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2.4.1914
 
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Set «etzever Anzrigki

«richaint täglich, außer Sonntags. - Beilagen: viermal ivöckienlisch »ießenerZamilienölätter; iiveinialwöchriitl.lliti»- U«ttfür»tBKret$«iej|«n

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Erstes Blatt

!<H. Jahrgang

Donnerstag, 2. April IW

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotaticnsfcrsd und Verlag der vrühl'schen Unio.vuch. und Ztkindruckerei R. Lauge. Redaktion. Lspeditisn und DruckereiSchuistrahe 7.

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Die heutige Nummer umfaht 12 Seiten.

Tageskalendcr aus dem Jahre 1814 .

2. April: Ter französische Senat spricht Napoleons Ab s e tz nn g ans.

Aolonialpolitik und Weltlage.

Man hat in den setzten Monaten lvenig gehört von den deutsch-englischen V c r st n n d i g n n g s v c r l> a n d langen, über die zuvor zwei Jahre lang so viel qcipvo- rnen nmvdc. Auch das deulsch englische Asrilaablonnnen ent­zieht sich immer noch der üfsentlschrn Kenntnis.

Ein Jahr ist jetzt gerade vergangen, seitdem ei» Lich- noivskn Oftiziosus für die deutsch britische Verständigung eifrig die Trommel rührte und uns Umständlich auseinander-» Zusehen suchte, das; ivsr fruchte re icl>c deutsche Wcltpolitik ohne Krieg mir zn führen vermöchten, im Einvernchnicn mit England Telbswerständlich wurde dabei Bisniarck als Krön - zeuge angerusen und Zwar durch den Hinweis auf die Grcn zen, die Bismarck der ZweckbesriinMung des Dreibundes gesetzt hatte. Diese Umgrenzung der Drcibuiidzwccke sollte uns belehren, das; die Trcibundmnchte Deutschland bei einer expansiven Weltpolitil nicht zu helfen vermöchten. Weiter­hin wurde daran erinnert, das; wir auf den Wegen in die iveite Welt immer an cngliscilen Kanonen vorbei müßten, also eine Ausbreitung unseres Kolonialbesitzes oder an­derer überseeischen Interessensphären nur mit Englands Einwilligung iintcrnchiiien tonnten.

Man hat inzwischen nicht gehört, das, die Anfsassung unserer leitenden Kreise eine andere gelvordcn wäre, und doch ist sie trotz der Berufung auf Bismarck durchaus IIII - bismärckisch. In den ersten Phasen der deutschen Ko- lonialpolitik sind die kolonialen Erwerbungen des Tcnt- schen Reiches durchaus unabhängig von der Gnade Englands uuternoinmen worden. 'Allerdings bat Bismarck es nicht an Versuchen fehlen lassen, auch England in den Kreis der Freunde des Dreibundes einzubeziehen, und zeitweise hat die britisch-italienische Mittelmccrverständigiing auch zu einer gewissen Annäherung Englands an den Dreibund geführt. Aber einer näheren deutsch-britischen Verständigung hat Bismarck nicht getraut, und er unternahm die deutsche Ko- lonialpotitik gerade zu der Zeit, in der er England isoliert .hatte. '*

Der Geburtstag der oifiziellen Kolonialpolztit Bis­marcks ist bekanntlich der 24. April 1884, jener Tag, an dem unter Ausschaltung des britischen Widerspruchs dem Kaufmann Lüderitz der Schutz des Deutschen Reiches in Siidwestasrikn zugcsagt wurde. In den vorangegangenen Jahren hatte Bismarck 1870 den Bund mit Oesterreich, 1882 den Bund mit Italien geschlossen ltiiD ans diese Weise die Stellung Deutschlands aus dem europäischen Festland stark vcraiitert. Bevor Bismarck den Schritt in die Kolo- niatvoiltik wagte, hatte er aber auch noch.für Verhältnis-» mäßig gute Beziehungen zu dem westlichen und öst­lichen Nachbarn gesorgt. Am 21. Januar 1884 erfolgte die offizielle deutsche Anerkennung der schon vorher unter der Hand geförderten. Errichtung der französischen Herr- schast über Tunis, und die sreuiidlichc Haltung Deutsch­lands zu der französischen Kolonialpolitik hatte gerade damals recht gute deutsch-französische Beziehungen gezei­tigt. Was Rußland anbetrisft, so förderte Bismarck die töloiiisatorischen Bestrebungen des Zarenreiches in Asien, die den russisch-englischen Gegensatz verschärfen mußten, und noch wenige Tage vor sencm offiziellen Geburtstag der deutschen Kölonialpolitik, nämlich am. April 1884, tonnte die. russische Regierung an der Berliner Börse eine

