Nr. 38 viertes Via«
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Giehener Anzeiger
Genera!-Anzeiger für Oberhejsen
Zamrtage w. Februar
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchea Univerftläts - Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
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5tatistik der Eisenbahnen Deutschlands für l 9 s 2 .
Von der im Reichs-Eisenbnhnamt bearbeiteten Statistik der im Betriebe befindlichen Eisenbahnen Deutschlands, abgesehen von den sogenannten Kleinbahnen, ist der die Er- gebniisc des Rechnungsjahres 1912 umfassende Band XXXIII bei Mittler und Sohn erschienen. Dem Bericht seien einige Hauvtdoten entnommen:
Die Eigcntumslänge der deutschen volljpurigcn Eisenbahnen ist von 52004 Kilometern am Ende 1902 aus HO 751 Kilometer am Ende 1912, also um 16,8 v. H., gewachsen. Bon dieser Länge entsielcn 1902 47 410 Kilometer oder
91.2 v. H. aus Staatsbahnen und 4594 Kilometer oder 8,8 v. H. auf Prioatbahneu, 1912 dagegen 57 228 Kilometer oder
94.2 v. H, auf Staatsbahnen und .9523 Kilometer oder 5,8 v. H. auf Prioatbahnen. Rach der Betriebsart waren 1902 32 717 Kilometer oder 62,9 v. Sb. .Hauptbahnen und 19 287 Kilometer oder 37,1 v. H. Nebenbahnen, 1912 dagegen 34 695 obilometcr oder 57,1 v. H. Hauptbahnen und 26 056 Kilometer oder 42,9 v. H. Nebenbahnen vorbanden. Tie Hauptbahnen haben somit um 6,0 v. H., die Nebenbahnen aber um 35,1 v H. zugcnommen.
Zur Bewältigung des Verkehrs standen den vollspurigen deutschen Eisenbahnen im Rechnungsjahre 1912 28366 Lokomotiven, 62 649 Personenwagen einschließlich 419 Triebwagen und 648 107 Gepäck- und Güterwagen einschließlich 3 Triebwagen zur Verfügung. Gegen 1902 hat bei den Lokoinotiven eine Zunahme von 39,8 v. H., bei den Personenwagen von 51,8 v. tz. und bei d?n Gepäck- und Güterwagen von 52,8 v. H. stattgesunden. Die Beschaffungskosten der Fahrzeuge haben sich von 2572,32 auf 1435,41 Millionen Mark oder um 72,4 v. H. erhöht.
Der Personenverkehr hat in dem Zeitraum von 1902 bis 1912 einen weiteren Aufschwung genommen. Im Fahre 1912 wurde eine Einnahme von 984,52 gegen .377,34 Millionen Mark im Jahre 1902, michin ein Mehr von 70,5 v. H. erzielt. Jedes Kilometer brachte eine Einnahme von 16 733 Mark gegen 11392 Mark im Jahre 1902, mithin ein Mehr von 5341 Mark oder 46,9 v. H.
An der Ge s a m tei n nah m e war die Einnahme aus dem Personen- und Gepäckverkehr mit 28,26 v. H. gegen 28,46 v. H. im Jahre 1902 beteiligt.
Die deutsche Südpolarerpedilion JQH — f9|2.
Qj>*fren, 13. Febr.
