Ausgabe 
8.4.1914
 
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Nr. f»3

Drittes Blatt T 64 . Jahrgang

Erschein! täglich mit Aufnahme der Sonntags.

Ticchicßener ^omitieadtättee" werden dem

.Anzeiger' viermal wöchentlich beigelegt, das llreisdlatt ffir den Kreis Hießen" zweimal wöchentlich. DieLendwletschastlichen Seit­sragen" erscheine» monatlich zweimal.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhejjen

Mittwoch, 8. April l<t>4

Rotationsdruck »nd Verlag der Brnbl'schea

UnwcrsltätL - Bnch- und Steindruckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul, slraße 7. Expedition und Vertag: es^M. Redaktion:««II2.TeI..Adr.:Anzelger«i-ben.

Schafft Spielplätze!

Bon SlaatSministrr v. Podbiclski.

Ein Blick aus unsere kulturelle Entwicklung zeigt uns die Forderung des Tages. Unsere Kultur bat die Menschen ZU- smnmcngeiiibrt in die Steinwüstcn der Städte^ in denen leider auch unsere Bugend gezwungen ist, in den Fabriken, in den Kontoren ihre Jugend,ahre zu verbringen Das Resultat, so vieliach zu selten. ist ein kränkliche«, ein lülitos und unselb­ständiges Geschleckt. Glauben Sie. daß solche Männer »acktber wobl cintreien können für ihre llebrrzeugung. oder daN nicht vielmehr schon in ihrer Jugend der Charakter erheblich be lastet und IN seiner Entwicklung beeinträchtigt worden ist Sehen Sic dock! hinein in die« Leben. Ta« Kind, da« hier in Mauer» austvächst, e« wächst aus, vom ersten Augenblick an behütet und bewacht von behördlichen Anordnungen. Sie sind ja notwendig, denn ein Geiüeinweien ist sonst nicht möglich und nicht denkbar. Aber inan denke sich hinein in die Seele de« Kinde«, da« vielleicht an dem Blumcntopi. der der Mutter tvoifttr schmückt, gezeigt bekommt, toie vorsichtig man sein muh, wie man itm porsichiig liernmrücki, toie man ihn begießt: so l-vriichtig ist man dann auch in der Behandlung de« Kinde«. Und au« einem solchen Kind soll nachher ei» willcnssiarkcr, zielbewußtec Mann werde»? Es wächst eben nur unter solchen Eindrücken und Einslüsscn txran .und kann sich nicht zu dem gestalten, wa« wir alle wünschen. Man klagt in heutiger Zeit, e« gäbe keine Willensstärken Männer mehr. Wo sind die Führer, nach denen man so oir rufen hört? Wir sind an ihren Fehlern selbst schuld, weil tvir ihnen nicht den Grundstein lege» in der Jugend, III» ihnen die Willenskraft zu vermitteln, im Spiel den Ernst de« Leben« zn begreifen. Ich möckttc daraus Hinweisen, daß wir ein Volk der Denker, ein iLolk der Kritiker lind, da« vieliach dem Wort eine höhere -Bedeutung beilegt, al« der Tat Tocb Altmeister Goethe sagt schon: ,,Jm Ausang w»r da« Wort Hier stock ich schon . . . Im Anfang n-ar die Tat". Verykisen tvir sic beide nicht!

Tie Tat aber, die von uns verlangt wird, der sich Staat, 'Gemeinde nnd^ Private nicht entzrchcn können, diese Iwiwendlgc : Tal ist die Sckossung von Spiel und Svortvtützcn, nach der Erkenntnis, daß da« Kind ohne Spielplatz diu Batcr de« Man­nes ohne Arbeit ist. Sviet- und Sportvlütze brauchen unsere Städter im Innern de« .Stadtteils, für den sic bestimmt, mit allen sportgerechten und bvgicnischcn Einrichtungen und niit sport­licherem» turnerischer Anleitung.

Schosst Spiel- und Sportvlätze, damit sich die Kinder aus- toben. die Jünglinge im Wettkamps die Krästc messen » die Männer de« Alter« ihre Jugend znrückerobcrn können.

