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Nr. 95

Der Sltfimr Anzeiger

erschein! täglich, außer SanntngS. - Beilagen: viermal wörvemlich Siehener^Lmilieii dl etter; t>vk>malwöchei>:l.Srei;- dlall stir den Kreis «letzen (Dienstag und Freitag); zweimal inonatl. kand- wirlichaflliche Skilfraaen Feruiprech - Anlchtichc: Inr die Redaktion N2, Verlag u. Erpedition dl üldrefle iiir Depeschen: Anzeiger Gieße«. Annahme von Anzeigen iiir die Tagcsnuminer dis vormittags !t Uhr.

m. Jahrgang

euer An

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der 8nil»l'schen Univ.-Such nnd Steiudrnckerei N. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: §chulf<ratze 7.

Zreitag, 24. April M4

Be »1 q 4 prets:

monatlich75Ps., viertel­jährlich Dlk. 2.20'. durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 05 Pf.; durch bic'i'oft Mk. 2.viertel- jährl. ausjchl. Benellq. Zeilcnpreis: lokal 15Ps^ auSwärts 20 Menniq. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für den polit. Teil: Aug. Goelz; für .Feuilleton", .Ver- nnfchteS" und^Äerichts- saal": Z^arl ?teuralh; fürStadt und Land": 5lurt Bcndt; für den Anzeigenteil: H. Beck.

Die heutige Nummer umsaht 12 Seilen.

Tageskaleudcr ans dem Jahre 1814.

2 4Jtprit. Jener bfe DaIIktcstks in W i c B o rt für den glor­reich beendeten Befreiungskrieg. Am VorabendEin läuten des Festtages mit allen (blocken, am Tage selbst Illumination des Rathauses.

Die Amerikaner in verscruz.

Auch heute herrscht noch Ungewißheit über die vom Präsidenten Wilson weiterhin zu beiolgendc Politik in Mexiko. Trotzdem in Veracruz Blut geflossen ist und die Mexikaner von den Dächern der Häuser aus die Amerikaner geschossen haben, gehr der amerikanische Admiral mit äußer­ster Milde vor. Mit großer Svannung wartet nian nun aus das Verhalten derRebellen", Carranzas und seiner An­hänger. ^ic scheinen die Hoffnungen Wilsons und Brvans nicht bciolgcn zu wollen, und Carranza hat im Gegenteil an Wilion eine Erklärung geschickt, daß der amerikanische Einfall inBeraeruz die mexikanische Unabhängigkeit Vvdrohe und daher auch die mexikanischen Gegner Huertas in den «rieg mit Amerika verwickeln würde.

Wir erhalten folgende Meldungen:

Einigung der Rebellen mit den Anhängcr» Huertas?

Washington, 23. April. Wie das Kviegsamt er­fahren hat, tmben sich die Rebellen bei Tampico mit den Anhängern Huertas gegen die Amerikaner vereinigt.

Chihuahua, 23. April. Die an den Präsidenten Wilson gerichtete Erklärung des Rebellen-Ge- n c r a l s Carranza über den Standpunkt der Insurgen­ten hinsichtlich der Besetzung von Veracruz besagt:

DaS mexikanische Volk erkenne den Usurpator Huerta nicht an. Dieser sei nicht befugt, Genugtuung zu fordern «.'der zu verbürgen. Seine ungesetzlichen Handlungen würden von den konstitutionaliftischen Gerichten unbeugsam verfolgt. Der Einfall in unser Gebiet," fährt Carranza fort,und das Verbleiben Ihrer Truppen in Veracruz sind eine Ver­letzung unsere. r Unabbängigkeit und S o u - veränitätSrechle. Sie wird uns in einen ungleichen Krieg verwickeln, den wir bis heute zu vermeiden wünschten. Hum Schlüsse fordert er Wilson auf, die Feind­seligkeiten einzustellen, den amerikanischen Trnpvcn die Räu­mung von Veracruz zu befehlen und die Forderungen für die Vorgänge in Tampico der konstitutionaltstischen Regierung gegenüber zu iormulicrenß welche sie im Geiste der Gerech­tigkeit und Versöhnung prüsen werde.

