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**(i c p c b i t i o II » n et) 91 c 11 )l a m t [ u n 19 1 3". Dkl fiebente iHTcnftiriif Sorttan im CrtdfletBcrbcBcmn unb fauiimimii schen Verein war unserer iüngstcn .'tolanie netmbmet. Tr. Paul R o h r b a ch aus Berlin schilderte aus eigener Airschauunß unb Er- sabruna dem Publikum, das bitlit gedrängt die neue Universitäts- aula iüllie, Land und Leute Kamerun». Ter Vortrag batte vor io mauclicm den anerkennenswerten Vorzug, echt volkstünilich zu lein. D>crr Rahrbach u-ac ni:l r Siebter, er war Erzähler und wußte in bieicr Eigenschaii seine Hörer zu sesielu und Irotzdem oder gerade darum zu belehren. Ter Vortragende bestimmte zunächst die Oie sickitspunkte, unter denen Kamerun und besonders Ren-Kamerun zu betrachten ist, ehe er ein abicküießenSes Urteil sällte. Ta sind zunächst drei Teile, au» denen Kamerun sich zuiaminensetzt: das Watdgebiei, da» Grasland nördlich davon und noch weiter .111 Rar den das fruchtbare Adamaua in, Tsckiadiee Becken. Da» Wald- gebier ist ein uniruckitbare» Siand und wird zumeist von säst un- diirckdringlichein Urwald und Süinvien bedeckt. Nur ganz verein­zelt iindet sich vulkanischer Boden, der durch seine Näbrstosse inten- sioere Zdultivierung zuläßt Zeuch jagdbare» Wild bietet da» Wald­land nicht. Zn krassem Gegensatz dazu steht die zweite Gebietsart. da» Grasland, da» einen ausserordentlich reichen Wildstand aus- - »weisen hat. Ta» Siand liegt etwa 1000 Meter über dem Meere» soiegel, und ist demgemäß trockener, kühler und eher ertraassäbig als da» Waldland. Auch der Menschenschlag liier ist intelligenter und krästiger. Ter beste Siandstrich ist jedoch da» nördliche A d a - maua, da» sich zum Tschad-Tee abdacht. Ter Sandboden ist sehr fruchtbar, da» Klima gesund Tie Bevölkerung ist inobammedanisch und hat auch zum groben Teil die arabische Tracht übernommen. Das reiche Siand könnte einen guten Gewinn sür Teutschland brin­gen, wenn Eisenbabnwege angelegt würden, deren Bau allerdings mit ganz enormen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Ter Ausbreitung de» Ackerbau» stellen sich in Kamerun an den Stellen, wo er rentabel betrieben werden kann, auch noch erhebliche Hindernisse in den Weg. Da» Rind kann keine Verwendung finden, da e» der Tsedsesliegc bald erliegen würde. E» kann daher kein Pflug benutzt werden, sondern der Boden ist mit der Hacke zu be­arbeiten. Zit dieser Arbeit kann sich aber der Mann nicht ver­stehen, sic wird von den Weibern allein geleistet; die .Halste der Kräfte gehr also verloren. Sehr schlecht ist c» um die gesund­heitlichen Verhältnisse bestellt, vor allem sehlt neben und nach der Muttermilch die rechte Kinbernahrung, da Kuhmilch nicht vor­handen ist. Ten grünten Platz in der Leidensgeschichte der dortigen Stämme nimmt die Schlafkrankheit mit ihren verheerenden Wirkun­gen ein. Das endgültige Urteil über Kamerun must also lauten; Es -st ein Turchschuittsland, nicht besser und nicht schlech­ter als die übriaen Länder OstasrikaS auch. Tann ging der Vor­tragende aus die Umstände iich die nähere Veranlassung ein, die zum Erwerb Neu-Kamerun» sührten. Sehr gute Lichtbilder folgten dem Vortrage, der reichen Beifall fand.

