Nr. 78 Zweiter
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Tie „löießener Zomllienblitler" werden dein .Anzeiger" viermal wochcnllich beigelegt, das „Krcisblatt für den Kreis Sichen" zweimal
wöchentlich. Tie „Londwirtichaflltchen Zeilsrogen" erscheinen monatlich zweimal.
Dlatt Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger fiir Oderhessen
Donnerstag. 2. April
Rotationsdruck »nd Verlag der Brühl'jchcii Universität---Bach- und Eteindruclerei.
R, Lange. Gießen.
Redaktion. Expedition und Druckerei: Cchui- ,'trage 7. Expedition und Vertag: ->l.
Redaktion:«-» US. Tel.-NdraAnzeig-rSießen.
Amtreinsührung der neuen Gberbürgermeisterr von Gießen.
6iicsj.cn, l. April 1V) 14.
In öffentlicher Sitzung der Stadtverordnete,,versa,,,,,, lung fand heute nachmittag Uhr durch Provinz,ialoircttor Tr. U s i „ g c r die feierliche Einführung und Beeidigung des ncugcwählteu Oberbürgermc isters Karl Keller in Gegen - wart dpr Stadtverordneten »nd des städtische» Beamt n- persvnaks u. a. in. statt. Nachdem Beigeordneter Instijrat Grünewald die Persannnlnng eröffnet und die ans seinen Vorschlag hierzu brstiinintcn dienstöltcstcn Stadtveroro rieten Louis Petri II. und Wilhelm Löber VI. de» Prvvin. zialdircttor t,nd den Sderbiirgcrnieister in den Saal ge leitet hatten, ergriff zunächst Gehet in erat T r. U s i n g e r das Wort zu folgender Ansprache:
Meine sehr geehrten Herren Stadtverordnete»!
Im Gegensatz zur Landgeincindcordnung kennt unsere Städteordnung nur einen Soll, in dein der Vertreter der staatlichen Verwaltungsbehörde gesetzlich besagt und rcrpstichtet ist. in Ihrer Mitte zu erscheinen und bei dieser (Gelegenheit eine aktive Rolle zu spielen. Tiefer Fall liegt heute wieder einmal vor. Ein neuer Oberbürgermeister der Provinz,iallwuptstadt Gieren, dessen am II. Februar INI l crsolgte Wahl die Bestätigung Seiner Königlichen Hoheit des Großhcrzogs gestmde» hat, ist von mir nach Bo.ichriit des Artikels 70 der Ttädteordnnng öffentlich in Eid und PslickN zu nehmen. Tiefer an sich schon eine gewisse Feierlichkeit heischende Alt kennzeichnet sowohl hie hohe Bedeutung, die dem Amt des Ober bürgerineistcrs einer Stadt beiznmestcn ist, wie auch, die Wichtigkeit der Stunde, in der ein neuer Leiter des städtischen Gemeinwesens sich anschickt, das Steuer zu ergreifen,
Bon den Stellen, die ans dem Gebiet der Verwaltung zu m- gebcn sind, ist diejenige des Oberbürgermeisters einer Stadt eine der schönsten, aber keine der leichtesten. Tie E i n w o h u c r i ch a s: sieht in ihrem Oberbürgermeister den ersten Bürger des Gemeinwesens: sie tritt an ihn heran init alle» ihren grostcn und Ncinen Sorgen, erwartend, das; er für jeden ein williges Ohr hat: iie verläßt sich aut sein Wort uno folgt tvilltg, auch in schfvcrcn Zeilen, wenn das dem Sladtoberlmnpt cntgegengcbrachie Vertrauen gehegt und gcpilegt, verstanden n,w vergolten iviro. Diese schönsten der Stellung eines Oberbürgermeisters abzngcwinnendcn Seiten werden und müsse» Ersatz bieten sür die Mühen, Sorgen und Lastcm welche_ mit den: Amt Tür seinen Träger unlösliäi verbunden iind- Schon die Vorschrift unterer Städteordnung, das, der Bürgcr- n,einer der verantwortliche Leiter der gesamten städtischen.Verwaltung ist, lästl die Schwere des Amtes anä, den Fernftebenoei» ahnen. Wie vielseitig sind die Ansprüche, die an einen Oberbürgermeister in Ausübung seines Bernss schon nach der persönlichen Seite hin gestellt werden! EMoll über, nicht unter den Parteien stehen: er soll kein geschobenes Wcrtzcug Unverantwortlicher sein, sondern selbst schieben und vorwärts schreiten: er soll nicht trennen, sondern verbinden »nd auSgleichen, insbesondere da, wo es gilt, dieEinheitlichkeit der städtischen Verwaltung gemeinsam mit seinen gesetzlichen Vertretern auch nach allsten hin zu wahren: er soll Wünschen der in i t ihm zur Vcrivaltnng der städtischen Angelegenheiten hernsrnen Stabtrerordnetenveriammlnüg Verständnis, unter Umständen aber auch Festigten entgcgenbring.„; er soll den ihm unterstehenden städtischen Beainteit ein woblwolsen - der Freund, gleichzeitig aber auch ein hie Tiizipli» wahrender Vor gesetzter sei»: er soll schließlich aut den ihvl übertragenen Gebieteir der Staatsverwaltung deren Interessen wahren, fördern und schützen. Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister!