Die Ziirückberufung der Botschafter.

Washington, 23. April. Dem nordamerikanischen Geschäftsträger in Mexiko O'S h a u g h n c i i n sind die Pässe zugestellt worden Wie O'Shan.ghnZsy meldet, beabsichtigt er, die Stadt Mexiko am Freitag zu verlassen. In amtlichen Kreisen Washingtons wird der Umstand, daß Huerta L'Shaughness» die Pässe zustellke, als einleitende; Schritt zu einer Kriegserklärung ausgelegt.

Washington, 23. April. Der mexikanische Ge­schäftsträger in Washington, Algara, hat seine Pässe gefordert. ,

Die Amerikaner haben die drei Meilen von Vcracruz landeinwärts besindliche» Schanzwcrke ei »genom­in c it. .

New bork, 23. April. Kontreadmiral Badgcr be­richtet, daß bei der Einnahme von Veracruz 12 Amori- kaner getötet und 50 verwundet worden seien.

Ter frühere mexikanische B-schlShabcr in Veracruz, General Maas, meldet, er beabsichtige nrit großen Ver­stärkungen von Pueblo aus gegen die Stadt zu rücken.

Aus Juarez wird gemeldet, daß die britischen Untertanen aufgesvrdert wurden, unöctjüg- lich Mexiko zu verlassen. Diese Aufsordrrung ging von dem britischen Botschafter in Washington an den bri- tischen Konsul in Juarez, der sie sosort den anderen briti­schen Konsuln in Mexiko telegraphisch übermittelte. Es leben ungefähr 700 Engländer in Mexiko.

Washington, 23. April. Staatssekretär Br Han kündigte an, daß er sich mit der brasilianischen Regierung dohin verständigt ltzibr, daß das Archiv der amerika­nischen Botschaft in der Stadt Mexiko der bra- s i t i a n i s che n G c s a n d l s ch a s t übergeben wird.

Die Lage in Mexiko.

Mexiko, 23. April. Tie Nachricht von der Landung der Amerikaner in Veracruz und das Gerücht von einer Landung in Tampico hat hier lebhafte Bewegung und tiefen Eindruck hervorgerusen. Gestern waren alle Ge­schäfte geschlossen, weil inan ernste Ereignisse besürchtetc. Manifestanten durchziehen unter Hochrufen auf Huerta die Straßen und rufen:Tod den Amerikanern!" Bisher ist die Bevölkerung ruhig. Tie amerikanische Gesandtschaft wird von einer bewaffneten Macht bewacht. Die amerikanischen Konsuln forderten ihre Landsleute aus, abzurciicn. Auch mehrere Deutsche verließen die Stadt. Indessen besteht kein Grund zu Befürchtungen für die europäischen K o l o n i e n.

Die Entsendung deutscher Schisse.

Berlin, 23. April. Gegenüber den Angaben der Presse über die geplante Entsendung mehrerer deutschrr Kriegs­schiffe in die mexikanischen Gewässer erfährt dasW. T. B.", daß eine Vermehrung der zum Schntzdienst dorthin ent­sandten Schiffe nicht beabsichtigt sei. Wie bekannt, befinden sich gegenwärtig der kleine KreuzerNürnberg" an der West­küste und der kleine KreuzerDresden" an der Ostküste von Mexiko. Der letztere soll durch den kleinen KreuzerKarls­ruhe" abgelöst werden, sobald dieser seine Probefahrten er­ledigt hat.

Aus kläffen.

