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R. v. A. L.-Vagensahrt

Di' Ausschreibung unserer grössten diesjährigen autvmobil- sporllichen Veranstaltung, die klassische Wagensalfrt des Allge- nieinen Deutsche» Automobil-Club ist erschienen und wird eS ainscre Leier interessieren, die wichtigsten Details derselben zu er- fnlircii. Tie A, D. A. E -Wagensahn 191t, deren alteinigcr Ler- anstaller wieder der Allgemeine Deutsche 'Antomobil-Elub ist, gliedert sich in diesem Jahre in 51 m Abteilungen und zwar 1. in eine Fabrik-Teams-Fahrt und 2. in eine A. D. A.-E Mil- Vilicderfahrt, Beide Abteilungen starten am lti. Juli in Frankfurt am Mai» und beenden die Fahrt a>n 18. Juli in Polen, tovselbft die diesjährige A. D, A. E.-Sportwvche stattfindet. In Klasse I haben di- Fahrer insgesamt rund 1950 Kilometer und in Klasse II insgesamt »und 1150 Kilometer zurückzulcgen. Die zioe, ^ersten Tagcsetappcn gehen gleichmähig über je 400 Kilometer (Frank snrt a, MEisenachDessau', wälrrend die dritte Etappe bei den Fabriksahrcr» zirka 550 Kilometer und bei den A. D. A. C.» Mitgliedern zirka 950 Kilometer nnisaht Der Wettbeinerb ist international und ersolgt aut denr Prinzip der Ohne-Halt-Fahrt. Die Satzungen der Fabrik-TeamS-Fahrt sind gemeinsam mit dem Industriellen Verband ausgcaibeiiet toorden und findet daher die betreffende Veranstaltung auch die Unterstützung deS Vereins Deutscher Motorsabrzeug Industrieller. Wir werden deshalb 191 l wieder eine offizielle Fahrt der Deutschen Autonrobil-Industrie erleben, die im Voriahre aussallcn mußte. In dieser Klasse itt di' Stärke der zuzulasienden Motor.' aus z-hn 2ieuer-P>L bc- sMränkt worden, da sich daS Hauptinteresse des grollen Publikums aut die leichteren Fahrzeuge erstreckt. Die Fabriken können iich rnchr aüi die leichteren Fahrzeuge spezialisieren und cS Iverden ihnen unnötige kostspielige Ausgaben stir die schwereren Thpeu

Das WertungSverfahren zeigt verschiedene beachtenswerte Neu- heilen. Jede teilnehmende Fabrik must drei Wagen melden, die iedoch von verschiedener Stärke sein ditrsen. Bei der Fahrikiahrl sind nur Vierradwagen zugelassen. Die Drriradwagen konkur­rieren in der Mitalicder-KIasik. Jedes Anlwlten van Waaen und Motor wird bepnnklet. Ausgenommen das Anhalten des Wagens bei Wegehindernisien und bei einem freiwilligen Anientltalt, der 90 Minuten pro Tag nicht übersteigen d-rs. Eine MittagSvansc findet nicht statt. Frühmorgens vor dem Stark erhalten die Fahr­zeuge der Klasse I 20 Minuten frei fürAuffüllung von Betricbs- sioss und Kühlwasser, sowie Reviiion de) AagenS. Die Fahrer der Klasse It erhalten hiertür 40 Minuten ireiaegcbcn. Jedes lieber- schreiten dieser turnen Zeit wird bcpnnktct. Bei den Fahrern der Klasse I wird anszerdcm »otfi daS leichte, und schwere Angehen -dc§ MotvrS bewerfet, wobei besondere Rücksicht auch aus die neuen .Selbststarter genolmnen ist. Aus dielen in qan; kurzen Umrissen oeschildcricn Details der Wertung ist bereits ersichtlich, dal! die Fabri ein- intereisante Erprobung der modernen Motoriabrzciiac il, iich birqt. Durch Einlegung schwieriger Bergstrccken. für die noch briond're BoriMrislen vorgesehen sind, wlrd auch die Berg- slcigesihiakeit der leichten svahrzenge eingehend gevrüit. In Posen werden die konkurrierenden Fahrzenae in der Ausstellungshalle d'S A. D. A, C. mehrere Tage zur Schau gestellt und da wohl elle bekanilten Fabrikate in mehreren Tnpcn vertreten sein wer- den, so wird dem Interen'cnten eine sehr günstige Gelegenheit geboten kein, sich über die Vorzüge der verschiedenen Fabrikate per-'önlich zu orientieren. Wir werden aul Einzelheiten der Fahrt noch zurückkomme».

