcnducll zwischen Caillaux und d'Aillieres fand heute nachmittag im Park de Princc beim Bau- lognc-Wäldchcn statt. Beide Gegner blieben unverletzt. Es heißt, daß Caillaux in die Luft geschossen habe.

Caillaux' Geldanlagen.

Paris, 4,Mai, Ter Journalist Dubarry sagte vor dem Untersuchungsrichter Woucard aus, er habe am 14, März Cal- mcttc mitgeteilt, daß nach einem in den Redaktionen verbreiteten Gerücht in einem der intimen Briefe, deren Veröffentlichung der Figaro" geplant habe, Angaben über das Vcrnrögcn Caillaux' sowie über vorteilhafte Geldanlagen enthalten gewesen seien, Diele Mitteilung habe Caillaur in sichtliche Aufregung versetzt. Er habe gesagt, eS sei richtig, daß er in einem dieser Briefe von seinem Privetvermögrn gesprochen habe, aber er sei damals nicht Minister gewesen und habe, seitdem er Minister sei, sich um seine Privatintcrcsscn nicht mehr gekümmert, Caillaux habe von dieser Unterredung auch seine Gattin verständigt.

Deutsches Acich.

Der Kaiser verweilte am Montag vormittag, wie aus Korfu gemeldet wird, im Museum. Die 'Abreise der Majestät»» ersolgtc nach Verabschiedung von der Königin der Hellenen uw» 1 Uhr aus derHohenzollcrn" welcherBreslau",Gocben" und Slcipncr" folgen, nach Portofino und Genua,

Eine Denkschrift über die Ursachen des Ge­burtenrückganges wird dem Preußischen Landtag in den nächsten Tagen zugchen.

Im Reichstage herrschte, so wird uns aus Berlin ge­schrieben, bereits st a r l e F c r i e II st im NI II n g am gcsttigen Mon­tage, vielleicht eine Folge des Ausflugs an die Nordsee, Man will versuchen, die voin Äeltcslenrat gestellten Aufgaben bis zum 18, M ai zu lösen, und da der Wille vorhanden ist, dürste er zur Tat werden. In dieser Woche sollen die Voranschläge stir das 'Auswärtige Amt, den Rcickiskanzlcr und daS Reichsschatzanit bis Freitag beraten werden. Me Beratung deS Militärvoranschlags soll im Plenum am Samstag beginnen und nur vier Tage dauern. Hieran soll die noch ausstehcndc zweite Lesung des Kämcrnnvor- anschlags angeschlosscn werden. In der zweiten Hülste der nächsten Woche sollen dritte Voranschlagslesung, Rcnnwcttgcsctz, Besoldungs- navcjlc in zweiter und dritter Lesung, Konkurrenzklaustlgcsctz in drüicr Lesung und die kleinen Vorlagen verabschiedet werden. Ge­lingt dies nicht, so sollen noch bis znm 20, Mai Sitzungen abge- halten werden, aus keinen Fall aber länger, >

