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Nr. 84

Zweites Blatt

164. Jahrgang

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonntags.

DieSirßencr Zamitienblätter" werden dem .Anzeiger' viermal ivöchemlich bcigelcgt. das ilreirdlatt für den Kreis Stehen" zweimal wöchentlich. Diekandwirtschaftltchen öeit- sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

Donnerstag, y. April 1914

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchei» Universitäts - Blich- und Steindruckerel.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« slraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:e^D112. Tel.-Adr.:AnzelgerGiepeu.

Aus dem cheinisch westfälischen Znduftriebezirk.

Unser Mitarbeiter aus dem rheinisch-westfälischen Jn- dustrieqcbiet schreibt uns:

In den E i n i g n n g S v c r h a n d l u n g c n über die Erneuerung des K o h l e n s y n b i t a t s scheint irun ein Fortschritt cingetreten zu sein. Ter Ausschuß hat in der vergairgencn Woche sich in der Koksfrage auf 85 Pro), ge­einigt, d. f). es müssen Proz. der Beschäftigung in Koks und Briketts vorhanden seit,, ehe neue Beteiligungen darin bewilligt werden können. Auch in. der schwierigen Frage des KokskohlcnbezngS der Hirtlenzechen ist ein Einvernehmen in dem Ausschuß erzielt ivorden. Danach verzichten die Äüttenzechen auf das Recht des KolstoftlenzukausS und verpflichten sich, den eventuellen Mehrbedarf über ihre sog. Kontingentsziffer hinaus in erster Linie aus ihrer Verkaufs. beteiligung bcrni Syndikat zuriickzukaufen, che sie zun, Koks- kohlenkauf übergehen. Damit ist für die reinen Zechen eine erhebliche Verbesserung geschossen, da der Markt besonders in schlechten Zeiten eine große Erleichterung erfährt, die den reinen Zechen zu statten kommt. Es bleibt nun noch die Frage der Berkaussvereine zu lösen, in der Deutschs Luxemburg und die Rheinischen Stahlwerke einen besonderen Standpunkt vertreten.

Die nächste Zechenbesitzer-Beisamuilung findet am 2-1. April statt, man hofft, daß diese nun den abgcäudcrtcn Vertragsentwurf annehinen wird Allerdings stehen dann noch die Verhandlungen mit den bisher außerhalb des Syn­dikats stehenden Zechen aus, die aus alle Fälle hineingczogen iverden müssen. Besonders schtvierig tverden sich die Ver­handlungen mit dem preußischen L e r g s i s k u S ge­stalten, der eine Sonderstellung beansprucht mit Rücksicht auf seine allgemeinen Interessen. Das Verhalten des Berg- siskus in Bezug auf seine Preis- und Absatz-Politik am Kohlen- und Koksmarkt hat übrigens in den Kreisen des Privat-Bcrgbaues arge Persttinmung hervorgcrufen und Anlaß zu Beschwerden beim Handelsminister gegeben. Tic Königliche Bergwerksdirektiou in Recklinghausen sucht liereits heute ihre gesamte Kotsproduktivn von etwa 2Will. Tonnen in langjährigen Abschlüssen, die bis zum Jahre 1925 reickien, an di« Hüttenwerke ini Siegcrland zu ver­kaufen. Bis zum Jahre 1920 sind derartige Verträge bereits geniacht worden. Damit macht sich der Fiskus aber einer Doppel-Politik schuldig. Aus der einen Sette gibt der tzan- dclsministcr Erklärungen in, Parlament ab, daß er die Er­neuerung des Rohlensiindikats nach Kräften unterstützen und selbst bcitteten tvolle, auf der anderen Seite suchen die Verwaltungsorgane des tvestsälische» Brrqfiskus der Erneuerung des Syndikats durch chre Vcrkausspolitik in den Weg zu treten, indenr sie schon jetzt ihre Produktion für die Dauer des neuen Syndikatsvertrags der Verfügung des Syndikats entziehen, den Syndikatszweck also zu vereiteln suchen. Mit besonderer Schärfe ivandte sich in der am 0. d. M. abgehaltenen Hauptversammlung der Gelsentirche- ncr Bergwerks-Aktten-Ecsellschast Eeheimrat Kirdorf gegen dieses Vorgehen namens der Syndikatsleitung, deren Vorsitzender er ist, indem er etwa folgendes ansführte:

