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Nr. 85 Zweiter

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieKietzener Lamiliendlätter" werden dem

»Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das ilreirdtaN skr de» Kreis Kietzen" zweimal wöchentlich. DieLaudoirtlchgstlichen Seit» fragen" erscheinen monatlich zweimal.

ölatt 164» Jahrgang

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Zamrtag. y. April 19^4

Rotrnonsdruck und Verlag der Brühl'schen Umverlitäts - Buch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:«^ 112. Tel.-Adr.: AnzeigerGießerl.

Albanien und Rumänien.

Der Chefredakteur dcs ..Matin", Lanzmrne, berichtet über die von ihr» denn König C ar o l <vm 22. März in '8u> k a r est gewährte Audienz, in der der König unter ande­rem sagte, er hege für Albanien die Liebe eines Taus Paten für sein Patenkind. Dies sei nur natürlich, denn zwi- scheu beiden Ländern hätten immer enge Beziehungen be­standen. Ganze Dörfer Albaniens seien tum Rumänen be­wohnt. Sie seien die ersten gewesen, die in Albanien mit lateinischen Lettern gedruckte Bücher eingeführt hätten. Gr glaube, dost das in Albanien versuchte Werk Europas tvürdig sei und dak; es, ivenn cs gelinge, der europäischen Zivili­sation Ehre machen tverde. Ich sagte meinem Neffen, als sein Name zum ersten Male für den Thron Albaniens ge- nannt wurde, diese Ausgabe, wenn du dich ihr widmen willst, ist groß und schon: cs gibt leine schönere für einen Fürsten, Ich hoffe, daß Europa ihm nicht die Mittel ver­weigern wird, das Unternehmen zl> einem guten Ende zu führen. Ich war über den ihm überall bereiteten Einpfang glücklich und ich glaube, er verdient die Unterstützung Euro­pas, denn er wird im Namen Europa? handeln. Weiter er­klärte der König: Ja, man muß den Frieden aufrecht er­halten. Ein neuer Krie wäre schrecklich und muß ihn srch Europa um jeden Preis ersparen, heutzutage sind cs nicht inehr die Souveräne, welche Kriege machen, die Völler sind's, die manchmal Ströniungen Hervorrusen, gegen welche die Souveräne machtlos sind. Ich war Zeuge der unglücklichen Anstrengungen, die der König der Bulgaren unternahm, um vor dem zweiten Kriege den Ausbruch von Feind-» seligkeiten zu verhindern. Ich hatte in Rumänien bis- weilen ungeduldige Leidenschaften zu beschwichtigen, um heftige Störungen einzudämiuen. Während des ersten Balkankrieges mangelte cs nickst au Versuchen, die mir sagten: mobilisieren wir aus jeden Fall. Ich antwortete unabänderlich: nein. Wir werden nur dann mobilisieren, wenn wir nicht anders können und wenn sich der Krieg als notivcndig erweist. Wir hätten mehr an Gebiet gewinnen können, aber wir hätten an Achtung in Europa verloren. Ich glaube, sagen zu können, daß wir maßvoll und großmütig gewesen sind, denn wir sind beständig zu Gunsten der Besiegten eingeschritten. ES hing nicht von mir ab, daß BulgaricnAdrianopelnichterhielt, das es mit Waffengewalt genommen hatte. Es hing nicht von mir ab, daß ihm nicht Kawalla zuerlannt wurde, aber uns verdankt Bulgarien Porto Lagos, L a n t h i, die dortige Tabakgegend und wichtigen Zugang zuni Aegäischen Meer. Niemand bewundert die slawische Rasse mehr als ich, niemand erkennt williger den unbezähmbareii Mut an, der für sic kennzeichnend ist. Als im Jahr 1913 General Fit - s ch e wim Nainen des bulgarischen Gcneralstabs hierher kam, um zu unterhandeln, sagte ich ihm: Ich bin Soldat und bewundere, was Ihre Soldaten geleistet haben. Ich bin auch Politiker und kann nicht bewundern, was Ihre Politiker getan haben. Ja, wenn Bulgarien die Stimme der Vernunft gehört, so hätte es die schmerzlichen Stunden nicht gekannt: dankt hätte es den aufrichtigen Freund nicht verloren, den cs an mir hatte.

Die Triple-Entente und die griechischen wünsche.