Die deutsche Rhcinmündung, DerVerein Deutsche Rhcinmünduiig" (Sitz Berlin) hielt in Frankfurt eine Versammlung ab, die von demVerein für Volkswirtsäiast und Gewerbe" vor­bereitet und cinbcrufen war, und deren Vorsitzender, Professor Dr, Arndt, die Versammlung leitete, Ter Gcschästssührcr des Ver­eins Dr, Copoius lBerlin) sprach einleitend über die Ziele und Aufgaben des Vereins, die er vom nationalen und wirtschaftlichen Standpunkt ans kurz beleuchtete. Er wies namentlich daraus hin, daß es nicht dabei bleiben dürfe, daß Deutschland wie seither be­züglich seiner größten Wasserstraße abhängig von den Verkehrs- ZusahrtSstraßcn des Auslandes sei; dieser bedaucrnswctte Zustand müsse unbedingt durch eine deutsche Rheinmündung beseitigt werden. Welches der hcrcüs vorhandenen Projekte schließlich de» Tieg da- vontragcn werde, sei hierbei belanglos, die wichtigste und Haupt­aufgabe des Vereins sei lediglich, für den Gedanken an sich in allen Kreisen des Volkes zu werben, Ersreulicherivcisc gewinne die Idee einer deutschen Rhcinmündung imnier mehr Anhang, besonders auch in den führenden Kreisen der Nation, So habe z, B, König H id- 'wiig XII. von Skiern seine grüßten Sympathien und Interessen für das Projekt anläßlich eines Vortrages des Dr, Coppius zuM Aus­druck gebracht, Besonders interessant waren die weiteren Mittei­lungen des Vortragenden, daß der preußische 'Minister der össent- lichcn Arbeiten v, Brcitcnbach nicht nur, wie schon 1012, im Ab­geordnetenhaus die Bestrebungen des Vereins sympathisch begrüßte, sondern daß er in allcrsüngstcr Zeit zur tätigen Jnangristnahmc des Projektes übergcgangen sei, nachdem zuvor die in Frage kom­menden Provinzialbehördcn gehört worden seien und daraus eine Besprechung der beteiligten Ministerien stattgefundcn habe. Das Ergebnis dieser Konferenz bestehe darin, dast nun von der Regie­rung eine nähere Prüfung des Projektes nach seiner verkchrs- politischcn, wirtschaftlichen und finanziellen Seite hin erfolge, In der Aussprache wurde die ablehnende Haltung der Frankfurter Handelskammer, die verlesen wurde, allgemein bedauert. Namentlich wies der Vorsitzende daraus hin, daß die Kölner Handelskammer, deren Syndikus Pros, Dr, WirminghauS ein hervorragender Kenner der Rheinschifsahrts- intercssen sei, zu den Patrone» des Vereins gehöre und der Präsident der Kammer Vorstandsmitglied des Vereins sei, Sxm den weiteren Ansprachen in der Versammlung seien namentlich noch die interessanten Ausführungen des Dir, Meyers d>'r Han­seatischen Schissahrtsgcscllschast erwähnt, der sich in lebhafter Weise sür das Projekt aussprach und es als durchaus zeitgemäß und spruchrcis bczeichnetc. Es sprachen u, a, noch die Herren: Stadtverordneter Kommerzienrat Klcinschmidt, Stadtrat Frantze, Rcdattcur Fleischer und Professor Dr, Becker, woraus cs zur

warum brütet der Kucfucf nicht?

Von Dr, Th, Zell,

kos. So naheliegend es ist, unsere Anschauungen über Moral aus die Handlungen der Tiere zu übenragen, so muß sich doch der denkende Ticrbcobachtcr vor einem solchen Fehler hüten, Tatsache ist cs, daß das Kuckucksweibchcn nicht selbst brütet, sondern das Ausbrüten und die hrühevollc Aufzucht der Jungen andern Bügeln überläßt. Da eine solche Handlungsweise nach menschlichen Moral- begrisscn den natürlichen Mutterpslickten widerspricht, die sonst überall sür heilig gehalten werden, so ist man allgemein zu einem VerdammnngSnrtcit über den Vogel bereit.

Bei ruhiger Ucberlegung wird man zunächst fragen müssen, ob denn der Kuckuck überhaupt brüten kann. Man hat das ver­neint, weil er mit dem 'Weidevieh wandern müsse und deshalb nicht bei seinen Jungen bleiben könne. Es fehlt hier der Raum, diese 'Ansicht eingehend zu widerlegen. Es dürste der Hinweis ge­nügen, daß Stelzen und Stare, die man bei Viehherden antrisit, trotzdem ihre Jungen selbst großziehen. Umgekehrt hat der Kuckuck mit SBfibemd) so gut wie gar nichts zu tun. In verschiedenen Gegenden, wo er sehr häutig ist, habe ich ihn niemals bei Vieh­herden gesehen. Dagegen ist cs richtig, daß er nicht imstande ist, seine Jungen allein großzutiehen. Nach iahrclangcn Beobachtungen besteht sür mich kein Zweite:, daß ein Knckuckspaar höchstens ein Junges großziehen könntt. Den Beweis kann ich lcübt dafür liejern. Gewandte Vögel, z. B. Bachstelzen, haben von früh bis spät zu tun. Um das Mundwerk von einem einzigen jungen Kuckuck zu stopicn. Wie sollten da die im Verhältnis zu den Stelzen ungeschickten und täpvischen Knckuckscltern mehr leistenV

