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Nr. 55

Ter Gietzenrr Anzeiger

erscheint täglich, außer EonntagS. Beilagen: viermal wöcbcnllich Siehener^amilienblälter; zweimal ivöchenll.Xreis- dlatt siir den Nreir Siegen «Tienstag und Freitag); zweimal monatl. Land» wirtschaftliche Zeitftagen Fernsvrcch - Anschlüsse: *'»* die Redaktion 112, Verlag u. Expedition 51 Adresse ffic Depeschen: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags ö Uhr.

Erstes Blatt d

M- Jahrgang

Freitag, 6. März 19ft

nerAnjeiger

General-Anzeiger sür Oberhessen

Rolationsdnick «»-Verlag dervrühl'schen U«iv.-Yuch- und Steindruckerei R. Lange. Redaktion, Lrpcdition nnd Drmkerei: Schulftratze 7. s^cifln«"»: ^'aV*

Dcznqsprcitr monatlich 7öPi.,vicrleI- sährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich K5 Ps.; durch diePost M.S. viertel» jährl. auslchl. Besteliq. Zeilenvreis; lokal loPs, auswärts 20 Psenniq. Chesrcdaklcur: A Goetz. Verantwortlich sür den volit. Teil: Aug. Eoeß: sür .Zcuillelou", ,Ler- milchles^md.Merichts- saal": Karl Slenralh; lür .Stadt und Land"

Die heutige Nummer umfaht 14 Seiten.

Der 5turm gegen Zchorlemer.

Tie von der(ytermania" verbreitete Nachricht, daß die Stellung des preußischen Landwirtschaftsministcrs Frhrn. v. Schorlemer-Llescr erschüttert sei, ist rasch nnd in allen Tonarten dementiert worden. Man sollte es aber dein Ber­liner Zentrumsorgan nicht ersparen, die Mittel und Motive des neuesten Feldzugs gegen den gehaßten Minister a ifzu- decken. TieGermania" hat über die Gründe, die den Laud- loirtschastSministcr so plötzlich zum Ausscheiden aus der Re­gierung bewegen sollen, nichts initgctcilt. Sic verließ sich ans die ungedruckte Borarbeit, auf die Okerüchtc, die in poli tischen Kreisen umgehen und die natürlich aus denselben Quellen fließen, aus denen das Blatt dann seine aufregende Information schöpfte, Rach diesem Geflüster und Gewisper soll Schorlemcr das atlerböchstc Wohlwollen durch Tinge verloren haben, die nicht mit seiner aintlichen Tätigkeit, son­dern mit seinem Privatleben, insbesondere mit der hohen Gunst in Verbindung zu bringe» seien, in der der statt­liche und trotz seiner 57 Jahre alsschöner Mau»" geltende Minister bei den Frauen steht. Bcini letzten Hof ball sei dem Kaiser darüber verschiedenes zu Ohre» gekommen, ivis er auch bei tolerantester Auffassung nicht habe billigen löiincn. Auch eine andere Persönlichkeit, der Sohn eines sehr hohen Staatsmannes, sei dem Kaiser im Zusammenhang mit diesen Affären genannt worden und habe dessen Mißfallen erregt. Wir erklären hier ausdrücklich, daß sür diese uiEon- lroflierbarcii Gerüchte noch nicht der Schatten eines Bc- Iveises vorliegt nnd daß wir sie nur deshalb mit allem Vor­behalt miede,geben, itm zu zeigen, mit ivelchen Mitteln gegen Minister gearbeitet wird, wenn man sie stürzen zu müssen glaubt. Grund und Absicht der Kampagne gegen Schorle,ner sind natürlich rein parteipolitischer Natur, und der Wind webt jetzt genau aus derselben Richtung ivie damals, als Schorlemcr, der Katholik nnd Zentrumsführer/ die Tcntfchc Bereinigung" mit begründete, jene gegen das Zentrum gerichtete Vereinigung, an deren Spitze - sich der katholische Adel und die ange- sehcndsten Persönlichkeiten des Rheinlandes stellten, nnd die sich den Nachweis zur Ausgabe machte, daß tnan ein treuer Sohn der Kirche sein kann und doch kein Zen- trumspolitiker ;u sein braucht» Wie ernst cs Schorlemer mit seiner Zugehörigkeit zu jener Vereinigung meinte, bewies er als oberster Beamter der Rheinprovinz, indem er den Wünschen des Zentrums mehrfach cntgcgentrat und vor allem nach den siegreichen Wahlen am 15. März 1907 aus dem Stände-Cssen des Rheinischen Provinziallandtages das Zentrum und seine Presse, die unserpolitisches Leben ver­gifte", in einer Schärfe charakterisierte, die derKölnischen Volkszeitung" das erste tonangebende Sturmsignal entlockte, das Auftreten dieses Oberpräsidenten seieine Taktlosigkeit ersten Ranges".