Goldanleihe von Ist Millionen Pfund aiifnchmen, die dank ihrer Befürwortung durch Bismarck zehnfach überzeichnet wurde. Diese Taten über die sich sehr hüvsche Zusammen­stellungen in der jungst im Beilage der Grenzboten erschie­nenen Schrisl: Voraussetzungen und Veranlassungen für Bismarcks Eintritt in die Wcitpolitik von Dr. M. p. Hagen finden kennzeichnen die pokitischc Lage in Europa, die Bismarck zu schaffen gewußt hatte, bevor er, unbekümmert um Englands Einwilligung oder Einspruch, zur Gründung deutscher Kolonien schritt.

Es ist also schwerlich eine Berufung auf Bismarck am Platze, wenn uns in den letzten Jahren fortgesetzt ge­predigt Ivurde, Dciitschtand könne Erpansionsvolitit nur an der Seite Englands treiben. Der Fortbestand des Drei­verbandes setzt uns zurzeit allerdings nicht in die Lage, wieder auf ähnliche Verhältnisse auf dem europäischen Fest lande zu rechnen, wie sic am Geburtstag der deutschen Kvlonialpolitik herrschten. Mer anderseits besteht für die weitere deutsche Erpausiou mit Bezug aus Afrika heute nicht jene Sachlage tvie 1884, denn damals wurden von allen möglichen Seiten so weitgehende afrltnnischc Än- sprüche geltend gemacht, daß Bisniarck in der Tat sehr schnell zugreisen mußte, wenn Deutschland nicht zn spät lonimen sollte. Heute liegt, wie gesagt, in Afrika diese Zwangslage nicht vor, wir haben also durchaus Zeit zu warten, bis wieder ein günstiger Moment gekommen ist.

Es sind andere E r d e n w i n kel, in denen m o r- g c ii z u s» ä l t o m in t, w e. r h c n t c n i ch t s c i n e I n t c r - esse ii s p h ä r e n a n s p r n ch e a u in c l d e t: und hiernach muß heute die deutsche Wettpolitlt eingerichtet lvcrden. Ab sicht der deutsch-englische» Bcrstäiidigungsverhandlnngcii wäre es aber gerade, durch die Ablcntung aus Afrika Deusich land an jenen anderen Stellen in einer entscheidenden Epoche womöglich zn spät kommen zu lassen. Die in dieser Beziehung obwaltenden Sorgen sind auch jetzt noch in teiucr Weise gebannt.

Au» Heften.

('{um Voranschlag für die Landesuuiversiiät

bat Geh. Iustizrat Prof. Tr. Leist am Montag in der Ersten .Kammer Ausführungen gemacht, bereit Wiedergabe in unserem Bericht leicht zu Mißdeutuugeu "Anlas' geben könnte. In der Tat har der Beigeordnete Grünewald gestern bet der Äml^etnfütirltng dec' neuen Obev^ürgermeislerc- die "7ln»?snhrungcit schon dcaustandei. Wir wollen datier die Rede des Verlreicro der Laudeonuivcrfitär nochmals au^sülirticker wirdergebcn.