Die Entführung einer jungen Javanerin vor Gericht.

4 Berlin, 21. April.

Tie zweite Straskammcr deS hiesigen Landgerichts III verhan­delte heute in der bekannten Entführungsgeschichte der aus Java geborenen 15,ädrigen Agnes Menke gegen die vier Mitglieder bei Familie .tzolzke, nämlich den Ehemann Friedrich bolzke, bellen Ehefrau Margarete und die beiden 24 bezw. 21 Jahre alten Töch­ter Ella und Margarete. Aus der Vorgeschichte des Prozesses ist belannt, dal; die Enuührtc als Tochter deS Zahnarztes Dr. Gorodiski geboren wurde, der eine Zeittang Leibarzt eines eil,geborenen Fürsten aus Java war. Nach seiner Rückkehr nach D.'ntschland lieh er slch von seiner Frau scheiden und trat^ in srenndlchastlichen Berkehr zu der Familie tzolzke, der er auch seine Kinder Agnes und tzans zur Erziehung übergab. Nachdem er durch einen luxuriösen Lebenswandel sein beträchtliches Vermögen durchgebrgcht hatte, beging er unter romantischen Umständen Selbst­mord. Seine geschiedene Frau heiratete in London den Groh- kaufinaiin Menke unü wollte ihre Kinder aus erster Ehe zu sich ins Daus nehmen Das glückte ihr nur bei dem Sohne tzanS, wäh­rend die Uebergabe der Tochter Agnes von der Familie tzolzke unter allerlei Änsflüchte» verzögert wurde. Als dann die Frau Menke polizeiliche und gerichtliche Schritte unternahm, wurde das Mädchen zunächst vor den recherchierenden Beamten versteckt und sväter regelrecht entiührt, b>S ihr Auscnthglt durch den bekannten Detektiv Gräger ermittelt tour«, so dag cS seiner Mutter wieder zugesnhrt werden kannte.

