Nr. 76 Zweiter
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „chietzener Zamilienblätter" werden dem »Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, das „Xreirdlan siir de» Kreis Gießen" zweimal
wöchentlich. Die „kandivirtschastlichen seit-
frage»" erscheine» monatlich zweimal.
Blatt J64- Zahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesfen
Vienrtag. 3*. rilarz
Rotationsdruck und Verlag der V rüht'schel Universitäts-Buch- und Steindrnckerci. R. Lange, Gießen.
Redaküon, Expedition und Druckerei: Schul- srraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:^EH2. Tel.-^ldr.:2tnzeigerGleßen.
iiesfische Erste Nainmer.
rb. D a r n, st a d t, 30. März.
Am Regierungstischr: Staatsmimstcr Tr. b. Ewald, Ft- nanzminifter Tr. Braun, Minister des Innern von Hom bergt, Staalsrätc Tr. Bert er, Süsser t, L o r b ach c r , Ministerialräte Schlicphakc, Tr. Weber u. a.
Vizepräsident Fürst ~3T(mß = ö o (j cnt o ( m v L ich troff, net die Schling um 92 , Uhr. Erster BeratungSgcgenstand ist der Hauptvoranschlag für 1911.
Finanzmüristcr Tr. Brau n gibt zunächst eine allgemeine Ukbersichi über die Finanzlage. Er betonte vor allen, die No, Wendigkeit, die Raichssinanzcn unabhängig von den Bundesstaaten zu mache» und er stimme den dankenswerte» 'Anschauungen des iFinanzansschusses grundsätzlich in vollste,» Matze bet. Es müsse bestimmt erwartet werden, datz in die Finanzhohcit der Einzelstaaten durch das Reich nicht noch mehr eingcgrisscil werde. Weiter imnchl sich der Miniistcr für eine sorgsame Pjlegc des Verhältnisses stoischen Preutzci, und Hessen inbetrest des Eisenbahnge- Nlrinschastsvertragcs aus. In diesen Tagen sei von, Eisenbahn minister aus Berlin die Mitteilung gekommen, datz die rück- läufige Konjunktur »och immer anhaltc und datz nach den vorläufigen Schätzungen das Haushaltsjahr 1913 nur einen Geiamtüberichntz von 81.9 Millionen erreichen werde, jo dar, auf Hessens Anteil der Betrag von 17,9 Millionen entfalle, mithin gegen den Voranschlag für 1913 943 000 Mk, Ivenigcr. Auch für dir Monate Januar und Februar sei der Personen- und Güterverkehr gegen das Vorjahr nngünstigcr. Er habe deshalb die Einnahmen aus den Staatscisenbahne» im neuen Haushalt >mr in der gleichen Höhe, wie die vorjährigen, eingesetzt, ober sowohl die Zweite Kgmmer, wie der Finanzausschuß der Ersten Kamincr hat hie Einsetzung des erhöhten Betrags beschlossen. Tanrit Ivotle er sich jetzt bescheiden itl Rücksicht darauf, datz fa ein Ausfall nicht das Budget direkt berührt, sondern nur eine verringerte Eiimahiuc in, Rcstcsond II verursacht. Tic Mchr- anjordervngcii für die Bcioldnngsrcform hätten eine Summe von 190 000 Mk. erreicht, die aber aus 900 000 Mk. anivachsen könne: infolge der letzten Beschlüsse der Kammer zur Bcsvldungsrcform sei eine Mehrausgabe von 109 000 Mk. entstanden, 1111 , die sich also das gegcnlvärtige Budget verschlechtert habe. Der Minister trofft aber, datz diese Mchransordernng durch die erhöhten Ein- nahnicn ihre Teilung finden werde.
