Nr. 70
Ter «leßener Snzciger
erschein, täglich, außer Sonntag;. - Beilagen: viermal wöchentlich Steßener.famllienblöNer; rivennal wöchenIlRieir- dla» litt den ilreir Kietze» icienstagiind Freitags; zweimal monall. !»nd- wirllchaflliche Seitsraaen F«r»iprech - Anschlüffe: k-e die Redaktion 112, Verlag ». Expedition öl Adreffe >ür Tcoeschen: «»zciger «ietze». Annahme von Anzeigen iür die Tagesnunrnier bis vormittags 9 Uhr.
Erstes vlatt
164. Jahrgang
Dienstag. 24. März 1914
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
8otati««;»r»a u»d Verlag »er Srühl'scht» Uiiv.-Vuch- »nd SteintraNerei 8. Lange. Rcftoftion, Expedition und vrockerei-. Schulstratze 7. A^eig?"««:' h? B-L
8e,ngs«rct»:
nronaUichTS Bi., vierteljährlich Alk. 2.20; durch Äbhole- u. Zweigstellen nionatlich Sä Ps.; durch diePost Ack.2.— viertel» jährl. auSschl. Beuellq. Zeileiwreis: lokal löPs^ auswärts 20 Biennig. Ehelredakteur: A. Goetz, Verantivortlich sür den rolit. Teil: Aua. Goetz; sür .Feuilleton', ,Ver- »lischtcr' uiiü.Gerichls- saal": Karl Neurath; lür .Stadt und Land":
Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.
Disziplin und 5traswesen in dem englischen Heere.
Den Brennpunkt des Interesses in der Ulsterkrisis bildet zurzeit die Frage,, ob die Disziplin der englischen Armee die Probe des Aufgebotes gegen die eigenen Landsleute bestehen wird. Im Lager von Curragh, dem Aldershot Irlands, hat sich e,ne beträchtliche Anzahl von Offizieren geweigert. nach Ulster zu marschieren. Infolgedessen widcr- setzten sich auch die Soldaten dem Marschbeschle. Sie veranstalteten Versammlungen „iid vertraten darin die Meinung, memt man den Ossi.zieren die Wahl lasse, ob sic gegen die Ulsterleute marschieren wollen oder nicht, so könnten'die gemeinen Soldaten dasselbe Recht beanspruchen. Und in der Bikloriakascrne von Belfast warsen zwei Kompagnien des t. Dorset-Regiments ihre Gewehre sort und stießen meuterische Drohungen aus, als sie den Befehl erhielten, nach Ornfiston, dem Schlosse des Obersten Lhichcrsten abzugchen, wo gerade noch Ulstersreiwillige cingedrillt wurden. Die Bcl- saster riefen: „Wir wollen hier kein Homerule, wir bienen gegen Feinde des Königs und wollen keine Briten nicder- ichicßen!"
Das sind altes Handlungen, die nach deutschen Militär- rccht mit äußerst schweren Strafen geahndet werden. Mer auch Toinin» Atkins, der englische Soldat, der nicht gegen ixnt „inneren Feind" marschiere» will, hat zu erwarten, daß er wegen Gehorsamsverweigerung arretiert und vor ein Kriegsgericht gesteUt werde» wird. Seine Strase wird er in Dublin, Bork, Dover oder Aldershot abznsitzen haben, ivo sich die Haiiptmilitärgefängnissc besinden. In die kleineren Zweiggefängiiisse kommen nur Soldaten, deren Strafzeit weniger als vierzehn Tage Gefängnis beträgt. Dem Namen iiach nnterliegen die Militärgesängnisse der Gerichtsbarkeit des Kricgsministerinms, rn Wirktichkeit aber stehen sie unter der Kontrolle des Ministeriums des Innern, und- darnm iverden auch die Militärgefangenen nach denselben' Grundsätzen behandelt loic alle übrigen Gefangenen in England, d. h. der Militärstrafvollzug ist nicht härter und strenger als derjenige der Zivilgelängnisse. ES ist ein Irrtum, dem man häitsig begegnet, daß die englischen Soldaten wegen dienstlicher Vergehen außerordentlich hart bestraft