Ht. <>5 Zweites
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
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Jahrgang
Die „chiehencr Zamiliendlattee" werde» de», .Anzeiger" viermal wöchcnllich beigelegt, das „«reiidla» für den Krtis riehen" zweimal wöchentlich. Die „kandwirtfchastlichen seil- seagen" erscheinen monatlich zweunal.
General-Anzeiger für Oderhejsen
Mittwoch. ,8. März IW
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'ichea Univcrsiräts - Buch- und Steindruckerei.
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul- straxe 7. Expedition und Verlag: e^fcp.il. Redaktion:SMK112. Tel.-2ldr.:Anzekqerlhie8ell.
Gienener Lisenbahnwünsche.
Gießen, 17. März.
Unser Artikel über die Gießener VerkehtSverhältnissc in Nr. 57 hat, wie wir berichteten. Herrn Oberbürgermeister Mecum veranlaßt, bei der Eisenbahndircktion Franksnrt anzuiragen, ob unsere Mitteilungen, insbesondere über die Perschlcchleruiis, des Verkehrs mii der Lüne Koblenz Gießen, richtig seien. Der Oberbürgermeister verlas am Donnerstag ein Antwortschreiben der Eisenbahndircktion, dessen Wortlaut wir hier wiedcrgcben:
„Tie Umwandlung der gegenwärtige» Eilzüge 122 (Gießen ab fl. 10 vorm.' nach Koblenz »Iw 121 (Gießen an 8.22 Uhr nachm.) von Koblenz >,, Triebwagcnsahrte» ist von uns nicht beabit, ltgt. T«c Ziigverbindungen von Gießen nach Koblenz und NN, gekehrt norden iricht verschlechte»!, sondern wesentlich verbessert werden. To ivird ». a der Eilzug 121 von Metz (Koblenz ab .7.37 Uhr. Gieße» an 8.25 nachm.i, der ,etzt etwa zwei Stunden in Koblenz liegen bleibt, von, l. Mai I!>1 1 ab nach Ausnahme des Anjchlusics von den, Schnellzug 1» 208 (Köln ab 2.31 Uhr Koblenz an 4.03 nach,,,. 4,08 nachm van Koblenz abgclasicn und »in 6.57 Uhr nachm, in Giessen angebracht ivcrdn Tic Reisedauer von Metz, Ko», und Von» »ach Gießen wird ioimt um zwei Stunden verbessert. Sie beträgt dam, van Köln über Koblenz etwas über vier Stunden
F» der gcgenwäruge» Lage des Eilzugcs 121 wird - vom 1. Mai 1014 ab der Pcrsoncnzug 415 von Ticdenhoicn „ach (Dieven durchgcsührt. Er wird 5.44 von Koblenz abiahrcn „nd
0. 08 Uhr nachniiltags in Gießen cintreffeii, n>o er Anschluß an deii Schnellzug 11 82 »ach Franksnrt erhält, ebenso criährt der Schnellzug II >23 eine Beschleunig»,>a, in den, er nach Ausnahme von Eilzügen der rechten und linken Rheinjeite erst >,,» 11.00 statt wie jetzt 10.22 vorm von Koblenz abiährt und 1.1 > »achm. i» Gießen ankommt. Tic Reisedauer der .Fern- reisenden von den Unlcrw.'gsstationc» der bridcn Rh.inftreckcn nach Gießen wird NM eine I)glbe Stunde verbessert.
Tie Reisedauer des Feinrcisenden von den Unterwcgsstationen der beiden Rheinstreclen »ail, Gießen wird um eintz balbk Stunde verbessert, außerdem sind iür die Latmbahn neue Tonntaaszügc zwischen Gießen »nd Limburg mit Anschtußverbi,,düngen nach „nd von Koblenz an, Abend voegeseben. Ans de» vorslel>ende„ Tarstel- lnngcn mögen Euer Hochwoblgeborcn ersehe», daN wir beskrebl ge- tvese» sind, die Interessen der Stadt (Kienen an den Zügen der Lahnbah» nach Kräslen ZN wahren.