Wien, 9. März. Heute nachmittag erschienen der eng­lische und der russische Botschafter sowie der französische Geschäftsträger im Ministerium des Aeußern und über­reichten einzeln dem Grafen Berchiold den identischen Gegen«ntwurf Rußlands, Frankreichs und Englands für die Antivort der Großmächte aus die griechische Rote. Wie dieWiener Allg. Zig," aus London von besonderer Seite meldet, hat der Gegencntwurs der Dripte-Entenke folgenden Inhalt: Die sechs Großmächte sollen in Athen erklären, daß sie ihren Einfluß aus die alba­nische Regierung dahin geltend machen werden, daß den Epiroten sprachliche und religiöse Rechte ge­währt werden. Der Wunsch der Epiroten nach einer zifsern- niäßigcu Beteiligung an der albanischen Gendarmerie soll als berechtigt anerkannt lverden. Es soll ferner in Athen initgeteilt werden, die Mächte würden die von Griechen-,

land gewünschte GrenzrcgulierunH im Süden von Arqyrokastro wohlwollend erwägen Bezüglich der Inseln sollen die Großmächte in Athen die Sicherstellung der mo­hammedanischen Mnoritüten auf den an Griechenland ! sollenden Jirseln, und in Konshcrnttnopel die gleiche Sicher­stellung für die griechischen Minoritäten aus Jmbros, Üe- uedos und Cashelorizo verlangen, welche Inseln bekannt­lich der Türkei von den Mächten zugewiesen worden stich.

Ans Stadt und Land.

Gießen, ll. April 1914.

Vom Naturgcnuß,

Noch niemals Ivar das Bedürfnis der Menschen, alljährlich eine Zeitlang das geioohnic Klinra und die alltägliche Umgebung zu vertauschen, in so weite Schichten des Balles gedrungen, wie in der Gegenwart. Die einen suchen den Secstrand äni, die an­deren das Gebirge: wer immer es verniag, crsriicht Auge nnd Seele von Zeit zu Zeit am Anblick der sochneegipfet der Alpen: es gewährt itml hohen Genuß, in die Region der Alpenrosen, und des Edelweiß sich zu erheben Immer größeren Kreisen ist die Freude vergönnt, einmal in der wärmeren, gemäßigten Zone der Mittelmeerländer oder in de» subarktischen Nadelwäldern und den darüber gelagerten arktischen Fjeldeii Norwegens zu verweilen. Mancher dehnt seine Wanderungen bereits bis zur sub­tropischen Vegetation Aegltotens oder bis zu den Palmen der sh- rischcn Küste anS, und vielleicht wird cS nidM mehr lange dauern, daß auch die Tropenwelt non Centon und Indien zum gcivähn- iichen Reiseziele der Touristen wird. Um so mehr ist es zu beklagen, daß mir wenige hinreickiend vorbereitet sind, um die L a n d i ch a s I z b i l d e r, die an ihren Augen vorüberziehen, sich zunr Verständnis zu bringen und den Genuß ihrer Reijccindrückc zu Verliesen. Wissen wir doch, daß die. Physiognomie einer leden Landschaft mehr noch als durch den geologischen Bau durch ihre Vegetation bedingt wird. Wer vermöchte aber den sinnlichen Eindruck einer sremden Natur sich zu klarem Bewußtsein zu bringen, wenn das Auge nicht durch eine allgemeine natur- geschichtliche Bildung gelernt hat, charakteristische Formen dcS Gcbirgsbaues und der Pflanzenwelt auszusassen und bald an» die leisen, bald plötzlichen Wandliingcn, welche die Vegetation bei dem Ucbergong von einer Zone oder Höhenstuie zur anderen durchläuft, aus das Verschwinden der alten und das Auftreten neuer Pflanzensornien zu achten. Wer, wie die meisten ans den Kreisen der zum Vergnügen Reisenden, ohne naturwissenschast- Iiä>e, insbesondere botanische Kenntnisse, ftemde Landschaften durchstreift, geht meist mit stumpicm Sinn an den größten Scbön- lzcitcn vorüber: er begnügt sich mit unklaren Sinnescindrücken und bat kaum mehr Gewinn davon als derjenige, der ohne kunstgeschichtlichc Vorbildung durch die Säle eines Museums oder einer Gemäldegalerie gejagt wird. Und in der Tat machen all­jährlich viele Menschen große und weite Reisen, einsach weil es so Mode ist und sic das Geld dazu haben: einen wahren Genuß von der Natur und ihren großartigen Schönheiten kennen sie nicht. Denn nur wer von Jugend aus gelernt hat, ossenen Auges heiteren Sinnes und freudigen Herzens durch die Natur zu gehen, wer so aus jeder Wanderung neue Beobachtungen und Entdeckungen zu machen in der Lage ist und neue Eindrücke aut sich einwirken zu lassen, nur der hat von seinen Wanderungen und Reisen den rechten Genuß: der will auch nicht in erster Linie die großen, schönen Städte sehen, die alle einaicher so ähnlich sind, der freut sich vielmehr an der herrlichen Natur, der findet bei seinen Wanderungen in Berg und Wald und Feld und Tal seine volle Befriedigung im Naturgenuß. Darum ist cs mit Freuden zu begrüßen, daß die Jugend in der Schule schon im frühesten Ju­gendaller aut Spaziergängen und Ausflügen zur Beobachtung der Natur angeleitet und befähigt wird, die Schönheiten

