Mecum auch von bedauerlichen U n t e rl a s s u n Ae n spricht. Schon beim Austritt ans dem Bahnhof Gießens schüttelt der Fremde unbefriedigt den Kopf. Warum hat man sich jahrelang daniit zufrieden gegeben, daß jenes Gelände linker Hand. daS die Bahn im Besitz hat, ungenutzt und verwahrlost liegen blieb? War es — vorausgesetzt, daß mau niit der Eisenbahnbehürdc aus guten, Fuße lebte! — nicht möglich, das Garlenstück zu erwerben und einen weiten, freien Schmuckplatz anzulegen? Jahrelang lag der Brandplatz verödet und schmutzstarrend da, weil der Oberbürgermcistcr mit dem Militärfiskus sich nicht einigen konnte. Und wie stand es mit der natürlichen Ausnutzung des Lahnuscrs? Konnte dort nicht eine schmucke Promcnadenstraße angelegt werden? Statt ihrer haben wir dort die hammstraßc und ein wahre» Wildwest-Viertel, Stallungen und Wirtschaften, Grammophon- und Ziehharmonika-Kultur . . .
Die über manche städtischen Interessen so notwendigen Verhandlungen mit der Eisenbahnbehördc gehöre» rbcusalls zu dem Kapitel der Unterlassungen, die wir dem scheidenden Oberbürgermeister zuschrciben müssen. Bei den Erörterungen über die Verwendung der Alten Klinik ist ja schon zutage getreten, wie man es nicht machen darr. Lb überhaupt die Möglichkeit einmal ernsthaft ins Auge gefaßt worden ist. daß das oberhcssifchc Geleise verlegt werden könnte, so daß die verhängnisvolle Ein- schnürung der Stadt sortsiclc? Auch dem Ziele einer Haltestelle im Norden sind wir nicht näher gekommen. Tie Nächstliegenden Ausgaben blieben unbeachtet, daiür war uns die Ausarbeitung eines Bahnprojektes in Ktee- bachtal wahrhaftig kein Ersatz. Auch die Verhandlungen wegen des Anlaujs der Biebertalbahn sind erfreulicherweise stccken geblieben. ES darf nicht verschwiegen werden, daß anch der größere Teil der Stadtverordneten bei allen diese» wichtigen Fragen meist gänzlich versagt hat. Sie hätten Sorge dafür tragen müssen, daß die Gelegenheiten nicht verpaßt wnrden und vor allem, daß mit werttragenden Unterhandlungen immer eine Gemeinschast befähigter Herren betraut wurde. . . .
Ein hervorstechender Zug unseres bisherigen Ober- bürgirnicisters ivar.cs, daß er alles möglichst selber erfinden und anordnen wollte. Sein Fleiß würde durch diesen ialalen Trieb beherrscht. Einmal beseelte ihn der Drang, seine technischen Kenntnisse zu verwerten, und so saß er nicht allein den Baiiämtcrn aus dem halse, sondern er wirk-c persönlich in vielen unwesentlichen Ausschußsitzungen. Als Feldherr steckte er in allen Wachtstuben. Dabei geriet er natürlich in Gefahr, die strategische Lage nicht 'mehr genau zu beherrschen. Entbrannte der Kamps um das Er- ierchen irgend eines Bauherrn, so glaubte er, Partei ergreifen zu müssen: "nd wo man sich stritt, sei es um eine Leistung oder Lieierung, oder eine Wirtschastskönzession, so war er immer dabei. In den Stadtverordnetensitzungen hatte er das Referat anch über die geringsten Äletnig- lctten Die Magistratsordnung in Preußen hat dagegen ihre Vorzüge: dort führt ein Stadtverordnetenvorsteher den Vorsitz, und für den leitenden Bürgermeister verschwindet die Versuchung, sich mit Bagatellen aufzuhälten. Herr Mccum war wohl ein zäher, aber kein großer Charakter. Er hatte die Anschauungsweise eines nüchternen, spekulativen Unternehmers, nicht die eines klugen Verwaltungs- laicntes. Man vermißte bei ihm daher