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Sechster Blatt
164- Zahrgang
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Die ^htrni iwtaknWättn" »echt n b»m
.Anzeigeck «trnwl wöchentlich beiadtgt, ixrt „KrtuMott (tr bm Kids Sietzen" jwdmal wöchentlich. Die „kmbWirqchastltch«, Sri», srißdt" erscheine« nwnattich Dvennat.
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Gberhesjen
Samstag. 28. ßebruar 1914
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchea Unwersitäis - Buch- »nd Steindritckere).
R. Lange, Gießen.
Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Expedition und Verlag: e*sl. Rcdaktion:SEII2. Tel.-Adr.:AnzcigerGießkn.
Svr Zivilproz-Hrefonn.
Der Verfasser der uns ans Richterkreisev zugc- gaiigcuen Aufsätze sendet uns noch folgende Ausführungen:
Die Kritik „aus Anwaltskreisen"' an den Ausführungen „Zur Zivilpri^eßreforirr" in Nr. 32 des Gießener Anzeigers dZurrf einer kurzen Entgegnung. Weder der Dorwurs, „daß der Anwalt die Verwicklung der klaren Sachlage oder gar die Unwahrheit in den Prozeß hineintrage", «och die Forderung ,cher Beseitigung des Anwaltszwangs" ist in jenen Ausführungen erhoben worden Wer den Artikel unbefangen, sina ira et Studio, lieft, wird sicherlich solche Ungeheuerlichkeiten nicht darinnen findeu. Die große Wichtigkeit eines tüchtigen Anwaltsstandes für nufere Rechtspflege und die Vorzüge eines in angemessenen Grenzen sich bewegenden Anwaltszwangs wird kein vernünftiger Richter auch nur einen Augenblick bestreiten. Nicht die Beseitigung des Au» »oaltszwcrnos, sondern lediglich eine mäßige prozcßdiew- liche Einschränkung seiner Ausschließlichkeit sin ihrem jetzigen Umfang) ist es, was in jenen Ausfiih- .rnngen als wünschenswert cmqedeutet worden ist.
Daß der Anwaltszwang in zahlreichen Füllen unentbehrlich bleiben und nach Wie vor überaus sachfördernd wirken wich, ist ebenso gewiß, als daß von hervorragenden Rechtslehrern und Praktikern eine größere Möglichkeit der unmittelbaren Anhörung der Parteien durch den Richter bei einer kommenden Zivilprozeßreform als dringend erstrebenswert bezeichnet tvordcn ist.
Das Bedürfnis einer besseren Fühlung zwischen Partei und Richter ist auch auf dem vorjährigen Richtertage von bewährten alten Prozeßrichtcrn durch Beispiele aus der Praxis widerspruchslos bestätigt worden.
So sagt z. B. Oberlandesgerichtsrat H. aus D. aus seiner Erfahrung von Leuten, mit denen er im Prozeßverfahren zu tun hatte: „Sie haben allerlei Beschwerden gehabt: dg hat der Anwalt diese Zeugen nicht angegeben, da ist das und jenes nicht vorgebracht worden, was sie für richtig gehalten haben usw., und oft war es auch wirklich etwas Notwendiges, was sie vorbrachtcn. Ich habe den Leuten mitunter sagen müssen: ja guter Mann, ich kann mit dir nicht verhandeln, ich darf diesen Zeugen nicht so vernehmen, das mußt du mit deinem Anwalt ausmachen, der Richter kann das nicht von sich aus. Der Mann hat mir das einfach nicht geglaubt."
Oder ist es nicht auch ein wunderliches Ding, wenn zwei int Prozeß stehende Nachbarn vor dem Richter erscheinen und erklären, sich vergleichen zu wollen, und der Richter muß ihnen sagen: „Ja, ihr lieben Leute, das kömit ihr allein nicht machen, da müßt ihr erst einen Anwalt zu- zieheu." Aehnlich steht es z, B. mit dem Anerkenntnis im Anwaltsprozeß, das ebenfalls ohire den Anwalt nicht er- -folgen kann.