Ich habe die Hossiiuna, daß dos gemeldete Vorgeben des Fiskus nicht der Wahrheit entwrickn: denn ich kann keinen ver- nünsttgen Grund iür derartiges Vorgehen erblicken. Es wäre zu gcsährlich, daß diejenigen Außenseiter, die die Wege des Sy» dikats beschreiten wollen, vorher ihre Förderung langjährig au ßcrshndikotlich abschlicßcn. Damit erschweren sic nur die Aus­gaben deS Syndikates, dem sic angehürcn wolle», außerordent­lich. Ich kann sagen, derart geschlossene Abniachungen »amhastcr Beteiligter, die bezwecken, einen großen Teil der Förderung aus Kosten des Snndikatcs scinein Einilllß zu entziehen, sind ge­eignet, die Ausgaben des Syndikates zu untergraben. Daß der Fiskus Koksabschlüssc -mit großen Sicgerländer Hütten bis 1921 gemacht bat, ist bekannt. Daß er aber darüber hinaus, also sogar Iwch über die beabsichtigte Tauer des neuen Syndikats hinweg, Abschlüsse zu machen beabsichtigt, das ist mir so be- sremdlich und so unverständlich, daß ,ch daran nicht zn glauben vermag, weil mit einer solche» Tatsacbe außeeordcntlichc Gefahren für die gesunde Durchführung der syndikatlschen Ausgaben und jür das Zustandekommen des Syndikates gegeben wären."

Es ist so csut tvic ausgeschlossen, daß die übrigen Zechen diese Verträge anerkennen werden, und so dürften fraglos durch diese Vorverkäufe erhebliche Verzögerungen in den Verhandlungen mit de» Außenseitern entstehen. Tie Versammlung vom 24. d. M. wird auf alle Fälle »ach mancher Richtung eine Klärung bringen.

Au» StaSt und Land.

Gießen, 9. April 1914.

Uebcreilte Hoffnungen.

ee. Eine Korrespondenz meint mit Besttmmthcit in Aussicht stellen zu können, daß Maßnahmen zu einer Ent­lastung des städtischen Grundbesitzes iu abseh­barer Zeit zu erwarten seien. Zunächst soll das Zwangs- vcrstcigcrungsgesetz abgeäudcrt ivcrdcu, damit die Schwie­rigkeiten beseitigt werden, die den Gläubiger oft davon ab­halten, das Grundstück zu erwerben, um seine Forderung zu retten. Soweit wir unterrichtet sind, dürfte das zutressen, aber zu große Hoffnungen toird inan an diese Aenderung ivohl nicht knüpsen dürsen. Mögen noch so viel erleichternde Gesetze gemacht werden notorisch kranke Grundstücke tvird man ans diese Weise ebenso wenig heilen können, tvic man sonstige überkapitalisierte Unternehmungen zu halten verniag. Was überlastet ist, bricht nach den Gesetzen der Statik trotz allem zusammen, und künstliche Stützen gibt cs auf dem Grundstücksmarkt nicht. Ci» zweiter Punkt be­trifft die Erleichterung des Zugriffs der Hypothekepgläus biger aus die Mietscinuahmcii. Es ist sicher, das; die in neuerer Zeit üblich gewordene uiilauterc Verpfändung der Mieten zum Nachteil des Hvpothckengcbers nicht wenig dazu beigctragen hat, das Privatkapital gegen den Hypo- thekenmartt mißtrauisch und spröde zu machen.

