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Set Sieben« Anzeiger
etftfjeirtt täglich, onier Sonntags. - Beilagen: viermal wöcüentlicl, Sitbemrzaniilietiblätter: zweimal wöchentlftireir- bl«N lür Len «reis Sieben iLtenstog und Freitag): zweimal monotl. Lavto wirtschaftliche Zeitfrage» gerniorrch - Anfthlüffe: Iür die Redaktion 112, «erlag u. Expedition 51 Adresse iür'Tepkiche«: Sluzciger Giesen. Annahme von Anzeige» lür die Tagesnumm« bi? vormittags S Uhr.
Erstes vlatt
Jahrgang
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
SstafionrLntS m- Verlag der vrLhlfche» Uaio.-Vuch- nnb §<«mdr»cker«i B. Laag«.
vienstag, 2§. Februar
BczugSprel»:
monatlich 75 Dk„viertel-
iährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zlveigftellen monatlich 65 Pt.; durch die Post Äik.L.— viertel» jabrl. ausschl. Beftellq. Zeilenpreis: lokal 15Pj„ auswärts 20 Pjennig. Chefredakteur: A.Goeh. Verantwortlich iür Le» volit. Teil: Aug. Goeh; ihr .Feuilleton', ,Ber- nnjchtcS" und.Gerichi-- loal": Karl Neurath: lür .Stadt und Land":
Bedattian, Lrpedttion und Druckerei: Schulpratz« 7. A»»>ge'nieü( tz/säch
Tageskalendcr aus i»cm Fahre 1KI4.
21 . Februar: General v. Biilow stößt zur schlesischen Armee.
Unser neuer Militärattache in 5t. Petersburg.
Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns:
Ter General der Kauallserie Burggraf und Graf Alfred zu Dohna Schlobitten wird demnächst Petersburg und den .Zarenhos verlassen und seiueu Posten an den sieben Jahre jüngeren — zurzeit irrt 55. Lebensjahre stehenden — diensttuenden General ä la suite des Kaisers Generalleutnant v. Chelius abtreten. Das ist mehr als eine bloße Nachricht, niehr als eine bloße diplomatische Veränderung. Denn im gegenwärtigen Augenblick ist es keineswegs gleichgültig, wer als Vertreter des Deutsckieii Reichs in die unmittelbare Umgebung des Zaren von Rußland berufen wird. Die russisch» österreichisch-deutsche Spannung und die Nachwehen der „Unstimmigkeiten" bezüglich der deutschen Militärmission in der Türkei erforderten die Wahl einer besonders qualifizierten Persönlichkeit. Tic Wichtigkeit, die Bedeutung des Postens eines Militärattachäs an der Newa gewinnt nun gerade jetzt noch durch die ungeheuren Rüstungen, die Rußland zurzeit unternimmt: erfährt doch der Friedensstand des russischen Heeres mit einem Schlage eine Erhöhung um fast eine halbe Million Mann! Fortgesetzt gelangen umfangreiche Bestellungen von Kriegsmaterial inner» und außerhalb Rußlands zur Erledigung: allerorten werden Reservevorrätc aUcr Art in Massen angehäuft. Eine besondere Vermehrung und Ausgestaltung wird dcnt Lustsahrlwesen zuteil. Die Aufgabe des Herrn v. Chelius wird also nicht eben leicht sein. . . .