Wäre es wirklich in solchen Füllen eine Diskreditierung des Anwalts, wenn der Richter unmittelbar mit den Parteien verhandeln und die beir. Rechtsakte ohne anwaltliche Mitwirkung vornehmen könnte? Eine Verunglimpfung des Anwaltstandes, der, nebenbei gesagt, auch von dem Schrecher dieses durckprus gebührend geschäht wird, tonnte in einer solchen Erweiterung der unmittelbaren Verhandlung zwischen Partei und Richter dock: gewiß nicht erblickt werden.
Aber auch in Anwaltskreisen selbst ist die Anzahl derer durchaus nicht gering, die es nicht für notwendig erachten, daß der strikte Anwaltszwang der Zivilprozeßordnung unter allen Unlständen beibehalten werde, vielmehr der Ansicht sind, daß er in gewissen Fällen, namentlich z. B. bei Dergleichen, Anerkenntnissen n. dergl. wohl entbehrt werden könne, wie dies von dem Bor sitzenden de sBerliner
Anwaltsvereins auf dein Richtertag in Berlin ausdrücklich zugegeben worden ist.
Bon Interesse ist vielleicht auch hier noch ein Urteil, welches der Kammerpräsident Dr. B. bei der gleichen Gelegenheit in der Diskussion über die von Reichsgcrichtsrat Dr. Lobe zur Zivilgerichtsresorm ausgestellten Thesen in Bezug auf den Anwaltzwang abgegeben hat, ein Urteil, dem wir uns jedoch nicht bedingungslos anschließen möchten. Es wurde hier gesagt: „Ich gebe zu, daß manchmal die Vorbereitung der Sache und der Vortrag durch einen Anwalt wünschenswerter wäre, als Ivenn die Partei selbst ihre Rechte lvahrnimnrt. Ich habe aber den Eindruck gewonnen, daß Parteien, wenn sic den Prozeß ohne Amvalt verlieren, weniger unzufrieden sind, als wenn sic glauben, daß der Anwalt durch ungenügende Wahrnehmung ihrer Interessen den Prozeßverlust herbeigeführt habe. . . . Die Partei — dos habe ich aus Privatgesprächen mit Parteien vielfach herausgehört — fühlt sich beengt durch die Notwendigleit, einen Anwalt zu holen, fühlt sich bevormundet. Sie glaubt oft, daß ihre Rechte doch nicht so gründlich wahrgenommen werden könnten, wenn sie selbst in dem Prozeß, lvie es jetzt oft geschieht, beiseite geschoben wird."
Der Herr Kritikus erblickt schließlich auch einen Vorwurf gegen den Anwaltsstand in dem, was der Verfasser der Ausführungen über das V e r t ag u n g s w e s e n gesagt. Es ist dem Schreiber nicht im Traum eingefallen, die Tatsache der überaus zahlreichen Terminsvcrlcgrrngen etwa der Schuld oder gar der Böswilligkeit der Anwälte zuzuschreiben. Nein, es ist gerade als eine natürliche Folge unseres Prozeßverfahrens ausdrücklich hervorgehoben worden, daß im Anwalisprozeß der Anwalt auch die einfachsten Termine,^ und sei es nur die Erwirkung eines Versäumnisurieils, selbst wahrnehmeu muß, statt daß in solchen Fällen die Partei selbst vor Gericht tätig werden könnte, und daß gerade hierdurch der vielbeschästigie Anwalt in die ihm gewiß oft selbst unangenehme Zwangslage versetzt wird, Termine zu vertagen. — Also irgendwelche unfreundliche „Stellungnahme" gegen den Anwallstand oder gar die Absicht einer Verunglimpfung der Anwälte hat dem Verfasser des angegriffenen Artikels ebenso fern gelegen, als eine Befürwortung der Beseitigung des Anwaltszwangs.
Deutschland und England im Handelsverkehr.
Ueber den Handelsverkehr zwischen Deutschland und dem britischen Reiche, auf den gelegentlich der Besprechungen in dem deutschen und englischen Parlament wegen der deutsch-englischen Beziehungen wiederholt hingewiesen wurde, bringen die 'Mitteilungen der Handelskammer zu Berlin in der Januarnummer interessante Einzelheiten. Danach ist die Ei n f u h r aus Großbritannien nach Deutschland seit 1903 bis 1912 von 594 Millionen Mark aus 842 Millionen Mark gestiegen, und die deutsche Ausfuhr nach Großbritannien in der gleichen Zeit von 982,3 Millionen auf 1161,1 Millionen angcwachscn. Die Steigerung ist ziemlich regelmäßig in der Einfuhr, sowie in der Ausfuhr. Nur das Jahr 1908 weist einen bemerkenswerten Rückschlag aus, der aber in den späteren Jahren vollständig ausgeglichen worden ist.
