Nr. 65
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erscheint täglich, außer Sonntags. — Beilagen: viernial wöchentlich KseßenerZamilieublätter;
»wemialwöclicntt.lieii;- HaHfüriitnKrtis Kietzen
«Dienstag und Freitag): zweimal moiiall. Land- wtrtschaslljche öeitsrogen Ferujprech - Anschlüsse: lür die Redaktion 112. Verlag tt. Expedition 51 Adreiie (fit Depeschen: Anzeiger Wieben. Annahme von Anzeigen liir die Tagesnummer bis vormittags 8 Uhr.
Erstes Blatt
m. Jahrgang
Mittwoch. 18. März 19^
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Notati-«r-r«<k tut* Verlag -er vrühl'schen Univ.-V»ch- und Stein-ruckerei N. Langt. Ne-attion, Lrpedition und Vrvckerei: Schnlstratze 7. An^>g?meck:' H?»eL
'kieznqsprct»: ,nona1lich75Ps^vierlel- sährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen inonatlich 55 Pi.: durch diePost ALL.— viertel» jährl. ausschl. Bestiüg. Zeilenpreis: lokallöPs, auswärts 20 Pfennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich siir de» »olit. Teil: Aug. Goetz: sür .Feuilleton", .Vermischtes' und »GenchtS- saal": Karl Neuratd: iür .Stadt und Land"
Die heutige Nummer umfahl 14 Seiten.
Taqcskalcnder aus 7>em Jahre 1814.
18, M-ä r z: Gefecht der hessischen Avantgarde unter Generalmajor t>. (Kall bei <S t. George. Das hessische Leib regiment <Gießcnl verliert 186 Mann - An dem- ielben Tage erzwingt sich die vreutzisch-rnssischc Armee unter Blücher im Nordosten von Paris den llebcrgang über die Ais» e.
Die Rächerin des Gatten.
Man hat Frankreich das „Land der Asfaircn" genannt, lind cs rechtfertigt diesen Namen imnier wieder, hat es durch die sensatiotielle Tat der Frau des Finanz- rninistets Caillaux getan, die den Leiter des „F i g a r v" , Ga ft o n l5 a l in c t t e , niederschoi; als Rächerin der Ehre ihres Galten. Damit hat der Feldzug, den dieses Blatt seit der Anfang Tezeinbcr v I. erfolgten Be rusung dcS Kabinetts Doumergue, welches man das Kabinett Toumcrgne-Caillaux betitelte, gegen den Finanz- minister führte, einen tragischen, politisch folgenschweren Ausgang genommen.
Caillaux ist zweifellos eine der tüchtigsten, aber auch der am meiste,, angegriffenen politischen Persönlich, leiten Frankreichs. Als Anfang Januar 1912 sein Kabinett, da§ die Kreditseite seines Kontobuchs mit dem Erwerb Marokkos geschmückt hatte, gestürzt wurde, geschah dies mit Hilfe von politischen Intrigen, bei denen ebenfalls aller lei dunkle, aber auch durchaus unbewiesene und zweifellos auch ungerechtfertigte Beschuldigungen eine Rolle spielten. So ging er den» auch nur, um wiederznkoinmen, und als Caillaux. der auch nnsterbalb der Regierung osi genug regierte, Anfang Dezember v. I. das Ministerin,» Barthon stürzte, hätte er an die Spitze des neuen Kabinetts treten könne», menn er nicht Bedenken gegen dessen Lebensfähigkeit gehabt hätte. So iiberliest er Herrn Tonmergne, der das Präsidium und das Aenstere übernahm, den Bortritt und begnügte sich mit dem Finanzporteseuill«, was nicht hinderte, daß man von dem Kabinett Doumergne-Caitlaux sprach. Denn Caillaux ivar die Seele dieses Ministeriums, sollte auch der Chef des kommenden sein.