Welche Bedeutung hat eine Stellung als Militärattache bei einer fremden Macht? Fm allgemeinen erfahrt man von der Tätigkeit dieser Herren recht ivenig, kaum daß die breitere Oefscntlichkeit auch nur ihre Namen kennt. Aber sväter hat man doch schon inanchesmal von ihrem verdienstvollen Wirken erfahren. Groß sind die Anforderungen, die solch ein Posten a» seinen Jnlüiber stellt: in erster Linie größter Takt, sodann unermüdlicher Fleiß, repräsentatives Auftreten, umfassende Bildung allgemeiner, wie mili» tärtscher Art, Beherrschung der Knltursprachen imd natürlich körperliche wie geistige Elastizität. Bei Würdigung der fremden militärischen Verhältnisse ist Besonnenheit im Ur- tcü besonders notwendig: nicht darf, wie Eieneratfesdinar- MklH von Los einmal aussührte, die heimatliche Armee den Maßstab bei Beurteilung der fremdländischen bilden: denn „die Pbvsiognumie jeder Armee tvird bestimmt durch den Volkscharakter, die Geschichte und augenblickliche Politik des Landes iffw ". Wenn auch ein Militärattache naturgemäß die coesamtpolitik seines Vaterlandes, wie der fremden Macht, an die er berusen, niemals außer acht lassen darf — schon um zu einer richtigen Beurteilung der militärischen Verhältnisse zu gelangen — , so darf er dennoch niemals etwa selbst politisieren. Man erinnert sich in dieser Beziehung vielleicht noch des St o n f 1 1 f t e 8 , den Bismarck icinerzeit mit dem deutsche» Militärattackw in Wien, dem späteren General Adolf v. Deines, gehabt hat. Tie Qualitäten des Herrn v. Ehclius lassen indes die Erwartung zu, daß er mit Takt und Verständnis seiner Aufgabe gerecht werden und sich von jedem gefährlichen Politisieren fern- haltei: wird.
Tie Wahl des Herrn v. Chelius ist nämlich in vieler Beziehung recht glücklich. Es scheint, daß sie aus den besonderen Wunsch des Zaren zurückzufnhren ist, der nämlich' gelegentlich seiner Anwesenheit bei der .Hochzeit
Kuiift, IBificiifcbisit und Leben.
— Ter Städtebauer des modernen Athen. Tic kriegerischen Erfolge Griechenlands loäbrend des Balkankrieges sollen auch äußerlich in Athen ein Echo finden. Mit dem nationalen Triumphe ist der Plan erstanden, Athen in größtem Stile zu einer Weltstadt auszubauen, zu einer Metropole, die in einer neuen architektonischen Physiognomie die Machtcrwciterung Griechenlands symbvliiicrt. Dieser '.Ausbau Athens nach modernen künstlerischen Grundsätzen des Städtebaues ist ein Licblingsplan König Konstantins und seiner Gemahlin. Währcich einst ein I deutscher Miinftler. St lense, die architektonische Entwicklung der griechischen Hauvistavt cntloart und anbahnte, wird jetzt ein Engländer vor der großen und reizvollen Ausgabe stehen, das neue ! Athen, das Athen der Zukunst, zu schaffen. Aus Betreiben des jkönigsvanrcs hat Thomas H. M a w s o n , der bisher als ! Lehrer iür Gartenarchitektur und Städtebau an der Unioersilät Liverpool wirkte, den Austrag erhalten, die Pläne zur Vergrößerung und Verschönerung Athens zu entwerfen. Mawson, der zu diesem Zivcckc längere Zeit in Athen weilte, ist imn in London eingetroffcn und äußerte sich auis höchste begeistert über die Aussichten des Werkes, das der König ihm anvertrant hätte. „Athen mit seiner herrlichen^Lage und seinen wundervollen Archi- > lekturresten dildcl in der Tat ein unvergleichliches Wirkungs- ebiet iür jeden 'Architekten. Tic Stadt ist heute nicht imstande, ie Tausende aufzuncbmen. die jetzt nach Athen ziehen: allein in Aen letzten 12 Monaten ist die Bevölkerung um 50 000 Kövjc rngewachsen Während der letzten Wochen war ich last nnunter- irochen mit dem König und der Königin unterwegs, wir fuhren rastlos umher, um die Möglichkeiten und die Einzelheiten der großen Neuanlage zu bcsvreäien. Ter Plan sieht mner andcrein die Errichtung eines mächtigen modernen Bahnhofes vor, der £cr Endpunkt aller Bahnlinien werden soll. Dieser Bau soll alle längsten Errmlgenschaften der Techink erhalten, gleitende, bewegliche Treppen usw. Bor dem Bahnhof wjrd ein getvalttger freier Platz angelegt mit reicheni Gartcnschmnck, StaMcn und .Kolonnaden: und von diesem Platze aus werden fächerförmig die
