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Nr. 82

Der Slchener Snjdger

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' Erster Blatt Jahrgang

Dienstag, r. April|9M

GKUMlAMMk

General-Anzeiger für Oberhessen

Notationsdrittk und Verlag der Srühl'schkn Univ.-Vuch- und Slemdruderei R. Lang«. Redaktion, Expedition und vruckerei: Schulstratze 7.

Bczugönrettz:

inonatiichräDi., viertel­jährlich Mk. 2 . 20 ; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 60 'Ui.; durcy diePost M.2.vierlei» jährl. ausschl. Bestell, Zeile:,preis: lokal IbPs, auswärts Pieimiq. Lhesredaklcur: A. Goctz. Beraiilivorttich sür de:i polit. Teil: 'Ana. Goeg; sür .Feiiillelon", .Ver­mischtes" und.Gerichts- snal"^ Karl Sieuralh; lür .Stadl und Land": Kurt Bendt; lür den Anzeigenteil: H. BeL

Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.

Zur Auflösung der nationalliberalen Zondergruppen.

In derKöln. Ztg." nimmt nun auch der Führer der natiomillibernlen Partei, Reichstagsabg. B affe r m an n, zu dem Beschluß des Zentralvorstandcs aus Auflösung der Iondergruppen der Partei das Wort. Er bestätigt, daß in den, Beschluß keine scindliche Stellungnahme gegen irgend eine Nicht,»iq liegt. Tic verschiedenen Richtungen sollen nicht angetastct lverden; sic würde es auch in einer Mittel­partei stets geben. Getroffen werden soll nur die Organi- satio». Herr Bassermann erkennt an, das; die Auslösung insbesondere für den junglibcralen Reichsverband bitter sein mag, da er anerkanntermaßen gute politische Arbeit geleistet habe. Aber, so fährt Herr Bassermann fort, eine politische Organisation ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Ist der Zweck erreicht, so inag eine solche Organi­sation verschwinden. Sic kann ein solches Opfer bringen in dcnl Gefühl, dem Baterlande gedient zu haben, lieber die Gründe, die zu dem Beschlüsse führten, sagt dann Herr Bassermann folgendes:

Der starke Oiganisatioitsdrailg unserer Partei schasst ü. a. eine Menge P a r t c il itc ra t u r, vor allem Monatszeitschrif­ten der Organisationen. Es wäre wohl dringend zu raten, den <5ioii für solckie Literatur nicht in kritischen Betracht,,gen der verschiedene» Richtungen lind Stimmungen der Partei zu suchen, da diese vielfach sehr herbe, oft unbegründete und falsche Kritik nur verärgert und nicht viel nützt. Wir müssen es ertragen, daß die Verhältnisse nicht sür alle Teile Deutschlands gleichlicgkii. daß der Kamps in Baden und Bayern sich anders abspielt als beispielsweise in Westfalen mit feiner sehr star­ken Sozialdemokratie, oder in Ostpreußen mit seiner konservativen vergewaltigenden Herrschaft. Welch ein Arsenal von Waffe» ist durch diese eigene Parteiprcssc den Gegnern geliefert worden! Mit Rccklt hat der Abgeordnete v. Krause hervorgcdoben, daß die führenden Partciblätter sich von solcher Bckäiiipsnng fern» halten. Diesem Beispiel müßte die Presse unserer Provinzorgani- saiionen folgen. Gcradcauchin Rücksichtans die Publi­kationen der Sonderorganisationen, die sich lebhaft bekämpfen, i st der Wunsch ans Beseiti­gung derselben her vor getreten. Wir haben, >vie Fried- borg es drastisch ausdrückle, diese Streitereien gründlich satt. . . Die überwältigende Menge iinscrer Parteisrcundc will .in Frieden unter lick) leben und ist der Meinung, daß cs so viel Stoff gibt, der außcrlmlb unseres eigenen Partcilcbcns liegt, daß wir uns selbst gegenseitig die Federn nicht auszurupsen braucizen . . . Wer aber von Sieg oder Niederlage einer Richtung spricht, der möge bedenken, daß i» dein Votum, das die Auslösung der Son- bcrorganisation fordert, sich vereinigten: Prinz Carolath und Haarmann, Junck und Leidig, Streicmann und Hirsch, Ludwig I Stettin) und Schisser, Wnneken, von Campe, Lohmann, Ob- kirchcr, List und Licpuiann, die drei Vorsitzenden Friedbcrg, Vogel und Bassermann. Diese Namen beweisen, daß die Gcsamtpartet votiert hat. Diese Namen schließen jeden Verdacht aus, daß der Beschluß die Bedeutung eines Richtungswcchscls bat."