Die Verlesung dieses Schreibens hal Oberbürgermeister M er u m mit einigen gufsälligcn Bemerkungen begleitet. Er svrach von dem Artikel unseres Geivährsinannes als von einem „A l a r m a r I i f r I" und bedanerlc, daß der „Gieß. Rnz." solche „bennrnhigende Nachrichten" in die Ocficntlich- keit gebracht habe. Wir erklären hierzu, daß die betrcssen- den Mitteilungen uns von einem Bcrkehrsbeamlcn zngcgan- gen waren, der dar,» ja auch recht gehabt Hai, daß vom.
1. Mai an eine vcrkehrslcchnischc Aendcrung bei den Zügen ,Pr. 120 122 und 121'110 tatsächlich ein treten ivird. Das vorstehende Schreiben der Eisenbahndirektion beseitigt zu unserer Freude schlimme Besürchtnngcn, und wir können dazu nach weiteren Erkundigungen noch mitteilen, daß auch künftig ein Umsteigen in Lin,bürg vermieden wird, tveil die beiden Teilzüge von Gießen und Frankfurt in Limburg z» einen, Zuge znsammengcstellt werde». Wir haben ferner »och in Ersahrung gebracht, daß der Schnellzug II 12,3, der in Zukunst beschleunigt dnrchgesührt ivird, den bisherigen langen Auscnlhalr in Nicderlalmstein vermeidet. Ei» kleiner Widerspruch muß noch aufgeklärt werden: Die Eisenbahndirektion gibt in ihreni Schreiben an, der Zug D 123 fahre erst um 11 Uhr in Koblenz ab. während der neue amtliche Fahrplan, den wir jetzt schon einznsehen Gelegenheit hatten, als Abfahrtreit 10.28 Uhr bezeichnet. *
Unser „Alarmartikel" in Nr. 57 hat srcilich noch andere interessante Vcrkehrsfragcn besprochen, ans die das vorliegende Schreiben der Eisrnbahndireklioii noch keine ausreichende Auskunft erteilt hat. Es wird Sache des neuen Eisenbahnausschusses unseres Ttadtvarlaments sein, diese Fragen des Durchgangsverkehrs nach der Richtung Grün- bcrg-Fulda Bebra Halle noch einmal näher ins Auge zu fassen und die Anregungen unseres Gewährsmanns zu prüfen. W i r betrachten solche Erörterungen keineswegs als eine Beunruhigung des Publikums, und tvir wüßten nicht, inwiefern unser Artikel, der doch zur Klärung einer wichtigen und 'intcr- hssanten Sache beigrtragen hat, nach irgendeiner Seile hin den geringsten Schaden verursacht haben könnte. Hatten wir die Einsendung, die dein Oberbürgermeister allerdings eine kleine Mühe verursacht hat, etwa unbeachtet in den Papier-, korb versenke» sollen? Das wird gewiß niemand bejahen, da der Oberbürgermeister selbst die Angelegenheit einer umgehenden Prüfung für wert erachtete Es wäre uns noch die Möglichkeit geblieben, uns direkt nnt der Eiscnbahudirck- tiou in Verbindung zu setzen. Wir haben dies Verfahren wegen der geplaittcu Hintcrlandbahn früher einmal in Anwendung gebracht, dabei aber de» lakonischen Bescheid erhalten. daß „Auskunft zurzeit nicht erteilt ivcrde» könne"'. Seit dieser Zeit sind wir in Bahnaiiqelegenheitcn lieber für die volle Oesfentlichkeit. Wie es den Abgeordneten in, Reichstag und in den Landtagen gestattet ist, bennrnhigende oder der Klarstellung bedürftige Angelegenheiten zum Gegenstand öffentlicher Anfragen an die Regierung zu machen, so hat die Preise von jeher ganz ähnliche Befugnisse und Verpflichtungen. Aus diese Weise werden am besten Besorgnisse und Mißverständnisse aus der Welk geschasst. Es ist übrigens noch sehr die Frage, ob die Eisenbahndirektion a n f ä n g lich nicht doch die bciürchietc Triebwage,ibesördernng bei den Zügen Nr. 120'122 und 121 119 ins Auge gefaßt hatte.