Es ist nun aber ein einfaches Reckienexenipel, daß jedes Tier eine gewisse Anzahl von spachkommen haben muß, um nicht aus» zusterbcn. Der 'Adler kann mit einem Jungen jährlich auskommen, Ivcil er außer dem Menschen kaum Feinde hat und 100 Jahre alt wird, Ter Kuckuck als wehrloser Vogel, der etwa 30 Jahre alt wird, gebraucht sicherlich jährlich vier Junge, Weil er diese nicht selbst großziehen kann, muß er seine Eier andern Vögeln unter­schieben, Eckermann hat in seinen Gespräckten mit Goethe uns eine aussührluhe Unterhaltung über den Kuckuck untgctcitt. Ter Lehrer war in diesem Falle Eckermann, der ein ausgezeichneter Bogclkeiincr war, Eckcrmanu ist der Ansicht, daß der Kuckuck etwa fünf Eier lege und daß die Auszucht dieser fiim Eier aut Kosten von fünfzig unserer besten Singvögel geschähe. Denn da der junge Kuckuck alles für sich beansprucht, so verkümmern die Sites» aeschwisler. Außerdem schreiten die Eltern nicht zu einer zweiten Brut, So ist das Opscr von zehn Insektenfressernfür einen Kuckua im ersten Augenblick erstaunlich, Ucberlcgt man sich aber, datz alle diese Jnselteiificsscr keine haarigen Raupen fressen, die gerade

der Kuckuck mit Vorliebe verzehrt, so erhält die Sache ein ganz anderes Gesicht, Würde also der Kuckuck den wohlgemeinten Rat­schlägen des Menschen folgen und selbst brüten, so zöge er jährlich nur ein Junges groß. In wenigen Jahren wäre er ausgcstorbcn, und die haarigen Raupen verwüsteten unsere Wälder,

Daß der Kuckuck gar nicht der Bösewicht ist, wie man all­gemein annimmt, geht ans folgendem hervor. Seit meiner Ju­gendzeit habe ich von Vogelfängern und anderen Bogclkcnnern gehört, daß der Kuckuck hin und wieder brüte. Ich habe das zunächst für einen Irrtum gehalten, bis die Gebrüder Müller, die Verfasser des vortrcsflickten Werkes, Tiere der Heimat, einen solchen Fall einwandsrel teststellten. Für mich ist dabei der Umstand über­zeugend, daß ti scAi snohme gtleg n lich cire Raupen.! ge geschah. Ist eine solche vorhanden, dann kann der Kuckuck auch selbst brüten. Denn der Grund, der ihm zum Unterschieben Anlaß gibt, die Unsähigkcit, die Nahrung herbciznschassen, fällt in einem solchen Falle fort.

Brütet der Kuckuck selbst, so bleiben fstt jedes Junge zehn Jn- scktensresser mrln am Leben, Wir sehen, daß die Raupenplage selbst die Vermehrung der Jnscktensresser Hervorrust, lmd werden mit gerechtem Staunen darüber crsüUt, in wie einfacher Weise eine Ucbcrproduktion sich selbst ihre Gegner großzicht,

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Rcinach-Preis für Paläontologie. Ein Preis von 500 Mk, soll der besten Arbctt zmrkannt werden, die.einen Teil der Paläontologie des Gebietes zwischen Aschasfenburg, Heppen­heim, Alzey, Kreuznach, Koblenz, Ems, Gießen und Bü­dingen behandelt: nur wenn cs der Zusammenhang erfordert, dürfen andere Landcsteile in die Arbeit cinbczogen werden. Die Arbeiten, deren Ergebnisse noch nicht anderweitig veröffentlicht sein dürfen, sind bis zum 1, Oktober 1015 in versiegeltem Um­schläge, mit Motto versehen, an die Direktion der Senckenbcrgischen Natursorschenden Gesellschaft in Frankfutt a, M, cinzureichen. Der Name des Verfassers ist in einem mit gleichem Motto ver­sehenen zweiten Umschläge bcizufügen. Die OKscllschast hat die 'Berechtigung, die preisgekrönte Arbeit ohne weiteres Entgelt in ihren Schriften zu perötfcntlichcn, kann aber auch dem Autor das freie Verfügungchtemt überlassen. Nicht mcisgekrönte Slrbeitcn werden den Verfassern zurückgesandt, lieber die Zuerteilung des Preises entscheidet bis spätestens Ende Februar 1906 die Direktion aul Vorschlag eines Prüsungsratts,