Die AnstellmigSverhällnisse der mittler«, Beamte» in der h-ssisch-prcußischen Eisenbahugemeinschaft

sollen nach einer soeben der Zweiten Kammer vorgcleqlen Regie­rungsvorlage in mancher Hinsicht eine wesentliche Verbesserung erfahren. Nach den Bestimmungen des StaatSverttags zwischen Hesien und Preußen war für die ctatsmäßigc Anstellung der mittleren und unteren Beamten in der Eijenbahngemeinschait eine bestimmte Anzahl etatsmäßiger Stellen tür hessische Beamten vorbebaltcn, und zwar bei dem Personal der Direktionen und Acmtcr, sowie bei dem Fahr- und Zugpersonal nach dem Ver­hältnis der Größe und Bedeutung der zuiammengelegten strecken und bei den sonstigen Stellen nach dem Personalbedarf der im Eigentum Hessens stehenden Strecken; die Größe und Bedeutung der zusammengelegten hessischen und preußischen Strecken wurde hierbei mit l:<0 bewertet. Auf diese Weise war zwar den hessi­

schen Beamten ein entsprechender Anteil an EtatSstelleu genckiert. Andererseits aber kalte diese Festlegung aut bestimmte stellen iiir die Anwärter verschiedener hcsiiicher mittlerer Beamten aasten auch mehrsoch erhebliche Nachteile im Ge'olge, da weitere An­wärter Nicht angestellt werden konnte», sobald die vorgesehene Im- iiiche Iaht besetzt war, wahrend dienitiüngerc vrenßlsche Anwärter ibrcr Ticnstklasse etatsniäßig angestellt wurde». Durch die entgegen kommende» Maßnahmen der preußischen Staalskiscnbahvverwaltnng waren diese Nachteile schon bisher gemildert worden, indem bet der Verteilung vcrsngbarcr Stellen für technische Estenbalmickre- täre, technische Burcauaiiistenlen, Eiienbahnlandmcsstr, Babnhoss , Güter- und »ässenvorstclnr Utch Kanzlisten hessische Anwärter dieser TienstNassen auch über den hessischen Anteil hinaus berücksichtigt wurden, wenn sic gndcrensalls von dienst! ünaeren vreußischen An­wärtern überholt worden wären. Die Großh. Regierung hat letzt mit dem preußischen Minister der össentlichen Arbeiten eine neue Vcrclnbarung über die Anstcllungsgrundsäne sür lene Bcam- len gclrosicn. Darnach sollen die in dem bestimmte,' Anteilsvex- hältnis einberuscncn bcsiiichen Ticnslanfänacr künstig ihrem All» wärtcrdienstaltcr entsprechend mit den preutzischen Anwärtern zu­sammen in einer gemeinsame» Anwärterliste vorgenicrkt werden, so daß sic also in gleicher Reihenfolge mch diesen zur etatsinäsngen Anstellung gelange». Es geschah dies nach Art. 14, 5 des Staats- Vertrags schon bisher bei de» Besördernngsstellc» und ist auch sür die Einberufung und Anstellung der höheren hcjsslschen Be­amte» der Gemcinschalt bereits eingeiübrt. Von der sctzigcn Neu­regelung werden alle diejenigen Stellen betroffen, in denen die erste etatSmäßigc Anstellung der mittlere» Beamten stattfindet, d. h. neben den oben Erwähnten noch die Bahnmeister, Werkmeister und Eisenbahnossistentcn. Bei den Unterbeamien wird cS dagegen bei dem sonstigen Veriahre» verbleiben muffen, ba fielt ihre Er­gänzung in einer wesentlich anderen Art vollzieht, als bei den mittleren Beamten. Tie Neuregelung ersolgt bereits niit Wirkung vom l. Januar >!I>4 ab, loudurch erreicht Ivurde, daß sck»n eine erhebliche Zahl hessischer Anwärter alsbald angestellt werden konnte. Nach einer der Vorlage bcigegebenen Darstellung gelangten infolge ihrer Einreihung in die gemeinsame Anwärterliste ani 1. Januar sosort 38 hessische Anwärter der Eiscnbahnassistcnlen, und am I. Februar drei weitere in der richtigen Reihenfolge zur ctatS tttäßige» Anstellung. Für Bahnhoss , Güter und Kastenvorslcher waren durch Vergünstigung des Eiscnbahnministers schon 1913 tat­sächlich >96 Stellen mit hessischen Beamten besetzt, während der hessische Anteil nur 125 Stellen betrug. Das Finanzministerium sucht im Anschluß an die näheren Darlegungen um die Zustim­mung der Landstände zu diesen Abmachungen nach.