der Natur zu sehen, die Herrlichkeiten der Natur in

ihrer großen Mannigialtcgkeit zu bewundern und zu genießen. Auch die Wander- und Touristenvereine haben neben der Stärkung und Kräftigung der Gesundheit durch die Bewe­gung in der frischen, freien, gesunden Lust den Zweck, ihre Mit­glieder zu befähigen, im vollen Naturgeuuß Erholung von der schweren Tages- und Berufsarbeit zu finden, in Gesellschaft mit gleichgesinnte», frohen Wondcrireundeir Erheiterung und neue Kraft zu suchen für die sckivcrc Lebensarbeit. Für den jroh die Natur Genießenden bedarf cS nicht weiter, koftivieliger Reisen in iernc Länder, er gewinnt aus jeder Wanherung nnd zu jeder Jahreszeit auch der .Heimat rreuc Reize ab, er entdeckt immer neue Schönheiten in den Fluren und Wäldern, den Bergen und Tälern auch seiner nähcren Heimat. Der Naturgenuß, der aut Geist und Gemüt des Menschen so veredelnd, erheiternd und er­hebend einwirkt, er ist der reinste Genuß, die schönste Freude sür das empfängliche Mcnschenherz.

Wenn unS mancher entgegnen wird, daß gerade durch ein­gehende Beschäftigung mit den kleinen Einzelheiten der Natur die Frische des NaturgcmisseS abgestumpft werden müsse, so ist doch in Wahrheit die Emvsänglichkeit für das ästhetische Genießen der Natur durch liebevolle Hingabe an ihre einzelnen Sckwpsun- gen, selbst durch streng lotffcnfcbifttid e Forschungen, nicht abgc- scknvächt: im Gegenteil: Erst durch die Naturloficher ist den weiteren Kreisen deS Volkes Vier Sinn für die Schönheit der Natur erschlossen worden, wie dies die grschick-tlichc Entwicke­lung des NaturgeftihlS in der neuere» 'Zeit zeigt.

Bon Anbeginn inaren in den Gebirgen und besonders in den Alpen alle Herrlichkeiten der Natur im kleinsten Raum zniammen- gcdrängt, und doch wiiieu wir, daß diese Wundcrwelt bis zum 18. Jahrhundert für das Bewußtsein des Volkes nicht vorhanden war. ia daß die Aloen vielmehr als der Jnbcgriis schauerlicher und widerwärtiger Szenerien gemieden wurden. Der erste, der es wagte, Natur und Volk der Alpen der Bewunderung feiner Zeit­genossen zu erschließen, war ein Botaniker, der bei seinen Unter­suchungen über die Flora der Schweiz auch ihre Poesie entdeckte: All>recht v. Haller. Der erste, der mit schwärmerischer Seele die Reize der Schweizer Seen und ihrer Berge empfand und mit zündender Beredsamkeit im übrigen Europa die Schnsncht nach der schönen Alpennotur erweckte, war der Botaniker Jean Jac- aucS Rousseau. Der Mann,dem »ach der Entdeckung der Gebirgslandschaft durch Rousscau die großartige Erweiterung ihres NaturgeftihlS durch die Entdeckung und Eroberung der deS Hoch- gebirgs verdankte", war der Botaniker I, B. Sanssure: ihm folgte der Botaniker R a m o n d als Entdecker der Schöicheiten der Pyrenäen. Ter Mann, der mit dem gleichen Zauber des Wortes' die Lieblichkeit des deutschen Mittelgebirges und die stille Größe der italienischen Landschaft verherrlichte und am meisten zur Er­weckung des modernen NaturgeftihlS beitrug, war der auch als Botaniker hervorragende Woligang v. Goethe. Dem Botaniker Georg F o r st e r verdankt unsere Literatur mcht bloß jene idealen Schilderungen der Südseeinseln, sondern auch die meisterhaften An­sichten vom Niederrbein, nnd durch Alexander v. H n m b o l d t wur­den uns die Herrlichkeiten der Trovenioelt mit ihren Palmen und Bananen und ihren Schneegcbirge» ausgeschlossen.