** Grund st ücksverkehr. Grundstücke zu Roßdorf und Ober Ra m stabt, die aus de» Namen Bleidenbach, Karl Könrad, in Roßdorf im Grundbuch für Dber-Namstadt, und im Grundbuch iür Rostdors aus den Namen von Breidenbach, Karl Konrad. und Breidenbach, Eltsabcthe geb. Grünewald, dessen Ehe- srau, eingetragen waren, sollen Montag, den 20. Avril 191 4, nachmittags 2 Uhr, aus dem Gemeindehaus zu Rostdors in, Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden. Grundstücke zu Gensingen, die auf den Namen de» Landwirt» Philipp Peter Blank in Gensingen eingetragen waren, sollen Samstag, den 25. April 191g, vormittags 9 Uhr, in, Gemeindehause in Gen­singen im Wege der Zwangsvollstreckung versteigert werden.

»»Ter M ä r z im V 0 1 k s m u n d e, Ter März hieß früher allgemein der Lenzenmonat, und wird jetzt noch vielfach io ge­nannt. In Bezug aus die Hossuungcn, die die ländliche Bevöl­kerung an den März stellt, tritt im gesamten deutschen Sprach­gebiet und weit darüber hinaus eine ganz seltene Uebereiustiiu mung hervor. Mögen sollst in den verschiedenen Ländern und Laichstrichen bezüglich der Witterung in den einzelnen Monaten verschiedene Hoffnungen und Wünsche laut werden, vom März ivird allgemein gewünscht, daß er trvcken >em und nicht allzuviel Frost und rauhe Winde bringen soll, dagegen werden sür da» Gedeihen der Fluren fast überall warme Winde für notwendig ge halten. Wie aus dem Sprichwort hervorgehtMit dem Märzen ist noch nicht zu scherzen", weiß deck Lani-mann zwar, daß dieser Monat noch kein Sominerwetter bringen lann, aber er soll eben nur der Abschiedsbote des Winter» sein und nicht allzu streng auiteete».Ter Monat März greift dem Winier ans Herz", Märzenschnee tut der Flur nicht weh" undSchnee, der im Märzen weht, morgen» kommt und abend» geht", da» sind nur einige Ausdrücke dafür, wie sich der Landmann da» Austreten de» März al» Ausgangsmonai de» Winters wünscht. Ter Hauptwunsch der ländlichen Bevölkerung, daß der März trocken und nicht kalt sein soll, daß aber warme Winde wehen müssen, kommt in be­sonder» vielen Sprichwörtern zum Ausdruck.Bleibt der Märzen trocken, bringt er fette Brocken",Läßt der März sich trocken an, bringt er Brot sür jedermann",Trockner März bringt Freude für de» Landmanns Herz",Feuchter März, Landman»» Schmerz", Märzregen ist niemals von Segen",Nasser März bat keinen Wert, Märzenstaub ist sehr begehrt",Wenn der März is. keucht, tvird das Brot sehr leicht", diese und noch andere Sprichwörter zeigen uns, wie sich der Landmann den März wünscht. Tast dieser schon viel Sonnenschein bringt, ist nicht nötig, dennMärzen sonne - kurze Wonne" oder auchMärzensonnenschein läßt aus den Fluren nochichlS gedeibn", außerdem kann ein zu sonniger März den Landmann zum srübzeitiqe» Säen persühren und da» lann von Schaden sein; oitmals schlägt da» Wetter doch noch einmal um Uttd dann trifft da» Sprichwort Zit ;Wenn du säst im März zu^srüh, niachst du dir oft vergeb'ue Müh'", Fm März nehmen die Tage schon wieder bedeutend zu, und so sagt auch der Landmami nicht mit Unrecht;Zm Märzen spart man den Kerzen".

Landkreis Gießen.

