Einzelbild herunterladen

ru. 53

Der Gictzever Lnzei-er

eddjrixti Läglick, cuibcc 6otinlog3. Beilagern viermal wöchentlich KiehencrZamUieirdlLNer,

zweimal wöchenkl.XreiL- dlattföröen XreisGie^en

«Dienstag undFreilaa); zweimal monatl. LanL>- wiNschafUiche oeitfrazea scernsprech - Anschlüsse: Kt die Redaktion 112, Verlag n. (Spedition 51 Adresse für Depeschew Anzeiger «Ufern. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt

lb4- Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Rolationsbnitf und Verlag der vrühl'schen Univ.-Vuch- und Steindruckerei N. Lange.

Mittwoch, 4. März 19 ^

«ezugsoret»:

monatlich 7öPs.. vtettel- tährlich Mk, 2.20; durch Jlbfjolf- u. Zweigstellen monatlich 6L Pf.; durch die Post AL 2. aiertel» jährll ausschl. Beslellq. Zeilenpreis: lokal IbU, auswärts 20 Pienniq. b hesredaklcur: 21- Goetz. Verantwortlich sür deu oolit. Teil: Aug. Goetz; sur .Feuilleton", ,Ber- nuschles" und.Gerrchls- saal": Karl Neurath; lür .Stadt und Land":

. _ .... . _ . Kurt Bendt; für den

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulftrahe X. Anzeigenteil: H. B-L

Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten.

Tageskalcndcr aus dem Jahre 1814.

4. Marz; Tic Franzosen unter Napoleon werben bei Troycs

geschlagen.

Der Reichskanzler in Hamburg.

Die freie Hansestadt hat den Reichskanzler sür einige Tage zu sich cingeladen, und Herr v. Bell,mann Holl,vcg ist dieser Einladung gefolgt. Er wird in Hamburg sicherlich gute tind anregende Eindrücke initnehmen. und ei» Ausatmen au der Wasserkante ist ihm nach so manchen innerpolitischen Uu- erquicklichkeiten wohl zu gönnen. Was er gestern beim Fest-l machte des Senates gesprochen Hot, zeugt davon, daß auch er. der alsPedant" undPhilosoph" verschriene Staats­mann, wohl schwungvoller Gedanken fähig ist. und wenn er auch nicht mit der Liebe eines Bülow die deutschen Dichter durchblätlert, so schernt doch auch er stolz zu sei» auf die Heroen unserer Literatur, da er so warmherzig aus Klopstock und Lessiug deutete, die in Hamburg große» ge- schassen haben. Daß der Kanzler dabei auch etwas Lehr­haftes zusügte, wollen wir ihm diesmal nicht verübeln, denn der Deutsche muß in der Tat immer besser lernen, große Dingegroß" und kleine Dingeklein" aiizuschauci. Wenn der Reichskanzler mit den Söhnen Hamburgs so irisch und frei über die Meere blickt, da»» wird er auch von der Bersuchung abkommcn, die Flottensragc im Sinne eng lischer Vorspiegelungen lösen zu wollen. Tann bleib! er bei dem, was auch seine beiden Vorgänger, Bismarck und Bülow, in Hamburg erkannt und gelernt haben.

Hamburg, 3. März. Heute vormittag begab sich der Reichskanzler, begleitet von dem Präsidenten des Senats Bürgermeister Predöhl, dem preußischen Gesandten v Bülow, dein Legationssekretär v. Bonin sowie den Mir. gliedern des Senats und anderen zur Werst von Blobm und Botz Aus der Fahrt wurde der Elbtunncl besichtigt. Aus der Werst besuchte der Reichskanzler, der von dem Aufsichtsrat und dem Direktorium der Werst empfangen wurde, die Tur-> dineu Werkstättc, das dort liegende Sckwestcrsckifs desIm veraior"',Vaterland" und das dritte, bereits aus Stapel gelegte Schiss der Jmpcratortlassc. Bon der Werst aus lvurde aus dem SlaatsdampscrHamburg" eine Fahrt durch die »äsen angctrctcn. Kurz »ach 12 Uhr erfolgte die Landuti,. an 1>en Si Pauli Landilttgsbrücken, worauf die Rückfahrt zu der vrcußischcu Gesandtschaft angetreten wurde. Unterwegs wmrdc das Bismarckdcndmal besichtigt.