Im letzten Vortrag dieses Winters, den gestern abend die „Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde" veranstaltete, sprach Dr. W. Brenn ecke' aus Hamburg über „Tie deutsche Südpolexpedition 1911 — 1912", die er als Geograph mitgemacht hatte. Ausgehend von den Aufgaben, die die Antarklis den Forsck>ern stellt, betonte der Redner, das das Ausstichen und die Verfolgung der gcnindenen Küste als die schmierigste zu betrachten sei. Es ist daber verständlich, daß die Karten des Südpolarmeeres nur an- deutungsweisc Land auswiscn und daß die Zusammenhänge der bekannten Festlandsgebicic miteinander noch so gut wie unbekannt sind. Hat die Expedition eine Küste gesunden, so liat sie durch möglichst ausgedehnte Vorstöße mit Schlitten ins Innere des Landes dessen Ausdehnung, seinen geologischen Bau und seine klimatischen Verhältnisic sestzustcllen. Durch Anlage von Observatorien wird eine'Ausdehnung die er De bachtvngen aus größere Zeiträume gcwäbrlcistet, Das Meer selbst b-etct Probleme, hie durch zahlreiche Ticflotungxn, sowie durch llnlcruicbiingen des Wassers dem Geographen ein genügend großes Arbeitsfeld zuweilen. Ganz besondere Aufmerh'amleii ist daneben auch dcu Slröniungcn des Meeres zu widme», von deren Verlaut und Stärke das Klinia der nördlich gelegenen Erdteile wesentlich bc- cinslußi wird. Wenn die deutsche Südpolarcxpcdition nalurgcmäp
auch nicht alle diese Ausgaben restlos zu lösen vermochte, fl hat sic doch eine Menge Material gesammelt und neue Probleme ausgestellt, die die Wissenschaft noch auf lange hinaus beschäftigen werden.
Die Fahrt wurde mit dem Schifs„Tcutfchland" ansgcführt, einem norwcgijcksen Robbenschlägerschoner, der für seine bcion- dcrcn Ausgaben umgebaut ivordcn war. Es war ein Segelschiff, besaß ^ber auch sür die Fahrt durch das Eis eine Hilssmaschine. Das Schiss bot nicht nur den 32 Mann der Besatzung genügend Raum, sondern konnte auch noch die sür Schlittcnrcisen notwendigen 8 irische» Ponvs und ciwa 50 Polarhunde aulnehmrn. Die antarktischen Gebiete wurden nicht fofort ausgesucht, sondern durch eine Vorcrpediiion im atlaniischcn Ozean suchten sich die Teilnehmer erst in ihre Arbeitsgebiete cinzuarbeitcn. Durch Dics- lotungen sollte zunächst das Vorhandensein der nordailantischen Schwelle bestätigt werden. Während dieser Zeit dnrchsorschie Prof. Lohmaiin aus Kiel die Tiesseesauua, während der Vortragende selbst Untersuchungen anstellte über die Temperaturen und den Salzgehalt des Wassers, sowie über des cn Gelialt an Tauerstost. Aus eigenartige Weise wurde die Ersorichnng der Mcercsfirö- mungen betrieben. Da diese nur von einem sesiliegendcn Punkte aus mit Erfolg erforscht werden können, die teste Verankerung des Schisses aber in der gewünschen Weise kaum möglich ist, so wurde das Rettungsboot in 3090 Mtr. Tiefe fest verankert und von dort aus sodann die Untersuchung betrieben, Ion Oktober 1911 wurde Bucnos-Aiccs augelauscn und sodann über die Insel Süd-Georgien der Kurs nach den Sandwich Inseln genommen. Seit diese von Cook entdeckt wurden, sind sie nur ein einziges Mal noch von Menschen betreten werden und zwar von dm Kapitän eines Walsängers, trotzdem sic nur 55 Grad südl, Br, liegen. Hier war deshalb eine Landung beabsichtigt. Allein, bei iigc Schncestürnic drohte» das 'Landungsboot allzuweit vom Schiit ahzutrciben und zwangen zur Rückkehr nach Süd-Gcorgic», Auch diese Insel ist noch in geogravliichcr Beziehung eine „terra ineognita", trotzdem 8 Wolsanggescliichailen hier ihren Sitz haben. Durch Umfahren der Insel wurde fcslgesielli, daß die Küste sjord- ariig gegliedert und das Innere der Insel stark vergletsch-rt ist. So münden in die Hapkonbucht mindestens 12 starke Gletscher. Auch geologische Fun t irr u hier gemach', die iür dstGFest- stcllung der Fest!» dl n ommcnbin e von Be c i'n g ’u we den versprechen. Ein eigenar iges Tier kommt hier vor. das zur Dran- bcrcitung verwendet wird, nämlich die Eieianicnrobbe, ein mäck>- tigcr, sünt Meter langer Fl rensüßer. Daneben werden hier noch all'älr ich hunder e von Walen gelangen und an Ort und Stelle zu Tran veracbritct.