Hier wird von dem nationalliberalen Führer bestätigt, vas wir am Samstag näher ausgeführt haben: Tie un- nüpen Presse-Auseinandersetzungen der beidenRichtuligen" sollen gedämpft werden. TicNatl. Korresp." schreibt zu den Ausführungen Bäjsermanns:

Hieraus werden unsere Gegner rechts und links erkennen, daß ähre Hoffnungen, aus dem bisherigen Streit im nationalliberalci, ,Lager für sich etwas herauszuholen. vergebens sind.Tie Spekula- ckiou auf die sogcuaniitc reinliche Scheidung der rechts- und links- 'stehenden Elemente muß endgültig begraben werden. Weder der Ra- >dikalismuS des Berliner Tageblatts Uiid seiner Freunde, noch die frcikonscrvativc Richlung mit ihren restlichen 10 Mandaten im 'Reichstag kann uns locken. Wir haben weder Lust, demokratisch noch konservativ zu werden. Tic Beschlüsse des Zcntralvorstandes schieben die Partei weder nach rechts noch nach links, sondern vorlvärts. Wir bleiben, was wir sind." lind nach der konservativen Seite

Tkpp! che des Naukasus.

Unser Petersburger Mitarbeiter schreibt uns: In zahlreichen 'Sicdclllngcn des Kaukasus und Mittelasiens bildet voil jeher die Teppichweberei die einzige Einnahmcgucllc der Bevölkerung; die wunderbar schönen Teppiche, vön denen namentlich die sog. Tc- kinzcnteppiche von Eingeborenen und Euroväcrn hoch geschätzt sind, fanden anSgczeick'iictcn Absatz, nantnttlid; in dem Lande, das ohne Teppiche iindenkbar ist. Und sie bildeten auch einen hochbezahlten Ausfuhrartikel, denn diese Teppiche zeichnen sich nicht nur durcki ihre eigenartige und reizvolle Ornamentik aus, sondern eine ihrer Eigentümlichkeiten ilt auch die Leuchtkraft der Farben, die durch einen charakteristischen Saminetglanz des Gewebes gehoben wird. Dazu kommt nun noch, daß die Tekinzen- nnd kaukasischcii Teppiche Iiiigcmein dauerhaft sind, denn ihre Kette besteht aus Wolle, während diese bei den Teppichen aus Persien. Kaschgar «sw. Vielinch aus Baumwolle besteht. Ter Wert der Ausfuhr von Teppichen aus Mittelasien und dem Kaukasus betrug einige Millionen Rubel im Jahre; sic gingen nicht nur nach Persien, Afghanistan und Rußland, sondern sic wur­den auch in großen Mengen nach England und Amerika ausgc- sührt. wo man namentlich die leuchtenden, nie verbleichenden Farben der Teppiche hock? schätzte: diese Farben, die den Tckinzcn- und kaukasischen Teppichen den wahren Wert verleihen, sind Pflan- zeiisarbcn, deren Gewinnung und Zubereitung nngenirin um­ständlich und zeitraubend ist.

Als die Anilinsarben auilamen, da versehltcn gcwandie Rei­sende nicht, dieses Produkt in den Kaukasus und nach Mittel­asien zu tragen, wo sic von Heu Teppichwebern srciidig ausgenom­men lvlirdcn. denn die neuen Farben enthoben sic der Müde der Farbenbcrcitung. Leider mußten die Leute cinschen, daß die Qualität der Teppiche sich bald verschlechterte und daß infolge dessen die Preise Heruntergingen und die Nachfrage bald schwa­cher ivurde. Es konnte keinem 'Zweifel unterliegen, daß " die Teppichweberei dank den Anilinsarben starke Einbuße erlitten hatte und am Rande des völligen Ruins stand. Hier grill nun die Regierung ein, indcnr sie Lchrwcbereien schul und durch staatlickle Instruktoren aus den Schaden und die Untauglichkeir der Anilinfarben Hinweisen ließ. Diese Maßnahmen, die der rllssischen Regierung sehr viel Geld und noch viel mehr Mühe gekostet habe», sind von schönen Erfolgen gekrönt gewesen, denn die Anilinfarben werden nun in Tnrkestan, Mcrw und Buchara,