häufig die Vornehmheit und Würde des Auftretens, womit er sich a,tch die Popularität verscherzte Bei seiner Ueberlandanlage wollte er auch den Ebsdorfcr Grund gewinnen, und daher nahm er den Kamps mit der Stadt Marburg auf. Er glaubte, recht klug und vorteilhaft für die Stadt Gießen gehandelt zu haben, als er der Marburger Gegend den Strompreis für die Kilowattstunde zu 40 Psg. überlassen wollte, während er im Gießener Bezirk 4ö Psg. verlangte. Ein für ihn bezeichnender fiiranzpoliiischer Kniff, ans den er geradezu stolz war. Dieser geschästsmännischc We.sens- zua war, wie wir ja schon aussührten. auch in seiner Bodenpolitik zu erkennen. Durch seinen Erwerbssinn, den er für die Stadt einsetzte, glaubte er sich Lorbeeren pflücken zu können. Solche Eigenschaften bedingten es aber, daß er die Menschen und Behörden, mit denen er sich dabei ausein-c andcrseycn mußte, beinahe als seine natürlichen Gegner ansah. Das brachte ihm wiederum keine Beliebtheit ein. Sein eignes Werk der ileberlandzentrale gefährdete er, indem er es lauge Zeit unterließ, eine Verständigung und Einigung mit der Provinzbehörde zu suchen: so ivurden seinem Werke wichtige Orte genommen, wie Lich und Grün- bcrg. In den städtischen Ausschüssen argwöhnte er, daß einzelne Stadtverordnete ihr Amt zu persönlichen Vorteilen ausnutzen könnten, z. B. in der „Baudeputation". Ta wurden die Bausachverständigen als „Egoisten" in andere Ausschüsse abgeschoben, bis er dann freilich das Widersinnige dieser Vorkehrung einsah und zu dem früheren Zustande zurückkehrte.
Andern traute er wenig zu, und so »erschloß sich Herr Mecum mancher wohlgemeinten und nützlichen Anregung. Seine Ideen zu verwirklichen, daran setzte er alles und Statistik, mit der man belanntlich alles beweisen kann, spielte bei ihm eine große Rolle. Er hatte noch andere Kunstgrisfe, um bei den Stadtverordneten Gcgcumeiuungeu zu cntwajsnen. Schließlich traute mau ihm nicht mehr recht, und wenn er auch die Wahrheit sprach. Daß er die Mitwirkung der Oessentlichkctt nur in beschränktem Maße liebte, ist noch aus de» letzten Tagen bekannt.
Bei der Zähigkeit, mit der Herr Mecum seine Ideen durchzusetzen bemüht war, ist es überraschend, daß er dennoch manchen Wechsel seiner Meinung kundlal. Wir erinnern an den Streit über die Verwendung der alten Klinik, wo er zuerst gegen den Umwau des Gebäudes war, später jedoch nch dafür einsetztc. Als die Frage zu läsen war, ob die Stadt gegen die Errichtung einer Universität in Frankfurt Einwendungen erheben solle, erklärte er zuerst, man müsse die Frankfurter Gefahren abzuwehren suchen, um dann — wie uns wenigstens von einem Stadtverordneten versichert wurde — in einer späteren Sitzung die weitere Verfechtung dieses Standpuntles als „Krahwinkelei" zu bezeichnen. Ta er zu viel Pläne und Absichten versolgte, vertrat er nicht immer eine gefestigte, wohlerwogene lleberzeugung. Blickte mau ihm lieser in sein politisches Gewissen, so stand sei» Verhalten oft keineswegs ganz im Einklang mit seinem dcmokratijchen Bekenntnis. Er war vielleicht der Meinung, da» die „stürmische Entwicklung" der Stadt eine behagliche Lonhomie ihres obersten Leiters schlecht vertrage. Und doch hat man es so häufig bedauert, daß dem städtischen Lberhaupte jener wohltuende, patriarchalisch« Geist fehle, der auf die Eiuwohnerschast belebend uno bildend gewirkt hätte.
