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Erscheint täglich mit Ausnahme de; Sonntag;.
Tie „Kkhcner Zainilienblatter" werden dem
.Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da; „Kreisdlolt ffir den Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. Tie „Landwirtschaftlichen Seit- sragen" erscheinen nionallich zweitnal.
Jahrgang
General-Anzeiger für Gderhejsen
Freitag, IHqi I 9 H
Rotationsdruck nnd Verlag der Brühl'scheu Universität; - Buch- nitd «oieindrnckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Ervedilion »nd Druckerei: Schul- slraße 7. Expedition und Verlag:
Rcdattion:i^«t12.Tel.-Adr.:A„z-igerGieben.
Der Ausbau der „Mer-Regierung".
^ Die jüngsten Ereignisse in Ulster und die schweren nnd ernsten Ausgaben, die der englischen Regierung erwachsen sind, verleihen der sehr lvcitgehenden und zweifellos mit bemerkenswertem Geschick ansgebantcn Organisation der Ul ster-Rcbclten, der „provisorischen Regierung von Ulster" ein aktuelles Interesse. Wie war es nröglich, in dieser un- botmässtgcn Provinz in so kurzer Zeit und bei offenem Tageslicht einen regelrechten Staat im Staate zu errichten nnd eine organisierte Macht zu schaffen, der allem Anschein nach die Lokalregiernng und bie Lokalbehörden einstweilen nicht gewachsen sind? Während Ende September 191? der Zankapfel, das Homernle-Gefetz im britischen llntcrhause »och die Stadien der Ausschassberatuiigcti durchlief, tvurde in . Ulster der „feierliche Pakt des Volkes von Ulster" unter»
I schrieben, ein Schriftstück, durch das alle Unterzeichner sich s verpflichteten, „alle Mittel anzuwenden, die nolivendig er , scheinen können, um die gegenwärtige Verschwörung zum I Zwecke der Errichtung von Svontcrulc in Irland zu besiegen", i Und weiter hielf; es: „Wenn ein solches Parlament uns
I I aufgczwungc» wird, verpflichten wir »ns hicrniit feierlich i und gcgcnleitig, die Autorität eines solchen Parlamentes > nicht anzuerkennen, im gewissen Vertrauen, dass Gott das I Recht schützen wird". TaS war der Anfang: nnd eine halbe I MiNion Männer und Frauen Unterzeichneten diese Erklärung. Ihr folgten sofort Taten oder zumindest die Vorbereitungen zu Taten. Ta man entschlossen war, auch der l Gewalt zu trotzen und iinter Umständen zur Waffe zu greisen, begann man sofort mit der Organisation der sog. „Ulster Armee", die zunächst mit Hvlzgennchren aasrückte und zu exerzieren begann. Als ein Iabr später, ain 2-1. September 1919, das Homerulc-Gcsctz zum zweitenmal im «ng lische» Parlament angenommen ivurdc, antwortete der „Rat der llnionisten von Ulster", der Urheber der ganzen Bewegung war, in einer Sitzung, an der 500 Delegierte aus allen Provinzen teilnahmcn, init dem Beschluss der Errichtung und Organisation einer provisorischen Regierung. Sie sollte, ossen ward das angekündlgt, in Bereitschaft sein, um sofort nach einer dritten 'Annahme des Homerule-Gefetzes die Regierung des Laiides zu übernehmen. Und diese „Rebellen- Regierung" ward sofort nnd mit erstaunlicher Tatkraft ans gebaut. An ihrer Spitze standen der Herzog von Abercorn, Lord Londonderru, Lord Eharles Beresbord, Eaptain Craig, Colonel Hickman nnd vor alteni Sir Edward Earfon, der als „.König Carsoii von Ulster" lnzivischeii Berühmtheit erlangte nnd im übrigen als einer der geschicktesten und tüchtigste» Juristen EikylandS gilt. Tie Handelsherren lind Industriellen lralen bei, voll Begeisterung die Arbeiterschaft: und nun begaiiil man damit, der provisorischen Zen tral-Regierung eine Anzahl von „Ministerien" in .Form von Sonderausschüssen anzugliedcrn. Diese Ausschüsse bestehen und arbeiten unausgesetzt: da ist der Freiwiiligen- ausschutz, der Finanz- nnd Handelsausschuß, der juristisch« Ausschuß, ein Erzichungsausschuß, ja selbst zur Uebernahme des Zoll nnd Postdieiistes wurde ein Ausschuß eingesetzt. Unterabteilungen wurden geschaffen, Kammern für Pcrso- nalfragen, für Finanz-, Eisenbahn-, Transport-, Proviant- und Saiiitätswesen: und allen diesen 'Ausschüssen nnd Jammern trat Sir Edlvard Earjo» bei. Er Itzttte seine Praxis aufgcgeben, »in sich ganz der Organisation der „Ulster-Regierung" zu widmen. Bald erfolgte auch die Ernennung eines Oberbesehlshnbers für das Freiwilligen-Heer: dieses Amt übernahni der Generalleutnant Sir George Richardsou.
