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Nr. 4! Zweites

krscheinl ttqstch mit Aufnahme der Sonntags.

Die«ithener ZamiliendläUer" werden dem .Anzeiger" viermal wöchentlich beigelegt. dar Krcisblart für den Kreis Sietzen" zweimal wöchentlich. DieLandwirtlchastlichen seil­sragen" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt Jahrgang

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Merheffen

Mittwoch, Februar

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'jchen Universitäts - Buch- und Steiudrnckerei.

R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul« slraße 7. Expedition und Verlag: Redaktion: 112. Tel.-Rdr.:AnzelgerGießen»

2fu* fieHcw.

Aus dem Gcfttzgcbungsausschuß der Zweiten Kninmcr.

rb. D a r m >t a d t, 17. Fcbr,

Der G esc tz g ebu ngs a n s s ch u ß der Zweiten K a m - Hier setzte deute vormittag seine Beratungen fort Zuerst tarn icr Antrag Grüncwald, betr. Wahlprüfungcn d.e Zweiten Kammer, zur Verhandlung; ..Die Zweite Kammer wolle an die Großh. Regierung das Ersuchen richten, einen Gesetzent­wurf vorzulegcn, welcher die Ucberwcisung der Wahlvrüsungen zu den Wahlen der Abgeordneten der Zweiten Kammer der Land- ständc an das Grotzh. O b c rl a n d c s g c r i ch t in die Wege leitet." Da der zu der Beratung eingcladenc Antragsteller nicht zugegen war, begründete Abg. Reh den Antrag. Ee rührte anöl Die absektivc Prüsung und sichere Beurteil,,ng der Wahlergebnisse leidet unter den Rücksichten, weiche die Parteien zu dem eigenen Mandatbcsitz und dem der anderen -Richtungen nehmen Das Recht, das allein maßgebend sein soll für dir Frago-der Gültigkeit der Wahlen,' ttitt hinter diesen ParteiberhAtnisfen zurück; wenn auch nicht behauvtet werden soll, daß der Wahlprüfungsausschiiß oder das Plenum der Parlamente abiickitlich oder' auch Nur be- >nutzt das Recht verletzen. Die Tatsache, da« säst immer nach Parteien abgcstimmt tvied, beweist, das; eine freie und unbesangene Rechtsprechung bezüglich der Wahlen nicht obwaltet. Deshalb empiichlt es sich, das; der höchste Gcrichtsbof mit der Prüfung der Wahlen betraut wird. Gegen diesen Antrag wurden von ver­schiedenen Ausschnßinitglicdern starke 'Einwendungen erhoben, Mw n. a. daraus liingewiescn, das; man es eigentlich mit einem recht reaktionären Verlangen zu tun habe. Wie die Abgeordneten, so könne auch der Richter irren und irgend einen Einzelsall zum Ansatz nehmen, um zu verlangen, das; sich die Kammer des Rechts der eigenen Wahlprüiung begeben solle; das könne mail nicht für richtig halten. Ter Äiltrag wurde schließlich mit allen gegen eine Stimme abgelchnt.

Weiter gelangte zur Beratung die Vorstellung des Hessi­schen Anglerbundes in Mainz, betr. das Fischcreigesctz von 1911. Tic Bittsteller wünschen, das; den Angler» auch an Sonn tagen das Angeln in allen Stromstrecken des Rheines mit Aus­nahme der geographischen Alt-Rheine bei Lampertheini, Stockstadt und Erfelden sreigegcbcn werden solle, also auch die für die Tamps- schissahrt nicht mehr in Betracht kommenden, besonders günstigen Laichplätze der Rhcinarme. Ferner ersuchen sic, ein Verbot des Fischfangs vom 10. April bis 9. Juni auszusprechcn. Tic Re­gierung äußerte sich in Bezug auf die Vorstellung dahin, datz das Vcrbot des Fischianges schon durch die Einsühruug der verstärkten Schonzeit hiniältig geworden sei und die Fischerei-Pächter schon in ihrem eigenen Vorteil beim Fischfang dce Laichstcllcn der Fische vermeiden. Das Gesuch greife zu viel in die Rechte der Fischcrci- vächter ein und die Wünsche des Anglerbundcs gingen schon des- balb zu weit. weit im ganzen Großherzogtimi' der Fischfang am Sonntag verboten sei. Rach dem Vortrog des Abg. Lutz stimmte der Ausschust den Darlegungen der Regierung zu und lehnte ein- stimlniig die Vorstellung des Anglerbundcs ab.