hin betont Herr Bassermann noch besonders, daß die Nalionallibe- ralcn nicht daran denken, ihre bisherige Politik auszugebcn:Mehr als je sind wir von der Notwendigkeit einer l i b c r a l e n P o l i t i I überzeugt. Tic Einseitigkeit der Konservativen Partei, die sich immer mehr zu einer Klasscnparlci rein agrarischen Charakters nm- gcwandelt hat. paßt nicht für ein in einer so glänzenden Auswärts- entwicklung bcsindlichcs Land wie Tcutschland. Hier wäre Stillstand Rückschritt. Taß dies die Partei erkennt, beweisen die lebhaften Aus­einandersetzungen unserer Freunde mit den Konservativen im preu­ßischen Abgeordnetenhaus."

Ter Jungnalivnalliberalc Verein zu Leipzig nahm sol gende von dem junglibcralc» Landtagsabg. Tr. Blanken­burg eingebrachte Entschließung an:

Ter Vorstand des ReichsvcrbandeS der Vereine der national- liberalen Jugend loird ermächtigt, mit dem gcschästsiührenden Aus­schuß der iiationalliberalen Partei in Verhandlungen einzutrcien und vor allem folgende Frage zu erörtern:

Weiche Garantien gibt der gcschäslssührcndc Ausschuß dem Rcichsverbanü in, Falle der Auslösung seiner 2 o n d e r-Orga- nisation (unter Fortbestehen der junglibcralen Einzelneres»?) in bezug aus die tatsächliche Auslösung des altnational- liberalen Reichsverbandcs

Die Rochette-Affare.

Paris, 6 . Avril. TerMatin" berichtet: Ter l. Präsident des Appcllgcrichtshojcs, Senator Forichon, hat sich gestern ins Elysee begebe», um i» der Angelegenheit der Frau Caillaux das Zeugnis des Präsidenten der Republik ciitgegenzunchmen. Ticser ohne Beispiel dastehende Vorgang sei ans folgendes zurückzusühren: Am Vormittag des 10. März, wenige Stunden vor dem von Frau Caillaur verübten Anschlag, fanb im Elysee ein Ministerrat statt. Vor Beginn desselben bat Caillaux den Präsidenten der Re­publik um eine Privatunterredung, die ihm Poincare sofort ge­währte. In großer Aufregung erzählte Caillaur, er wisse aus bester Quelle, daß Privatbriefe, welche er an seine Frau geschrieben habe, als diese noch die Gattin eines anderen gewesen sei, dem Figaro" übergeben worden seien, und daß Calmctte die 'Absicht habe, diese Briese zu verösfentlick>en. Pos II eg re entgcgnele mir großem Nachdruck, daß ihm eine solche Vermutung durchaus unbegründet scheine. Er kenne Calmctte als einen Ehrenmann, der einer solchen Tat nicht sähig sei. Calmette würde niemals Briefe veröffentlichen, welche die Frau des Ministers in das Spiet hineinzerrcn. Caillaur erklärte, daß die Personen, die ihn verständigt hätten, sich Nicht irren könnten. Ucbrigens lägen bc- stimmtc Anzeichen vor, daß neue Verüssentlichungen gegen ihn vor­bereitet würden. Habe doch Calmette in der neuesten Nummer des Figaro" einen Artikel gegen ihn verösscMlicht unter dem TitelKomisches Jntcrmezzv, biographische Notizen überJo", von Herrn Josef Caillaur". Das WortIntermezzo" deutet daraus hin, daß noch etwas kommen solle, und dieses etwas seien die intimen Briese. Poincare erwiderte nochmals eindringlich, daß er cs für unmöglich halte, daß Calmette etwas derartiges tun werde. Tic Tatsache, daß dieser in dem vomFigaro" veröffentlichtenJo-Briefe" den Schlußsatz unterdrückt habe, der mit der Politik nichts zu tun hatte, sei ein bestimmter Beweis da­für. daß Calmette niemals gewisse Grenzen überschreiten werde. Poincare forderte Caillaur aus, sich nochmals! zu erkundigen und mit seinem Anwalt zu beraten. Caillaux erhob sich und ries mit zorn- lind angsterfüllter Stimme: Wenn Calmette so etwas tut, dann töte ich ihn. Nochmals bemühte sich der Präsident, den Finanzministcr zu beruhigen und ihn von jeder Unbesonnen­heit abzuhalten. Nachmittags begab sich der Ministerpräsident Toumcrguc zum Präsidenten der Republik, um mit ihrn über Angelegenheiten der auswärtigen Politik zu sprechen. Nach eini­gem Zögern berichtete Poincars dem Ministerpräsidenten die von Caillaur ausgesprochenen Befürchtungen und Trohiingcii, worauf Doumergne erwiderte, er werde alles ausbictcn, um Cail­laux zu beruhigen nud eine übereilte .Handlung zu verhindern. Aber in demselben Augenblick, als Doumergne das Elysee ver­ließ, begab sich Frau Caillaux bereits in die Redaktian des Figaro" und bald daraus stürzte Calmette tödlich getrossen zusammen.