Tic erste Tat der Regierung war die Ausbringung eines Fonds von 20 Millionen Mark: die Summe ist bestimmt, dae Hinterbliebenen oder die Verwundeten der Ulster'Armee zu entschädigen. In erstaunlich kurzer Frist war diese Sunime aufgebracht. Die Ausrüstung und Bcivassnnng der Freiwillige» 'Armee trat nun in den Vordergrund. Ilm Maßnahmen der wirklichen Regierung ausweichcn zu köiincn, wurde cu, weitverzweigter Nachrichtendienst organisiert. Drahtlose Stationen sind errichtet, Leute im Tianaldicnst ausgcbildet, Motorradfahrer für Aachrichtenzweckc organisiert, Alarm zeick'en verabredet. Als im Juni vorigen Jahres in Belfast eine Anzahl alter, aber durchaus brauchbarer Gewehre von der Regierung beschlagnahmt wurden, begann ini grössten Umsang der Wafscnschmuggel im gchciinen nnd wurde i>e» ganze» Winter hindurch fortgesetzt, bis zu dcni jüngsten Handstreich, der aus die Heimlichkeit verzichtete und offen vor den Augen der ohnniächtigrii Behörde» die letzten 25000 Gewehre landete. Es ist kaum ein Zweifel, daß heute die gesamte Ulster-Armee mit Waffen und Munition ausgerüstet ist Um Eingriffe der Regierung zu. erschweren, sind die Waffen nicht in größeren Depots versteckt, sondern einzeln in Häusern nnd Gutshöse» verborgen. Um Ulster zu entivaffnen, mußte die Regierung sich nun, da sic die Tinge hat so west konnncn lassen, damit absinden, in der ganzen > Provinz Haus um Haus zu durchsuchen: nnd es ist zweifelhaft, ob sic dabei genügende Erfolge haben würden
Fm englischen Nnterhause
fragte am gestrigen Donnerstag der Liberale Bvlcs, ioclcher Ast die gceigneicn Schritte leien, um der Siotjcit des Gesetzes 'Achtung z» verschossen, die Aiguith versvroälen babe, und die die Regierung unicrnchmcn werde als Aviwost aus die iüilgstcn a u s r ü b re r i i ch c n Vorgänge in Ulster. Asguith ant- mortctc, es seien bereits Maßnabmen getrosten, die »di hoiicnt stch wirksam erweise» würdcii, um scde Wiederkehr solcher Zwi schcnsälle unmöglich zu machen. Die Regierung werbe die Angelegenheit auch von anderen Gesichtspunkte» sorgsältig crwä izcn ES sei nicht wünschenswert, zurzeit eine östcntlichc Tar legung zii macben. Btzlcs fragte ierncr, ob Asguith in Bc- lracht ziehe, daß eine »anonale Beschimpfung von solcher Größe und derartigem Charakter, wenn man sie unbcftrast hingchen ließe die Waste des Geiepes schwächen und tue ?lä»ung vor hem Gesetz rrrmindern würde. Asguith antwortete: Ich hohe bereits gelägl. daß die Regierung die Angelegenheit von ihren verschiedenen st-esichtspunkicn aus einer sorgiäliigen Erwägung un terziehen wirb.