Gras Kuno Stollbcrg-Rotzla führt ans, unsere finanzpolitische Lage werde im allgemeinen doch vielfach überschätzt, besonders sei auch Abg. Tr. Osann in dieser Hinsicht zu ovtiinistisch. Die Besoldungsreform hat so große Anforderungen an die Staatskasse gestellt, daß man darnach als selbstverständlich annehincil sollte, daß auch die Zweite Kammer nun auch die größtuiöglichc Sparsamkeit walten lassen ivürde. TaS kann man aber leider nicht be hanplen!, Sie bat vielmehr eine Anforderung nach der andern erhöbt, und der Finanzausschuß hatte daher eine sehr schwierige Ausgabe. Nachdem jetzt durch die Bcsoldnngsvvrlngc die Beamten und Lehrer befriedigt worden sind, muß alles geschehen, auch die Stencr- lraae in Hessen eingehend zu behandeln und nicht nur keine Steuer crhöhung, sondern eher eine sie,,erliche Entlastung cintrcten zu lassen Es sai ein Irrtum des Abg. Tr. Osann, daß Redner von dem Gedanken eines Steuerabbaus abgeko,nuten sei. Es muß nil- bedingt daran icslgehalten werden, daß der schon von Bismarck eutschicden veriockftene Grundsatz: Tic indirekten Steuern für das Reich, die direkten für die Bundesstaaten, seine Geltung behält. Tie direkten Steuern inüßten unbedingt den Bundesstaaten über- kasie» bleiben, damit sic in der Jage seien, ihre bohen Kulturaui- gaben in richtiger Weite zu erfüllen, durch das Wehrbcrtragsgcsctz und die Reichsbefitzsteucr im Fahre 1913 sc, ein erster Schritt zur Mediatiiicrnng der Bundesstaaten geschehen. Wenn sicki diese Entwickelung jortsctze, so würde den Bundesstaaten der Lebensnerv unterbunden. Frhr. v. Heyl habe durchaus recht gehabt^ als er ei» starkes Preußen für die Führung Teutschlonds verlangte, aber auch das Fntokthalten aller Bundesstaaten „nd die volle Ausrcchterbaltung ihrer Reckckc, die ihnen bei der Gründung des Reichs überlassen fvnrden. Tie sächsische Regierung habe sich, wie dankbar anerkannt wcrdcu müsse, ganz energisch gegen diese Stcuervolikik des Reiches gewandt und er bedauere, daß ibr darin die andern Staaten nick»! gefolgt sind. Redner ersucht die Regierung dringend, für die Selbständigkeit der Bundesstaaten ei», treten zu wollen,
Fürst I s c n b u r g B i r st c i n spricht als Ausschntzbcricht- erstatter dem Finanzministcr für die anerlenncnden Worte über die Stellungnahme des Jinanrausschusses Tank aus und wirst dann riucn Rückblick ans die Beschlüsse des 34. Landtags. Damals wrlrde ein Dercinsachnilgsausschiltz gewählt, um zu überlegen, lote man in der Staatsverwaltung Mark und Pfennige sparen tonnte. Es wurde auch danints in der Zweiten Kammer viel ulrd schöli geredet über Ersparnisse und Vereinfachungen, aber jetzt nach wenigen Fahren ist, man von jener Theorie in eine ganz andere Praxis nbcrgegangen. Schon in den ersten Kapiteln des Vvraliichlags ist die Zweite Kammer über die Anforderungen der Regierung hinans- gegangen. Man sagt, wir haben je zwölf Millionen Mark liquidiert und erhebt eine große Reihe neuer Anivrderungcn aller Art, auch für die Landwirtschait, das Gconleterioescn, für einen Staats- Alschlltz iiic weitere acht höhere Schulen »ff. Ans alledem ergibt sich für den diesjährigen Voranschlag ein Mehr voll 498 870 Mk. und dazu kommen noch die 3'. Millionen für die Beamten und Lehrer, so datz sich eine jährliche M c h r b c l a st ll n g von rund vier Millionen ergibt. Angesichts dieser Tatsache mutz doch dringend darnach gestrebt weiden. daß in nächster Zeit mit größt, möglicher Sparsamkeit gewirtfchaitet wird und es ist erfreulich, daß die Großh, Regierung uns in diesem Streben kräftig unterstützen null.