Geheimrat Prof. Tr. Leist führte ans: In dem Jahr, in dem die bcvorstcticnde (Gründung der Universität Frankfurt zn de wnderer Sorge nnt die Zukunft der Landesüniversität Veranlassung gibt, niun ich einige Worte dem, was bei den Beratungen der Zweiten Kammer gesagt nwrden ist, hinzusügen. Es ist in dankens­wertester Weife darauf hingewiesen nwrden. das; es seht doppelt nötig ist, die Mittel ;,n gewahren, die die medizinische Fatultät braucht, um iveit über die Landesgrenze hinaus zu wirken und Anziehung auszuüben. Mit glcicl'cin Tank ist zn begrüsten, dast die Bedeutung Dctout wurde, die unter den gegebenen Umständen die Pflege einiger der Landesnniversität eigentümlichen Speziali täten, besonders der "Ausbau des Landwirtschaftlichen Instituts, haben wird. Aber ist denit mit der gesteigerten Fürsorge für Sve zialitäten und die Medizin .die Gefahr eines "Niederganges be schworen? Tas ist zu bezweifeln, auch wenn dabei, ivas bei der Budgetberatung entschuldbar ist, nur ait die Frequenz gedacht wurde. Ter Besuch könnte erheblich abnehntcn, attch wenn es ge- lättge, die Zahl der Mediziner und Landwirte zu steigern. Es foiuntt doch auch etwas darauf an. welche Anziehungskraft für Studierende der Theologie, der Rechtswissenschaft, der Philologie usw. die Universität ausübt. In Gießen fehlt da manches, was viele dieser Stndierettden nach anderen Universitäten lockt. Aber gerade deshalb kann Gießen für nicht gerade gleichgültige und auch nicht unbeträchtliche Gruppen vott Studierenden einen Vor zug bieten, näntlich für dtcjemgcn, die arbeiten wollen:

Man fauit um Höheres beiseite zu lassen inGiestcn den er in den Seminarien tätig sein und feine Toktordifsertation vor bereiten, als an manchen anderen Orten, die anziehender, aber auch a b z i c h c n d e r sind, als Giesten. Um diesen Vorzug zu erhalten und zu steigern, bedarf es für die meisten der in Frage stehenden Studierenden nicht kostspieliger Institute. Sie alle aber haben eines nötig, eine gute Bibliothek! Tie Universität^- bibliothek hat ein schönes Gebäude, eine treffliche Verwaltung, aber viel zn ivenig Bücher und Zeitschriften. Tie Mittel für Ergänzung der Bibliothek und Bnchbinderarbeilen UOO Mk , davon nin

28 000 Mk. ans allgemeinen Staatsmitteln ^ bleiben erheblich zurück gegenüber denjenigen, die anderen Universitätsbibliotheken zur Verfügung stehen. Freilich, die Studierenden der Rechtswissen­schaft lind Nationalökonomie werben in der nächsten ;»eit nickt mehr so leicht in die Lage kommen, notwendiges Arbeitsgerät zu per missen. Es wird ihnen bald ztmr Beivnstlfein kommen, lvelchcn Werk eine Stiftung hat, die uns int vorigen Fahre zuteil geworden ist. Ader ans anderen Gebieten würde, wenn nicht .Hilfe käme, die wissenschaftliche Arbeit an unserer Universität eine Einbuße ei leiden, die aller Voraussicht nach attch in deren Frequenz^an den Tag treten würde. Tie Fürsorge lediglich für einzelne Institute könnte zwar Giesten vielleicht den Bestand einer medizinisch natur wissenschaftlichen Akademie garantieren, aber sie würde allein nicht die Blüte der hessischen Landesuniversität sicherstcllcn.

*

F ö r d e r ungdcs 0 s i e n t l. A r tu' itsnach w> eises. Ter Mitteldeutsche Arbeitsnachwcisverband F r a n k s n r t a. M. beab sichtigt, ans die Einrichtung der öisenrlichen Arbeitsnachweise durcli eine allgemeine möglichst in allen Landgemeinden des Berbaitds bezirks erfolgende Reklame dnrcii "Aushang großer Plakate hinzu weifen und dabei insbesondere die BennNnng der ländlichen Ar beitsnachweise zn empfehlen. Z>l diesem ^»wcck hat mit dem Ein Verständnis Grosch. Ministeriums des Fttnern der Verband Plakalc für jede Provinz getrennt auf seine Kosten drucken lassen und beabsichtigt, diese an die Gemeinden kostenlos zum Aushang an geeigneten hervorragenden Oiebäuden, Rathäusern und ähnlichen abzngeben. Zur besseren Wirksamkeit ist weiter beabsichtigt, die Plakate in allen Orten an dein gleichen Tage ansznhängcn.- Ta in den Landgenunnden die Einrichtung der gentcinnützigen öi fentlichen Arbeitsnachweise noch niclit genügend bekannt ist, so dürste dcr Wert dieser Reklatne recht hoch einznschätzen sein.