Um I Uhr fand im Hause des Bürgermeisters Predöhl ein Frühstück statt. Danach besichtigte der Reichskanzler im Borlcsungsgebäude unler der Führung, des Vorsitzenden des Professorenrates, Professor F r a n i e, die Seminare und so­dann unter Führung des Geheimrats Stuhlmann die Zen-' tralsbellc des Kolonialjnstituts.

Eine Kanzlerrrde beim Festmahl.

»eure abend fand ein Mahl im Rathause stall Bürgermeister Predöhl entbot dem Reichskanzler namens des Senats den Willkommengruß.

Der Reichskanzler antwortete mit folge,rdc» Worten;

Ter heutige Tag, den ich unter dem Schutze des hohn, Senates i» Hamburg zubringcu darf, wird mir unvcrgcß lick sei». Als getreuer Nachbar stand d c r g r o ß e » a n z l c r und steht mein verehrter Herr Amtsvorgänger der F ü r st Bülow ;u dieser alten »nd doch ewig jungen Hansestadt in den engsten und vertrauensvollsten Beziehungen. Mir ist

das Glück gleicher Nachbarschaft nicht bcschieden. Aber in meinem Herzen möchte ich doch kein fremder Gast unter! Ihnen bleiben. Wie aus dem alten Hamburg das neue wurde, wie es sich in selbsteigencr Kraft emporgeschivungen hat »nd ivie cs doch zu vollstem Aufblühen erst gelangen loiinle, seitdem »ns das Reich erstanden ist, das haben Euer Magnifizenz uns soeben in beredten Worte» geschil­dert. Aber ebenso weiß das Reich, was ihm Hamburg ist. Ter gewaltige Hafen, die Mcrstanlagcn, die Flotte des Frie dcns aus der Elbe und draußen am Meer, der jahraus >ahr ei» wacklige Schisse zuwachsen, das sich glanzvoll weitende Stadtbild, der großartige Zug und Schwung, die Iraftvoll zusammciigcsaßic Energie Ihrer Arbeit wer das sieht und fühlt, der cmpsindcl eS; hier atmet das Deutsche Reich, hier atmet das Reich durch Hamburgs Lungen die salzige, frische Lust der weilen Welt, ohne die cs nicht mehr leben kann.

Tasmccrcsfrohe Hamburg" so nannte Ihrvergeß­licher Bürgermeister Burchard seine Vaterstadt. Ten helle» Blick hinausgerichtct über die völlervcrbiiidciidc See überall hi», wohin freudiger Unternehmungsgeist deutschen Fleiß und deutsche Kultur zu tragen trachtet, so entsende» Ham­burgs Väter ihre Söhne Jahr für Jahr hinaus >» die weite Fremde , wie die kernigen Völker des alten Italiens einen heiligen Frühling, das ver yaerum, zum Kampf hiuaus- sandien. 'Aber einen friedlichen Kampf gilt es hier. Ter hamburgische Kaufherr sucht »ach dem Worte des Dichters in Venedig und nicht in Karthago sein Vorbild. Im Kamps des Lebens, im Wettbewerb der Kräfte lerne» Ihre jungen Hamburger zu arbeite», z» schauen, zu vergleiche», zu ver handeln. So ergänzt sich von Geschlecht z» Geschlecht Ihre werktätige, unternehmungsfrohe Bürgerschaft, so erzeugt sie sich immer nuss neue die führenden Männer, deren Ham burger Ruhm deutscher Ruhm ist.