Zwei Reichsiagsersatzwabken.
Posen, 17. März. lBorläufiges amtliches Wahlergebnis ) Bei der Rcichstagsersatzivahl im 2. Poscncr Wahlkreis Obornik Samter Birnbaum-Schwerin Warthe , die durch die Mandalsniederlegung des Rcichslagsabgcordnclen Grasen Mielczvnski erforderlich wurde, wurden abgegeben iür den Rittergutsbesitzer Haza-Radlitz (Kons., 13019, Prälat Klos (Pole) 16138, Schulz (Soz.s 636 Stimmen. Zersplittert waren drei stimmen. Klos ist somit ge wählt.
Borna. 17. März. Abends 11 llhr.l Bei der Reichs tagsersatzwahl im Wahlkreise Borna Pegau 14. sächsischer, wurden abgegeben für v. Licbert (Rpt.) 8.>27, Nipschkc
>Natl.) 61.37 und Rnssel (Soz.) 11995 Stimmen. Vier Ortschaften stehen noch aus. Es findet Stichwahl zwi t ch e n v. Licbert u n d R h s s e l statt.
Hessische Zweite ttammer.
rb. T a r m st a d t, 17. März.
Am Rcgierunqstischc: Slaatsmiiiistcr Tr. von Ewald, Fi- nanzminister^ Tr. Braun, Minister des J.-.nern v. Hombcr ,, l, Ltaatsrat 2 ü f i c r t. _91uf de», Präsidentcntischc prangt anläßlich der hcntigen 100. Sitzung ein prächtiger Blnmenstranß. Prä- tidcnt Köhler weist bei Eröiinung der Sitzung ani die Zahl 100 hin und bemerkt, daß diese Sitzung dadurch eine besondere hifto rische Bedeut,,na erhalten dürste, als in ihr die Bcwldungsresorm endgültig zum Abschluß gelangen werde. Tas Haus setzt daraus die Beratung des Slaatsvoranschlags bein, Kap. 23, Ministerium des Innern sort. Minister des Innern von Hom bergt legt zunächst die Stellung der Regierung den verschiedene» Boranschlagsredncrn gegenüber dar. Zu den Be- schmcrdenZws Abg. Ulrich über die „„gleiche Berechnung des Stempels für Schaubude,,-, Karns,ctlbcsitzer usw. bemerkt der Minister, daß sür diese Slcmpclabgaben den Krcisämtern genaue Vorschriften erteilt worden seien ans Grund der darüber aemachten Erialirunge». Tie Interessenten zablten auch bei den Bewerb,mgr» uni die Plätze ost so habe Pachtprcise. daß der verhältnismäßig geringe Tlemvel dobei kaum in Betracht komme. Der vom Abg. Ulrich gegebenen Anregung, eine Tisscrenzicrnng zwischen den Sonntagen und Wochentagen cintrete» zu lassen, könnte vielleicht insoiern entsprochen werde», als sür die Sonntagskonzessionen ein Zuschlag- stemvel erhoben würde. Abg. Brauer bat in den letzten Sitzungen einen ganzen Strauß vo» Vorwürfen gegen die Regierung zusam- mengctra^cn, der viel größer a!s der heute vir dem Präsidenten, stehende Strauß ist. Den Vorwurs, daß die Regierung die Landwirtschaft Z'hstematisch vernachlässige, weist der Minister mit Ent schiedenheit zurück Ein System über die Behandlung der Landwirtschaft besteht allcr.ings bei der Regierung, aber das komme gerade in der entgegengesetzten, als der vom