Nr. 66
Ter «Hegesrr Ssjeiftf etVbnTTt iägfid), rutfeer EmartagS. - Beckagen: ntftm«l ipiSebentttch 6ictam£<naif ienbUitlt:; zweineat wöchenll.ilreir- U«<1 fit 6« Kreit 4ittfn r*w»iStag »nd Frrttag): zweimal monatl. tont- wiellchafttich» öeitfragen iremjprecfe - Anschlütze: We die Redaktion 115, Verlag n. Expedition 51 SIbrefie iür Depeschen: Anzeiger Gieße». Annahme «n Anzeigen Klr d«e Tagesnuminer bis vormittags S Uhr,
Erstes Blatt
164. Zahrgavg
Donnerstag.
General-Anzeiger für Oberheffen
Rotation;-n«k »nt Verlag tzer vrStzl'schen U»i».-Si>ch »nt 81«i»»ru<rrri R. k«,ge. R«fc«W««, Lrpe»tti»n und vruckerei: Schulstraftr 7.
I». März t9M
yezuqdvrei»:
monatlich 75 Bl., viertel» jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- n. Zn-eigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost ivik.2,— oiettel« jährl. ausschl. Aestellg. Zeilenpreis: lokallbPj. auswärts 20 Mennig. Chesredakteur: A, Goetz. Leranlwortlich für den volit. Teil: 2lug. Eoetz; iür .Feuilleton", .Vermischtes' und.Gert chis- jaal": Karl Neurath; für .Stadl und Land": Kurt Kendl; für den Anzeigenteil: H. Beck,
Die heutige Nummer umfaßt 10 Seiten.
welfenprinz und welfenfonds.
Am gleickmu Tage, da inorgens de», Welsensterzog in Braunschweig ein Sohn geboren wnrde, hielt in Berlin die „Deutsche Mchtspartci" eine Tagung ab, und ihr Hempi rcdner sprach von der „Antastung des Privateigentums der vertriebenen Fürsten" und von den, „geraubten 'Fürstengeld", mit dessen Zinsen inan die Schulden des Schwiegervaters eines preußischen StaatsministrrS bezahlt und'die Presse beispiellos korrumpiert habe usw. Damit ivar der Wclseujonds gemeint, und man kann nicht leugnen: an der Wiege des kleinen Prinzen in Braunschweig wird die Frage wichtig und attuell, ivas cS heute mit dein Welfensonds für eine Bewnadtnis hat, >vo er sich befindet, lvie groß jetzt die Zisser dieses Riesenkapitals ist und wie cs jilii zmn übrigen Vermögen des braunschweigischen HerzogS- hauses verhält. Schlägt man z. B, Meyers großes Konversationslexikon nach, so findet man darin die Angabe, das Kapital des Welfenfonds betrage 60 Millionen Mark, Diese Summe sei in ihrer vollen Höhe dem Herzog von Cuiiibcr- land ausgczahlt worden, als infolge des Brieses des Herzogs vom 10. März 1892 an Kaiser Wilhelm II, die Beschlagnahme des Welfensonds- aufgehoben wurde. Im Falxre 1907 hat die Braunschweigische Landeszcitung die „berufene Stelle ig Berlin" über die Angelegenheit um Anskunst gebeten und die bestimmte Erklärung erhalten, das Kapital sei tatsächlich in seinem vollen Betrage, nämlich mit rund 60 Millionen Mark, im Jahre 1892 ausgezahlt worden, Roch am 4. März 1913 erklärre die Redaktion von Meyers Konversationslexikon in cirier Zuschrift an die „Leipziger Reuesten Nachrichten", sie habe keinen Anlaß, ihre oben-: genannte Darstellung zu ändern.