Aber schon bevor das der Falt ivar, blühte die .Hypo-, thckcnnot, so daß man auch diesem Punkte keine übermäßige Bedeutung wird zmnesscn können. Wichtiger ist der dritte Punkt, der sich auf die sag. Ileberlästting nett Abgaben bezieht. Es wird betont, daß eine entschiedene Härte ni der Berechnung dieser Abgaben nach dem gemeinen Wert liege. Man scheint also zu erwarten, daß in dieser Richtung eine Aenderung möglich sei. Wer das in Aussicht stcltt, ist sich

aber über die tatsächliche Lage der Grundbcstcucrung völlig im Unklaren, soweit das Gebiet heute zu übersehen ist. ist es ausgeschlossen, daß die Bcstcucrnng nach deni gemeinen Wert eine wesentliche Aenderung erfahren wird. Hunderte von Stadtgemeindcn haben es in der Praxis erfahren, und das ist mit ausschlaggebend der bebaute Grundbesitz, also die Hausbesitzer, ebenso, daß die gemeine Wcitbcsteuc- rung den reellen Hausbesitz entlastet, besonders den klei­neren, dagegen die Terrainspekulation einigermaßen richtig trifft. Welche Veranlassung sollte also Gemeinde oder Hans- besitz haben, hier eine Aenderung zu erstrebe». Es ist be­zeichnend, daß man eine andere Steuer nur so nebenbei er­wähnt, die Grundstücks-Umsatzsteuer. Hier haben >vir cs auf jeden Fall mit einem Steucrgebilde zu tun, das in seiner Unsinnigkeit seinesgleichen sucht. Ob mit Gewinn oder mit Verlust uingcsetzt wird, die Steuer wird nach einem starren Prozentsatz erhoben. Dies mechanische Prinzip kann zwvisel- los dahin führen, daß Grundstücke ruiniert werden, wenn sie mehrerenial den Besitzer wechseln, denn jede neue Umsatz­steuer muß natürlich dem Grundstück zur Last geschrieben werden, und schließlich ist es überlastet, und der letzte Be­sitzer, der sich törichterweise zur Uebcrnahme entschloß, ohne gründlich genug zu prüfen, gehört dann zu denen, die klagen und alle Schuld ans Faktoren schieben, die eigentlich mir der wahren Ursache nichts zu tun haben.

Man kann es unserem Hausbesitz gar nicht genug ein- schärfen, daß das Leitmottv dieses Standes immer das sein sollte:Wer ein Grundstück zu angemessenem Preise kaust, d. h. zn einem Preise, der unter Berücksichtigung aller geschäftlichen Möglichkeiten, aller notorischen Aus­fälle, Steuern, Abgaben, Rcparaturkostcn usw. als ungewagt erscheinen muß, der «wird spater immer gut zurecht tommen!" Wer aber anders kauft, wer das Grundstück zu teuer be­zahlt, der wird früher oder später die Folgen zu spüren bekommen. Das hat mit der steuerlichen Belastung wenig oder gar nichts zu tun. Darum ist vor allem Optimismus, daß mit Hilfe derGesetzgebung" die Not der Hausbesitzer gehoben werden könnte, nur zu warnen, P. S,

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** Schlechte Iagdaussichtcn. Nach der bisherigen schlechten Frühjahrswiticrung beripricht die Hasenjagd für den kommenden Herbst leine günstigen Ergebnisse. Ter erste Jungc» atz vom F.brrar ging d:rck> d n andauernden Rege» zugrunde. Ihm ist jetzt auch der Märzsatz gefolgt. UcBcrall fin­den die Landwirte bei der Frühjahrsbestellung die Kadaver der kleinen Tierchen in den Mcrsurchcn und Gräben. Ein Hasen­braten dürste demnach in der nächsten Jagdzeit ein nicht gerade billiges Vergnügen werde».