Staatsmillistcr Tr. v. Elvald bemerkt dcvi Graicn Slolbcrg- Rotzla gegenüber: Tie hessisch: Regierung bat >ich dem Proteste Sachsens gegen die Reicklssteuervolitik nicht angesckloiicn, weil sonst der Kompromitz im Reichstag gescheitert wäre und dann hätte sich die Notwendigkeit ergeben, die Kosten für die Wehrvvrlage durch erhöhte Matrikularbciträgc ausznbringcn, wodurch wir dann noch mehr geschädigt lvordcn wären
Frhr. Hehl zu Herrnsheim: Es sitld in, Finanzausschutz Bedenken hervorgctrete» über die Art tiitb Weise, lote int Land der Wehrbcitrag eingeschätzt wird. Tie schwersten Klagen darüber kommen aus Obcrhcsscn. aber auch aus Rheinhcssen, Es irtzärc dock, wobt angezeigt, daß sich die Regierung mit den Finanz änitern in Verbindung setzte und diese instruierte, damit sic auch wirklich den Ertragswert ermitteln. Wenn der Wehrertrag in Heilen im Vergleich zu anderen Bundesstaaten ein io hoher ist, io liegt das daran, daß sich unsere Finatitzämter nicht entschließet» können, den wirklichen Ertrag zu finde». Tie Fragen an die Steuerzahler gehen bis ins llnciidliche und lvir werden uns »och in sehr eingehender Weise nut dieser Frage beschäftigen müssen. Nicht allein Fürst Bismarck, sondern auch der hervorragende Staatsrechtslehrcr Pros. Laband haben sich gegen die Antastung der StcuerboheU der Einzclstaaten ausgesprochen. Wenn der Herr Staatsminister sagt, daß evcntl. der Steuerkompromiß nicht zustande gekommen wäre, so ist doch bckanitt, daß der Bundesrat auch »orgeichlagen hatte, den Wehrbeitrag durch Erhöhung der Matrikularbeilrägc auf 1,99 vro Kovi zu erhöhen und die Verteilung dieser Belastung den Bundesstaaten zu überlassen, Tic ReichSsinau-rclorm von 1909 lieferte die .Gelder für die Militär-
vorlagen 1911 und 1919 im Betrage van 880 Millionen Mark: sie bat auch die Schuldcntilgnng ermöglicht und für die Beamten ickiail 117 Millionen verwenden, auch die Kricgsveterancn mit 9 Millionen bedenken können. Und daran wurde dann eine .hetze angcknüpst, die die bürgerlichen Parteien aus nUrn Fugen brachte. Ter Rcdncr schildert nun besonders das Verhalten der Sozial dcmolraiie, die eine Organisation des Klasscnlamvfes sei Itttd deshalb eine Niisnahiiicstcllnng dein Staate gegenüber einnehme. Tic Wchrstcucr bcdcule ci»e itngerechtc Belattung des Miilel- standes und der Privatindiistne gegenüber den Akticngejcllschaitc»: cs werde der Aufstchtsratspolitik im Reichstag überhaupt zu viel Raum «»geräumt. Ter Radikalismus suche Verbindung mit den Altiengesellickfaste», wie das auch in Frankreich schon längst der Fall sei. Ter Biindesrat sollte viel positiver sein, er läßt sich zu viel von de» Parteien regieren,'
Damit schließt die allgenieinc Aussprache,
Fit der E i n z c l b c r a t 11 ti g wurde» die Kapitel l—9 ohne Ausivrache angcnonimcn. Bei Kap. 10, Staatscisenbahncn, ivrickt Fürst Piktor zu Erbach-Schönbcrg der Regierung für die rasche Förderung des neuen Balmbaiivroicktes der Linie Bens- heini—Lindcnfcls Tank ans.
Bei Bap, 19, direkte Steuern ufw., bedauert Fürst Isenburg - B i r st c i n , daß der von ihm und dem Grasen Ttol- 'bcrg-Roßla schon oni 19. März 1919 gestellte Antrag auf Vcr- ciniackiting der Staatsverwaltung durch Verbilligung der Steucr- vcranlagnng und der Steuererhebung cinsach abgclehnt worden sei. Man könnte dabei sehr gut eine Ersparnis von cüva 4304)00 Mk. erzielen. Tic bisherigen Ersparnisse in der Staatsverwaltung seien sehr gering, cs sollte mit größter Entichiedcnifcil auf die weitere Vereinfachung gedrängt fvcrden.
Finanzministcr Tr. Braun legt gegen das Wort des Vorredners, daß die Finanzämter die Steuerzahler ausgüctschtcn. Verwahrung ein.