Ich habe mir erlaubt, die hohe Bedcutung eines Obcrbnrger- nieisters, wie ich. sie anisaife, larz aber lcineswegs auch nur aii näbernd erschöpfend zu schildern. Ihr Amtsvor,jünger war ein überaus ileistigcr Beamter, der, nrit eiiiei» iveiten Blick i» iinan- ziellen Fragen ansgestatter, es geschickt verstand! im Interesse der wircichastllchen Ttärkniig der Stadt diejenigen Hilisinittrl nutzbar zu machen, die ihm Gesetzgebung ii»d Berwaltuilg boten. Es sinb tintcr seiner Lcitnng erfreuliche Fortschritte ohne nennenswerte höhere Betastung der EiiUoohiiersckntsr gemacht warben. Tie Entnück- lmig eines Gcmcimveirns steht jedoch nicht still, und neue schwierige Ausgaben erwarten Sie. Tie sind in it den hiesigen Verhältnissen infotge Ihrer seitherigen ersvriestlichcn Tätigkeit als Beigeordneter wohl bekannt. Ihre einstimmig erfolgte Wahl zeugt nickst nur Tür die hohe Meinung, welche die Vertretung der Stadt und damit die gesamte Bürgerschaft von Ihren Fähigtsiten hat, sondern auch von der Wertschätzung, die man Ihrer Person entgcgcnbringr. Viel wird von Ihnen erwartet. Wenn cs Ihnen auch ivohl i'jcht ge - lägen wird, cs je dem r e ch i » »> a ei, c n , so bin ick: dock, fest davon überzeugt,, daß Sie Ihren Platz anssüllen und zu», Wohl der Stadl stets das Vertrauen rechtfertigen werden, das man bet Ihrer Wahl in Sie gesetzt hat.
Ich hin zwar der Vertreter der st a a t l i ch c n Ansfichtsbchörde über die städtische Bcrloaltnng, Eine tonale und sich an ihre Zuständigkeiten haltende Stadtverwaltung, sowie eine sich: ihrer Verantwortlichkeit bcwüstte Stadlvertrctung verursachen der staatlichen Behörde, was „Aussicht" anlangt, zumeist so gut wie gar leine Arbeit. Ich sehe deshalb anck, eine der wesentlichsten n»d zugleich s ch ö n st c n Ausgaben der Aufsichtsbehörde darin, zu h c I - s c lt und zu iörde r n , wo man ihre Mitwirkung w ü n i ch t oder nötig hat. Ich gäbe dies auch Ihren, Amtsvorgängcr, kurz nach meinem Ticiistaiitritk, mündlich znni Ausdruck gebracht, Mid bei jener Gelegenheit insbesondere daran, hinge,vicscn. das; wir in vielen Bezieh,,»gen ans ein »aruioniiches Zusammen arbeiten angewiesen wären, was hcrbcizilsührcn »nd zu pflegen ich als eine meiner danptaistaabcn betrachtete. Tie gleiche Bereitwilligkeit! möchte ich heilte auch Ihnen gegenüber erklären, lind Sie versichern, das es an n, lrnicht fc Ißt c„ soll, wenn cs gilt, gemeinsam mit Ihnen im Interesse der Stadl Giesen zu denken, zu arbeiten und zu Handel». 1
Ter b e st e WI, ,1 s ch , den sch Ihnen ziim Beginn Ihres Wirkens heute anssprechen tan», ist der, das: dereinst einmal gesagt werden möge, Ihre Amtstätigkeit sei für die 2 tadl Giesen segensreich gewesen. ,,„d der Staat lmbe bei Ihnen stets Verständnis für seine Notlvcndigtcitc» gesunden. Ich ersuche Sic »„„mehr, den vorgcschricbencn Eid abzülegcn.