Am 2. April wurde Caillaux vom Untersuchungsrichter B o u - chard Ncrnommen, dem er auch von der Unterredung mit dem Präsidenten der Republik Mitteilung machte. Er ersuchte den Richter, darüber das Zeugnis des Staatsoberhauptes cinzubolen. Der Untersuchungsrichter verständigte von diesem Begehren die

sowie im Kaukasus, kaum noch angewendet. Tic Bestrebungen der Regierung sind von den örtlichen gebildeten Elementen, denen die uralte Industrie am Herzen liegt, tm Lause vieler Jahre in der tatkräftigsten Weise unterstützt worden und man konnte .hossen, in absehbarer Zeit die verlorenen Märkte, die sich schließlich mit alicn Stücken hatten begnügen müssen, voll­ständig wieder zu erobern.

Ta hat nun ein neuer Schlag die Tcvpicbindustric getroffen: man beginnt namentlich nach Mittelasien fabrikmäßig hcrgestelltc Teppiche aus Europa einzusühren. Tic Bazare in Mcrw, Ascha- bad, Samarkand, Buchara usw. werden von minderwertigen Tep­pichen überschwemmt und sie sind um das Zehnfache wohlfeiler, als das einheimische Erzeugnis, freilich sind sie auch in der Qua­lität entsprechend geringer. Tie werden, da sie zumeist über BatuiN cingesührt werden, alsTürkische" Teppiche ausgegeben und sie erfreuen sich daher, abgesehen von ihrer Woblleilheit, bei der einheimischen Bevölkernng ganz besonderer Beliebtheit. Ter Absatz in diesen Teppichen, die den Originalen täuschend nach­gebildet sind, ist so enorm, daß die cinheiinischc Industrie ernstlich bedroht erscheint, denn iie ist nicht imstande, die Konkurrenz dieser wahlscilen Ware auszuhalten. Um diesem Zustande, der sür einige hunderttausend Eingeborene von verhängnisvollen Folgen sein kann, ein Ende zu machen, plant die russische Regierung letzt entsprechende Zolftiiaßnahmcn.

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Tra in aturgischcZentrale,Weimar. Tic Wirk­samkeit der von Tr. Ernst Wächter in Weimar vor kurzem ins Leben gerufenen Dramaturgischen Zentrale, die als Lescstclle sür alle cingesandten dramatischen banbichriften und Stücke dient, bars schon jetzt als nutzbringend bezeichnet werden. Obwohl die Tängkeit dieser Lcscstelle noch verhältnismäßig wenig bekannt ist und sie daher erst in bescheidenem Maße in Anspruch genommen wird, konnten durchschnittlich 12 Stücke täglich zue Erledigung gelangen. Unter den Handschriften bcsanden sich mehrfach bedeu­tende Talentvrobcn. Tic Gutachten der Zentrale nierde», soweit sie sich sür die Oesfcntlichkeit eignen, vom l. Aprilhest an regelmäßig in der LalbmonatsschristBühne und Welt" veröffentlicht.