Eingeführt werden von Großbritannien nach Deutschland in der Hauptsache Steinkohlen, Baumwollgarn, Wollgarn, gesalzene Heringe, Wolle, Kleiderstoffe, Maschinen, Spinnstoffe und Aaren daraus, Edelmetalle und Waren daraus, Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft, chemische Erzeugnisse, Leder- und Kurzwaren^ elektrische Erzeugnisse, Fahrzeuge, Feuerwaffen, Uhren, Spielzeuge, Papp- und
'papierwarcn aller Art, Mas, Kautschuk. Der deutsche Händel mit England richtete sich bis 1907 hauptsächlich nack, dem Mutterland, und es stand dieses Land an der Spitze aller Länder überhaupt, mit denen Deutschland Handel treibt. Allmählich ist jedoch der Handel Deutschlands mit England hinter dem Warenaustausch mit Amerika und Rußland zurückgeblieben: in der Einfuhr des Jahres 1912 steht Großbritannien mit 7,9 Prozent der deutschen Gesamteinfuhr hinter den Vereinigten Staaten und hinter Rußland zurück.
In der Ausfuhr nimmt cs wie bisher die erste Stelle ein. Es ist aber dabei zu beachten, daß aus Großbritannien weit mehr Waren bezogen werden als die deutsche Einfuhrstatistik nachweist, weil ein großer Teil der in London und Liverpool gekauften Waren in überseeischen Ländern erzeugt oder hevgestellt und daher für diese Länder angeschrieben wird.
Nimmt man zu dem Mutterland noch die Kolonien und betrachtet den Handel Deutschlands mit dem britischen Gesamircich, so übersteigt die Einfuhr aus diesen briiisckwn Ländern die Ausfuhr dahin nicht unerheblich. ES wurden im Jahre 1912 aus dem britischen Gesainireich für 2000,5 Millionen Mark Waren nach Deutschland eingeführt, dagegen für 1510,6 Millionen Mark aus Deutschland noch Großbritannien und seinen Kolonien exportiert.
Die Handelsbilanz ivar also für Deutschland passiv, lvas sich daraus erklärt, daß die Einfuhr zum großen Teile aus für die deutsche Industrie wichtigen Rohstoffen besteht. Ter Betrag, um den die Ausfuhr hinter der Einfuhr zurückbleibt, bat sich auch von Jahr zu Jahr gesteigert und ist von 249,7 Millionen Mark im Jahre 1909 auf 490,5 Millivuen im Jahre 1912 gestiegen. Am stärksten war die Ausfuhr nach Britisch-Ostindien, ferner nack) Canada, Britisch-Südasrika.
Vas UaisermanöAr
In diesem Jahre findet voraussichtlich vom 13. bis 18. September ein Kaisermanöver statt, wie es in cineni solchen Ilmiangc wobl noch nicht zu sehen war. Nickt weniger als sechs Armeekorps, nämlich das 7. (Münster, 8. (Coblenr), 11. (Cassel), 18. (Frankfurt a. M.), das 2. bayerische (Würzburg) und das 3. bäuerische ! Nürnberg) sollen daran teilnehmen. In Deutschland tvaren bisher im höchsten Falle 3 bis 4 Korps an einem Manöver beteiligt und auch in Frankreich, >vo man öfters Herbstmanövcr in großem Umsange abhielt, sind vier Armeekorps die Höchstzabl gewesen. Dazu kommt nun noch, datz die einzelnen Armeeverbände, infolge der letzten Heeresvorlagc an sich bedeutend geioachsen sind, und neue Trupneukörper, besonders technische, dazugctreten sind.