Demgegenüber erklärt der frühere Regierungsrat Rudolf Martin in seinem „Jahrbuch der Millionäre in Braunschweig usw," ans das bestimmteste, der sog, Welseufonds sei niemals ausgezahlt worden und befinde sich noch heute bis auf die letzte Mark in der .Hand der Krone Preußens, Er bestehe auch nicht aus 60 Millionen Mark, sondern nur aus 48 Millionen und werde vom preußischen Finanzministerium verwalket, das diese 48 Millioiie» Mark in das preußische Staatsschuldbuch zu Berlin. Oranicnstr, 92, lnibe emirngr» lassen, Tie Auszahlung dieses geivaltigen F-ouds von 48 Millionen Mark, der das Fideikommiss des Hauses Braunichweig-Lüneburg bildet, an den Herzog von Eninberland bezw, au,den jetzt in Brannschweig regierenden Herzog Ernst August könne nur durch ein neues preußisches Gesetz unter Mitwirkung der beiden Häuser des Landtags geschehen. Es steht also hier Meinung gegen Meinung,
Tatsache ist folgendes: Dem früheren König Georg V. von Hannover war durch Vertrag vom 29. Sepiember 4867 eine Abfindungssumme von 16Millionen Talern zugestan- den worden. Das wären also die 48Millionen Mark von den Zinsen wird nachher die Rede sein). Am 2. März 1868 sah sich jedoch das preußische StaalSniinisterium veranlaßt, König Wilhelm I. vorznschlagen, „durch einen Akt der Gesetzgebung das gesamte Vermögen des Königs Georg V. für die Sicherheit des preußischen Staates, die Abtvehr der vorbereiteten Angriffe und für alle Konseguenzcn der staatsgesähr- lichen Unternehmungen dieses Fürsten und feiner Agenten, sowie für die dem preußischen Staate dadurch verursachten
Kosten haftbar zu machen und dasselbe zu diesem Behuf unter Sequester zu stellen, ohne die Rechte des Gcsamlhauses Brannschweig an der S u b st a n z des fürstlichen Fideikommisses zu beeinträchtigen". Durch preußisches Gesetz vom 10, April 1892 wurde jene Beschlagnahme talsächlich ivicder aufgehoben. Die Aushebung der Beschlagnahme bedeutet aber nach Ansicht der einen Jurislenparlci nichts anderes als die Herstellung des Zustandes vor der Beschlagnahme am 2, Mürz 1868, und damals galt der Vertrag zwischen König Georg V, und der preußischen Krone vom 29, September 1867, worin sich diese verpflichtet hatte, die Zinse n der 48 Millionen Mark in halbjährliche» Raten auszuzahlen. Außerdem halte der preußische Landing in das Gesetz vom 28, Februar 1868 einen Paragraphen gebracht, der ihm das Recht sichert, bei der Frage über die Sicherstellung und Auszahlung des Kapitals gesetzlich rnilzuwirken.
Nach dieser Rechtslage hat also der Deutsche Kaiser, König vou Preußen, immer noch das Hauptvermögen seines Schwiegersohnes und seines jetzigen Enkels in Händen und in Berwallung, und nur ein preußisches Gesetz konnte das Kapital wieder in das Eigentum der Welsen zurücksallen lassen. Mindestens 24 Millionen Mark, mit Zinseszinsen mehr als, 30Millio»cn Wark hal das Welsenhaus durch die vier- undzwanzigjährige Beschlagnahme von 1868 bis 1892 ocr- I o r e n.
Die 48 Millionen Kapital (Fideikommiß im preußischen Staatsschuldbuch) bilden, was nicht übersehen werden darf, den Hauptteil und Grundstock des Weifenvermögens, also der finanziellen Machtsüllc, die dein jetzigen Neugeborenen in Braunschweig einst zusallcn wird. Hinzukommen noch 12 Millionen Mark englische Konsols, die König Georg V. vor 1866 in London deponiert hat. 10 Millionen altbraunschweigisches Fideikommiß, 10 Millionen Juwelen, Silber, Mobiliar usw,, eine Million bares Allodialvcrmögcii, das im Jahre 1892 von Preußen ausgczahlt wurde, fünf Millionen Vermögen der Herzogin von Eumberland und endlich das 30 Millionen betragende Erbteil aus dem Nachlaß des Herzogs Wilhelm von Braunschweig (einschließlich der Schlösser und ihrer Einrichtung). Das sind alles in allem 116Millionen Mark, die sozusagen an der Wiege des Herzogkindes in Braunschiveig liegen.