Kleines klein und Großes groß sehen - dieser Imperativ, den wir Deutsche niemals genug beherzigen n n cn , er scheint mir die Devise hamburgische,, Schaffens zu sein. Wo »ach weit gesteckten, aber klar »nd fest crfaßlen Zielen zu arbeiten ist, n i ch t » a ch Lustgcbildeu begehrlicher Phantasie, überall und allemal leiht Hamburg dem Reiche freudig und willig Herznd Hand, sichert sich den überzeugten Dank des Reiches.

Die Ställen der Kunst, des Wissens und des Studiums, an die Sic mich heute führten, zeigen, wie Hamburg aufs neue ein Mittelpunkt bürgerlicher Gcistcskultur geworden ist, wie einst in den klassischen Tagen, da Lessiug und K l o v stock Bürger dieser Stadt waren und da ein den l schcs N a I i o n a l t h c a t c r in Hamburg seinen Sitz ausgcschlagen halte.

Morgen werde ich das Schiff scheu dürfe», das den für uns Deutsche stolzesten Namen trägt. Die Fl-rgge des Im i peraior auf boher See, sie kündet ^hamburgische» Geist »nd deutsche Arbeit unter Kaiserlichem Schutz im friedlichen Wett­streit der Nationen. lDaukbor für die Fälle dieser Bilden frohe» und schassenden Lebens, erhebe ich mciu Glas mit dem Rufe: Der Hobe Senat und die freie Hansestadt .Ham­burg hoch! hoch! hoch!

Gras verchtold in München.

Wien, 3. März. In Besprechung des besonders herz­lichen Empfanges, den Graf Berchtoid in München ge­funden ha«, verweist dasNe ueWiener T ag b l n t t" aus die zahlte,ckei, Binde der Geschichte, Kultur und de-., fünfte lerischen Empfindens, welche Oesterreich und Bayern ver­binden, sowie aus lue innigste Freundschaft des Hauses Habs bürg mit dein Hache Wittelsbach und fährt fort;

Zur auirichtigen Freude und lebhaslestci, Genugtuung gereichen unseren politisch;,, Kreisen und der ganzen Bevölkerung die ganz »iigcwöhnlichen Ehre» und das allseitige Bemühen, den Gästen aus Wien >» der glänzendsten Weise zu dokumentieren, welch hohen An ,'ehens und welcher volitischen und persönlichen Wertschätzung fiel, Gras Berchwld auch im Bauernlande ersten! Die Tage von Mün che», sagt das Blatt, sind ein Dokument der herzlichsten F r e n d s ch a s, und zugleich der volitischen u e b e r e l n - st i m m u n g >» den großen 'Autgaben, die die »iternationalc Pol, tif zu erfüllen hat. Gras Berchwld empfing für seine Person und dann, zugleich für die Ziele der östeircichisch-ungarischen Politik eine stolze Würdigung in München, deren man sich llicrzulande aus richtig freut. t

Ta»Wiener Frcmdcnblatt" schreckt in eine»'

Leitartikel:

Der Besuch des Grasen Beichwld in München, die herzlichc Ausnahme, die der österreichisch ungarische Minister des Aeußcr» und seine Gemahlin in der Hauvlstad, Bayerns gesunden haben, die Audienzen beim Königspaar und der persönliche Verkehr mit den teilenden banerischen Funktionären haben neuerliä, das sreimd schaiiliche Verhältnis zwischen Bauernnd Oesterreich Ungarn zum sinniälligen Ausdruck gebrach, und werden eine abermalige Kräs- tignng der wechselseitigen Relationen l-eider Staaten herbeisübre». Tas Band innigster Freundschaft, das »ach alter Tro bition die Häuser Hal> sburg n»d Wittel sbach umschließt und durch enge verwandtschaitliche Bezichungc» stets aufs neue be- scftigt wird, ist zu einem unlöslichen Baude geworden, das Oesterreich Ungarn und Bauern miteinander verlnüvst- Immer hat Oesterreich besonderen Anteil an de» Ereignissen des bäuerischen Königreiches, möge» sie »un glückliche oder leidvollr gewesen sein, genommen. Oesterreich-Ungarn Hai mit Bauern die freudigen An lasse gefeiert und mit Bayern die Trauer über Harle Schicksals­schläge empfunden. u,ch das; das banerische Königreich der Mo­narchie gegenüber von denselben Gefühlen beseelt war und ist, dar, man wobt füglich behauvien. Ter Willkommengruß, de» Bayern dem Lenker der österreichisch ungarische» auswärtigen Politik zolll, ist zugleich ein aus auirichtigcm Herzen entspringender Freund ickiailsgruß sür die dem Deutschen Reiche eng verbündete und be ireundklc Tonaninonarchie. Man alaubt es den, bayerischen Staate gern, daß er bei dieser festlichen Gelegenheit mil besonderer Herz­lichkeit der Bande der i a h r b n » d e r I a l I e » Blntver w a n d t s ch a s t gern gedenkt, die die wittclsbachtschei» Herrscher mit dem ErzhausoaHabsburg verbindet.