Es wurde alsdann noch weiter über den Antrag Nebel ver­handelt, welcher lautet;Holw Zweite Kammer wollte Grotzh. Re­gierung ersuchen, den Landsländen alsbald einen Gcsctzcntwuri zu- aehen zu lassen, durch jvelchcn die Bestimmung des Art. 139 II der Landgcmcindeordnung vom 8. Juli 1911 beseitigt und dafür die Vorschrift gesetzt wird, datz die A n st c l l u n g der G c in e i n d e - beamten und -Bedienstetcn in der Regel nach sünf- jährigcr tadclsfreien Dienstzeit als unwiderruflich zu gelten hat." Tic Regierung führt in ihrer Aeutzcrung zu dem Antrag ans, datz ein gleicher Antrag bereits bei den Verhandlungen über die Land­gemeindeordnung mit zur Beratung kam und abgelchnt wurde. Eine von diesem Beschlust abweichende Stellung empfehle sich um so we­niger, als für die vom Abg. Nebel erstrebte generelle Regelung neue Gründe nicht gellend gemacht seien und diese bei der Verschieden­heit der örtlichen Verhältnisse nicht zweckmäßig erscheine; zudcni würde eine solche Gesetzesvorschrist einen sehr weitgehenden Eiiiariii ln die Selbstverwaltung der Gemeinden, bedeuten. Aus dem Aus­schuß wurde auch darauf hingcwiesen, datz Gemeinden von über 3000 Einwohnern schon jetzt verpflichtet seien, ans statutarischem Wcac in Ueberciiistimmung mit dem Kreisamt die Anstellungsverbältnisse zu regeln. Der Ausschust nahm schließlich den Antrag des Bericht­erstatters, Abg. Lutz an, den Antrag Nebel a b z u l c h n e n.

Das deutsch-französische Abkommen und die pariser presse.

Bei der großen Bedeutung der Verträge über Klcin- osicn ist cs von Bedeutung, weiter zu vernehmen, wie die französische Presse sich dazu stellt.

TerPetit P a r i s i e n" schreibt:

Das wirtschaftliche Interesse des Abkonimcns ist beträchtlich, noch beträchtlicher ist aber sein politisches Interesse. Dieses Ab­kommen mutz mit dem zwischen Enaland und Deutschland sowie zwischen Deutschland und Rußland über denselben (Gegenstand ge- trossenen Abmachungen in Zusammenhang gebracht werden Wenn in Europa eine Krise politischer Ra kur bestände, u>cnn die Be­ziehungen zwischen diesen Großmächten, von denen die eine dem Dreibund, die andere der Triple-Entente angchört, unangenehme wären, so wären derartige Verbandlungen unmöglich gewesen Sic konnten nur dank der c o u r t o; si c v o l l e II Beziehun­gen und dem beiderseitigen guten Willen zum Ziele führen. Viel­leicht ist sn diesem Abkommen ein Unterpfand der Beruhigung z» erblicken. Es bandelt fidi da um ein un­geheures Gebiet, dessen Reichtum im Altertum berühmt war, wirtichaftlicki zu verwerten. Das deutsch-srcinzöiisckie Ab­kommen erlangt einen besonderen moralischen Wert, wenn man es als einen Teil der gesamten neuen asiatischen Abmachungen betrachtet.

TerFig a r o> so«;

Das gegenwärtige Abkommen bildet ftjr uns eine Liguidntion und zwar eine verspätete und deshalb s cb l e ch t e L i a u i d a t i o ,t Ter wesentliche Punkt ist unser Verzicht ani die Bagdadbahn Nirgends erscheint der Mangel an Folgerichtigkeit und eines zicl- bewußtcn Planes deutlicher als in unserer Oricntpolitik während der letzten 20 Jahre. Man wird vielleicht einwenbcn, datz ge­bieterische Pflichten uns von unserer Orientpvlitik gbgclenkt haben, das; wir Uns Marokko zuwcnden mußten. Dieser Einwand ist nicht stichhaltig, denn sckion 1901. als die marokkanische Frage durch die Abmachungen mit England und Spanien in den Vorder­grund trat, haben wir im Orient Fehler begangen, deren Folgen lich heute fühlbar machen.

