Nr. 64
Ter Anzeiger
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Erste; Blatt
*64. Jahrgang
Dienstag. *7. März 19*4
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die heutige Nummer umfatzt 10 Seiten.
Tageskalcnder aus dem Fahre 1814.
17. März: Tie vereinigte hessisch-österreichische D i - Vision unter dem Kommando deS Prinzen Emil von .Hessen besetzt Belleville und Billefranche, nördlich von Lyon. . L
Der polensturm im Gotteshaus.
Tie poliiischeii Ausschreitungen in der Paulskirche zu Moabit stehen nicht nur nach einer Aeußerung des Berliner päpstlichen Delegaten, Prälaten Kleineidam (eines persönlichen Freundes des verstorbenen Kardinals v. Kopv) in der katholischen tsteschichte beispiellos da, sondern sie Wersen auch ein grelles Schlaglicht auf gewisse unliebsame politische Zustände, die man leider hat groß werden lassen, und an denen jetzt die Regierung so wenig teilnahmslos voriibergehen darf wie die öffentliche Mei nuna. Man erfährt jetzt die iiberraschende Tatsache, das; Berlin mit 80 000 polnischen Einwohnern die zweitgrößte Polenstadt des europäischen Kontinents gleich nach Warschau ist, dass Krakau, Lemberg und Posen dagegen nichts bedeuten, Breslau als Polenstadt längst von Berlin überholt worden ist. Man ersähet, daß ,n gewissen Vierteln Berlins, in Moabit und Charlottenburg, große geschlossene Polengemeinden bestehen, die ihre nationale Politik nicht nur durch viele polnische Straßenschilder dokumentieren, sondern durch ein Vereins- und Organisationswesen, das bereits als sörmlicher Staat im Staate erscheint und trotz vorübergehender innerer Zwistigkeiten plötzlich einmal auch als gesammelte Macht recht unangenehm werden kann. Die radikalen Borstürmer der polnischen Riesengemeinde Berlins haben ihre Äirchendemonstration schon von langer Hand vorbereitet, in Versammlungen ununterbrochen Hetzreden gehalten, ihre Kinder aus dem kirchlichen Kommunionunterricht, der natürlich in deutscher Sprache abgehalten wurde, herausgenommen, sie einem — Fabrikarbeiter anvertraut, der den Unterricht in polnischer Sprache erteilen mußte, und dann voni Pfarrer der Pauluskirckze verlangt, daß er diese Kinder zur Kommunion annehme. Tie Geistlichkeit der Pauluskirche hat sich durchaus korrekt verlzalten, indem sie das Ansinnen abwies. Tie Ablveisung gründet )ich aus Bestimmungen, die das königlich preu ßiskbe Provinzialschulkollegiuni im Einverständnis mit dem verstorbenen Kardinal v. Kopp nach päpstlichen Weisungen über die Erstkommunion der Kinder erlassen hatte. Und da ergibt sich wiederum die interessante Ausdeckung, daß das große Berliner Polenblatt, der „Tziennik Berlinski" von jeher gegen die Berliner bischöfliche Kelegatur gehetzt hat, weil dieze dem staatstreuen Kardinal Kupp unterstand. Tiese streitsüchtige Zeinmg hat seinerzeit auch ihrem Berliner Polenvolke die Parole ausgeteilt, sich an der Kollekte zum Jstbiläum des verstorbenen Kardinals nicht zu beteiligen.