M ün ch e n, 3. März. Nachmittags besuchte Graf Berch- told mehrere Hof- »nd Staatswürdenträger. 'Am Abend fand in der österreichischci, Gesandtschaft Konzert statt, ivozu das Königspaar mit den Prinzessinnen-Töchter», der Krön Prinz und andere Mitglieder des königlichen Hauses sowie die Insaniin Eulalia von Spanien erschienen. Nach den Musiloorträgcn fand ein Souper statt. Um II Uhr 40 er­folgte die Abreise des Grasen und der Gräfin Bcrchtold.

Deutsche» Reich.

Eine Anfrage des A b g. E rz d c r g c r im Reichstag. Im Reichstage ist von den, 'Abgeordneten Erzbcrgcr folgende Anfrage cingcbracht worden: Ist dem Herrn Reichskanzler bekannt, aus welchen Ursachen die beide» Burschen des Generalmajors Boeß in Neiße Selbstmord verübt haben? Welches Resultat ergab die ärztliche Untersuchung der Leiche» der Getöteten? Warum laud die Beerdigung nicht in der .Heimat der Soldaten statt? WievielBurscheiihatGcucralm ajorBoeßseit Oktober 1913 gehabt?

D i c badische Zweite Kammer hat in ihrer Vor- mittagssihung am Dienstag die Koste» iür die Wiederher­stellung der nchcn c r Gesandtschaft gegen die Stimmen der Fortschrittler und der Sozialdemokraten be­willigt. In der 'Aussprache führte für die nattoualliberalc Partei der Abg. Rebmann als Hauptgründe für die ver­änderte Haltung feiner Partei an. daß vor allem der

Lin unbekanntes vrama «otzebues über das Zahr M4.

Unter den zahlreichen Dramen, mit denen der ichnellierlige Vielschreiber und ersolgrcichstr Thealerdichter iemcr Jett 'August von Kotzcbuc die deuiichc Bühne versorgt bat. zieht Hermann Äenzl m einem Aussatz der Cotta'jchcn MonalSichristDer Greis" ein intcressanles unbekanmes Feuivrel ans Licht, das gerade jetzt einen aktuellen Reiz besitzt, weil es kühn den Zeit- laum von 100 Jahren überfliegt und die Zustande von 19l4 darstellen wUl. Das DramaDie hundert, ahrigeu Eichen oder da« Jahr 1914", einVoripiel Mit Gelang und Tänzen", das in den Gcsamiausgabcn der Kotzebueschen Werke nicht enthalten ist, wurde von Kienzl zusammen mit einem andern noch nie qedrucklen SchausviclTemcirius" und einem ebenfalls unbe- lamrlen Pasguill a», Navoleo»Nack, ^emandt ^ unterirdische Reise" das sich als eine Parodie aus den ,,^au!t" erweist, im handschriftlichen Nachlaß Kotzcbues ausgefundcn