DerGaulois" fragt;

Steht die Entschädigung, die wir erhalten, im Verhältnis zu den verlorenen Vorteilen? Darüber ist eine Selbsttäuschung nicht

möglich. Tic Bahnkonzcssioncn, die uns erteilt werden, haben im Vergleich zur Bagdadlmhu nur eine nebensächliche Bedeutung, aber wir wollten uns gegen die Möglichkeit einer srccndcn Konkurrenz schützen, und wenn das das Ziel der französische» Unterhandlungen war, so kann man sic darum nicht tadeln. Wir haben uns die Vor­teile eines Rückzuges gesichert, welchen wir hätte» vermeiden können, wenn unsere Ditstomatic oorausblickciid und tatkräftig gewesen wäre.

Aus den Beichstagsausschüffen.

: Berlin. 17. Fcbr.

Der Budgetmesichntz vec handelte heute erneut über den nrnbci holl beanstandeten Bnn eines Reichsarchivs in Verbindung init dem preußischen Archiv. Die Regierung null zwar die Eintragung des Eigentumsrechts des Reiches auf den clitsprcchcndcn Teil des Giundstücks zugtstchcn, ebenso die Möglichkeit einer späteren Treu tzung dex Verwaltung beider Archive offen lassen, von verschiedenen Seiten würden 'jedoch jntnjt'r noch die Bedenken gegen die Verbiß düng' gellend gemacht, woraus die Forderung'schkictzlkch gegen die Konservativen abgelchnt wurde.

Der Sonn ragsruhe-Alls schuß bcfchäftigtc sich heute mit cineni Anträge, der volle Sonntagsruhe in bat Ltädtcn von mehr als 75 000 Einwohnerli vorsieht. In kleinere» Städten soll eine Beschänigungsdaiicr bis zu drei Stunden zulässig sein, aber in Orten von über 10 00» Einwohnern nicht geteilt werden dstrscn. Die höhere Verwaltungsbehörde soll iiberdics das Recht habeil, ilt Städten unter 75 000 Einwohnern die Arbeitszeit »NI eine Stiliidc und in den Städten unter 10 000 Einwohnern llm zwei Stunden zu verlängern. Der nationalliberale Vertreter gab die Erklärung zu Protokoll, daß seine Freunde bau Anträge zunächst zustlmmtcn, um den Interessenten Gelegenheit zur Acnßeiiing zu geben, sich aber völlige Freiheit endgültiger Entschließung volbehieltcii. Von einem Mitglied der Konservativen ulid des Zentrums lagen Anträge vor, die llllter besonderer Voraussetzung auch in Städten von mehr als 75 000 Eilitvohnern eine Beschäl» tigung bis zu zivei Stulidcii ermöglichen. Ein anderer Zcn- lrumsvertreler kommt aut den von seiner Partei cingereichtcn Gesetzciitivurs zurück, den er für llarcr und exakter hält. Ein Re- gicruilgsvcrtretcr spricht sich dagegen aus, tiefen Gesetzentwurf des Zentrums der Beratung zugrunde ztt legen. Darüber ent­spann sich eine längere GcschästSordnungsaussprache. Der Aus­schuß einigte sich dahin, daß die Einzelberatung in einer noch zu beschließenden Reiljem'olge staltsiudcn soll.

Ein Konservativer begründete seinen Antrag, in Städten von mehr als 75 000 Einwohnern zwei Arbeitsstunden zuzu- lossen, leenn ein Drittel der Geschäftsinhaber es fordert und den beschäftigten Handlungsgchilsen ein freier Nachmittag in der Woche van 2 Uhr ab gewährt Uirb. Ter Antrag wurde von so- ziatdemotratischer Seite bekämpft, ein Pole trat für den Gesetz­entwurf des Zentrums ciu. Ein Antrag der Sozialdemokraten und der Wirtschaftlichen Bereinigung ans völlige Sonntagsruhe wurde mit 17 gcgeti II Stimmen abgelchnt. Tann vertagte mau sich.