Der Angeklagte Holzke, der bereits 18mal vorbestrast ist, be­stritt bei seiner Vernehmung, daß er sich irgenbwik schuldig ge­macht habe. Der verstorbene Gorodiski habe ihm die Kinder anS tzerz aelegt und daher Hab: er sich für ocrpilichtet grdallen. sich des Mädchens anzunehmen. Ter verstorbene Vater habe lehr an dem Kinde gehangen und sogar einmal einen Estrazug nach Dres­den oenommen. um es zu bezüchgn, als es erkrankt loar, während' di- Mutter sich um das Kind nicht gekümmert habe. Unrichtig sei eS, hast er das Mädchen anS cgoistil'chcll Motiven zurückbe- halten habe, das Mädchen habe eben v»n seiner Mutter nichts wissen wollen. Die Forderungen, die er an Frau Menke gestellt habe, seien berechtigt gewesen, denn er habe entsprechende Auf» Wendungen gemacht. Der Angeklagte gibt zu, das; daS Mädchen sich im Bette seiner Töchter verstecken muhte, als die Polizribcamten recherchieren kamen Ter Angeklagte behauptet weiter, dah das Landgericht I lerne Angaben über gemachte Aufwendungen für aus­reichend gehalten llabe. um einen Arrest in gleicher Höhe zu er- lakien. Tie Angeklagte Frau tzolzke null iich um die ganze Ange legenhcit nicht bekümmert, sondern nur ihren Haushalt bestv'gt haben. Die Angeklagte Ella tzolzke gibt zu. dah sie sich keckzBei- hil'e zur Kindsentiührnng schuldig gemacht hat, sie habe das aber nur getan, weil ihr Dr. Gorodiski vor seinem Tode sagte, sie möchte dafür sorgen, das, die Agnes vor ihrem 16. Lebensjahre nicht in die Hände der Mutier komme. Sie und ihre Schwester hät­ten freundschaftlich mit Tr. Gorodiski verkehrt, ein Verhältnis, das über die erlaubten Grenzen hinausging, habe jedoch zwischen ihnen nicht bestanden. Tie Mutter der Agnes hätte sie einmal in Dresden kennen gelernt und die hätte aus sic keinen günstigen Eindruck gemacht. Tie Mutter hätte ihr Tinge erzählt, dah sie davon ganz entsetzt war. Sie habe außerordentlich viel herum- vouliiert und ihr Kind schlecht behandelt Einmal dabc sie zn der Agnes gesagt,Agnes, Du bist ein Iudenkinb, Dein Stief- vatcr brauchte überhaupt keinen Pfennig für Dich auszuaehen." Auch die Angeklagte Margarete tzolzke gibt zu, sich der Bcibilie zu der Entführung des Kindes schuldig gemacht zu haben, sie will aber nicht geglaubt haben, dah sie sich damit strasbar mache. Bon .'.r. Gorodiski habe sic zwei Brillantringe zum Andenken erhalten d,e dann ihr Vater wider ihren Willen verkaufte. Die Ver­nehmung der Angeklagten ist damit beendet.

4 Berlin, 22. April.

Ter zweite Derhandlungstog begann mit der Vernehmung der tzanvtzengm AgneS Gorodiski, die jetzt 14 Jahre alt ist. Sie inacht ihre Aussagen ziemlich bestimmt und ohne jede Schüch­ternheit. Ihr .Vater habe iie eininal von tzolzkes weqnehmen ivvllen habe das dann aber aus ihr Bitten unterlassen. Als später wieder davon die Rede war. dah sic fortgcnommen toerdcn sollte, hätten die Mädchen »nd die Eheleute tzolzke aus sie eingcwirkt. sie iolle da- tseiben, da man sie sehr gern habe. Ob da vielleicht Geldinteressen vntipiclcn, weih die Zeugin nicht, es könne aber sein. Die tzolzkeS haben die Zeugin auch vor ihrer Mutter gewarnt, die sie nur ver- kuppeln wolle. Als ihre Mutter zu Besuch in der tzolzkeschen Wohnung erschien, seien verschiedene Auswendnngim gemacht wor­den. auch habe man ein Dienstmädchen engagiert. Tie Zeugin schildert dann die bekannten Vorgänge bis zur Ermittlung ihrer Kerson durch den Detektiv Gräger in Michelau,

Aus die Frage deS Dorsitzendc», ob sic nicht den Eindruck ge­habt habe, dah es den tzolzkes vor allem daraus ankam, von der Mutter Gelb zn erpressen, »nd dah sie nur als Mittel gebraucht wurde, um die Mutter gefügig zu machen, erklärt die Zeugin, dah ihr das nicht zum Bewußtsein gekommen sei. Unrichtig sei, dah die Mutter sich nicht »n> sie gekümmert habe. Als sic in Dresden krank lag, habe die Mutter sogar im Krankenhaus gewohnt. Der als Zeuge virnommeuc Dr. Bruno Gorodiski gibt überfeinen verstorbenen Bruder Auskunft. Digscr habe schon Monate vorher geäußert, dah er sich das Leben nehmen und seine Kinder in dcn Tod mitiiehnlen ivolle, da er seiner geschiedenen Frau nicht traue und ihr die Kinder nicht überlassen wolle. Später er jedoch diesen Gedanken lallen, als ihm von vcrscknedenen reiten der Standpunkt gehörig ktargemacht toorden war Dem Zeugen bat der Verstorbene Ivcitcr erzählt, dah er der Margarete .tzolzke zwei Brillantringe und andere Wertsachen mit der Bestimmung über­geben habe, sie solange nnszubcwabren, bis seine Tochter Agnes 21 Jahre alt gewardcn sei und sie ihr dann ansznhändigcn. Auch IOOO Mark, die der Angeklagten Margarete tzolzke iibergcben wur­den, sollte» nicht di'ren Eigentum sein, sondern aus dcn PensionS- vreis verrechnet werden. Dem Zeugen Rechtsanwalt Benjamin gegenüber hat Tr. Gorodlsli ebenfalls erklärt, dah die Ringe den Kindern gehöre» sollten und dah sie der Margarete tzolzke nur zur Aufbewahrung übergeben worden seien.