/ Au» Reffen.
Aus dem Fiuauzausschuk.
rb Tarmstadt, 90. Avril. Ter Finanzausschuß der Zweiten Kammer tagte heute gemeinsam mal der Rc- -icrung, fiir welche die Herren Staaisministcr Dr. v. Ewald, Minister des Innern v. Hombcrgk, Finanzmtirilrcr Braun, Geh. Oherfinaurrat Dr. R o h d e und Obertimrnzafsessor n l ra ch eischrenrn waren. Es wurde zunächst von der Regierung bczüg
liäi der Vorstellung des Arbeitsausschusses sür die Verlegung und Ausgcstallung des Licbig-Laboratoriums in Gießen die Mitteilung gemachl, däll die Verhandlungen mir der Stadt Gießen Uber die Hohe des von die,er zu leistenden Zuschusses noch n i ch i z » m Abschluß ge ko ni men seien. Vorausietznng jeder Zuwendung aus der Staatskasse sei aber, daß die Tlad: Gießen einen namhaften Zu- schuß zu der Neuordnung des Liebig-Laboratoriums leiste. Es sei an de» neuen Oberbürgermeister von Gießen im Versolq der früheren Verhandlungen wegen Leistung dieses Zuschusses noch nicht hcrangctreten werden, was aber setzt in nächster Zeit geschehen werde. Der Ausschuß beschloß dargnthi». die Vorstellung ;. Z. für erledigt zu erklären. J)u der Frage des TomäncnReg in sitio » s - i onds war von der nalionalliberalen Fraktion im Februar 1913 der Antrag Tr. Osann und Gen. gestellt worden, die Regierung UNI eine eingehende Denkschstst zu ersuchen, au» welcher sich der derzeitige Bestand des Fonds »nd die Zwecke ergeben, zu welchen i» den letzten 20 Jahren die Mittel aus diesem Fonds verwendet worden sind, solvic gleichzeitig ans eine Darlegung über die Grundsätze zu geben, welche bei der Verwendung der Mittel maßgebend waren. Tie Großherzogl Regierung erklärte, daß sic durch die überaus große Inansoruchnahmc der Ministcrialbcamtcn lniolgc der Verhandlungen über die Reform der Beioldungsordmuig Nicht in der Lage gewesen sei. >etzl dicke Tenlschrlit sertigzustellcn Die Tcnkichriii könne auch in diesem Landtag »ich! mehr vvraelegl werden, sie lverdc aber sicherlich bei Beginn des nächste» Landtags den Ständen übergeben werden. — Ter Ausschuß letzte sodann mit der Regierung die Beratung über den Gesetzentwuri, betr. die Forderung von Kraftlinien i» Hessen sott Der Entwurf fand schließlich mit verschiedenen Abänderungen die Zustimmung des Ausschusses. Es wurde u. a. die Bestimmung der Vorlage, daß Beihilfen des Staates Nicht gewährt lvcrden sollen iür Linien, die nur dem Vorortsverkehr dienen, gestrichen, iocil die Mehrheit des 'Ausschusses in diesem Vorschlag der Regierung eine Benachteiligung der Städte erblickte nnd eine rari- tätstchc Behandlung von Stadt und Land verlangt werden müsse. Tic Höhe des Staatszuschilsscs, wie ihn 'Art. 2 verschreibt, wurde im Gegensatz zu der Regierungsvorlage, die ein Drittel des Höchft- betrages versah, aus die Hülste erhöht, Io daß danach der Zuschuß des Ltaates4nicht über die Hälitc des Betrages hinaus- gcheu darf, »nt den die Betriebs- nnd sonstigen Einnahmen in einem Jahre hinter den Betriebskosten zurücküleibcn. In 'Art. 1 der Vorlage wurde weiter noch bestimmt, daß eine Bewilligung der Staatsbeihilic nur bei Kcaslwagcnlinicn erfolgt, welckw bcstim- mungsgemäst während des ganze» Jahres betrieben werden: der sogenannte Saisonbctrieb würde somit von der Staatsunterstützung ausgenommen. Tie übrigen Bestimmungen des Gesetzes lmirdcn vom Ausschuß ailgenommen. Morgen findet eine weitere Sitzung in Gegenwart der Regierung und verschiedener Antragsteller statt.