Die Geburt des Erbprinzen von Braunschiveig,
Braunschweig, 18, März, Ans höchsten Befehl wird nachstehender ärztlicher Bericht zur öfscntliche» Kenntnis gebracht; Das Befinden Ihrer Königlichen Hoheit der Herzogin Piktoria Luise und des neugeborenen Erbprinzen ist ausgezeichnet. Krukenberg, Dr, E, Lirrtz,
Die Kunde von der Geburt eines Erbprinzen durcheilte heute morgen lvie ein ibrnffener die Stadt und fand überall freudigen Widerhall, j3He öffentlichen und privaten Gebäude sind beflaggt, die Schulen sind geschlossen. Um 9 Uhr 6 Minuten begann das Salutschießen aus dem Löwen- ivall, dem eine große Menschenmenge beiwohnte.
Die Sitzung der braunichweigischen Landesversammlung
gestaltete sich an, gestrigen Mirttvoch zu einer Festsitzung, Präsiden! Krüger vielt eine Ansprache, in der er sagte: Wir teilen die Freude des vvhen Elternpaarcs und die trendige Erregung der Bevölkerung, daß heute den, Lande ein Erbprinz geboren ist, und demnach »och menschlicher Voraussicht ei» weiteres Blühen des alten Lerrscherstamincs geiiä>ert ist. Möge dieser junge Sproß vom allen Welsenslammc in lrästigcr Gesnndlicil heranioachsen zur Freude der hohen Eltern »nd zuni Segen des Landes, über
das zu herrschen er dermaleinst berufen sei» wird, (Lebhafte Zusttmnrung,) Tie Versammlung gab ihre Zustimmung, daß dem Hcrzogsvaar durch das Präsidium die Glückwünsche des Hauses mitgctrilt murdcn.
Eine Welfentagung in der Reichshauptstadl,
Berlin, 18. März, Unter dem Vorsttz deS Vizelandmarschalls o, Ocrtzen iLci- tin) und in Anwesenheit fast sämtlicher, der Partei angehättgen, Reichstags- und LandiagSabgeordneten trat heute im grotzen Saal des Architektcnhauscs zu Berlin die Deutsche Rechtspartei zu ihrem diesjährigen Parteitag zusammen,
Rechtsanwalt Martin (KasscO sprach über das Thema: „Ter Rechtsgcdanke, seine Entwicklung »nd seine Zukunft," Der Rrdner bob ». a hervor, die bcichlagnahmten Zinsen des Vor mögenS der dcpoycdicrtcn Fürsten seien zu allen möglichen und unmöglichen angeblichen preußischen Slaatsnotwendigkeitcn vcr weichet worden, „Unsere nattonalen und konservativen Kreise haben das Bewußtsein für wahre Volksrechte verloren und steuern immer mehr der Revolution^ zu. Demgegenüber bleibt die Rechtspartei unentwegt aut dem Standpunkt des Rechtes »nd den alten Anschauungen bestehen, wie sic in den 60cr Jahren von den alten preußischen Konservativen vertreten tvurdcn. In Brannschweig bat ja das Recht schließlich gesiegt. Wen» aber der regierende Herzog eine andere Frau genommen hätte als die Tochter des deutschen Kaisers, dann hätte er vielleicht doch noch lange warten müssen. Wenn Gott will, wird er vielleicht auch anderswo noch als in Deutschland das Recht siegen lassen," Rcdner schloß: „Unentwegt im Kampfe sür das Recht, der Sieg ist endlich doch unser!"