Tic Verhandlung tvird fortgesetzt.

Gietzencr Strafkammer.

Gießen, 21. April.

Wegen Milch pan schere! wurde der Landtvirt I. N. aus tz. zn einer Geldstrafe von 25 Mark verurteilt. Er lieferte den, Milchhändler D. täglich morgens und abends je 15 Liter Milch Bei einer Revision ergab sich, dah aut hundert Teile Milch >4 Teile Wajscr kamen. Ter Angeklagte erklärte diesen hohen Wassergehalt mit der Behauptung, dah in der Milchkanne, der die Probe entnommen, wohl noch Wasser vom Aus- schwenkcn zurückgeblieben sei. Das Schöffengericht hatte ihn ans diesem Eirunde ireigesprochen. Die Straskamme, aber war der Ansicht, hast es Pflicht eines Landwirts, der tagtäglich in so grostcr Menge Milch liefere, sei, sich vor dem Melk«« gcwisicnhast zn über­zeugen, hast, hie Milchkanne in Ordnung sei. Der Angeklagte habe dies versäumt, ihm salle also Fahrlässigkeit zur Last, tveshalb eine Bestrafung am Platze sei.

Freigesproche» wurde der Landwirt v. E. aus Laubach. Er war vom Schösscngcricht wegen Diebstahls zu 9 Tagen Gesängnis verurteilt worden, weil er aus seinen, tzausc, nachdem, eS durch den Zuschlag in einem Zwangs verstcigerungsveriahren in das Tigcntuni des Steigerers iiberge- gangen war, Zubehörteile, nämlich einen Spülstein, ein Oienrohr und cincn Abortfitz, wcggenommen hatte. Tic Strafkammer kam zu der Ueberzeuanng, das; dem Angckiagten das Bewußtsein gciehlt habe, hast die Gegenstände mit in das Eigentum des Steigerers gefallen seien, weshalb Freisprechung eintrelen niuhtc.

Wegen Diebstahls wurde der Maurergeselle tz. Th. aus Grost-Karben zu einer Olesäng- nisstrasc von 3 Wochen verurteilt. Im September o. I. hatte er ein Kuchenbrett mit 2 oder .3 Töpfen gestohlen, um seinem Mädckwn zum Geburtstag ein Geschenk mackzcn zn können. Er halte den Dieb­stahl in der Weise ansgcführt, dah er aust.cn aus dem l^cnstirbrett knicend, mit dem Körper sich soweit in die Klichc hineinbeugtc, daß er die Gegenstände ergrcisen konnte. Es konnte zu seinen Ilngunsten nicht sestgestellt toerden. dah sein Körper sich mit seinem Schwer­punkt im Innern der Küche befunden hatte, weshalb er nur tvegrn einfachen Diebstahles verurteilt werden konnte. Weiter ergab die Verhandlung, dah er auch aus einem Mctzgcrladcn eine Wurst cnt- Ivendet Iwtlf: wann er aber diesen Mundraub begangen, konaitc nicht sestgestellt werden; da mithin nicht klar war, ob der Stras- anlrag rechtzeitig gestellt war, niuhtc insoweit das Verfahren ein­gestellt werden.