2er Spektakel ging weiter. Am 2 . Dezember 1907 griff dieKöln. Bolksztg." ihren Gegner abermals an, weil er erklärt hatte, inwirtschaftlichen und politischen Frage» nicht auf dem Bode» des Zentrums zu stehen". Tas vcranlaßte das Blatt, zu schreiben; Also bekenne sich Herr von Schor- lcmer als ein Feind des Zentrums und müsse dement­sprechend bekämpft werden. Und so geschah es auch, indem immer wieder in versteckten Worten aiigedeulct wurde,gut katholisch" sein und außerhalb des Zentrums stehen, sei ein

Widerspruch. Auch diese Signale wurden in allen Lagern des Zentrums verstanden, nnd man schleppte nun Herrn von Schorlemer, der angeblich vom Kaiser beauftragt sei, das Zen­trum klein zu machen, durch alle Volksversammlungen, Kränzchen und Wahllokale. Man kann cs in derTeilt scheu Wacht" (vom 8. Mai 1908) Nachlesen, welche geschmack- nnd taktlosen Schiinpswortc damals gegen Schorlemer ge­prägt wurden;Reblaus, Rationalkatholik. Margarinekatho- lik, Verräter des katholischen Volkes" und andere Liebens­würdigkeiten. Ein Versammlungsteilnehmer hat damals durch eine Berichtigung i» derKöln. Volksztg." verraten und fcstgestellt, daß man im Kathol. Volksverein in Bonn gegen den Oberpräsidentcn die Anklage schleuderte, er habe es nur den Katholiken zu verdanken, daß er Oberpräsident geworden ist. Nachdem er soweit gekommen, habe er den Katholiken schmählich den Rücken gckehrl; er sei ein Ver­räter des katholischen Volkes geworden.

Wer sich jener Tinge erinnert, begreift den ganzen Haß, der sich im Zentrum gegen Schorlemcr ausspeicherte und der immer wieder zur Erpiosiv» kommt, wenn ihn irgend ein neuer Funlen des Unwillens triffi. Als .Herr v. Betbä mann-Hollweg Herrn v. Schorlemer ins Lairdivirtschafts- Ministerium berief, wollte er dem Zentrum eine doppelte Gefälligkeit eriveise», nämlich die Partei des Rheinlandes von einem lästigen Tberpräsidenten befreien und der Ge sanitpartei die Genugtuung eines katholischen Ministers gewähren. In der ganzen Zentrumspreffe spürte man da nials keinen Hauch des Unwillens. Aber schon zwei Jahre später ivar wieder der Teufel los. Am 22 . Mai 1912 ver­glich dieAugsburger Postzeitung" .Herrn v. Schorle»,er mit Scheidemann; er habe aus genau dieselbe Art wie dieser 25 Millionen Tcutsche schwer beleidigt und sich Bismarcks Kulturtämps-Mlürcn zugclegt. Sollte er auch mal Rcichs- kanzler werden wollen ... Tr haben wirs also! Schor» lemers neueste Kanzlerkandidat»!.- hat den jetzigen Ansturm ausgelöst: er würde sich sofort wieder lege», wenn Schor­lemcr diese gefürchtete Kandidatur dementieren wollte und könnte.