Am l, T.'irtnd'r 1911 wurde die Insel Süd-Georgien verlassen und die WcddeU-Sce ausgesucht- Schon bei 57 Grad südl. Br. stieß mau aut Eis, dessen Menge ständig zunahm und bis zum 61 Grad auhicli. Wo die Wasserstraßen zwischen den EiSmasicn nicht breit genug waren, mußten die Schollen lvon etwa I Mtr. Dicke von dem Schiss gerammt werden. Die geborstenen Scholle» zeigen deutliche Schichtungen von dunklerei: Stellen, die von der Menge cingeirorcner Diatomeen herrühren. Ta in der Südsec selbst kein Kicsclalgenschlamm gesunden wird, so nimmt der Redner an, daß die Diatomeen in der Südicc ins Eis gehen und iich durch dieses nach Norden verflachten lassen. — Endlich wurden bessere Eisverhälinisse angetrosien. und dis Schiit vennoch'e rasckocr nach Süden vorzudringen. Bei 74 Grad südl. Br. stieß man aut Land, das Coais-Land, das solange nach Süden verfolgt wurde, bis man aus eine große Bucht trat. Hier gedachte die Expedition, gesichert vor dem Treibeis, zu überwintern. Nach zweimaligem enolgloscn Versuch, »östlich vorzuchingcn, wurde aut dem vor- gesundenen Bar iöre-Cis das Slationslaus aufgeschlagen. Ta icscs jedoch bald daraus mit dem Eise abgetrieben wurde, so mußte der Aufenthalt wieder an>s Schiff verlegt werden. Ein Einirieren der Buch! war erst später zu erwar'en; des' alb bezogen der Bor- tragendc und ein Kamerad ein Zeltlager aus dem Inlandeis, um ''iesv'- sür die späteren «chl't cnrciicn zu erforschen. Nach sünt Tagen je" och wurden sie wieder eilig zum Schiss zurückgeruscn. da diese» von Jungeis cingeschlossen war und ein Durchbruch nach Süd-Georgien sür den bevorstehenden Winter unter dieicn Umständen ratsam schien. Er sollte nicht mehr gelingen. Das
wüstst geriet am 6. März 1912 INI Packeis fest und mußte mit diesem willenlos acht Monate lang langsam nach Norden treiben. Während dieser Zeit Ivar die Reisegesellschaft unablässig wissen- schastlich tätig. Durch Lotungen wurden Ticscnuntcrschicd« von 4000 Mtrn. und daniit der Rücken eines Gebirges jcstgesteUt, von dem man seither nichts wußte. Messungen der Strömungen zeigten weiterhin, daß das kalte Malier dcr^Flachsec in einer Tiefe von 2600 Mtrn. sich durch eiste Lücke der Schwelle abscnkt.
Leider erforderte die Expediiio» ailch den Verlust eines Menschenlebens: der tüchtige Kavitäu Richard Bahscl starb unterwegs. Ter Vortragende ehrte den Toten, indcnr er seinen Vortrag mit dem Wunsche schloß, daß es auch einer zukünftigen deutschen Südvolarcxpedilion gelingen inögc, einen gleich tüchiigen Führer wie diesen zu finden, .
Au» $t<iM und Conft»
Gienen, 14. Februar 1914 .
Viehbestand und Vichvcrwertung in Hessen.