Herr Oberbürgermeister Mecum hat in Gießen ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben geführt, und die Schlichtheit seines persönlichen Umganges hatte wiederum
auch etwas Gewinnendes. Er stellte die Arbeit für die Stadt allem anderen voran. Darum schließen auch wir uns den Wünschen des Seniors der Stadlverordnclcn an, die er dem Scheidenden in der letzicn Stadtverordnctensitzung dar« brachle: Möge Herrn Oberbürgermeister Mecum im ichönen Godesberg ein angenehmer Lebensabend bcschieden sein!
Au» StuSt und LanS»
Giehe». Li. März 1914.
" 2 s fen c Le h r e r stc Ile n. Erledigt sind: Eine mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Volksschule zu Schönnen. Das- Präsentationsrecht steht dem Herrn Grasen zu Erbach-Erbach zu. Eine mit einen, evaug. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Volksschule z» Alten Hai n, Kreis Schotten. Mit ihr ist Organisten-, Kantoren- und Lektorendienst verbunden. Dom Inhaber kann eine Ortszulage bewilligt werden.
"Allgemeiner Fl e > s cb a d sch la q. Einen allgemeinen Fleischabschlag in sämilichen Fleisch- und Wnrstwaren bab. >- alle Gießener Metzger für den nächsten Diontag geplant. Ochsen-, Rind- und Schweinesteisch wird 2 bis 4 Pfennig das Piund billiger sein, Wnrstwaren bis zu 10 Pfennig. Mettwurst noch ciwaS mehr. Kalbfleisch hat schon am letzten Mittwoch eine herabminoerung im Preise erfahren.
' Der Flieger, von dem ivir gestern berichlcte». wollte gestern morgen seinen Flug sortsegen, wurde ober durch den heiligen Wmd daran gehindert. Er stieg aus, kam aber nicht geling in die Höhe, so daß daS Flugzeug die Kirschboumallee dcS Triebs streifte und beinah« gegen die . Germania * gestoßen wäre. Darauihin flog er in großem Bogen über die Wiesen und den Philosopheuwald zurück, m» donn auf dem Trieb zu landen. DaS Flugzeug stand einige Male vollständig ichief, so daß inan jeden Augenblick einen Unfall befürchten mußte. Ter für mittags geplante Aufstieg mußte ebenfalls wegen des stürmischen Wetters nnterblcibeu: .erst heute morgen um 9 Uhr konnte der Flug fortgesetzt werden.
** Der Kindergartenverein uitb das Gieße n c r Fröbcl-Seminar veranstalten am Montag, 23. März, abends 8l , Uhr, im Saale des Hotel Schütz einen Vortrag. Das Thema: Die Kindergärtnerin und die Fröbel- iche Kiiidcrpflegerin ist jetzt, wo ivicder eine große Anzahl Kinder einem Berufe zugesührl werden sollen, von ganz besonderer Bedeutung. Die Vortragende, Frl. Hedwig Hübner verfügt über eine reiche Erfahrung und versteht cs vortrefflich, ihren Zuhörern in fesselnder Weise den Gegenstand darzustellen.
** Der Tierschutzverein hält am 30. März, abends 8 1 /« Uhr, im Hotel Kaiserhof seine ordentliche Generalversammlung ab. Unter anderem ist auch ein Vortrag mit öffentlicher Aussprache über die Errichtung einer Fahrschule
vorgesehen.
** Gruudstücksverkehr. Grundstücke zu Gießen, die auf den Namen des Eugen Asprion in Coblenz und dessen Ehefrau Auguste gcb. Plank eingetragen waren, sollen Jrc>- lag, den 15. Mai 1914, vormittags 9 Uhr, durch das Amtsgericht Gießen, im Wege der Zwangsvollstreckung vcrstcigcrl werden.