Fort mit der Jugend von der Straße, hinau« IN« Freie, damit sich da« Kind froh nach seiner Eigenart cnisaltcn kann. Dann freut sich die Mutter an de» roten Wangen und der Bgter un dem sick, entwickelnden Willen und wir traben ein znsrie- tnmcs Volk

Die Forderung von össentlichen Sport-, Spiel- und Turn Plätzen, die Unterstützung jeder Form der körperlichen Erzie Irung i» der Schule, durch Turnen ebenso wie durch Spvil, da« soll linier' beite Borbercttung zu den Olympischen Spiele» des iJahrcs 1916 ici». Aber aucki darüber hinau«, übcr die Vorderer lunge» de« Fahre« 1916 dürfen tvir Nickt vergessen, daß ja nicht bloß für ein Jahr, daß wir dauernde Arbeit für unser Volk tun müssen, tun wollen.

Wer vorurtcilsirei die Vergangenheit überblickt, wer hinein- schaut s» die Ergebnisse der Olympiaden, jener alle vier Jahre Ivicderkchrendcn, intcrnalionalen iriedlickien Wettbewerbe, dir kann sich der Aussassung nicht verschließen, daß Deutschland Nicht die Stelle verteidigt liot, die ihm wohl aus der Erdenrunde znkommt. Es gilt also bei den Tvielc» des Jahre« 1916 mit Erfolg einzutretcn für Tcutschland« Kraft, für Deutschlands Ehre. Wir müssen den hingeworsenen Handschuh äufnehinen und unsere Flagge verteidigen. Unsere kaiicrliche Regierung hat 1912 die Völker der Erde cingeläde», 1916 mit Deutschlands Jugend zu känipscu, und die deutsche Jugend wird mit Freude cintrctcn zür Vertretung des deutschen Nomens, de« bi» ich sicher.

Wir aber Izaben die Psticht, ihr die Gelcgenhesi dazu 311 gebe», und da« sind immer wieder in erster Linie: Spiel-'und Sportplätze.

In den Runen der Geschichte isl es cingcschricben, nur dem Volk in der Welt gehört die Zukunst, da« starken Willens stark und gesund bis in die letzten Gründe seiner Wurzeln ist, und das soll uns das deutsch.' sein und bleiben. Dafür laßt uns sorgen! .

LanSrvirtschatt.

- Mitteldeutsches R 0 tv i eb au s d er W a nd e r - « u « stc l l u I, g in Hannover. Nachdem die erste Verbands­ausstellung des mitteldeutschen Rotviehzüchterverbandcs im Jahre 1912 in Biedenkopf die früher ohne engere Fühlungnahme und geaenseitige Unterstützung nebeneinander bestehenden verschie­denen Rotviehschläge mit gutem Erfolge zu einem vom wirtschasl- lichen und züchterischen Standvunktc aus sehr interessanten Wett­streit zusammengesübrt batte, wurde in der Erkenntnis von der Hohen Bedeutung größerer Konkurrenzen sür die Klärung der Zuckst- ziele vom Verband Niitteldentt'cher Rotvichzüchtcr die Wandcraus- stcllung der Deutschen Landwirtschgsts-Gesetlschgsl in Hannover vom 18. bis 29. Juni 1914 als Platz sür die »ächstc großc^Hc-rschai, in Aussicht genommen. E« zeugt von einer großen Steigerung des Interesses für die Züchtung des sür viele Gegenden unteres Vaterlandes so unenibchrlichcii und wertvollen Rotviehe«, wenn

