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Br. Z4

Trr «tejrnet Anzeiger

«richernt täglich, außer Sonntags. - Beilage»: viermal ivöcbeiillich Sießener^amilienblätter:

zweimal wöchenißrikeisr

Mattfärben Kreis liegen

fDrenstagundFreifag); zweimal monatl. £ani>. wirtschaftliche öeitftagen Fenfjprech - Anschlüße: >ür die Redaktion 112. Verlag u. Expedition öl Adresse für Tepeichen: Snreiger Gießen. Annahme »an Anzeigen iür d>e Tagesnuinmer bis vormittags 2 Uhr.

Erster Blatt 164» Jahrgang Samstag.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Notationrdnick und Verlag der vrühl'sche» Univ.-Vuch und Stein-ruckerei 8. Lange. Kedaktian, Expedition nnd vrnckerei: Schulftrahe 1 .

28. März Mq

Bczugsveets:

monattich75Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20: durch Äbhole- u. Zweigstellen monatlich 85 Pf.; durch diePost Aik.2.viertel» jährl. ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15Pj auswärts 20 Pienniq. Eheiredakteur: A Goey. Verantwortlich für den volit. Teil: Aug. Goetzp sür ^Feuilleton",Ver- inqchtes" und..Gerichts­saal": llarl Neurath: tür .Stadt und Land": Kurl Bendt; für de» Anzeigenteil: H. Beck.

Leben bezahlt. Caillaux und Monis Marinemitiisler haben ihren Rücktritt erklären müssen.

Das politische Leben in Frankreich entbehrt also nicht großer dramatischer Züge, und die europäische Bureaukratie mag sich ihre Gedanken darüber niachcir. das, die höchsten Träger der Politik in der Seine Stadt oon so menschlichen oder uuincnschlichen Leidenschaften gerüttelt iverdcn. Ein Fliianzmiuister, der knirschend droht, er werde seinem Geg­ner das Gctlick brechen, die Gattin des hohen Trägers der obersten Beamtenivürdc, die eine Mordwaffe abgeieucrt hat und vor ihren Richtern nun alle Tage weinend erklärt, sic habe den Todfeind ihres Mannes .zwar nicderzwingen, aber nicht töte» ivollen ... das sind Tinge, die deutschen Begriffen fremd sind, und die sogar der tatenlüstcrne imb nach Ministcrstürzen lechzendeBorfvärts", der aber schließ­lich auch nur ein langweiliges Stück Papier ist, sich hier in Dculschlattd nicht träumen lassen würde. Einen so farbigen und raschen Szenenwechsel kann sich eben nur Frankreich leisten. Sehen mir »ns aber den Stern des französischen par­lamentarischen und politischen Lebens an, so ist er faul und krank. Ruhige utid stetige Sachlichkeit hat doch ihre Vorzüge vor dem Toben der Leidenschaften und der Hetzerei persön­licher Ranlüne, wie sie in der Rachbarrepublik so üppig ge­deihen konnten. Wenn es auch mit dcit Missetaten der viel­genannten Minister flicht so viel aus sich hat, wie ihre Gegner behaupten - sic halten sich alle miteinander die Wage und haben die gleich hoch cntfvickclte Gabe, die politisckfc Atmo­sphäre mit kleinlichen Strebercicn flach Einfluß uild persön­lichem Gewinn verdünsten. Vor den Neulvahlen, deren Termin auf bcn 2(5. April festgesetzt ist, werden noch manche Minen platzen. Deutschland fnttit sich als ruhiger Zuschauer verhalten. In der Seele Rußlands werden aber peinliche Gefühle gelvcckt. War der Putiloiv-Streit wirftickt die auf- dringlichett französischen Anfragen wert, und silid diese inneren Händel Frankreichs wirklich eilt so auflnuntcrnder Beweis für seine viclgcrühinte Schlagkraft flach außen?