Tie Unterichleife in Hungen,

Wie wir bereits vor kilrzcm inilleillen, lu;t der Vor­schuß- und Krcditverein zn Hungen mit einer großen U n t e r b r l a n z abschließen müsse», die durch leicht­sinnige Geschäftsführung und Unterschlagungen des Rechners Heinrich Schmidt I. entstanden sein sollen.

Bon gut untcrrichteler Seile erhalten wir dazu fol­gende Mitteilungen:

st. Hungen, 4. März. Ter Verlust, wie er in der Haupt- versamtnlutig am 8. Febr. durch Fcststellttng der Bilanz ange­nommen tmirde, beträgt 126 761. Mk. Tarunter iiitb rund 25000 Mk. »uterichlagungcn de» Rechner» Sch midi enthalten Zur Tcckuiig diese» Verluste» waren zunächst zu verwenden 8850 Rark Oieschäsis-Gitthabeu der Genossen und 18 045 Mark Vermögen de» Vereins, dann kommt die aui Schmidt» Vermögen eingetragene ipicherungshyvolhek von 98 000. Mk., die von der Hauptversammlung nur mit 90000. Mk. bewertet nnirde. Ten Rest von 69 876. Mk. haben die Genossen auizubrängen und zwar sind herauzuziehen aucks die in 1912 ausgejchiedeue» Ge­nossen, da diese Bilanz iür das Gcschäslssahr 1912 ist.

Tie Richtigkeit dieser Zahlen ist au» der verössentlickten Bilanz unter Zuhilsenahme der 1911er Bilanz leicht zu er- iehe». Es sind allerdings zwei kleine Rechenfehler im Trubel der Hauvtoerigminltttiq am 8. v. Mts. unterlaufen, als 78 Mitglieder je 897. Mk.. 69 966 Mk. -nicht 69 876. Mk.) zahlen unb die Bticheiniagen nicht 427 197, Mk., sondern zehn Mark ioeniger beiroqe». Ties gibt aber keinen Ausschlag. Tie Bilanz war vom Vorstand und Aussichtsral unter Beobachtung der Sorgfalt eines orbentlichen Geschäftsmannes ausgestellt nwr be», die Generalversammiung hat sogar die Verluste noch höher angenommen Und wollte dadurch Rachforderungen verineideit.

Es kann wohl mit giUem Gewissen gesagt werden, daß die Verluste in Wirklichkeit nicht größer sei» werden, sondern biel- t eicht noch etwas von den Nachzalstungen der Mitglieder übrig bleiben wird. Mit Ausnahme der direkten NnlerschlagungenSchimdts und der bereits sür fest erniittelien Verluste beruhen die übri­gen Ausfälle nur aus Schätzungen, die jedenfalls nicht zu ge­ring qegrnsen sind. Rur sei erwähn,, daß die Sicherungs- bvpotbek Schmidts von 98 000. Mk, voraussichtlich voll ein­geht, während mir 30000 Mk angenommen sind; die Sorg­

falt eine» orde»;lichc;> Geschäftsmannes verbot eine höhere Be- nertttiig. Tie bei Verwertung der Werte sich ergebenden Ge­winne kommen natürlich den Gei,allen wieder zu gut, jeden­falls auch den Ausgesckiebeneii, die nach 8 73 de» Gcnossen- schasisge'etzcs nur zur Teckuug der Verluste heraugezogeu 10 er Dcit Sonnen. Rach rechnungsmäßiger Feststcllung der Berlnste wird oaber diesen Mitgliedern der ebll. jiibifl bezahlte Betrag wieder erstattet werden müsse». Tie Berusung der Haupt versainmlting uiid die Beschtußsassiing über die Teckuug der llnter- bilanz konnte aber nickst bi» zur endgültigen Feststellung aller Ausfälle verschoben werden, da die» gegen 8 121 de» Gcu.- Ges. verstoßen hätte.