Von der Zentralstelle für die Landcsstatistik sind soeben die Ergebnisse der Viehzählung vorn l. Dezember 1913 sesigcstellt worden, die in verschiedenen Richtungen ein interessantes Bild über den Viehbestand und die Viehverwerlung in Hessen gewähren. Es wurden am 1. Dezember 1913 insgesamt gezählt 324 488 Stück Rindvieh, 40 372 Schweine, 53 838 Schafe und 142 008 Ziegen, Dies Ergebnis bedeutet gegenüber der Zählung vom 2, Dez, l9l2, also innerhalb eines Jahres, eine Zu na hm e von 20 346 Stück Rindvieh, 72 291 Schweinen, 5714 Schafen und 8975 Ziegen, alio eine sehr bedeuicndc Zunahme. Ter Schweine- bestand ist der höchste, der bisher im Großhcrzogtum sestgestellt wurde: immerhin steht er aber im Verhältnis zur Einwohnerzahl noch etwas hinter dem Ergebnis vom Jahre 1907 zurück, denn damals kamen aus je 100 Einwohner 31,1 Schweine, gegenwärtig 30,9 Ter R i n d v i e h b e st a n d hat noch nicht die Höhe des Standes vom Jahre 1907 erreicht, nämlich 332 489 Stück: schon 1897 war sogar die Anzahl des Rindviehs so groß, wie heute. Die Schafe, die seit 1873 (130410 Stückt fast regelmäßig abgc- nommcn haben, weisen eine recht bemerkenswerte Zunahme aus. Im Gegensatz dazu haben die Ziegen ständig zugeiwmmcn, aber nicht ganz im Verhältnis zur Einwohncrzabl Denn gegenwärtig kommen aus je 109 Einwohner nur 10,7 Ziegen gegen 11,! im Jahre 1892 Tic Zahl der Pferde wurde nicht seit- «cstellt, dagegen sind dieKaninchcn zum ersteninal mit 150 670 Stück ermittelt worden.
Im allgemeinen kann man, wie die amtliche Statistik sest- stelli, mit den, Ergebnis der letzten Viehzählung recht zufrieden sxin, und es ist stur zu hoffen, daß der erfreuliche Fortschritt in der Viehhaltung von Tauer ist. Ucber die Verteilung des Viehs in den drei Provinzen ist scstzustellcn, daß in der Provinz Starkenburg auf je 1090 Einwohner im Jahre 1883 250 Stück Rindvieh, 6t Schase und 198 Schweine kamen, im Jahre 1907 191 Stück Rindvieh, 32 Schafe und 271 Schweine, im Jahre 1913 dagegen 172 Stück Rindvieh, 27 Schafe und 258 Schweine. In Oberhcsscn zählte man 1883 489 Stück Rindvieh, 283 Schase und 242 Schweine, 1907 339 Stück Rindvieh. 150 Schafe und .313 Schweine, 1913 506 Stück Rindvieh, 113 Schafe und 550 Schweine, in Rheinhcsscn >883 224 Stück Rindvieh, 6 Schafe und 7,3 Schweine, 1907 167 Stück Rindvieh, 3 Schafe und 121 Schweine, »1913 149 Stück Rindvieh, 3 Schafe und 194 Schweine.
Ter durchschnittliche Bcrkaufswcrt des Viehstair- des 'ist nach der amtlichen Feststellung seit 1900 ganz außerordentlich gestiegen, so daß sich der Gesamtwert des hessischen Vichstandes von 134 Millionen Mark im Jahre 1907 auf rund 196 Millionen Mark int Jahre 1912 gehoben hat, der Ver- kausswcrt im gan-.en deutsthen Reich von 7,7 aus 12,4 Millionen Mark. Ter Verkausswert der Pierdc im Großherzogium, von denen 1912 aui se 3000 Einwohner 152 Stuck kamen, stellte sich 1912 auf 48 549 193 Mk., sür Rindvieh aus 113 500 265 Mk., sür Schase ans 6 658 380 Mk., sür Schweine aus 28 745 686 MI., sür Ziegen aus -3 406 435 Mk. und sür Esel »nd Maultiere aus 38 660 Mk. Im Kreise Tarmstadi betrug der Verkausswert des gesamten Vichbestan-
Frau n-Nundschau.
