Dic LandmgswaklkN in Oberhefsc»,
Man schreibt uns:
Das geplante Zusammengehen der rechtsstehenden Parteien mit den Natwnalliberalen ist gescheitert. Es war auf Grund des bisherigen Besitzstandes ein Bündnis für alle in Betracht lammenden Landtagswalilkreiic in Aussicht genommen. Jnsotgcdesscn werden die Rechtsstehenden allein in den Wahlkampf eintreten, Es kau- di'iercn in Grünbcrg der bisherige Abgeordnete Landwirt Luv-Elpenrod wieder, ebenso in Schotten Forstmeister Weber- KonradSdors, während in Ulrichstein-Derbstein Bürgermeister I o st - Bermutshain anigestellt worden ist. 'Auch in Gießen ist dic Auistellung eines rechtsstehenden Landtagskandidaten geplant. Hier ist der Dorsivende des dcutschvölkischen Vereins Lehrer Georg ik l i n g vorgesehen.
Deutsche» Neich»
Anträge zum preußischen Kul Ins Voranschlag, Tic fortschrittliche Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses hat zum «ülkusvoranschlag den Antrag gestellt, an der Universität Berlin einen Lehrstuhl für Tropenpathologic einzurichten. Ein konservativer Antrag itmnfajt, an der Universität Berlin dic erforderlichen Einrichtungen zu schaffen, die eine allscitigc Pflege der das Ausland detrerfendcn wissenschaftlichen Gebiete in Lehre und Forschung, sowie fiir die in Betracht kommenden praktischen Berufe ermöglichen. Tic Nationalliberalcn haben beu Antrag gestellt, die Regierung zu ersuchen, auf die Errichtung einer theologischen Fakultät an der Universität Frankfurt hinzuloirkcn, ohne dasiir TtaatS- inittcl in den Voranschlag ciuzustellen. Tic fortschrittlichen Abgeordneten Tr. Kunze und Traub (Tortmund) beantragen, die Staatsregierung zu ersuchen, an der Berliner Universität ein Ordinariat sur prähi st arische Forschung einzurichten, — Tie konservative Fraktion ersucht dic TtaatSrcgierung, an der Berliner Umwrjität die eriorder- liehen Cinrichlungen zu schassen, welche eine allscitige P slegedcrdas Ausland betreffenden Wisse n- schasisgebiete in Lehre und Forschung sowie für die in Betracht kommenden praktischen Berufe erniöglicheil, — Von den bürgerlichen Fraktionen wird beantragt» im kommenden Voranschlag für dic K o l o n i a l s ck> u l c in Witzen Hausen einen fortlauscnden jährlichen Staatsbeitrag von 10000 Mark einzustellen.
Kleine Anfragen imReichstagc, Abg Werner (Hersicldi fragt an: Ist der Reichskanzler in der Lage, darüber Auskunft zu erleilen, wann dem Reichstage der Entwurf eines Gesetzes über die Regelung der Rechts- und Ar- beitsverhältnissc der Angestellten bei den Notaren, Rechtsanwälten, GerichtsvoUzieheni usw. zugehen wird? Abg, Birken mayer will näheres wissen iiber das Heilmittel gegen Infektionskrankheiten des Geheimrats Tr, Melleb-rcin, das in medizinischen Kreisen als bedeutsam anerkannt ist als Heilmittel gegen Maul- und Klauenseuche und gegen Tuberkulose, — Ans die Anfrage der Abgg, Tr, E t r u v c und H u b r i ch wegen der Krankenkassen o c r P o st u n t c r d c a m t e n hat Staatssekretär K r a e t k c geantwortet, daß nach dem Geschästsergcbnis dieser Krankenkassen bisher dic Ausgaben dic Einnahmen übersteigen, deshalb mußte eine vorläufige Beitragserhöhung und eine Kürzung der Erstattung der Arzneitösten eintreten, Ter Rcichszuschuß soll indes erhöht werden, so daß in absehbarer Zeit die Kassen wieder die vollen satzungsmäßig festgelegtcn Leistungen auslverfen können, >— An f die Anfrage des Äbg, Werner (Hersseld über die M i li t ä r a n wä r t e r bei dcrReichspost anlwortet Staatssekretär K r a e t k c, daß '/? der Gesamtstellenzahl bei den unteren und mittleren Beamten der Rcichspost mit Militäranwärtern nicht besetzt werden könne, so namentlich dic Stellen im Bahnpostdienst, Seepostdienst usw, nicht, weil hier Sprachenkcnntnisse verlangt nierden. Bei ihrer Eigenart und dein vorgeschrittenen Lebensalter sind Militäranwürter im allgemeinen nicht imstande, sich die für diese Stellen erforderliche Geivandtheil anzueignen.