Maßen Avenuen ousstrahlen, die durch die Stadt führen sollen. Man loird von hier einen wundervollen Blick aus die Akrovolis hoben, ans den weiier rechts liegenden Thrseus-Temvel und aut das »esc Parlmnenisgebäude, da. am Ende eines großen Boulevards aut einein Hügel cnivorragt. Auch die Anlagen großer moderner H o t e l v a l ä st e , an denen es bisher in Athen ichlt, sind vorgesehen. Meine Pläne erstrecken sich sodann aut den Bau nncr modernen P r a ch t st r a ß e , die von Athen nach dem Piräus
der Prinzessin Viktoria Louise im Mai 1918 Herrn von Chelius wohl näher kennen gelernt hat, da dieser zum persönlichen Ehrendienst bei ihnr befohlen war, — Herr v. Ehclius erfreut sich seit Jahren der besonderen Gunst, des besonderen Vertrauens deS Kaisers. Seit mehr als neun Jahren befindet er sich teils als dienstbuender Flügel - adjntant, teils als diensttuender General ä la suite in der unmittelbaren Umgebung des Kaisers. Er begleitet den Kaiser wohl auf allen seinen Reisen, z. B. stets nach Korfu und in die nordischen Gewässer. Ost wird Herr von Chelius zu den verschiedensten Missioneu, namentlich repräsentativer Art, verwendet. Auf Festlichkeiten im Chelius» schen Hanse — am Kurfürstendamm in Berlin — pflegt das Kaiserpaar zu erscheinen, und als neulich Töchter und Söhne des Chcliusschen Paares heirateten, nahm das Kaiserpaar sowohl aii de» Trauungen, wie an Festliche ketten tell. Diese fast freundschaftlichen Beziehungen des Kaisers zu .Herrn v. Chelius, der übrigens ein Enkel des berühmten Heidelberger Chirurgen Max v. Chelius ist, gehen zurück bis auf die gemeinsame Gymnasialzeit in Kchsel und auf die Zeit, da der Kaiser als junger Leutnant zusammen mit dem ihm fast gleichaltrigen v. Chelius im Potsdamer Leibgardchusarcn-Regiment stand, das Herr von Chelius später, von 1906 ab, mehrere Jahre als Kommandeur befehligt hat. Interessant ist, daß seine Ehefrau eine Tochter des bekannten früheren preußischen Ministers des Innern v. Puttkantcr ist, den bekanntlich Kaiser Friedrich III. aus seinem Amte enllassen hat. Man hatte immer gehört, daß Herr v. Chelius den Grafen v. Hülscn-Hae- se 1 e r in seinem Amte als Generalintendant der Königlichen Schauspiele ersetzen werde, dessen Stellung scheint aber wieder befestigt zu sein. Herr v. Chelius hat sich nämlich nicht nur in den Dienst des Kriegsgottes, sondern auch in den der Musen gestellt: Eine große Anzahl von Liedern und Kompositionen für Klavier und Kammermusik, mehrere Opern („Haschisch"; „Die vernarrte Prinzeß"), einige Oratorien künden sein musikalisches Talent. Wenn diese musikalischen Interessen Zweifel an der Geeignetheit des Herrn v. Chelius ftir den Petersburger Posten wecken sollten, so dars demgegenüber bemerkt werden, daß er den gleichen Posten in Rom sechs Fahre lang erfolgreich bekleidet hat.
Dötttfcbcs Reich.
Dl er Reichskanzler trifft, einer Einladung des Senats folgend, zum Besuche Hamburgs am 2 . März dort ein und wohnt abends in der preußischen Gesandtschaft. Für den Vormittag
des 3. März ist eine Besichtigung der Werst von Blohm u. Voß Und anschließend daran eine Hascnfahrt geplant. Für den Nach- rnittag ist ein Besuch des KolonialinstitMs und der großen St. Michäelskirche vorgesehen. Am Llbend des 3. März loird ein Mahl im Rathauie veranstaltet, für den Vormittag des 4. März ist ein Besuch der üiMthalle in Aussicht genommen.