Damit man sich einen Begriff von den Trnpoenmasscn mache.» kann, die das diesjährige Kaisermanöver erfordert, sei nachstehendes mitgetcilt >
Die sechs Armeekorps setzen sich zusammen aus:
12 Divisionen, 21 Infanterie-Brigaden, 12 FctdartlUeric- Brigaden. Von den einzelnen Waffengattungen sind beteiligt: 51 Jniantcrie-Regirnenter, 24 Kooalleric-Regunentcr, 24 Feld artrllene-Regimcnier, 6 Fußartillerie-Regimenler, 3 Jäger Ba taillone, 2 Maschinengewehr-Abteilungen, 2 Fcstungs-Maschrnen- geivchr-Abierlungen, öl Maschinen-Kompagnicn, 10 Pionier-Bataillone. Dazu kommen 5 Scheinwericrzüge, 1 Tclegravhen-Ba- ailto't, 6 Train-Bataillone, 2 Fcstungs-Fcrnivrech-Kom agnüm,
1 Luitschrfscr-Batarllon, 1 Flicger-Batarllou. 1 Unteromzierichule,
2 Erienbatm-RegimeMer, 1 "Garde-Unteroiffzier-Kompagnie.
Jetzt ist folgendes noch zu berücksichtigen: 1. Es stellen die übrigen nicht am Kaiser-Manöver beteiligten Armeekorps außerdem noch besondere Kavallerie-Diviswnen ans (jede Division besteht aus vier Regimentern!. Ferner geben die Korps Abteilungen von Tclegraphentruppen. Train-, Lustschiffcr- und Flieger, truppen ab. Tie Stärke der Verkehrs- und technischen Truppen ist also viel bedeutender. Wahrscheinlich wird die Fußartillerie eben- falls verstärkt. Viele Tausende Reservisten sind gleickiaUs zum
Kraucn.Rundfcha«.
Vogelmord und Mode.
In England wird der Krieg gegen die von den Damen so geliebten Rerhersedcrn, die fast stets zugleich einem Bogel das Leben gekostet haben, augenblicklich mit besonderer Heftigkeit geführt. K.ne „Verbessenmg deS Fcdcrgcsctzes", die von der Regierung crn- gebracht ist, soll noch in diesem Monat vor dem Parlament verhandelt werden, und deshalb setzen die Freunde des Tierschutzes alle Hebel in Bewegung, um den Frauen die Grausamkeiten vor Augen zu führen, die ihre Eitelkeit Hervorrust. In Pcarson'S Magazine veröffentlicht einer der bekanntesten englischen Vorkämpfer des Vogelschutzes H. Hesketh Prichard einen packenden Aufsatz, der so manches Neue über die entsetzlichen Schlächtereien der Vogcliäger bcibringt.
Daß die Fcderti zum großen Teil von der Mauserung der Acre stammen, ist nach der Angabe des Verfassers ein Märchen, das wohl wehleidigen Kundinnen von ihren Putznrachcrinncn cin- geredct wird. Die wirllich guten Federn müssen direkt vom Körper des lebenden Tieres kommen. Während der Mauserzeit sind die Federn unansehnlich und von geringem Wert, und höck- stcus l Prozent aller nach England gelangenden Federn ist durch die Mauserung gcwonucu. Erschreckend ist die Roheit und Hast, nrit der die edlen Vögel, die durch ihren prächtigen Schnuick die Gier der Menschen erwecken, ausgerottet werden. Dafür führt Prichard ein Beispiel an, das für imzählige andere tvvisch ist. Weit und sern im nördlichen Stillen Ozean liegt eine ivildc verlassene Insel namens Lavsan, die die verborgene Brutstätte zahl reicher Secvogclartcn war, besonders aber zweier prächtiger Arten des Albatros. So zahlreich war eine dieser Arten, die man nack dem Eiland be» Lahsan-Mbatros nannte, daß man an bestimmten weiten Plätzen der Insel keinen Fuß nicdcnctzcn konnte, ohne aus die Vögel zu stoßen. Im Jahre 1909 rüstete NUN ciu Euroväer von Hotiolulu eine Exvcditwn aus, aut der ihn 23 ja panische Arbeiter begleiteten, um die Federn der Tiere zu sickern. Er verwandelte die idnllischc Insel in ein grausiges Tchlacht- haus, und als einige Monate später der Zoologie-Professor William Alaniov Bruan im Auilrage der Bereinigten Staaten die Insel besuchte, fand er, daß über 300 000 brütende Bügel getötet worden waren! „Mindestens die Hälfte von allen Bügeln der beiden Albatrosartcn," berichtete Brhan.über dieses Gemetzel an die Regürung, „untren in grausamer Weise vernichtet. Aut iveiteu Strecken der Insel, die 10 Jahre vorher dicht mit Al batrosen bevölkert waren, blieb auch nicht ein einziger Bogel, während die Hanien der erschlagenen ats stumme Zcugeu herum lagen für die traurige Nredcrmachung dieser schönen, harmlosen Und ohne Zweitel nützlichen Bcivohncr der hohen See."