Oberbürgermeister Keller tat dies mit den Worten:
„Ich schwöre, das mir anvertrante Amt eines Ober bürgcrincisters der P rov i„z, a fsta npt st a dt (Kiesten mit Treue, Eifer und (Kemisfenhastigkeit zu venvaltcii, so wahr mir Gott Heise!"
Nach Verlesung des über die Anilsverpflichtnttg aus- gcsertigtcn Prolvtvtls ilberrcichte der Proviiizialdrrektor dem Oberbürgermeister die von dein Amtsvorgängcr zurück- gegebene,, Insignien, die jener von nun ad zu tragen berechtigt ist, und ersuchte ihn, sie von nun ab mit denjenigen des Beigeordneten zu vertauschen.
Die Ansprache, die Oberbürgermeister .Keller hierauf an die Versammlung richtete, lautete folgendermaßen :
Hochgeehrter verr Geheuncrat!
Für die freundlichen Worte, die Sie soeben an niich gerichtet Vbat, bitte ich, meinen herzlichsten Dank cntgcgcvnchmcn zu wollen.
Als Leiter eines städtischen Gemeinwesens bi» ich der verantwortliche Hüter kommunaler Sclbstvcrivaltung, in der ich die starken Wurzeln der schastendc» .Kräite des Bürgertums und die unverrückbare Grundlage der Entwicklung und kulturelle» Machtstellung der Städte erblicke. Ich bin mir aber auch bewußt, das; die Siäd.e organischc Glieder des Staates sind „nd löse sie in der Per lasiung und wirtschaitlichen Blüte des Staates ihr Recht und die (Kewäbr ihres Gedeihens beschlossen linden so auch durch Förderung der Wohlfahrt ihrer Bürger dem Ttaaisganze» dienen solle» Tie llare Erkenntnis der innigen Wechselbeziehungen zwischen -vlaaisverwaltung und Selbstverivallung wird alles Gegensätzliche somit naturgemäß und NM so eher da»» zurückireten lassen, wenn die in Betracht kommenden Behörden bei Erinllnng ihrer Ausgabe» sich mit Vertraue,, zu begegnen wissen. An die Staatsbehörden und alle sonstigen Behörden richte ich die Bille, der städtischen Verirr l»„g Vertrauen und wohlwollende, srcnndliche Gesinnung entgegen - -ubringen, die jede Tüligkcil i,n östcnllickfen Leben erleichtern „nd Meinungsverschiedenheiten rasch überwinden oder zu äugen,essenem, Ausgleich bringen. Für die Unterstützung, dir Tie, Herr Gehcimeral, der evtadt Gieße» verheisten haben, hi» ich „», so an,richtiger dank bckt', als ich weist, das; das Enigcgcnlomincn des Vertreters der Ltaalsauliichisbchördc die Arbeit der Sladtvcrlrctnng in hohem Maste zu fördern geeignet ist.