Sicherung der Erbschaftssteuer.
Man schreibt uns:
'Rach § 3 Ziffer 2 des ReichscrbschaftssteuerGesetzes unterliegen der Reichserbschaftssteuer auch Bezüge ans Fa- rntlienskistungen, sofern sie iniolgcTodessallan den stiftungs- mäßig oder gesetzlich dazu berufenen gelangen, sowie der Erwerb des Vermögens einer solchen Stiftung, sofern das Vermögen infolge Erlöschens der Stiftung alt den ftistungs- mäßig oder gesetzlich dazu Bcruscnen gelangt. Was als 'Abfindung für den Verzicht auf einen Erwerb dieser 'Art gewährt wird, ist nach 8 9 Ziffer 4 a. a. O. ebenfalls zu besteuern. Zufolge § 52 ist in diesen Fällen als Erblasser der zuletzt Berechtigte anzusehen. War der zuletzt Berechtigte ein Aszendent oder der Ehegatte des Erwerbers. so ist demnach gemäß 8 I l Ziffer 4 RESlG. eilte Stcuerpflicht von vornherein ausgeschlossen.
Tatsächlich sind bisher in L> esse n steuerpflichtige Anfälle der im jf 3 Zisser 2 und 4 genannten Art nicht bekannt geworden. In anderen Bundesstaaten scheinen die Verhält- riisse ähnlich zu liegen. Tenn cs ist neuerdings von dem Reichsschatzamt in einer Umfrage die Befürchtung ausgesprochen lvorden, daß zurzeit vielfach solche Anfälle der Steuer entgehen.
Zur Verhütung von Mißständen erscheint es vor allem zweckmäßig, wenn das Er b s cha s tssie u e tarn t von sämtli ch c n im G r o ß h e r z o g t u in bestehenden F a m i l i e n st i f t u n g e n Kenntnis erlangt. Soweit solche neu errichtet werden, gibt allerdings das Regierniigs blatt eine kurze Auskunst: von den bereits bestehenden dagegen erfährt die Steuerbehörde gewöhnlich nichts. Das G r o ß h. M i n i st e r i u m des Innern hat, einem Ersuchen des Großh. Ministeriums der Finanzen entsprechend, in Aussicht gestellt, daß künftig über alle Fanttlienstisiun- gen, mit welchem cs befaßt wird, seien es neu errichtete oder schon bestehende, dem Erbschastsstencramt kurze Angaben zur Vertilgung gestellt werden. Die Großh. St reis aniter sind ebenfalls angewiesen, in allen ihnen vorkom wenden Fällen das Gleiche zu kn».
Ans den Reichstagsausschüffei?.
:: Berlin. 30. April.
Ans dem Budgetstlnsschnh.
