Nr. 68
Drittes Blatt
164. Jahrgang
Erschri»! tigkich mit Ausnahme de? ««»»tags.
r>e „Sietznier 5,«tlken»lättet" werden dem
-Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt, da? „rlkkliblall für den Ureir «letzen" zweimal wöchentlich. Tie „kandwirtschasllichen Seit-
jeagen" erscheinen monatlich zweimal.
Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Äberhesjen
8amrtag. 2 \. März 1914
Rotationsdruck u:iv Strlflq der Brübt'schel» UniversitätS - Buch- und Ereindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrabe 7. Expedition und Verlag: Redaktipn:S^AH2. Tel.-Adr.: AnzeigerGießen»
hessische Zweite Aammr.
(rb.) Tarnrstadt, 20. März.
AniRegierungStische: Staats»,. Tr. v. E wa ld, Flnanzm. Tr. Braun, Minister des Innern v. hombergk, Staatsrat 2üsfcrt,' Ministerialräte hölzingcr, Tr. Kratz, Tr. Weber, Baurat W a g n e r.
Vizepräsident Korell eröffnet die Sifeung um 9,20 Uhr.
Tie
Beratung des Staatsvoranschlags
irira bei Kap. 24, Allgemeiner Fonds für Vertretungen und ÄuShitsskosten, Auägabc 75 000 'Mark, fortgesetzt und dieics, taic die folgenden Kapitel; Regierung» und Reichsgesetzblatt, Porto, Telegramm- und Fernsprechgebühren, hais.e w'altttNg, Zcnlralbauwcicn, Nicht staatKcke Bausachcn, Lok l- und Po rzcl- Verwaltung, Provinzialdlrekioren Kreisämter und Gcndaemerie, ohne Auoiprache genehmigt. '
Beim Kap. '52, Polizei, bespricht Abg. Elßncrt die Peistaatlichnng der Ossenbacher Polizei und bemerkt, der M>- nistcr habe vor zwei Jahren erklärt, dal; auch die Polizei in de» anderen größeren 2tädten verstaatlicht werden solle. Er habe aber sein Wort nicht gehalten, Redner meint, er sehne sich ja gar nicht nach staatlicher Polizei, aber solche Erklärungen müh ten doch auogcsührt werden. Tie neue Polizei in Lsseiihach habe auch die Süuglingssürwrge in die Vaud genommen Ta- hätte ne dochi lieber anderen Streifen überlasset, sollen, die besser öa Ntit umzugehen verstehen und sichl mehr dajür eignen.
Minister v. .Homberg t entgegnet, er müsse Verwahrung gegen die Belmtiptung ciulegcti. dass er sein Wort Nicht gehalten habe. Er habe keinen bestimmten Zeitpunkt für die Einführung der staatliche» Polizei angegeben, sondern nur daS Prinzip der Eitisnhrung betont. Tie wenigen Anstände, cne Abg. Eißncrt gegen die staatliche Polizei in Oncnbach »orzubringen i» der Lage Iviir, lieferten den Beweis, dali dort letzt alles in Ordnung sei. In der Sache der Kinderpflege in Osscnbach habe es sich lediglich um den Schutz der in Pflege gegebenen unehelichen Kinder gebandelt lind die Stadt Oisenbach werde in dieser .Hinsicht nicht anders behandelt, als die übrige» Gemeinden auch.
Abg. Busold (Soz.i kann sich mit dckr Antwort des Ministers nicht für befriedigt erklären. Es herrsche auch in Bad- Nauheim eine große »nzusriedcnheit mit der dortigen staatlichen Polizei, besonders Itiegen der zahlreiche» Anzeigen wegen angeblicher Ucbertrctung, ivas bei dem grosse» Jremdeii- perkchr durchaus nickt von Nutzen sei.