** Silberne Hochzeit feiern am Samstag Zugführer Karl Appel und Frau Elisabeth geh. Funk.

Kreis Lauterbach.

~ Wernges, 7. April. Bei einem notgeschlachteten Stier des Gemeindercchners Stöpler wurde beim Abhänten und Oeffnen deS Tieres Milzbrand festgestellt. Der beim Schlachten behilfliche Straßenwart Hedtrich zog sich hierbei infolge einer kleinen Wunde eine schwere Blutvergiftung zu, deren Folgen in Anbetracht der Gefährlichkeit des Milzbrandes sehr bedenklich sind.

Kreis Frievberg.

r, Butzbach, 8, Avril. Heinrich Diehl, Schlosser­lehrling, geboren zn Münster, Kreis Friedbcrg, am Il.Juni 1898. Sohn des Invaliden Kaspar Diehl z» Butzbach, hat sich am 1. April 1914 ohne jeglichet, Grund au? der elter­lichen Wohnung entfernt und ist bikB jetzt noch nicht wieder znrückgckchrt. lieber seinen Verbleib ist nichts bekannt. Alle denjenigen Personen, denen sein Aufenthalt bekannt geworden ist, ist die Bürgermeisterei Butzbach dankbar, wenn sie ihr Mitteilung zugehen lassen. Diehl ivar bekleidet mit dunkel­blauem Anzug, blauer Mütze mit Schild, Zugstieseln und gc- strcisteni Henid. Er ist ea. 1,50 Meter groß und hat dnnkclblondc Haare.

Kreis Wetzlar.

h Wetzlar, 7. April. Das Großfencr, das gestern in Greisen st ein wütete, hat, entgegen anderen Meldungen, nur zwei Wohnhäuser und einige Stallgcbäudc eingeäschcrt. Es konnte am Abend auf seinen Herd beschränkt werden. Die Ursache des Feuers dürfte in Fahrlässigkeit zu suchen sein. Hessen-Nassau.

Bad Salzhause», 7. April. Tie ersten Gäste unseres Bades sind vor einigen Tagen in dem Ernst-Lndwig-Heim der Tentschen Gciellichalt iür Kansmanns-Erholnngsheime (Geschäits- stelle Wiesbaden) einaezogen. Tie Badedirektio» hat demgemäß entacaenkommenderweile die Eröffnung des Brunnenbetriebes angeordnel. Das Heim gewährt iür de» billigen Pensionsiah vo» Alk 2.80 den Tag (für Paffanten Alk, 3.80) Konflente» und tech­nischen Beamte» vollständig, gute bürgerliche Vervfleaung und ein behagliches Zimmer. Ei» Ansenthalt i» dem Heim mit semer waldreichen jlmqebunq am Fuße des Vogelsberges dürile sich iür alle diejenigen emviehien, denen darum zn tun ist, während der O st e r i e r i e » einige Tage ruhigen Ausrubeus z» genießen.

Frankfurt a. M 8. April. Die Bcslcchungsafsäre bei der Frankfurter Sittenpolizei scheint einen größeren Umsang anzunehmen, da auch mehrere Unterbeamte in die Affäre des gestern verhafteten Polizeikonuuissars Schmidt ver­wickelt sein sollen. Heute wurde die Besitzerin eines Bordells in der Blücherstraßc, Fra» Bohnert, in derselben Angelegenheit verhaftet. Die vom Untersuchungsrichter angeordncte und gestern erfolgte Verhaftung des Polizeikommissars Schmidt tvurde mit Fluchtverdacht begründet. Die Haussuchung in seiner Wohnung soll sehr viel belastendes Material ergeben haben.

«ericht^saal.