Indem diese Männer und ihre Nachfolger, bewegt von dem edlen Drange, die Natur aus ungebahnte,, Wegen zu ersorschen, neue, vorher unzugängliche Gebiete der Erde aussnchten, taten ftch ihrem Geiste Schönheiten auf, die bis dahin den stiimvien Blicken der Zeitgenossen immer verbargen geblieben waren: erst ihre von irischer Begeisterung durchwehten Nalnischildcrungen erweckten die allgeineine Auimerksamkeit und eröiincten der modernen Bildung neue Quellen, ans denen seitdem Unzählige geistige und lcchliche Verjüngung geschövit haben und zu deren Genuß sich von Jahr zu Jahr immer weitere Kreise hindrängen, Gr,

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** Ernennungen Tic Gehitscn im Gewerbeauf­sichtsdienst Heinrich Spalt in Darmstadt, Franz Mahr in Osfenbach, Ludivig Melcher in Gießen und Georg Messer in Mainz wurden zu Gewerbeinspekitonsgehilfen mit Wirkung VE 1. April 19l4 ernannt.

** Ein Heuchelhetmer Offizier deS Süd­deutschen S ol d a t e n b u n de s in Amerika. Eine amerikanische Zeitung erzählt von einem Süddeutschen Sol­datenbund, der in Willia ms bürg seit 1885 besteht und dessen Hauptzweck es ist, die Mitglieder und ihre Familien in Äwanlheits- und Stcrbcfällen zu unterstützen. Die Mit­glieder des Bundes tragen die Uniform der baherisckten Ar­tillerie mit dem Raupenhelm, der dekanntlich bei der baye­rischen Armee den inodernen militärischen Anforderungen weichen mußte. 50 Mitglieder gehören dein Bunde an. Zu den Offizieren des Bundes zählt als Adjutant des Major? Heinrich Waldschmidt, ein geborener Heuchelhei- m e r. Er hat in Hessen alS Dragoner gedient und ist ein, vorzüglicher Reiter. Auf seinen gewaltigen Schnurrbart, der ihm ein martialisches Ansehen verleiht, ist er besonders eitel. Ein Hauptmann ist Badenser, die übrigen Offiziere, auch der Major, sind geborene Bayern,

** Verbands tag Ga bclsbcrgcr scher Steno- graphen. Der Bezirk Gießen des Hesfisch-Nafiauischen iMain-Rheingau-sVerbandes GabelSbergerfcher Stenogra­phen, der vergangenes Jahr in Lich tagte, hält jeinen dies­jährigen Frühjahrs-Bezirkstag am 3. Mai in S ch o 11 e n ab,

** Schulfahrt an die Wasserkante. Der Hess. Landesausschuß des Deutschen Flotlcnvcreftis veranstaltet im Juni eine von der Schulabteilung des Großh. Minist» riums dcs Innern empfohlene Fahrt nach LübeckKiel- Hamburg, zu der Lehrer und Schüler höherer Lehranstalten

wie es einmal Ostern wurde.