werden. Ter Irrtum rülzrt von der Tatsache her, daß die körperliche Züchtigung in den englischen Militär- gesängnisien noch zur Anwendung gelangt. Das ist aber kein Vorrecht des Msitärstrafwesens. Die „neunschwänzigc Katze" wird auch noch in den Zivilgefängnissen geschwungen, natürlich nur rn ganz schweren Fällen. Der Verurteilte wird eut- btößt auf ein Triangel geschnallt, und dann kommen die Hiebe, lang runter, von den Schultern bis in die Knie- lehlen, mit einer Gewalt, daß man die Strieme» noch Wochen- und monatelang zählen kann. Diese englische Prügelstrafe regelt sich nach einem im Jahre 1863 erlassenen Gesetz, dem Garroters Act. Die heutigen Richter verteilen die Gesamtzahl der zulässigen Hiebe auf die gesamte Freiheitsstrafe, d. h. sie verordnen einem Verbrecher z. P. eineinhalb Jahre Zwangsarbeit und dazu lzalbjährlich je 2(1 Streiche mit der „Cat". In den englischen Militärgefäng- nissen wird die T o d e s st r afe auch nicht wie ans dem Kon- tiuent durch Enthaupten oder im Kriegszustand durch Erschießen vollzogen, sondern in allen Fällen durch Erhängen. Der Verurteilte wird aus zwei Bretter gestellt, unter denen
sich ein hohler Raum befindet. Zieht der Nachrichter an einem Hebel, so stürzt der Todeskandidat in die Tiefe, wobei ihn, die Galgenschlinge die Halsadern abdrückt und das Genick zerbricht. Der Tod, so meinen die Verteidiger diesen Strase, trete mindestens ebenso schnell ein, wie bei der Enthauptung und noch schneller nüe bei dem Erschießen. Vor allem aber werde die Leiche sofort den Blicken der Anwesen den entzogen, und das spreche ebenfalls fiir die Humanität der englischen Todesstrafe.
Tommy Atkins, der nicht gegen den inneren Feind marschieren wollte, braucht nicht an diese schwersten und traurigsten Strafen zu denken. Bkan wird ihn Verhältnis-' mäßig zart anpacken. Die Gouverneure, die an der Spitze der Militärgesängnisse stehen, und die zum Gefängnis ab- lommandierteu Offiziere betrachten es als ihre Hauptaufgabe, den Gefangenen in jeder Beziehung die volle militärische Leistungsfähigkeit zu erhalten und sic womöglich zu besseren und disziplinierteren Soldaten zu machen, als 1 ic bei ihrer Einlicfernng waren. Beispielsweise ist fast in jedem Militärgefängnis sür die Jnsanieristen ein Schieß- stand in verkleinertem Maße eingerichtet, um die Leute auf der Höhe der Schießausbildung zu halten. Die Berwal- tungsuntosten für die englischen .Militärgefängnisse sind sehr gering. Tie Handarbeit der Strafgefangenen wird ihnen nicht vergütet, aber nach außen gut verlauft, so daß nur ein unbedeutender Staatszuschuß sür die Unterhaltung der Anstalten nötig ist. Die lörperliche Ausbildung durch die täglichen Uebuugcn, der ganze militärische Dienst in den Gefängnissen, die angemessene Ernährung, die Enthaltsamkeit von Alkohol und Tabak, alles dies bringt meist vorzügliche Ergebmsse hervor. Der englische Soldat, der ein Söldner und min Wehrpflichtiger ist, stellt sich meist als ein recht gutwilliger und erfreulicher Charakter dar. Aber er will gelegentlich einmal über die Stränge schlagen und läßt sich manchmal leicht zu Widersetzlichkeiten und Ueberschreitungeii hinreißen, die er nachher bitter bereut. Man wird die Meutereien in der Ulsterkrisis jedenfalls nicht allzu streng beurteilen und verhältnismäßig leichte Strafen verhängen.