Reichstagsabgcordnctcr A l p e r s iHamburgi sprach über den „Ausbau des Deutschen Reiches", Eine Ansgcftaltling des Reiches t» föderativem Sinne sei nötig. Das Recht müsse wieder als Norm auch in der Politik ancrlannt werden, Tic Fürsten müßten über den Parteien stehen und die Eigenart ihres Volkes schützen und pflegen. Heimatliche, selbst als Parttkularismns, sei das Krätterescrvoir des Germanentums in den Tagen der Not und Gefahr, Tic n i e d e r s äch i i s ch c n .Hannoveraner hätten Anspruch aus staatliche Selbständigkeit, TaS Bündnis mit Oesterreich sei noch enger zu schließen. Zwischen Deutschland und England mutzten ferner 'Abmachungen zwecks größerer Einheit der HccreSorganisation und der Führung getroffen werden Ein Anschluß Hollands an das Reich würde ein großer moralischer und materieller (tzcwinn seilt. Auch nach den ilandinavischen Völkern müsse eine Brücke geschlagen werden Tann könne das Deutickie Reich und Oesterreich zur Zentralmacht eines mitteleuropäischen Völker- und Friedensbundes werden,
Tic Versammlung „ahn, folgende Entschließung an:
„Tic deutsche Rccknspartci b c harrt aus ihrem in der Begründung unwiderleglickzen Protest gegen daS Unrecht, dgtz dura: Bundesbruch älteste deutsche Fürstenhäuser cnttbront wur den, tun freie urdeutsche Völkcrstämme dem preußischen Staate cinzuoerleiben und daß gleichzeitig bei der Trennung von Oesterreich aller und jeder staatsrechtliche Zusammenhang mit ihn, zerrissen würbe. Die deutsche Rechtspartei bebarrt zu Ehren deutscher Treue auf diesem Protest als eineni notgedrungen,',, BnhrhcitSzeugniS gegenüber der Tatsache, daß statt des er hofften „Reiches der Gottesfurcht.und edlen Sitte" Rechtsoer, jeuguung, nationale lleberbebung, eine tvachiende Verwilderung der Sitten nnd ein unseliges Rüstungsstcber' der Völker ein gerissen und, Die deutsch» Rechtspartei ist darum krine-'tvegs ein Gegner des iktzigen deutschen Reiches, noch weniger will sie ibm eine Geiahr sein: ne erstrebt vielmehr seine Festigung und Ausgestaltung ,u einem wahren Reiche deutscher Nckkton mit einer in sich gesicherten Rechtsgewalt, Tie deutsche Rechts vartci hält cs für die Ausgabe bes deutschen Reiches, daraui Kinziiwirken, daß oor dem Geiste und der ,vachsenden Kraft dieses Pan ihnr selbst gerufenen Reiches Preußen sich beugen muß, daß die Mißgestalt eines besonders zentralisierten über
Sin rlniverfitätLMUseum.
Aus Neubork wird uns geschrieben: Die großen amerikanischen Universitäten verfügen im allgemeinen über Mittel, um die sic jede europäische beneiden würde, Wir meinen damit nick» allein utaleriellc, sondern auch Bildungsmittel, So ist an die Harvard-Unioersitä, ein Museum angeglicdcrt, das jeden Der gleich mit den ersten cutapä,scheu Privatsammlungen aushält. Es ist Fvgg Art Museum gcnatint und ist zmri anderen grotzen Boftoner Galerien benachbart: den, städtischen Museum dort nnd der Sammlung Gardner,
Welche Schätze es birgt, läßt sich gerade jetzt gut übersehen, denn nach längeren Reparatur- und Erweiterungsarbeiten ist das Museum »cu eröffne, worden. Der Kern der Sammlung, ihr schönster Bestand, ist eine Reihe von italienischen Primitiven, vielleicht die reichhaltigste, die in Amerika zu finden ist. Mit ganz erstklaiiigcn Werten sind die, frühen Sienescr Meister vertreten, so Ämbrogio Lorenzclti mit einem Altarsragment, die heilige Agnes darstellend. Maiteo da Siena mit einem „Hiera,>y- »lus im Gehäuse", datiert vom Jahre 1482, Angela Gaddl mit einenr wundervollen Altar, dessen einzelne Bilder: Geburt Christi, Kreuzigung und Kreuzabnahme von monumentaler Austastung sind. Sie -Ile übertrisst aber der große Altarvorsatz von Ben- tieituto dl Giovanni, um den Siena das Fogg Art Museum am meisten beneiden dürste.
Ausgezeichnet vertreten sind auch die anderen italienischen Schulen, Aus der venezianischen stammt eine Madonna mit Kind, die aus die Umgebung Gwvanni Bellinis binweist: eine heilige Familte oon Pinturiechiv, die sür die Familie Borgia gemalt worden ist. > e»rä,enlier! die Blütenit des Künstlers, Lcanüro Baiiano erscheint mit zwei besonders schönen Bildern aus feiner besten Zeit, — um nur einiges zu nennen.