Von Anton F c n d r i ch. kos. Meine Heimatsstadt war immer ein sehr lustiges Fast­nachtsnest gewesen, und vom Tag der Drei Könige an habeir die Bürger immer alles getan, um die Fastenzeit als etwas leines- wogs UcbcrstüssigcS ericheinen zu lassen. Ta hat eS denn auf meine Knabenfecle immer einen tieien Eindruck gemacht, wenn ich, den Kovi voll von Bi.der» aus dem farbigen Narrcnlcben deSFastnachts- dienstagS, am Aschermittwoch morgen plötzlich in einer ganz anderen Welt auiwachlc. Alles schien nüchtern und grau und mir war als wäre mir jetzt gerade daS Glück ans der Hand gc- ilogen, das ich schon zu kalten gehoist. Glückt iäierwcisc begann der Tag damit, daß wir Schuttinder, anstatt gleich in die dumpscn Sckmlstuben, in die Kirche zu gehen hatten, wo wir in langen Reihen an einer Bank vor dem Altar kniend Asche aus den Koos gestreut erhielten. Was ein Sündenlcbcn ivar^das wußten ich und meine Kameraden so wenig .als was der Tod war, an den wir durch diese Zeremonie hätten erinnert werden sollen. Bor uns stand das junge knospende Leben und so war iür die meisten daS Aschenstreuen am Aschermittwoch eine kleine Nachfeier der Fast­nacht Nur ernige Musterknaben benahmen sich ganz würdig und hüteten während des ganzen Tages die Asche ans ihren Haaren wie einen Schatz. Tie Mehrzahl aber von uns frohen Tauge­nichtsen batte fürsorglich kleine Kämme bei sich, und kaum waren wir draußen aus der Kirche, so rannten wir hinter den Oelberg und kämmten uns dort das Spmbol der Vergänglichkeit von unseren i ungen Köpfen. Der Oelberg war eine von erner Kavelle überbaute Sandsteingrupve, welche den Ueberiall von EhristuS im Garten Gethsemane darstellte. Dieser Oelberg schützte uns vor den Blicken der Piarrcr wie auch der Lehrer in der der'Kirche aeaenüberliegenden Schule. Kleine Baumanlagen ziertm das alte uarvc .Kunftdeukmal und an der Mauer, die eilt Stück der alten Stadtmauer ivar, erinnerten merkwürdige Grabsterne daran, daß Näher hier der Ärrchhoi geweieir. lieber die Stadtmauer hinaus ober sab man in die Rheincbene und auf drc schneebedeckten Vogeftm.

Am Anianq der Fastenzeit suchten meine Kameraden und ich ns durch Pläne auf die nächste Fasmacht noch em wenig über den 6-rnü deS »eben- zu täuschen. Aber schon nach einer Woche i-hiieien bieke Pläne ein die bunten Flittergedanken verschwanden aus unseren Köpsen. und alS nach den reguerocheu Märztagen die Karwoche kam. da unterlagen wrr alle dem Druck, der vor Ostern

über allen Menschen der katholischen Christenheit lastet. Wie ge­schickt die Kirche das Naturemvftnden rn religiöse Formen umzn- gießen weiß und wie glücklich sie heidnische Gebräuche übernommen bat, um damit £ri)llid;en Gedanken Formen zu geben, das ist de könnt. Nirgends scheint sie mir aber dabei eine gesdsickterc Hand gehabt zu haben, als bei den Zeremonien der Karwoche mit der als Erlösung daraus folgenden Ostcrseier. Selbst die leichtser- tigsten unter uns Knaben duckten sicki, wenn sie vom Gründonners­tag an in die mit schwarzen Tüchern auSgesdilagene Kirche kamen. Wie eine drückende Wucht legte sich daS Gefühl auf uns, daß einmal etwas ungeheuer Entsetzliches und Furchtbares iu der Welt geschehen sein müsse, daß man jetzt noch mit so viel Trauer daran denke. Aber am meisten beschwerte dieser Alv meine lindlichc Seele, wenn dicGlockcn nicht mehr läulccen, sondern oben vomTurm herob ein un­heimliches, dumpfes Getrommel anstatt de? Glockengeläutes ertönte, Diese sdumerliche Musik wurde he, vorgebracht durch ein Instrument, von dem ich mir die abenteuerlichste Bornettung machte.