Aurlanv.
Die Maifeier in Frankreich, Nach einer Blät- kermcldung hat der französische Ministerrat beschlossen, den Angestellten und Arbeitern der Staatsbetriebe mitzutcilen, daß sic am l, Mai feiern können. Das „Echo de Paris" erhebt Einspruch gegen diesen-Beschluß, durch den nur den Revolutionären in die Hände gearbeitet werde.
Heer und Flotte.
Der 7 0. Geburtstag des Großadmirals v Köster, Ter Kaiser richtete aus Anlaß des 70, Geburtstages des Großadmirals v, Köster (am 20, April) an diesen eine Kabinettsordrc, in der er iym seinen herzlichsten Glückwunsch ausfpricht und ihm wegen seiner hohen Verdienste um dic Marine sowie der opferwilligen geschict ten Leitung des Flotteuvcreius das Kreuz der Großkoni twre dos Hausordens von Hoheuzolleru verleiht, — Auch der Kronprinz drückte dem Großadmiral lelegraphisch seinen wärmsten Glückwunsch ans. Tie Stadt Kiel ernannte den Großadmiral zun, Ehrenbürger.
Großadmiral«. T i r p i tz hat an den Großadmiral v. Köster in Kiel folgendes Telegramm gerichtet:
Eurer Exzellenz sende ich zu Ihren, 70. Geburtstage meine und der Marine ausrichtigsten und herzlichsten Glück wiinschc. Das an tatkräftiger Arbeit und Erfolgen reiche Leben, aus das Euere Exzellenz heute in ungewohnter Frische des Geistes und des Körpers zurückschauen, ist mit der Eni stehung und der Erstarkung der deutschen Marine unaus- löschlich verbunden. Eurer Exzellenz vorbildliches Wirken als Seemann und Flo t t c n f,ü h r c r wird ebenso unvergeßlich bleiben, wie das unermüdliche Ein treten für die deutsche Wehrhaftigkeit zur See Möge e° Eurcr Exzellenz vergönnt sein, noch viele Fahre in alter Rüstigkeit die Frucht alles dessen heranreisen zu sehen was Ihre Zucht gepflanzt hat und heute noch fördert, '
Airche und Schule.
Tic Riederwöllstädter Konferenz eine Ver einigung positiver evangelischer Geistlicher des Großhcrzon tumS Hessen, hielt heute (Mittwoch) iin „Basler Hof" zu Frankfurt ihre diesjährige Hauptversammlung ab Nach einer einleitenden Besprechung durch Pfarrer Eß- kinger-Aucrbach, hielt Pfarrer Kalbheun - Ob «r mockstadt einen Bortrag über „Tie Rätsel des Leidens- Weiter stand aus der Tagesordnung ein Bericht von P sa r rer Hill-Dalsheim: „Was predigen wir dem moder neu Menschen?" Die Konferenz besteht nunmehr bereits 50 Jahre, und aus diesem scstltchen Anlaß wurde alle Teilnehmer eine Denkschrift verteilt, die auch weiteren interessierten Kreisen zugänglrch gemacht werden soll.
Au» Stadt und Land.