Die „Dimes" ist von dem Premierminister zu der Er- klärung ermächtigt, die Bewegungen der Truppen in Irland seien lediglich Vorsichtsmaßregeln, die Absicht sei einfach, einen verstärkten Schutz für die Waffen, Munition und Vorräte zn schaffen, die sich zerstreut in der Provinz befänden. Tie sog. Bewegung der Flotte bestände einfach! in der Benutzung van zwei lleineu Kreuzern zum Transport einer Truppenabteilnng nach Carrick- ferguS, ohne daß sic dabei durch die Straßen von Belfast zu marschieren hätte. Weitere Truppenbewegungen seien nicht beabsichtigt. Die (verrichte von einem Erlaß von Verhaftungsbefehlen gegen die Führer von U l st e r h ä t t c n n i ch t d i e g e r i u g st e B c g r ü n d u n g. Die Regierung habe nie einen solchen Schritt geplant. Was die Offiziere des Lagers von Curragh und anderwärts beträfe, so sei der Eindruck verbreitet, als ob die Regierung eine allgemeine Untersuchung über die Absichten der Offiziere geplant hätte fiir den Fall, daß sie Befehl erhielten, von den Waffen gegen Ulster Gebrauch zu machen. Nichts derartiges sei bcabiichligt, und zivar schon aus dem Grunde nülit, weil die Regierung hoffe, daß die Verwendung von Truppen gegen Ulster gar nicht stattftnden werde.
Uebcr Abschiedsgesuche von Offizieren in Irland berichtet man aus Dublin: Am Freitag früh erhielten die Offiziere
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der 3. Kavallerie Wrigadc in Dublin die Mitteilung des Kriegs» amt§, daß sic, Ivenn sie nicht bereit wären, unter gcwiiici^Vor- aussetzungen aktiven Dienst in Ulster zu tun, binnen zwölf Schn den ihren Abschied einznrcichen hätten. Nach der Parade fand eine OffifierSversaminlung statt. Brigade-General Gough erklärte, er habe bereits seinen Entschluß gcsaßt und fordere die Offiziere an», die Lage zu überdenken und ihm ihre Entscheidung müzu teilen. Offenbar hatten sic sich bereits vorher entschieden, denn so gut wie alle Offiziere erklärten sofort, sic würden dem Bei spiel des Generals solgen und ilne Msckiedsgesuche einri-ichcn. Dieses Ergebnis wurde telephonisch dem ö. Lanciers-Regiment mitgctcilt. mit dem Resultat, daß 70 von den 76 Offizieren dem Beispiel folgten. Bis zum Abend wurde der Oberstkommandierimde Sir Artur Paget in Kennwis gesetzt, er setzte sich seinerseits mir dem Kriegsamt in Verbindung, und hatte am Samstag Beipre - rlmngcn mit den Offizieren der 4. Husaren und den ö. LancierS. Sir Artur Paget erklärte, das Kriegsamt sei bereit, das Abschiedsgesuch des Generals Gough und das des rangältcstcn Majors anzunchmen, die anderen Offiziere würden dagegen die Konst aucnzcn zu tragen haben, d. h, sie würden wegen Gchoriams- vertvcigerung arretiert und vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Zugleich wurde den Offizieren mitgctcilt, daß die Truppenbewe gütigen !n Ulster gegenwärtig nur den Zweck hätten, das Staats eigentum zu schützen und der Polizei in der Anfrechterhaltnng de, Ordnnng bcizustcben. Die Offiziere erklärten sich unter diesen Voraussetzungeit bereit, nach Ulster zu gellen, erklärten aber weiter definitiv, an Feindseligkeiten gegen die Loyalisten von Ulster nicht teilzunehmen. Diese Erklärung Ivurdc nach Lon don telegraphiert, woraus General Gough und die Obersten heilst, Lanciers „nd der 5. irischen Lanciers nach London bcruscn wurden.
Einstweilen sind die Peschlc sür den Transport der Kavallerie nacki Ulster suspendiert worden. In der 13. und 14. Jnjantcrie-Brigade und in der 3. Artillerie-Brigade herrschten ebenfalls mehr oder weniger versastrene Verhilttnise, dort sind in jedem Regiment mehrere Abschiedsgesuche eingercicht worden. Man erfährt indessen, daß die Offiziere, die ihr Domizil in Ulster haben, feilten Befehl zmn aktiven Dienst erhalten wür den, sondern das; man ihnen die Wahl zwischen stlbsäned »der längerem Urlaub lassen werde. General Fergllssoii vom 2. Ba - taillon des Manchester-Regiments sagte am Samstag in einer Aniprachc an die Offiziere und Mannschasten, seine und der Leute Shinvotbien seien ans Seiten Ulsters: er hoffe, sie würden nicht die Waffen gegen' die Provinz zn ergreifen brauche», aber wenn sie den Befehl erhielten, so würden sic als loyale Soldaten des Königs gkhorckien. Die 4. Husaren ist das Regiment, dem Winston Churchül als Offizier angehört. Die irländischen Zeitungen melden, daß in lllster vollkommene Rulie hcrrskbe.