Meine hochgeehrten Herren! Tie Einmütigleit, mit der Sie das Amt des Oberbürgermeisters in meine Hände gelegt habe», lästl mich befielt, das; ich in vertrauensvollem Zul'aminciiwirkcn mit de» Herren Beigeordneten »nd mit Ihnen, den crwäbllcn Vertreter» der Bürgerschaft, »reinen schweren und vcrantwortungsreichen Berus erfüllen kann.^Tie Ausgaben, die der Lösung harren, sind Ihne» bekannt, >,»ö Sie sind auch darüber „nlcrrichtrl, welche Grundsätze ick, bei ihrer Erledigung zu beobachten entschlösse» bin. Es ist daher weder erforderlich noch am Platze, jetzt des näheren hierauf eil, zugehen, Eines nur n,ächte ich hsrvorhebcn: Bei den großen und vielseitigen Aufgaben, die einer moderne,, Siadl gestellt sind, bei der Fülle von Wünschen, Forderungen „nd Eintlüssh», dir g„i den mannigsachsten Gebieten sich geilend machen, ist sür den verantwortliche» Leiter der Sladt rin doupelirs vonnöten: er must ein unabhängiger, gerecht verfahrender, wohlwollend drillender und oiien handelnder Man,, von fester Ilcberzengiing sei» und must weiter jeinc vornehmste Ausgabe darin erblicken, ohne Rücksicht aus Tages,neinungcn und Augenblickseriolge das richtige Mast inne zu Hallen „nd zu erkennen, ob iedc Kienschüpiiing in Gegenwart und Znkunir in Einklang stehe mit dem Gesamtinteresse der üödii- schcn Bevölkerung „iw den ünanziellen Kräften dcs Gemeinwesens. Somit erachte ich als das Rückgrat einer guten Sladtverwallnng eine vorsichtige Fiiiaiizvoiltik, eine Finaiizpotiiil, die einerseits selbst bei nolweiidigrn Ausgaben weise Sparsamkei! walten lästl, »nderer- scits aber auch jederzeit und gern die Mittel bcreitstellt, deren Verwendung - der Stadt und ihrer Bürgerschaft imzweifclhastcn Nutzen verspricht.
Meine .Herren! ^oil wahre Selbstverwaltung bei Ulis herrschend sein, sollen ln der städtischen Vertretung alle Kräfte ;„r Wirlsamkclt gelangen, soll Ihre Arbcitssrcudigkcit und Ihr Ber- aniwortnngsgcsühl rechte Befriedigung gewinnen, so must ich „eben Ihrem Vertrauen auch Ihre tatkräftige Mitarbeit mir erbitten. Iedc Untersttztziing wird mir dankenswert, jede Anregung will- komme» sein. Freilich wird rs unvermeidlich sein, dal; unsere Ansichten in einzelnen Frage» mitunter aiiseinandergehen. Aber die Versicherung wollen.wir „NS Iittverbrücküich rririicv,, dost jeder dir Sache der Person voranstellen, dir ehrliche Meinung des andern achten und überzeugt sein will, das; auch der Aiidcrsmeinende das Beste der Stadt erstrebe, Tann wird im Widerstreit der Meinungen dir persönliche Hochachtung „icht fehlen und die sachliche Behandlung der Allgcnieinhcit dienliche Beschlüsse zeitigen.
Wenn ich meiner Pflicht als Leiter der städtischen Verwaltung gerecht werden und den grasten Gesaintausgabe» der Stadt meine „neingeschränkic Ausmerksamkcit zuwenden, dabei aber doch eine rasche Erledigung der laute,Iden Geschälte verbürgen soll, so must ich mich stützen können ans eine tüchtige „nd gewissenhafte Bc- auitci,schalt. Ich will den einzelne» Ticiiststcllcn gern eine gewisse Selbständigkeit cinränmcn IN orr Erwägung, das rerantworltiche, selbständige Tätigkeit das Interesse I,„c> die Bernisireudigteit zu erhöhen geeignet sind. Tabci ich als verantwortlicher Bürgermeister erwarten, das; diese Tätigkeit den von mir allgemein ausgestellten Grpndsäkril entivreckie und ich Kochte au alte Beamten, Bcdicnsleteir „nd Arbeiter die Bitte, sich stets gegenwärtig l,alten,
daß keiner von uns sür sich da ist, das; wir alle dienende Glieder -eines Ganzen sind ,„>d unter Zurückslrltung aller persönlichen Wünsche Wähle der Allgemeinheit znsammcnarbeilen müssen.
Meine i,„ Zusammen,virte» mit dcrStadlverordncttnvcrsa,»,,, tung und Bcanitcuschasl sich vollziehende Tätigkeit wird >„„ io srnchi- bcingrndcr sich gestalte», wenn sie getragen wird von dem Vertrauen aller Kreise der Bürgerschaft. Ich bitte meine Mitbürger, überzeugt zu sein, das; ich jedem gern Gehör schenken „nd seine Anliegen wohlwollend prüsen werde. Tal; ick, dabei „icht alle Wünsche erfüllen kann und die Forderuuge» des Einzelnen dem Woblc der Allgemeinheit ein- und nntcrordne» muß. das brauche ich kaum hcivorziihcbci,: denn dieser tKrundsatz must Gemeingut einer Bürgerschatl sein, die Verständnis sür die össentlichen Pflichten besitzt „nd der erprobter Geuieinsiiui und vpscrwillige Liebe zur Vaterstadt inncwöhnt.