Ter Budgctausschnß kam heute mir der Besprechung der auswärtigen Politik zu Ende. 'Aus der 'Aussprache ist noch bcmcstenswert, daß ein Nalionalliberaler ausS neue das mangelnde Interesse unseres Handels und der dcmsa>eu Industrie sür Ehina beklagte. Ein Zentrumsmitglicd erneuerte den Vorschlag, die Zinsen der chinesischen Boxcrscheild zu erlassen oder zu stunden zu Gunsten der Errichtung von Schulen mit deutschem Einfluß. UiiterstaatSsekrelär Z i IN m e r m a n n bczeichnete diesen Gedanken zwar als bestechend, hatte aber mancherlei Bedenke». Nach einer längeren vestraulia>en 'Ausiorachc schloß die allgemeine Beratung. Ter sozialdcmokratiichc Eintrag aus Vorlegung einer Auswcisungsstatiftik w»rd>- abgclehnt, der Fonds iür die den!- scheu 'Anslandsschnlen beioiliigl. ebenso der Rest des Voranichlng-s uiid der Nachtragsvoranschlag mit den Fordeeningen iür das Ge- neralloniulat für Albanien und bas Koniulat für Ucsküb.
In der sich anschließende» Beratung des Militärvoranschlag c s wurde zunächst die Neuregelung des I n - t c n d a n l n r w e s e n s erörtert. Sie wurde gllgemein als zlvcck - mäßig anerkannt. Eine längere 'Ausiorachc knüviee sich an die Mchrsorderung iür die Prcsieabteilung. Ter Kriegsminifter be- lonte, daß in einer so große» Verivailung die Beolmchtimg' der Presse notwendig sei und daß dazu natürlich auch besondere Strästc gestellt werben müßten. An eine Bceinslusinng der öffentlichen Meinung loerde nicht gedacht. Es handele sich einmal um eine Nachrichtensammlung, ohne welche die einzelnen 'AbieUungen des Ministeriums gar nicht arbeiten kömuen nnd ferner um eine iackliebe Nachrichtenausgabe. Von verschiedenen Seiten wurden Einwendungen erhoben, mü dem Ergebnis, daß die Mehrsorderumi abgclehnt wurde.
Ter Sonntagsruhe-Ausschuß »ahm heute seine Beratungen wieder aus. Mimsterralderektor Tr. Caspar bekämvstc den iozialdeirokratischen Antrag, der sonntäalich beschäftiaten Hand- luugsgchiljcn und Lcbriuiaen reaclinäßßi einen freien NaltzniUap
UI der Woche von l Uhr ab gewähren will. Ein xfcntriinis- mitglied beantragte, iolchen Angeitellteu. die L 0 !intagc> be> schöitigl iverden, einen Urlaub von 8 Tagen im Jahre zu bc- iviliigen. Ein R a ti o na l l i b c r a l c r emosadl folgenden Ver< mittlungsantrag: „Ten sonntäglich beschästigicii Haiidlnngsgc- bilien Mid Lehrlingen ist eine Entschädigung sür die —onniags- arbcii durch die Gewährung eines reien Nachniitlagcs IN der Woche oder eines zusammenhängenden längeren Urlaubes zu leiste»." Tie weitere 'Ausgestaltung dieses wichtigen Punktes emviahi hi'r Redner, der zweite» Lesung vorziibchallen. Eitt^ Antrag der K o n sc r v a t i v.e n verlangte eine allgemeinere Fassung. Es soll einiach bestimmt werden, daß den sonntäglich bcschältlgten Gehilsen »nd Lehrlingen regelmäßig ein Ersatz in Gestalt von Freizeii innerhalb der Woche zu gewähre» ici. Dieser 'Antrag wurde angenommen, alle anderen abgelchnt.
Der 'Ausschuß sür das Gesetz zur Errichtung eines .'t ol^a- n i a l g c r i ch t s h o s e s beendigte heute seine Beratungen. Tic Bcschlüisc der erste» Lesung wurden durchweg anireäit erhalten: ein Antrag, in dein Hanvlstrciipnnkte die Regiernngsvorlage wieder licrziistcllen nnd Berlin zum Sitze des Kolonialgeiichlshofcs zu bcstimincil, lvnrdc mit 14 gegen 3 Stimmen abgelehnt. Es bleibt also vorläufig bei Hamburg.
LttitjcHiüaHrt.
Die Tauersährt des Schüttc-Lanz-Lustschisscs.