Abg. I o u tz (wild' spricht sich tadelnd darüber aus, das; die Polizei in Bad-Nauheim wegen eines »nsittlicheu Vorkomm nisscs bei einem Gastwirte für sämtliche Lokale mit weiblicher Bedienung die Polizeistunde ans >0 resp. ll Uhr scstsetztc.
Abg. Henrich (s. Vv> ersucht um eine Revision des Gesetzes über die Beiträge Der Gemeinden für die Polizei.
Ministerialrat hölzingcr weist den schon früher erbe beucn Vorwurr'durüch. daß die Darmstädter Kriminalpolizei nichts leifte, weit sie zu viel Militäranwärter anstelle. Dieter Vorwurf gegen die Militäranwärter ist völlig unberechtigt; es sind bei der Kriminalpolizei in Drmstadt überhaupt nur 3 Militäran Wärter angcstelll. Es werde» auch nur die tüchtigsten Leute für diesen Dienst ausgewählt. Tic Hälich; der Bcaimen hat das Polizeitommisiareramen bestanden. 8» der schon bestehenden iLtputzniaiinoschule ist noch eine Fortbildungsschule für Krimi nalbeamte gekommen, auf der die Beamten eine tüchtige lackgemäße AuSbildiiNg crl>alten, Tai; in letzter Fett inehrere lchwrrc Perbreckien nicht auiqcdeckt worden sind, beweist nichis gegen d;e Tüchstigkeit der Beamten.
Das Kapitel wird darauf in Ausgabe mit 128 000 Mark gegen die Stimmcii der Sozialdemokraten bewilligt, ebcnto Kap .93, Polizeikaisen, Ausgabe 173 610 Mk. und 31 ÄrhcitshauS Dieburg, Einnahme 28 910 Mk. und Atisgabe 69 471 Mark.
Beim Kav. 35. Kirchen, ?l»Sgabe 18322t Mk., bespricht Abg. Tr. Osann (natt.1 die rechtliche Stellung der Kirchcnbe- omtcu und regt an, ob nicht eine Trennung von Staat und Kirche in iinaniieller .Hinsicht in der Weise durchzuiührcn wäre, daß man die staatliche» Zuschülse an die Kirchen kavitaliiiert und damit die alljährlichen Bewilligungen ini Voranschlag ablöst.
Abg M o l t h a ;r (Zcntr.) bemerkt, c» icicir schon früher über die Ablösung des Ttaatoznichuises Verhandlungen geprlogcn worden. Ten Wunsch zu der Trennung von Staat und Kirche in si nanzieltcr Hinsicht gebe wohl die Tatsache.^daß bei de», alljährlich wieder im Voranschlag zu bewilligenden Staatszuschuß sich eine Polemik anichliesst, die nicht immer sehr crsrculich ist, Redner ersucht die Regierung, die Frage einer genaueren Prüfung zu unterziehen, ob staatliche und kirchliche Interessen eine solche Lösung, wie sic Abg. Osann anregte, als cmvschlcnswcrt erscheinen lassen. Das Kapitel wird daran' genehmigt.
Kap. 36, Landesunivcrsität, mirb bis »ach der Pause zurück gestellt, Kav. 37. Technische Hochschule, ohne Debatte in Einnahme init 307 130 Mk, und in Ausgabe mit 1 399182 Mk. genehmig Beim Kav. 38, Gpinnasien. Realgymnasien, Obcrreal- und Realschulen ustv., Einnahme 1966 713 Mk., Ausgabe 2 973 383 Mk,, kommt Staatsrat Süfsert aus die Ausführungen der Abqg. Dr. Weber und Münch iibcr die ungünstigen Avance»lentsvcrhältnisse bei den Anwärtern für den Höheren Schuldienst zurück und bemerkt.
daß die Tatsache hinsichtlich der schlechten Aussichten richtig sei. Nicht richtig aber sei. daß die Regierung bisher nichts zur Abhilie getan habe. Es sei z. B. veranlaßt worden, daß die Abiturienten auj die schlechten Aussichten für die Amvärter des höheren Schul - > dienstes ausdrücklich hingewicse» würden. Früher seien die Äustel- lungsverhältnissc in hcifeir günstiger getveien, weil etwa 130 Anwärter an andere Slaalcir abgegeben wurden. Run sind aber dort
auch genügend eigene Amvärter vorhanden. Es sei aber zu cr- ivariei,, daß sich in nächster Zeit die Verhältnisse wieder bessern würden.
