Nr. SO
Der «letze»« Anzeiger ez\<tinm löffltd), a»ber Sonntags. — Beilagen: ultrmnl toöd'enilid) •kStntr^amnitubUHtT; jjoetmnl n>öd)ent!.Ktei$: blattfiir ttn Krf i» 6ic|tn tiCttttMag imb ftTciiaa); ;!Otini(i( monfltl. Landwirtschaftlich« 5«itfcaaen Ferusprech - Aulchlüffe: llir dce Redaklion 113. Serlaq u. Expedition LI Adresse kür Tcpelchen: «nzeigcr tättfjen. rl»»ahmk von »nzcigen hlr bic Tageonummer bis vormittags 9 Uhr.
Erster Blatt
M- Jahrgang
Samstag, 28 . Zebruar TO
General-Anzeiger für Oberheffen
Hotationsörtid «nd Verlag der Srühl'schen llniv.-8uch- und Zteindruüerei 8. Lange.
Vezuasvrci»:
,!,o»allich7LPi.,vieN«l- iährlich Mk. 2.2»: durch Abholo»». Zweigstellen monatlich 6ö P-.i durch diePost Äik.r.—viertel- jährl. ausschl. Beiiellq. Zeile,ipreis: lokal löPs., auswärts 20 Picnniq. Chcsredakteur: A Goetz, Verantwortlich für de» volit. Teil: Aug. Goeß: sür .Feuilleton', ,Ber- mischtes' und.Gerichls- saal": Karl Neurath; lür .Stadl und Land':
8edaktion, Expedition und vrnckerei: Schulstratze 7 . Anz-igmull: H? Be-r!
Die heutige Nummer umfaßt 24 Seiten.
Tagcskalender au» dem Jahre 1KI4.
1. M ä r ;: Buiidesvcrtrag zn E ha n m o n t i. d. Chainpagne zwischen Oesterreich, Preußen, Rußland und England. Beratung über die Fortsetzung des Krieges, falls Napoleon die gemachten Vorschläge verwerfe. Entwiirs eincS Planes zur politischen Gestaltung Europas.
politische Wochenschau.
Gießen. 28. Febr.
Der Reichstagsausjchnß iür die Abgrenzung der militärischen Machtbefugnisse ist eines schmählichen Endes gestorben. Es ist wirkltch ein bißchen blamabel für diejenigen parlämentarischen Gruppen, die nach den Zaberner Vorgängen der Ansicht waren, solche Dinge dürsten sich nicht wiederholen. Wir sind ganz und gar nicht der Meinung, daß in politischen Sachen, wie es doch auch beispielsweise diu Unterdrükluiigcn innerer Schwierigkeiten und llnrnhcn sind, die militärischen „Halbgötter", wie Bismarck sic genannt hat, das ausschlaggebende letzte Wort itnd die Initiative baden. Bismarck selbst hat mehr als einmal den militärischen Machthabern, ja dem Kaiser selbst gegenüber, das oberste Recht der Zivilgewalt, des ersten politisch verantwortli hen Beamten, verteidigt: glauben die Heydcbrandt und Oldenburg, er hätte 1866, als er zum Frieden mit Oesterreich drängte und den Kaiser mit seinen militärischen Beratern „im Stiche" ließ, die Kommandogewalt des Monarchen ungebührlich beeinträchtigt? Auch der eiserne Kanzler war für die Abgrenzung der militärischen Befugnisse, als ini Feldzüge 1870 der „militärische Boykott" sich ihm gegenüber geltend machte. Ter Gencratstab verfocht damals, lote Bismarck schreibt, die Theorie, der Minister, komme erst wieder zum Wort, wenn die Heeresleitung die Zeit gekommen finde, den Janustempel wieder zu schließen. Bon ähnlichen Ausfassungen war auch Oberst von Reuter ausgegangeu, als er in dem kritischen Augenblick erklärte, jetzt höre alle Jurisprudenz ans. Die militärische Kommandogcwalt hat, der Ansicht war auch Bismarck, da ihre Grenze, wo der verantwortliche Leiter der Reichspolitik oder seine Vertreter politische Notwendigkeiten erkennen. Sind die besonderen Lagen bei inneren Unruhen in dieser Hinsicht etwa anders zn beurteilen als bei Kriegen gegen äußere Feinde? Zuerst herrscht in deutschen Landen das Gesetz, bei gesahrvollcn Lagen liegt die Entscheidung bei der Zivilgewalt, dann erst, bei der Exekutive, kann die Hilfe der Militärgcwalt hcrangeholt werden.