Gießen, 30. April 1914,
Das städtische Gaswerk
wird in seinem rechnungsmäßigen Abschluß kür das Jahr 1913/14 außergewöhnlich qünstig adschließen. Soweit nämlich bisher scstgesteltt ist, sind im verflossenen Rechnungsjahr 2292530 Kubikmeter OVaS (gegen 2180 880 Kubikmeter im Vorjahr) produziert, so daß die Gasgewin nung eitw Zunahme von l 1 l t>70 Kubikmeter gleich 5,12 Prvz, (2,08) erfahren hat, womit das Werk seine höchste Steigerung in der Gasherstellung seit 8 Jahren zu verzeichnen hat, Ter Geldwert des Mehrverbrauchs an Gas, der erst fiir 11 Monate des letzten Jahres feststeht, stellt sich loährend dieser Zeit auf rund 15 000 Mark gleich 5,20 Prozent gegenüber 1912/13,
Der Mehrverbrauch an Gas in Gießen ist allein daraus zurückzuführen, daß das Kochen mit Ekas immer mehr Eingang findet, Zu diesem Zwecke sind zahlreiche neue Anschlüsse von Wohnhäusern selbst mit Ileinen Wohnungen an das (Riswerk erfolgt. Zwar ist der Verbrauch von Gas für Zwecke der Beleuchtung von Jahr zu Jahr im Rückgang begriffen, doch hat der Bedarf an Gas für Koch- zwecke diesen Rückgang nicht nur ausgeglichen, sondern weit überholt. Ein zahlenmäßiger Beweis dafür ist der Gasverbrauch in der Stadt am 15, Juni 1913, wo das Werk die geringste Abgabe von Gas innerhalb 24 Stunden mit 3980 (3360) Kubittneier hatte. Der Mehrverbrauch im Vorjahr kann nur für Koch zwecke erfolgt sein, da der Leuchtgasbedarf im Sommer stets ab und nicht zunimmt, Ter stärkste Gasverbrauch mit 9540 Kubikmeter (gegen 9750> fand am 17, Dezember 1913 statt,
Ter Verbrauch an Kohlen im Werk stellt sich im letzten Jahr gus 7506 Tonnen gleich 150 120 Zenttier, Aus einer Tomic (gleich 20 Zentner! .Kohlen wurden im Durchschnitt gewonnen: 305,4 Kubikmeter Gas, 705,8 Kilogramm Koks, 6,1 Kilogramm Teer uud 2,6 Kilogramm Ammoniak.
Die Zahl der einzelnen Retorte nladun gen des letzten Jahres, welche in den beiden letzten Jahren maschinell erfolgte, beträgt 42 l 70 (42 200). Es sind .trotz einer verstärkten Produktion an Gas usw, etwa dic gleiche Anzahl Retorten geladen, wie im Jahre vorher. Es geht daraus hervor, daß die Kohleubeschüttuiig für die Retorte eine stärkere war, wobei auch den Kohlen eiu etwas höherer Prozentsatz Gas entzogen wurde als früher. Die Qualität des gewonnenen Koks wurde dadurch verbessert, »
Die Mordtat in Crainfeld.
Der mutmaßliche Täler verhaftet.
= Crainfeld, den 29. April, Unter dem Verdacht, die furchtbare Bluttat an der Familie Stein begangen zu haben, verhaftete heute vormittag die Polizei in Salz den
Landwirt Hosmann und dessen Lohn Karl Hosmann, Hiesige Einwohner bezeichncten gestern bereits die beiden als die mutmaßlichen Täter, Doch konnte» sich vorerst keinerlei Anhaltsvunkte für ihre Tälerschaft ermitteln lassen» l
Erst heute früh wurde der Verdacht zur völligen Gewißheit, als ein Polizeihund eine ihm gegebene Spur direkt mehrere Kilometer weit nach Salz in Hofmanns Haus verfolgte und hier den Sohn stellte. Die sofort ausgcnommcncn umfassenden
Haussuchungen
förderten denn auch ein erdrückendes Beweismaterial za Tage: blutbefleckte Gamaschen, ein blutiges Hemd, Blutspuren an allen Kleidungsstücken des jungen Hosmann, Selbst an den Wänden klebten Spuren Blutes, Tr. Popp ^Frankfurt! könnte au Ort und Stelle feststeklcn, daß es sich um Mcnschcnblut handelte. Sämtliche Kleider wurden sofort nach Frankfurt zur Untersuchung gesandt.