Wegen Uebertrctnngdes Sie in Helge sctzes wurde der 24jährige Bauingenieur G R. ans Wismar zu einer Geldstratc von 10 Mark verurteilt. Er war im Frühjahr vorigen Jahres Betriebleiter bei dem Eiicnbahnbau in Eiia und halte als solcher auch die .Verfügung über ein Lastautomobil. Jnr Mai ge­stattete er nun einmal seinem Chaufseur, dah dieser drei seiner Leitung unteritebeude Maurerpoliere, die aus einem AuSslug cin- gcregnet waren »nd telegraphisch um Abholung baten, mit dem Lastantomobil nach tzause brachte. Diese nahmen noch ohne Wissen de? Slngcklagtcn eine größere Zahl von Personen mit. Die Steuer­behörde hatte gegen ihn einen Strasbeickuid erlassen, weil er die Besörderung von Personen auf einem Lostautonrobil geduldet habe, ohne in, B"siv des dgzn erforderlichen Erlaubnisscheines gewesen zn sein. Gegen diesen Stratbcschcid hatte er aus gerichtliche Ent­scheidung angeiragen nnv Freisprechung beaehrt, weil er nicht ge­wußt habe, daß die Besörderung seiner Arbeiter aus dem Last- antomobit ohne besondere Erlaubniskarte verboten sei. Das Eicricht aber stellte fest, dah er als Betriebsleiter auch für den Gebrauch des Autofliobils verantwortlich war, weshalb Bcstraiung ciutrcten muhte.

Verworfen wurde die Berufung des Bettlers Fr. 2ch. von böroh-Auheim, der gegen die Urber­weisung an bie LandeSvolizeibehördc. die vom Schössengcricht neben einer zweiwöchenilichen .tzaslstrasc ausgesprochen tvar, Berufung eingelegt hatte.

Frankfurt o.M., 22. April. Die Strafkammer pernrtcistc heute den Eisenbahn sc kretär a. D. L c l t u e r zu 2' 2 Jahren uird dessen Ehefrau Frida zu 2 Jahren Zuchthaus und sedcn zn 10 Iatwen Ehrverlust. Beide batten im Binier einem jungen Mäd­chen desien Kind unter dem Vorwand, cs adoptieren zn wollen, gegen eine AbiindnngSiunrnie von 500 Mk abgeschunndelt und das Kind dann ,n eine,» Findelhanse iintcrgcbracht. Den LeitnerS war es lediglich uni das Geld zu tun, darum erkannte dos Gericht ohne jede mildernden Umstände auf die habe Strafe,

W. B e r l i n , 22. April. In einem BcstechungSprozeß gegen dre, Gendaruveriewachtmeistcr, der seit Donnerstag daS Krwgsgericht der zweiten Garde-Dirniion beschäftigt, beantragte nach Schluß der Beweisaufnahme der Vertreter der Anklage, KlirgSgerichtsrat M a h n k o p f gegen den Gendarmeviewachtmeister Haneberg zwei Jahre Zuchthaus, Ausstohnng ans dem Heere und dre: Jahre Ehrverlust, gegen die Gendarmeckewachtmeister L » ck l a n d und E r r l e b e n je ein Jahr ZuchtlzauS, Ausstoßung aus dem Heere und je zwei Jahre Ehrverlust. Auhcrdem be­antragte der Vertreter bei Er r leben das gefundene Elcld von 2400 Mk als dem Staate verfallen zu erklären und den aus freiem Fuß befindlichen 2lngeklagten Errlcben in Hast zu nehmen. Der V«'rlcldiger Justizrat Winter selb suchte in längerer Rede ngchznweiien, dah nur rin Indizienbeweis vorliege und dah man daraufbin nicht altbcwälwte Beamte ins Zuchthaus schicken könne; er beantraqte, sic sreizusprechcn odm zu Gesängnis zu Mrurtei- len, da nur e,n minder schwerer Fall vorliege. Die Angeklagten versicherten, daß sic ,n GotteSsurcht iind KönigStrcuc erzogen worden seiennd den Rock des Königs mit Ehren getragen hätten und sich keines Verbrechens schuldig gemacht liabeu. Die Urteils- knndigung iindet morgen, Donnerstag II 1 /» Uhr statt.