'Abg. A oI t h g » ' Zentr.1: Ter Finanzausschuß hat einstimmig die Annahme einer Enttchließung vorgcschlagen, die Regierung zu ersuchen, die beiden Darmstädter Gymnaiieu zusammciizulcaen. Ta der Regierungsvertretcr aber von dicicr Sache nicht geivrocken bat „ebmc ich a», daß die Regierung jetzt den Standvunkl des Ausschusses teilt. Wir haften an der Verschmelzung der beiden Gymna fielt seit, weil alle urteilsiabigcu Faktoren der Meinung sind, daß sic durchzuführcn ist und sich damit eine Ersparnis erziele» lässt.
Staatsral S ü s s e r t bedauert, die Annahme des Abg. Mollban über die Anschauung der Regierung zerstören zu müssen. Er habe durch sein Schweigen kciiiestvegs zustinunen wollen. Es sei jetzt eine Zusammenlegung unmöglich, da sür 2t Klassen nur ll Räume zur Verfügung stände». Ter Staat trete im übrigen sür Ersparnisse ein, nw dies nur inöglick sei.
Abg. Tr. Osann znatl.1 glaubt, daß doch eine Zusammen legung möglich sei, eine Meinung, die auch in der Tarmstädter Stadtverordnetenversammlung vorherrsche.
'Abg. u r st a d i frei,, Vv. . Tic Streichung einer 'Anzahl eObcrlchrcrstcllen durch die früheren Zusammenlegungen war ein schwerer Schaden für die Lehramtsassessoren, deren Anstellungs- Verhältnisse in Zukunft sich noch viel ungünstiger gesichten werden .als gegenwärtig. Er bedauere, daß der 'Abg. Münch sich nicht gegen die neue Zusammenlegung in Tarmstadt ausspreckien könne. '.Ran dürfe nicht nur die Sparsamkeit im Äuge haben, mau müsse ■mftfi soziale Rücksichten nehmen. In beionders ungünstigen Zeiten solle man die Anwärter nicht noch mehr schädigen und die Maßregel auf eine Ze>' v-rschiebcn, wo der Andrang zum Lehramt
geringer sei. Tie Ersparnis werde auch nicht groß sein, da die Räume im alten Gyumasium nicht ansreickicn würden, selbst wen» man die Ticnslivohnung des Direktors zu Schulrchimen mache.
Abg. Henrich (sreii. Vv.i tritt für die Zusainineiilegung ein. Früher habe da» alte Gnmnaiium sür eine Schüft,zahl ausgereicht, die größer war, als fetzt die Zahl der Schüler beider Gymnasien zusammen.
Abg. Molt Han (Zrntr.j tritt sür die Resolution des 'Ausschusses ein.
Tas Kapitel wird daraus angenommen, ebenso die Resolntion des Finanzausschusses,
Bei Kap. 10, Lehrerseminare, Präparandcuanstalteu usw. fordert Abg. U r fta d t (frcii. Bp.', daß aus die Prävarandeulchrer, die durch das Gesetz vom 28. März 1912 zu Scminarlcdreru ge Inacht worden seien, nicht die Vorschriften über das Autrllcken in ein höheres Amt angeioendet Ivürden, sondern daß sie nach dem Gesichtspunkt behandelt würden; Emporhebung i» eine höhere Gehatrsllasse, Darnach müßrcn iic nicht in der untersten Gehalts- sknic der Seminarlchstcr ansangen, sondern gleich in dieselbe Ge- haltsklassc komme», in der sie schmi iparcn. Redner kündigt einen Antrag in dieser Richtung a».