Tie radikalen Polen wollen also nur deswegen mal anders ivie die Geistlichkeit, weil diese im Rahmen der staatlichen Ordnung zu arbeiten gewillt ist. Im übrigen kann man aber der katholischen Geistlichkeit den Vorwurf nicht ersparen, das; sie solche Ungezogenheiten und Zumutungen von radikalpolnischer Seite groß hat werden lassen, dadurch, daß sie, wo es nur ging, die nationale Bewegung rmter den polnischen Katholiken begünstigt und gefördert hat. Sie hat es getan aus Furcht, ihre Autorität über die
polnischen Volksteile zu verlieren. Es ist wahr, wenn die Geistlichen es wagten, zur Mäßigung zu raten, Friede» zu predigen, wurden sie beschimpft und verhöhnt. Die polnische Demagogie reckte dann die Muskeln und zeigte die Fäuste, und der Klerus wagte nicht den Kainps, sonderp unterwarf sich löblich. Unausgesetzt wurden die Polen im Gesühl der Zugehörigkeit zur polnischen Volksgemeinschaft bestärkt: den Versuchen einer Germanisation trat so mancher Geistliche in zahllosen Einzelsällen mit Geschick und ost mit Fanatismus entgegen, ja wie manches Mal versuchte man von geist- lickier Seite, auch schwankende Deutsche ins Polenlager herüberzuziehen. Diese Mißstände sind der Regierung bekannt. Sie dürfen auch angesichts des korrekten'Verhaltens der Geistlichteit in dem Moabiter Fall nicht vergessen und nicht übersehen werden. Ausgabe einer klugen Staatskunst wäre es, .für einen möglichst deutschen Priesterirachwnchs —vventl. in Uebereinstimmung mit Rom — zu sorgen, der dauernd und überall dem polnischen Ansturm standhält. „Rach meinem Dafürhalten", schrieb einst Bimarck in einem Fmmediat- bericht vom 0. Mai 1872, „liegt in der Erziehung des katholischen Klerus die Lebensfrage sür die weitere Entwicklung des deutschen Elements und der polnischen Agitation. Tie natürliche Folge ist das Verstummen der deutschen Predigt, und es scheint, daß schon heute auch diejenigen Geistlichen, die der deutschen Sprache noch mächtig sind, sich auf der Kanzel doch nur der polnischen bedienen," Und seinem Minister des Innern Grasen zu Eulenburg schärfte Bismarck ein: „Ich verkenne nicht die Schwierige leiten, 'welche der heutige Zustand der Gesetzgebung den Polizeibehörden in Betreff eines präventiven Gnschreitens gegen politische Umtriebe der Polen darbietet. Um so mehr aber scheint es mir geboten, daß die Polizeibehörden die ihnen zustehenden Befugnisse so nachdrücklich ausüben, wie die Ruhe und Sicherheit des Staates es erfordert."
Der Polensturm im Gotteshaus verlangt nicht nur aus kirchlichen, sondern auch aus politischen Gründen eine strenge staatliche Sühne. Maßgebend werden für den Staatsanwalt, der keines Strafantrags von seiten der beleidigten Kirche bedarf, die §§ 160 und 167 'des deutschen Reichsstrafgesetz- buches sein.
Revolverschüsse gegen den ftnnzösischenZinanzminifter.
Paris, 16. März. Die M u t t e r des Finanzministers Ca illaux feuerte heute im Bu-eau des „Figaro" aus den Tirekcor des Blattes Ealmette, der feit einigen Wochen eine überaus heftige Fehde gegen Caillaux führte, mehrere Revolverschüsse ab. Calmette wurde verwundet.
Der Anschlag hängt mit der großen politischen Kampagne zusammen, die der „Figaro" seit längerer Zeit gegen Caillaux fiihrte. Seit Wochen veröffentlicht Calmette täglich einen heftigen Artikel gegen den Finanzininister und druckte verschiedene Dokumente ab, die Eaillanx kompromittieren sollen. Bor einigen Tagen mischte sich allerhand weibliches in diese Kampagne. Der .Fsigaro" veröfsentlickiie einen Brief, den Caillau^ im Fahre lyll an z;ine Freundin gerichtet hatte. Fn diesem Briefs schreibt CaiUaux u. a.: Ich habe vor dein Senat die Einkommensteuer ruiniert und mir dabei den Anschein gegeben, sie zu fördern. Dieser Brief und seine Veröffentlichung sollen die unmittelbare Ursache zu dem Anschlag gegeben haben. Ter Fall erregt natürlich das größte Aussehen und wird die weitgehendsten politischen Folgen haben. Eink Ministerkrisis scheint unvermeidlich. Ganz Paris ist voll der wildesten Gerüchte.
©cntlfbc» Kcld».
K eine Reichsmittel sür die Reise des droii« Prinzen nach den Kolonien. In der Presse ist behauptet worden, daß die Kosten der Kvlonialreise des Kronprinzen aus Reichsmitteln bestritten werden und in einem Rachtraasetat gefordert werden sollen. Wie wir hören, trifft dies nicht zu. sollte der Kronprinz nach Ostasrika reisen — die Genehmigung des Kaisers steht noch aus —, so werden die Kosten aus der Schatulle des Kronprinzen bestritten werden. Fm Reichstage dürfte auch kaum Neigung vorhanden sein, Privatretsen des Thronfolgers aus Reichsmitleln zu bezahlen.