Landwirtschaftliche Linzeltoaungen.

S3erliit, 17. Febr.

Nachdem diegrüne Woche" mit der großen Heerschau des Bundes der Landwirte im Zirkys Busch und Zirkus Schumann cin- geleitet worden war, begannen heute die Einzeltagnngen der uer- ichicdencn landwirtschaftlichen Tondcrorganisalioncn.

An erster Stelle stand die 39. Hauptversammlung der Vereins gung der Steuer- und W i r t s ch a i t s r e f o r iit c r , die im Ärchitektenhause stattiand. Der Vorsitzende Gras Mirbach-Sor- anfttcn eröffnete die Tagung mit einer Ansprache, in der er betonte, das; auch die Konservativen Verständnis für die Interessen der In­dustrie hätten. Erst mit Hilfe der Konseroalivcn hätte der Zciitral- verband deutscher Industrieller eine Sicherstellung des 1879 ab­geschlossenen wirrschastlichcn Programms erreicht. Gras Mirbach verlangte' eine Revision der sozialpolitischen Gesetzgebung, Besei­tigung des Rcichsbciitzfteucrgesctzes, sowie Ersatz des finanziellen Bedarfs des Reiches durch eine entsprechende Erhöhung der Matri- kularbeiträgc.

Die Versammlung beriet dann dieNotwendigkeit eines wirk­samen Schutzes der A rlv c i t s w i l l i g e n und die Frage der Arbeitslosen» erstcherung". Ten ersten Teil des Themas behandelte Prof. R oldenhaiixr - Köln, der es als einen Spott auf die Autorität des Staates bezeichnetc, wenn die Streikenden durch ihre Posten gewissermaßen den Belagerungszustand über eine Fabrik verhängen können. Wichtig sei die Äiögkichkcit eines schnellen Versahrens gegen «treilausschrcftungcn. Daß dos möglich sei, zeig­ten die 2000 Verurteilungen cm Ruhrrevier au* Anlatz des letzten Stecils. Es müßte ein Verfahren kommen, wonach ein Mann, der deute wegen Streikaiisichecitungen verhaftet cverde. morgen vor iX'H Slrairichtcr komme (fcbr richtig . Zur Frage der Arbeitslosen v c r s ich e r u n g Iv'ies der Redner ans die Schwierigkcktcn hin, die sich der Einführung einer solchen in den Weg stellten. Tie Arbeits­losenversicherung würde nur bewirken, daß die Landflucht der Ar beiter weiter steige. Sie würde die Auslieferung des Arbeitgebers an die Gewerkschaften bedeuten und eine Belastung des tüchtigen, fleißigen und wirtschaftlichen Arbeiters sein.

In der anschließenden Ansfprachc kamen zwei Redner zu der Ansicht, daß man den Arbeitern das Streikrccht als ultimo ralio lassen müsse. Eine Entschließung, die stärkeren Schutz der Arbeits­willigen verlangt und die Arbeitslosenversicherung verwirft, wurda schließlich einstimmig angenommen.

Reichstagsabgcordncter Arendt sprach über dieR e i ch s - bankdiSkoiltsätzc". Um die Wiederkehr übermäßig hoher Dis kontsätzc zu verhüten, verlangte er Beseitigung der Notensteucr, Per mehrnng des Goldbestandes durch Erweiterung der Silbcrprägungcn und die Wiedereinführung der Verzinsung der Depositen, zum min­desten der befristeten Depositen. Tie Versammlung stimmte seinen Ausftihrnngen zu.

Ter folgende Punkt der Taacsordimng betraf dieM c lc r- b e l a st u n g des Grundbesitze S neuester Zeit im Gebiete der direkten Steuern, der Kirche und der Schule in Preußen sowie der -Sozialpolitik und der Reichssteucrgesetzgcbiing". Ter'Prüft dent a. T. v a n d c r B o r g l> t legte die steuerliche Mehrbelastung des Grundbesitzes insolge der neuerlichen Gesetzgebung dar und bc» gründctc eine entspreckumde Entschließung, in der cs am Schluß beißt;Es ist aus praktischer und besonders aus grundsätzlicher Erwägung dringend geboten, das gesetzliche Versprechen wegen Wie- derbcseitigung der Zuschläge der staatlichen Einkommens- und Er gänzungsstcuer einzulösen, die cinscitige Wendung der Slaats- und Reichssteuergcsetzgebnng gegen den Becitz auszugcben und sich wieder daran zu erinnern, daß ohne fühlbare Mehrbelastung der Bevölke­rung durch einen beständigen Ausbau der Befteucriinq cnlbebrtichcn Massenverbrauchs und der Vcrkchrsbcsteuerung noch erhebliche Mit­