Gießen, 7. April. (Schöffengericht.) Tic ^,S chl a ch t au f der Rindsmühle" bei Leihgestern vor Gericht. Am 28. Sep­tember 1918 machte die BurschcnschoskHeiterkeit" von Odenhausen die sich aus jungen Burschen aus den Orten Odenhausen a. d L und Ruttershausen zusaminenseßteeinen Airzrtug mit Mustt auf die bei Leihgestern gelegene Rindsmühle. Bereits in der Wirtschaft kam cs zu Reibereien mit jungen Leuten aus Leih­gestern, weil die Teilnehmer der BurscheiychaftHeiterkeit" mit Mädchen ans Leihgestern tanzten. Als dann gcgett 7 Uhr abends die Odenhäufcr Gesellschaft unter klingendem Spiel den Heimweg

f . .i m .. ...

durch Leihgestern nach dem Bahnhof Großcn-Lindcu antrat, wur­de» die Teilnehmer auf der Ortsstraße zu Leihgestern von den Bursilien dieses Ortes, die sich mit Prügeln und Lattcnftücken bewaffnet l)attcn, erwartet. Alsbald entwickelte sich unter den beiden Parteien eine Keilerei, die in ihrem weiteren Verlauf eine richtige Schlacht ausartctc. Messer blitzten, Steine flogen durch die Lnjt, Revolver wurden abgeickwiie» und mit Prügeln und Latten­stücken nach allen Seilen die heftigste» Schläge ausgeteilt. An, anderen Morgen hatte noch die Torsstraße die L-purcn des Kammes ausiuwciscn. Ter Kaustnann Karl Fabcr I. von Leihgestern war durch den verursachten Lärni ans die Straße geeilt Mid mußte diesen Schritt teuer bezahlen. Kaum aus der Straße nngekom - me», erhielt er vo» einem noch bis heute unerkannt gebliebene» Täter einen wuchtigen Schlag aut de» Kops, durch den die Hirn- Ichalc entzwei sprang und er in leben-Sgciährlichcm Zustand von dem Kampsplatz getragen werden mußle Längere Zeit lag er, mit dem üvde ringend, in der hiesigen Klinik Tie dur ckidcn Unter­suchungsrichter und d.Amtsgericht Gießen wiederholt an Ort und Stelle vorgcnommcncn Vernehmungen der Beteiligten konn­ten zur Ermittelung des Täters nichts beitragen. Tic Staats- antvaltickiatt crbob auf Grund der Ermittelungen nur gegen den Fabrikarbeiter Karl Krombach, den Former Heinrich Simon und den Maurer Christoph Simon, sämtlich von Odenhausen, Anllage, gegen de» ersten wegen gcsährlicher Körperverletzung zum Nach­teil des Läbdwirts Langsdorf von Leihgestern, gegen die drei An­geklagten, weil sic sich bei einer Schlägerei, in welcher sic nicht ohne ihr Verschulden hineingczogen tvaren, gefährliche Werk­zeuge bedient hätten. Tas Schöffengericht, an das die Sache von der Straikammcc verwiesen war, erachtete lnmte den ganzen Vorfall sür nicht so geklärt, daß es zu einer Verurteilung auch nur eines Angeklagten kommen konnte, und sprach alle s r c i. Tie nicht unerheblichen Ä o st c n des Vcrsahrens Ivürden der Staatskasse auferlegt.

W Paris, 8. April. Tie Untersuchung eggen die Ordens­schwindler Moser, genant de Vciga, und Gciwsscn ist abgeschlos­sen. Tie Angelegenheit wurde vor das Zuchtpolizeigcricht ver­wiesen. Tic flüchtigen Helsershelste Mosers, Clements und Hahn, werden in contumaciam abgeurtcilt werden.

Ciötjcfotrfahrt.

tu. Friedrichshäsen, 8. April. Das neueste Zeppe» linlustschisfL. Z. 24", das künftige MarinelustschiffL. 8", ist itu Gerippe vollständig montiert. In den letzten Tagen weilte der Marineabnahmcausschuß hier.

vermischtes.