"tAiS Voripiel wurde am 19 und 24. Lkwber 1814 »n Berliner Opernhauie mit der Bühnen,imiik von B. A. Weber auiaeführt und konnte als eine verivätele F e st v o r ft c I l n n g w der Rückkehr der Truvven aus dem Beircuingskriege -elieii Eigentlich batte ja ein Werk Goelbes. das au, Bestel wna Estlands verfaßte DramaDes Evimenides Erwachen" den ^oßen Anlaß oerherrliche» sollen Aber die Arbeit lra, zu Gät ein die Komposition der dazu gehörigen «iusik verzogene «ch und so konnte die Auijührung erst am 30. Mörz 181o ftatt iinhnt Ter stets bereite Kotzebue ivrang NN die Breickie und ver aßtc sein FesDnel von denDeutschen Eichen", das IN der .rdee i, Goelbes Evimenides" eine gewiue Verwandt,chail - Hai. Mäbeend iedo» bei Goethe der erwachte Wundcrfchlaser von der oallzogenen Beireiung Deutschlands überrascht wirb, kehr, be> Koycbue ein hondertiädriger Ilrgreis denen Eltern «ur Zeck der noooieaniichcn Schreckensbcrr,cha nach einer ein,amen ^n,el ent io^stwarcn nach 100 Jahren 1914 in das glücklich aeranderie De^ckwnd zurück Der rüstige Ur-Urankel. den ein irammes Gestdmfterpaar mit S-bnsu», erwanet. ha, am dem weltsernen J tr 1814 geboren wurde,geichutzl vor eurovanchem '«tt aclebt^ aber nun zieht es ihn nach dem Lande seiner s£F' cr kommt nun gerade.recht zur Hochzeit icincr Enkel- I "d " der J-hrhundertieier. die Fürst und Volk begehen, »^erstaunten Frager wird dann erzählt, wie herrlich »ch alles l Ä w« 6«t, und wir, bie wir heule an dem von s-s-kse erkräumten Zeitpunkte stehen, können genau kontral KoNebue r -^ch,ers Zukunftsbild nur eine Utopie war.

Curopa^ist rM« wir dem Kotzebue von 1814 glauben

wolle», 1914 ein vollkommenes Paradies. Ein -volles Iahr- hunderi ungestörten Friedens ist oeriloisen; die Throne Eu- rovas stehen lest und nnvereücki, wie sie nach dem ersten Pariser Frieden ausgestellt wurden. Mid dankbar erkennen die Völker, daß sie alle ihre Errmigenschaste» nur den Herrschern vor 100 Iahlen zuzuschreiben lwbcn, besoiiders denen der-Heiligen Allianz. Im Jahre 1914 sind naliirlich nach Kotzebue die Heere längst abgcschässt: es gibt keine allgemeine .Wchrvilicht mehr,

und nur zur Erinnerung an den einstigen MUirärdienst Irägl der Bürger ein Wchrgchenk als Abzeichen seiner Würde und Freiheit. StattHeil dir im Sieger " iingt man nur nachHeil dir IN, Friedenskranz";Volk und Fürst sind eins", und io ist es nicht nur i» Teutschland, sondern in ganz Europa. Auch die soziale Frage ist gelöst.

Zuni Schluß hältder deukichc Fürst", der Urenkel des Preußenkönigs von 1814, also niemand anders als Kaiser WU Helm II., der an der Spitze des durch einenBundestag" geeinten Deutschland steht, eine lange Rede^ vomDeutschen Vaterland, Das, ohne blinde Gunst, in allen Ständen Tie Tugend ehrt, die es geprüit erfand." Dabei aber vollzieht sich natürlich das ganze Zulunsisbild in dem äußeren Rahnien van 18,1 Der Greis kommt nicht etwa in einem 'Auto oder einem Luftichiii »ach Berlin, sondein man hört ein Posthorn, dann hält ein Wagen ... Tie Postschncckc" trägt den Hunderlsährigen in das Teutt'chland von 1911

ver ToScskamps-rine Zabel?