Abg. Brauer behaupteten Richtung zun, Ansdruck, nämlich in der tatkräftigsten Förderung der Landwirtschaft. Ten einfachsten Beweis dafür geben einige Zahlen. Im Etat sür 1900 tamen in den verschiedenen Kapiteln des Llaaisvoranschlags im Ganzen 881512 Mark für die Landwirt- ickioil zur Bewilligung, im Etat iür 1914, af>o ffini Jahre später, beträgt tic Summe 1 027 177 Mark, also 112 0(55 Mar! mehr (hört, hört» Dabei sind noch nicht die verschiedenen Kosten sür die Weinbaudomäncn, Landeskultur usw. mit einbezogen. Es steht auch fest, daß Hessen im Vergleich zu Baden, Elsaß-Lothringen, Württemberg erheblich höhere Answenduiigen sür die Landwirtschaft macht. Die Regierung legt auch den allergrößten Wert daraus, Hand in Hand mit der Landwirtschastskaininer zusammenzuarbei- ten. Die Regierung wird auch bereit sein, im nächsten Jahre rnit der Kammer i» eine weitere Erörterung über coentl. Mehrbedürs- nissc sür die Landwirtschaft einzntrctc». Ter Minister legt weiter dar, daß tie Landirürtschaft auch durch das F.-ldbereinigungsgesetz vom Jahre 1900 in volkswirtschaftlicher Hinsicht ohne Frage eine erhebliche Ersparnis erreicht habe. Auch den weiteren Vorwurf des Abg. Brauer, die Regierung sei i» der Behandtnna der Gcnoise»- schaj.striiis nicht energisch genug vorgzganpen, müsse er entschieden znrnckneiTu. Dir Regierung habe a le Maßnahmen gebilligt, die von den beiden Kammern im Interesse der Zcntralkasse und der Sanierung der Verhältnisse beschlossen worden waren und es sei dabei vor alten, der Gesichtspunkt maßgebend gewesen, daß es nicht so sehr ans die Höhe des zur Verfügung zu stellenden Kredits a,,komme, als daraus, dainr zu sorgen, daß durch Gewährung einer ausreichendcii Ttoatshitfe auch das Vertrauen der Bevölkerung .weder zurückkehre. Bezüglich der vom 'Abg. Brauer beklagten Per sctznng der Kreisrätc erklärt der Minister, auch die Regierung wünsche, daß die Kreisräte möglich» lange in ihreni Wirknngsort verblieben, aber Ausnahmen ließen sich nicht vermeiden und der von dem Abgeordneten besonders angcdcutcte Fall sei durch die Versetzung eines höheren Beamten bedingt gewesen. Ter Abgeordnete habe auch zu», Schlüsse erklärt, die Lcbrer würden durch die jetzt ausgestellten Gehaltssätze verbittert und staatsseindlichc» Bestrebungen z,,geführt werden Das Halle er doch für eine sehr niedrige Ein schätzung des Lehrers,ander. Er glaube ,rillt, daß der Lehrer in seinem Idealismus wankend werde, weit er setzt „ich! alle seine Wünsche erfüllt sehe. Er habe de» vaterländischen Geist der Lehrerschaft doch höher einschätzcn gelernt und die Lehrer würden sich mit den Beamten trösten können, die ja auch nicht alle ihre Wünsche befriedigt setze».