26 786 Handwcrkerinnen
Meister, Gesellen und Lehrlinge wurden sm vergangenen Jghr in Deutschland nach einer Statistik gezählt, die der Verband sür bandwerksmäßige und sachgcwcrbliche Ausbildung der Frau aus Grund einer Umfrage bei den Handwerks- »nd Gewcrbckammern ausgenrmnnen hat. So groß die Zahl erscheint, so cnisvrichi sie sicher nicht annähernd den tatsächlichen Verhältnissen, Denn die Ausdehnung der Handwcrksgesetzgebling aus die Frauen, die vorschreibt, daß nur Meisterinnen Lehrlinge ausbilden dürfen, und daß die Lehrlinge und Gesellen denselben Bildungsgang Nachweisen müssen, tvie ihre männlichen Kollegen, ist noch viel zu neu, als daß die Kammern vollständig aus dem Lausenden sein könnten. Außerdem uMcrliegen auch nur gewisse Berufs diesen Bestimmungen. Es sind vor allem die Schneiderinnen, deren Zahl denn auch am größten in der Statistik ist. Unter den 18 689 Lehrlingen, die in die Lehrlingsrollcn eingetragen waren, wurden 14 264 Schneidcrlehrlinge gezählt, und zwar davon in Preußen 7293, in den, übrigen Deutschland 6971. Hinter ihnen steht die Zahl der Putzmacherlehrlingc nkit 3686 im ganzen Deutschen Reich weit zurück, und ihnen solgen im großen Abstand mit nur 141 die Friseurinuen, Ihre geringe Anzahl sowie die der Weißnähcrinncnlchrlinge — es sind 107 — läßt daran» schließen, das diese Berufe nur in wenigen Bezirken als Handwerk betrachtet werden.
Uebrigens beweist die Statistik, daß der Hang nach außcr- gewölmlichen Bernsen und die Neigung dazu in allen Schichten der Bevölkerung vorhanden ist. Man wird sich noch nicht wundern, wenn Flensburg eine Uhrmacherin aunveisen kann, da die überaus seine und zierliche Arbeit sür Frauenhändc geeignet zu sein scheint. Auch München mit 4 Tapeziernäherinnen wird weniger Verwunderung erregen, weil viele Fräucn den Tapezierern auch früher zur Hand gewesen sind. Seltsani mutet cs dagegen an, wenn Berlin einen Bäckerlehrling auswcist und eine Hallenserin sogar Fahrradschlosscr werden will. In Halle gibt cS auch einen Maurcrlchrling und in Ovveln zwc, Schuhinacherlchrlinge Ter letztgenannte Berus gibt den Männer» meist nur ein Hungcr- broi, hvsicntlich haben die weiblichen Meister mehr Glück und sind im Stande, der übermäßigen Fabrikarbcit gegenüber sich ein Auskommen zu schassen.