Wie gewaltig die Zahl der Bügel ist, die alljährlich allein für die englischen Damen geopfert tuerdcti, beweist die Taffache, daß in dem Jahre Avril 1911 bis April 1912 in London allein an Reihericderu 19 636 Unzen angeboren mrd 1199? Unzen verkauft wurddi. Da man auf eine Unze 6 Vögel rechnen inutz,
so ergibt dies allein die Ermordung von mehr als 114 000 Vögeln. Aber dies ist nicht genug, denn mit dem Muttcrvogcl stirbt zugleich- sehr häustg die junge Brut, so daß ein Tod noch mehrere andere nach sich zieht. In Amerika hat der langjährige mit leidenschaftlichem Eiter geführte Kamps gegen den Bogclmord zu den. Ein uhr- und Ausfuhrverbot voll Federn wilder Vögel zu Schmuckzwecken geführt. Die Anhänger der Bewcgnng erstreben nun das Gleiche für England. ^
— In Bonn sind in die städtischen Ausichüsse für das höhere Schulwesen zwei Frauen mit beratender Stimme gewählt worden, von denen eine eine Lchrcrin ich Auch rn dem Vorstand der städtischen Fortbildungsschule rn Bonn tind zwe, Frauen mit beratender Stimme neuerdings vertreten, unter ihnen ivie- derum eine Lehrerin.
_ Don obligatorischen Hauswirt sch östlichen
F o r t b i l d II u g s u n t c r r i ch t hat nach einem Bericht der „Korrespondenz — Frauensragen" der Gcmeindcrat der Stadt Straß- burg vom 1 April 1914 beschlossen. Die Vorarbeiten zu dem betreffenden Statut wurden in ständiger Fühlung init den Vertreterinnen der Straßburger Frauenvcreme durchgesührt. Ihr Bestreben bleibt jedoch nach wie vor die Einführung des 8. Schuljahres, dessen Fehlen den hauptlächlichslcn Mangel des Mädcheiffckulwcsens in Elsaß-Lothringen darstellt. Das neue Ortsstatut zeigt die Tendenz, die schlimme Lücke in der laudesAcsctzlichcii Organisation des Mäd- cheiffchulwesens, für die Stadt Ltraßburg tveuigstciis, auszusüllcn. Diesem Ziel wollten schon die sogenannten „Selektaschulklaisen" dienen, deren die Stadt im lanicndcn Budgetjahr vier mit einem Gesamtanswand von rund 15 000 Mk. unterhielt. Ihr Besuch befreit auch vom Bestich der hauswirtschaitlichen Fortbildungsschule, weil in der Sclekta hauswirtschastliche Klasscu eingerichtet sind.
— Ein Kochkursus für praktische Aerztc. In der Kochschule des Lcttc-Bcrcins ist,soeben der von dem Zcntralkvmücc für das ärztliche Fortbildungsschulwcscn in Preußen organisierte Kursus iür praktische "taste aus Berlin und der Provinz Brandenburg für diätitchc Küche beendet worden. Außerdem hat der Lettc- Pcrein einen Monatskursus iür diälischc Küche im Rahnien der von der Berliner Tozcntenvcreinigung vcrausiatrctcn Ferienkurse durch- gcfübrt.
