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Nr. 62

Der Sietzener Anzeiger

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Erstes Blatt

m. Jahrgang

Samstag. J4. März l9t4

General-Anzelger für Gberheffen

Rotalionsdnuk und Verlag der vrühl'schen llniv.Buch- und Zteindrnckerei 8. Lange. Redaktion, Lrpcdition und Druckerei: Lchulftratze 7

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>ilonatlich7öPs., viertel» jährlich Mk. 2 . 20 : durch Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 'Bf.; durch die Post ALL.viertel» jährl. ausschl. Bestellg, Zeilenvrcis: lokalI5Ps, auswärts 20 Mennig. Chesredakteur: A- Goetz. Perm,«wörtlich sür den volit. Teil: Aug. Goetz; sür .Feuilleton'', .Ver­mischtes" »nd,.GerichIs- lnal": !lorl Neurath; lür .Stadt und Land": Kurt Ben dt; sür den Anzeigenteil: H. Bcch

Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.

Tagcskalcnder aus dem Jahre 1813/14.

11- Marz: Ticlange Attaque" von Ber» au Bar Das 2. braiidenburgischc Husgrcnrcgimcnt wirst drei sran- zösischc Reiterregimenter nach heftiger Attacke

1>. März: Uebcrrcichung eines Fricdciisenttrnirss in C h a t i l- lon durch den ftanzösischcn Bevollmächtigten, in dem der Rhein als Grenze gefordert wird. Nach weiteren crgebnis- loicn Verhandlungen wird der Kongreß am 19. für aut- getost erklärt.

Politische wochcnschnn.

Gießen. 11. März.

Am Mittwoch hat der Bndgetausschus; der russischen Rcichsduma einen großen .Kredit für außerordentliche Rüstungszwccke bewilligt: der Sitzung ivohittei, alle Autori­täten des Leeres und der Marine bei. und es soll sich Haupt sächlich um Erneuerung und Ergänzung des Artilleriemate­rials, sowie um den Bau neuer Kriegsschiffe handeln. Ruß­land rüstet siebcrhaft. Nicht nur jener vielbesprochene Artikel derKöln. Ztg." hat dies fcstgestellt. Wenn ein Blatt >oic dieGermania", das unter der Aufsicht der Zenlruins- nlitoritäten steht, "wiederholt auf die russischen Truppenan- sammlungen an unserer Ostgrenze hinwcist und dazu bc- tcucrt, es sei für Sensation und salsck>eil Alarm nicht zu haben, beziehe seine Informationen auch nicht von der Re­gierung, etwa zu dem Zwecke, dgL- Publikum aus eine neue Leeresvorlage vorzuberciten, so darf man das ruhig glauben. Freilich scheint die Laltuiig des Blattes mehr von der Sorge für die österreichischen Interessen diktiert zu sein, als von Gründen, die unmittelbar das deutsche Rcichsintcresse an­liehen. Dabei mag die neue Mitteilung schon ihre Richtig- teil haben, daß an den rumänischen Grenzgebieten in der vergangenen Woche der Eisenbahnbetrieb für den Privat-, Güter- und zum Teil auch sür den Personenverkehr teilweise ganz gesperrt gewesen sei, weil alles Material und alle Gleise von der russ. Militärbehörde sür Truppen und Kriegsgerät- Transporte iu Anspruch genommen worden waren. Es ist festzustellen, das; die Organe aller politischen Parteien die verdächtigen russischen Bewegungen ins Auge gefaßt und mehr oder weniger sorgenvoll besprochen haben. Im alige- mciiien herrscht eine würdige Gelassenheit vor, mehrfach haben auch Blätter der Kinken hcrvorgehobcn, daß man sich von den Petersburger Wolken nicht bange machen lassen dürfe, und die fortschrittlicheHartungsche Zeitung" in Kö­nigsberg stellt fest, daß auch in unseren östlichen Provinzen nicht die allergeringste Beunruhigung zu benierkeii sei, na­mentlich hätten die kritischen Erörterungen auf die Spar kaiscii und Banken nicht ungünstig eingewirk!.