Abg. Mollban Ztr wendet iick, gegen die vorwöchigen Aussührungcn des Abg. Bach, der bei Besprechung der Haltung des Katholischen Lehrervereins gegen Tonilavitnlar Dr. Bei,dir ge sagt habe, er balle konseisionellc Lebrervereine sür ein Verbrechen Er habe geglaubt, daß Abg. Bach diese Beleidigung wieder nehmen würde, es sei aber leider »ick» geschehen. Tic Gründung des katholische» Lchrervcreins sei vor etwa 10 Jahren durch eine Reihe von Vorgängen im Lchrerverein notwendig geworden, ans die er nicht näher eingehcn wolle Das Kreisanit Heppenheim habe eine Verfügung erlasse», in der alle Gemelndebeamten ohne weiteres von jeder Beteiligung bei den kommunalen Wahlen ausgeschlossen wurde,,. Er ersuche um Anskunst, ob dies im Einverständnis mit der Regierung geschehen sei. Der Utas stelle ohne Frage ei"- Beeinträchtigung des freien Rechts der Gemrindebeainien dar. Weiter bespricht der Redner die Frage dc>-^2 o „ » i a g s r „ b e, derca Iden! England sei. Durch die unterschiedlichen Bestimmungen Über die Sonntagsruhe in den Städten mit mehr und mit we Niger als 75000 Einwohnern, wie ft», ietzl die Reichslagskom- nrimon gefaßt habe, sei ein recht unerguickticher Konkurrenz- kampl unter de» Städten entstanden. Er bitte die Regierung, dobi» wirken ze? wollen, daß die Differenzierung der Städte be seitigt werde Die von den, Abg. Brauer gegen die Regierung gcrirhieie» Anariile seien idm bei dessen sonstiger konzilianter Haltung unverständlich : seinen Bemerkungen über die Handelsvertragspolitik könne ec aber znstimmcn. Ten Grundsatz lrcs Schuhes der »alionalcn Arbeit sollte die Regierung auch im Bnndesrot bei de» kommende» Verhandlungen über die Handels Verträge vertrete». Ohne Frage habe anck, der Arbeiterstand durch die heutige deutsche Wirtschaftsvoliril große Vorteile e> zielt. Daß in Hessen nicht ge,n,g iür die Landwirtschait ge tan werde, lönne man nicht bclwnpien, die Zweite Kammer habe sich der landwietsckwitlitbkn Interessen ledensatls stets a„- genammcn. Es sei aber fcstgestcllt worden, daß iür die verlangten crböbtcn Zuschüsse für die Landwirtichaslskanimer iür ,0j l lein Bedürfnis vorliegend war. Tic Aichtbestälianng iozialdeniokra- liichcr Gemcindcbeamtcn halte er für berechtigt, eberio trete er für die Haltung der Regierung in der Jugendpflege ein.
Abg. Münch, (narl. spricht sich in längeren Aussühr,ingen iür eine Ausdehnung und intensivere ^Pflege des Zeichenunterrichts in den höheren Schule» aus und erinnert an seinen früher eingebrachtcn diesbezüglichen Antrag. Tas Standcsanichcn der Lehramtsasscisorcn sollte nach Möglichkeit erhöht werden, aus, ans die innaen akademischen Lehrer a» Aus- laudschulen mehr Aufmvrklamtei, gerichtet werden. Ter Redner wünscht auch, daß verdien:-» Oberlehrer,, der eil-l eines Geh. Schulrates verliehen werde. Im übrigen bleiben di- Ansinbrungen des Redners ans der Jonrnalistentribünc zumeist „nvernäiidlicli.
Rach einer Pause tritt die Kammer in die Beratung der R i, ck ä n ß c r » n g der Ersten K a n> „, c r über die B e -» s o l d » „ g s v o r l a g e ein. Ausschi,ßvräiident Tr.^ O s a n n berichtet über die soeben vo» der Ersten Kanimcr gefaßten Beschlüsse und beantragt namens des Frnanzansschnsses, diesen Beschlüssen der Ersten Kammer bcizutrcte».
Skaatsniinistcr Tr. v. E w a l d bittet gleichfalls, dem AuSschuß- anlrag zu folgen. Er nwlle aber >u>ch besondere,, Anlaß nehmen, allen denen, die am Zustandekommen des großen Werler- mitgehol- sc» haben, wärmsten Tank auszuiprechen. Ganz besonders de» Heile» des Finanzausschusses und seinem Poriitzenden Bravo'
Tas Haus slinimt daraus dem 'Antraa aus Annahme der Beschlüsse der Erste» Kammer einstimmig zu. Tamil iß das Besoldungsgesetz endgültig erledigt, und de, Präsident gibt unter dem Beifall deck Hauses seiner Bciriedignng über den endlichen glücklichen Abschluß des Werkes Ausdruck.
Danach wird die B c r a t u n g d es H a n p t v o r a n s ch l a g s fortgesetzt.