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von den 12 dem Verbände aiigeschlosscnen großen Hcrdbuchgcsell schastcn 9 die Opfer und Mühen einer sehr schwierigen Ansstel- lungsbcschicknng ans sich nehmen, um entweder Zeugnis abznlegcn von ihren züchterischen Fortschritten oder zn leinen und zu proii- tierc» von den höheren Leistungen anderer. Tie Ausstellung, sür die 280 Tiere de« Höhenviehes angcmeldct sind, jetzt sich an« 160 Stück Rotvich zusammen und erreicht mit dieser Zisser die höchste Beteiligung der Rotviehzüchter, die jemals aus einer Wan­derausstellung erzielt worden ist. Mit Rücksicht ans diese stacke Ausstellungsbeschickung bat sich die Deutsche La»dwirtschait«-Ge- seUschajt denn auch veranlaßt gesehen, in dee Gruppe de« mittel» deutschen Rotviehe« die Iaht der Bewerbnngsklnsscn zu vermehren, die Geldpreise zn erhöhen und -l Preisgerichte zu bilden, die sich aus hcruorragciidcn Kennern der einzelnen Rotviehschläge zn» sanimcnsctzcn. Die angcmeldctcn Tiere verteilen sich folgender maße» aus die einzelnen Bunde«staatcn und Provinzen: Graß-, h e r z p g t ii IN H eise n Kl, Herzogtum Brauuschweig 8, Fürsten­tum Waldeck 7, Provinz Hannover 32, Provinz Hesse» Nassau 20. Provinz Schlesien 21. Provinz Sachsen 16, Provinz Westfalen Ist und Rbeinvrovinz 8 Ztück Nicht vertreten iino die Ziichl- gebiete der Königreickie Sachsen »nd Bayern. Schon au« dieser Auiiüdrnng der Bcschicknngsgcbiete geht hervor, daß die Verbrei­tung de« Rotviehe« weit größer ist. al« allgemein angenommen wird: sind doch allein 6000 Rotviehzückner mit 10000 in die Herd­bücher eingetragene» Tieren im Zuchtvcrbande organisiert und ist doch die Fahl der »och außerhalb der Organisation stehenden Land­wirte eine sehr erhebliche Man erkennt hieran«, daß da« Zuchtgcbiet von einer solche» räumlichen Ausdehnung ist, daß bei gegenseitigem engeren Ansckzlnß der einzelnen Zuclitgcbicte Absatz und Austausch von gutem Zuchtvieh nicht zu stocke» brauche» und immer wieder neue Jnivulse in die Zuchten bincingebracht tverdcn lüiiiicn. Tic Ausgabe de« Verbandes mitteldeutscher Rowichzüchter wird jedoch nicht allein darin bestehen, den Zuchtvichabsatz und Austausch iimerhalb der bereit« vorhandenen Verbreitungsgebiete zu beleben und die Be- düriniiic de« Inlandes zu befriedigen. sondern auch de» Erforder­nissen unserer überseeischen Züchter »achrnkomnien. Die ersten An- sängc einer Einfuhr von Rotvieh nach Südweftairika sind im ver­gangenen Jahre mit recht befriedigendem Eriolge gcniacht worden und nach Aussage von Sachverständigen tverdcn unsere Kolonien durch die Bertvendnng von mitteldeutschem Rolvieh vor dem großen Mißerfolge bewahrt bleiben, der der Viehzucht Deutschland« dadurch sehr großen Schaden gebracht hat, daß man Rassen unter Vcrbält- nissen ;u züchten suchte, unter denen dieselben ihre typischen Eigen­schaften nicht entwickeln konnten.

-- B c z r r k« p i e r d e s ch a n e n. Ter Landwirtschastskainmcr- Ansichuß sür Obcrhessen veranstaltet in der Zeit vom 20. bi« 23. April solgende Brzirksvserdeichanen: Am 20. April, vormittags 10 Uhr in Butzbach, nachmittags 3 Uhr in L i ch; am 21. April, vormittags 9 Uhr, in Gründe r g , nachmittags 2 Uhr in Obe r Osleidcii: am 22. Avril, vormittag« -,'«8 Uhr, in Kirtorf, nachmittags I Uhr in R 0 in r 0 d und am 23. April, vormittags 8 Uhr, in Schlitz und »achmiltag« 3 Uhr in Grebenhain. -An den Sckiauen können sich alle Pscrdezüchtcr der betreffenden Prämiierungsbezirkc beteiligen: die vorgeführten Pferde müsse,» jedoch mindestens 3 Monate im Besitze de« betreffenden Landwirtes sein. Tie Prämiierung findet in solgciidcn Klassen statt: Belgier beziv. Oldenburger Muttcistutcn mit Sangsoblo» oder mehreren Nachkommen: Belgier bezw. Oldenburger, nachweisbar gedeckte und tragende Stuten: Belgier bezw. Oldenburger stsährige Hengst- und Stutwhlen und Belgier bezw. Oldenburger 2jahrigc Hengst- und Stutsohlen. Außer den Prämiierungsmittcln, die pro Tckwu 400 bis 500Mk. betragen, stehen noch zahlreiche Ehrenpreise de« Landcs- vserdczuchtvcrcin« zur Bcrsügung, die an dessen Mitglieder sür Belgier bezw. Oldenburger Muttcrstutcn (Klasse 1), verlieben wer­den. Gelegentlich dieser Schauen können Pferde unentgeltlich in da« Hessische Pserdcitammbiich auigenonnnen werden. Die näheren Bcstimmiingen für die Prämiierung, sowie die Abgrenzung der PräMtiernngsbczirke sind in Nr. 7 de« Hessischen Picrdczüchtcrs (Beilage der Hess, landwirtschaftlichen Zeitschrift), veröiienllicht.

r»ir«hliche Nachrichten.