Bei der Vernehmung des Menschen, der leugnete und dic Blutflecken als Ausflüsse eines Geschwürs bezeichnete, häuften ' sich die Verdachtsmomente gegen den Vater, der auch in Haft kani. Tie heute Nachmittag sortgeführte Vernehmung beider Beschuldigten stellte fest, daß der ermordete Stein am Montag in Freiensteinau war und auch in Salz die Hofmanns auf Bezahlung der sälligrn Schuldzinsen gemahnt haben soll, Tie Beschuldigten waren einst sehr wohlhabend, kamen läber wirtschaftlich zurück ünd sind setzt völligverschuld e t, Der junge H o f m a n n gilt als ein gewalttätiger Mensch, Um sich von der drückenden Schuldenlast zu befreien, faßten sie dann jedenfalls am Montag nach Steins Besuch den Plan zum Mord, Es handelt sich also aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Racheakt, Me Untersuchungen, dic in den verschiedensten Richtungen zur Ermittlung der Täter führen sollten, lvarcn ergebnislos und kehrten immer wieder zu den Hofmanns zurück. Wenn beide auch noch leugnen, so dürslc ihre Täterschaft doch schon jetzt außer aller Frage stehen. Auch dic Beschreibung, dic die jü n g st e Tochter, wie wir gestern meldeten. von dem Mörder gibt, paßt ans den jungen Hosmann,
Das Befinden der Frau Stein und ihrer ältesten Tochter, die beide im Lanterbacher Krankcnhause lieget!, hat sich bis heute abend nicht gebessert. Nach, Ansicht des Medtzinalrats Tr, Kullmann ist eine Wicdergc nein n g der beiden Frauen ausgeschlossen, ihr Ableben ist stündlich zu erwarten.
Die Mord- und Brandstelle war heute das Ziel von ungezählten Personen aus der weitesten Umgebung, Besonders hatten sich auch zahlreiche Berichterstatter eingesunden, selbst Photographen weilten an der traurigen Stätte,
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** Ter So mm erfahrplan des Gieße »er Anzeigers, der für dic Zeit vom 1, Mai bis 30, September gültig ist, liegt der heutigen Ausgabe der Zeitung für die P o st a b o n n e n t e n bei,
"DerGroßherzog empfing am Mittwoch den Oberstleutnant z, T, Mülle r, Kommandeur des Landwehrbczirks Friedberg,
** Tic erste Fahrt de SLahn Motorschiffes Tie erste Fahrt des ne» erbaute,, Motorschiffes der Lahn- (ch if fahrtSgeseklschaft ist, abgesehen von einem klci- ncu Unfall, dem Brechen einer kleinen Achse, gut verlaufen. Das Schiff nahm bei der Fahrt Eoblcnz—Lahnstein einen Umweg von nenn Kilometern übe« Braubach und gebrauchte doch nur zivei Stunden, Das Boot legte dabei durchschnittlich 4,7 Kilometer borg- und 17,6 Kilometer talwärts zurück Die erste Fahrt mit Last dauerte von Ems bis Wesseling zwischen Bonn und Köln zehn Stunden, Es wurden aus dem Rhein bis zwanzig Kilometer stündlich erreicht,
** Zirkus Blumcnseld trat heute früh mit Extrazug in Gießen ein und tagsüber rollten dic Wagen den, Oswalds- garten zu, wo pünktlich abends 8 1 /. Uhr die erste Vorstellung
stattfiiidet, Zur Beguemlichkeit des Publikums bat die Direktion im Ziaarrenhaus T-v n n 1 a g in der Sonnenstraße einen Billett- vorverkaui errichtet. Es empsichlt sich, dort rechtzeitig Billetts zu
erstehe»,
"HessischerLandcsvcrbanddcsDeutscheir Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, Die diesjährige .Hauptversammlung des Hessischen Landesverbandes des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränte findet Dienstag, den 5. Mai 1914, nachmittags 3 Uhr, in dem ehemaligen SchöfscngerichtSsaal des frittieren Justizgebäudes zu Mainz statt. Für den Abend desselben Tages ist im Schwurgerichtssaale zu Mainz eine gjscnttiche Veranstaltung vorgesehen, in welcher Herr Dr, P laut- Fralsurt (Main'! einen Lichtbildervortrcrg über „D i e A l k o h o l s r a g e" halten wird,
** Ter Ballon Gießen, den der Verein für Lustiahri bcschasst hat. nachdem ibm durch die Stadt Gießen ein Aui- bemahrungsraum dafür zur Verfügung gestellt worden ist, wich am 7. Juni seine Taufsabri unternehmen Tie urivrünglich für Ende Mai vorgesehene Fahrt mußte mit Rücklicht aus das Regiment verschoben lverden, das vom 15, Mai an 14 Tage aus dem Truppenübungsplatz Bad Orb verbringen wich. Mit der Tauf- sahrt ist eine kleine Feier aus dem Füllplatz verbunden.