Indem ich mich aus diese kurzen Aussührungen beschränke, übernehme ich hiermit das Amt eines Oberbürgermeisters der -laöl Giesteil mit der Versicherung, das; die fortschreitende Entwicklung der Stadt und die Förderung der Wohlfahrt ihrer Bürger das unverrückbare Ziel meiner Arbeit sein wird.
Alsdann begrüßte. Herr Beigeordneter Instizrut (Krünewald den Oberbürgermeister im Namrn des Stadtvorstandcs mit folgenden Worten:
Ich danie namens der Stadtverordnete,, Versammlung dem Vertreter der Größt:. Regierung, Herrn Gchcimerat »singer, sür die Eliliühruilg dcs Herrn Obeibürgcrmcistcrs und für die freundliche» Worte, die er der Stadt (Kiesten gewidmet hat.
Ihnen, verehrter Herr Oberbürgermeister, entbiete ich namens her Stadtverordnete,, Versammlung, der Herren, die in einzelne» Zweige» der städtischen Verwaltung „litziiarbeite,, berufen sing, und der Vertreter der Bcamtrnickiast herzlichen Glückwunsch und ..heiße Sic in Ihrem neuen Amte w i l l I o IN III e„.
Sie sind »ns kein Frcnider: cu‘ haben in einer Reihe von Jahren in gcniciiisamcr Arbeit mir uns im Dienste der sotaöi gestanden, Sie haben durch diese Mitarbeit unser Vectra neu und niiscrc Zuneigung erworben und dieser Ihr Besitz hat Ihnen gewährt die einstimmige Wahl znni Oberhaupt unserer Siabr, eine Wahl, die den einmütigen Bcisall der gesamten Bevölkerung gesunden bat: nicht eine -timine ljobcn wir vcr »vnimcn, die diese Wahl „ich, gebilligt hätte. Sie werden cs in Ihrem Amte leichter haben, als ein Frrmser. d,w sich Vertrauen und Zuneigung erst erwerben „inst: Sir brauche,, beides sich mir ;» erhalten. se,e haben es anck, lcickner als ein F-rem der, Iveil Sie Stadt und Leute, Bedürfnisse „nd Verhältnisse kennen .und Sie haben den großen Vorteil, neben eincnr Manne gearbeitet zu Igtbeu, dessen Fleiß u n d d e j s e ,, Interesse für die Stadt sein ganzes W eien e r - tüllte. Sie konnten in dieser genieinichastlichen Arbeit ab>«r auch erkennen und haben erkannt, wie ein Oberbürgermeister ln mancher Hinsrcht nicht handeln soll: nicht das städtische Interesse ineincr und unter allen Umständen demjenigen aller anderen Stellen und Personen voranietzcn, nickt ins .Kleine sich verlieren. Jede leitende Persönlichkeit muß das Prinzip br-
pchtcn, Arbeiten „iclu selbst zu tun. die rin anderer für ite tun lern. Soviel dar, ick, sagen, ohne gegen den Grundsatz zu vcr- stosten, das; ma» zwar mit dem Gegner lämpsc» dar,, solange er >» de, Arena sich befindet, das; aber die Rinerlichkeit gebieten die Waisen zu feilten vor dem, der den Kampsplatz zu verlastcn sich ausckäcki oder ihm schon den Rücken genwndci I>at.
Und doch, wenn Sie's anck, i» viele,n leichter haben, lo stehen große „nd vielgestaltige Ausgaben Ihnen bevor, fast zu groß, sür eines Mannes Kraft! Dir verschiedensten Gebiete ,»e»schlicke,, Wissens „nd Könnens erheben Anspruch au, Ihr Interesse, Ihren Fleiß und die Elastizität Ihres Geistes. Dort er»arte, die Hochschule Ihre Anteilnahme - die Hochschule Gießen, die „ich,, wie vorgestern „»glücklicherweise von il,ront Vertreter in der Ersten .Kammer geäußert w„r»e, keine Anziehnngslrast besitzt deren A II z i c b IIII gs kr a k t mir zu unserem Teil in „„irrer schönen Stadt Gießen vielmehr erhöhen wollen andererseits will Handel und Industrie Förderung, ganze Beruisslände klagen über das Tarnicdrrlicgcn ihrer Geschäfte und erwarten Verständnis und Hilfe von der städtischen Verwaltung.