Sowohl das Horvacd-Muieiini lvie anch das stäöiitchc in Boston sind gcwölmlich sehr jästccht besuch,; iver sollte hier auch unter der Woche Zeit haben, diesen Dingen ein paar stunden zu opjcrnd Tic Mustumslcitungen müssen schon ein übriges tun, UIN Besucher, wenn Ntä.t in Scharen, io doch in größerer Zahl, her beizuziehen Dies geschieht gewöhnlich dadurch daß man in den Museen Spezialausstellungen" verunstaltet, »nd das bat man denn auch onlätzltch der Neuervisttung der Haroard-Galene getan, Gne Ausstellung europäischer uud orieiitalrschcr Mimaiurcn ist zrerzeit dort zu sehen, die ihresgleichen such« nnd Ivrcder einmal zeigt welch graßer Terl derarttger Schätze aus Europa und Auen bereit- nach Amerika gewandert ist V-.'le davon Nammen aus Prwatbesitz' io kommen znm Beispiel einige Blätter aus dem Albiru, des Emirs von Bokhara llv, und 17, Jahrhundert aus der So«rmlmi- Pierpont Morgan-: -S sind perirschc Arbeiten, tue in nckmtiSfeSer Anssührnan, und in den desrkar-sten Farben die Reist eines Schaps wrs dem Kaspischen Meere schildern; während
die Piachlschistc mit allen mögliche» Schätze» bi- zum Rand beladen sind, wimmelt unten die See von Ungeheuern aller Art, die offenbar nur zu dem Ziveck aufgetaucht sind, dem König der Könige die Honneurs zu crlvcisen.
Will man sein Wissen um orieiitalischc Miniaturen noch mehr eiwcilcrn, so bat man nicht ltiebr zu tun als die Elektriickw zu besteigen, die von der Harvard-Universität znm Bosloner Stadt- Nttiseum führt, Tort findet, gleichfalls anläßlich der Rcucrössnung der benachbarten Galerie, eine Ergänzungsausstcllung statt, die Miniaturen aus dem noch ferneren Orient zeigt, vor allem i»- diichc, darunter einige der köstlichsten, die je ihr Heimatland vcr lassen haben — gegen Tausende und Tausende van Dollars, die znm Ersatz dort geblieben sind.
Zur Lindenuntertumieluna in »erlitt
Eine große Berkchrserlcichterung steht der Hauptstadt des Tcul- ichen Reiches in Aussicht: Kaiser Wilhelm hat die schon seit einem Jahrzehnt envogene Tunnelierung der Straße Unter den Linden iür eine größere dlnzabl von Linien der Straßenbahn genehmigt. Zur Ausführung gelangt, vorbehaltlich einiger c»oa notwendigen Aenderungcn, ein von der Direktion der „Großen Berliner" vorge- schlagcnes und vom Kotier gebilligtes Protest, das zwei je zwei- gleiiigc Tunnels Vorsicht, von denen der eine östlich, der andere westlich vom Opeinhausc einietzt, um nach Turchoucrung der Straße zwischen Universität und Singakademie zu münden. Weitgreiscndk Rampeiianiagen, die diesseits bereits an der Französischen und Behren-Straße beginnen, werden Zu- und Aussahr! bcguem ermöglichen, Nach Äussührung des Broickts werden die seit geraumer Zeit im Betriebe bciiudlichrn oberirdischen Gleise der Slranenbahn beseitigt und demnach die irübcr gesprochenen Worte des Kaisers: „Nicht drüber weg, sondern unten durch!" zur Wahrheit werden
Ter zähc Widerstand, den man an ausschlaggebender Stelle der oberirdischen Turcdaueruiig der Linden mit Straßenvahnschiencn entgegengesetzt bat, ist sehr eniichickdbar, handelt es sich doch uni die sckwnste »nd erinncrungsreichstr Straße Berlins, um die Sieges straße, die vom Brandenourger Tor in breitem Zuge zum Schloß der vobenzollern rührt. Auch ist gerade der im Bereickre der Paraden liegende Kaiser-Franz-Joscs-Platz architektonisch der einheitlichste und wirkungsvollste, den die Hauptstadt des Teutickien Reichs auizuweisen bot, Ter inonumentale Bau der llnrveriität, Hessen