— Grundstücke zu Alsbach, die aus den Namen des Johann Jakob Schaub ach in Alsbach und dessen Ehefrau Anna aeb. Seibert eingetragen waren, sollen Montag, den ll. Mai 1914, nachmittags 3 Uhr, auf dem Rathause zu Alsbach im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. — Grundstücke zu Neu-Isenburg, die <ru> den Name» des Jose, P t e u i t c r , Bäcker in Hausen, und dessen Ehefrau Agnes geh. Dolsrum. eingetragen waren, sollen Mittwoch, den 6. Mai 4914, nachmittags
4 Uhr, am der Bürgerm islerei zu Neu-Isenburg im W gc der Zwangsvollstreckung ver e gert wer en. — Grundstücke zu N,e- der-Gcmünden. die aus den Namen des Gastwirts Philipp
5 ö d l e r und seiner Eheirau Elise aeb. Aber zu Nieder-Gemünden mittags 9*/» Uhr, auf dem Geschäftszimmer des Ortsgerichts eingetragen waren, sollen Mittwoch, den 10. Juni 1914, vor- Niedcr-Gemünden im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden.
** Güterrechtsregister. E r r u n g e u scha i ts g e-
meinschaft haben vereinbart: Wilhelm Nieder, Metzger, und Helene gcb. Wechsler, beide in Opvenheim, Johannes Scherer der zweite, Landwirt, und Ehefrau Marie geb. Barsch zu Dornberg.
— Gütertrennung haben vereinbart: Jakob Giel, Schlosser zu Seligenstadt, und dessen Ebeirau Anna Marie geb. Jäger. Franz R ü ck e r t 6., Dachdecker zu Seligenstadt, und dessen Eliesrau Sophie gcb. Heuser, Johann Heinrich Reinhardt, Stukkateur, und dessen Ehefrau Frieda geb. Grüncwald, beide in Osienbach g. M.
** h a »de l s r e g l st c r. In das handelsregistcr A wurde bezüglich der Firma „W i l h e l m Möser zu Gießen eingetragen : Der Karl Albert Ehefrau, herminc gcb. Möser zu Gießen ist Prokura erteilt worden.
Starkcnburg und NHZnhesscn.
— Heid eS heim. 21. März. Zu dem Mordversuch am hcidesheimer Bahnhof fanden am Donnerstag nachmittag durch den Untersuchungsrichter am Landgericht Mainz, Geh. Justizrat hattemcr, iimiangreichcZeugenvernehmungen statt. Nach den bisherigen Feststellungen dürste gegen den Täter das .hanptverfahren wetzen Mordversuchs nicht eingeleitet ivcrdcn, da es sich offenbar um einen gemeingefährlichen Geisteskranken handelt, der voraussichtlich auf Lebensdauer einer Irrenanstalt überwiesen lvcrden dürfte. Der Täter hat schon wochenlang vor der Tal Spuren von Geistesgestörtheit gezeigt. Ter verletzte Vater ist in einigen Tagen wiederhergestellt. Die Ettern und Geschwister des Täters haben von dem Rechte der Zcngnisvcrweigerung Gebrauch gemacht.
ch. Bingen, 20. März. Die schon längst gehegte Vermutung, daß die seit dem 17. Februar von hier spurlos ver schivundcneFrauProsessor Kreisel und i h r achtjähriges T ö ch t e r ch c n nicht mehr unter den Lebenden weilen, ist nunmehr zur Gewißheit geworden, hier traf die Nachricht ein, dag nn Rheine bei Kalten« Enaers eine weibliche Leiche gelandet worden und dasß Dies die Leiche der Frau Kreisel sei. Da in der letzten Zeit jedoch solche Nachrichten schon öfter eing.troffen waren, wurde auch dieser wenig beigeiuesscn. Nunmehr hat die Untersuchung einwandfrei festgestcllt. daß es sich um die Vermißte handelt, da Wäschestücke mit ihren Ansangsbuch- staben gezeichnet lvaren. Ferner wies der Trauring der Leiche die gleiche lvlavierung, wie der der Frau irreisel aus. Zum s-chluß konnte auch nach dem Gcsichtsausdruck die Identität festgestellt werden. Das Kind ist sicher von der ncrvenkranlcii Fra u in den Rhein geworfen worden.
Va; Vampferu ! lid in Venedig.