Slaatsrat S ü i s c r l ist der Meinung, »lgn sollte nicht sckzo» jetzt nach eben cm verabschiedeter Besoldungsrcsorm wieder mit Abänderungswünschen kommen.
Die Aogg. Bach (natl.f und Henrich (sreii. BpZ besprechen gleichfalls die Wünsche und Verhältnisse der Präparandcu; aus Antrag des letzteren wird das Kapitel au den 'Ausschuß zurück vcrwictcn.
Bei Kav. ll, Volksschickcn, Ausgabe 2713110 Mark, er sucht Abg. K o r c l l - Ingelheim (frei). Vp.i um Ausstellung einer zuverlässigen Statistik über die sozialen^ Einrichtuilge» bei den Volksschulen, Ftühstücksverabreichung, Schwimmunterricht usw. Damit solle Nicht eine Erweiterung dieser Einrichtungen gevlaiil, sondern vicliuchr der Vorwurf widerlegt werden, daß in unseren Vslksschttlcii nicht genug für die soiialc Fürsorge getan werde.
Abg. Raab !Soz., protestiert dagegen, daß die Gemeinden den Teilnehmern a» pädagogischen Konferenzen Diäre» zahlen müssen, die Jungdentschlandtonscrenzeli seien. Wirtliche pädagogische Konscrcnzen hätten gar nicht stattgciunde». die Diäten mußten eben,sür die „politischen" Jiliigdeutschlandkonscrenzcil gezahlt werden.'
Abg. Vach tNail.f.Rach der Annahme der Beamten- und Lehrrrbcsolduna ist loohl die Vorlage der Schulgesetznovelle in nähere Aussicht gerückt, und in Rücksicht daraus will ich heute verschiedene Wünsche zurückstellcn. Der Vorredner ist doch im Irrtum. Solche Jungdeutschland-Konscrenzen können sehr tvvhl als pädagogische Konferenzen betrachtet werden, in denen man sich über die tvickuige Inngdeutschlanosrage mit den Lehrer» unter hält, denn sie birgt neue, große Erzigbungsmöglichkeitcn I» sich und ist somit eine durchaus pädagogische Angelegenheit, Natürlich könnte man nicht jedes Iabr diese Konscrcnzen au die Stelle der pädagogischen treten lassen. Tic amtlichen Konscrenzcm sind cbensalls notwendig.
Staatsrat Süfsert; Dem Wunsch nach einer sozialen Statistik tvcrden wir folgen. Die Ailssühruiigen des 'Abg. Raab hat Abg. Vach schon durchaus zuiresfcnd bcantivortet, so daß die Negierung nichts weiter hinzuzusügeir Hai.
Abg. 'Adelung (Toz.t lstitlc dock gern eine Auskunft von der Regierung über den letzten Punkt gehabt. R>K>ner fragt, ob die Schulgesetznovelle noch von diesem Landtag erwartet werden könne.
Minister v. houichergkt Tie Schulgesetznovelle ist bereits von der Schulabtciliing ausgearbeitct und das Ministerium ist darüber in Beratung getreten. Die Verhandlungen gerieten aber iniolgc der Bcsölduugsrcsorni ins Stocken. Ob sic sicht so gefördert Iverden können, daß die Vorlage noch in diesem Landtag erfolgt, erscheint niehr wie zweiielhaft, dagcae» wird sie
sicher gleich im neuen Landtag vorgclegt tverden können.
Abg. Raab (Soz. )bezwcifclt, ob die Schulverwaltung berechtigt sei, sür die von ihm erwähnten Versanimlungen Gelder zu bewillige» und lstilt seinen Protest namens der Gemeinde ausrecht.