Berlin, 29. 'Avril. Tas neue liir Stöln bestimmte Militär lustschili 8 I- 2 stieg gestern abend um 9 Uhr 15 Mi», vor der Halle in Rheinau aus. Tas Ionimando l>atie Kapitän Hu- noid übernommen, während die Bedicnnngsmannschoften iür die Motore zur Hälitc aus Monteurin der Lanz-Werit, zur Hälfte aus llntcrosiizieren bestanden. Bon der militärischen 'Abnahmekommission beianden sich Hauptmann Wobescr, Hanplmann von Löwcnftrrn und Leutnant Frech an Bord, im ganzen hatten 17 Personen in den Kabinen llnterkunst gesunden. Tie Fahrt ging bei schönem, säst windstillem Weller nordwärts, um 3 llhr 50 Minuten früh schwebte das Lustschiss über Breme». Tie 400 Kilometer lange Strecke von Mannheim nach Bremen hatte 8 I- 2 in 6>,_. Stunde» zurückgclegt, alio die Turchichnittsgc- schwindigleit von 72,60 Hilometmi in der Stunde erreicht Bon Brenicn slog der Lenkballo» über Wilhelmshaven nach Helgoland, umkrcuztc die Insel mehrere Male, wobei er mit der d.'stigen Station Lichtiignale austauschte. Ban dort slog das Schis! nach Hamburg, wo es um 6 »kr morgens cintrai: nachdem cs dem Hasen einen Besuch abgcstattct hatte, slog 8 L 2 in 3 Stunden 15 Min. nach Berlin, wo cs ums 9 Uhr über Johannisthal kreuzte. Aus der Strecke Hamburg -Berlin batte der Ballon eine Geschwindigkeit vo» 79,80 Kilometern in der Stunde crrcirfit, trotz eines leichte» Westwindes, der das Schiit seitlich abzulreibcn suchte, lieber Berlin beschrieb 8 L 2 nur eine einzige Schlehe, in einer Höhe von etwa 1100 bis 1500 Metern, so daß man Ein- zciltzite» kaum »och zu erkennen vermochte. Nach wenigeii Ml- nutcn schon nahm d.'r Lenkbare weltliche» Kurs und slog in der Richtung auf Potsdam davon. 8 I- 2 soll nach 20stü>id>gcr Fahrt wieder in Rheinau landen. Mittlerweile hat der 8 L 2 eine Zwischenlandung in Leipzig vollzogen. Der neue Schüttc-Lanz- Ballo» Ixu die ani ihn geletzten Hofstimigen bezüglich seiner Schnelligkeit weil übcrlrofien, am ' der Strecke Rheinau—Berlin hat das Lustichiss in 12stündiger Fahrt nahezu 1000 Kilometer zurückgclegt und eine Geschwindigkeit estcicht, die stellen» irehe weit über .80 Kilometer betrug. Dicic Eigengeschwindigkeit nbertrisit die Zeopelin-Ballonc ganz erhebiicki und man kann nach den vorliegenden Ergrbnilsen. die ihre BcstätigiUig schon in den Leistungen bei den Höhenslügei, gesunden haben, den »aucn 8 1-2 als das schnellste Luitschih der Welt bezeichnen.
3s>ort.
** Von deni Schwimm- n. Wassersport-Verein Gießen wird uns nntgelcilt, daß der Badebetrieb iür das Sommerkzalbjahr in der Müller'schen Badc-Anstalt ab 1. d. Mls. crössnet ist. Nunmelw ist es d.nn Schwimm- und Waiscrspvtt- Bereiil möglich, sich in der Ausführung feiner Bestrebungen freier enttallen zu können. Tic Vorbereitungen für das in nächster Zeit von dem S.u. 32. Spor, Verein zu veranstaltende Lchwimm- feft lind in Angrift genommen und ist eine rege Beteiligung zu erwarten. - Ferner in ans das mit dem Wasserbad verbundene Licht, Lust- nnd Sonnenbad ansmcrkiam gemacht.