Das ausgesprochen radikale Kabinett Daumergne-Cail- loux bedeutete eine Niederlage der Rechten und zugleich eine des Präsidenten Poincare. der sich vergeblich siir das Zustandekommen eines Konzentrationsministerinins ins Zeug gelegt hatte. Tie Presse der Rechten begann den» auch alsbald gegen das Kabinett eine Campagne, deren Führung der „Figaro" übernahm, inden, er der Regierung den Spitznamen „das Kabinett der Revolution" verlieh. Und der Leiter des Blattes, der im 56 Lebensjahre stehende Gafton Calmette, der übrigens einer der bekanntesten Publizisten Frankreichs ivar, gelobte, daß er de», „plntokrati- schc» Demagogen", dem Millionär, der die Ei,es kommenstencr zu fordern wage, die Maske von, Gesicht reiße» »nd ihn vernichte» ,verde. Herr Calmette, der immer ein gnrer Hasser war, führte seinen Feldzug mit Waffen, wie sie die anständige Journalistik anf-i schärfste verurteilen muß Zuerst vrrössentlichtc er, a,n 8. Januar
dieses Jahres, einen Artikel, worin Caillaux beschuldigt wurde, bei der Erbichastsasfäre eines gewissen Prien eine hohe Summe sür Mahlzweckc erpreßt zu haben. Als der Minister diese Beschuldigung ganz unzweideutig in daS Rricl, der Fabel verweisen loiintc, brachte der „Figaro" die Affäre eines Bankiers Spitzer aufs Tapet, wobei wieder Wahlgelder eine Rolle spielen sollte», doch abermals folgte ein lückenloses Dementi. Allein Calmette ließ nicht locker. Mit der dritten Affäre, bei der cs sich um eine südameri- länische Schiffahrtsgesellschaft handelte, waren ebensalls leine Lorbeer» zu pflücken, und so verlegte der Figaro- direl'tor sich ans die Ausgrabungen. Er behaupteie, daß Caillaux in einem früheren Ministerium das Verfahren gegen de» verhafteten Finanzspekulantcn Röchelte unterdrückt habe, weil dieser ein Geldgeber der radikalen Partei gewesen war. Und als auch dieser Trick fehlschlug, vcr- öffenllichte der „Figaro" einen Brief Caillaux', den dieser im Jahre 1901, als er im Kabinett Waldeck-Rousscau Minister war, an seine erste Fraxi, von der er später ge< schieden lvurde, gerichtet hatte, und der folgende kompromittierende Wendung-enthielt: „Ich habe die Einkoninicn- stcncr zermalmt, während ich mir gleichzeitig den Anschein gab, sie zu verteidigen." Calmette gab diesen, mit „Tein Io" Unterzeichneten Brief die Deutung, daß Caillaux jetzt mit der Rcntcnstener dasselbe Manöver getrieben habe mic damals mit der Einkommensteuer.
Diese Enthüllung verpasste nicht ivie die anderen. In der Kammer wurde Caillaux aufgefordert, die Sache auszuklären und gerichtlich zu verfolgen, Während so die Aktien des Finanzministers zu sinken schienen, glaubte die zioeite Fra» Caillaux', eine geborene Renouard, die in erster Ehe mit dem Advokaten Leo Claretie, Direktor am Theater franpais, verheiratet ivar und feit Oktober 1911 mit Caillaux vermähl! ist, die Rächerin und Retterin des Entten spielen-zu müssen.
Gerächt hat sie ihn, denn Gasten Calm'tte hat seine Cnt- hiillnngsknmpagne mil den,'Lehen bezahlt. Gerettet aber hal sie ihn nicht, sondern seinen Sturz beschleunigt, denn Cail- taux ha! sich infolge dieser bedauernswerten Tat seiner Gattin zur Einreichung seines Rücktritts genötigt gesehen, „nd Doumergu wird ihn auch schwerlich halten können, obwohl man gerade in Frankreich über derartige drainntisckie Handlungen, wie sie Frau Caillaux begangen hat, sehr wilde denkt, und die Täterin, selbst wenn ilir die Pspchiater nicht dett Ausschluß des freien Willens znbklligcn sollten, allen Anlaß hat, aus „verständnisvolle" Richter zu rechnen. Tie Rächerin, der übrigens jeder menschlich Fühlende niildcrnde Umstünde znbilligen wird, hat aber damit nicht nur ihren Gatten gestürzt, sondern auch den, Kabinett Ton- merguc einen schweren Stoß versetzt, schon weil es gerade letzt vor den Neuwahlen seines tätigsten »nd tüchtigsten Mitgliedes beraubt ivird.