Eine Besprechung im Nnterhause,
London, 23, März, (U n t er h^aus.) Bor dicht besetztem Hause gab der Kriegsminister Oberst Seelh eine Erklärung übe, die Ereignisse, soweit sie die Armee betreffen. Er sagte, ani Freitag abend seien im Kriegsamt vom General Paget Noch richten eiilgetroffen, daß einige ihm unterstehende Offiziere ihn verständigt hätten, daß sie unter gciviiicn Voraussetzungen Nicht in der Lage iväten, Weijungen aiiszniührcn, die er künftighin sür notwendig erachten sollte, ihnen inüznlcilim. Der Armcrrat trat die Bestimmung, daß die älteren beteiligten Offiziere sich beim Gcneraladiutantcn im Kriegsamt melden sollten. Soweit aus der Unleriuchung des Armeerats hervvrgchc, sei es klar, daß der Zwischenfall darauf zurückzusühren sei, daß eine an die Ofiizierc von Paget gestellte Frage mißverstanden wurde. (Heiterkeit bei der Ovvoiition.) Jetzt seien sie angewiesen, sich zu ihren Trubvenkörveru zurückzubcgcbcn. Hinfichtlich der Trupveiibewc- gungen iviederholte der Kriegsminister die in der Preise erschienenen Mitteilungen und sagte, der Zweck der Bewegungen sei, die Waffen, Vorräte und Munition der Regierung zu schützen. (Zwischenruf der Ovvoiition: Vor wem schützen?! Alle Bewegungen seien durchgeiührt im Einklänge mit den Weisungen Pagets und alle Befehle wurden pünktlich und unbedingt erfüllt.
profeffor ©tto harnack
9(us Stuttgart, 23. März, wird gemeldet: Tic Leiche des seit einigen Wochen vermißten Proseiiors an der Techniichen Hochschule. Otto Harnack, ist heule früh laut einer Meldung des „Schloäbiickseu Merkur" im Neckar in der Nähe des Elektrizitäts-Werkes von Besigheim gelandet worden.
Prof Dr. Otto H a r n a ck. der seit etwa 4 Wochen aus seiner Wohnung verickiwunden war. ist ein jüngerer Bruder des Gcneral- dircltors der lönigl. Bibliotheken in Berlin, Adolt Harnack, uns des Pharmakologen Erich.Harnack in Halle. Er war am -».*«*• 1857 in Erlangen geboren, besuchte dos ^Omnanum und ^di»: Uniocriität in Dorpat und promovii-ric 18t0 in Göttingrn zum tr. vhil. Zunächst Oberlehrer der Geschichte und dent,wen Sprache am ritterschastlichcn Gymnasium in Brrkenruh, ^gründete ei 188, die deutsche Privatrealsctiulc m senden, und machte um dann durch eine rege vublizistisclic Tätigkeit belauur. namentlich als ständiger Mitarbeiter der Preiißisckwn Jahrbücher »nd als Vertreter der Alla Zeitimg München ,» Rom. Im ^abre 18Jb erhielt er einen Rui als °. Profeffor der Ltt-r-ttlr und GeichE- on der technischen Hochschule Darms adt und ging IMS noch Stuttgart, wo er über Literat,,>- und Acnhetik la-.'. Mä iungce Mann hat iich Harnack a„ä> als Dramatiker veriucht, aber in richttgcr Selbsterkenntnis wandte er nck, bald wieder ganz davon ab und widmete sich der deutichen Ltterattir als Forlchcr r on seinen Werken sind vor allem zu nennrn: Goethe m i»t Epoche seiner Vollendung: Zur NachgcichnÄe der Italieiiischen Rette, Klastische Aesthetik der Deutschen: IStiches Künulcben m Rom: Schilicr: Moderner Eiccroiie: auyerdem hat varnack Land 46 bis 49 der Weimarischcn Au-gobc
gegeben, den Band IN der Literaturgeich, ck'tt des l«- Jahrhunderts von H. Hettner und eine Anzahl Goethe, cker Werke. — Wie schon mitgeteili, hat Pros. .Harnack icine Wohnung.„I einem Zu- stand nervöser Ueberreizuug vertanen.