Nach dem negativen Ergebnis des Rcichstagsausschusscs, der sogenannten ,,Zaber» Kommission", ist die Gefahr gewachsen, daß Herr von Bethmann-Hollweg, der bekanntlich über beträchtlich viel weniger Eigenwillen verfügt, als der erste Kanzler, vor der angeblich in Frage kommenden Kom- maudogewalt Reißaus nimmt. Die Nachprüfung jener militärischen Dienstvorschrift von 1899 wird ohne entschlossene Mithilfe des Kanzlers wohl nicht viel zu Tage fördern. Da aber von der extremen Rechten des Reichstags in der letzten
Der Corregidor.
Oper in 4 Akten <6 Bildern) von Hugo Wols Text nach einer Novelle des Alarcon von Rosa Mayredcr.
1. Ausführung im Frankfurter Opernhaus am 26. Febr. 1914.
„Ohne die Meistersinger wäre der Corregidor nickt komvo nicn worden. Ja. ja. der alle Zauberer bat's uns angetan und wohliins, dos; wir seine Pfade wandeln dürfen."
To schreibt einer der begeistertsten Anhänger der Wagnerschcn Kunst, Hugo Wols selbst, an die Textdichters» seiner Oper. Will man aber von diesem Ausspruch aus die Musik der Oper schließen, so würde man eine starke musikalische Beeinflussung von Seilen der Meistersinger als selbstverständlich nnnchmcn, wäre die Oper von einem anderen als — Hugo Wolf koinvoniert.
Zeigen die ersten drei Akte (ä Bilder) ein Gepräge von genialer Eigenart, io muß leider der vierte Akt als weniger gelungen bezeichnet werden. Hier Iwbcn tatsächlich die Meister sing« schon sür die Anlage dieses letzten Bildes Pate gestanden: Nacht, Straße, Ständchen, große Prügelei, sa sogar ein 'Nach: Wächter also alles wie im zweiten Akte der „duftigften Blüte in dem Kranze der Wagnerichc» Schöpfungen", wie Wolf die Meistersinger nennt, lind selbst die Musik ist in diesem Alt nicht mehr so selbständig: es erscheint fast, als ob der Meister von seinem überschnellen Koniponicrcn der Oper hier stark ermüdet war. Gerade durch diesen vicrlen Akt ist die Lebensfähigkeit' der Oper als Repertoirestück genommen, was um io mehr- zn bedauern ist, als die ersten fünf Bäder ganz ungemein fesselnde, dramatische Musik im höchsten Sinne — nicht theatralische — enthalten. Hier verbindet sich Wort mit Ton zn einer so selbstverständlichen Einheit, hier ist aver zugleich die „Begleitung" von einer io unvergleichlich wunderbaren Selbständigleit, vhne daß dabei die Tingstinmrcn, wie man sagt, im geringste,I „m der Lust hängen", daß der Corregidor im musikalischen Sinne wohl als eine Verfeinerung wie Wetterführung der Wagnerichen Muse angesehen werden darf, ohne daß aber Hugo Wols bedauerlicherweise das für die Bübne doch so wichtige Moment der Bühnenwirksamkeit oon vornherein genügend Ul Betracht gezogen