rb. Darmstadt, 23. Avril. Ucber die Ticnstbezügr der st a a t l i ch bestätigten FvrstwartelKommunalsorst- wartcl ist den Landständcn eine Vorlage unterbreitet worden, wonach im Wesentlichen eine Besserstellung der Kommunalsorst- wartc in derselben Weise erfolgt, wie sie durch das neue Besol­dungsgesetz den Tomanialforstwarten zuteil geworden ist. Tic ent­scheidende Bestimmung lautet:Ter Gehalt der .Kommunaliorst- warte in Forstwarteicn mit 300 Hektar oder mehr Wrldsläche be- mißt sich nach den Vorschriften, die sür die Tienstbezügc der Do- manialsorsttvarte jeweils gelten: die Bekleidungszulagc bleibt hier­über außer Betracht." Ter zweite Absatz trifft dann nähere Be- stimmungen sür Forstwarteien mit weniger als 300 Hektar Dald- släche. In der Begründung wird ausgeführt, daß bei der gleichen Ausbildung der Kommunal- und der Tomanialsorstwane auch eine völlige Gleichstellung in ihren Bezügen gerechtfertigt wäre. Es mußte aber jetzt davon abgesehen werden im Hinblick aus die Dcr- schicdcnartigseit der Verhältnisse in den Kommunalsorstwarleien. Das härte erhebliche Schwierigkeiten ergeben und die Äusbesicrung verzögert, die bei der Notlage eines großen Teils dieser Beamten unaufschiebbar ist.

I'a; Königspaar von England in Paris.

Paris, 23. April. Ter König und die Königin von Eng­land veranstalteten gestern abend in der englischen Botschast zu Ehren des Präsidenten ein Diner, an dem das divloniatiichc

Frühling im Schwarzwald.

Von Anton Fendrich.

Denn der Frühiing aus die Berge steigt und im Sonnen­strahl der Schnee zerschmilzt" diese durch die beiden bekannten Zeilen des schönen Liedes gezeichnete Jahreszeit ist mit ihren seinen Reizen noch so gut wie unbekannt. Die Bauern, die oben in de» Bergen des Schwarzwaldes oder der Schweiz wohnen, haben an andere Dinge zu denken, als an loeichc Farbensttmmung. ünd die Städter, deren begüterter Bruchteil den Winter ans den Höben durch den Schneeschuhsport hat kennen lernen, gehen im Frühling wohl deshalb nicht aus die Berge, weil cs nicht Mode -ist. Dos ist gut so: denn der einsame Wanderer und Naturfreund hat dann wenigstens einige Wochen Schonzeit und kann die Wälder und Hohen durchstreifen, ohne innner aus ganze Herden von Lllenichenvolk zu stoßen, die an der Idee leiden, die Natur bekäme erst durch ihre Anwesenheit richtigen Wert.

Wer bei uns im Frühling aus die Berge geht, der muß gegen das Lächeln der Menschen geivappnct sei». Die langen Schnee­schuhe, die man initnehmen muß, auch wenn e£ »men in der Stadl schon überall blüht und sprießt, reizen die Svoltlust so manches Mitmenschen, der die Berge immer nur aus der Froschperivektive gesehen hat. Was der Frühlrngslondichast in den Schwarzwald- tälern ihren innigen Reiz verieiht, das sind vor allem die seinen, weißen Linien des Schnees, der dinier den Kanten der Bergmulden von der Sonne noch nicht erreicht worden, die die Plastik der Berge dem Ange viel näher bringen. Im Vordergrund legen sich die Bergrücken in braunen und gelben Tönen übereinander Und verlieren sich, je werter sie m den .Hintergrund hineinstehen, in ein dunkles Blau oder Violett Ins zu den höchittn Kuppen, über deren weißen Tchneeseldern sich das blaue HochzeitSzelt des Früh- ling-stimmels spannt Der Ucbcrgang vom Frühling zurück in br» Winter ist oft ganz plötzlich. Man kann neben einem rauicheu- den Fluß mal überhangendem blühenden Gebüsch aus einer stauln- gcn Talstraße im heißen Sonnenschein dahinwandern, und sich nach einer scharien Dcgbiegung plötzlich am Eingang einer Schlucht be'inden, über deren schneebedeckten und vereisten Weg ein kalter «tintktwind webt Die staubigen Stiefel nehmen sich dann aut den Schneeschuhen, die bald angeschnallt werden müssen, sonderbar genug aus. lind trotzdem, man riecht cs, wenn man cs auch nicht lieht dost es nicht mehr Wnter tft in den Bergen. Das Leben regt sich schon in . den Tannen und sie strömen wieder Harzdust ruü Ilwe untern Zweige stecken zwar noch wie sttafi angc- stzanntc Taue in der metcriieien Schneesast, aber die Stämmc habcn sich den Schnee wenigstens handbreit oder noch breiter -ingsherum vom Leib geschasst.