— Eine schwedische Südpolarcxpedition. Aus Stockholm 'll März, wird gemeldet: In der Gesell,cho't sür Anthropologie und Geographie berichtete der Präsident des antarktischen Ausschusies Adm.ral P^-lander !Vegaermckutton von der neuen Erveditton nach den «udpolargegenden: ,chon au, der Heimreise der Nordenskjöldschen Erveditton, die ,m Jahre l stdl mit der uiitergegangcncn „Antarcttc nach dicien Gegenden unternommen worden war. iourde eine neue Eipedttion geplant, die im Sonimee 1111.5 -usbrechen soll An der oltlichcn Leite des Antarktis,ündes soll ein Hajen genicht werden. Lie Arbctten
werden au, sünf Jahre veranschlagt. Sechs Gelehrte, darunter zwei Engländer, wollen die Expedition begleite». Tie Gesamt- losten dürsten 270 000 Kronen betrage». Tie Halite dieser Summe soll Schwede» autbringen, die andere Hälitc wird von England durch Beiträge des Britiichen Museums und der Königlichen Gco- graphfichcn Gesellicktziit erhofft. Die einmaligen, aus 7,1000 Kronen berechneten Ausgaben soll ansichließlich Schweden bezahlen. Die von der Erpedition ziirückgeorachten Sammlungen sollen zwischen England und Schweden geteilt werden.
— Eine neue kostbare Sammlung im Louvre. Nach einer offiziellen Mitteilung des iranzöiiicktzm Ministers der i'chönen Künste Viviani hat die Marauiie A r c o n a t i - V i s- conti ihre großartige Kunstsammlung dem Louvre geschenkt: während üe früher schon das Museum zu ihrem Erben eingesetzt hatte, will sie nun noch bei Lebzeiten die .Herrlichkeiten ihres Besitzes im Louvre ausgestellt sehen. Die Sammlung, deren Kern ein alter Familienbesitz bildet und die die Marauiie unterstützt von kundigen Beratern durch neue Erwerbungen bereichert hat, besteht ans Gemälden, Skulpturen, Möbeln »ich Werke» des Kunstgewerbes, die hauptsächlich der Renaissance „nd den, 18. Jahrhundert angehörcn. Am besten ist die i t a l i c n i s ch e F r ü l> r c n a i s s a n c e vcr- vettreten: durch ein nmnidervollcs Tondo Ghirlandajos, das benliimte Bild der Bianca-Maria Siorza von Ambrogio da Predis, dem interessanten Schüler Leonardos, durch eine Madonna Luinis und einige weniger bedeute,che Gemälde der Florcnttner Fnibrc- naiisance. Unter den Skulpturen ist daS Hauptwerk das köstliche Marniormedaitlon mit JesuS und dem Däuser Jobannes als Kinder«, das Donatcllo oder neuerdings Deiidcrio zugeichricben wird: prachtvoll ist auch die große Madonna am der Schule Roiie- linos, die Porträtstatue des 0>aleazzo-Maria Siorza, an die iich noch zahlreiche intcreiiantc Bildwerke der mailändlichen, lombardi- nnd venezianischen Schule schließen. Tcittichland ist in erster Linie mit einem bedeutenden Trlivtickion von BartholoniäusZcit blom vertreten: die französische Renaissance repräseitticren einige vorzügliche kleine Porträts und Skulpturen. Unter den Gemälden des l8. Jahrhunderts ragt besonders ein entzückendes Mödchcn- porträt von La Tour hervor. Diese ausgezeichneten Kunstwerke erhalten einen einzigarfigcn Rahmen durch die herrlichen iranzö- iischen Möbel, unter denen sic ausgehängt sind und die mit ihnen in den Louvre übernihn iverden. Dazu kommt noch eine erlesene Kollektion von alten Elsenbeinschnitzercien, Emailarbeiten und Keramiken.