Strasanträgedes A b g. K orcll-Fngel h e i in. Wie wir ans Da r instadt erfahren, hat der Landtagsabgeordnele K o r e t l - Ingelheim den Abg. Tr. Winkler lvegen beledigen der Ausdrücke, die dieser in rheinhessischen politischen Bersamnt lungen getan haben soll, lvegen össcnrlicher Beleidig an g Klag e e r h o b e n. Ebenso hat er gegen die ,^Hess. Landeszcitung" wegen eines beleidigenden Artikels Strafantrag gestellt._

Der Kaiser in Karfn.

K 0 rin. I. April. Dcr >l a i i c r brsuchlc hciitc nachmittag den Schlaßpark Mrnircpos. wo die Frcilcgnng Vcs Tcmvcls von Kar tiali aingciioinincn wordcn ist. Sodann bcsnckitc er dic Ausgratniii gcii bei Garitza, wo bci dcr Fortsepun« der Grabunaen am Gorgo icmvcl hcutc neben nvci lainlloe. crlialtcne» sclmrtkantigcn. Tri glvvlirii auch dic crftc Mctopc nun Borichcin fam, loodurch dii Arckilcttiir des Tcnipcls wcientiich vcrvollständigl in, da dadurch dic Brcitc meßbar wird. Auch Fragmcntc anderer Glieder des Baues wiirdrn ausgcgrabc,,. Zugegen ivarc» säimlildc Mitglieder dcr gric chijchcn Köuigssauiilie sowie Gras Tuadt mit Gemahlin. Das Wetter war schön.

DüNticD-s Neich.

Tic Kaiserin ist am Mittwoch vormittag UNI 10.04 Uhr im Hofsonderzug nach Kassel abgcrcist. Dcr verzog gclciictc bie Kaiserin 51111 t Bahnhos. Zn Begleitung dcr Kaiserin licsandcn die dic .hosstaatsdame Gräsin Keller und Kammcrherr Ircrhcrr v. Spitzemberg. Tic Kaiserin reiste nach Venedig weiter.

Die w n r t t c »1 b c r g i s ch e Regierung ü b c r d i r 5; c d n 1 -Kanals i ati 0 n. In der Scpung dcr wüittcmbergischcn Zweiten Kammer erklärte ani Mittwoch der Minislcc des Innern v. Ilcischlianer ans die Ansragc, ob er bereit sei, aut der Grundlage des Schisiahrtsabgabengesetzes mit den Regierungen von Baden und Hessen olme Rücksicht aus den Stand der Verhandluiigcii mit Holland lind Lcsterrcich über die Aushednng der Abgabcnsreiheit

Das varmstädter Kunsljahr 1914-

Tarmstadt rüstet sich 511 großen künstlerischen Ercignissen, die in ihrer Art einzig sind und dic für sich den Anspruch erhebe» dürfen, in gesunden Wettbewerb zu den beiden anderen bedcnitendcn Ausstellungen dieses Sommers in Lciprig und Köln zu treten. Lebendiges und künstlerisch Starkes nnrd hier neben einem be. dculsamc» Kapitel deutscher Vergangenheit zu Worte kommen, und während aus dcr bereits historisch gewordenen Marhildcnhölw dic Pavillons. Anlagen und Bauten der Vollendung langsam cm gcgcnrcisen, in denen das Können der um den Großherzog Der sammelten Künstlerschar einen neuen Beweis moderner Geschmacks kultur vor der Ocsscntlichscit oblegen soll, sind dic Räume NN Rcsidenzschloß. die vordem das LandcSiiiiiscum bchcrbergren, einer gründlichen Erneuerung unterzogen worden. INN iii^ sein abge- dämpstcr Heller siarbensreiidigkeit all diejenigen Werke anizn- mehnien, die für die aus Veranlassung des GroßhcrzogS oerannatteie Iahrhundertausftcllnng deutscher KunN lfü>018(K) in wenigen Wochen nach Tarmstadt nbersirhrt werden.