StaatSrat Süfsert erklärt, er könne sich mit dem 'Abg. Raab nicht über die grundsätzlichen Fragen der Iugendvilege
beraten; er halte die Schulabictlung sür volllomnicu berechtigt,
zu derartigen Konferenzen einzuladen. Wenn die EKmeindeu nicht damit einverstanden sind, so töniilcn sic ja den Rechtsweg bcschr-i- tcn.
?lbg, Ulrich (Toz.j, Tie Gemeinden sollten sich eine derartige einseitige Auslegung nicht gefallen lassen.
_ Abg. u r stabt (Frs. Vp.) icagt an, ob Herr Slaatsrat Süfsert den schon von seinem Parteifreund Korell-Ingelheini zur Sprache gebrachten Erlaß der Krersschulkomniissioii Tarn, stabt an den Schulvorstand und a» die Lehrer der einzelnen Sckuilen billige, in dem den Lehrern unwürdige Zumutungen gemacht werbe». Aus weitere Ausführungen verzichtet Redner,
da der Slaatsrat sich bereit erklärt, bei ,Kap. 12 zu antworten. Das Kapitel wird daraus betvilligt.
'Abg. 05 r ii ncwald (tri. Bp.j: Er könne auch in diesem Iahi- seststellcn, daß der Zustand der Laudcsunivcrntät ein blübendcr sei; die Fregueuz stabe sich fortgesetzt verbessert, die Lebrkräiie seien <;ut und ihr Ruf, »amenilich einiger der medizinischen Fakultät angehörige» Dozenten, gehe weit über die Grenzen des Reiches hinaus, aus sie sei ivescullich die Anziehungskraft fiir die Sin diercnden zurückzuiühren. Die medizinitche» Kliniken seien last alle stark belegt, einige könnten dem 'Anorange der Kranken nicht genügen. Die neu geschaffene Luvnshcilstätte weise so starken '.Andrang aus, daß bereits Neubauten nötig geworden seien.
Diese Blüte verdaute die Hochschule der Fürsorge der Regierung und der Ovserwilligkeit der Stände, auch die Stadt Gießen stehe nicht zurück, wenn es geile milzuhclsen zur Förderung der Uniberiität, Ter hochickmle drohe eine schwere Geiahr. Tie neu ins Leben tretende Universität Frantiurt werde ihr eine schwere Konkurrenz bereiten. Zwar sei jeder Widerstand gegen diese Neubildung aussichtslvs gewesen, man dürfe sich auch grnndiätzlich der Schal- iung einer neuen Bildungsvslanzstätte nicht ividcrsetzei, — aber darin müsse lmau einig sein, das; alle beteiligten Faktoren, Staat, Universität, Stadt und die Krait Privater zusammengcsaßt werden, »m die Landeshochschlllc zu stärken. Tics geschehe in erster Linie durch Pflege und Förderung der Spczialinstitute, die uns Frank iurl nicht nach,»acht. Als solche kämen in Betracht die Kin- derklinik. die Lupusbcilstättc, die f o r st w i > s e n s ch a s t l i ch e Ab- teilung. die Veterinärhochschule und das landwirtschastliche Institut. In bezug aui den Ausbau des letzteren begegne er sich mit den Vertretern landwirtichastlicher Interessen; die Pflege der Wissenschaft, ihrer Einwirkung aus die Prans, die Förderung der Hochschule und damit des Staats, zuletzt auch der Stadt, liege ihm' am Herzen Es seien Gedanke» laut geworden, das; man das Ju- fritm von (stießen nach Tarmstadl verlegen könne. Tics sei ganz unniöglich, denn die landwirrschaftlickic Lehre stehe in innigen, Zusammenhang mii der iorstwirtichastlichen und den Disziplinen der Tierheilkunde, außerdem vermöge der studierende sungc Land- wirl ,n Gießen eine Reihe von Eolleftien zu Hörei«, die der allgemeinen Bildung dienen. Tagegen sei es außerordentlich zivcck- mäßig. die landwirrichaftliche Versuchsstation Tarmstadl ' nach Gießen zu verlegen. Er hoffe, daß die Widcnlände, die sich einer wichen Verlegung ganz gewitz entgcgenttcllen werden, überwunden würden.