Wie es möglich ioar, das; bei einer .Kasse luii noch nicht 700 000 Mark Aktiven und Passiven solche Verluste entstehen konnten und ol> der Aufsichlsrat veranlwortlich gemacht werden kann, wird die bereits eingelestete gerichtliche Untersuchung ergeben, dieser soll nicht borgegrsssen iverde».

Zedensall» steht seit, daß der Rechner Schniidt das

in ibii gesetzte Vertrauen fer wurde doch wiederholt gewählt, gröblick, mißbraucht Hai Wie in der Hauptversammlung am 8. v. Ml», vom Vorstandsinilglied Schmidt richtig gesagt wurde, ziehen sich die Namen Gasche und L e 0 v 0 1 d wie zwei rote Fäden durch die Bücher der Kasse. Schmidt hat trotz Warnungen, die rechtzeitig erfolgt sind und später trotz strengen Berboies die Geschänöverbindung mit Gasche nicht gelöst, er ioar schein­bar iinlöslich mir diesem Herrn verbunden; die Genossen haben »UN den Schaden davon. Was Schmidi mit den veruntreuten Geldern gemach! bat und ob er bei der Unterbringung dies« nicht Noch Helfer gelnrbt lütt, wird hoffentlich auch noch ans Tageslicht kommen.

Ta erst jetzt über diesen Krach Zeitungsnachrichten verbreitet werden, könnte angenommen werden, alles sei erst kürzlickj entdeckt ioorden. dem ist nicht so; bereits am 11. Zuti 1913 wurde Schmidt die Kasse abge.iommcn und bet der Ueberlieseruvg wurden zuerst Uitterjchlagiingcn in Hülfe von 1400 Mark sestgestellt. Tie übrigen Unterschlagungen bestanden in verunlreule» Abschlags-Abtragungen auf Kapitalichulden, die Schmidt nicht gebucht und da» Geld eingesteckt hatte.

Tiefer Fall zeigt beutlich, wie vorsichtig die kseinen Landkassen bei Besteltliiig ihrer Rechner sein müssen; sie müssen sich nach durch­aus vertrauenswürdigen und zuverlässigen Personen Umsehen und möglichst viel Sicherheit verlangen. Tie Kontrolle des Rech­ners kann der derartigen Kassen, der Kosten wegen, nicht so sein, wie bei großen Geldinstituten, ivo nur bet Anwesenheit von zwei Beamte» Geschäfte abgewickelt werden könne». Tie sicherste Kontrolle der Rechiinngssührung solcher Kassen ist die Einsorderunq der Einlagebücher und Anerkennenlassen der Aus- slände a» Kapital und Zinse». Eine solche Maßnahme bringt natürlich große Aufregung in die beteiligten Kreise und wird des­halb säst nie angewandt. Aus diesem Grunde wurde auch in Hun­gen, wo in 1912 ein Verschlag gemackft worden war, davon Al>- stand genommen. Wenn auch zur Eingehung einer Verbiichlichkeil bei soichen Kassen in der Regel zwei Vorstandsmitglieder zeich­nen müssen, und der Rechner noch im Vorstand ist, so ist dieser doch die Hauptperson: ivie leicht nianchmal noch eine zweite Unter­schrift zu bekommen ist, lx>t sich in Hungen äusgeiviesen. Ebenso wurde dorr sestgestellt, wie leichtsinnig die Leute aus dem Lande manchmal heim Unterschreiben sind, eS kam zum Beispiel eine Hvvolhekilrkuiide zum Vorschein die über 2800. Mk. ordnungs­gemäß auSgeierligl lind quittiert war, während der Hppolhek' schnldner nur 600.- Mark erhalten hatte. Es kann deshalb gae nicht genug davor gkioarnl werden, nur nichts ungelesen zu Sinterschreiben.