Eines der schönsten Wunder des Frühlings im Schwarzwald ist die Entschleierung der Apen. Die Lust besitzt einen Durch-

sichtigkcitsgrad, daß die wildgczackten Brrgricscn der benachbarten Schweiz, die sonst hinter Dunstschleiern verborgen sind, mit un- scrn badischen Bergen so zusannnenhängen scheinen, als Iväre der Schwarzwald nur ein Stück von ihnen. Besonders morgens und abends läßt sich ein seltsames Naturwunder beobachten, näm­lich dielinierten Alpen". Tie ganze Kette vom Säntis bis zum Montblanc erscheint mi! hellblauen und Izellgraucn horizontalen Streiten abwechselnd durchzogen. Es sind dies übereinander ge­lagerte, warme und kalte Lustschichten, die, wenn He besonders stark austreten, insolge von anormaler Strahlenbrechung das Bild mancher Berge vollständig vcrzcrren können. Farbcnkünste der überraschendsten Art treibt die Tonne aus dem Schnee und beson­ders während der länger als im Winter dauernden Sonncnaus- und Untergänge kann man den Glauben, daß der Schnee immer weiß sei. ein- für allemal los werden. Vom leuchtendsten Rot bis zum tiesstcn Blau linden wir die glänzendste Palette der Natur aus dem Frühlingsschncc des Schwarzwaldes.

Weit weniger, als man vermuten sollte, hat der Schnee in den Höhen über cl'- oder zwölihundert Metern abgenommen. Er erreicht dort sogar im Monat April und Mai seine größte Höhe. Zwei bis drei Meter sind das geivöhnlichc, aber er ist morsch geworden und wer nicht sehr vorsichtig ist, der kann aus einer vollständig ebenen Schncciläche auch mit Schneeschuhen »läß­lich einbreckien und sich nach einer Versenkung von 3 Meter Tiefe in dem Bett eines lustig rauschenden Bächlei^ wicdersindcn. Das Wasser arbeitet von unten her und die Sonne setzt dem Schnee von oben her zu. Letzteres geschieht nicht durch eigentliches Schmelzen, sondcrn durch langsames Verdunsten. Deshalb büßt man dm Genuß des Farbeniviels in, Früh'ingSschncc sehr oft mit einer bösen Erkaltung. Die Sonnenstrahlen werden nicht, wie bei der trockenen Kälte im Winter, reflektiert, dadurch Wärme bisdcnd, sondern ne erzeugen eine feuchte Bcrdunstungsschicht über dem Schnee von etwa einem Meter Höhe.