kos. Die weiteste und höchste massive Eisen- bahnbrücke der Welt. Ter zurzeit int Bau befindliche Langwicicr-Biadult der elektriich betticbenen Ehnr-Aroia-Bahn (Rhätiiche Bahn!, eine der schönsten Bahnstrecken der Schweiz, wird die weitrstgcivannte und höchste masiwe Eisenhahnbrücke der Welt lein. Die Brücke üb«ipannt das Tal des Sapünerbaches
kurz vor dessen Zusammensluß mit der Plessur. Ter .Hauvtbogen besitzt, nach Angaben der „Technischen Monatshcilc" (Sttittgartl, 98 Meter Lichtweite, 100 Meter Stützweite und eine theoretisckje Pscilerhöhc vo» 42 Meter». Tic Fahrbahn liegt last 70 Meter übcr der Talsohle. Der Boge» besteht aus zioci im Scheitel 2,1 Meter hohen und 1 Meter breiten Rippen, die durch bicgungs ieitc Oiicrricgcl miteinander verbunden find. Die Geiaintbreite der Fahrbahn beträgt 4 Meter, von denen je 70 Zentimeter aut die beiden Gehwege entiallcn. Bei her großen Höhenlage des Bmnocrks (1330 Meter über dem Mecresipiegell waren bciondcre Maßnahmen zu treffen, um die Drücke instaud ,n setzen, Te,n- perattiränderungcn und dadurch verursachte Ausdehnungeir be- zichungswcise Zuiaiumenzichungcn des Eisenbetons ohne 'Sjhabtn zu überstehcn. Zu diesem Zweck hat man die Fahrbahn zwischcii den großen Toppelvscilcrn durch eine Bcwegnngssuge vollständig unterbrochen. Jnsolge der Elastizität der hohen und schlanken Pseilcr können sich nun sowohl die Fahrbahn des Bogens als auch die Fahrbahnen der Ncbenöffnnngeir bei Temperaturändernn- gen für sich bewegen.
— DieSchlafphotogravhie — bi e lebten in cri» konische M vd c n a r r h ei t. Onkel Sams Töchter haben wieder einmal etwas ansgeheckt, woraui sic wirklich stolz sein können: sic lassen sich im Schlafe photographiere». Es geht dabei ganz romantisch zu: die amerikanische Schönheit schläit, tief versteckt in ihrem Bettck>en, und nur der Kops ist aut dem gestickten Kissen sichtbar. Bor dein Schlaicngchen ordnet sie natürlich ihr Haar und legt sich liberhanpt recht malerisch hin. Mtlen in der Nacht führt dann die Zoie den Photographen in das dunkle Schlaigemach: das Magiieffuinlicht ilammr aus, die ichlaiende Sckiöirheit oder vielmehr da» Bett mit dem hcrausguckciiden Kvpie ist ans die Platte gezaubert und nach kvenigcn Tagen liefert der Photograph >einer Anf- traggeberin das wohlgelungcne^Konterfer ab, auf dem sie zmn ersten- male sehen kann, was sic im Schlaie sür ein Gesicht macht.
— Sprechende Eier. Ob die Tiere ihre eigene Sprackie haben, durch die sie sich untereinairder verständigen? Bedeutende Forschiw beluiiivten es. Daß sie aber, noch che sie das Licht der Welt erblickt haben, von chrem Dasein laut hörbare Kunde gebe», das scheint ivirklich „noch nicht dagcwesen" zu fein. Und doch berichtet eine englische Zeitschrist, daß unausgebrütctc Kbiokodsic ein deutliches, krächzendes Geräusch von sich geben, das nian durch eine säst zwei Meter dicke Sgndschicht bören kann. Ent kürzlich machte ein Arzt in Weftairika folgende Beobachtung: Als er ein krächzendes Geräusch ans der Ticic des Erdbodens, über den er schritt, hcrauidringen hörte, grub er nach und fand in einer Ticic von 18 Zoll 13 ^Krokodeleier, von denen criviesenccmaßen das Krächzen herrührte. Sämttiche Krokodile schlüpsicii etwa eine halbe Stunde, nachdem sic ansgcgraben waren, ans.