Kreis Laulerbcich,

ps F r i s ch b 0 r n , 6. März. Ter hiesige zweite Lehrer, gegen den eine Untersuchung wegen Sittlich-» keitsverbrechen eingeleitet ist, ist geflüchtet. Tie Staatsanwaltschaft hat schon zweimal umfangreiche Ver- nehmungen im Torso vorgenommen.

ih. Gießen, 5. März,

G i f t in 0 r d v e r su ch,

_ Tie heutige letzte Verhandlung der diesmaligen Tagung de» Schwurgerichts für unsere Provinz richtet sich gegen die noch un­bestrafte, 18 Fahre alle Tienstmagd Anna Schoenseld, die zuletzt in Ockstadt und Tillenburg bedieuslel war, wegen oersuchten Gift- niorb». Tie Anklage ivird von Gerichtsasscsior Tr. Eckert ver treten; Verteidiger der Angeklagten ist Rechtsanwalt Menser. Es waren eine Anzahl Zeuge» und als sachverständige der Ehemiker W r e d e vom chemischen Untersuchiingsamt der Provinz Oberhessen, der Kreisarzt Geheimer Medizinalrat Tr. Haber korn sowie der Pathologe unserer Hochschule, Geheimer Medizinalrat Tr. B 0 st r 0 e in, zu hören,

Ta» ganz harmlos gusiehende Mädchen, die 'Angeklagte, ist in Eberstvalde geboren, trat mit dem 7. Fahre ihre beiden Eltern durch den Tod verlöre» und die Gemeinde i» der Wetlerau, in der der Vater den UnterstützniigSwohnsitz erworben hatte, gab dessen Kinder, darunter auch die Angeklagte, an die Mindestsordernden i» Pflege. So kam die Anna Sciwenseld in die Familie eine» notori­schen Trunkenbolde», ivo sie sicher keine gute Erziehicng gehabt Hai. Fm Fahre 1910 kam die Angeklagte nach Ockstadt in die Familie der Landwirts-Eheleute Menser, wo in der ersten Zeit alle» recht gut ging. Bis zum 29. Dezember 1919, also 9 Fahre, ist sie auf dieser Stelle gewesen. Fm letzte» Fahre lernte sie den Tsenüknechl WLber kennen, der cbensall» in Ockstadt in Stellung >var, med es entwickelte sich eil, Liebesverhältnis zwischen den beide» Menschen. Frau Menser, die den Uiugang nicht dulden wollte, verbot dem Manne da» Betreten de» Hause»ud stellte den, Mädchen vor, daß da» Verhältnis mit Weber keinen Ziveck habe, iveft dieser da­heim Frau und Kinder habe. Ta alle Mahnungen vergeblich waren, schrieb Menser dem Vormund des Mädchen», Dieser kam nach Ock­stadt, redete seinem Mündel ins Gewissen und besorgte ihr in Til­lenburg einen ondere» Dienst für den 1. Fanuar 1914, lim sie io von Weber zu.trennen.

Tie Angeklagte gibt zu, daß sie ans Rache sann, iveft ihre Ticnilherrschaft sie bei ihrem Vormund verklagt habe, so baß sie Ockstadt habe verlassen müssen. An, 29. Tczeinb«, ehe sie den Dienst verließ, habe sie Vitriol in den diente» Kochtovs ge­schüttet, von dem sie ivnßle, daß er am Nachmittag zun, .Kacken de» Kaftees Verwendung finden würde. Sie hat sich dann in aller Freundschaft von der Familie verabschiedet, und Herr Menser hat sie zur Bahn begleitet. Nachmittags hat Frau Meuser de» Kasiee zubereitet, ohne von dem gefährliche» Fiihalr de» Gesäße» etwas zu bemerken Als sic dann später ihren Kindern Kasiee geben wollte, merkte sie, daß die Mftch in den Tassen gerann. Tie Frau ver­suchte so'oit da» Gettänk >mb fand, daß es ivie icharser Eisig schmeckte. Frau Menser, die sofort Verdacht aus das Mädchen hatte, halte Nachbarslente herbei, die cbcnsalls den sauren Ge­schmack feftftcllten. Man schrieb sofort an den Vormund der Ange­klagten, und diesem gestand das Mädchen auch die Tat ein. Frau Meuser und deren Ehemann ioollte» das kaum 18 Fahre alte Mädchen nickt unglücklich inachen, sie erstattete» deshalb keine 'An­zeige. _£ie Entrüstung über die Tat war aber bei der Bevölke­rung Ockstadts io groß, daß die Gendarmerie von dem Verbrechen Kenntnis erhielt und nun der Stein ins Rollen lani.