Tic Regierung stehe dem Ausbau des landwirtschaftlichen Instituts zu Gießen wvblwotlend gegenüber, wenn sie auch bei der anfänglich bestellenden Meinnngsvericknedenheil agrariiichcr Kreise und bei ihrer starken Iiianspruchiiahine buich die Besoloungsvor- tage noch nicht eine bcstiininte Stellung habe nehmen können.
Ter Ausbau sötte dienen vornehmlich der besseren Wechsel wirkung zwischen Wissenschaft und praktischer Landwirtschaft, die Ergebnisse der ersteren sollen der Praxis mehr als seither dienst bar geniacht tverden. Mit großem Elser und hervorragender Wissenschaftlichkeit haben die seither schon vorhandene» Dozenten — die Herren Professor Dr. Gisevius und Tr. Kleeberger — ihre Aus gäbe ersaßt, aber ihre Streifte reichten Nicht aus. Sein — des Redners — früherer Antrag fei nick» konkret genug, er überreiche einen weiteren, der den Umiang und der Maß des Ausbaues bc- zeickme. Werde die Pcrsnchsstatwn nitfit nach Gießen verlegt, so seien neu nötig ei» Ordinarius, zwei Extraordinarien, zwei .(t,c oinil drei Assistenten sowie einige kleine sachliche Etats^sür die neuen Professuren. Tie Mehrkosten, das Personelle lind Sachliche addiert, betrügen 31 Otstl Marl. Werde die Versuchsstation »ach Gießen transferiert,' so verminderten sich die Kosten erbeblich. Tie neuen Tozenten hätten Pflanzenbau, 'Bilanzen und Tierzixchtung, Maschinenlehre, Obst- und Gartenbau U. a, m. zu lehren. Tic Stadl Gießen werde wie seither so i>l Zukunft durch Stellung von Ge- ländensw. dein Institut cnlgcgciikommen. Er denke sich, daß die Regierung jetzt zu seinem Antrag Stellung nehme und vro 1915 die nötigen Mittel in den Etat einstelle. Genäst sei es wünschenswert, znnial Franksurt seine Hochschule schon in 1911 erösine, den Aus bau jetzt schon vorzuberciteii und zu beginnen, er erkenne aber bei der Gcschästslage und mit Rücksicht aui die noch nngeklärtc Frage der Verlegung der Venucktsstation an. daß ans diesem Landtage wohl die Enlsch eidung nicht mehr ergehen könne. .
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Born, Gerichtsvollzieher in Gießen, (3801
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Nächsteu Dienstag, den 24. d. MtS.. vorn». 11 Ubr.
werden auf dein :6'atha>ric .;u Altcndori a. Lda. die
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Zum Kap. 12, Turn und Zeichenunterricht, bespricht Staats rat Süsserl zunächst die Ausbildung der Zeichenlehrer und den hierzu gestellten Antrag des Abg. Münch, dessen Anregungen die Regierung mit Wohlwollen ausgenommcu habe. Es würden dem nächst neue Lehrpläne für den Zeichenunterricht bekannt gegeben werden. Wenn setzt unter dem Zeichen der Jugendpflege auch schick- vilichtige Kinder in die Turnvereine ausgcnomnien werben, so müsse die Regierung doch die Gewäbr daiür haben, daß, vädagoqische Bedenken dabei nicht zu hegen sind. Tie 'Ausnahme der Hchüler und Schiilcrinnen müsse unter bestimmten Voraussetzungen criolgen. Die Regierung habe nicht die Absicht, io weit zu geben, wie es in dem vom Abg. Korell-Ingelhcim erwähnten Erlaß der Kreisschnlkom- miision geschah. Es müsse aber sestgestellt werden, ob der bctrcs- sendc Verein eine Gewähr für die rein turnerische Ausbildung biete. Und die Zugehörigkeit zur deul»>en Turnerschaft biete die (bewähr, daß der Verein keine pädagogiich bcdciiklichen Tendenzen verfolge.