6669 neue Abhandlungen! Ter von der Zentral- stclle sür Dissertationen und ProgrammcZBuchhdlg. Gustao Fock, in Leipzig) hcrausgegebcne Bibliographische Monatsbericht über ncucrschiencne Schul-, Universitäts- lind Hockffchulschriiten verzcicki- net in seinem kürzlich abgeschlossenc» 24 . Jahrgang (1912/13) die

Staatsanwaltschaft, welche sich, d.i kein Präzedenzsall Ziorlag, an den Justizminiftcr wandte. Poincars beseitigte alle Schwie­rigkeiten, indcin er crkliärtc, daß er, wie >edcr Bürger, die Pslickst habe, die Wahrheit zu sagen, wenn die Justiz des Landes dies fordere, und da cs sich um keinerlei Staatsgc!ieimnisle iiiid keine össentliche Angelegenheit handle, so sei er bereit, als Zeuge ausznsagcn. Entsprechend den Paragraphen 510 und 511 des satrasprozetzvcrfahrens begab sich dann auch der Erste Präsi­dent des Ävvellationsgerickitshvscs Forichon gestern vormittag ins Elysee. Poincare lcisteic den Eid. lvoraui ForickMi ilmi die Aussagen Caillaux vorlas. Poincare erklärte, daß er diese Aussagen mir bestäligen könnte, und schilderte dann eingehend die Szene, die sich zwischen ilM und Caillaux abgespielt hatte. Diese Erklärungen wurden zu Protokoll genommen und von Poincare üiitcrzcichnct. __

Dcnticde» Reich-

Der Kaiser Hörle, luic ans Korfu gemeldet wird, am Montag vormittag die Borträge der Chefs des 'MtUtär- und des Marinckabinetts sowie des Gesandten v. Dreutler. Zur Mittagstafel waren geladen die Königin von Griechen­land und Prinzessin Helene. Ter Kaiser, die Kaiserin und die Königin der Hellenen verweilten am Montag nachmittag bei den Ausgrabungen in Garitza.

Die Reise des Reichskanzlers nach Korfu. DieNordd. Llllgcm. Ztg." meldet: Telu Vernehmen nach ist für die Abreise des Reichskanzlers nach Korfu die zweite Hälfte dieser Woche in Aussicht genommen.

AusiattS.

Frankreich und die Fremdenlegion. Das fran- zösischc Kriegsministcrium verbreitet solgcnbe 91ote:_ Einige fron - zösische Zeitungen berichteten kürzlich, daß in deutschen Llätternl 'Nachrichten veröffentlicht werden, denen zufolge ein deutscher Frcmdcnlcgionär aus Remagen oder B r e s l n_u , na­mens William Rudnick, am l0. Januar 1914 in Sidib cl Abbas erschösse n oder bei seiner Festnahme getötet worden sein soll. Ter einzige Zwischenfall, der sich in dieser Zeit ereig­nete, ist der Selbstmord eines französischen Legionärs. Tie letzte militärische Hinrichtung im Bezirk Oran fand am 6 . Juli 1913 statt und wurde an einem Franzosen vollzogen, der wegen Be­leidigung und Bedrohung eines Vorgesetzten zum Tode verurteilt worden war. Ein Legionär William Rudnick aus Breslau ist zwar in der stkollc von 191t in der zweiten Legion verzeichnet: be­fand sich aber in dieser Zeit in Ostmarokko, von wo er am 12 . No­vember 1911 desertierte ohne wicderaesunden uich verhaftet zu werden. AllcNachrichten in deutschenBlättern darüber sind unwahr.

Das russische Ministerium des A c n ß c r n Ijat ein Orangcbilch veröffentlicht, das die diplomatischen Dokumente über das im Jahre 1912 abgeschlossene Abkommen mit der Mon­golei und über das Pekinger Abkommen vom Jahre 19l3 enthält.

Der Aufstand in Epirus. Die albanische Regierung hat ans Koritza Nachrichten erhalten, nach denen dort 3 00 ?l u f st ä ndi scki c, bestehend aus Banden und regulären grie- cknschcn Soldaten geschlagen worden sind und fünf griechische Soldaten gefangen genommen wurden.

T ie R c sor m c n in O stan a t o l ic n. Aus K o n sta n t i- n o p e l wird gemeldet: ilkachdcm die europäischen Kabinette die von Rußland vorgcschlagcncn K a n d i d a t c n sür die Posten der zwei Generali ns Vektoren für Reformen in den o st - a n a t o l i s ch c n Wilajcts angenommen haben, werden die Bot - schafter einzeln dem Großlvcsir mündlich die Kandidaten, nämlich zwei Belgier, zivei Holländer und einen Norweger, Vorschlägen.