Aus äciicn,

T i e hessische B c a in t e n b c s o l d » ii -5 o o r [ a o c scheint, so schreibt u»S unser Tarmstädter rm.-Mitarbeiter, »ach Mitteilungen aus emgewcihtkii Kreisen, nunmehr doch wieder etwas mehr Aussicht aus Annahme ,;» finden-, da man von allen Seilen bestrebt ist, durch geeignete Vorschläge der Vorlage die Wege zu ebnen. Keiner der in Frage kommenden gleichberechtigten Faktoren schien bisher gewillt, irgendwie noch Nachgabcn zu machen. Rnn verlautet mit Bestimmtheit, daß unter Beibehaltung des von der Regierung und Ersten Kammer vereinbarten Endgeballes der Lehrer sich die Regierung ans Vorschlag doch bereit erklärt hat, für die mittleren und unteren Lehr erstell c n noch einen gewissen Betrag zu bewilligen, und cS dürste aus dieser Grundlage der Weg gefunden sein, aus welchem iich die Regierung und Kammern einigen. Am kommenden Mittwoch wird der Finanzausschuß der Zweiten Kammer mit der Regierung hierüber endgültig beraten.

»ci,tid?c» Uclcb.

Der Kaiser zum Tode desKardin als Kopp. TicSchlesische Volkszeitung" meldet; Aus Wilhelmshaven ist bei dcni Breslauer Domkapitel folgendes Telc- gram m d c s K a i f e r S cingegangcn:Schmerzlich bewegt durch die Meldung, daß Gott der Herr dem Leben des Kar­dinals von Kopp ein Ziel gesetzt hat, spreche ich dem Dom- lapitel mein wärmstes Beileid aus. Ich nehme an dem schwe­

ren Verlust, den das Kapitel und die Diözese Breslau durch de» Tod erlitten haben, lebhastesten Anteil. Ausgestaltet mit reichen Gcistesgaben, einem starken (Klauben, einem lauteren Charakter und warmem Empfinden für die Rot der Zeit, hat der Entschlafene als treuer Sohn der katholischen Kirche, aus richtiger Patriot und guter Staatsbürger seines verantwor­tungsvollen Hirtcnaintcs vorbildlich, treu und segensreich ge wallet und sich um Bistum, Kirche und Staat hohe Vcr dienslc erworben. Ich werde des Verstorbenen und seiner charaltcrvolleu Persönlichkeit stets gern dankbar gedenken."

An den Wcihbischof Tr. Augustin in Troppau gelangte folgendes Telegramm der Kaiserin:Die Nachricht über das Hinschciden des Kardinals von Kopp hat mich mit auf­richtiger und tiefer Teilnahme erfüllt. Wir beklagen den Verlust dieses Kirchenfürsten, der sich durch seine treue und hingehende Arbeit unvergeßliche Verdienste um die Kirche und das Vaterland erworben bat. Ich bitte Sie, den Verwandten und Angehörigen des Kardinals mein innigstes Beileid aus zusprccheii." Auch die K a i s e r i n hat au das Breslauer Domkapitel telegraphiert; Mit aufrichtiger Teilnahme cmp fing ich die Nachricht von dem Heimgänge Seiner Eminenz des Kardinals Tr. von Kopp. Seine hohen Verdienste uni Kirche und Vaterland, seine treue Fürsorge für seine Gemein den und seine unermüdliche hingehende Arbeitskraft, vcr bunden mit einer herzgewinnenden Freundlichkeit, werden unvergessen und ein stets leuchtendes Vorbild bleiben. Vik­toria. I. fl."

Der Reichskanzler ist am Mittwoch abend, von Hamburg kommend, wieder in Berlin cingctroffcn.