Eine fruchtbare Gesetzgebung äußert ihre Wirkung ou> steuerlichem und sozialem Gebiet am fühlbarsten i,„ lommiinalen Leben. Künstlerische und ästhetische Bestrebungen fordern Berücksichtigung. Tie Zierde der Siodr. das The ater, soll erhalten und gelörderi lverden. w e r l v v l l e S a »I »I ln »gen will matt unter einem Tacke vereinigt sehen, damit eine Kunsthalle einen Anziehungspunkt für liniere Stadt bilde Mnsilverständige und Gelehrte rusen „ach einem Tcnivel, der Konzerten »nd Kongressen eine würdige Stätte sein soll. Ter Lau des für st wünscht bessere Untcrkunst in unserer Stad,, n», gerne „»» häutig längeren Aiisentbalt in ihr nehme» zu können und ganz bescheiden erwarten die Stadtverordnete II und die st ä d t l sch e n Beamte II von Ihnen, datz Sic bald den Aemtcrn undödcr Stadtverwaltung ausreichende R ä am c schassen, in denen zentralisiert rasch, freudig und ohne Schaden für die Gesundheit gearbeitet Iverdcn ta»n. Tic industrtci- l r „ Etablissements der Stadt, jedes sür sich eines Ttndiuins wert, vor allem das gewaltige Unternehmen, Lickt und Kraft für einen großen Bezirk gewinnbringend zu liefern, harre» Ihrer sorgtäiiigeil Aufnierlsamkeit und weiteren Entwicklung. Sie haben betont, daß alle Ihre Maßnahmen von der Rücksicht ans die Zinanzkrait der Stad: geleitet sein sollen. —
G » lcs (i i n v f v i, c b m c n mit Universität und (K a r - nison, mit de» ko irfc l s i o n e l le ii Gcnleinscknitlcn, mit den B e h ö r d c „ , insbesondere der Regierungsbehörde, !a»n der Stad, nur türderilch sein.
Tie Bevölkerung und die Beamtenschaft bat das Vertrauen, das; Sie ein w ohl wollender Ehrt der Verwaltung sein werden, der ein Ohr hat auch sür das Anliegen des Geringsten.
Gelingt es Ihnen in diesen, Ihr schönes Amt zu
verwalte,,, so werden die guten Mau »es fahre, die Sie vor sich haben ich nenne sic die guten, weil sie bester sind, als die sogenannten besten —- Jahre reiche,, Schattens »nd reicher Erfolge sein. Ter heutige 1. April mit seiner Frühlings sonne wird sür unsere liebe Stadt de» Beginn einer neu c n und schönen Epoche bedeuten.
In diesnn Sinne gilt Ihnen und der Stadt mein Glück- w lt lt s ch.
Tamit war hie Tagesordnung erschöpft, weshalb der Vorsitzende die in schönster und feierlichster Weise verlaufene Sitzung schloß.
Die politischen Pflichten ße§ Bürgertums.
g. G i c ß c n, 2. April
Ter Verein der F o r l s ch r i t t l i ch e n V o l k s p a r t c i hielt gestern abend i», Eaiö Ebel eine ordentliche H a u p t v c r s a in in l „ II g ab, dir durch die bevorstchriidci! Stadtverordneten- und die Landtagswahlen im Herbst d. I. eine besondere Bedeutung gewann, Hauptredner des 'Abends ,var Professor Tr. Bogt, ber Über „Tie politischen Pflichten des Bürgertums" sprach.