Bevor wir ein wenig näher aus die Gründe eingehen. die das russische Wassengeklirr hcrvorgeruscn haben, müssen loir daraus verweisen, wie die deutschen Feststellungen im Zarenreiche gewirkt und was sie für Entgegnungen im Ge­folge gehabt haben. Das amtliche Wolfs-Bureau verbreitete gestern abend folgende Veröffentlichung der offiziösen Rossija", ans der ersichtlich der vorsichtige diplomatische Geist Sasonolvs fvricht ,dcr ja vorläufig noch am Ruder ist: Tie gewisscnhaftcftcn unter den deutschen Zeitungspes imisten begnügen sich nicht mit der nackten Behauvtung einer vermeint­lichen Abkühlung der deutsch-russischen Beziehungen, sondern suchen ihren Lesern den Grund dieser traurigen Erscheinung zu er­klären. Tan dies mehr als eine undankbare Aufgabe ist,

beweist der llmstand, daß sich diese Journalisten genötigt sehen, von der Behauptung auszugchen, daß die historische rustisch-deut- sche Freundickmil bereits seil langet» de saeto keine reale poliliiche Größe kei, da sic ausschließlich zwischen den russischen und preu­ßischen regierenden Häusern, aber nicht zwischen den beiden Nach barnaiioncn existierte. Wir würden »ns nicht wundern, wenn eine derartige Behauptung von der deutschen radikalen Presse ausgehen würde; denn cs ist ganz natürlich, das; der zeitgenössische Ratilalismus eine dynastische Politik nicht nachempsingc» kann, auit in dem Falle nicht, wenn sie den nationalen Interessen cnl spricht. Leider haben jedoch diesen Gcdanlen auch einige konser­vative Zeitungen ausgesprochen, wobei sic aus das Ende der Legende der rus.iick -deutschen Freundschaft hinwci c». Tcm gegen­über muß vor allem scstgestcllt werden, was unter dynastischer Politik und gegenseitigen Sympathien benachbarter Nationen zu verstehen ist. In srühercn Zeiten, als in den internationalen Beziehungen die jetzt vorhandenen Faktoren noch nicht mitwlrktcn, als lie Presse noch kaum existierte und das allgemeine kulturelle Niveau »och Mißcrst niedrig war, konnte von keiner andern Po­litik als von der dynastischen die Rede sein. Daher ist die Bc- bauviung vollkommen begründet, daß, wenn sich die Annäherung Rußlands an Teutichland glück.ich gestattete, ireundschastlichc und verwandsckastlichc Bande zwischen den russischen und den prcußi- schen Hcrtsck erhäusern viel dazu beitrugen

Aber auch in ;c»en Zeiten wurde die Sache nicht alscin durch eie dynastische Freundschaft erschöpft: es gab Fälle, wo beide Nachbarreiche, welche gleiche politische Ziele vcrsolaten, Hand in Hand ginge», um letztere zu erreichen. W o r i n b c st c h c u d e n n die aggressiven Absichten Rußlands Deutschland gegenüber? Wirsind beiden, b c st e n Willen außer Staude, darauf zu antworte», lins dient dabei als Trost, daß auch in den deutschen Zeitungsartikeln in dieftr Hin­sicht keine bestimmten Hinwei-c zu finden sind. Wen» Rußland uni die Entwicklung seiner Kri'gsküacht sich bemüht, tut auch Teutsch- land dasselbe, ohne dadurch aus Seile» der russisch-» Presse Beschult igungen hervor urosin Können de n die deuts'e, Zei­tungen auch nur eine Großmacht nennen, welche erflärt hätte, daß sie ihre Kriegsmacht bis zur äußersten Grenze gebracht habe und keine weiteren Anstrengungen in dieser Richtung machen wolle? Tie deutsche Presse selbst, wenigstens ihr größter Teil, weist sehr energisch die Zuläsi-ikeit einer Vcrringerunq der deut­schen Flottenbauprogramnie zurück, w nn eia solcher Antrag von liberaler c n g l i s ck e r Seite ausgehc» sollte. Wäre es nicht besser, wenn die deutsche Presse, anstatt verwickelte Voraussetzungen über die Beweggründe aufznstellcn, von denen die russische Regierung fiel: leiten läßt, indem sic an der Vermehrung und Vervollkomm­nung ihrer Kriegsmacht arbeitet, sich bemühe» würde, Reibun­gen n n d N! i ß v c r st ä n d n i ll e g l ü ck l i ck: z n b c s c i t i g c n , welche immer zwischen R a ch b a r st a a t e n , ob sic auch durch langjährige Frcundsck,aitsbande ver­einigt sind, e u t ste h e ii können? Tic deutsche Presse be klagt sich über die Hetze der russischen Presse gegen Deutschland. In tsc'er Beziehung kann man nur sagen, daß unter den deutschen Publizisten eine nicht geriuae Zahl von Elementen vorhanden ist, die Rußland mißgünstia gesinnt sind. Es solqt jedoch daraus nicht, daß die Regierungen Rußlands und Deutschland? beabsichtige», über der Legende der deutsch-russischen Freundschaft das Kreuz zu machen.