Slm Befragen gib, die Angeklagte zu, daß sic anfänglich ihren Geliebten als Anstifter beichulbiqt habe. Sie bat auchige- geben, daß e» ihre Absicht ivar, bet Herrschaft ein Leib zuzuftigen. Die 'Angeklagte imll aber später diese Anqade ipiderruken haben, Iveft sie der Wahrheit nicht entsprach.

Ter Boriitzenbe Landgerichtsrat Schnitzipah» teilte mit, daß das strasveriohreu auch gegen den Tienslkuecht Weber eingeleitet war, aber eingestellt werden mußte, nachdem die 'Angeklagic ihre Angaben als unwahr zurückgenonimen hat. Ter Vertreter der Anklage bemerkt, daß die Angeklagte ihre belastende Anssage gegen Weber zurückqenonimen hatte, bevor sie wnstte, daß er ver- heiratel ist n»d Kinder besitzt,

Tie Zeugenvernehmung gestaltet sich dem seststehenden Tat­bestand gegenüber recht einfach Ter Sachverständige Ehemiker Wrede erklärt, daß cs tick bei den, Mittel, das die Angeklagic angewendet Hai, um Schwesessänre oder Salzsäure gehandelt habe»

muß, die Uitter allen Umsläiideu Gill feien. Die Frage würde seit», in ivelcher Verdünnung das Giit sich befand, als es im ierligeu Kasiee den Klnderu vorgesetzt wurde. Es muß ivohl ziemlich stark gewesen sei», denn sonst hätlcn die Zeugen nicht de» essigsaureii Geschmack gelfaht. Geheimrat Tr. Haberkorn bemerkt, alle Umstände wiesen daraus hin, daß es sich UNI Vitriol gehandelt habe, da» selbst durch die Verdüiiiiung im Kassec doch geeignet war, besonders den Kindern einen dauernden Schaden an ihrer Gesundheit beizubringeii. Tiesklbe Ansicht vertrat Geheimrat Pros. Tr. B 0 st r 0 e » 1 .

Tie Kaffeekanne, die den (Geschworenen borgelegt toird, war durch das Gift derartig zersressen, daß der Inhalt später heraus- gelausen ist. Damit ist die Beweisaufnahme erschöpft.

Den Geschworenen wiro die Frage vorgelegt, ob die Angeklagte vorsätzlich gehandelt l>abe. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Meuser, beantragt, als Hilssfrage noch die Frage nach der. ftichter ßlörperverletzung vorzulegen.

Ter Gerschlshoi lehnt den Antrag der Verleidigung »ach dem Einspruch des Anklagevertreters Tr. Eckert ab, well nach dem Gesetz eine versuchte Körperverletziiiig überhaupt keine strafbare Handliing ist. Der Vertreter der Ankiagebehürde schildert alsdann ii! großen Zügen die Tal, und kommt kurz aus die von den Sach verständigen erftatteicii Gniacknen zu sprechen und beantragt Hei den Geschworenen, die au sie gerichtete Schuldfraqe zu bestkhen.

Ter Verteidiger, Rechlsanwall Meuser, erllärl, daß sich die Angeklagte über die Tragweite der Tat nicht klar gewesen sei; sie hatte Wahl nur die Absicht, der Familie Meuser einen Schreck ein ziisagen. Tie Angeklagte ist trüb verwaist, al» Ziehkind nicht ge­hörig erzogen und noch sehr jung. Die Tienstherrsckask selbst batte den Fall nicht zur Anzeige bringen malle», 11 m die noch fügend liche Person vor dem lliiglück zu veivahre». Ter Fall sei geeignet sür die Geschworenen, um den Wahripruch aus Richtschnldig zu er­füllen.