Beide Veranstaltungen verbinden sich wiiirdervoll ^ in dem (Kcdankcn, dem Lebendigen in der .Kunst zn dienen. Baut das Schassen des tebciiden werktägigcn Meisters der Zukunit voraus, io erwachsen dem Knnstsrcunde aus der Erkenninis der »roßen und unveraängsick eil Werte der eigenen Vergangenheit Anregungen und Genüsse, die über dem Streit der Meiniingcii stehen. In diesevi Sinne iimschlrngt die Heiden Tarnistädtcr Ausktellungen der Großhcrzoglichen Künstlertolonie und derjerngen deulich-r Kunst im Zeitalter des Barock und Rokoko von vornherein das Band geheimer Harmonie und cs kann getrost bebauvtet werdeir. das; ieder Kunitsrrnnd. den der Weg von Mitte Ma, bis Auianck Tklober in die hessische Residenz iiibrt. si nach vsetckmack und Neigung aus seine Kosten kommen wird. Denn oielsenig in das Brogramm sowohl der modernen wie rückblickenden Ansttellung deutscher Kunst uud gemeiusame RickNtruieu ireteu hier wie dort markant genug hervor. Die Ausstellung der Kmistlerkolonie, deren Zuhalt der Hauptsache von den im Großhcrzoglrchen Austrag in Darmstadt tätigen Künstlern bestritten wird, ioill in heivnßl obgesicckten vircuzen ein Bild ireier und angewandter Kunstpskcge aeben wie es von jeher dem kunttirendigen Fürsten vor Augen stand' Die Architekten dcr Kolonie, Künstler von führenden Namen, -einen in ihren Bainen und an Werken der Jimcuknnst, bis zu weicher Höbe sich Geschmack und Können seit ieucr ersten Sciik- Iviirtigen Darmstädter Aiisstellimg vom Jahre I!«l die ein

allgemeines Signal siir die Erneuerung des dentichcn Kunst gcwerbks gewesen ist ' gesteigert haben. Die beiden snhrend?» Bildhauer der Kolonie werden in großen vlastilchcn Anlagen Aul gaben verwirklichen, wie sie ähnlich mir das alle Hellas für Neu - schöpftingcn seinesgleichen bercilhieli. iikoldschinliedeknnst -- Malerei Bnchkllilst, alle Zweige der angewandten und indiliimenkalen Knust loUcit i» originalen Einzeileislnngrn drni einen großen Gedanlen bicitnt, Ausdruck dcr in dcr Moderne wirklich vorhan­denen starken künstlerischen Krästc zn sein.

Wenn der Großherzog außer der von seinen Künstlern bc- slritkenen Aiisstellimg gleickizeilig di'N wagemutigen Beriuch inner nahm, durch dic zweite Beranstaltiiiig einer nmsassenden Jahr hundertansstcllniig scheinbar historischen Iiitcrcsscn zu dienen, io geschah es in der Ueberzengung, daß hier eine große nationale A 11 i g a b e der Ersüllung nahe gebracht werden lönnte, dic im Hinblick aus die nnvergessene Ighrdundenausstellung der National galcric von llt«.>ti ininicr nachdrücklicher von allen Kiinstsreundrii gefordert irmrde. Denn wie seinerzeit die genannte Veranstaltung zugleich grundlegend nnd bahnbrechend siir die Erkenninis tünst lcriichen Wirkens, vornehmlich im neunzehnten Jahrhundert, gc- ivordtii ist, genau io steht zn holte», daß die neue Iahrhnndcrt schau aus einem sicher nrck.t »linder srncknbarrn Gebiet inndginciuat ansklärend wirken wird. Handel! es sich doch ganz besonders für die Zeit nach den. Dreißigjährigen Kriege bis zur Napoleoniichen Acra NM einen Abschnitt nationaler Vergangenheit, der künst­lerisch bisher völlig abseits vom modernen Kunstinicreisc slano, nm eine Periode, die absolutes Neuland ist und die - das dari gesagt werden- bisher mit Unrecht als völlig unptodnltiv ver­schrien ivard.