Abg. Korell-Ingelhcim (Frs. Vp.> bemerkt, daß ibm der Erlaß auch in der abgeänderten Form, wie sie Slaatsrat Süssert andentete, nicht gefallen könne. Er halte cs nicht für richtig, daß der OrtSschulvorstand scststcllen soll, dieser oder jener Turn wart behage ihm nicht. Tie Teuisckie Turncrlchait stehe >n,s dem Stand,Ulnll, daß sic ihrcrscfts nicht nach dem politischen Bekenntnis ihrer Angehörigen zu fragen habe. Es gebe auch noch dentiche Turnvereine, i» denen auch Sozialdemokraten Mitglieder sind, so vielfach aut den, Lande, und cs könne dem Vorstand eines Turnvereins nicht znbeniutct werden, erst eine Unicriuchun<z darüber anzustcllen, ob ein Turnwarr eine svzialdemokratischl Gesinnung habe oder nicht.
?Ibg. Adelung (Toz.lz Tie Deutsche Turncrlchait gebt bei Wahlen Flugblätter heraus; Wählt keinen Sozialdemokraten. Tie freien Turner seien nur zur 'Abwehr da; cs werde den Sozialdemokraten oft einsach unmöglich geniacht, andcrei, Turnvereine» als Mitglied anzngchören.
Abg. K o r c l l - Ingelheim; Abg. 'Ädclung weiß so gut loic ich, das; cs noch eine ganze Reihe von Turnvereinen gibt, die seine Politik treiben. Es ist aber vorgekommen, daß die sozialdcmolratischc» Mftglicder von Turnvereinen direkt veranlaßt wurde», ohne weiteres auszutreten und einen besonderen Verein zu gründen, wozu gar kerne Veranlassung vorlag.
Slaatsrat Süssert: Wir müssen jedenfalls dafür Sorge tragen, daß die erzieherischen Ausgaben der Schule nicht durch andere Einslüise beeinträchtigt werden.
Tas Kapitel wird
darauf genehmigt.
Beim Slapitel Jugendpflege wünscht Abg. Wolf- Stadecken, daß die ?lnwn,atcn aut den Bahnhösen nicht außer halb, fondern innerhalb der Bahnsteige stehen, dcinr sic seien dock, sür das reisende Publikum da.
Abg. Lang natl., spricht verschiedene Wünsche bezüglich der Verteilung der Mittel iür die Iugendvilege aus, tvoraui Minister v. .Homberg k erklärt: Tic Mfttel tverden in erster Linie ver wendet sür die Besckmssnng von Turnvlätzen, Turngeräten usw., also sür Einrichtungen, die für die Iugendvilege von dauerndem Wert sind,
Abg. Adelung (Soz.i bemerkt gegenüber der Regierung, Laß die Sozialdemotratcn überall da. wo sie nicht gcmißhandelr würden, sondern man ihnen neutral in Bildungsbestrebungen 'gegenüberftändc, auch stets mitgearbeitct hätten, tvie z. B. bei de, Ausstellung „Ter Mensch". Redner ersucht die Regierung, auch de», Rhcin-Main-Verband sür Volksbildung einen Zuschuß zu lgcwährcn. Tic Mittel für die Iugcndpslege lehne seine Partei ab, weil sie nicht richtig verteilt würden,
Minister v. hombergk: Ter Rhein-Mainische Verband hatte sich um Unterstützung für seil, Verbandstlwater an das Mi - nisterinm gewandt. Darani rntrbe ihm ertuidert, daß Mittel daftir