Nach einer viertelstündigen Beratung verkündet Fabrikant Ehr. Jnderihal-Gießen als Obmaiiii den Spruch der Geschworenen, der aus schuldig lautet.

Ter Ankläger, Tr. Eckerl, beanlragl Ijierniir eine Zucht­hausstrafe von zwei Fahren als angemessene Sühne.

Ter Berleidiger, Rechlsanwall Meuser, ist der 'Ansicht, daß die beantragte Strafe für die Tat viel zu hoch sei, Tie Angeklagte habe in der Tnininheft, in der Uneriahrenheit gehandelt. Als Sühne sür die Tal solle man da» noch sunge Mädchen nicht ins Zuchthaus schicken, sondern es bei einer niedrigen Gefängnis- strase bewenden lassen.

Nach langer Beraluicg verkündet der Vorsitzende, Landgerichts- rat T ch n i tz s» a h ii, das Urteil, ivonach die Angeklagte init 1 I a h r 4 M o II a t e II und 15 Tage» Gefängnis zu be - strasen sei, worauf 1 Monat und 15 Tage Unlersuchungshaft als verbüßt ln Anrechnung kommen.

__ Es ist dem Gerichtshof schwer gesallen, zu einer so milden Slrafausmessung sür die äußerst gemeine Tal der 'AngeUaglen zu kommen, so führte der Vorsitzende aus, um so mehr, als hier im hohen Maße ein öffentliches Interesse vorlag, gegen die Be- gebnng eines derartigen Verbrechens durch eine hohe Strafe abschreckend zu wirke». Es liege» aber eine Reihe Milderungs- gründe vor, die Berücksichtigung finden mußten. Zuerst die Jugend der AngeUaglen, die zweifellos unter dem Einslnst ihre» Ge- lieblen gehandelt hat. Hierzu konimt ihre Beichränklheft, die UN - gemeine Plumpheit. Strafmildernd kommt hinzu da» Geständnis Uiimittelbar nach der Tai und ihre Reue. Ter Gerichtshof konnte sich unier diesen Umständen nicht entschließen, die Angeklagte, welche bei Begehung der Tal gerade erst das 18. Lebensjahr überschritten hatte, in» Zuchthau» zu schicken, deshalb ist als Strafe 11 Monate Zuchthaus ausgesprochen, die in 1 Jahr vier Monate unif 15 Tage Gesänguis umzuwandelu waren, Tie Verurteilte nahm die ihr zuerkanule Strafe sofort an.

«erictstssaal.

w. T a r IN st a d t. 5. März. Ta» Schivurgericht verhandelte heute gegen den 44 Fahre alten ehemaligen Kckrchenrechner Fohann Karl Engel aus G e r n s h e i m wegeu Verbrechens >m Amte. Er hatte in de» Fahren 1909 bl» 1919 im ganzen eine Summe von 17 200 Mark unterschlagen. Er war schon NN, 18. Januar von der hiesigen Srraskaiumer wegen Uiiterschlagiiiig zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Ta» Schwurgericht erkannte unter Einrcchnung dieser Sirase auf drei Jahre sechs tRonatc Gefäng­nis und fünf Fahre Ehrenverlust.