Tic chinesische Anleihe. TicTimes" meldet aus Peking vom 5. d. Miss: Ter Finanzminister hat am Freitag mir der Fünsmächtegruppc Verhandlungen wegen einer Anleihe er­öffnet. die der Crivartung nach 25 Millionen Psund betragen würde. Ter Zweck der Anleihe ist. die früheren kurzfristigen 'An­leihen zurückzuhaltcn, die Ausgabe von Prooinzialnotcn zu be­festigen, die Währung zu reformieren und der Regierung aus den gegenwärtigen Finanzschwierigkcitcn hcrauszuhclsen. Tie Gruppe ihrerseits wird ans eine Reform der Verwaltung der Salzstcuetz drängen lind würde verlangen, daß die Nolcneinlösung und die Währungsreform einer ausländischen Anslicht unterstellt würden, um bcsricdigcndc Resultate zu erzielen.

Titel von 6669 Abhandlungen, die sich aus solgende Tisziplincn verteilen: Klassische Philologie und AltertumSwissenschasten 268, Neuere Philologie sModcrne Sprachen und Litcratnrgeschichie) 472, Orientalia und vergleicheichc Sprackwissenschast 38, Theologie 48. Philosophie und Psychologie 168, Pädagogik 106, Geschichte und Hilsswisscnschasten 334, Olcographie sRei'ebeschrcibungen An­thropologie und Ethnologie) 57, Rechtswissenschaft. Staatswisien schast, Volfswirtschiaft l649, Medizin 1996, Tierheilkunde 37, Be­schreibende Naturwiisenschasten iZoologie - Botanik Geologie

Mineralogie) 308, Exakte Wissenschaften (Mathematik Physit

Astronomie Meteorologie uinO 278, Chemie 597, Land- lmb Forstwirtschaft (Viehzucht) 56. Technische und HandclSwiffcn- schaitcn l20, Bilocndc Künste 90. Musik 16, Verschiedenes (Biblio- thekwcscn Reden usw.) 31 Abhandlungen.

Tic altgricchische Stadtmauer von M a r - s e i l l c. In M a r s c i l l c hat man bei umiaffenden dlbtragungs- arbeiten eine archäologische Entdeckung aus der altgriechiscktzm Stadt gemacht, die in ihrer Art und Ausdehnung in Frankreich einzig dastcbt. Man fand längs der Altstadt von Süden »ach Norden eine Umfassungsmauer, die in ihrem unteren Teil aus bearbeiteten Steinen von 1,50 zu 2 Meter Größe hcrgestellt loar, und inan stellte darin hohe Mauerpseiler, Grundmauern von Türmen, Schießscharten und Zinnen fest. Tic ganze Bauart verriet gric- cknsche Arbeit aus vorchristlicher Zeit: es handelt sich also augen­scheinlich um die alle Stadtmauer, gegen die Julius Cäsar sein Heer zuni Sturm geführt hat. ES wird beabsichtigt, die alten Maucrrestc entweder ganz oder in wichtigen Teilen zu erhallen.

Hcysc und Ibscn. Paul Hcyse, derletzte Ritter der Romantik", und Henrik Ibsen, derTotengräber der alten Kunst", hatten in ihren Pcrsönlick'Icitcn gewiß nicht viel Gemein­sames, eS sei denn das eine, daß sie es beide mit ihrem' Tichter- berus sehr ernst iiahmen und sür den echten Künstler vötligc Hin­gabe an die Muse, keine Beschäftigung in einem anderen Berut verlangten. Dennoch sind diese beiden so ganz enigcgengcsctztcn Geister in ein srcundliches Verhältnis gelrcten: häufig hat Heyfe mit Ibsen beim Bock gesessen und mitten zwischen Bierkrügcn ein ästhetisches Turnier mit ihm auSgesochtcn. TaS war zu Ende der siebziger Jahre. Georg Brandes, der Dorkämpscr des nordi­schen Dichters, der auch zugleich ein großer Verehrer Heyses n>ar und ihm in einem Essay die erste literarhistorische Würdigung bat zuteil werden lassen, hatte sie nachdrücklich auseinander hinge- wiescn. Ter deutsche Dichter, der so bcgeisternngsfähig allem