Tie Jahrhniidcrlansstelliing dentschcr Kunst 1600 >800 wird

die Malerei der Zeit, cinichließlich der Aguarelle, Pastelle, Hand - zcichnnngcn nnd Miniaturen, in einem großen Gesanitrahnien ai zeichnen; sic wird nicht minder dcr PildhauerZ, oornchmlich der Kleinptastik, einen breiten Raum zngcstchcn. Daneben aber wickd ne dies dürste die Aiischanung von der eigentlichen csteickmacks- tnltnr dcr Zeit besonders vielsagend Verliesen dcr sogenannten Lupuskunst, dem Gold, Silber nnd Elscirbcin, sowie verwandten Zweigen zur entsprechenden Repräseniation verhelfen. Besondere Abteilungen innerhalb des Gesamtrahmens sind sodann dcr Sit- houctte und einer Porträtgalcric des lünstlerisckcn und geistigen TeiitschlandS Vorbehalten. In diesen ;o-:uabgestcckten Grenzen, in die neben Deutschland auch Testerreich nr> dic Schweiz ein bezogen sind, hofft die AnSstellniigslcitniig wirklich ein Bild jener

tiinstlcrijchcn anderthalb Jahrhunderte abwickeln zn lünncn, das restlos allen historischen nnd lebendig ästhetischen Ansvrüchen gc recht wird. An dem Zustandekominen der Zahrhiiiidertausstellung haben alle führenden Persönlichkeiten der deutschen nnd zum Teil ausländischen Knnslwisscnschast mitgearbcitct und den .Hanptantcil an der Veranstaltung haben in erster Linie die össentlich nicinals gezeigten Schätze dcr deutschen Schlösser, der Kirchen, der Privat sammlungen usw. Aber auch ans dem Bcsii! der Museen, Biblio tbetcn und Akademien werden hervorragende Kunstwerke jedioeder Art nach Tarmstadt kommen nnd so dari ioohl ohne Uebertrclbnng gesagt werden, daß durch dic »cne Iahrhundcriausstellimg znm mindesten ein Material zugänglich geinachi icnrd, das znm größten Teil noch niemals der Tessentlickilcit betaimt geworden ist.

Die Heiden Aiisftcllungen ersabren durch eine d r i t t c H 11 n u aIISstel! IIII g eine sehr crsreuliche Ergänzung. Tie heniickir Gruppe ..Freie Bcreinigiing Tarmstädter Künstler", die auch die große ..Ausstellung Tarinstadt INN" aiii der Malhildcnhöhe, sowie die Engen Bracht Ausstellung lpt2 dnrchgeiührt hatte, veranstaltet aui Einladniig des Knnftvcrciiis inr das Groß Herzogtum Hessen in sämtlichen Ränmen des Gebäudes die eigens ne» hergerichlct werden, vom Juni bis Tklober eine Kollektiv Ansstellung. Es ist drni Vorstände derFreie» Vereinigung" bereue gelungen, sich eine ganze Reihe hervorragender Werk- siir diese Ausstcllniig zu sichern, so daß hier in einer künstlerisch wertvollen .rzaniinlung dic hessische Malerei uird tstravhit der lstegen wart den Besuchern Tarmstadts vorgeiührt wird. Tas Plakat der Ausstellung hat Tr. Emi! Prcctorius cinworscn.

Das B e i i n d c n Paul H c »s e S scheint hoisnungslos, La nach dcr Krisis Lungenentzündiing irnd Kräitcvcrsall riugc- trrtcn ist. Ter 84iährige Kranke ist nur noch zeitweilig be' vollem Bewußtsein.

-- Kurzc Nachrichten auÄ Kunst und Wisscn-- schast. In dem Schulhausc des Gewcrbcvereins zu Groß Gerau findet in dcr Zeit vom T>. bis 14. April ans Anrcgunlg Lsienbachcr Paiigciverblcr eine Ansstellung inr bürg er l ich c und ländliche B a u I n n st statt. In M e r a n ist der Verdcutscher von Ibsen, Björnson, Strindberg nnd Hansum. Ehristian Morgenstern, an Herzschwäche gestorben. Er ioar 1878 in München geboren. Die Beerdigung linder in Basel natl - In Kopenhagen ist dcr Ehcniikcr Professor Fürgcn» scn im Alker von 76 Jahren gestorben.