Auch in Engl a n d gehen die Wogen hoch, sogar ein Bürgerkrieg drohte auszubrechefi. Wenn es nun auch vor­läufig lloch nicht so iveit gekonnftcn ist, so hat die Auflehnung der irischen Offiziere gegelt den Willen der Regierung und des KriegSministers doch mindestens ebenso großes Aufsehen gemacht, mie der innere Streit in Frankreich. Wir skizzieren kurz die Vorgeschichte der englischen Wirrnisse. Im Juni des vergangeneif Jahres hat die liberale Rcgiernfig in Eng­land, rm alten Bunde mit der Arbeiterpartei und den Iren, die Annahme des .Homcrule-Gesetzcs in zweiter Lesung durchgeseht. Das Haus der Lords lehnke das Gesetz ab und forderte Neuwahlen. In Ulster, der nördlichstell Provinz Irlands, regte sich alsbald eine erbitterte Opposition der dortigen Bevölkerung, die als Protestanten Volt der Errich­tung eines besonderen irischen Parlamentes Ueberstimmung und Unterjochung unter eitle katholisch-keltische Mehrheit Vorausschen. Der Führer dieserUlstcrmen", Sir Edmund Carson, hat sogar einen bewaffneten Widerstand ins Leben gerufen, tmb es soll in Ulster eine Armee von HO000 Frei­willigen bereit stehen. Zuerst suchte das Kabinett Asgllith mit Ulster zu verhandeln: es nrachtc den Vorschlag, daß Ulster aus sechs Jahre aus dcuf neuen irischen Perwaltungs- systeni ausgeschlossen werden solle. Aber die Opposition be­ruhigte sich dabei nicht. Am 19, März erfolgte wieder ein Zusammenstoß im Unterhaus, woraltf Sir Edmund Earsoil ostentativ den Saat verließ,um nach Belsort zu gehen". Es war sozusagen der Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Da altch die irischen Nationalisten eine drohende Ent- schlosscnheit zeigtcil, so wollte die englische Regierung mili-

lärische Maßnahmen treffen, um etwaigen Ruhestörungen vorzlfbcugen. Ta erfolgte die bekannte Auflehnung irischer Offiziere, die sich weigerten, gegen die lllsterlcutc zu fechten und ihrell Abschied verlangten. Ter englische Kricgsminister, Oberst Seelp, gehorchte dem Zwang der Lage, als er sich mit den Widerstrebenden tu Unterhandlungen einließ und, ent gegen einem Labinctlsbeschluß, ihnen die Zusicherung gab. daß nicht etwa geivaltsainc Maßregeln gegen die Ulsterleute geplant würden Das schwächte natürlich die Stellung des Kabinetts sehr erheblich, und damit dessen Ansehen wieder eiiiigerninßen hcrgestelll loerbcu könne, reichte der .Kriegs minister, indem er, ivic ein armer Sünder, sich selbst der .^Irreführung des Kabinetts" beschuldigte, seinen Abschied ein. Herr Asquith bestätigte cs im Untcrhause, daß Scclu eigenmächtig vorgegangcn sei, lehnte aber dessen Rücktritts gesuch ab. Ein Abgeordneter der llnionistcn stellte die Lag, nicht übel folgendermaßen dar: der Kricgsminister ivurdc unter die Wölfe geworfen, aber gleichzeitig wurde dafür ge sorgt, daß die Wölfe ihn nicht fressen konnte».