Staatsrat Tr. Becker ivcndct sich gegen verschiedene Aus- iührringen des Frhr». b. hetzt und des Fürsten Fscnbnrg-Birstein. lieber die Finanzreformen von 1909 und 1013 ist doch eine gewisse Klärung eingctreten: die befürchtete ungünstige Wirkung sei nicht cingctretcn, vielmehr Imbe „iiser ganzes Wirtschaftsleben einen ungeahnten Aufschwung genommen. Dem Frhrn, v, hetzl könne er darin znstinimcn, daß die Art, nstzc die 'Aktiengesell- schäften besteuert würden, zu beanstanden sei- Tre Veranlagung znnr Wehrbcitrag sei eine außerordentlich schfvierigc Ausgabe gewesen.
Fürst I sc nb urg-B irstc i n und Freiherr Hey, zu Herrnsheim erwidern kurz: Oekonomierat Walter betont, daß cs heilte sehr leicht sei. den Ertragswcrt zu ermitteln und daß die Landwirtschait der Besteuerung nach diesem gern zii- srimnicn ivürde. Gras Stolberg Roßla erklärt, daß er sich nur gegcn das Prinzip gewehrt habe, daß das Reich in die Fi- iianzhohcit der Einzelstaatcn cingreiit und dankt der Regierung, daß sie dagegen energisch Einiprucks erhebt.
Tie Kapitel 12—34 werden darauf bewittigt. Bei Kap. 35, Kirche», dankt Prälat D. Flöring, datz die Erste Kammer einer Anregung von ihm gefolgt ist ivegcn Steuerireiheit der kirchlichen Pfründen. Er bittet auch die Regierung NM ihr Wohlwollen und Minister v. hombergk sagl dies zu.
Tonikavilnlar Tr. B c n d i x, bespricht die Thesanrierung der kirchlichen Stenern lind legt die Entwickelung des Slcnerrechts näher dar. Tie vom Abg. Tr. Osann angeregte Kapitalisierung der Staatszuschüssc halte er nicht für durchführbar. Tie Kirckie stebc nicht gegen, iondern für den Staat und da sollte auch dieser nicht gegcn die Kirche sei»: vielmehr sei ein ziclbewutztcs Zu- iamniciiarbeitcii notwendig.
Frhr. Hetzt zu He r r n S h c i in bespricht cbcirsalls die Thesanrierung und bittet die Regicrunig, daß sie bei Gelegenheit der Verhandtunge» über die vvni Vorredner angeregte Frage auch den Umstand bcrückf'ichtigen möge, in welcher Form später eine Lianidntioii der aiigeiaprnrclten Fonds durchzuführen sei. Er iverde sich Vorbehalten, evcntl, später in einem besonderen Antrag daraus znrückziikommen,
Prälat I), Flöring bemerkt, daß eine Thesaurierililg von Kirchensteuern im großen Maßstab nicht stattssndc. Wenn die Kirche zu schivachc finanzielle Grundlagen in weiser Porailsiicht „nd im Hinblick aus ihre großen Ausgaben möglichst stärkt, so werde ihr das liiemand verdenken können,
sttach einigen weiteren Beincrknngen des Frhrn, Hetzt zu H c r r n s h e i rn »nd des Tomkapitnlars Tr. B e n d i x wird das Kapilcl mit den dazu gestellten Ansschußanträgen afigenommcir.
Bei Kapitel La »des -Universität führt Geh, Justizrat Prof, Tr, L c i st aus : Es ist in der Zweiten Kanimer bei Beratung dieses Kapitels darauf hingcwiesen worden, daß man die Univer- silät Gießen besonders durch die Pilcgc ihrer Spezialitäten auf der Höhe halten solle, so des medizinischen und landwirtschaftlichen Jnstiliites, Es erscheint doch zweifelhaft, ob sich die Geiahr eines evtl, Niederganges durch die Pflege solcher Spezialitärcn beschwören lassen ivürde. Dagegen möchte ich auf einen ganz besonderen Vorzug von Gießen hinweiscn, den cs allen gewährt, cs können nämlich die Angehörigen aller Fakultäten dort mehr arbeite» — wenn sic wollen — als an andern Orten weil diese mehr Zerstreuung und Anziehendes, aber auch niehr Abziehcndcs haben. Um der Gietzener Universität diesen Vorzug zu erhalten, bedarf es keiner kostspieligen Institute, sondern einer guten Bibliothek, die zu wissciiichaftlichen, Arbeiten lockt, Tara» fehlt cs aber noch. Durch die Pflege von Einzelinstitntcn würde Nian wohl die Frequenz eines medizinischen und landwirtschatztlichen Instituts aber nicht die Blüte einer Landcs-Universität aufrecht cvboltett können.