bat. Und damit iällt auch diese Oper in ihrer Eigenschait als eigentliches Bühnenwcrk dem Mangel an der im Leben dock; io notwendigen „Acußerlichleit" zum Ovier. Tie Musik ist eben viel zu gut sür ein Bübnenwerl. Aus dieser Musil batte ein geschickter Bühnenkomponist sicher 10 Werke von lebensfähigen Werten geschai i«n. Es ist direkt unglaublich, wie diese Musik sür Singstimmen und Orchester erlebt ist. Trotzdem die Orchesterpartitur aui den ersten Blick dickflüssig erscheinen will, ist doch jeder kleinste Rotenwert jedes einzelnen Instrumentes unüberrroiien gehört und drückt sofort die Eigenschait dieses ungemein disserenzierten, innerlich Gehörten dem ieweiliqen Instrumente in einer Weise aus, daß man wirklich nur staunen und bewundern kann. Das ist alles io über alle Maßen genial, daß es keine Worte dastir gibt. Und wo würde- man in» kommen, wenn man bei anderen großen Meistern vergleicht, wie sie erst allmählich sick die Jnstrumenialionskunst angeeignet Haben, erst „ach so und so vielen Versuchen mit der Kunst des Hörens im Orchester vcrtraiit wurden und —. hier bei Hugo Wols: was hat
Zeit so viele Versuche gemacht worden sind, die maßgebenden Gewalten vor den demokratischen Gelüsten der Volksvertretung graulich zu machen, sv lvird das unrühmliche Ende der parlamentarischen Aktion in Sachen Zubern dem Kanzler wohl kaum den Rücken steifen. Es ist bedauerlich, daß unter den Parteien, die ein gemeinsames Ziel im Auge hatten, kein besserer Zusammenhalt geherrscht hat. Die Fortschrittler durften unseres Erachtens nicht beanspruchen, daß man ihren Antrag wörtlich sogleich annahm. Es lag kein katastrophales Wetterzeichcn vor, das erfordert hätte, die Ernte unter allen Umständen aui 26. Februar einzuscheunen. Es wäre nicht ohne Reiz und Interesse gewesen, bcobachicn, >vie Herr von Bethmann-Hollweg in dieser Frage sich weiterhin verhalten haben würde, ob er mit den nötigen Griffen die einheitlich«: Durchs .sührung in sämtliche» Bundesstaaten hätte heransührcn können, oder ob er das Verlangen des Herrn v. Oldenburg ersüllt hätte: „Hut ab vor der Kabinettsordrc!" Da mun von der Regierung einmal die Vorlage von Material gewünscht hatte, wäre noch ein wenig Geduld am Platze gewesen . ES müßte im Reichstag nunmehr aber doch der Wunsch aufrecht erhalten werden, daß der Reichskanzler seine Erhebungen in den Bundesstaaten sortsctzt und so bald wie möglich vorgelegt. Heute heißt es, der zerborstene Ausschuß wolle über seine Verhandlungen dem Plenum einen schristlichcn Bericht vorlcgcu. Damit wäre eine Gelegenheit geschassen, nochmals Wünsche und Forderungen an den Kanzler zu richten.