Eine Reihe von Kammern ist dazu übergegangen. ,xraucn in die GesellenprüsungSausschüsse und die Meistervrüiungskom- miisionen zu wählen. In den enteren bat z, B. Schwerin 102 Frauen, in den letztgenannten 52. In Oldenburg hat man eigene Ausschüsse und Koinmissioncn sür Schneiderinnen und Putzmacherinnen nur aus Frauen gebildet. In einigen Bezirken siebt jedoch die Regelung dieser Frage, die für das wechlichc .Handwerk von großer Bedeutung ist, noch ganz aus. JedensaUs ist es zu erwarten, daß die Zahl der Meisterinnen, die heut» 2123 beträgt, in den folgenden Jahren rasch zuniumrt. Leider verbietet der Tchöisenvaragraph noch immer, daß Innungen und Handwerkskammern Frauen Stellen im Vorstand ernraumeir,,Selbst
wo sich die Handwerkskammer, wie in Mannheim, vrinziviell sür die Ausncklme von Frauen in den Voriiand erklär! hat, stehen die gesetzlichen Bestimmüngen der Durchiührung dieses Beschlusses eiiiacgcn. Dadurch wird es den weiblichen Handwerkerln- nen unmöglich gemacht, ihre Interessen in dem gleichen Maß zu vertreten, wie ihre männlichen Kollegen es zu tun vermögen.
— Drc Genossenschaft der Frau en hei mst ä ttc n
ieite das Richtest ihres ersten Heims in Neubabcls- era Das Haus entheli 12 Wohnungen: mm zu uv-, Zimmern, er zu drei Zimmern und drei .Linzelzrmm-r-Wohn„n-'c>r. Zu 'er aebSrt eine »ammcr mit einer Kochiielle oder cmc Knckie und r Vorvlitz Zu der Dreizimmerwohnung gehört cm Badc- umcr während sür die übrigen Wvhnunacn mehrere gcmeimame a^estubcn vorgesehen sind. Tic Bcrw-ltung soll erner Lame «g Heu werben, die auch sür die BtoMgung der Bewohner rgt erste HauS kann am 1. Jul, bezogen werden. An.
Igen sind zu rich cn an Frl. Tora Martin, Berlin W„ Kyss. user-Straße 26, Pestalozzr-Fröbel-vaus lt.
— Die Sonntagsruhe und die weiblichen An- e stellten Zu dem Eniwurs eines Gesetzes betr die «onn- gsruhe im Handelsgcwerbe ta der Kammanmiche Verband sur übliche Angestellte zSitz Berlmi rmicr elngehendcr Begründung , Reichstag ersucht, vollständ.g- Sonntagsruhe auch in vssenen -rkaussstcllen grundsätzlich zu beschlictzen. me cs ,m Eniwurs t Kontore bereits geschieht. Nur ivenn eine derartige Regelung rzeit durcha.is noch Nicht gelingen ivlltc, durste sur eine lieber» „ 05 ,eit die Möglichkeit gcich-»,eu werden, durch Ortsstatu^auch r Läden eine sonntägliche Ärbcitszett von höchstens zwei wtun- n !u,ulai'sc>i Um eine wirkliche Ausnutzung der Freizeit zu statten muß aber die Arbeitszeit ungeteilt, und um 10 Uhr il> beendet sein Wenn ferner keine Aussicht besteht, aus die tlassung von „Ausnabme-Sonntagen" ganz zu verzichten, jo 1 die Zahl 6 im Jahre nicht übersteigen dürfen und eine -schäsiigung iür mehr als 5 Stunden nicht gestattet sein. Im ßersten Falle könnte sür Orte, die aus Landkundschast angewicicn >d höchstens vier weitere Ausnahmc-Tvnniage zugclaiien wer- 0 ' Dringend gefordert wird aber vor ailcm noch, daß die .her durch Ortsstatut cingeiührien Beschränkungen der Sonnt Igs- beit bestehen bleibe» dürscn, wes! sonst selbständige Kansleuie d Angestellte in einer ganzen Reihe von Orten empfindlich schädigt werden würden.
_ In der für Jugcndvereins-Anfführiiirge»
ir geeigneten Sammlung „Tie Dorsbühne" erscheint „Ter Kos- cnsohn" von Elise Malo demnächst in 2, Auslage, und neu -chien das dreialiigc Volksichauipiel „Landflucht". Durch die cingen Aufwendungen, die diese Stücke an Ausstattung und tszcnierung erfordern, eignen sie sich besonders zur Untev- tzung der mannigsachcu Bestrebungen, die Kunst auf dem Lande
fördern.