Ter iveiterc Gang der Ereignisse ist aus ititfcrem heu­tigen Bericht über die gestrige Sitzung des Unterhauses zfl ersehen. Herr Asquith hat einen Rückzug angctreten: ein Armeebefehl, der die Pflichten der Offiziere und Sol baten sür kommende ähnliche Fälle genauer regeln soll, verkleistert nur notdürftig die Blamage der Regierung. Es liegt nahe, Betrachtungen über die Disziplin im englischen Heere anzusbetlen, die sür die britischen Einrichtungen nickft güifstig anSfallcif fvürdcn. Das Jnselreich rechnet aber mit anderen Voraussctzffngen als etwa ein Reich wie Deutschland, find die etwas locker fimschriebcncu Pflichten der Militärpersonen wurzeln in der geschichtlichen Ent Wicklung. Bei den gegenwärtigen Konflikten hat daS Ka­binett Asquith leider nicht mit den nun einmal gegebeneft Tatsacheif gerechnet, uitd die touservative Opposition wird diese Unbesonnenheit der Regierung voraussichtlich in Pole tische Erfolge ftmmünzen. Es ist kaum noch denkbar, daß das Kabinett sich halteif und die bekannten Vorlagen unter Dach und Fach bringen tarnt. Nach dem neuesten Armee­befehl wird selbstverständlich der Widerstand in Ulster ganz unaufhaltsam werden. Die Neuwahlen versprechen den Libe. ralen nach der Bloßstelluffg ihrer Regierung fiichts gutes. In jedem Fall hat England auf die nächsten Monate hinaus »fit schweren inneren Bedrängnissen zu rechnetf, die zfvar flicht jo tleinlicheif Ursachcif zuzuschreiben sifld, ivic bic- jcnigen, an denen Frankreich leidet, die aber deni Britcn- reiche die volle Entfaltung seiner Macht nach außen hin wohl nicht univcscntlich erschweren werden.

Die Reise öes Kaisers.

Tr je st, 27. März. Gegei: IO 3 - Uhr kam am Horizont dieHohenzollcrn" mit ihren Begleitschiffen in Sicht. Volt Riva und Moli beobachtete eine zahlreiche Menschenmenge die deutscheif Schisse, die bei prachtvollem Wetter und spiegelglatter See den Kurs auf das Schloß Miramar zil nahmen. Nachdeifl die Schiffe des österreichisch-ungarischen Eskadrcs die auf der JachtHohcnzollern" gehißte Kaiser­liche Standarte mit 2l Schüssen salutiert hatten, gab der KreuzerGöbcil" den Territorialsalut ab, den ein öster- reichlsch-uifgarisches Schlachtschiff reglementsnräßig crwi derte. Tic deutschen .Schiffe giffgctt vor Anker, und Erzherzog Franz Ferdiitand begab sich in deutscher Admiralsunisorm auf die JachtHohenzollern", aus der ec von Kaiser Wil- belm in der herzlichsten Weise cffipfangcn wurde. Aach der Vorstellung des Gefolges des denischcn Kaisers begabcit firfi der Kaiser und Erzherzog Franz Ferdinatid bei detn Schlosse

Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

Tagcskalcnder aus dem Jahre 1814.

'29. März: Tie Verbündeten rücken vor Paris. In Billette, einem Vorort von Paris, werdeit die Franzosen zurück- geschlagen.

4?olitiscl»c {Vochcnictiitu.

Gießen, 28. März.

Frankreich und England sind mit veinlicheti inneren Bcrwicklungcif beschäftigt, und das deutsche amtliche Woljs- Burcan bringt uns täglich Berge von Telegrammen über neue Verhöre uifd varlaincntarischc Auseinandcrsctzmigen. Ta ist zunächst der svgenanifte Rochektc-AuSschns;, der seinen Nainen nach jenem Schwindel-Panlier trägt, der durckf das frühere Kabinett Monis einen nngcsctzlickfen Aufschub seines Prozesses erlangt habe» soll und inzwischen angeblich und) Mexiko verduftet ist. Der sozialdemokratische Führer JaureS sviclt an der Spitze dieses Llnsschnsscs gegenwärtig die Rolle des oberstefi Richters in Frankreich. Wir haben in den letzten Tagen die Einzelheiten nidtt mehr alle wieder- geben lönifeif. die dieser Ausschuß durch Vernehmung be­kannter nnd hochgestellter Personen ansgcwirbelt hat, aber da der Ausschuß gestern zum Abschluß, seiner Arbeit gelaugt ist und heute das Ergebnis sormuliereti ivird, so werden finsere Leser von diesen merkwürdigen Ereignissen nichts verlieren. Vieles ist dunkel geblieben, und gestern abend fvurdc gemeldet, daß der Ausschuß fioch unschlüssig sei, ob er die ganzen nngcreimten und widerspruchsvollen Ergebnisse cinsach protokollarisch der .Kammer vorlegen oder besondere Fragestellungen nnd Urteilssprüche formulieren solle. Wie fioch gestern find heute die Presse Frankreichs itt zwei scharf sich besehdeffdc Parteien gcspalteil ist. so fvird eS auch fioch eilte Weile bleiben, wie Herr Janres aitch entscheid den mag.