— Dicustbo t enausbil d u ng. Wie stark der Drang des Iveiblichcn Geschlechts zu häuslichen Berufen ist, wenn ihm mir unter günstigen Bedingungen eine "Ausbildungsmüglichkeit in diesen Fächern geboten wird, zeigen die beiden Haushalts-, schulen, die in Magdeburg vor kurzem eingerichtet sind. In der einen nmrden 50 Plätze geschaffen, aber Hunderte von Mädck^n meldeten sich sofort dafür. Tort werden Mädchen von 14 bis 16 Jahren auigciwimnen, die keine Pension zu zahlen haben. Sie erkalten sogar inr zweiten Jahr ein monatliches Tajchengew von 5 Mcark. Tic Ausbildung dauert zwei Faht-c und erstreckt sich aus alle Gclüetc des Haushalts. Jährlich ivird eilt Urlaub von 14 Tagen oder viermal drei Tagen gewährr. Es kann keinem
Zweifel unterliegen, daß durch solche Dicnstbotcnschulcn den, Mangel an Dienstboten abgeholscn wird.
— 12 2500 9>i t. für das Frauenstimmrecht. Die „Korrespondenz — Frauensragen" berichtet: In der überfüllten Albert Hall in London, die 10 000 Personen saßt, hat vor kurzem eine Versammlung der Antimilitant Suffragc Societv statt- gesunden, die besonders zahlreich von Männern besucht war. I» einstimmig angenommener Entschließung wurde dcni Ministerpräsidenten, Mr. Asguith, das Mißfallen über sein Vorgehen ausge- gervrochen und die Regierung ersucht, eine Gcsctzcsvorlage einzu- briugeu, die den Frauen Englands das Stimmrecht gewährt. Die Versammlung, an der sich viele bekannte Politiker und Gelehrte Englands beteiligten, schloß mit einer Sammlung, die 612t h. — also 122 500 Mark — ergab.
— Türkische Mädchen a l s T el ep h o n ist i nn c ». In diesen Tagen wird in Konstautinovet seieriich das von der „Anglo-Französtschen Tclcvhongcsellschait" erri htcä Fernsprecher- netz eingetveiht. Bor drei Jahren erlangten die französischen und englischen Unternehmer die Konzession für den Tclephon- dienst in Konttantinopel; jetzt ist die Einrichtung vollendet, rund 42 OOO Kilometer Draht werden gelegt, drei Hauptäinter - - Pcra, Stambul und Kadiköi — sowie elf kleinere Nebenämter iind betiicbstertig und 4000Teilnchmcr haben sich bereits gemeldet. Zum ersten Äkale werden türkische Vcädchen als Tclevhonimnncn tätig sein: iwch niemals wurden bisher Frauen oder Mädchen im Dienste der Post oder der Berkehrsanstallen angcstrlli. Es sind IN erster Linie junge Griechinnen, "Armenierinnen und Jüdinnen, die angestellt wurden, aber auch siebe» reine Türkinnen haben sich um die Stctluugen beworben und Ivurdcn airgeuommen. Während der Diensfftundcn werden die türkischen Tclephonistinnan ihr .Haar verschleiert tragen. Die Regierung hat die "Anstellung von Fraueu im Telcphandienst von Anfang an gebilligt und mit Sympathie verfolgt.
— Das Gesundheitsattest. In Milwaukee ist, Ivic
die „Kortespondenz — Frauensragen" mitteitt, vor lutzcm ein Hciratsgesctz herausgetommcn, nach dem die Ehckairdidaten erst dann die Erlaubnis zum Heiraten bekommen sollen, wenn sic von den Aerztcn ein Gesundheitsattest zugleich mit der Nachsuchung um die Ehelizcuz ernreichcn. Dieses Gesetz tollte Mitte Dezember in Krait treten, scheiterte aber daran, dast keine Hciratsgesuche cingcreicht wurden. Tenn die Acrzte, die Mitglieder der Milivaukee County Medical Socicln haben einstimmig erklärt, unter kcinen Umständen die Gcsundheitszertistkate auszustcllcn, da sie dieses iür einen Ern- grijs in die Art der Ausübung ihrer Praxis anschcn. Es sei außerdem unwahrscheinlich nachzuweisen, daß ein Mensch ganz gesund ist, und die Möglichkeit, daß ein Gesunder, der die Ehe cingeht, während der Ehe krank wird, sei aichererscitS nicht ausgeschlossen. Tie Acrzte erklären die Bcrantworinng für kommende Generationen nicht übernehmen zu wollen, sic auch nicht übcrnehmcu zu können. Man wird obwartcn müssen, ob daS Gesetz oder die dev
Acrzte das Uebergewicht bchchltcn werden.