Lvanzelische Semcinde.

Gottesdienst.

Gründonnerstag. den 9. April:

In der Ztadtkirchc.

Abend? 6 Uhr: Beichte und heiliges Abendmahl sür Mnlthcius- und 9?iarkusge>nelnde gonreinsam. ^Anmeldung vorher bei dein Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Pfarrer S ch iv a b e.

In der Iohannerkirche.

Vormittags 9'/., Uhr: Vorstellung und Prüfung der Konfir­manden ans der Iohannesgemeinde. Pfarrer Ausfeld.

Abends 7% Uhr: Beichte und heiliges Abendmahl für Lnkas- nnd Iohannesgemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Pfarrer A u § s e l d.

Karfreitag, den 10 . April.

Kollekte für die evangelischen Anstalten 511 Jerusalem.

In der 5tadttirche.

Vormittags 9A Uhr: Pfarrer v. Schlosser.

Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markns- gemeinde gemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

DormittagS 11J* Uhr: Kinderkirche für Matthäus- und Markus- gemeinde. Pfarrer v. Schlosser.

Abends 6 Uhr: Liturgischer Gottesdienst.

Pfarrer Schwabe.

Am 2. Osten'ierlag. nachmittags 2 Uhr/ findet die Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden ans der Marknsgemeinde statt.

! _______. . . ,-tf

Die Konfirmation findet am Sonntag Qnalimodogenili. den 19. Avril. statt, in Verbindung damit s^eier des heiligen Abend­mahls. Die Beichte dazu wird am SamStag, den IN. April, nach­mittags 2 Uhr, gehalten.

311 der Iohanileskirche.

Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer B e ch t 0 l S h e i m e r.

Beichte und heiliger Abendmahl für LnkaS- und Johannes- gemeinde c^emeinfam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Vorn'ittagS 1NL Uhr: Kinderkirche für die LnkaSgemeinde.

Pfarrer A e ch l 0 l S h e i m e r. Abends 6 Uhr.: Siehe Stadtkirche.

Slm 1. Dtterfeiertag wird in beiden Kirchen eine Kollekte sür die Kirchenkasie erhoben werden.

Am 2. Osler'eiertag findet im Hanptgottesdiem't die Konfirmation der Kinder ans der IohanneSgemeinde statt, in Verbindung damit Ferer des heftigen 'Abendmahls. Die Beichte »vird am 1. Oster- leiertag im ?lnschlntz an den Abendgottesdienst gehalten.

Ebenfalls am 2. Lsterleiertag, nachmittags 2 Uhr, findet Vor­stellung und Prüfung der Konsirmanden aus der LukaSgemeinde statt. Die Konfirmation derselben findet am Sonntag Qnasimodo- geniti. den 19. 2lpril, statt, in Verbindung damit Feier des Herl. Abendmahls. Die Beichte unrb am Tage vorher, nachmittags 2 Uhr, gehalten.

katholische Gemeinde. .

Gotterdlcnst.

Mittwoch, den 8 . April:

Aachmittags um 5 Ilhr und abends um 8 Uhr: Gelegenhekr

zur heil. Beichte.

Donnerstag, den P. April: ^ründonueratag.

Vormittags von 0'/, Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte.

um 7, 7% und 8 Uhr Austeilung der hl. Kommunist

um 9 Uhr: Hochamt: dargui stille AnbetungSslnnder

bis ftiir Abendandacht.

Nachmittags um 6 Uhr: Pafnons-Audacht.

Freilag, den 10 2lpril:

Karfreitag.

Vormittags um 7*/, Uhr: Aussetzung des Allerheiligsten, dara< stille Anbetungsstunden.

^9 Verstörte Dtesse.

Nachmittags um o'A Uhr: Predigt; barauf Passions-Andacht. SamStag, den II. April:

KarfamStag.

Vormittags um 7 Uhr Tie hl. Weihen.

* 9X Hochamt.

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