Die freie Eisenbahnsahrt der preußischen Landtagsabgeordneten. Das Zentrum hat zur zweiten Beratung des Etats für das Haus der Abgeordneten beantragt, die Staatsregierung zu ersuchen, den Mitgliedern des Hauses der Abgeorvneten für die Dauer der jedesmaligen Legislaturperiode und sür die gesamte Monarchie eine Fahrkarte zur freien Fahrt in beliebiger Wagenklasse auf den preußisch-hessischen Staatsbahnen zu gewähren. Der Antrag ist auch von Abgeordneten der nationalliberalen, der sreitonservativen und der fortschrittlichen Volkspartei unterstützt.
Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen sind an Bord des Dampfers „Cap Trafalgar" am Montag in Lissabon eingetrossen und vom deutschen Gesandten Dr. Rosen und einem Vertreter des Ministerpräsidenten M a ch a d o begrüßt worden. Um 5 Uhr nachmittags begaben sie sich an Land, um das Schloß Cintra zu besichtigen. Sie werden sodann in der deutschen Ge-, sandlscycist speisen und die deutsche Kolonie empfangen. Um Mitternacht gedenken sie an Bord zurückzukehren, woraus der Dampfer in See gehen wird.
Erfolge der deutschen Industrie. Der „Daily Chroniele" meldet, daß die Hannoversche Waggonfabrik in Linden von der südafrikanischen Eisenbahnverwaltung einen Auftrag auf Lieferung von 34 Passagierwagen erhalten habe.
Der österreichische ReichSrat hat sich ans Grund einer kaiserlichen Ermächtigung vertagt, da die deutsch-tschechischen Besprechungen ergebnislos waren. Eine RegierungSeriiärung besagt: Da oie Fortsetzung der Obstruktion gegen die wichtigsten und dringendsteil Staats, ersorderiiisse in der morgigen Sitzung- des Abgeordnetenhauses unzweifelhaft feststand, hielt die Regierung es für ihre Pflicht, die Vertagung des Reichsrates noch heute zu verfügen, nachdem sie bis zum letzten Augenblick die Fahne der parlamentarischen Arbeit hochgehalten hat. Denn die Regierung jetzt durch den Notvaragraphen der Verfassung in -icherheit bringen wird, was zur Wahrung der Machtstellung des Reiches und der wichtigsten staatsfinanziellen und wirtschaftlichen Notwendigkeit getan werden muß, so hat weder die Bevölkerung des Reiches noch das Ausland irgendwelchen Anlaß znr Beunruhigung. Es handelt sich keineswegs um eine iiefergeheiide Erschütterung des öffenk- lichen Rechts oder um eine Verfassungskrise mit weitgehenden Folgen. Tie Regierung kennt die durch die neue Situation ihr auferlegte Pflicht und wird sich von jener Linie, die ihr durch das eigene Gewissen und durch das Gemeinwohl vorgezeichnet ist, auch gegenwärtig nicht entfernen.
Das a l b a n i s ch e Ministerium wurde wie folgt gebildet: Turkhau Pascha: Vorsitz und Aeußeres;
ttailcrlicher hel'Söorschwuck.
Die interessante Ausstellung deutscher Edelsteine und Edelmetalle im Herrenhause zu Berlin enthält aus dem Beitz des Kaijeroaares verschiedene Schmuckstücke, zu denen ^>ie in Truttch- Tüdwestasiika geiundenen Heliodore in schöner Fassung benutzt sind. Besonders fesselt ein prächtiges Kreuz, das der Kaiser cm oergongencm Fahre seiner Gemahlin a's Onergobe ge pendec hat. Sckait Und Onerbalken bestehen ans olivsarbenen He lodoren von Haselnußgröße und hohem Glanze, denen als Einsa iung Diamanten und an den Ecken der Vcerung je eine große sanft ickim- niernde Perle gesellt sind. Tie Gesamimirknna, gehoben durch die Kunst des Juweliers, ist von hohem Reiz. Aus einigen Ringen und Vorstecknadeln aus dem Besitze des Kaisers glänzen gleich,alls Heliodore. Auch in dieser .Isolierung eutfattet der zwischen gelb lind grün schwankende Stein seine schönen Eigenschaften in ge- luinncndster Weise. Sicherlich wird er bald die allgemeine Gunst erringen imd sie. wie zu honen ist. trotz der Launenhaftigkeit der Mode, die leider schon manchem Edelstein gechade! ha!, dauernd bewahren.