Da, wo die Schnecmassen an steilen Tlbstürzen im Lause des Winters zu weit überhängendcn sogenanntenWachten" ,u- sammcngesrieren, da geh; der Tauvrozeß natürlich weniger ge­räuschlos vor sich. Wenn solche viele Hunderte von Zentnern wiegende Schncebrockcn durch ilxr eigenes Gewicht losbrecken und zu Tal stürzen, so geschieht das unter einem weithin hörbaren Donnern. Tie verheerende Gewalt der Lawine in den Alpen besitzen sie natürlich nicht, aber es ist doch gut, wenn man das Nieder­gehen einer Wachte im Schwarzwald aus aeciqneter Entfernung beobachtet. Ist das SchauPiel vorbei, dann findet man als Nach­zügler der Lawine ausgcrolltc Schneeschnecken. Das sind kleinere abstnrzcnd.' s-chnccmasscn, die sich aus ihrer Bahn den Berg herab zu rieiigen weißen Ammansbärnern auirollen. Es gibt deren von drei bis vier Meter Durchmesser.

Ueberraschend ist cs, daß man in den weißen Schneelandlchaften des Schwarzwaldes im April und Mai die lcichtbcsicdcrle, singende und subilicrendc Vogelwclt finde!, wie drunten im Tal. Die kleinen Sänger lassen sich durch den Schnee nicht darüber iäu- schen, daß es Frühling ist. Die Menschen, die da oben i» ihren einsamen Hütten hausen, wissen das zwar auch, aber wenn sic etwa mit Familie und Hausrat zu Tal ziehen wollen, dann müssen sie ltzibsch Ivartcn, bis die Wege schneefrei sind. Tie Todt- nauer Hnttenwirttn möchte schon lange gern zu Tal. Sie wird vielleicht bis in den Juni hinein warten müssen. Für den Per­sonenverkehr kommt besonders jetzt bet dem brüchigen Schnee der Schneeschuh zur Ehre. Als er im Schwarzwald noch lischt bekannt war, hat man sich auch schon zu helfen gewußt. Wenn der alte Raimardibauer mit selbstgeflockstenen Schneereifen on den Füßen die steile Sechaldewand entlang auf den Feldberg ging, dann l»ttc er beim Ausstteg vorn immer einen Leserschurz, damit er sich den Unterleib nicht erkältete. Bei der Heimsahn wurde der Lederschurz nach hinten gedreht, zwischen den Beinen vorgczogcn und als wasserdichter Schlitten benutzt. Mit Hu: fuhr der ?llte gegen Abend, wo der Frühlingsschnec immer miedet gefriert, hinab ins Tal, wo schon die Primeln blühten.

Deutscher Wcrkbund. Anläßlich der bevorstehenden Eröffnung dir Deutschen W c r k b u n d a u s st c l l u » g in Köln, die die erste deutsche Oualitätsschau sein wird, wird am nächsten Samstag im Hoiel Esplanade in Berlin ein Tee zu Ehren deck in Berlin beglaubigten diplomatischen Korps stattiinden, zu dem der Präsiden! der Deutichen Werkbund-Ausstellung, Herrenhgus- mitgli'-d Oberbürgermeister Aallras Köln' und trr Töven des diplomatischen Corps Botschafter Gras Szö gen»- Marsch einladcn. Die Deutsche Werkbund-Ausstcllung Köln 1914 will in Form einer nationaien Ausstellung einem internationalen Ge­danken Ausdruck verleihen, der zur Zeit alle Knlturstaatcn bewegt: sür die industriellen und handwerklichen Produkte die vollkom­menste Form zu sinken. Das Ehrenpräsidium der Ausstellung ver­einigt die Staatssekretäre der deutschen Reirksämter Dr Delbrück (als Vertreter des Reichskanzlers) und Tr. Sols und die Mitglieder der vreußischen Ministerien: Tr. Sydow, Tr. Lcntzc, v. Dreilcn- bach, Trott zu Solz und Tr. Freiherr v. Schorlemer sowie die Mi­nisterpräsidenten der deutschen Bundesstaaten. An dem Tee werden Diplomaten und Konsul». Vertreter der Rcichsänner und Ministerien sowie die fremdländiichc Mid Berliner Presse t.-ilneb- mcn. Es sind vrvgrammati'cktc Vorträge vorgesehen vom Vor­sitzenden des Deutschen Weltbünde-, dem Württembergitchen Hof- rat Peter Bruckmann, vom Äosner Oberbürgermeister Wallraf und vom Kölner Bürgermeister Re ho ist über den Werckbund-