rnnvivminiRK,

X A il S d e II, O h Nt t a l, 22. dtpril. Der obere Laus der Ol eignet sich vortrefflich zrrr Forcllenzucht. Da aber der Foretll dknnnd durch de,, Anng stciS verringert wird, so ist eine Ve;et,r> mit Forellenbrnt nur sehr enrolehtenSwert, 1

Frlcherewächter Krebs von Ober-Ohme» lies, jetzt wieder 1030 £t oielet Foreltenbrnt in bei, Lhmlarff bei Ruppertenrod a, mhE». Tiefe Brnleinsetznng edordeet nur geringe Kosten. It) 2 sur IOOO Stück, und lohnt reichlich.

äi Ans den, Kreise Alsseld, In der Umgegend si in de» letzten Tage» mehrere Pferde an N i c r e » s ch l a g e aeqaiigen. Ez mag die« eine Warnung für die Pferdebeützer se die Pferde regeln,ähig zu bewegen.

Landerverbanü der $ri?eure von Hessen und Nassau.

lWcgcn Plabinongels zurückgestellt,)

- Wiesbaden, 20. April. Die dritte Landesverbgndst'ersammlnng der Friseure von Hessen und Nassau tagte in Wiesbaden unter Vorsitz von Klein Wiesbaden. Sämt­liche Il dem Verbände angchörcndcn Innungen hatten Vertreter entsandt. Nach ücm von S p a n g - Tarnistadt gegebenen Geschästs- bericht über das abgclauseiie Jahr wurde cs erreicht, daß die Groß- herzoglich - Hessische Regierung und der Nkgicrnngspräjidcnt in Wiesbaden Verbote gegen das Hausieren mit Menschenhaarcn er­ließen. Sehr zn bedauern sei, daß der prcnhischc Minister jür .Handel und Gewerbe Teilprnsungen sür das Friseurgrwerbe zuge­lassen habe. Die Bollvrnsnng sei das einzig richtige, Ter Verband ist aut 707, Mitglieder gestiegen.

Ein Antrag ans Einsührnng von gleichmäßigen Prnfungs- bestimmungk» iür das Friscurgcwcrbc Ivurdc zum Bcschlun er­hoben. Ebeusglls fand ein Antrag ans Errichtung von Meister­st r ü l » n g s a u s s ch ü s s e I, sür sedrs Gewerbe, was vor allem die hessischen Friseur: angeht, Annahme, In Betress des ein- Iicitlicheu Feicrabcndschlusscs kam man dahin nberei», den In­nungen zu cmpschlrn, am zwci;en Feiertage völlig zu schließen. In den Kasernen sollen, ähnlich wie in Bayern, Friscurzimmec eingerichtet und an Friseurnieister vermietet werden.

Als n ä ch st j ä h r i g c r V c r b a n d s o r t wnrd: Gießen bestimmt.

vcretnsnüchrlchlrn.

VogclsbergcrHöhcuklub Samstag, dcn 25. Apr., findet im Hotel Roval zu Gießen eine Sitzung des Gesaml- vorstaiides des V. tz. E. statt, in d;r endgültige Beratung über die Wahl eines 1.nd 2. Vorsitzenden,'über die cingclauskncn Anträge '.u der tznuptversammlung, die am 16. und 17. Mai in Lich statt- lindct, über cincn mit der Forstverwaltung abznschließcndcii Ver­trag, bezüglich Pacht des S chw c i z c r h ä u s che n s auf dem tzohcrodskovf u. a. beraten wird.

wandern und Reisen, öäder und Zommersrischcn.