Geh, Baurat » 0 ch als Vertreter der Technischen Hoch- ichnlc begründet einen gleick,zeitig mit dem Vorredner einzubringen- dcn Antrag, bei der Beckninug von Professoren die Regierung zu ermächtigen, aucki iiber die Bestimmungen des Besoldungsgefetzes hinaus Zulagen zu bewilligen. Aus seinen Antrag werden Kav, 36 und 37 zur nochmaligen Beratung an den Ausschuß zurückvrrivirsen.
Bei Kapitel 38, Gymnasien, Rcalgtzmnasicn, Oberrealickiulen nftv,, führt Domtavitnlnr Tr, Bend ix ans, ein Spare» bei der Besetzung der atademftchen Lchrerstellc» sei nicht am Platze. Es gebe in Hessen viel zu große Anstalten. In der Mainzer Ober- rcolfd'.nle seien über tausend Schüler, und man habe in Mainz eine Klaiic cinqchcn lassen. Er könne sich auch nicht für die von der Zweiten Kammer aus SparsaiiikcftSgründcn vcrtaiiglc Per- ichmelzimg der beiden Tarmstädtcr Gymnasien aussprechen. Es sei bcntr alter Grund vorliaitden, die humonistiscktz: Bildung zu fördern, als sie in den Hintergrund zu drängen. Eine geivifte Berschivommenheit in der Bildung sei nicht zu erkennen, es sei eine Ucbcricküitzung des versünlichen Momentes varbanden, ivic sich das- besonders auf de», titcrariickicn und küiistlcrischcii Gebiet zeige. Tic beuligc Literatur und dev beutigen Schreibstil la„u man bisweilen nur dcn tubistrichci, Malereien gegenüberstelle». Es fehlt der eigentliche Ernst, ivir leiden an einem Mangel ernster sonnaler Bildung, Tie Realien vermftieln ja auch formale Bildung, aber die reicht für verschiedene Berufe einfach nicht >niz. Für Theologen bestehen wir daraus, daß au> die hnnianistisckie Bildnng in den oberen Klaften besonderer Wcrt gelegt wird. Das lateinische Pstästcrchcn, das den Schülern in den Rcalanstalten noch aufgelegt wird, hol gar keinen Wcrt. -Es nruß vor allem den böheren Lehranstalten durch ein ieft angestelltes Personal die nötiLc Lütz« Lesebcir werden.
Staatsrcl Siisfert entgegnet darani: Tic Regierung ist bemüht, dos Verhältnis der dennftweii Siellen zu den provisorifchm nicht ungünstiger zu gestalte». Tie 16 übertlnssigen Kräfte, die allerdings vor einigen Fohre» in Tarmsladt und Mainz durch die Verminderung der Zahl der Parallclklaijen sich ergaben, ivur- den nicht von de» definitiven, jondern von den tnoviioriickpm ab gesetzt. Er könne auch versichern, das; die Regierung nicht gannftt fei, die hvmanisftschcn Anstaltcfi von den übrigen znrücktretcn zu lassen, wofür ja auch schon die Weigerung der Verschmelzung der beiden Tarmstädtcr Gymnasien ein Beweis sei. Es sei auch nicht zntrcilcnd, daß die Leistungen der bnnianistiichen Gmnnaften ziirückgegangen seien Allerdings müiie auch der 0>n>niiasiast Heine ctivas von moderner Technik lpissen, ohne daß dabei die hnmanistischc Bildung zu leiden brauche.
Nach der Perftckfernng Tr, Bend ix, daß er die humanistische Bildung nicht über- und die realistische Bildnng Nicht untcrjchätzk, schließt die Aussprache, und Pas Kapitel ivird bewilligt. Das Haus vertagt die Wcitcrbcratiing mm I >, Uhr, Nächste Sitzung : Dienstag vormittag 10 Uhr,
Au» Hessen.