Trr Redner suchte die (KiTiiiDe daiür aistzunnstc,,, das; dem Liberalismus brüte ein Verhältnis,,,ästig so geringer Einst,>ß geblieben ist, um daraus die politischen P i l i chl c » l ü r das l i b e - rate P ü r g c r tu IN zu gewinnen. Eine Partei dürfe niemals die Gründe für das Ausbleiben rechter Erfolge bei den Gegnern suchen, sondern bei dem eigenen Mangel an Krall. Tic .Ideen des Libe ralismus seien nicht schuld, denn alle dir große» liberalen Gcvaiiken seien noch heute „Forderungen des Tages". Ja der sozialen; Frage habe der Liberalismus gezeigt, hast er sich neuen Rotwcn bigkcitcn »icht verschließt, nur der Libcralisnuis >ö»„e dir poliiisckw Arbeiterbewegung zu eine,» friedlichen Verlaus bringen. Nur durch eine tveitschanende liberale Politik werde es möglich sein, Ouali- t ä t s m e n s ck e n an O u a l i tä t s m a schincn z„ stellen und damit den Wettbewerb der Böller aut dir Tauer auszuhaltcn. Was dem Liberalismus schade, sei einmal der M a „ g c l a ,, F ü h r c r der gcscküchtlich wenigstens zum Teil daran! znrückznsührcil sei, das; die Nachfolger der Achtundt-ierziger „„irr dem übrrniächtigen Eindruck des Bismarckschcn Genies ans eigenes politisches Wollen verzichteten. Tanebe» vergesse der Liberalismus in kleinen Rahmen, Stadtverwaltungen II. dgl., vielfach sein Programm, und auch a» B ü r g e r st o l z ans der erncn Seite, G c r c ch r i g k e i t gegenüber den wirtschaftlich Schwächere, I an! der anderen Seite fehle cs im privaten Leben nicht selten. An, verhängnisvollsten aber habe sich sür die Partei des Indir iönalisinns feine gcringaOrgani» sa t i o n s t ä h i g k ci t erwiesen. Auch die mangelnde O v i e r- srcndigkeit „nd die lange P a r t ci z e r kl ü st» » g sei mit dadurch verschuldet. Ter Redner hält es sür eine der wichtigsten Auigabcn der nächsten politischen ;iitfnnft, die Kluft z w i s ch e n den liberal en P artete II mindestens zu verringern. Im Anschluß daran besprach er das örtliche Bündnis mit den National l i b c r a l c n , für das er dir Peraniwortung mit gutem (Ke- wisten mittrage, äustcrtc aber lebhafte Bciürchtnng darüber, ob die srcstinnigen Wähler eine Wahlparole auch in dem Fall folgen würden, daß Tr. Osann seine schroste Kriegserklärung gegen dir Forlschr. Volkspartei nicht zurück,leimte oder die Nakioiialliberale Partei von ihrem Führer nicht ausdrücklich abrücke. Mit einem Ailirnt an dir Ovfer n»d Tatenfreudigtei! an die Mitglieder schloß Professor Vogt seine Rede und erweckte dadurch langwähren- hcn Bestall.
Geh. Justizrat Metz, der Vorsitzende der Bersamnilung. dankte dem Vortragenden und gab alsdann den Jahresbericht. Seit der lctztci, Hauplvcrsanimlnng am 17. Juni lstl 2 fanden „ein, Vorstandssitziingc,, statt. In der ersten wurde der engere Vorstand gewählt, die Herren Metz, Haupt, Eichen- aner, Vogt, Krug, Mosig, Grünewald, llrüad, „nd Ebcl, die d^-, letzte» als Beisitzer, Zn Mitgliedern dcs Wahlausschusses Ivurdc» gewählt Metz Vertreter: Eichcnaucri, Fiedler ,Betzberger, Frau Tchioöbel ,Frl. Korelll, Weber Sann, Mosig Pcovler, Grüne wald (Friedbcrgcr), Ursladt (Vogt;. Es wurde» die Mitteilungen für die Vertrauens,nänncr der Partei bestellt und vtt- teilt, desgleichen der Volkskalender „Tie Scholle" a» Partei- gcnosscn. Gefördert wurde die Erwerbung der hessischen Staatsangehörigkeit. T,c Herren Erkelenz und K 1 ,1) I in a II ,i haben den Wahlkreis zweimal zu Werbezwecken bereist. Bei dieser Gelegenheit fand eine gemciiiichastliche Versammlung mit der Ortsgrnppr des Rcichsvcreins der liberalen Arbeiter und Angestellten statt, der andere gemein schastlichc Besprechungen teils im Borstandc, lests im Verein folgten, Tic Hanpttätigkcjt des Vereins wurde cnkäßkich