X. M a i n z c r R c i s c n a ch d c r W a s s e r k a n t e v o m 8.15. Juli. Zu», zehnten,nal sührt diese beliebte, alljährliche Mainzer Flotteniahrt unsere Binnenländer an die deutsche Wasser­kante und wird bei der Reichhaltigkeit des Programms, besucht werden Breme», Bremerlmven, Helgoland, .Hamburg, Friedrichsruh. Lübeck, Ostseebad Travemünde und Kiel, sicher wieder eine zahl­reiche Teilnchmcrschast vereinen. Preis 96 Mark ab Mainz, mit entsprechender Ermäßigung sür Zugang ab Köln und Bremen.

TasBerzeichnisder Sommerfrischen , K n r - und Badeorte im Harz, das von den bl-iden Schriftführern des Harzklnbs H n ch u. Hoff m a , 1 II bearbeitet ist, erschien soeben in 6. Ausl, Da« Büchlein mit vielen Abbildungen ausgcstattet, Nn- terrichtct den Leser über alle im Harz vorhandenen Sommersrischcn, einzelliegcnde Pensionen, Förstereien und Sanatorien und meldet die Anzahl der in dcn Orten zur Verfügung stehenden Gasthöse, Sommerwohnungen und Logserhänscr Als besonderer Vorzug sei betont, daß das Verzeichnis lediglich dem Jnicrcsse der Fremden dienen soll, aber nicht zur Reklame de« Harzes und einzelner Orte oder gar Wirte. Reu binzugekommcii ist eine UcberlichtSkartc aller angegebencn Sommerfrischen mit dcn Eisenbahn- und Auto- omnibns-Linien. Zn beziehen vom 1. Schriftführer des .Harzklubs H. C. Huch-Quedlinburg gegen Einsendung von 35 Psg.

Lnstjcltinabrt.

Frankfurt a. M., 21. April. Die D c l a g hatte heute eine Anzahl von Pressevertretern zu einer Fahrt geladen. Bei schönem Wetter erhob sich das LustschissViktoria Luise" um v«6 Uhr abends und fuhr mit hoher Geschwindigkeit nach Wiesbaden, wo cs bereits um 6 Uhr eintras. Hieraus wandte cS sich zum Taunus und suhr zwischen den Bergen hindurä, durch das Eppsteiner Tal nach Soden urid Cronberg und von dort nach Frankfurt, das es im weiten Bogen umkreiste. Um 7 Uhr crsolgtc die Landung. Die Fülwung batten Dr. Lempertz »nd Tr. Erkener. Die Durchschnitts- gcschwindigkeit bctnig 60 bis 70 Stundenkilometer.

h. Frankfurt a. M., 22. April. Der Flieger Berger mußte gestern im Bicgeivald eine Notlandung vollziehen, dabei ge­riet er in die Bäume. Der Apparat Ivurdc vernichtet. Bei der Be­werbung um einen Preis der Nationalilugspcndc stürzte heute der Flieger Willi Mann ans 20 Mir. Höhe ab und zog sich schwere Knochenbrüche zu. Der Apparat ging vollständig in Trümmer.

w. Mannheim, 22. April. Das LustschissSchütte- L a II z II." iührtc heute nacht eine etwa siebcnstündige militärische Nachtfahrt aus. Das Lustschiff stieg um 1 ,3 Uhr heute früh aus und landete kurz nach >/»l0 Uhr vormittags wieder vor seiner Halle. Die Fahrt dehnte sich aus die weitere Umgebung von Mannheim ans.

w. Karlsruhe, 22, Llpril, DaS MilitärlustschissErsatz Z. I.", das heute morgen unit 0 Uhr in flotter Fahrt die Stadt überskog, kam von Köln und landete um l0 Uhr vor der Halle in Badcn-Oos, wo es sür die nächsten 14 Tage stationiert bleibt.