.Uttkvcpritäts-TZackricbten.
- Zum Nachiolger des in den Ruhestand getretenen Geh. Reqierungsrats Pros. .1. Hupoertz an der Landwirtschaitlichen 3l!ademie B o n „ - P o p v ck s d o r i ist der Regierung- - »nd Baueat bei der- Kgl. Regierung zu Potsdam August Heini e r l c ernannt worden. Sein Lchrauitrog umfaßt Kultiistcchnik. Mclioralionswcscn und Wasserbau. Prof. Heimcrle ist 1865 in Mainz acboren.
Ter Archivar am Staatsarck tv zu Posen Tr. Wilhelm T k r i ch ist unter Versetzung an das Staatsarchiv in Marburg vorübergehend mit der Verwaltung des Gemeinschaftlichen 'Archivs in Meiningen beaustragt worden. Zu seinem 'Nachfolger am Po jener Staatsarchiv tourt»' von! l. Mai ab der 'Archivar Tr. Albert Eggers vom Staalsarchiv in Wiesbaden bc- ruien. Dr. Dcrich, geboren 1877 zu Äerbsteiil in Oberhcise», ab- iolvieric das Gnmnasium zu Ottenbach, studierte in URarbiirg, erwarb ebenda 1899 den Doktorgrad und trat ani l. Avril 1900 als 3>olcmtär am Staatsarchiv in Marburg ein. Hier wurde er Hiissarbeitcr, 1904 Assistent, lam 1907 nach Münster, wo er am !. Ami! 191 t zum Archivar ernann: ivurdc. Seit 1912 ist Terich am Poscner 'Archiv lälig. wo er seither auch Schriit- sührer der .Historilchen Gcicllschatt iür die Provinz Hellen n>ar. Sein 'Arbeitsgebiet ist .Kirchengeichichtc Helsens und Waldccks.
VermiscHtcv.
* F ii > st Philipp Ern st zu H o l^c n l o h c - W a l d e n- burg-Tchillingsiürst, der älteste Soli» des verstorbenen Reichskanzlers, ist plötzlich an einem lchwercn Nervenleiden erlranlt und in ein Sanatorium gebracht worden.
* Ter 'Mittelpunkt Deutschlands. Aus Bitter- i eld wird gemeldet: 3lmtliche 'Vermessungen ergaben, daß das Dorf Krina im Kreise Bitterscld der Miltclpunkt Deutschlands ist. Tic Dostgcmeinde beschloß, in dem Mitielpunktc Tcntschlands einen großen Gedenkstein zu errichten.
* E i n tüchtiger Krieger. Falls die Bereinigten Staaten ein- Kriegstruppc nach 'Mexiko schicken sollten, wird man sicher gern weiteres über den braven Sergeanten M u r v btz Horen, von dem die Zeitungen iolqendc Geschichte erzählten Kürzlich landen Manöver auf den Philivvinen statt, bei denen der Sergeant mit dem irischen Namen eine Patrouille tömmondierle. Seine Leute waren ani Ende de» Tages kricgsmüde und zeigten große Lust, ihr Feldlager und Abendbrot zu erreichen, kamen aber dahe, an einen oiebirgssttom, über den sich eine Btticko svannte, die das Plakat: „Zerstört" trug. Ta die ganze Mannschast einen langen Umweg obne Wohlgefallen betrachtete, ging Sergeant Murvhn aut Stundsck»a>t ans, und da er keine Anzeichen eines nahen Feindes linden konnte, führte er seine Leute aus die Brücke. Sie waren est't halbivegS hinüber, als ein Liiizicc hcrangalopvicrt kam. „Halt!" rief er, „Sie haben ja doch anzunchmen, daß diese Brücke zerstört ist!" „Zu Befehl, Herr Leutnant," envidertc der schlaa- serligc 2«, „aber ich nehme auch au, daß meine Leute schlvimmeii!"