JmvreußischenAbgeordnetenhaus kam am Montag beim Medizinalwcsen auch das Problem desGcburtenrück- g a n g s wieder ausgiebig zur Erörterung, und zwar war es der 'Zentrumsobgeorimetc Frhr. von S te i n a eck e r- Trier, der das Thema anschnitt. In seinem Klagelied malte er die Verhältnisse aber doch wohl zu schwarz. Darin jedoch, daß etwas geschehen muß, um den Handel mit antikonzevtionellen Mitteln einzuschränkcn, ivird inan ihm beioiliebten nrüssen. Dieser Ansicht war auch der Minist« von Dallwitz, der u. a. mitteilte, daß bereits Wci- iimgen an die Staatsanwaltschaften ergangen seien, den Handel und die Anvreisung dieser Mittel scharf zu überwachen. Ueberdics liegt döm Reichstag ein cntivrechender Gesetzentwmi vor, der vornehmlich den Vertrieb im Umherziehen treffen loill. Außerdem stellte ldcr Minister sür die nächste Zeit eine nmsangreiche Denk- s ch r i s t, die grundlegendes Material enthalten soll und wohl auch »nie Anregungen geben wird, in Aussicht. Airs das Gebiet der Nahrnngsmittclchemie lenkte der uationatliberale Abg.
iüürt und die in ihrer Grundanlage etwa in der gleichen Art er- iolgcn soll, wie der Bau der Berliner Döberitzer Heerstraße, die von Berlin über Ebarlottenbnrg weiter hinaus' in den Westen führt.' Zur VernürNichung dieser Pläne ist eine Tauer von 50 Jahren vorgesehen."
— Fortschritte des Vogelschutzes. Der Frühling, der uns die Zugvögel zurückbringt, entftüelt auch zugleich so manche traurigen Attentate aegen die aus dem Süden heimkehrenden Luit- bcwohner Aber auch'die immer stärker anwachsende Vogelschutz» bcwcgunq ist ans dem Platze, und in diesem Frühjahr werden wciter- qchcnde 'Schutzvorrichtungen iür das Leben umerer gefiederten Freunde sorgen als je zuvor. Das fianzomche AckerbaumiNiiteiium hat ans Grund zahlreicher Zeugnisse von Gutsbesitzern, die sür die Hobe Bedeutung der Vögel im Kamps gegen die Jnsektcnvlage em- trctcn ein durchgreiiendes System des Vogelschutzes organisiert, das nunmehr in Kraft tritt. Sehr strenge Vogclschutzgesctze sind in Italien erlassen worden, wo in der Zeit voni 1. Januar bis zum 30 September die früher in so verhängnisvoller Weise betriebene Bogelsagd völlig verboten ist. Ebenso ist von der englischen Regierung ein eigenes Komitee gebildet worden, das die Auwabc hat den Schutz der Bügel wirksanter anszugestalten als bisher Ter Vogel, sür dessen Erhaltung mail das ivertgehcndite Jnteress- zeigt, ist die S ch w a l b e. In Frankreich sind die Blm- bäder die ini Süden umer den Schwalben angerichtet wurden, mit emvftndlichen Strafen belegt und in Italien ist das Fangen von Schwalben und Nachtigallen überhaupt verboten. Diese immer stärkere Unterstützung der Vogelschutzbcwegung durch die Regierungen ist den, Umstande zuzuiibreiben. daß malt den Nutzen der Vögel und ihre Notwendigkeit iür das 0>lrichgewicht in der Natur immer deutlicher erkennt. Ueberall wo durch unvernünftige Jagd die Zahl der Vögel empiindlich vermindert wurde, ivarcn Plagen durch Insekten und Meltau im Getreide die Folge. Daneben Iverden in England besonders aber auch ästhetische Gründe geltend gemacht, so die stets wachsende Liebe des Publikums zu der Dogel- welt da« Interesse, das man an dem anmutigen Treiben der Lnst'bewohncr nimmt. In Ungarn nehmen einzelne Gutsbesitzer eine Art von Schätzung vor, ob gewisse Vögel — die Saatkrähe wird vor alten genannt — nicht zu zahlreich vorhanden sind, und erst, wenn das festgestellt ist, wird die Jagd ans diese bestimmte Art eröffnet.