>v. Neustadt a. d. H., 22. April. Aus dem Flugplatz Lilienthal unternahm gestern der Flieger Klunker mit seinem von iym selbst erbauten Flugapparat dcn ersten Ausstieg, der vorzüglich gelang, bei der Landung jedoch blieb das Flugzeug in dem weichen Wiesengrund stcckcn und übcrschlng sich. Ter 'Apparat wurde stark beschädigt und der Flieger erlitt eine Knie- vcrslauchnng.

Io. D e r l i » - I o h g n n i s t h a l, 22. Apris. Heute nach­mittag 5,50 Uhr sind aus dem Flugplatz die Osfizierflieger Ober­leutnant H c m p e l mit Hauptmann H u n d r i c s c r als Beobachter aus einem Aviatikdoppcldecker, von Freibnrg lBrcisgaui sommcnd, gelandet. Beide waren heute morgen in Frciburg gestartet uni» über Straßburg und Leipzig nach Berlin geflogen.

w. Bern, 22. April. Der Schweizer B i d c r ist heute morgen um 5,40 Uhr autgestiegen und hat mit einem Fluggast die Jung­frau überflogen. Er landete um 7,18 Uhr bei Brigcrbcrg.

Paris, 22. April. Hauptmann Faure, der am 16. ?lpril zusammen mit seinem Begleiter westlich von Rc^invillc auf deut­schem Boden gelandet war und aut die Mitteilung von Einwohnern, daß er sich ans deutschem Boden befände, auf französisches Gebiet zurückgeflogcn war, ohne den Behörden Mitteilung zu machen, ist disziplinarisch bestraft worden.

kos. Hat Pegoud bie Natur übertrossen? Tide Frage wüst Dr. Th. Z e k l im neuesten Hcst des Kosmos-Hand- weiscrs (Stuttgart) aus. Dabei kommt er aus das Sparsamkcits- gcsetz zu sprechen, nach dem kein Geschövs mehr Gaben erhält, als zu seinem Kampfe ums Dasein crsordcrlich ist. Von diesem Standpunkte aus ist die Folgerung; selbst der beste Vogel kann nicht mit nach oben gekehrtem Bauche stiegen, solglich konnte die Natur diese Leistung nicht vollbringen einfach lächerlich. Diese Tat­sache beweist vielmehr nur, daß sic der Vogel zum Kampfe umS Dasein nicht nötig hatte. BrauckKe er diese Gabe, so batte cr sie sofort erhalten. Auch der Einwand, daß die Flügel des Vogels hierzu nicht geeignet sind, ist in keiner Weise stichhaltig. Tann wären sie eben anders gebaut worden. Es ist ein Glück, daß tvir noch andere Flieger als die Vögel haben, nämlich die Fledermäuse und Insekten. Unter dcn Fledermäusen sind einzelne. ,. B. der Abendsegler, so gewandte Flieger, daß selbst Raubvögel Müde ha­ben, sse zn sangen. Es wäre nicht undenkbar, daß einige dauch- aufwärts fliegen könnten, doch habe ich darüber nichts ermitteln können. Die Insekten aber zeigen uns Leistungen, die ciusach INS Reich der Wunder gehören. Ter komplizierte Ban des Vogels, namenllich seiner Flügel, ist. wie die Insekten beweisen, in keiner Weile notwendig. Auch ohne solche Hilfsmittel fliegen Libellen, Vremicii uflo. mit außerordentlicher Geschwindigkeit. Und hat ein Insekt es notwendig, bauchaufwärtS zu fliegen, so ist eS dieser -tuszabc auch gewachsen. Beispielsweise tut cs jede Stubenfliege, die NM an die pcckc setzen will. Es ist mir unerflärlich, wie man eine wiche alltäglich z» machende Beobachlung übersehen konnte. Jede Fliege beweist uns also, dah cs ein Irrtum ist, zu behaupten, Pögoud habe ülc Natur übertrossen.