Abg. K o r c l l -Angenrod begründet folgenden, vo» ihm cingc- brachtcn Antrag: „Tie Zweite Kammer wolle die Großb. Regierung ersuchen, im Bundcsrat auf baldige Verabschiedung des im Reichstag aiigckündigten Gesctzcnlwuris über den Handel mit Tüngemit- tcln, Futtermitteln „nd Sämereien binzuwirkcn, unter sinngemäßer Anwendung der Grundsätze der -Rahrnngsmfttelgesetzgcbmig zum Schutze der Landwirtickiait „nd des reellen Handels."
Der ?lnlragsteller sülzrte aus, daß der Olriindto» der Fi'citags- ausführuiigcn seines Partcisrenndcs Brauer durchaus echt geweien sei. Sein Freund sei allerdings ein ivemg erregt gewesen, woher auch dir, Schärfe seiner Angrisse ans die Regierung komme Man bade aber in der Landwirtschastskammer ohne Zweifel das Gesübl gehabt, daß die Regierung ihre Absichten in, Interesse der Landwirtschaft nicht fördere. Abg. Brauer habe auch keiner Partei einen Vorwurf machen wollen, sondern lurr aus die früheren besseren Verhältnisse hingcwiesc». Abg. 'Adelung verkenne vollständig die Verhältnisse, wenn er behanpie, daß man auch i» den Kreise» der Landwirt, ckwst einem 'Abbau der Zölle nicht abgeneigt sei. Allcrdings icheine ihm d,c wirtschaftliche Vereinigung, die jüngst wieder in Frankfurt ihr Wesen trieb iZnrns: llnwcse»), habe man bisher nur Führer gesehen, aber keine Soldaten lHeiterkcit).
Abg. Dorsch bringt dann noch verschiedene Klagen über land- wirischailtickw Tinge vor und bchanvlct, daß die fortschrittliche Vollsparici nichts iür die Landwirtschait getan habe. Weiter behandelt der Redner die Frage der Einfuhrzölle usw.
Tie Sitzung wird hieraus „NI I ‘ , Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung heute nachmittag 3‘/> Uhr.
N ach in ittags sitz» n g.
Am Regierungstische: Finanzminister Dr. Braun, Minister des Innern v. Hombcrgt, Staatsrätc Dr. Becker, S ü s - sert, Ministerialrat Hölzingcr.
Tos Hans setzt nachmittags >/-4 Uhr die Voranschlagsbcratung bein, Voranschlag des Ministeriums des Innern fort.
Abg, Buiold <Soz. wendet sich zunächst gegen die Ans- ftihrungcn des Ministers des Inner» am Vormittag und pole- misieri auch gegen den Abg. Dorsch und die Stellungnahme dcs Bnuernbnndes in den Zolliragcn. Auch die Politik des Zentrums kritisiert der Redner und bringt dazu eine Reibe von Einzel keilen lwn Beschw:rse„ über nngcrcchlc Behandlnttg von Arbeitern vor. Tie Jugendpflege und die Wohnnngssüriorge ivürden in unrichtiger Weise von der Regierung gchandbabt. Die Meinungen des Landcswohnungsinivetiors blieben unberücksichtigt. Das Ai datal sei zurzeit überschw.'innit, worunter besonders Ha, heim sehr zu leiden habe, das vom Verkehr ganz abacschnitteu sei. Ebenso hätten auch die beiden Erlenbach viel zu leiden. In Langhei», sei eine Familie „rit 5 Kindern im Spritzenhaus uitter- gebracht worden, weil ihr sonst niemand ei» Quartier geben wollte, und später habe man sic cinsarl, ans die Straße gesetzt. Eine vom Redner an Geh. Rat Best gerichtete Beschwerde sei unberücksichtigt geblieben.
Ministerialrat Schlicvhake widerlegt die Ausführungen des Vorredners. Er gibt als früherer Krcisrat von Fricdberg eine Schilderung der Verhältnisse von .Harheim, »nd stellt fest daß alle Versuche, eine .Kreisstraße nach Berkersheim dnrchznsühren an dem Widerstand des Landkreises Frankfurt a. M. gescheiter, seien ^Tie hessischen Behörden treffe a» dem jetzige» Zustand keine^Schnld. Tie Unterbringung des linderrcichcn Familienvaters im .Svritzcnhaus sei notwendig gewesen, weil sie kein andere-. Logis fand. Tie Bürgermeisterei habe ganz gesetzmäßig gehandelt: die Regierung habe das teste Bestreben, den wirklich vorhandene» Mißstnnden abznhelse».