Wir erleben jetzt im Großherzogtum Hessen eigentümliche, ausregende, aber auch ein bißchen beschämende Dinge Nach langen Vorbereitungen und kostspieligen parlamentarischen Arbeiten ist es möglich, daß das neue Besoldungsgesetz dennoch scheitern lvird. Tie Streitfrage um die Gehälter der Volksschullehrer hat sich in den letzten Tagen so zugespitzt, als hinge davon Sein oder Nichtsein des Staates Eb. Wir sind der Meinung, daß die Angelegenheit nicht so werttragend ist, um in Hessen eine innere Krisis herbeizns führen und der mit Recht jetzt schon unruhig gewordene:« Beamtenschaft wieder den.Bettel Vor die Füße zu to-erfen. Wie die Zache bis jetzt gediehen ist, wäre cs lediglich ciud Rechthaberei, die im letzten Augenblick das ganze Gesctzes- werl wieder über den Hausen wcrjeii wurde, Höflist verwunderlich ist vor allem die Haltung der Regierung) Die Zweite Kammer bietet ihr an, um einen Konflikt zu vermeiden, das Höchstgehalt der Lehrer statt ans 3800 auf 3700 Mk. herabzusetzen oder daS Wohnungsgeld um 100 Mk. zu vermindern, und die Regierung ivcist dies als ungenügend zurück. Die Erste Kammer, die nach allem was man hört, zu einer Einigung mit der andern Kammer bereit gewesen wäre, macht einen neuen Vorschlag, das Höchstgehalt der Lehrer auf 3600 Mark und die Anrechnung für die Dienstwohnung von 400 Mark ans 500 Mark zu erhöhen. Hier mit erklärt sich die Regierung einverstanden. Man fragt
sich erstaunt: was sind daS für gewaltige Unterschiede? Besonders, da die sinanziellä Deckung, wie nachgewiesen wurde, keine Schwierigkeit macht, hätte inan das Land mit dieser Rechthaberei verschonen sollen. Es werden noch ein paar spannende Tage vergehen, bis die Entscheidung säflt. denn zunächst liegt die ^Angelegenheit beini Finanzausschuß der Zweiten Kammer, der womöglich einige Zeit vergehen lassen wird, bis er überhaupt in die Erledigung cintrcteu wird. Die Beratungen des HauptvoranschlagcS sind ja gleichfalls dringlich. Wir hoffen nun, daß, waS lange währt, schlrcßlich doch gut wird! Das hessische Volk würde, falls das Gesetz wiederum scheitern würde, über die Art, wie cs regiert wird, sich seine eigenen Gedanken machen. . . .
Deutscher Ueich.
Tic R c ich s p o stc i»n a h men stiegen in: Januar d. I. um 86,40 Millionen Mark ans 698,97 Miflionen Mark gegen 666,34 Millionen Mark in der Zeir vom 1. April bis 31. Januar des vorigen Etatsjahres. Im Voranschlag für 1913 sind für das ganze Jahr 842,37 Millionen Mark veranschlagt: von dieser Sunimc sind die Einnahmen Ende Januar noch un: 143,40 Millionen Mark entfernt; ob dieser Betrag in den beiden kommenden Monaten ganz erreicht werden wird, erscheint zweifelhaft, da im Vorjahr im Februar und März zusammen nur 126 Millionen Mark einkamen, und die Steigerung in diesem Etatsjahr gegenüber der vorjährigen bisher nicht so erheblich gewesen ist, daß eine Zunahme von 17 Mill, Mark in zwei Monaten erwartet iverden kann. Die R e i ch s c i s e n b a >> n e i n n a h m c v sind bisher mit 132,08 Millionen Mark gegen 126,78 Millionen Mark im Vorjahr ganz günstig gewesen. Vom Etcitsjahres- anschlag*trcnnen die bisherigen Eisenbahncinnahmen noch 21,70 Miflionen Mark, eine Summe, die bis Ende März zweifellos erreicht werden dürfte.
Der Acltestcnrat des Reichstages trat ani Freitag vor der Plenarsitzung zusammen und beschloß, dio Besoldungsvorlage, die Samstag dem Reichstag zugeheu wir», bereits auf die Tagesordnung der Montagssitzung zn setzen. Tie Vorlage wird ohne Aussprache an den Budget- ausschus; verwiesen und dort bereits am Dienstag zur Beratung gestellt werden. Im P'cmim wird nach dem Aktschluß des Voranschlags der Reichseisenbahnen der Postooraif'chlag und im Anschluß daran das Poilschcckgesetz beraten werden.
Keine Reform der F a h r ka r tc n stcue r. Bei Beratung des Voranschlags des Reichseiscnbahnamte? sind im Reichstage Gerüchte erwähnt worden, wonach die Fahr- kartcnsteucr für die 1. und 2. Wagenklass« crinäßigt, für die 3. Wagenklassc erhöht und für die 4. Wagcnflasse wieder eingcführt Iverden soll. Wie mir hören, besteht nicht die Absicht, in absehbarer Zeit eine Reform der Fahr- karienstener vorzunehmcn.
denn dieser Meister vor dieier Oper aui dem Gebiete der Orchester musst geschossen? So ein Grab von natürlicher, immer gewesener Reise sür alles, was mit Musik allein jm innigsten Zusammenbang siebt, ist höchstens nock» bei Schubert, Mendelssohn und Liszt zn finden und nur Verehrung iür solch ein Genie und höchstes Vertrauen an dessen göttliche Wahrheitsspcndcn kann uns einigermaßen diese überirdische Größe begreifen lernen.