Ter Bundcsrat überwies den Entwurf betressend die Bestimmungen über die Beschäftigung der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen i» den Werkstätten mit Motor betrieb den zuständigen Ausschüssen. Zugestimmt wurde einem Anträge ans Errichtung einer Abrechnungsstelle >m Scheckverkehr, der Vorlage betreffend den Veredelungs­verkehr mit Getreide, Reis, Hülsensrüchten »sw. und der Vor­lage betreffend den Beredelungsvcrkehr mit ausländischen photographischen Apparate». E i n A »trag H e s s e n s und ein Antrag Schwarzburg-Sondcrshauscn, betr. die A n e r k e n n n n g d e r R c i f c z c n g n i s s c d c r h c s s i scheu S tudic n ansta lten. bczw. der drciklassigen Slu üienanstalten in Sondershauscn als ausreichender Nachweis der wissenschastlichcn Vorbildung im Sinne der Prüfungs­ordnung für Aerzlc uiw. wurde a n g e n o m m c ». Zur Er­richtung einer Hastpslichivcfficherungsanstalt der Brau» fchweigischd» landwirtschaftlichen Bcrussgenossenschast wurde die hierfür beschlossene Satzung genehmigt.

Neue bäuerische Münzen werden infolge des T h r o n w e ch s e l s in der Königlichen Münze geprägt. Ter Entwurf stammt von Pros. Bl c tfcr in München. Die Mün­zen zeigen nach der Bayerischen Staatszeitung das Kopsbild des Königs, lim einen künstlerischen Abschluß zu gewinnen, ist bei den Silbermünzen die Umrandungsschrift in größeren und charakteristischen Letter» als bisher gcliallen. Tic Rück­seite trägt natürlich den Reichsadler. Zunächst wurde mit der Herstellung von Fünsmarkstücken begönne,,, die nächstens dem Verkehr übergeben werden. Tann folgen die Zwanzig- markstückc, von denen die Reichsbank einen großen Teil zn- rückbelialten wird, ferner Drei-nd Zweimarkstücke. Nur Zehnmarkstücke werden vorläufig nicht hergestellt. Sonst wer- den alle Münzsorten in größerem Umfang geprägt find aus- gegeben werden.

Das württembergischeLi chts Pi e l- Ges etz". Tic württembergische Zweite Kammer hat mit

hcffen.NaffauischcL Wörterbuch.

F,I dcn Berichten über die wissen,ifioillictat Unternehmungen Jcr Kgl. Preuß. Akad. d. Wissenschaften verbreitet ilcki Prot. Fcrd W r e d c in Al a r b u r q über den Fortgang der Arbeiten gm Hessen-Rassauifchen Wörterbuch" folge,idcrmaßcii:

"Seit dem vorjährigen Bericht hot sich der Zcttelapparat verdoppelt; er umiaßl jetzt gegen 50 000 Zettel, die vorwiegend Wort-, nicht Beleg-,eitel lind.*, Der Zuwachs erstand teils aus der fortgesetzten Verarbeitung der wissenschaftlichen Literatur, der Zcitichriitrn UIW., teils aus den reichen Eingängen, die gleich zu nennen sein werde». Ta solche Eingängc prinzipiell tofortr den vorhandenen Apparat hincingearbcitct werden, gab cs während Ges ganzen Berichtsjahres gleichmäßig viel zu tun, ,o datz der Notbehelf auszusendender Fragebogen immer wieder hrnans- geichoben werde,, konnte. In der letzten Zelt lit bereits mit der provisorischen Auistetlung eines Stichwörlervcrzcrcknmcs begon­nen worden ,a»s dem vielleicht ein knappes, populäres Idiotikon erhebt das den, großen Wörterbuch vorausgebnnd sür dieses ein nützliches Werbemittel abgeben lvnnte. Nebenher gingen Vor­arbeiten für einen Tialeklattas des Wörterbuchgedieies, indem eine Auswahl Wenkerschcr Karten auf großen Mgßstab über­tragen und eine große Grundkarlc gezeichnet wurde, ferner iür provinzielle Wortgeographie, indem iür etliche Idiotismen durch Antwortkarten ans etwa 300 ausgewähltcn Orten die Synonyma einacbolt wurde», endlich auäi iür eine der Dialekt- und Wort- aeoaraphic nnentbchrliche binorische Karte indem d,e admmiNra trvc Einteilung des Gebietes vor 18-21 Torf ,»r Dorf fkrzziert