Nach einem ziemlich nichtssagenden Interview des Petersburger Mitarbeiters eines ungarischen Blattes mit Sasonow soll dieser n. a. gesagt haben:Wir wollen keinen Krieg; wenn wir »nscre Armee verstärken, geschieht dies zu dem Zwecke, daß loir gewissermaßen den Frieden erzwinge »". Es wird also der deutsche,, Presse jetzt ivohl doch erlaubt sein, darüber nachzudenlen, was Rußland veranlassen lönntc, von uns de»Frieden zu erzwingen", oder über dieReibungen ijnd Mißverständnisse" nachzusin- ncn, die >vir nach derRossija" beseitigen helfen sollen. Durch die amtliche russische Kundgebung wird es in der

Tat überflüssig, weitläufige historische Rückblicke anzustcllcn und etwa, wie dies z.B. der Reichstagsabgeordnete Gothein imBerliner Tageblatt" tut, sestzustcllen, daß schon unter Bismarck Unstimmigkeiten entstanden seien, der durch sein Verbot der Beleihung russischer Anleihen dem russischen Bedürfnis den deutsche» Geldmarkt gesperrt habe. Das sind doch tvohl nicht die beklagtenReibungen und Miß­verständnisse", und auch die Wirkung der Schutzzölle, die Herr Gothein in die Erörterung zieht, können wir diesmal unbeachtet lassen. TieRossija" verweist uns vielmehr ganz deutlich darauf, daß dieMißverständnisse" in der jüng­sten Vergangenheit entstanden seien, indem sic nämlich von Nachbarstaaten spricht, die durch langjährige Frcmidschafts- bandc vereinigt gewesen seien. CP handelt sich fraglos um die Nachwirkungen der letzten Balkankriege, um die deut­schen Bemühungen in Kleinasien, von denen Rußland seine angebliche» Rechte bedroht sieht. Vielleicht hat Herr von Bethmann-Hollweg tatsächlich Anlaß zuMißverständnissen" gegeben, indem er den Fall Liman v. Sanders mit zu be­scheidener Gelassenheit behandelte und vor der anmaßlichen Einmischung Rußlands einen Schritt zurücktrat. Wir hoffen, daß der deutsche Kanzler niemals ein Kreuz darüber machen ivird, das; unsere mit großen Opfern cingclciteten Bemü­hungen in Kleinasien etwa von Rußland beiseite geschoben werden sollten. Wir haben die Acußcrungn o ch eines Peters­burger Blattes zu erwähnen, derBörsenzcitung", die trotz ihres friedlichen Titels am Donnerstag kriegerische Er­klärungeneines hohen Milttärbeamten" veröffentlichte, hinter denen man sogar, wohl mit Unrecht, den Kriegst minister vermutet. Da steht z.B. folgender Sah: 'Bisher hatte der russische militärische Operätionsplan defensiven Charakter; heute weiß man, das; die russische Armee im Gegenteil eine aktive Rolle spielen wird." Ferner wird stolz aber ein bißchen int Widerspruch zu den Tatsachen i behauptet, die russische Armee ,,pflegte bisher in Feindes­land zu kämpfen", und ihre tatsächliche Stärke sei in der letzten Zeit um ein Drittel vermehrt worden. Und auch dieser Erguß schließt mit einer Warnung und Drohung: Ebenso wie der Herrscher wünscht Rußland den Frieden, aber cs ist im Bedarfsfälle auch gerüstet."