95 e ne big, 20. März. Nachdem die ganze Nacht an der Unglücksirelle gearbeitet worden war, fand ein Taucher heute morgen 5V, Uhr das gefunkene Dampfboot. Wie er behauptet, befinden sich in dem Boot noch Leichen. Die Mannschaften der Kriegs chifse, insbesondere die der kaiserlichen Jacht „hohenzollern" und des deutschen Panzerkreuzers „Goeben", arbeiteten mit einer wahren Selbst, aufopferung. Bis in die ersten Morgenstunden sind dreißig Leichen geborgen worden; etwa dreißig Leichen werden
noch im Innern des gesunkenen Tampsbootes vermutet. Tie Bergung ist sehr schwierig, weil die gesunkenen Telle des Schiffes auf dem Meeresgründe versanden.
Dtc Blätter bringen zahlreiche Einzelheiten über die gestrige Katastrophe, bei der sich ebenso heroische wie er greifende Vorgänge absvielten. Einzelne Matrosen retteten mehrere Unglückliche nacheinander. Ei» Boot des Kreuzers „Ferruccio" nahm eine junge Französin aus, die unter herzzerreißendem Schreien und wahnsinnigem Lachen nach ihren beiden ertrunkenen Kindern rief. An Bord der „hohenzollern" brachte man einen juiitzen. Ungar, der seine Frau verloren hatte: sie befanden sich seit vier Tagen auf der Hochzeitsreise. Ter Schiffsleutnant Cossi, der ins Wasser gesprungen war, um die junge Frau zu retten, wurde von einer ganzen Schar Unglücklicher umringt, die sich verzweifelt an ihn klammerten und ihn mit sich in die Tiefe rissen. Die Deutschen Karl Woltz und Gustav Neumann, sowie Einil Prochi aus Budapest schwammen einer Schaluppe entgegen und wurden von ihr aufgenom men.
Unter den Opfern befinden sich der Mechaniker Friedrich A l b i g aus Berlin, ein Ehepaar Bauer und ein Johann Otto aus Berlin. Bis 11 Vs Uhr nachts lagen im St. hc- leua-Marinehospttal 20 Leichen, die noch nicht rekognosziert waren. Während der ganzen Nacht wurde die lln- glückSstelle mit einem starken Scheinwerfer abgesucht, um noch Leichen aufzufinden. Die Trauer in der Stadt ist groß. Die Theater haben ihre Vorstellungen eingestellt, mehrere ctzasthöse sii,d geschlossen Alle zu Ehren der deutschen Schisse geplanten Empfänge sind abgesagt worden.
Venedig, 20. März. Köntreadniiral Sonchoi, Hai die für Samstag an Bord des „Göden", und für Sonntag an Bord der „hohenzollern" angciagtcn Empfänge äb gesagt Ter Gemeinderat beschlost, die Traucrseierlichtzei- ien aus Rechnung der Stad! zu übernehmen, besglcia^n die Kosten für die Beisetzung des bei seinen heldenmütigen Rettungsversuchen ums Lebest gekommenen Schisfsleutnants Bossi, an der auch die Offiziere der deutschen Schiffe teilnehmen werden. Gegen Abend wurde der Dampfer in das Arsenalbassin eingeschleppt. Mau fand darin nur noch zwei Leichen, die eines Mannes und einer Frau. Da jedoch die Leichen von mindestens drei vermißten Personen fey. len, befürchtet man, daß die Flut di'se Opfer entführt hat. Dieses erhöht die Ungewißheit und die Befürchtungen Dennoch hofft man, daß die Zahl der Opfer kleiner ist, als man zuerst angenommen hat.
Nach der Schilderung eines 'Augenzeugen, der sich tu der Nähe der Maschine des Dampfbootes befand, lvaren etwa 00 Passagiere an Bord. In dem Augenblick der Kata strophe verlor der Steucrniann die Geistesgegenwart; seine Versuche, den Zusammenstoß zu verhindern, waren erfolglos: denn iin Maschinenraum war niemand. Beim Zusammenstoß sprangen der Maschinist »nd der Heizer, die cbensalls auf Deck gegangen waren, ins Wasser und suchten sich durch Schwimmen zu retten. Das Torpedoboot machte die grüßten Anstrengungeil, um einen Zusammen stoß zu verhüte», aber vergeblich. Die Wand des Dampfers ist glatt durchschnitten worden und der Dampfer begann rafch zu sinken. Tie ganze Katastrophe dauerte nur ein paar Sekunden.