tel für die wachsende» öffentlichen Bedürfnisse beschälst werden tonnen." Tie Entschließung wurde angcnonincen und darauf die Tagung mit einem Hoch ans den Kaiser vom Vorsitzenden geschlossen.

Unter dem Vorsitz der Gräfin v. Schwer! » L ö w i tz ianb im Sitzungssaal des Herrenhauses der außerordentlich stark besuchte 2. Deutsche Landsrancn-Tag statt. Nach einem Hoch ans die Kaiserin behandelte die erste Redners» zu dem ThemaT i e A n s I ü st» n g der Iv e c b l s ch c n I II g e» d", Frau v Rohr (Schloß Metzcnburg) diewirtschaftlich, Ausbildung". Die Rednerin will diese Ausbildung durch Hauswirt« ichaftliche Anleitung, durch Handarbeitsunterricht, durch Anleitung zur Sparsamkeit und durch Aufklärung über Gesundheitspslege cr- leichcci. Auch die Förderung der Handweberci unter Mitwirkung des Staates erklärte sic für wünschenswert.

Tie zweite Rednerin zu dem Hauptthema, Frau Landrat von Ahrenstorss Zabrenc behandelte die innerliche Hebung und forderte vvr-allen, die Pflege des weiblichen Gemüts, was namcnie .lich hei Läcidmädchen vielfach verkümmert sei. Außerdem verlangid sie eine entgehende'Zlstcgc dDr Seele,"da"oh/k' stieliffcon 'Jngelfd- -pftcge undenkbar sei. Grat.v. d. Gro b en erstattete sodann einen Vortrag über das ThemaTie Tiakvnisscü- und Landpslegeschwei stcrn im Ticilstc der Krankenkassen".

Schaffung eines vollsipielrasens.

Gießen, s8. Fcbr.

Aiii Montag abend Ijatten sich, wie uns geschrieben ivied, Bürgermeister Keller, die Tirckiorcn der höheren Schulen: die Ged. Schulräie Tr. Rausch, Dr. Hcnscl'l »nd Dr. S t ö r l k o, Hauptlehrcr K n a ii tz , die Porsitzcnde» des Eis- vcrcins, MännerNirnvereins, der Riidergesellicliaft vou 1877 und des Turnvercins; Landgerichtsrat H i r s Ni. Reckitsanw. K a u i m a » n. Apoihcte>ll.esitzcr«S ch w i e de r und Nniversitätssekretär Erle auf Einladuilg des Lleramtsrichters Tr. Fuhr ans Bad-Nauhe,m in, Hotel Bittoria zuscimmengesunden, um über einen im Jahre 189 t für Schaffung eines Vol kS spi c l r as c ns gesginmelien lleincn Fonds von etwa 700 Mark zu beschließen. Der Be­trag soll zur Beifügung des jeweiligen Oberbürgermeisters der Tiadt gestellt und d»rck> ihn im Einvernehmcit mit den Vor­stände» der obai genannten Schulen und Vereine zur Klnschaf- iung und llntei'daltung von Sviclgcräten auf dem tünitigen städtischen Völksspielrascii verwendet werde».

Rein ziisällig wird so der vor 20 Jahren gesammelte Fonds, zur Zeit der Einlage betrug er ca. 120 Mark, zu einem Zeit­punkte seinem Zwecke wieder zugesührt, in dem unsere Ttadt- rerwastuug der Schaisung eines großen Spielvlatzcs näher ge treten und der Universität der Betrag von 95 000 Mark zur Anlage und Unterhaltung eines gleichen Platzes für die stu­dierende Jugend vo» einem Gönner gestiftet worden ist. Ter INI Jahre 1891 von den Herren Dr. Fuhr, Giiauili, Kirsch, Laspenres und Wolss erlassene erste Au fr ns ging von dem Gedanken aus, ans einem grotzangclegten Spielplätze arm und reicki, jung und all. alle Stände, vor^allcm auch die Angehörigen der Universität iickf in fröhlichem Spiele tummeln und im ernsten Wettkampfe Statt und Gewandtheit messen zu lassen.