** Verhaftung v o n B r a n d st i s t e r n, Bor drei Jahren brannten in Niedcr-Mockstadl 3 Scheunen vollständig nieder, • Durch dic Gendarmerie wurden zwei Personen ans Nicdcr- Mockstadt verhaltet und in das Untcrsuchungsgcsängnis' nach Gießen gebracht, da sie verdächtig sind, einen Brand atz drei Scheunen in Niedcr-Mockstadt angelegt zu haben,
** Maifeier der Burschenschaften, Wie in früheren Jahren wird heute abend, am 30, April, von den Burschcn- schaitcn eine Maifeier veranstaltet, Sic versammeln sich um 12 Uhr nachts auf dem Marliplatz und singen zuerst das bekannte Lied' „Ter Mai ist gekommen". Daraus hält der Vorsitzende der Burschenschaft „F r a n k o n i a" eine Ansprache, Daran werden sich dic Lieder „Burschen heraus!" und „Stoßt an, Gießen soll leben!" schließen,
** Cas 6 Ernst-Ludwig Heute, Donnerstag, abends 8> - Uhr, findet das Abschieds K o II z e r t des beliebten Kapellmeisters B, Ö o s s m a IIII mit einem Elite-Programm stall,
**■ Di e Gießcncr frciw, Feuerwehr hielt am Montag, wie wir berichieicu, ihre Hauptversammlung ab. Leider ist in unserem Bcrickite ein Drucksebler unierlausen. Es muß heißen Brandmeister Fa der (nicht Traber- wurde mit sämtlichen Tienst- obliegcnhcilcn als Brandinspektor betraut,
** Z u dem Ucbcrsall in der O st- Anlage wird uns mitgeteilt, desß sich der als sehr zuverlässig bekannte Schutzmann in der Landgrafenstraßc befand, als er von der Ost-Anlage her laute .Hilierusc hörte. Er eilte nach dem Iherichtsgcbäudc zu und trat in der Allee die Buchhalterin Eicke, die das Gesicht mit beiden Händen beinäl hatte und laut jammerte. Der Obcr- lellucr Gcßner hatte sich bereits aus sem Rad gesetzt und fuhr davon, indem er dem Schutzniaiin zuries: „Sie kennen mich ia!" Ta dem Schutzmann tatsäcklich die Personalien des Täters belannt waren und auch kein Finchtverdacht vorlag, hätte er sich einer gesetzwidrigen Handlung sckmldiq gcniacht, ivenn er zu einer Verhaftung oder Sistierung geschritten wäre . Ter Schutzmann hat allö völlig korrekt gehandelt, und Ivenn ihm von verschiedenen Seiten ovrgehalten wurde, daß er in dic Schlägerei hatte cingrciien müssen, so muß dem gegenüber sestgestellt lverden, daß der Streit schon zu Ende war, als er aus dem Platz erschien, Tic verschiedenen Aussagen sind wohl au» der begrciilichcn Erregung zu erklären, die sich der Zuscbaucr bemächtigt hatte, — Weiterbiw teilt uns der Oberkellner Geßner rrtit. daß er sich erst zu Tätlich- lichkeiten habe binreißen lassen, als ibn die Buckibalterin Eicke nach dem Vertanen des GcrickNsgebäudes wiederbolt beschimpft und dadurch auss schwerste gereizt habe. Schließlich bemerken wir noch, daß wir heute die vollen Namen verösientlicheii. weil es hier mebrere Oberkellner gibt, deren Namen mit G, beginnt. Der Schössenqe- richtsberick.l meldet über den Boriall u, seine Vorgeschichte das iol- gendc: Aus Grund einer Anzeige, die die Buchhalterin G, Eicke von hier gegen den Oberkellner Adols Gcßner von hier im Case A,> crslatlciZiaNe, versoigt dieser die E, nw er sie sieht und droht ihr snit iSchlägen. Am 15, Oktober traf er die E. wieder und alsbald setzte seine Versolgung ein, und konnte sich die E, seinen Au- grisscn nur durch eilige Fluchr in einen Laden aui dem Marktplatz retten, G, 'patte aber bereits mit einem dicken Spazierst ock zu einem Schlage ausgeholt und batte sicher beim Treffen