2er umfangreichen Nomenklatur der Edelsteine gebart der Heliodor erst seit kurzer Zeit an. Im Jahre 1910 halte der in- znni'ch-en nerstorbrne Gouverneur und Direktor der Kvlonialge- sellsckait sür Deuiich-SüdwestaBka Rudoli von Bennigen auf einer Forschungsreise in der Nähe der Bahnlinie Swakonmund- Vindh'ik im Wüstensandc einen kristallinischen Stein gesunden, der nachdem er in den berübmien Steinschleisereien zu Isar bei Kreuznach geschlissen war. a's ein kickstbmuer Aquamarin erkannt wurde Wie der kostbare Smaragd, so ist auch der Aquamarin eine Varietät der in ihrer chemischen Zusammensetzung vorwiegend aus Kieselsäure Tonerde und Beriulerde bestehenden Mineral svezies Bernll Tväter wurde ein anderer Kristall gesunden, der sich nach wisienichasUilber llittermckmng als eine eigentümliche, bisher Noch unbekannt geweienc Varietät ebender, elben Mcneral- spezies erwies. Tie.e neue, bisher nur tu Teutich-«üdwestafr,ka qesundeue Bari-tot erhielt Ui Berlin den wohlklingenden Namen „Heliodor". Tic Kristalle des Steins gehören >me die aller Edelberylle dem hexagonalen System an imd rangieren w,e dme bezüglich ihres Härtegrades an siebenter -teile hinter dem Tminan- ten Sie lauen sick gut schleifen und durch rchtta und besttzen wie einige andere Edelsteine, berlvielsweiie Alerandttt und Amethyst. die Eigentümlichkeit, bei Lampenlicht eine andere Farbe als bei Tageslicht zu zeigen. Angeblich, soll Meie .«rben-er- ändcrung beim Heliodor daher rühren, oetfc er -soinen von ura- »iunt enthält und radioaktiv ist. . . „
An Wert steht der Heliodor hinter dem kostbaren tie, grünen Smaragd, der Krone aller Ed-lberylke, erhebstch zuruck. er erheot sich nicht k-her Han yf-niimuriH obwohl nicht Lusgeichloisen yt.
dolsl besonders prächtige Exemplare höhere Preise erzielen. So werden sür den bei Albany im nordamerikanischen Maine vorkom- mcnden Goldberyil. wenn er ein reckt tiefes und reines Gelb besitzt, Liebhaberprstje ge;ahlt, w lche ine vom gewöhnlichen gelben Edelberyll weit übertresten. Bei anderen Edelsteinen jyiclen die Liebhaberpreiie ebenfalls eine hervorragende Rolle. 2lls eine Spezialität Deutsch-Südwesiairilas wird der Hicliodor, falls er nick l in fremden Gebieten gesunden wird, immerhin als seltener Eiein gelten und demnach auch geschätzt werden. So gesellt er sich den kostbaren Tiamanlschätzen T.uctsch - Tüdwestairikas, von denen bie Ausstellung m>: zahlreichen kleinen und einigen großen Exemplaren - so mit einem Rohdiamanl non 34s, Karat — ein selselndes Bild bietet, unter sehr erfreulichen Aussichten Hinz».
O. K.
— Geheimrat Professor Paul Ehrlich, der Lecker des Königlichen Instituts sür experimentelle Therapie in Frank- wrt a. M., empfing am Samstag aus Anlaß seines 60. Geburis- iages viele Ehningen. Tie früheren und jetzigen Mitarbeiter Ehr- lichs überreichten ihm eine Truhe mit einer Sammlung von wiiien- schastlichen Aussätzen, die über die Ehrlichsche Tätigkeit erschienen sind. Geheiwrat von Weinberg sprach iür die Verwaltung der Senckenbergychen NaNirsorschenden Gesellschaii und trifte weiter mit, daß die beiden Werke Eaiielwu. Co. und die Höchster Farb- wrrlc aus Anlaß des 60. Geburtstages sür Proi'essor Ehrlich ein neues Laboratorium und nrue ÄGecksräiime gestiftet haben, die an das JnstiNci für experimentelle Therapie angetan! werden sollen. Professor Herxheimer, der für die Deutsche Dermatologiiche Gesell- kchack jpiach, überreichte eine ?ldrcsse non 400 namhaiien Terma- iologen, IN der sie Prot. Ehrlich ihren Tank ausspreckieu sür dcn Dienst, den er der Menjchheii durch die Entdeckung des Saloarsans geleistet hat. Im Lause des Vormittags waren viele .Hunderte von telegraphischen Glückwünschen an Geheimrat Ehrlich gekommen.