— Als diplomierter Landwirt an der landwirt- osllickien Hochi'cbuie zu Hohenheim bei Stuttgart hat Fräulein ndcrmann die Prüfung bestanden, Ihre praktische Ausbildung
hat sie n»i mehreren Gü'crn erhalten und war mit Erfolg tätig. Sie bcabsich igt nun, als Lehrerin zu wirken.
— In Erlangen hat Frl. Margarete Bcrcnt aus Berlin sür den Dr. jur. mitÄuszeichnungvromoviert. Frl. Bercnt hatte nrsvrünglich. den Berus der LehrerilD erwählt, sich dann aber sür die juristische Lausbahn entschlossen. Sic wurde schon während ihres Studiums von Proscssor Küblcr-Erlgxigen zur Mitarbeit an dem von ihm herausgegcbcnen „Vocabularilkm juris- prudcntiae romanae" herangczogcn.
— Einen Reklame-Wettbewerb für deuti che und österreichische Künstlerinnen haben 7 Firmen vcianstaliet, die den versckncdensten Branchen angehörcn. Es handelt sich um die Erlangung von künstlerrickicn Plakaten und Re- klamemarkcn und zwar müilen wenigstens 30 Preise im Gesamtwert von 3500 Mark zur Auszahlung gelangen. Tie ausschrei- bcnden Firmen behalten sich das iliecht vor, weitere Eniwürse zu ie 50 Mark anzukauien. Tie vrcisgekränien Enlwüric werden EigenMm der ausschreibenden Firmen, nachdem sia aus der Deutschen Werlbiindausstelinng, die in Köln in diesem Jahr stattiindct, in der Abteilung „Das Haus der Frau" ausgestellt worden sind. Tic Einsendung der Entwürfe muß bis zum I. Avril l914<-gc- schehcn. Als Preisrichter lind Männer und Frauen gewonnen, unter denen v, d, Velde, Else Oppler-Legband, Tr. Ereutz-Köln und Ostwald genannt sein mögen, die, ebenso wie die bekannicit Tendenzen des Wcrkbundes iür das künstlerijche Niveau des Aus- schreibcns spreche». Den Versitz der Abteilung hat Frau Eugens, Kaufmann-Mannheim, übernommen,
— An der deutfchen Lehrcrinnenbildungsanstalt in P r a g ist die Uebiingsschullchrerin Ftäulci» Marie I n w a l d zur ?. k. tzauptlebreri» ernannt worden, womit sie zur Führung des Prv- scjiorentitcls berechtigt ist. Als Geistliche an dem F-raiieii- gcsängnisinTavastchus rn Finnland ist,Fräulein Wendla Jvaska angestclli, nachdem sie vor kurzem ihr theologisches Staatsexamen abgelegt hat,
— Drc englische Universität D u r h a m hat Ende des Jahres 1913 den weiblichen ^Indenten die gleichen Rechte ciligeräumr, wie den männliche». Bekanntlich ist diese Universität, eine der ältesten Englands, im Oscgcniatz zur Univcriität London« und denen in den Provinzen von Ansang an den Frauen sehr entgcgenkvmmen.
— Unter den Preisträgern „Literarische Arbeiten über Nordtirol und über Südiirol", veranstaltet von der „W o ch e", bcsinden sich auch mehrere Damen: Gräiiit E, von Biudissin, München, 6, Preis von 100 Krone», Redakteurin Marie Rein- thaler, Meran, 2. Preis von 1000 Kronen,
— An der Universität in Helsingfors hat Frl. Bendla Tvaska das Entlassungseramcn an der T b e o I o a i s ch e n Fakultät abgelegt. Ta aber die Gesetze den Frauen die vrak- tische Tätigkeit als Pastor nicht gestatten, tritt di: Dame rnnächst in den höheren Schuldienst.