— TrcnnuiigderGcschlechteiimKinv!Die sittenstrengen Amerikaner haben in letzter Zeft immer bäustger gegen die Kinemawgraphentheater Einwendungen erhoben und immer lauter erklingt die Forderung, vor der „Flimmerkiste" Mann und Frau voneinander zu scheiden: die Herren zur Rechten und die
Tr. Grund die Aufmerksamkeit des Hmiscs. Er fordert feste Normen Lir den .Handel. Ausbesserung der Beamten der Nahru»-s- inittelämter seitens der ttzemcinden, eventl. Verstaatlichung dieser Aemtcr, sowie schonende Bcbanhlmiq des Mittelstandes und des Kleinhandels. Den 'Mangel nn:ooiiriven Normen für den Handel init Nahrungsmitteln bedauert auch der Gehcimrat Tr. A b e l; er ist darüber hinmis sogar der Meinung, daß man nur anr diesem Wege zu einem befriedigenden Ergebnis lommen könne. Daneben war noch von mancherlei anderen Dingen die Rede, von der Blind- Larincntzündung, der spinalen Kindeilähmung, dem Kindbettiieber, der Säuglingssterblichkeit, den Geschlechtskrankheiten, der Tuberkulose, der Arztftage, der Jmpsarbeit, der Bialaria usw. Man kam mit dem Kapitel Medizinalwesen schließlich noch zu Ende, hiermit war die zweite Beratung des Voranschlags des Ministeriums des Innern erledigt. Dienstag kommt die Bauverwaltnng an die Reiyc.
Der Ae l t e st c n r ä t des preußischen Ab g e o r d - n etenba»scs trat am Montag vor der Plenarsitzung z» einer Besprechung zusammen. Bezüglich der B e a m t e lt b e | o 1 • dungsfrage wurde der Wunsch geäußert, der Finanzministrr möge baldigst den Vertretern aller Parteien eine klare und sichere Erklärung über die Stellung der Regierung zu den bezüglich der Vorlage zu crioartendcn Abänderungsvorschlägen abgebcn. In der ersten Lesung des Entwurfs, die sür Montag vorgesehen ist, sollen die Beamienbittsckristen besprochen, aber keinerlei Anträge seitens der bürgerlichen Parteien daran geknüpst werden.
Zabern undscine Garnison. Es bestätigt sich, daß das K r i e g s m i n i st e r i u M an den Bürgermeister von Zabern eine schriftliche Anfrage gerichtet hat, in der dieser gefragt wurde, ob er „G a r a n t i e n" dafür übernehmen könne, daß keine Belästigungen der künftigen Garnison Vorkommen war - den und ob er auf die dortige Zeitung Einfluß ausüben wolle. Das Wolss-Burea» verbreitet dazu heute folgende Notiz: Burger meistcr K n ö v f l e r teftt bezüglich gewisser an ihn gestellten Forderungen folgendes mft: Im Falle der Zurückverlegung des Infanterie-Regiments Nr. 99 würde er keine Garantie übernehmen können, nicht so sehr wegen der Zivilbevölkerung als wegen der im genannten Regiment zurzeit herrschenden gereizten Stimmung, die nach seiner Ansicht bald wieder zu Zusammenstößen führen würde: Ml Falle der Verlegung eines anderen RegimeMs nach Zabern dagegen könne er jede Garantie übernehmen. Auf den Zeitungsvcrlcger W i e b c tf c habe er keinen Einfluß.
Vom deutschen Handwerks - und Gewerbekamme r t a g. In den letzten Tagen hat in Hannover der geschäfts- tührende Ausschuß des deutschen .Handwerks- und Gewerbekammer- tagcs seine ordentlichen Sitzungen abgehaltcn. Aus den reichhaltigen Tagesordnungen der einzelnen Ausschüsse ist folgendes sesi- zustellcn: Von besonderem Interesse dürste die nunmehr endgültig vollzogene Einrichtung der hau Piste llc für Verding nngswescn beim deutschen Handwerks- und Gewerbekam NI ertag sein. Es haben iich eine Reihe gewerblicher Verbände mit dem deuffchen Handwerks- und Gewerbekammertag imdgültig dahin verständigt, daß sie die von diesekkl errichtete Hauptstrlle sür Verbindungswesen als gemeinsame Zen- trolstellc zur Sammlung der Reformbestrebungen aus dem Gebiete des Submissionswesens anerkennen, in den Verwi!timg4rnt der Hauptstellc eintretcn und diese Einrichtung auch sinamziell mit imtcrstützen. Dadurch ist für die Trägerschaft der hauvtstelle und sur dir Weiterveimittlung der von ihr vertretenen Ideen eine breite Grundlage geschaffen, die sich aus die berufsständigen Korporationen des Handwerks im weitesten Umsang erstreckt. Es steht zn hoffen, daß mit dieser Anerkennung der Hauptstellc durih die berussständigen Vertretungen des Handwerks für die Bundesregierungen und den Reichstag der Nachweis erbracht worden ist, daß als die maßgebende Zentralstelle zur Sammlung der Selbsthilsebestre- bungen des Handwerks auf dem Gebiete der Reform des Sub- missionswesens ausschließlich die bei deni deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag errichtete Hanptftelle für Verdingungswesen in Frage kommen kann. Diese Uebcrzcugung wird die Bereitstellung der trotz der finanziellen Unterstützung der Haupt- stellc durch die beteiligten Korporationen dringend notwendigen Beihilfe aus Rcichsmitteln wesentlich erleichtern können. Das Bureau der .Hauvtstelle sür Verdingukgswescn ist der Geschäfts- stelle des deutschen Handioerks- und GewerbckamMertags in Hannover angegliedert worden.