Cinzelheitkii über den Anschlag.
Paris, 17. März. Der Herausgeber dcS „Figaro" Calmette ist seinen Verletzungen erlegen.
Caillaux erfuhr die Nachricht von dem Anschlag telc- vhonisch von dem Direktor der Polizeipräseklnr. Er war auss tiefste erschüttert, da nichts in, Beiichinci, seiner Frau darauf schließen ließ, daß sie sich mil dem Plan trug, einen solchen
Anschlag zu verüben. Frau Caillaux wurde abends nach dem FrauengefängniS in St. Lazare gebracht.
Caillaux har gestern abend den, Ministerpräsidenten seinen Rücktritt milgeteilt. Malvh und Doumergue suchte» ihn dazu ;u bcivegen, seinen Rücktritt zurückzunehmcn, doch lehnte Caillaux dies ab. Tic Minister find der Meinung, daß der Entschluß Caillaux nicht endgültig ist und haben die Eni schcidung auf morgen vertagt.
Paris, 17. März. Es verlautete, daß der „Figaro" heute Privatbriesc vcrölfentlichen wird, iveicpc Caillaux vor ellwri 10 Jahren an seine gegenwärtige Frau gerichtet hatte, als sie noch die Gattin des Schriftstellers Leon Claretie war. Der „Figaro" hat nun die Veröffentlichung der Briefe, welche angeblich für Caillaux und mehrere seiner Freunde sehr komproniittierend sc,,, solle», ansgesckwben, — Fra» Caillaux hat in, Gefängnis die bisher zur <schau getragene Fassung vollständig verloren. Man schreibt dies, wie ein Blatt meldci, dein Umstande zu, daß der Finanzmiuistcr, als er gestern abend im Polizeikommissariat weilte, mit seiner Frau eine Unterredung hatte und zn ihr gesagt habe: Sie haben mich für immer ruiniert. Frau Caillaux sollte gestern abend an einem Tiner ans der italienischen Gesandtschaft als Tllchnachbarin des Präsidenten der Republik teilnehmen, sie sagte jedoch telephonisch ab und entschuldigte sich mix plötzlichem Unwohlsein. — Gegen Mitternacht zog ein Haufen von etwa 100 jungen Leuten durch die Straßen und schrie: „Nieder mit Caillaux, dem Mörder!" Die Polizei »ahn, an 30 Verhaftungen vor.
Paris, 17.März. Caillaux begab sich in Begleitung eines Abgeordneten zn dem Polizeikommissariat, vor welchem sich eine große Volksmenge gngcsammelt hatte. Der Finanz- minister wurde sofort in das Bureau des Polizcikommissars geführt, wo Frau Caillaux von dem Staatsanwalt und dem Direktor der Staatspolizei verhört wurde. Nach einer halben Stunde verließ Caillaux das Polizeikommissariat unbemerkt durch einen Tcitenausgang.
Nach Mitteilung des Berichterstatters des „Figaro" erlitt Calmette drei Vcrwiiiidungeil; eine Kugel durch-» bohrte die Bnucheingeweidc, zwei drangen in die Herzgegend, lieber den Anschlag wird noch gemeldet:
„Frau Caillaux erschien gc-ren iün, Uhr >m „Figaro' und criuchie de» Bureäudicner, sie bk, Calmette anzumeldeu, Der Diener fragte nach ihrem Namen, Ivoran» die Frau erwiderte: Sagen sie Calmette, cS ist eine Dame, die er kennt und die >!,n für einige Augenblicke zu spreche« wünscht. Man führte Frau Eaillaur in de» Salon. Nach ctiva einer Stunde gab sic dem Diener einen versiegelten Briesunrschlag und brtt ihn, den Briet Calmette zu überreichen. Als Calmette um ’/.■< Uhr das Bureau in Begleitung des Akademikers Bourget verließ, über reichte ihm der Diener den Brief. Calmette üfjnetc den Brief und entnabm ihnr eine Karte, die er seinem Begleiter mit de» Worten zeigte: Entschuldigen Tie uiich, ick, werde die Dame
empfangen. Kann, war er in sein Arbeüszimmer zurückgckehrt, als , t d, Sie Besucherin ihm näherte nnb sunt R e volvcrichüsic ab feuerte. Alle Rcdakicurc des „Figaro", die sich iu den benachbarten Zimmern befanden, eilten iu daS Ar bel'Slabinctt des Direktors, der blutüberströmt in einem Fauteuil lag und leise stöhnte. Die Täterin stand unbeweglich in einer Ecke des Zimmers. Calmette wurde ein Notverba,id angelegt, woraus er iu einem Automobil in eine Prrvatklini! gebracht wurde. Während der Fahrt flüsterte Calmette wiederholt die Worte: Ich Iw En' meine Pflicht getan.