Elberfeld, 5. März. In der F1 a nd e r » b a ch e r Mordaifäre hat der Slaaisanwalt gegen den Beschluß der Elherselder Strafkammer aus Wiederausnahme des Verfahrens und die ioiortige Entlassnirg der Frau vom IN aus dem Ziichthaus Be sch iverde beim O b e r t a n d e s g c r i ch t in Tüsietaorf eingelegt.

iv. Berlin, 5. März. Wegen Bcleidigimg de» dentschen Kronprinzeir verurleftle die 4. Slraslammcr de» Laiidgcrichls I Berlin den Schrisiftesler Hans Leuß zu einer sechsmonatigen (öe- sängnisstrasc. Die Beleidigung wurde in einem Artikel derWelt a», Montag" vom 14. Januar erblickt mit der Uebcrschrist;Wil­helm der Letzte". Ter mitangcllngle Redallcur Tckoltz wurde srci- gefprocheu.

Leipzig, 5, März. Das Reichsgericht verhandelte heute ge­gen ocn Kausmann Friedrich G r 0 1 m 5 au» Breslau wegen ver­suchten Verrat» militärischer Geheimnisse. Tcm be­reit» mehrfach wegen lliiterschlaguug. versuchter Erpreisung und falscher Anschuldigung vorbestraft en Angeklagten wird zur Last ge - legt, versucht zu haben, einem russischen Rachrichteubureau Pläne der Festungswerke von Brestau auszulieierii. Das Reichsgericht verurteilte den 'Angeklagten zu der höchst zulössigeu Strafe von zwei Fahren Gefängnis und Sreltung unter Polizeiaussicht. Ta» Ge-' licht fand den Angeklagteii schuldig de» Vergehens gegen den 8 49» itz» Strafgesetzbuches, da der Angeklagte die Aufsorderuiig zur Be gchung des Verbrechens der Spionage angenommen habe.

vern,iscr>te».

* Von einer Lawine v e r s ch ü 1 i c 1. Au» Wien, 5. März ivird gemeldet; Bei Gomagoi iTiroli wurden zwei O s s u i e r e, z we i 'F ä h n r i ck> e und e 1 s M « 11 n des dritten Landesschützen-Regiments durch eine Lawine verichütict. Von den Militärstaiionskommandos Meran, e-chtanders und Bozen find RettniigSerpeditionen abgcgangeii Tie Bergungsarbeiten haben bereu» begonnen. Es ist wahrscheinlich, daß die Lawine, ivelche eine Breice von 800 Metern hatte, durch >>hgehrachene Schnee breiter losgelöst wurde. Zweifellos formte da» Unglück nur deshalb einen solche» Umsang aiinehinen, weit sich die Skisahrer entgegen der Borschrist sehr eng beisammeiihsetteii, statt in größeren 21b- ständeii Zit sahreu. Ter unverletzt gebliebene Leutnant Gai- d 01 erlitt einen Nervenchok. Tie Leichen der beiden Lfsiziere Loeschner und Gärtner sind bereits ausgegraben.

s Der Mutter Mörder Gustav G 0 e b i cf c ist in einem Privatlogss in Berlin fest genommen und der Kriminal­polizei zugesührt worden. Ter Hausdiener Goedicke ha! eilige standen, seine Mutter am Sonntag bormittgg erschossen zu haben. Er hatte ständig Streit mit seiner Mutter, ans deren Wohnimg er feit drei Monaten nicht mehr heransgekommen sei. Er habe auch iieabsichtigt, den Arzt Tr. Großmann, der ihn vor sieben Jahren operierte, sowie seine Heiden berheiratelen Scknveftern limzi,dringen.

-pariume -öanösranen soilteu nicht allein aui große Aiisgcebig. feit eine» Kindernährmiitels sehen, imiderii aucki daraus, daß es die Kinder gut ernährtnd gerne von ihnen genoumien wird. Vereint üudei die Mutter diese Varzüae in dem lauabewährtenAI niete". E» ist ausgiebig, b. h. billig iui (tzebrauckie. ben» e» soll nirfit als Brei, solcher» als dünne Suppe mir Milch bereitet gegeben werden: es »ährt die Kinder vorirestlich. muiidel ihneu gul und uerbiildert auck, nach Möglichkeit das dlnftrete» von Ala gen und Darmkrankheiten. 7tz2bv