Abg. H e n r > ä, isrs. Bv.) hält es iür erforderlich, nicht zu weit vom Voranschlag abzuschweiien. Infolge der neuen Ge- meindeftencrqesetzgcbnng seien 300 000 Mt. mcbr an Steuere ausgebracht worden. Er verkenne nicht, das, die Landimrtschaits kam»,er eine segensreiche Wirliamkeit nitfaltru könne, aber zu, zeit iei sie namentlich in der kleinbäueiliche» Bevölkerung nicht bciouoers vopnlnr. Es sollte alles vermieden werden, die Land- wirlschastslammee noch unbeliebter zu mackien und deshalb ,'ei er anck, znrzcil gegen die Erhöhung des Staatszuschusses. Das Sub- nrisjionSwese» habe in Hessen eine entschiedene Verbesserung cr- sahren: aber „och immer seien Mißstäude vorhanden, die der Be- sciligung bedürslen. Bei der Vergebung iotltcn besonders die Haudwerkervcreinignngen mehr berückiichligt werde». Tie Einführung der allgcnicinen Sonntagsruhe sei sehr ev- nninschj. Den, 2lbg. Tr. Weber erklärt der Redner, daß seine Partei überall de» Grundsatz verfechte: Gleiches Recht für alle. Wenn der loniervalive Gedanke marschiere, dann müsse er n»ch unter eigener Flagge marschieren
'Abg. Tr. Osann lrünscht dringend, bas- Enllcheidun- g e n ui Fragender Verwaltungsbehörden schnei- lcr sich vollziehen, damit nicht Zustände eintretcn, w,c in de» S t a d t v c r o r d n c t c n ko l l e a i e „ in Mainz und Gießen, die gegenwärtig b c s ch l „ ß u n r ä h, g sind. Weiter beschäftigt sich der Redner „rit dem Artikel der Frankl. Zig. „Uiieiai'icklichcs vo» der i rfien Genossenschaft-ka,e und erfticht die Regierung >„„ eine nähere authentische Acußerung zur Sache. Ter Redner bciont dann die Mnstergiltigkeit unserer Landesv r icherungsaustalt, die vorbildlich in ganz Dcntich- land dastebe, besondtrs auch I» der vlanmäpigen Bekämvsung der Tuberkulose. Aut diesem Wege tverde sie weiterschreiten. Ausführlich wird dann der Hungerstreik in der Lungenheilm, - statt in Sandbach beivrochen, der vo lständ g „nberechllg- sei. Tic 11 rferfit?‘*cveä Streiks war eit, Tag, an den, es Mchlivcis, aab. Geznmngcn schlossen sich andere Patienten den Anführern an. Durch Verlesung der Wochenipei'cnordnung gibt der Redner ein Bild von der ausreickrendei. Belästig,>ng dark. Es sc, doch wobt n»;wei>clhaft, baß itt einer Anstalt, die ärzt'ich vorge- schricbene Kost verlangt, der größte Wert gerade vieiaul gelegt nrro. Ter Redner wendet sich.dann gegen die 2Iusführunqee des Abg. Buivld, dessen Bestrebungen nur daraus g-richtet seien, in bc» Kammniwlverioaltungen die Macht an sich a> reißen. Tein Abg Henritt, bemerkt der Redner, daß wohl auch dessen Partei, wen» sie über die Bestotigungssrage zu entscheiden hätte sich nwhl doch die Konscancnzcn sehr überlegen würde. Der Abgeordnete wende, sich gegen die 'Aussührungen des Abg. Korell- Anqcnrod, die den Anschein erw-ckien, er bewege sich aus der ander» Seile der nananalliberalcn Par,ei. Diese» Siandvankt lwbe er, Redner, niemals vertreten. Tie „alt. Parte: müsse gesilhtt