Andere S ch i f f s u n s ä l l e.
Bilbao, 20 März. Ter Rostocker Frachidampfcr „Franzista Fischer" ist gestern, geschleppt von einen, spanischen Dampfer, mii gebrochener Schraube hier angekom- wcii. Be, der Einfahrt in die Reede riß das Verbindungs tau zwischen den beiden Schisse». Der deutsche Dampfe, trieb steuerlos gegen die Klippen und scheiterte. Drei Schlepper rciteteu die Besatzung.
Bei Philippsville fAlgerieni gang das Schisferboot „Charlemangne" mit seinem Eigentümer und dessen drei Kindern unter.
Geschäftliches.
— Aus Bad Sooden lWcrra sendet nnL Gcb. Sanitätsrat Dr. Sippclt folgende Meinungsäußerung: „Außer Lage und kliniatiichcn Verhältnissen dürften auch die Zusammenictzung der Kurmittel und ihre Anwcndungsinöglickikl'it eine .Hauptrolle bei der Wabl eines Hrtes für Frühknre.u bilden. Hat imS der Winter Erkäjtuiigskrankßcitcn gebracht, die unseren AlmungSoraa- ncn Schaden verursachten und ernste Folgen hier zu hinterlaksen drohen, so wird inan, wie leicht einzn'.ch'N ist, immer gut daran, tun, beizeiten einen Badeort auszusucheii. der in geschützter Lage möglichst viel sonnige warme Frühlingstage, verspricht >mi> womöglich auch Gelegenheit zu Inhalationen ter verschiedensten Art gewährt. Auch Rheumatiker »nd Gichliker, dencu der Winter mehr oder weniger stark mitgespiclt hat. iollten sich früyzcitig aus- Machen, um in Solbädern Heilung zu suchen. Daß iür viele bet der Wahl eines Badeortes die Nahe des Waldes nicht unberücksichtigt bleiben solilc, läßt sich durch zahllose Beispiele belegen, und dies beweisen unter anderem die glänzenden Ei'falge, die ; B. Bad Sooden an der Werra in Hessen mit seine» herrlichen, dicht an den Ort sich anschliesicndcn Waldungen auszuweisen hat. Alles in allein lehrt die Errahrimg. daß die zeitigen, im Frühjahre gebrauckuen Kuren einen besonders guten Erfolg verspreche», und auch manchem erholungsbedürftigen Menschen, der durch an- strengendc Winterarbeit eine Einbuße seiner Arbeitssähigkeir erlitten, darf man fic auis wärmste empfehlen.
— Eine s p a i s i g c Antwort. In der Schule ist hem Gcographiestuird». Tie llcincn Neunjährigen versagen leider in den meisten Fragen — wie kann man mit neun Jahren auch wissen, wie die Planeten alle heißen, wie groß die Erde ist und >vas derlei schwierige Fragen sonst sind. Der Lehrer möchte schier mutlos werden — schließlich versucht cc es doch noch mit einer letzten Frage: „Wer lann mir sagen, was ein Globus ist?" Soiort erhebt die ganze Klasse wie ein Mann die Hand, einer überschreit den anderen, und aus 35 frischen Kinderkehlen schallt es ireudig: „Ein Globus ist ein P » tz - E j t r a 11!"
Amtlicher Wetterbericht.
O e i i e» t l i ch e r W e I t c t b i c n fl , Gießen. Deileran.rsichtkn in Hessen am Zennlii, de» 22 Rlärz 1014: Wcclüelno vewtzll», mild, vere>nzelie Niederschläge: Winde auS westliche» Richtungen.
Ein vernachlässigter
Schnupfen rächt
sich oft bittet. 209611