Freie Vereinigung h t f f i s ch er National- l i berate r. Einen vom Wahlkreisausschuß der national- liberalcn Partei im Landtagslvahlkreis Waldmichelbach auf Sonntag, den 99, d, M., nartr W a l d in i ch e l b ach ein berufene ösfcntlich-polftische Berfannnlung, ui der der Geschäftsführer der „F-reien Bereinigung" Tr, Linse- Mainz die Stellung der natioualliberalen Partei inr Reiche und in Hessen beleuchtete, nahm einen anregenden und lebhaften Verlauf, An die Ausfichrnngen des Vortragenden schloß sich eine von dem Führer der Fortschrittlichen Bolkspartoi ini Wahlkreis Tr, Winkler-Waldmichelbach eingelcitete ein gehende Aussprache über die parteipolitischen Verhältnisse in Hessen, insbesondere über die Stellung der beiden liberalen Parteien zueinander. Von nationalliberaler Seite griffen außer dem Vortragenden die Herren ,h e l s f e r i ch und Bürgermeister Stern, der Leiter der Versammlung, in die Aussprache ein, uni die Stellung der »ationaUibc» ralcn Partei im Wahlkreis soivie der freien Vereinigung zu diesen Fragen im einzelnen darzutnn Der Verlaus der Besprechung lies; deutlich dcn Wunsch sämtlicher Redner erkennen, eine türiindlage zu schassen, von der aus trotzj der grnndsätzlichcii, vom Vortragenden noch cinnial be sonders hervorgebobenen Programmunterschiedc zwischen den beiden liberalen Parteien ein Zusammengehen bei dcn b e p 0 r ste he n d e » Landtagstvah len in diesem lvie in einzelnen anderen Landtagswahlkreisen möglich sein könnte. Der Versuch, für das Verhalten der „Hessi scheu Landeszeitung" und der „Wormser Zeitung" die natio- nalliberalc Partei verantwortlich zu inarchen, ivies sowohl der Vortragende wie der Leiter der Versammlnng ans das energischste zurück. Beide Organe seien nicht als national- liberale Blätter anzusehen, Ter Versammlung ging eine Besprechung vorauf, in der die loährend dev Wahlkampagne vorbereitete Gründung eines nationnlliberalen Wahlvcretiis für Waldmichelbach endgültig beschlossen wurde, Tie konstituierende Versammlung fiudet an einem der ersten Tage nach Ostern statt,
V O b er-B e ssi i, g e II, 30, März, Gestern hielt hier bei Gastwirt Keil Herr Landwirt Schröder aus Elbenrod vom Bund der Landivirte ans einen Vortrag über WirlschallSpolftik. De», Bund trat ein ncnes Mitglied bei. __
£imtcbifiabrt.
w 3 -r ei bürg i. 33., 23. März. Als erster Rlilitärstieger gelangte heute liachinittag ein hiestger Offizier ani einem Doppeldecker n uf den Leldberg i. Schivarzwgld „ad zurück.
Eingesandt.
lFür Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung,)
. Gießen, 30. März.
Jahlreicheii Spaziergängern bot sich am Rande des P h 11 0 - I 0 b he n io a l d e s gestern Nachmittag ein seltenes Schauiviel — ein im Sumpfe stccken g cbli eb e II cs Aut 0 , Hätten »ickü genügend hilfreiche Hände zugegrisien, so hätte der Fahrer sein Fahrzeug stehen lassen müssen. Das soll in Rußland öfter vorkommeu. Gestern tonnte man sich überzeugen, daß auch in nächster Nälfc Gießens auf der durck! die Eichgäctcn nach Misere, 11 schönen Philosophcnwald am Rande des Waldes nach Wiei'cck führende ,1 viel begangenen und befahrenen Straße ei» derartiger Unfall möglich ist. Dem Einsender ist beloimt, datz mehrsache scbristlichc Bitten über Besscrnng dieses und des sogenannten Biittelweges, an Herrn Oberbürgermeister Mecuin gerichtet, Erjolg nicht hatte», — Möge der neue Herr hier cinmgl Wandel scharfen, er wird sich dcn Tmik vieler verdicneii, — Re.
kirchliche Nachrichten.
«koangeüsche Gemeinde.
3n -cr Ltadtkirchc.
MiLtivoch, den 1 . 2(pri(, abciib‘3 6 Uhr: 6. t ; niiiou3aubacf)t.
Pfarrer 2 ch wabe.
Mittwoch, den 1. Avril, abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Markusgemeinde.
Tonnerotag. den 2. April, abends 8 Uhr: Versainmlnng des FranenvereinS der a r k n Sgeineinde.