Als Werbcinittcl dienten im Berichtsjahre in erster Linie Vorträäc die von mir -der meinen Herren Assistenten Tr. Kroh und Tr Corel! in den verschieden,tcn Gegenden des Gebietes qe balten worden sind, an, Lehrerkonserenzen., in historischen. Volks und heimatknndliä'en Vereinen Mw u> m Bredenkavtt KanK, Tier Tillenbnrq. ttvankenberg, irrankiurt, Gictzcn, Niarbarg, Merenberg Schlüchtern. Usingen. Wabern. Wezlbiirg; nurn Pf,.en des Gebiete-'- besonders in, eruldiiäien, !nn ich noch etwas im Rückstand Das Ergebnis war zunächst, da» d,c Zahl der Hel,er aeivackien ist Unter diesen danke ich lner msbe,andere den Herren aiißcrhalb ^Preußens, nämlich in Gietzen. ,ür ihre stete Hilfs-

»n stebc den üblichen Zettelzahlen und ihrer Bewertung aeoenübcr Leicht konnte ich fur das Ucilen- Nassauische^ Wörterbuch alle.n Wenkers Tvr°-^tl°s rund 700 000 Dclegzettel ertrabieren;

bezirk mit mehr als 2300 Orten und ^er ^rt im, der ^ichcftsvrm der etwa 300 Vokabeln vertreten, die IN -cnker-atzen vor- kommen.

bercitschal't, so den 11kl. Gchcimrat Behaghel, Pros. Horn, Kreis- schuliNivcklor Alles. Von den zahlreichen Namen im Preußischen seien liier diesmal nur solche genannt, durch deren Träger be­reits wertpollc. ungedruckte Beiträge und Sammlungen an das Wörterbuch abgeiührt worden sind; cs vermittelte uns Herr Oberlehrer Tr. Wcndcroth (Frankfurt) reiche Sammlungen aus dem Nachlaß von Ed. Bromm - Ranschcnbcrg), Frl. Helene Brebm i'Rinteln über 100 neue Jdiotisnien aus der Mundart von Ab­terode, Herr Lehrer Schwalm (Obergrenzebach) wertvolle Schätze langjähriger Sammclarbcit aus dcm Dialekt der Schwalm. Herr Amtsgcrichtsrat Tr. Pitel etwa 250 Ergänzungen zu Vilmar aus der Mundart von Homberg, Herr Kausmann Fleck etwa 2500 Zettel ans der Mundart von Kohden bei Nchda, Herr Gemeindcrechner Klöckner etwa <>00 sür Niederinörsbach, Herr sttid. vhil. Schwing ein kleines Weilburgcr Idiotikon; versrlfiedcnc kleinere Beiträge steuerten bei die HH. Lehrer Monick iTarm stadti, Schäscr nnd Schusterst Franknirt. Von den meisten Samm­lern aber, die rege gm Werke lind, stehn die Einsendungen noch ans. So ist im Lebrerseminar zu Frankcnbcrg, wo ich durch einen mehrstündigen Kursus von Vorlesungen die dichektologischc Ar beit anzuregen suchte, eine große Anzahl von Seminaristen ge­wonnen: Herr Seminarlehrer Scholz, der diese Sammlung"» leitet, hofft im Lause des näckfstcn Jahres ,5000 Zettel cin- seiidcn zu können; als interessante Einzelheit sei herausgcgriiscn, baß von dcm jetzt wegen der Edertatspcrre verschwundenen Tone -Asel etwa 1200 Belege gesammelt sind. Aehnlich wird in, Lehrer­seminar zu Usingen gearbeitet, ivo Tr. Kroh »ersönlicke Unter- weisiingkn gab. Vom Rheinischen Wörterbuch sind mir scrner jetzt die inkalireiche» Fragebogen zugcstellt ivorden, die das Te minar zu Montabaur ursprünglich, für das Rheinische Wörterbuch arisgeiültt hatte. Endlich habe ich eine ganze Anzahl Ercmvlare von Vilmars Idiotikon von Kurhcsscn und oo» TchönerS Tpc- zialidioiikon von Eschenrod Vogelsberg> ansgelichen. die jetzt in verschiedenen Gegenden verglichen und ergänzt werden.