Der Franksnrler Over ist es als hohes Verdienst anzurechnen, dieses Werk „ausqcgraben" zn haben, lhtb vielleicht war cs gut, dies'erst jetzt', nach nngcsähr 18 Jahren seit der Mannheimer Ur- aussührung getanen Iiabcn: denn heute hat man aewiß schon mehr Verständnis für diese Musik als wie damals. Als Spielleiter bekundete Herr ärötimcr ein ungemein sicheres Auge für wirksame Bil der voii höchster künstlerischer grast lind dennoch Emsachheit. Um nur eines Hernormheben: wie ivunderbar waren die verlchiedcncii Be lenchlungen ' in dei, beiden Bildern von Tio Lukas Zimmer, oder nne erhaben wirkte die behre Ruhe der Mondnacht i:n dritten Akte Daß die Musik dieser Oper eine viel liebevollere Einstudie rung erfordert, als die meisten ihrer Schwestern, ist selbstverständlich Herr:, Pollak's Name allem bürgte schon für eingehendste musikalische Ausdeutung der grandiosen Schönheilcn dieser Parti tur dock seien die Zwijchensvielc als besonders geglückc m fernster Ausarbeitung des Details wie Spannen der großen Lime hervor- geböben Ter erste Akc dürfte vielleicht im Fnicrcsic der Ge- saniientmicklnng in, Tempo rascher gciwmmen werden. Als ungemein charakteristische Gegner in Spiel und Maske ivarcn Herr Schramm als Eorreqidor wie Herr vom Sckicidt als Tio Lukas, lctzicrer brachte besonders die Monologszcne zu eindringlichster Wi'rlnna Eine in scder Hinsicht prächtig ausgearbeitcte Rolle boten Frl llbr als Fra-auita und Frau Gcntcr-Fischcr als Eorrcgi' dora Einen ergötzlichen Repela ickms Herr Stoä, ebenso war der Alkalde de- Herr» Schneider von feinster Eharaüeristik. In klei neren Rollen nnrkte» noch ausgczeickincr mit: Frau Fortncr Halbacrtb. Frau Wellig Bertram und die Herren Mcnrs als Nachnvächtcr, Weindel als Nachbar. Gareis als Gericktsbotc, Wirt als Sekrciär. Brsonders hcrvorzulnben ist die abiolnte Unab hängigkcii aller Beteiligten vom Dirigenten. Das Orchester klang vrächrig lind spielte mii glänzendem rbnidmiickwn Schwünge, allen Schwierigkeiten des Wertes in jeder Hinsicht gerecht werdend.
Ter Beifall des sehr gut besuchten Hauses war nach den ersten drei Akten sehr herzlich, nach dem letzten mehr als Bezeugung des Dankes für Spielleiter, Kapellmeister und Sänger,
Allen nmstkaliichen Interessenten unterer Siadi möchte ich auss'angelcgenZrchste emvs'hlen. sich den Corregidor m Frankint anznhören: crn künstlerischer Eindruck von nachhaltendem höchsten Werte ivird der Gewinn sein. ^ r —z.