Gieszener Ktadttbcater.
(Kietz eil, 18. März.
Gespenster
von Henrik I b s c n.
Frau Helene Alving isl ihrem Manne ohne Liehe geivlgl, denn Basen und Tanten berieten ne, der reiche, lebenslustige Leutnant sei eine gute Partie: ohne Lieb' bat iie einen Sohn von ihnr enip- sangrn, denn der schwachhrrzige, lebensseige Pfarrer Mauders bar sie beredet, bei dem „„geliebteii. seine Lebenskraft verschleudernden Manne auS.zuhalte» : ohne Liebe gab sie ihren Lohn dahin in fremde Hände, damit ihn des Paters böses Beispiel nichl verlocke; und weil sie selbst ohne Liebe war. darum hat iie keine Liebe gesunden, darum mutz sie ei» schweres, tiefes Leid bis zur letzten Neige kosten. Ans 3cU'üi;u1:'l ha: sie. wie Proi. Tr. Colli» dieser Tage in unserem Blatte ansinhrlich auseinander gesetzt hat, ihren Mann ge nonrmen und an der Selbstsucht ihrer Umgebung vcrsvlittcrt iich schließlich ihre Kraft, ein Ovfer der Gesellschaft, deren sadcnschcinige Sittlichkeit iie genau evtemit, gegen die sie aber nicht anznkämpsen vermag. weil iie nicht stark und mutig genug ist. um sich selbst durch zusetze» Diese leitenden Gedanken ltzii Ibsen mit dem ganzen Reichtum seiner Ideenwelt nmkleidct. nnb mit einer technischen Meisterschaft sondergleichen bar er die Fülle seiner Gedanken in drei Akte von seltener dramatischer Wucht eingevannt, die um io be- nierkenswcrtcr ist, als wir die ganze, unendlich verwickelte Borge schichte erst nach und nach ersabre», im gesamte» Verlaus des Stückes Die von: medizinischen Siandpunkt ans unhaltbare Ber- erbungSgefchichte ist dabei von geringerem Belang, denn iie ioll ja nur Fron Alvings Schicksal verliefen, aber sie wird dadurch be sonders ausfällig, daß Oswalds jüngere natürliche Schwester als „schmuckes, kernirisches" Mädchen bezeichnet wird, da? dafür aller dings von feiner Mutter her erblich belastet sein soll und cbeniails hinaus i» die Welt zieht, um zugrunde zu gehen. Auch die beiden Männer gehen als Gerichtete von der Bühne, und der strenggläubige Pastor wird de», scheinheiligen Schreiner heiien, ein Kämmerherr- Alving An» zu errichten, das eine Freudenhaus sein wird Und wenn zun, Schlüsse die Sonne auigcht, das von all diesen Meiriche» ersehnte Sinnbild ihrer Ideale, da beleuchtet sie nur nach die Trümnrer einer morschen, im innersten Kern angcsanlten Gesellschaftsordnung,
Tie Ausführung, die zu Ehren unseres verdienten Obcrrcgis- seurs des Herrn Divorkowski. stattiano, dessen bedeutende Regiekunst wir schon so häufig trendig anerkannt haben, war vo» einer entzückenden Einheitlichkeit und Geschloslenhert. yjtbe Einzelheit war aufs sorgfältigste erwogen und alles io lein abgoihmmt, daß man iich 'mit ungetrübtem Genuß der Dichtung hrngeben konnle und der mcisterlichen Darstellung. Auch die einzelnen Mil wirkenden waren mit größtem Geschick ausgcwahlt, ,o d-tz icdcr eure Ausgaoe u> erfüllen hotte, die seinen beionderen Anlagen a»,s glücklichste entsprach. Wesentlich erhöht noch wurde drc Bedeutung des Abends durch die Mittoirkung von Frau T workowskl Sch rö t to r, der hochbcräbigtcn Gatlin des Künstlers,die uns ichon