Gnmal genoß ich aber die Auszeichnung, mit dem Meßner und den Ministranten auf den Turm gehen zu dürfen. Ans einer rund um den Turm lausenden Galerie stand diegroße Ratsch", wie das Trommelinstrument bei uns Knaben hieß. Es war eine einfache Kiste, mit einer Kurbel und Hämmern. Ein Mann kniete darauf und drehte mit Gewalt die Kurbel. ES war eine schwere Arbeit, denn schon nach einer Minute löste ihn der stärkste der Ministranten ab. Das Getöse war in der Nähe ganz furchtbar. Aber wie eigentümlich! Jetzt, wo ich die abscheuliche Trommclkiste in der Nähe sah und ihren dumvien Ton nicht nur vom Turm herab hörte, hatte sie aus einmal allen ihren Schreck sür mich verloren. Und «um erstenmal sah ich vom Turm herab meine Heimatstadt, ivre ich sie noch nie gesehen hatte. Die steilen Giebel stiegen ans dem dunkeln Häusergewirr in die milchblaue FrühlingSlust, aber lange nicht so hoch, als ich stand. In daS Stord^nncst aus dem Rathausturm, das icv immer nur von unten gesehen, konnte ich setzt beguem hineinsihauen. Tie Störchin saß darin und das Männchen brachte ihr gerade etwas Zappelndes in seinem roten Schnabel, llm die Stadt herum lagen die schon grünenden Matten und eS schien mir, alS sei die ganze Welt anders geworden.

Am anderen Tag war Ostersonntag. Ter Himmel war blau, die Sonne strahlte, die Lust war warm, und ich trug mit Stolz ein Paar neue Hosen. An einer Straßenecke stand eine alte Frau mit einem Korb voll gelber Primelsträußchen. Ich kaufte mir eines für fünf Piennige und war unbeschreiblich glücklich. Es war wie

eine Erlösung über mein Knabenherz gekommen. Und daran war nur schuld, daß ich die große Karireitagstrommel nun auch einmal gesehen hatte,

/Die Todesursache. Ter engtischc Humorist Joe C o y ne er,vät)It in einer Londoner Wodienschrist, er habe eines Tages in der Straßenbahn einen Mann getrosten, der ziemlich abgerissen aussah und trübselig dreinidiaute.Ach, Herr," sagte der Mann, als er mit ihm ins Gespräch gekommen ivar,ich habe auch bessere Tage in meinem Leben gesehen. Ich war ein Arzt und hatte eine große Praxis ; aber daun passierte mir eines Tages ein kleines Versehen, woraus meine Patienten sicki bald von mir zurückzogen, und nun muß ich von der Hand in den Mund leben."Und waiS war dieses Versehen?" fragte Eoyne. Ja, Herr, ich füllte einen Totenschein sür einen Patienten aus, der eben gestorben war, und in einem 'Aniall von Geistesabwesen­heit setzte ich in die RubrikTodesursackie" meinen 'Kamen!"

Tiere, die nid,t trinken Wasser ist so notwendig zum Leben, daß uns die Frage, ob <8 Tiere gibt, die ohne za trinken existieren, müßig erscheinen dürfte. Dennoch verdient dieses Problem, wie die neuesten Forschungen zeigen, ein sorg­fältiges Studium. Dr. W. T. Blansord htztte bereits vor einigen Jahren die Aufmerksamkeit ans eine Antilopenart gelenkt, die Antilope cervicavra, die in der Sandwüste zwischen dem Salz­see Chilra im Innern Perus nnd dem Meer lebt »nd niemals Wasser trinkt. Diese Beobackitung, die aut einwandssreien Tat­sachen beruhte, war von versckiiedenen Zoologen doch in Zweitel gezogen worden, weil es sich um ein ganz einzigartiges Phä nomen handelte. Nun aber hat man noch einen andere» Fall gesunden, daß ein Tier lebt, oltne ZN trinken. In der Zeilichrist The Field berichtet Tr. R. E. Trake-Brookman über eine Herde Gazellen von der Art der Gazella velzelni, die er aut der kleinen Insel Saad-ild Din an der Küste von Sonraliland beobachtet har. Die Tiere leben seit dem Jahre 1910 aul diesem Eiland, aus dom sich kein einziger Waiserguell befindet und die iährlickie Regenmenge weniger als sieben Zentimeter beträgt. Tie Ga- zellen^ haben allo zu ihrer Existenz nur das Wajier, das sie noch den seltenen Regensällen zu sich nehnren. ylnsterdem ist die Vegetation sehr ärmlich und es bleibt ihnen nichr die Möglickt- feit,_ die den Antilopen der Kalobari-Wüste einqeräumt weAten muß, sür Mangel an Wasser während der trockenen Jahreszeit sich durch wasserhaltige Wurzeln und Knollensrüchte zu ent-