— „gär Hörer aller Fakultäten." Bor kurzem ist a» dieier Stelle das Vorlesungsverzeichnis für das Svmmer- semester 1911 besprochen worden. Inzwischen sind auch die Vor- lemngsverzcichnlsse der meisten anderen deutschen llniveriitäten erschienen und geben der Dossischen Zeitung zu lehrreichen Beobackstungen und Betrachrnngen nach verschiedenen Richtungen hn: Anlaß. Freilich im ganzen mehr zn sol
chen negativer als positiver Art. Vor allem fällt es ans, wie gleichförmig ntzd schematisch der wisscnsthastlichc Unterricht an unseren vornehmsten Bildniigsstäiicii gestaltet ist. Unsere Zeit scheint dem Individualismus und den Individualitäten ans allen Gebieten Ivcnig giinsti^. Das Bild unserer Großstädte, unser ganzes soziales Leben in Verkchrssormen, Geselligkeit, Sitte und Mode wird immer schablonenhastcr und phniiogiiomieloscr, und die gleiche Tendenz zur Unisormicriing scheint den Wissen- schaitsbctrieb und das Bilduiigswesen nn unseren .Hochschulen z:i beherrschen: oiicnbar zum großen Teil eine Wirkung des herrschenden Militarismus kund Bureaukraiismus) und seines i» die feinsten Adern des Volkskörpcrs eindringendcn Geistes. Daß die Drillung eines Jnsanterierekruten i» Colmar keine andere ist als in Insterburg, in Wesel dieselbe wie in Kättowitz, län» nicht wundernehmcn iind liegt in der Natur der Sache: aber daß in Königsberg und Gieße», in München und Rostoa jahraus, jahrein immer und überall genau die gleichen Vorlesungen, Uebun -gen, Pratliiä usw. gehalten werde», ist dock, merkwürdig und mit der Notwcndiglcit einer einheitlichen alademischen Äiisbildnnq der zukünftigen Ttaatsbeamteii, Richter, Lehrer usw. nicht ausreichend zii erklären. Es fällt schon als ungewöhnlich aus, wenn aut dem Gebiete der freiesten Gcistesivisscnsck)ait, der Philosovhie, ein wagemutiger Prioatdozent ober Extraordinarius — beileibe kein Ordinarius — einmal von der hergebrachten Schablone abweicht und statt der unvermeidlichen aristotelischen „Politik", „dt: anima“ und Kants „Kritik der praktischen Pernunst" ans- liahmsweise Husscrts „Logische Untersuchungen" oder das Werk eines anderen lebenden Philosophen seinen Uebun^cn zugrunde legt oder den inoderiien Pragmalisinus, die io interessante und wenig bekannte indische Philoiopbic oder sonst etwas von der breite» Heerstraße Ablicgcndcs in den Bereich seiner Borlciungcn zieht. Um jedoch nichl ungerecht z» icin. sei erwähnt, daß Pros. Sim - m c l, in dem die Berliner Universität soeben eine» ihrer eigen artigsten und gnrcgendstcn Lehrer verliert, iit Straßbnrg im nächste» Semester außer über „Logik und Einleitung in die Philosophie" auch über „Knlturproblemc der Neuzeit" Vorträgen wird. Jm allgemeinen werden, »nie ein Blick in die vorliegende» Vorlesungsverzeichnisse belehrt, die allgemeinen Bildungsbedürfnisse der Studierenden und die geistigen Interessen unserer Zeit viel zu Ivcnig berücksichtigt. Eine oncickeiinensivertc Ausnahine machen, wweil ivir sehen können, Jena »ich Bon», wo in einer besonderen Rubrik eine Reihe vo» Vorlesungen „Für Hörer aller Fakultäten" zniammengestellt sind. Aua: mit der iiluswahl wird man sich in beiden Fällen durchaus einverstanden erklären können: so wird z. B. »I Bonn über Sozial- hpgicnc, erste Hille bei Unglückssällcn, ärztliche Rechte und Pflichte», über geistige Strömungen in der zeitgenössischen französischen Literatur, über Henri Bergsoll, über die Jslampolitik der großen Kolonialmächte (Pros. Bcckcri. über Grlindzügc der Elektrotechnik und andere Themata von atiucllstem Interesse gelesen: ebcnso in Jena über „Gcsundhcitsknnde sür Richtincdizinrr". „Bürqcr- lundc", „Einführung i» die höhere Matheinatik": außerdem iverden — was besonders dankenswert erscheint — „Uebungen in der Technik des Sprechens und der freien Rede" wtb im „Vorträge