Tie Vvrgeschicktle des ganzen Streites mag itoch einmal kurz in Erinnerung gerufen werden. Im Grunde handelte es fid) mit die Einführung dcr dreijährigen Tienstzeit und ihre sinanzielle Teckung. Schon das Ministerium Briand, das 1908 ans Ruder gekominen ivar, hatte diese Vorlagen eingebracht Tie Frage der Wahkrejvrm führte Briands Sturz herbei: Barthou übernahm das Ministerium. Auch er wurde am 2. Dezember 1918 gestürzt, da er bei dcr finanziellen Deckung des Trcisahrgesetzcs und der Schäftung eines Einkommenstencrcntwurscs versucht hatte, die sranzösischc Staatsrente von der Steuer zu befreien. Eaitlanr war die Seele dcr Opposition gewesen und er unternahm es, im Ministerium Toumergue den Kurs weiter nach links zu nehmen. Zwar hakte auch er einen Eins kommensteuer-Entwurf ausgcarbcitet. dcr sich über die Stcuerpslicht dcr Staatsrenten ausschwieg, als er aber deswegen angegriffen wurde, holte er in einer Vorlage das Versäumte nach. Von da an trafen ihn die harten Schläge seiner rechtsstehenden Gegner, besonders desFigaro". Man inarf ihm vor, er sek bei der nngesetzlichen Verzögerung des Rvchette-ProzesseS neben Monis hervorragend beteiligt gewesen nnd er habe kompromittierte Persönlichkeiten, die seine und des Kabinetts Freunde und Förderer gewesen seien, dadurch retten wollen. Es wird sich zeigen, wie iveit dcr erwähnte Ausschuß unter Jaurös diese Beschuldigung aufrecht erhalten ivird. Herr Calinettc, dcr Direktor des Figaro, war so skrupellos, auch das Privatleben' Eaillanr' und seiner Gattin zum Gegenstand seinerEnihüllungen" zu machcu, und er hat dies Vorgehen bekanntlich mit dem

Gietzener Stadtthcater.

Ter Tchlaswagenkontrollriir.

Gießen, 28. März.

Herr Karl Roiteck, der bei unserem Publikum in besonderer Gunit siebende Lebemann unserer Bübnc. batte fid) zu seinem gestrige» Ebrenabend 'Alexander Bissons lustigen Schwank vom Schlaf wagenkonkroll e n r ausgewählf und damii onenbor einen guten Grifi getan, denn das Haus war gut besfickft und »nterbiefl fiäi bei de» drolligen Verfvickelungen und Schwer'- nötereien auts beste. Herr Rot leck, der der Aunühriing Fluß und Tempo gegeben batte, und für eine Anheitliche und wirkungs­volle Wiedergabe besorgt gewesen war. spielte den falschen Schlot wagenkonfrolleur Godeiroid, und er staffele den auf Liebesab:» teuer» treibemerndenWindbeutel" mit all den vielen Vorzügen aus, die wir im Laufe des Winters an ihm schätzen und liebe» gelernt haben. Zwar bietet der Schlaiwagenkonirolleur mit seiner äußerlichen Ebarakteristil nicht solche Aufgaben wie Pygmalion, Frau ohne Bedeutung oder Schmellerliirgsschlacht, in denen Herr Roiteck geradezu glänzend abgeschnitten hat. aber auch in diesem lfarmloieu Schwank blieb iffNi noch reichlich Gelegenheit, seinen Schneid, seine Laune, sein Tenioeranienr zu entwickeln. Tie Zuschauer kargten denn auch nicht mit ihrem Beifall, und nach dem zweiten Auszug wurde Herr Rotteck mit Blumen und sonstigen Angebinden bedacht. Sein liebes, kleines Frauchen 'vielte Fräulein T a g » » mit inniger Zartheit und ichelmischfüßer Mun­terkeit ganz allerliebst. Auch rein äußerlich brockte sie sich außer ordentlich geschmackvoll .zur Geltung. Köstlich in Haltung und Maske, könlich in jeder Bewegung ivar wieder Herr Wolf als selbstgefälliger Montrörin Bon ihrer besten Seile zeigte sich Frl. Na t hu s ins als keifende Schwiegermutter Aurore. Einen Karat.er ohne Tadel unö Fehl, von vorzüglicher Haltung zab Herr Grosser als richtiger Schlaiwagenkontrolleur. Lehr niedlich war Frl. Li n d e ck als Rosine. Reizend sah Frl. S t e t l II e r als Angele aus, lehr gut auä, Herr P o ch u m als Labordave. Von den'übrigen Darstellern lind noch Herr Schubert als Rav ul, .Herr Volck und Frl. Frenzel als Herr und Frau Char- bonneau zu erwähnen. ^ N.