Mil Icbhaiter Spannung veriolgt man gegcnwärlig in Eng­land eine ärztliche Koittroverse, die den Beweis erbringen will, daß die landläufigen Vorstellungen vom Todcskampse »nd von dem korverlichen Schmerz des Sterbens eine Fabel lind Ter Ausgangsvunk, der Erörierungen ist die Aussage, die Cook Wilion in der Times über leine Eriabrunge» am Sterbebette ieines Valers vcröiientlicht hat.Im letzten Stadium," führt Wilson hier aus,setzte dos schnelle mühsame Atmen ein, das in solchen Fällen oft auitriti. Es war erschütternd, das zu hören UN» zu sehen, aber die Aerztc veriicherlcn mir, daß der Patient nichts von alledem nnssc. Man konnte die Grundlage dieser ärztlichen Meinung anerkennen und cs doch nicht verhindern, daß man Immer wieder dachte: diese Ausnahme ist im besten Falle wahr­scheinlich, sie kann durch die Erfahrung nicht bewiesen werden. Es wurde immer entsetzlicher, den Zustand meines Vaters zu beobachten; das Keuchen war so laut, so schnell und scheinbar mu so gioßcii Qualen verknüpft, daß ich immer wieder die Mei­

nung der 'Aerztc anzwciselte; ich konnte es nicht glauben Mein Vater war jedoch ei» ungewöhnlich kräftiger Mensch und über­lebte jene inrchtbare Nacht. 2lm Morgen ging sei» Atem viel ruhiger, er kam wieder zum Bewußtsein und war imstande, ein wenig zu imechen. Er wußte, daß der 'Arzt um diese Zeit wieder kommen inüßie, und sagte mir oollkomnien klar:Sage dem Dotior, ich hätte eine sehr gute Nacht verbracht."

Die englischen Blätter haben nun eine Anzahl von Aus­sagen ärzilicher Autoritäten cingcholt, von denen die Mehrzahl in der Tat die volksiümlichc Vorstellung van den kärverUchcn Leiden eines Todeskampses ablehncn.Tie Leiden der -oterbcndcn," so außen sich ein hervorragender 'Arzt,lind mehr tcheinbar als wirklich, in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle tritt barni. herzig Beivußllosigkcit ein. Alle Ehirurge» ioissen, in wie hes- riger Weite sich ein gewisser Typus von Paiiente» gegen die stäir- kose sträubt und Ivehrt und wenn sie wieder zu sich kommen, müssen die meisten erklären, daß sie sich aut keinerlei Schmerz oder Leiden besinnen können." 'Auch die Matrone der Krankenichivestern der zwöl, größten Londoner Krankenhäuser erklärt, der Todeslamv, könne mit guten Gründen als eine Fabel bezeichnet werdeii. Eon an Doyle, der bekaniillech itrsorünglich uo» Ben» 'Arzt war, ehe er Schriitstellcr wurde. Int diese Frage IN seinem Buche ihr Stark Mnnro Leiters" behandelt.Alle körperlichen Leiden des Lebens", schreibt da Oe. Stark Munro,scheinen im Tode zu gipfeln, »nd doch ist das Sterben, wie ich cs beobachtete, iocdee ein schmerzvoller noch ein snrchtbarer Prozeß. In vielen Fällen sliibi ein Mensch, obne auch nur entserut so virl Schmerzen zu erdulden, als sie etwa ein Nagelgeschmür oder eine Geschwulst am .Kinn hcivornisen würde. Und oft sind es gerade Tadeskämose, die dem Zuschauer am surchtbaritc» erscheincn und dem Lcideirden den wenigsten Schmerz bereuen. Ja es ist zweifelhaft, ob die Toten, wenn ihre Zunge wieder gelöst werden könnte, sich ihres Todcslainpies überbaupi erinnern ivürden Ich bin überzeugt, daß, gesetzt den Fall, ein weben geborenes Kind und ein soeben veniorbener Mann könnten ihre Schmerzen vergleichen, das Kind es sein würde, das mehr litt."

Kurze Nachrichten au s Kunst und Wissen­schaft. In B c r l i n ist, der Schriststcllcr P a e t o w im 'Alter von 44 Jahren gestorben. Er ivar u. a. an derDeutschen Rundschau" als Redakteur und an derTäglichen Rundschau" als Musikkritiker tätig.