Helen Keller hört menschliche Stimme, Die New Jori Times" bringt die folgende telegraphische Meldung aus Los Angeles m Kalisornicn, die auch bei uns, wo die taubblindc Helen Keller durch ihreLebcnsgeschichlc",Mcmc Welt",Op­timismus" und aridere Schritten bestens bekannt imirde, auttall- gcmcincs Jn'ercsfc rechnen kann. Das New Jorker Blatt berichtet:

Zum erstenmal, soweit ihr Gedächtnis zurückrcicht, erstihr die taub­blinde Helen Keller gestern zu ihrer grüßten Freude das Wunder des Hörens, ES waren die hohen Töne der Walküre, gesungen von Frau S, Stevens von der Großen Oper in Chicago, die Helen Kellers so lange schlafenden Gchörsnerven erweckten. Mit er­hobenen Händen und wogendem Busen rief sic nach Beendigung des Gesanges fort und fort auS:O, ich habe gchörl, ich habe gehört! Ich könnte weinen vor Freude," Frau Mary (geb, Sullivan), der bekanntlich Helen Keller ihre Fähigkeit zu Sprechen verdankt, war lies bewegt. Sie sagte, vor einiger Zeit seien Ver­suche mit sckn'illcm Psciscn gemacht worden, und während die Pscistönc anscheinend wirklich Helen Kellers Gehirn erreichten, waren fic ihr äußerst unangenehm und doch nicht eigentlich hörbar, Frau Mary war daher aufs äußerste überrascht, als Helen KcNer plötzlick) ausrief, sie könne die hohe Singstimmc richtig hören, Helen Keller sagte:Ich habe stets die Ansicht geäußctt, daß ich sehr hohe Töne vermutlich hören könne. Aber als man den Versuch mit den Pseiscn machte, war mir das so peinlich, daß ich mir picht mehr wünschte, hören zu können. Jetzt weiß ich aber, daß Hören etwas anderes ist. Der Ton, den ich jetzt gelwrt habe, war so, tvie ich mir dachte, daß stürzendes Wasser ihn machen müsse: ein süßes Geklingel, Ich bin sicher, daß ich richtig gehört habe,"

EinSchcsfeldcnkmal im Odenwald, Aus Rei­chelsheim i, O,, 3, Mai, wird uns geschrieben: Dem Dichter der R o d en st ei nli edc r, Viktor Scheffel, soN auf dem hiesigen Marktplatze ein Denkmal errichtet werden. Die Mittel hierzu sind bereits durch Sammlungen und Stiftungen ansgebracht.

NnrfürDcrrcn! Professor Rocthe von der Slerliner llniversität hat seine Vorlesungen:Geschichte der deutschen Litera» ttir des 17. Jahrhunderts" damit begonnen, daß er der weiblichen .Hörerschaft ankündigte: er werde während des Semesters einige Male die Damen bitten, bei bestimmten Vorlesungen nicht zu erscheinen. Er will in diesen Stunden dieII n si ttlichen" Teile unserer Literatur besmechen. So verkilndet rm Jahre 1914 in Berlin von einem Professor der deutschen Literatur,

Radiologisches Institut, Ein staatliches radio- logisches Institut soll nach derKlin.-therapeut, Wochenschr," in Petersburg errichttt werden. Die einmalige Slusgabe sür die Einrichtung des Institutes wird auf 711000 Rubel, die jährlichen Betriebskosten auf 53 000 Rubel geschätzt,

Kurze Nachrichten aus Kunst und Wissen­schaft, Der Malcr^ und Professor der akademischen .Hochseduli in Slc rl i n, Joses's che u r m b c r g, der u, a, für das Berliner Rathaus und den Justizvalast in Kassel ltzemäldc gescktassen hat, ist gestern im 68, Lebensjahre gestorben.