Für die Arbeitsweise am Wörterbuch gewährte reiche Anre­gungen eine Konferenz, die im Anschluß an die Marburger Phzlo- logenversammlung am 2._ Oktober in den Räumen des Sprach­atlas nnd des Hessen-Rassauischen Wörterbuchs abgelfalten worden ist. Alle großen Wörterbuchunternchmungen waren vertreten, nnd mamiigsache Ersabvungen ans der Wörterbncharbeit wurden a»? gelauscht. lieber die mehfltündigen Verhandlungen ist ein kurzes Protokoll als Monuikript gcdnickt worden.

Als Assistenten leisteten im Bericktsjahve wertvolle Arbeit Herr Dr. Corel! laus dem Kurhefslschen) von Ansang März bis Mite Oktober, Herr Dr. Freiling (aus denr Grohhcrzoatnm Helsen) seit September, Herr Dr. Kroh (ans dem Naiiauiichen- seit Mitte November, der damit nackt Ablauf seines Seminar-

jahres i» Wcilbnrg zu hoffentlich recht langer Wirksamkeit an das Wörterbuch zu rückgekehrt ist. Außerdem waren zeitweise be­schäftigt die HII» Tr Bromm, ra»d. vhil. Dörr, Tr. Martin, Tr. Wir. Tie genannten Herren, sämtlich am Wenlerschc» Sprach­atlas dialektologisch vorgebildct, bleiben, ob unmittelbar am Wörter­buch beschäftig, oder nicht, für olle Zeit seine inlercssicrteist sachkundigen Heiser, denen ich viel zu danken habe."

Wer sür die Mundart seiner Heimat Interesse bat »nd gern bei dcm verdienstlichen Werke milsammeln möchte, wird gebeten, Adresse »nd Saininekgcbict anzugebcn bei der Gcscvösisstelle des Hcssen-Nassauischcn Wörterbuchs. Marburg, Schwan.Allee 45.

Gicßcner Stadtthenter: Das Kloster.

Es ist zweifellos sehr dankenswert, wenn die Leitung unseres Stadtthcaters bemüht ist, uns künstlerische Genüsse zu bieten, wie sic sonst gemcinhi» nur in Großstädten geboten werden, aber trotz­dem kann man denen nicht unrecht geben, die da meine», so viele deutsche Dichter mit bedeutenderen Werken als V c r h a e r c n s Kloster" horrten noch aus eine Anssührung, daß cs nicht recht einleuchtcn wolle, ivarum man ein solches Werk in seiner Ursvrache >» Deutschland nufsübrc. Ais Trama, als Bühnenstück an sich, ist das Kloster keineswegs etwas anßcrgewöbnliche-; seine Stärke liegt in der Krait der seelischen Analyse, in der wundervollen Ab­klärung der Sprache, deren Feinheit?» uns beim bloßen Anhören ia oielsach entgehen, »nd in der ichlichlen Enttvickelung der Gc- schebnisse, die in der Vertreibung des Paters Balthasar ihren Ab­schluß sindet. Tas Bedeutsame des LlbendS liegt vor allem in der auis »cinstc abgetönten Tgrstclluiig der Gäste, die unter Lei­tung ihres Tircktors Carlo Lite» ein bclvundernswertes Zii- sammenipiel boten. Zwar liegt uns Deutschen die -Art der iranzösischcn Schgnsviclkunst sehr wenig; wir lieben die große Pose nicht und habe». es ancki nicht gern, wenn die Tarstellcr beständig »ach dem Zuschauer spielen, aber was ganz überraschend und ungemein melodisch wirkt, das ist die Abstnsung der einzelnen Stimmen, die sorgfältige Tongebung nnd das in Beziehung gesetzte Nebeneinander von Baß, Bariton und Te­nor, das ja zufällig gewesen sein könnte, aber wdenialls einen sehr tiefen Eindruck machte, weil es so außerordentlich mit dem Inhal' zusammen ging. Bon den Darstellern ist anßer Herrn Lite», der den Tom Balthasar mit heißem Leben erinlltc, der behäbige Militien des Herrn SerBtan, der jugendlich schwärmerische Dom Marc des Herrn B c r o st a , der eherne Prior des Herrn Nclcrc und der gelehrte Scholastiker Thomas des Herrn Pcr» r i e r zu nennen.

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