Tanten zur Linken. Der Anlaß, der diese Forderung besonders kräs tig unterstützte, waren einige Fälle, in denen in New s)or! Möd ckenhändler auS dem Kino junge Mädchen verschlevvten. Tie Ber brecher bedienten sich dabei einer mit narkotischen Substanz getränkten Nadel, deren Stich zur Folge hakte, daß die Mädchen ob» mächtig wurden: die Verbrecher gaben sich dann als Angehörige der Lbninächtigcn aus und rührten sic fort. Llls diese Fälle bekannt wurden, kamen unzählige Beschwerden junger Dame», die bekun deten, daß sie während der Verdunkelung des.Raumes bei der Vorstellung allzu zärtlichen Annäherungsversuchen unbekannler Nachbarn ausgesctzt gewesen wären, kurz, cs scheint auch in Amerika nicht an Herren zn fehlen, die meinen, im Dunkeln sei gut munkeln. Tie Behörden antworteten aus diese Beschwerde» zunächst mit einer Verschärfung der Fllmzcnsur, so daß beispielsweise in New slork ein auch nur im cntserntesten anstößiger Film keinerlei Möglichkeit mehr hat, öffentlich vorgeführt zn werden. Aber der Ru» nach der Trennung der Geschlechter im Dunkel des Kinos ist trotzdem nicht verstummt, sondern immer nachdrücklicher geworden. Man verlangt eine Einteilung des Zuschaucrraunis in drei Gruppen: Plätze iür Herren, Plätze sür Damen und Plätze für Damen und Herren, die gemeinsam das Theater betreten. Nun hat die Stadt Pittsburg, die Stadt der Stahlgießereien und der rauchenden Schlote, den ersten Schritt getan. Tie Polizeibehörden haben die Kme- matogravhcnbesitzer verständigt, daß fortan drei Abteilungen im Zn- schauerraum cinzurichten seien und :war müsse die Ilmwandlnva im Verlause von einer Woche durchgciührt sein. Bei der Art, wie Amerikaner derartige Fragen betrachten, ist cs kaum zweiieihait, daß das Beispiel Piitsburgs bald in anderen großen Städten Nachahmung finden wird.
— Die sparsame Königin. Tie Infantin Eulalia erzählt in ihren Erinnerungen eine lustige Geschichte, um zu zeigen, wie wenig ihre Mutter, die Königin Jsabella von Sonnten, den Wert des Geldes kannte. Einst verlangte sie von ihrem Finanz- minister eine sehr große Geldsumme. „Aber Majestät," ivagre dieser zu oroiestieren, „das ist dock, sehr viel." „Mawt nickils. Bringt das Geld!" Der Minister „ab nun 'Anweisung, daß die ganze Summe der Königin in Münze gebracht werde und ließ aus ihrem Schreibtisch große Hansen von iKold auffchichten. „Wozu ist das viele Geld?" ftagte die Königin. „TaS ist die Summe, lautete die Antwort, „die Majestät befahl, um damit den und den zu bezahlen." „Um Gotteswillcn!", schrie da Jsabella entsetzt, „das ist ja viel zu viel. Man gibt ihm ja ein Vermögen! Hier, nehmen Sie das." Und sie nahm einen der Geldhaufen
Bezahlung des Sckmldners und ließ das ganze andere Geld in die Schatzkammer bringen.