die E, zu Boden gcsttcckt, G, wurde deshalb durch Strasbeschl wegen Uebenreiung des Ü 367 Abs, 10 Sl.G B, in eine Geld- strafr von 10 Mark genommen, wogegen ec hie gerichtliche Entscheidung anric!. Das Gericht sab aber Heine aui Grund der Beweisaufnahme keine Veranlassung, die Sttase auszulieben. Wie reck» cs getan hatte, sollte sich alsbald erweisen. Denn kaum cnlsernte sich die Eicke aus dem Gerichtsgebäude, als G, von neuenr aui sie zustürzkc und ihr mehrere Faumchläge ins Genick und ins Gesicht versetzle, und sich eiligst aus seinem Rade cni- scrittc. Dieser Vorgang wurde von verschiedenen siierichtsver- ionen beobachtet. Hoffentlich findet dos Gericht bei der neuen Verhandlung Veranlassung, die Angriffslust dieses schlagfertigen Oberkellners aus wehrlose Frauen durch eine exemplarische Ge- fängnisstrasc zu vertreiben,
** Berichtigung, Infolge eines Schreibfehlers ist in dem gestrigen Bericht über die Siraikammcrsitzung ein Irrtum unterlausen, Wegen llcbertretung des Fischcreigesetzes ist der ?lngcklaatc H, B, nicht zu IM Mk, sondern zu 3Mk, Geldstrafe verurteilt worden.
** Kl e ine M it tcilu n g eu. Ein schwerer Einbruch wurde in dem bei Lampertheim gelegenen Hosgui „Bockshcimer Los" ausgesührt. Als Täter koinmi ein Taglöhncr Michel Sun- nowIisch aus Galizien in Betracht, der inzwischen oerschwun- den ist. Er hat eine Reilie von Kleidungsstücken, eine namhafte Summe Geld, verschiebtne Uhren etc, mitgenommen. Bisher gelang cs nicht, seiner habhaft zu werden, — Von Floßarbcitcrir wurde am Mainufern bei Mainz vor einem etwa 50 Meter oberhalb der Mainbrücke angelegten Floß unter anderen ange- schwemmicn Abfällen eine nackte Kindcsleichc männlichen Geschlechts gefunden. Dem Aussehen nach zu schließen, Hai das Kind, das anscheinend alsbald noch der Gcbutt dem Main übergeben wurde, schon längere Zest im Wasser gelegen. Die Leiche wurde nach dem Friedhos gebracht. Von ders Kindesmultcr fehlt noch jede Spur,
Landkreis Gießen.
— B e t t e n h a u s e n, 3 1 , April. Wie uns mitgetcilt wird, beruht die Nachricht, daß sich mit der Frage der Bürgeriiieisterivahl die Ctaatsanwattschalt habe beschältigen müsse», aul einem Jrrlnm. Diese Richtigstellung kann nur mit Freuden begrüßt werden, denn sie wird im Verein mit der auitlicheu Bestätigung der Wahl geeignet sein. Ruhe und Frieden in dem in den letzte» Wochen so ans- geregten Torte wieder herzusiellen,
m . M ü n st e r , 28, April. Dem Schäfer verendete ein wett- voller H u n d. Der herbeigerusene Peterinärarzt stellte fest, daß der Tod durch Vergütung ersolgt sei, Mch fand der Schäser aus dem Felde einen vergisteten Köter, der in Zeitungspapicr cingewickelt war. Es ist Anzeige erstattet worden,
m, Hungen. 30, ?lpril. Gestern abend ging da S Pferd eines hiesigen Landlvirts durch und rannte an dem Bahnübergang gegen die Barriere. Hierbei riß es sich an dem an der Sckxere des Wagens befindlichen eisernen Haken den Leib auf. Der Lenker wurde herabge- schleudert und kam mit geringen Berletzimgen davon.
Kreis Büdingen,
— Büdingen, 29, April, Die Nachricht, daß in Orlek- hansen bei Büdingen ein Förster von einem Wilderer erschossen worden sei, ist, wie uns die Staaisanwaltschast mitteilt, völlig nnrichiig und in allen Einzelheiten aus der Lust acgrissen. Es ist weder ein Förster crschoslcn worden, noch hat überhaupt cin Kampl stattgcsundcn.