_ 'Sic S. ff ft >1 werke 311 g 1 u 11 b c g cjj e n. Es oedart

nicht immer ruchloser Hände, um lünstlerilcke Schätz: dem Ver­derben zu überliefern. Auch der Zufall spielt eine geiährtich: 'icolle. In einem Gedenlauf'satz, den der kürzlich von Hamburg nach Mün chen berufene Historiker Erich Marcks dem Lchöpler der banf- burgischen Äunüholle Alfred Lichtwork im Aprilhefl von ..Vel-

lzagen u. Klniings Monat-H ften" wi mel, berichnt er oon einem Schal- Kaspar David Friedlichscher Bilder, den Lichllvark^auige- spürt, und rtKiraltcrmert dabei zugleich die Art ieiiier Taktil. Lichlwark ging aut die Suche, auf die Jagd nach feinen Bildern: er war unablässig unterwegs, er spannte, als er den Meister Bertram auibaute. alle Hilfsmittel au, Berbindungen, Tivlomatie, Ueberredungskunst, die feinsie 'und stärkste Fähigkeit des Unter kändlers. Er war überall. Das Werk seines Lieblings Runge hat er aui ivürenden Reifen, in stets Iviederholter Umwerbuug. 'Ufammengebracht, in Hamburg, Pommern, der Schweiz. Er findet den Namen irgendwo, halb zuiällfg, im Adreßbuch, und forfäft ihm nach, es find Verwandte feines Meisters, die Bilder hängen beute in seiHem Museum Es war ein Genuß, ihn von der Taktik großer Auktionen erzählen zu hören, den Kiufstglissen. Strohmännern und Vertretern, mit denen gearbe'tet wird, den Winten, die der Generals!absck>et feinen Unterführern erteilt. Es war ergreifender, ihn erzählen zu hören, wie er die Werte, au jene» sein Her, hing, durch offenen Angriff auf die Besitzer, und wenn es selbst Kunsthändler waren, gewann: durch den Avvell an die Einsicht und die Notwendigkeit, durch die Leidem'chasi und die Sachlicht.it seiner Li.'be zu den Bildern. Und er kam immer ff leder Ta batte er einen alte» Verwandte» Kaspar Friedächs entdeckt, dessen ganzes Zimmer voll Friedrichfcher Bilder hing: der Besitzer wollte nicht von ihnen lassen. Lickttvark besuchte ihn von neuem: der alle Mann fvich vor ilfm zurück, zuletzt erfuhr er daß ein Zimmerbraud alles vernichtet hatte.Ta haben wir bei e" io zitiert Marcks Lichtwrrls Wortegefeiten und geschluchzt wie an einem Sarge. Aber ich nahm mir heilig vor, mich niemals wieder abwei'en zn lassen".