im vorigen Jahre cininal mit ihrer feinen, ausgeglichene» Schau- svielkunst errrein bat. Auch gestern abend bot sie als Frau Alving ohne Zweifel die bedeute,idste und reifste Leistung. Ihre Helene ivar ivnndervoll beseelt »nd in jedem Zug liiiö in jeder Bewegung lebcns ivahr. Tu ivar gar nicküs gespielt, gar nichts gemacht: man stand unter dem Eindruck, daß ist die Frau Alving, die eine einzige, die lebl, Horb da oben im Norden, »nd mit zitternden Nerven ans das Leben horcht, das sie unverstanden ninslntet, Herr Tlvor- kvwski gab den Tischler Engstrand, und erfüllte den von, Trunk zermürbten imb vonr Leben zcrrüttelcn typische» Jbscnichkii Böse- wichl mit vollsaitigem Leben: verwildert, rauh, scheinheilig, ver- icknnitzt ,ind von ekler Ilnterwürsigkeit: ei» Bild des Jauäners und des Abschenes i,nd doch nur ein Erzeugnis der Gesellschaft. Herr : t e i » h o s c r spielte den Oswald sehr tüchtig uiid schlicht, erschüi- ternd innig, voll aiisbrcchendcr Leide,lichafi, voll Sehnsucht nach Leben und Soiiiie. Ueberaus gnl gelang ihm die. lastende Angst, die rrotz aller krampfhafter Lustigkeit über den, Wesen des »»glücklichen lastel. Als Regine ostenbarte Frl. Stet liier ivlcdcrum ihre rassige Krall, die io ctivas urwüchsig Wildes an sich bat, Ten sittlich und geistig beschränkten Pastor gab Herr 2 ch » b e r i mit strenger, eckiger Gemessenheit sehr trcisend und eindruasvoll, ^ Herr TworkowSki iind seine Frau wurden mil zahlreichen Spenden und endlosem Beifall bedacht. dl.
- Rtue Fresken der F r ü b r c n aiIlance a u i q e- f n li b c II. Aus Perugia wird berichtet: Bei den Wicderhcrstellunas arbeiten der Sant' Agostino-Kirchc in M o » t e t a l c o , des vracht volle» Frührenaiiiancebaues, iind eine ganze Reihe kostbarer und zum Teil ausgezcichncl erhaltener Fresken des Ouattrocento frei gelegt worden. A» einer Wand entdeckte man eine lresflich erhaltene Madonna mit einem Putto, dann stieß man aus eine reich ausgemalte Nische mit Fresken aus der Zeit von 1169. Der Haiivtinnd aber erfolgte in der SakramcntSkapelle, wo eine ioimdervolle Darstellung der Kreuzigung sreigclegt werden konnte. An der Dccken- wölbnng fand man Darstellungen der vier Kirchenväter, durchweg Arbeiten von benierkenSlverter Kraft des Gefühls n»d überraschender Beherrschung der Form. 'An den Seiicnwändcn gelang die Ans- deckniig eines segnenden Christus, zu dessen Seilen man die heilige Katharina und die heilige Elisabeth gewahrt. Tie Fresken ent stanrnien dem 15., zum Teil auch dem lll. Jahrhundert und lvurdcn von Gnoli als die Werke eines hochbegabten Schülers des Benozzo Gozzoli bestimml.