Die deutsche Presse erfüllt ihre Pflicht, indem sic a» die deutsche Regierung die Aufforderung richtet, zielbcwußt aus dem Wege unserer Kolonial .ijiid Auslandspolitik voran - zuschrcitc». Wir dürsen um der zweiselhaste» russischen Freundschaft willen keine Aussichten und Interessen preis- gcben, nnd Drohungen dürfen uns nicht cinschüchtern. Ter Konstantinopeler Mitarbeiter eines Pariser Blattes hatte dieser Tage mit mißgünstigen Glossen es ans Licht gebracht, daß Deutschland auch italienische Wünsche in Kleinasien heimlich fördere. Italien hat bekanntlich, solange seine For­derungen in Tripolis und der Cyrenaika noch nicht gänzlich erfüllt sind, 12 Inseln, darunter Rhodos, als Faustpfand zurückbehaltcn. Es wird für die ihm daraus erwachsenden Kosten später ivohl in Klejuasicii einen Ausgleich bean­spruchen. Vielleicht handelt es sich um Eisenbahnpläne, die in dee Tat von Deutschland geduldet und gesöroert werden könnten. Das gibt natürlich Reibungsstoff in den Bczic- hunge» mit Rußland und Frankreich. Rußland verfolgt selbst mit gewohnter Zähigkeit ei» Programm, das in einer Petersburger ZeitschriftHeer und Flotte", diemit Er- laubnis" des Kriegs- und Marinemimstcriums erscheint, dieser Tage sehr deutlich enthüllt worden ist. Wir geben ans diesem Aufsatz, dessen Uebersetznng loir in i-rDeut­schen Tageszeitung" sinden, einzelne Abschnitte ivieder, die

Gicszcncr Stadtthcatcr.

Der Widerspenstigen Zähmung

von Shakespeare.

Sbakeivcarcs wundervolles Schelmcnltück von der Zähmung 'der Widerspenstigen ging gestern abend in einer sorgfältigen, sinuntcren Aussührung nach langer Pause wieder einmal über liniere Bühne, und die Zuschauer unterhielten sich miss beste bei dem köstlichen Witz des aiten Briten. Die Shakespeareiorscher sagen zwar, daß der Dichter die Handlung und auch die Charak­tere säst unverändert einem älteren Lustspiel entnommen habe, aber Mas tut das! Tic witzige, geistvolle Sprache itt ganz sein eigen, und der sonnige, belebende Humor nicht minder. Freuen loir uns dessen, was wir haben und zergrübeln wir »IIS nick» den Kopf mit fruchtlosen. Stöbern in verstaubten Papieren. Tic Gelahrtheit hat noch keinen zum Dichter gemacht, keiner Dichtung zum Leben verholten. Und hier ist Leben: buntscheckiges, irisches, überschäumendes Leben mit vollsastigen Mensche».