- Tie Deutsche Kunstausstellung in Baden- Baden wnrdc am Samstag in Anwesenheit des Kultusministers Tr. Böhm, des Geh. Oberregierungsraies Freiherrn von Reck, des Oberbürgermeisters Fieser sowie einer Anzahl Künstler von hier und auswärts und einer großen Zahl geladener Gäste eröffne!. Professor Engelhorn begrüßte die Anwesenden und dankte namenilich dem Karlsruher Professor Ritter sür seine Sonderausstellung. Professor Engelborn sch'vß feilte An'prache mi' einem Sock aus den Großherzog, woraus der Kultusminister die Ausstellung sür eröffnet erklärte.
— „Die Beilus mit dem Papagei" von Lothar Schmidt und Emil Schösser gelangte am Samslag im Königlichen -ckiauspielhause zu Berlin zur Urguiiührung. Tie Novität, die von den Verfassern als „keine orotische Konrödie"
bezeichnet wird, ist in Wirklichteil eine Komödie des Kunstverständnisses und der Kunstgelebrsamkeck, worin ein geschickter Theaiersachmann und ein namhafter kunstgelehrter mit Geschick und Humor einen sehr glücklichen Erfolg zusammen- geaibeitct 'haben. Tie Ausnahme des Stückes war bei einer ausgezeichneten Darstellung namentlich vom zweiten Aß an sehr ireundlick, echte Fröblichkeit erfüllte das dicht besetzte Haus, dessen lebhaften Beifall Schmidt namens der ersolgreichen neuen Firma dankend entgegennahm.
- Das Grab des Osiris. Eine ebenso bedeutsame wie unerwartete Entdeckung ist dem englischen Archäologen Pros. Naville bei den Grabungen gelungen, die seit zwe, Jahren aui der Stätte des angeblichen „Osireian" von Abydos im Tal des Nil vorgenommcn werden. Bei diesen Arbeiten, die säst völlig vollendet sind, glaubt der Gelehrte das Heiligtum entdeckt zu haben, das die griechischen Sckiriitsleller „Das- Grab des Osiris" nennen und wo man vermutete, daß das Haupt des Gottes bewahrk wäre. Wie Naville m einem Aussatz der Times aussührt, grub er zunächst an einem Tor weiter, das Flinders Petrie schon früher sreigelegt batte, und gelangte in einem langen mit Trümmern angesülllen Gang. Gegrnübrr diesem Durchgang stieß er in der Mauer ans eine Tür, deren drei gewaltige Schlußsteine, die ungefähr 5 Meter lang sind, schon zwei Jahre vorher von ihm entdeckt worden waren. »Niemals", io berichtet Naville, „hätten wir das zu linden erwartet, was wir fanden. Zwischen der Pforte und dem Temvel liegt ein vollständiges 5geiligtum, das sickier lich ans der gleichen Zeit wie die Pyramiden stammt und sehr zerstört, aber aus gewaltigem Baumaterial »usammehgeiügt ist. Es ist ein völlig einzigartiges Monument nnter den zahlreichen Tempeln und Gräbern des Niitales: es ist rechteckig, die Umlassungsmauern i'ind von 4 Meter Dicke und bestehen aus zwei verschiedenartigen Bekleidungen: die äußere Bekleidung der
Mauer besteht aus Rustika-Kalkstein, die innere aus großem Blöcke» von sehr hartem roten -andsteln. Tie inneren Berhchtnisse sind von 20 zu 30 Meter. Mächtige Säulen, die der Länge nach angeordnet sind, teilen das Innere in drei Schilfe. Tie Säulen aus 2lssuau-Granit tragen Archiirave, ebenfalls -kus Granit, und sind 5 Meter hoch. Tas mittlere Schiss führt zur Hintermauer, die nicht weit entfernt ist vom Temvel des Seti I. Tort fand sich eine kleine mit Steinblöcken verbarrikadierte Tür, die in einen großen, etwa 20 Meter langen Saal führte. Dieser Saal ist in einem vorzüglichen Zustande erhalten. Aus einer der Wände wie ans der Decke sind Gemälde angebracht, die Begraonis- szenen aus der Zeit Setis l. darstellen. Hier war das Grab d« Osiris, wie die Texte, die sich an den Akauern ausgeschrieben sdiden, zweifelsfrei erweisen.