* Die Pariser Polizei verhaftete den Leiter eines Kulissenhauses namens Felix Rousseau, der von seinen Kommanditären beschuldigt wird. 250000 Franks veruntreut zu haben. Einem nationalistischen Blatte zufolge ist Rousseau ein Schwager des Finanzministers Renoult.

* Hochzeiten im Rams cb. Nachdem dieBegräbnisse zu Ausnahmepielsen", die die Heilsarmee in Washington eingerichtet hatte, einen ungeheueren Erfolg gehabt haben, kündet die Heils­armee nunmehr in großen Anzeigen auchHochzeiten im Ramsch" an. Für die runde Summe von 100 Dollar werden dem jungen Paare folgende Leistungen garantiert: Heiratserlaubnis, kirchliche Trauung: eine zweiwöchentliche Hochzeitsreise, Einrichtung der Wohnung und Bezahlung der Miete für den ersten Dlonat; Flitter- ivochenzigarren für den Bräutigain und ein Ricchkisien für die Braut. Die Heilsarmee verfolgt mit diesennoch nie dagewesenen billigen Preisen für Hochzeiten" zivei gemeinnützige Zwecke. Einmal will sie die Heiratslust steigern, denn viele Leute fürchte»» sich jetzt vor den» Heiraten, weil die Hochzeit so furchtbar ten.er geivordeu ist; sodann aber will sie selbst bei diesein Rainschgeschäit noch ver^ diei»en. Wie der Leiter derHochzeitsfiliale" der Heilsarmee in Washington milteilte, hofft man, bei geitügend groner 'Beteiligung bei jeder Hochzeit >0 Dollar zl» verdienen, m»d für den Ertrag soll dann ein Sanatorium gebaut »verden. Manches lägt sich freilich auch in» Ramsch nicht billig gestalten. Die -Heiratserlaubnis, ob­gleich sie billiger ist als die Erlaubnis zmn Halten eines Hundes, kostet »»un einmal einen Dollar. Die erste Monatsmiete iür eine Wohn»u»g von vier Ziinmern und Bad »nnsi mit 20 Dollar au- geletzt iverden, und die Hochzeitsreise, die die Neuvermählten nach dein Gute der Heilsarmee in iari)land anlreten müssen, fordert allein kür die Fahrt 25 Dollar. Aber die Einrichtung wird dafür sehr billig liergesiellt, denn sie »vird in den Werkstätten der Heils- annee gearbeitet, und so bleiben doch nocb 10 Dollar Gewinn.

* Der Alkohol i m B a l k a n k r »c g. Welchen i»ach^ tciligen Einflusi der Alkohol im Kriege nicht nur auf die Ge­sundheit des Soldaten ausübt, sondern aus dessen mtlilärifd^e Tüchtigkeit und Disziplin, darüber wcisi der serbische Stabsarzt Tr. Popovic in der neuesten NuNrmer derUmschau". Wochen­schrift über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik < Frankfurt a. Main), einige traurige' Tatsachen zu berichten, die er als Teilnehmer am -Balkankricge selbst beobachten konnte. Ein Fall, bezieht sich auf einen serbischen Reserveoffizier, Alkoholist, Kom- mairdant einer Landsturmabteilung. Nach dem bulgarischen Ue- berfall vom 30. Juli 1913 verlor er gleich den >lopf: anstatt die Positionen zu verteidigen, floh er und liest die Bulgaren die Positionen ohne Widerstand nehmen. Auf einem Trans­portschiff verzögerte sich das Ausschiffen um drei Stunden, nur deswegen, weil es den Offizieren angenehm »vor, an» Schiffe einige kalte Spritzer zu nehnien. Inzwischen aber kam das tür­kische KriegsschiffHamidie" und vernichtete das serbische Schiss. Unter anderem war Beri. Augenzeuge nach der Einnahme von Adrianopel, wie schwer betrunkene bulgarische .Soldaten die