Das Leichte, Graziöse, das Jagende und Vibrierende, das in der Dichtung lebendig ist, war von Herrn Dmorkowski präch tig herausgcholt worden, und ging mit sicghastcm Lachen über die Bretter. Auch die einzelnen Darsteller waren mit größter Umsicht an ihre Plätze gestellt worden, io daß eine i»»llen ihren Teilen nntadelbaite Aussührung herauskam. Frl. Stcttner gab die holde Widerspenstige mit dem glücklichen Temperament d:nd der strotzenden Krastsüllc ihres reichen Talentes, das sich rmnier umfassender erweist, und das die blutjunge Künstlerin wohl einmal zu einer Höhe führen Ivird. wenn sie mit dem gleichen Eiter wie bisher an sich wcilerarbcitet. Für den humor­vollen Gewaltmenschen Peirucchiv ist Herr Höcker mit allen Vorzügen ausgcstattet, die der Rolle iörderlich sind, und er verwandte sie aus» glücklickne, so daß eine schöne und eindrucks- noltc Leistung zu ivcge kam. Als Luccntio entfaltete Herr G r o s f e r - B raun glänzende Fähigkeiten. Jugend, Frische, Begeisterung und innige Hingabe lieh er dem ftürmischkeckc» Lieb­haber und erweckte viclversprechende Hossnungen aus den.nächsten I'Huio Eine gewisse fahrige Hast in den Bewegungen wird er Noch ableaen Eine köstliche Figur bot wieder Herr Goll als Diener Grumio: voll heftcrsier Lebenslust und verschlagener Schlauheit Herr Grosser gab den gescheiten und listigen Diener Lucentios mit überlcbencr Sicherheit und würdevoller Sclbsthcrrlichkcit ganz vvrtrcsslich. Sehr ergötzlich spielte Herr Bochum den eitlen Gremio, in Haftung, Bewegung und Aus- Iruck der vollendete Geck. Herr Schubert und Herr Votck stgnden als vorsorgliche Väter sicher im Rahmen; jeder am rechten Ort. Frl. Dagny gab eine liebe Bianka, die auch in Ihrem erwachenden Eigensinn iwcki immer niedlich war, Herr Rottcck den selbstgefälligen Hortensio mit drolligster Komik.

In seiner kleinen Rolle als Tchauivieler wirkte Herr Twor- kowski sehr erheiternd und als Schneider Herr Elkin des gleichen. Zu erwähnen wären dann noch Herr Stichel als Curtis und Herr Ulrich als Biondeljo, die ihre klcincn Rollen voll- ionimcn erfüllten. . N.

Ausstellung Münchner Künstler im ttunstverein am 8randp!ast.

Gießen, 14. März.

Der Frühling Hai sich über Nacht im Ausstellungsräume des Äunstverciiis eiiigcniftct. Ein skrahleitdes Leuchte» kündet es. Hier mattes, sinniges Lächeln, dort kiastvollcs, lcichtberzigcs Jubeln der Farben, schwere und sonnige Valeurs, modulativns- reicher, sarblichcr Zusammcnklang, lcbcnswarme Gestaltungskrast - alles ein brünstiges Naturgebet, ein erhitzender Pulsschlag ernststrcbendcr Kunst. Die !am aus München, stolz zu zeigen, was an den Provoläen künstlerisch geickaiit wird. Natürlich ist cs mir ein Teil Monachicnsischcr Kunst, den der Aussteller-Verband Münchener Künstler in iicki krislaftiiiercn kann, aber ein wert­voller, eine Vereinigung jugendlich-irischster Begeisterung und männlichen Taternstcs mit mchr oder minder ausgeglichenem, hoch zu bewertendem Können. Und dabei huldigt dieser Verband nicht mit schwarzer Unduldsamkeit einerRichtung", einer Formel der Ansdrucksmittel: Secession, Münchener Künstler- genoncnschaft. Bauern oder Lmtpoldgrupve finden sich hier iricd- lich nebeneinander, töten so die sonstigen Sammlungen oit gciähr- lsichc Gleickisörmigkeit lind strahlen eine belebende Frische dcs Maniiigialtigen aus. Ta sieht man brcilslrichig und krajiool! angelegte Landschaften neben detailliert aearbeileien, seintoiilgen, glatte, sorgfältige Darstellungen des Figürlichen »eben krast- ttenialischc», vom Licht gestalteten, abgeblendetcu, eigensinnig rra- llstische». Hier intime Genrebilder, dort Parklandichailcn von großer Geste sBaverlei» , hier ein hingehendes Versenken in die Natur, dort Festhalten ilückitiger Eindrücke. Betonung der Farbe, der Form, des Stils und freier malerischer Ausdruck. In ihrer farblichen Wucht wie Oclbildcr wirkende Aquarelle l.hcinrich »ettu]!. Tempera lote das in der Beleuchtung so sublimeIm Streiflicht" von Ernst Liebcrmann, prächtige Tierbilder eines -Zügel-Schülers, Lüdecke-Clcvcs, Alle wieDas gelbe Strumvs- band " von Manch, das Habermanns Einstuß verrät, Alpcnbildcr, Marinen, intim wirkende, beseelte Genres von Schräg, bewegtes Pathos zweier Schrader-Vclgcn. Dazu Plastiken einer lehr persön­lichen Knnft Wilhelm Kriegers. Und diese Reichhaltigkeit - von Schräg, der deswegen von München kam, mit kuftiviertcin Geschmack und Erfahrung hier geordnet eint die Ciialität, deren möglichst hohes Niveau der Aussteller-Verband anstrebt. So gestaltet kann die Sammlung getrost durch die deutschen