Vollendung als Palast des Prinzen Heinrich, Bruders Friedrichs des Großen, in- Jahr 1764 fällt, die alte Bibliothek mit ihrer geschweiften nnd doch so wirlungSvollen Barockiassade, aus der die Kunst eine- Fischer von Erlach spricht, die Hcdwigskirche mit ihrer mächtigen Kuppel und prächtigen Laterne, das von Knobelsdorf erbaute Opernhaus, alle diese aus Cleheiß und unter lcb- haster Anteilnahme des Großen Königs errichteten Bauten bilden im Verein mit dem Kronprinzlichen Palais, dem Prinzessinncn- Palais, Schinkels hellenischer Renaifsance-Wachc und dem mäch
tigen Zeughanse, dem bedeutendsten Werke des älteren Klastizisuius in Deutichjaud, da- von Nering toabricheinlich nach einem Entwuric Franeois Blondels begonneu nnd l 706 von Jean de Bodt voll endet tvurde, ein wundervolles Gcsaiulbild, zu dem ein Bahnbetrieb mit seinem Geräusch und Getriebe nicht recht vassenb erscheint. Gewiß, die Sperre, welche die Stadl aus Entternning eines Kilo meterS in zwei Hälften teilt, ist bitter, aber cs gibt Rücksichten, die nicht zu umgehen sind. Unten durch wird es mit deui Verkehr vor trefflich vonstalten gehen. Hoffentlich wird dieses Sbstem auch »och an anderen Stellen zur Anwendung konimen und die »otwendigeit Verkchrserlcichterungen herbciführen,
Zograpbos- Preis»»igabe Tie bayeriiche Akademie der Wissenschatten hat den Preis sür die Bearbeitung der im Frühsabr 1911 gestellten Preisauigabe „Es soll untersucht werde», lvie weil in der östlichen Hülste des römischen Reiches neben dem Griechischen das Lateinische als Amts-, Rechts-, Heeres und Kirchcniprache verwendet lvurde, nnd welche Folgen seine Vcrwen düng sür die griechische Umgang- nnd Literatursprachc batte" deui Gymnasialproieisor am Neuen Gyuinaiium in Nürnberg Tr, Ludwig Hahn zuerkaunk. Zugleich lvurde folgende neue Zographos Preisauigabe gestellt: „Das Unterricht-wcscn im byzantinischeu Reiche vom Zeitalter Justinians bis zilni 16, Jahrhundert", Ter Preis beträgt '2000 Mk,: der Termin der Abliciernng ist der 31, Dezember 1916
A u s t n g 1 i s ch e nSchul h eite n. Der Univeriitb Eor- reipondcnt bat sich mit einem origtnellcn Prcisau-ichrciben an die englischen Volksschullchrcr gewandt: er setzte Prämien sür die lu ftigste» Sammlungen von Sätzen^auS englischen Auiiatzheiken aus. Der Ansturm war gewaltig, den Tieg aber eriocht ein Schullehrer, der im Laute der letzteli Monate aus den Klaffenalliiäyen seiner Schüler solgende Stichproben sammeln konnte. „Julius Cäsar wurde im Kinemalographentheater ermordet", schrieb ein angchen- ber I I,übriger Historiker Sein Rivale behauptet: „Ais der letzte sronzösislhr Angriff aut Waterloo seblichlug, ergriff Napoleon die Flucht nack. St, Helena " Einige weitere Proben: „England führt aus Dänemark viel Butter ein, weil die dänischen Milchkühe mehr Unternehmungsgeist und größere technische Kenntnisse besitzen als die Engläichcr," ^ „Ein Dreieck ist ein Onadrat, das nur drei Seiten hat." — „Tie gemäßigte Zone ist ein Gebiet, i» dem die Menschen nur Wasser trinken," — „Um das Sauerwerden der Milch zu verhindern, ist es am beste», man läßt sie in der Kuh." — „Der Kriegsminister 0n der englischen Sprache bedeutet bas Wart Minister bekanntlich auch Prediger der anglikanischen Kirche) ist jener Geistliche, der den Soldaten in der Kaserne predigt," — Ein kleiner Psychologe aber ist der Volksschüler, der sich wie folgt vernehmen läßt: „Zweideutigkeit heißt die Wahrheit sagen, ohne das zu beabsichtigen . .