Tie Rettung des Theaters. Tie Stadltheater- debatte gehört feit eilt paar Jahren jimi ständigen Repertoire der Stadtverordnetenversannnlufigen. Ueberall ein betrübtes Schütteln des Kovies, überall ein »lehr oder minder leises Klagen über Testzite. 'Auch in Polen, obwohl es fick eines neuen Ltadf» tbeaters erireut, gab es in Kommissionen und im Plenum erregte Au-einanderietzungeu. Tie Stadträter find dort au das Defizit noch nicht gewöhnt, iveit das neue Haus vor drei Jahren nock> einen großen Gewinn, im Jahre darauf ein kleineres, aber noch angenehmes Plus und erst in der letzten Saison ein Defizit ergab. Um dem ringenden Direktor zu helfen, bewilligte ihm die Sladt- rerordffetenoeriannnlnng einen Sck'.uldnachlaß von il 000 Mark und eine Beihille von iOOOO Mark. . . . Das originellste Wort sprach in der Debatte der Stadtverordnete Reichel, der die Schuld an dem schlechten Theaterbesuch den Kritikern beimaß und vorschlug, die Kritiker zwangsweise zu einem Konsortium für die

Deckung des Tefizils heranzirziehen. Wenn sie die Folge» ihrer Kritiken, meinte der Herr Stadtverordnete, bezahlen müßten, dann würde die Kritik schnell aus den Zeitungen schwinden . . . Hosfent- Ifch wird dos Theater in Posen aus diese Art zu retten lein!

C i lt neuer R e IN b r a fl d t. Ein neuentdecktes Werk Rentbrandts, das Bacchus und Ariadne auf Naxos darstellt, ist im .Haag ausgetaucht. Wie dem Cicerone geschrieben fvird, wurde das Biid von dem Restaurator D. de Wild restauriert: nach der Ent fernung einiger kleiner unbedeutender Retouckw» trat Rembrandls Signatur und die Datierung 1631 zutage. Tie Komposition erin nerl au die Andromeda int Haager Museum, die wahrscheinlich um dieselbe Zelt entstairden ist. Doch ist das Bild etlvas größer und koloristisch bedeutend interessanter. Die halbnackte Ariadne bat ein lies blaugrünes Gefvand mit goldgesticktem Rand über ihren Knien: hinter ihr liegt ein goldgelber Mantel, aut dem eine Krone zu sehen ist. Tie Landschait des vrachtvoil gemalten Bckdes zeigt ein schönes Kolorit von grünen und grauen Tönen. Das Werk war bisher nur wenigen Auserwählten zugänglich, doch soll Tr. Bredius, der einer der besten Rembrcuidtkenner ist, nachdem er das Bild anfänglich nicht tür eine Arbeit Rembrandts gelfalten hatte, nunmehr von der Urheberschaft des Künstlers überzeugt sein.

P 0 l a r s 0 r s ch u n g e lt. 'Aus Kristiani a, 27. März, wird gemeldet : Sir Ernst S h a ck l e t 011 hat das norwegische PolarschiffPolares" in Sande Fiord angekaust. Es soll der geplanten Südpolareppedition als Erveditionsschiff dienen. Amnndsen hat den Roesk Telegram Bstran Mflgeteitt. daß dis Fram" nach beendeter Ausbesserung »ach Norwegen abgeht, wo sie für die gevlante Nordvolarepveditcon ausgerüstet werde. Tie Fram" werde Norwegen gegen^Neujalfr 19l.', verlassen können und tmrch de» Panamalanal »ach Sau Franziska gehen, von wo oie Abreise i» das Polarnieer tnt Juni 1915 statt»ndcu soll. Das ganze Unternehmen hänge freilich davon ab, ob die erforderlichen Mittel anigebracht werden.

Krirze Nachrichten aus Kunst und Wissen- s ch a s t. Eine R e i ch s - H y g i e 11 e - G e s e l l s ch a s t. Sitz B e r li n, ist in Bildung begrissen. Der Zweck der Gesellschaft ist nach derChemiker-Zeitung" die Ernwirtnng aut die Gesetzgebung im Sinne der wifsenschastlichen Hygiene und die Berbreltung von Hygiene in Wort und Schritt. Bon der Akademie der Inschriften in Paris wurde dem König von Italien der Preis für Numismatik iür sein nierbändiges Werk über italienische 2','ün zen zuerkannt. Tie Temperierten, dramatische Aus­einandersetzungen von Emll Faktor hatten bei ihrer ll.auf- sührnng in Prag einen starken Erfolg.