-Städte inandern, zun, Segen der ausstellenden Künstler, des lunstbetätigenden Miinckien nnd des Publikums selbst, das hier sein Verständnis für Malerei vertiefen kann. Wir kommen aus die Einzcllcistungcn noch zurück. G c o r g M a r g u t h.

Der Begründer der Scrumtl'ernpie.

Zum 60. Geburtstage Emil v. Behrings, 15. März.

Es gibt nicht viele Acrzte, deren Name in so weiten Kreisen bekannt geworden ist. wie der Emil v. Behrings: Tausende und Abertausende von Eltern verdanken Behring die Rettung ihrer Kinder vor der Diphtherie, die durch Behrings Diphthericscrunl beinahe uniehlvar gebcill wird, wen» es rcchtzeiiig angewandt wird. Diese eine Leistung Behrings, die Eriindung des Serums, ist es, an die sein Weltruf anknüpst. Es war aber mchr als ein einzeln stehender Erfolg, es irar der Ausgangspunkt einer ueucu Heil- meihode, die Tckaisung eines neuen Zweiges der ärztlichen Kunst, der sich in zwei Jgt.rzchntcn reich cutwickcft Hit.

Im Jahre tdlüt trat Behring, damals noch Militärarzt, mit eiltet Mitteilung hervor, die das größte Aussehen erregte: c> behauptete und benies, daß man durch Einspritzung des Serums von Tieren, die gegen Tiphthcricgist immun lind, andere Tiere vor der tödlichen Diphtherieinsetlion bcivahrc» könne. Fast gleich zeitig hatte er zusammen mit Kitasato Aehnlick/es sür cinc andere Krankheit, de» Tetanus jStarrkramps- uachw iscu können. Jetzt war mit einem Schlage cinc neue Erklärungsmöglichkeit sür das so merkwür ige Phänomen der erworbenen Immun! ät gegeben, und Behring nies nachdrücklich daraus hin:Die Immunität von Kaninchen und Mäusen io drückte er sich aus die gegen Tetanus immunisiert lind, beruht aus der Fähigkeit der zetten freien Bl»!stüsftgkcit, dir torischen Substanzen, welche die Tetanus- bazille» produzieren, unschädlich zu machen." Ein neuer -Begriff, der der Antitorinc, war hiermit iu das wincnichastlichc Denken cingcjührt, und an diese äußerst wichtige Entdeckung knüvft eine sruckiibare Periode der Jmmunilätsiorschung an. in der der Name Behrings, der inzwischen eine Professur in Halle angenommen hatte und dann einem Ruse nach Marburg gesolgt war, wieder und wieder genannt lvurde. Behring war von chemischen Bchand- lungsweisen ausgehend zu seiner Jmmunitätslchre und Serum- tberapie gelangt. Tie ersten, die die bakteriziden Eigenschaftc» de? Blutes entdeat hatten, waren Gscheidlen und Traube 71874) ge­wesen. In den folgenden anderthalb Jahrzehnten hatte man die merkwürdigsten Beobachtungen gemacht, so hatte Beh'ing selbst mit Jodtrichlorid Heilerfolge bei Ttvhthcric erzielt und war auf die tnerkwürdige^ Tatsache gestoßen, daß die Krantheftserreger nicht abstarben, sondern ihre Virulenz behielten. Ostenbar so schloß er hatte das Blut die Eigcnschast angenommen, das Gift der Tiphthcricbazitten nnschMich zu mache». Tas gleiche ließ