Kürzlich erst ^st ein Preisausschreiben für nötig befunden worden, wie die Klust zwischen den gebildeten Ständen und dem Volle zu beseitigen sei. Daß ifiic solche Kluft besteht, wer köniile es leugnen? lind ist dieser Mangel an Fühlung und Ver­ständnis nicht allzu erklärlich? Ter höhere Schüler ist in den Städten auf den in den höheren Klassen inimce kleiner wer­denden Kreis seiner Mitschüler im Verkehre natnrgemäß nn- gewiesen, höchstens Schüler vom Lande haben in den Fe­rien Gelegenheit, mit Jugendtameraden anderer stände zn< summen zu komnien und zu verkehren. Der Student schließt lich mehr und mehr in den Kreis seiner Verbindung, in die Enge des Hauses seiner Verbindung ein und damit ab gegen die Berührnng mit anderen Volkskreisen. Ter früher, besonders in kleinen Uni­versitäten, auch hier in Gießen, sehr lebhafte Verkehr zwisckicn Bürgern und Studenten schwindet mehr und mehr. Kein Wunder, wenn dann die Vorwürfe der Weltfremdhcit/ Dünkel, Kastengeist laut werden. Seither sucht der spiel- und sportsreudigc Student in großer Zahl nack, Anschluß an andere Spiel- und Sportvereine. Soll nun auch hier die Scheidewand erachtet werden dar ch-chaf- fung eines nur für 'Angehörige der Iliiiveriilät bestimmten Spiel­platzes? Es wäre ein weiterer Schritt zur Vergrößerung und Per tieftinq der Kluft zwischen denen, die künftig als Beamte und Lehrer, Führer des Volkes sein sollen, Mid dem Polle. Bei Rektor und Senat darf man klare Einiicht in die oben berührten Mängel in der Erziehung unserer künftigen Beanitcn und Lehrer und Verständnis siir die Forderungen der Zeit voranssetzen »niversitit und Stadt müssen sich vereinigen. Es ist sicher auch nicht die Absicht des Stifters jener 65 000 Mark, durch weitere Jso- liciuni den Kastengeist unserer studierenden Jugend zu verschär­fe», zur weiteren Entsremdung zwischen Beamtentum und Voll brizuiragc». Gor» wird er deshalb seine Z»stim,nung geben, daß der Spielplatz für die Universität geschaffen w'ird im An­schluß an den Vdlksspielvcrciii der Stadt, nur so wird auch etwas ga- fchaftcn werden tönne», das allen Anforderungen an Größe, Vor­züglichkeit der Einrichtung und der Unterhaltung au Schönheit ent- ivricht Verständnisvolles Zusaminenarbeite,, des Lehrkörpers uu lerer .Universität und der Bürgerschaft bat in de» letzten Jahrzehnten unser Volksbao und unser Theater erstehen lassen, möge als drittes Denkmal dieser Eicmcinschaillichkeit der Interessen imd Bestreb»» gen recht bald ein schön gelegener, mustergültig eingerichteter und allen Volksklasicii oifcnstchcnder Spielplatz unsere Vaterstadt zieren Bei der Einteilung »nd Benutzung dieses Platzes kan» dcni Wunsche des Stiiters der 65 000 Mk. und den Bedürfnissen der Stiidenteiischast in fedcr Beziehung angemessen und ausreichend ent'

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Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Febr.

1914

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höchste Ternperatur am 16. bis 17. Februar 1914 = 4- 7,9 *C. Niedrigste » » 16 » 17. 1914 = -f- 0 4,

Watt

am

600 bis 3000 Kerzen, für grofce Rfiume, SSIe, GesdvSfts- lokale, sowie für alle Zwecke der Au&enbeleuchtung. Keiner­lei Wartung und Bedienung. Einfache, billige InstallationI