- Prof. Tr. Fr. M a ch a t s ch c k s z Iv c i t c R c i j c » ach R u i i i i ch - T n r k c st n ». Zur Forliuhrung seiner 1911 be gonnenen Bcobachmugen im westliche» Tiensckian tritt Prot, Dr. Fritz M a di g t f dh c f, Privaidozcnt für Geogravbie an der Wiener Univeriitäi, in, März d. I. eine neue Reise nach Rusjisch-Turkcftan au. aus der er den Anschluß an die Arbeiten von Proi. Merz- bacher, Friede,ichsen und Prinz aegen O. und Muschtctolv ,un. gegen S. erreichen will. Nach „Peterm. Mitt." will er zunächst seine Animcrksamkeit dem Taie des Murgbab, der Wüste Karakum »nd Ktzstzllum zmoendcn, die er von Aschabad über Ehiwa nach
Perowsk durchwandern will. Die Untersuchung der aralokasvischen Ablagerungen wird jedenfalls zur Lösung der Frage, ob in histo rischer Zeit eine Flntzverbindung zwischen Aralsee oder Amndocja nach dem Kaspische» Meere bestanden Hai, beitragen. Bon Perowsk geht es über de» Karatau und durch die Steppen gm Talas noch Äulie-ata, wo der Anschluß an die Beobachtiingen oon 1911 er reicht wird, dann wird die geologische und morphologische Erforschung der Gebirge bis zum Weftuier des Jfsyk-kul, des Aleran dergkbirges, des Alatau und der westlichen Tienschan Kette» am oberen Naryn in Angriff genommen. Wie 1911 wird auch aus dieser Reise der gegcinvärtigen roie der diluvialen Gletichcibedeckung besondere Aufmerksamteit zugewandt werden.
Eine G e i ch i ch r c vom Freiherr» v o n M ünch Hausen Der „Münchhausen", diese dcutsckieii Lügengeschichten, die durch die Rückübersetzung aus dem E»glück>eii bau Gattirred August Bürger in die klassische Form gebracht ivurden, ist längs zum Pollsbiicki geworden, aber bgs bistorische Urbild dieser käst licken Aufschneidereien (>at mail darüber vergessen. Er bat ivirklich gelcbi. dieicr berühmte Freiherr Hieronnmus Earl Friedrich von Münchhausen, war von 17M8 1750 Ossizier in russischen Dien
sie» und dann Gutsbesitzer, bis er 1797 im 77. Lebeusiahre starb. Neue Kunde von diesem durch seine ansschiveisende Phantasie UN sterblich geworbenen Manne, über den man io wenig weiß, wird ge wiß lviilkommen sein, und io sei hier out einen Bericht an einer wenig beachteten enilegenen stelle aufmerksam gemacht, nämlich iu den Erinucrimgen H. A. O. Reick,ards, der als junger Ltudent in Göliingcn mildem Frelberrn zujammentrai. An der Rüblendcrschen Wirtstascl vereinigte sich damals linier dem Tafelvräiidium eine? Barons von GrolhanS eine beiterc Tischgeiellschast, und mit diesen Herren speiste Münchhausen, wenn seine Angelegenheiten ihn nach Göttingen jührlc», Ter Freiherr führte dann bei Tisch das groß« Wort und erzählte aus dem reiche» Sck-atz seiner Erfahrungen und Erinnerungen, So war er auch einmal ivieder im besten Zage und zwar gab er die uns heute »Hü unbekannte Geschichte zum Beste»,, lote er „auf der Jagd eine Wolke Rebhühner einzeln binter einander ’nerlanfeiib angciroisen habe, unverzüglich scineii eisernen Ladestock in den Flinteulau» gesteckt und io haargenau geschossen, daß ihrer siebe» wie au einem Brativicßc augevilöckt worden ioären Das sei ihm so drollig vorgekomme», daß er die Rebhühner nicht abgriiomineu, sondern sie rupfen und an dem nämlichen Ladestocke habe braicn lassen," „Uiiglücklicherweise," erzählt Reichard Iveitcr „ricktcte aber Herr von Münchhausen die,cs sinnreiche Histörchen an einen fremden militärischen Reisenden, der zufällig sein Tischnachbar ivar. Ta dieser den großen Aufschneider nicht kannte, so glaubte er, derselbe, ivollc ihn hänseln, und weil aus der anderen Seite Herr von Münchhauicn durch das öftere Erzählen an seine eigenen Märchen wie <m ei» Evangelium glaubte, io entspann sich ein Wortwechsel: der Streii ward ernstlich und würde ohne Zweifel mit Kugclwcchieln geendet haben, wenn nicht Baron GrothauS den Fccindcn verstohlen mit, der Schwachheit feines Widcrsarycrs vertraut gemacht hatte,"


