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Nr. 58 Drittes

Erschmü täglich mit Ausnahme de; Sonntags.

Die»ietzencr,?«miN«nhlätter" ,verden de», .Anzeiger' vier»,«! wöchentlich bcigelegt, das Krcisblart fBr den Kreis «ießea" zweimal

wöchentlich. Ticki>»dwtrtsch»f>ltcheii 3eII- fragtir" erscheinen monatlich zweimal.

Blatt

1K4. Jahrgang

ietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Samstag, H- Februar IW

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Icheti Ilniversiläts - Buch- und Sieindruckerei.

R. Lange, Gieße».

Redaktion, Expedition und Dnickcrei: Schul­straße 7. Expedition und Verlag: Redaktion:«-« 112. Tel.-Adr.:AnzeigerGießen.

Zweite Kammer ihre B u dg et heratnng, die sich diesmal voraueftchtlich nicht allzulang aaSdctmen wird.

Der G c s e tz g c b u n g s a u s > ch u ß der Ersten Kammer, hielt gestern vormittag und nachmittag eingehende Beratungen über die neue Landständlsche Geschäftsordnung ab, die be­kanntlich im verilossenen Herbst von der Zweiten Kammer durch­beraten worden ist. Der Ausschuß »abm an der Vorlage nur gering sügige Abänderungen vor und trat in der Hauptsache den Beschlüssen der Zweiten Kammer bei. Es ist darnach zu erwarten, daß nun cnd- lich auch diese Gesetzesmaterie, sür deren Beratung schon vom 31. Landtag ^4899190'2i ab regelmäßig bei Beginn jeder neuen Tagung ein Sonderausschuß gewählt wurde, zur endgültigen Vor abschiedung gelangt. Es ist das in enter Linie der Initiative des Kammerpräsidenten. Oberbürgermeisters Köblcr, zu danken, der im vorigen Sommer die Umarbeitung der gänzlich veralteten Gc- ichästsordnung vom Jahre 1873 übernahm und sie als Initiativan­trag der Zweiten Kammer zur Beratung vorlcgte. Der Gcfetz- gebungsausschuß besämsligte sich weiter noch mit den belannten sozialdemokratischen Anträgen zur Landgeincinde- und Städicord- nung, so betrcjsend die Vornahme der Wahl am Sonntag, 2iß und Stimmrecht der vöchstbesteucrtcn, das passive Wahlrecht der Geist­lichen und Lehrer in »er Gemeinde, die direkte Wahl der Bürger­meister und Beigeordneten in den Städten, das Bcstätigungsrecht der Bürgermeister usw. Ter Ausschuß lehnte sämtliche Anträge ab.

Der B i t t s ch r i s t e n - A n s s ch n ß der E r st e n K a NI NI c r trat cbensalls zu einer Sitzung zusammen und erledigte eine Anzahl von der Zweiten Kammer sertiggestcllten Beratungsgcgenstände Tic Vorstellung des Gastioirts Rodcnhäuser, betreffend die Ver­weigerung der Wirtschastskonzcssion sür sein vom Staat erworbenes Grundstück beim Bessunger Forsthaus, wurde cntiprcchend dem Beschluß der Zweiten Kammer für erledigt erklärt. Die Vorstellung des B ü r g c r m c i st c r s Ille von Bürstadt, betreffend die Errichtung einer Gcnicindcapothcke, wurde ebenfalls sür erledigt erklärt und besonders die in den, Beschluß der Zweiten Kammer enthaltene .Kritik, daß das Verfahren der Regierung unzweckmäßig gewesen sei, abgelehnt. Der Ausschuß erkannte an, daß eine andere Regelung der Angelegenheit nicht angängig ivar. Die Errichtung einer Gemeindeapothekc könne nicht immer als ein unbedingtes Erfordernis gelten, cs müsse gegebenenfalls auch auf den Privatbesitz Rücksicht genommen werden. Bezüglich der Vorstellung der Landwirte Weber und Wctzel in A l s h c i ui in Betreff einer Geldstrafe wegen Unterlassung von vorgcschriebencn! Maßnahmen zur Bekämpfung der Rebschäden, trat der Ausschuß dem Beschluß der Zweiten Kammer nicht bei, die eine Befreiung von Strafe und Kosten befürwortet hatte.

Verordnung über den Verkehr mit Kraft­fahrzeugen. Tie Abgeordneten Lenn und Fenchel beantragen, die Kammer wolle beschließen, im BnndeSratc j dahin wirken zu wollen, daß die Kennzeichen der Kraft-' wagen um das Doppelt« vergrößert, solche mehr ob eg und au vier Seiten anzubringen sind. Ta im Bundesrate eine allgemeine Revision der Verordnung über die Kraftfahr­zeuge vom 3. Februar 1310 in Dorhercitnng sich befindet, beantragt der Ausschuß: den Antrag vorerst sür erledigt zu erklären.

P r o t e st g e g e n d i e Errichtung eines Unfall- k rankeHauses in Gießen. Am 22. Mai 1912 rich­teten die sechs ärztlichen Kreis-Vereine in Oberhessen, so­wie der Verein der Aerzte des Kreises Wetzlar an die Zweite Kammer eine Vorstellung mit ciuSführlickier Begründung, in der gegen die geplante Errichtung eines Unsällkranken- hauses in Mcßcn protestiert wird. Tic Großh. Regierung um ihre Meinung und Ansklärung der Sache ersucht, teilte dem Präsidenten des Ausschusses unterm 14. Januar 1914 mit, daß die Genossciischaftsversammlung der land- und forstwirtschaftlichen Berussgenossenschaft für das Großher­zogtum Hessen am 29. Dezember 1913 beschlossen habe, die Angelegenheit beruhen zu lassen. Bei dieser Sachlage glaubt die Regierung, von einer Erörterung der Gründe, die sür oder gegen die Errichtung eines Unsallkrankenhauses spre­chen, absehen zu können, und auf die Begründung der Ein­gabe der ärztlichen Kreisvercine nicht weiter eingehen zu sollen. Ter Ausschuß beantragt daher: die Vorstellung der ärztlichen Kreisvercine in Oocrhesfen für erledigt zu er­klären.

Deutsche» Reich.

Ter Kaiser stattete ani Freitag vormittag dem Reichskanzler einen längeren Besuch ab.

Der Reich sauSschus; der Zentrumspar­tei, der am Sonntag in Berlin zusammengetreten ist, wird, wie dieKöln. Volksztg." hervorhebt,von seht an das legi­time oberste Organ der gesamten deutschen Zentrumspartci sein". Ten Reichsausschuß der Partei bildeu: l. die Mit­glieder des Vorstandes der Zentrumsfraktion des Reichs­tages; 2. die Mitglieder der Vorstände der ZeiltrumSsrak- tionen der Landtage von Preußen, Bayern, Baden, Würt- tcmberg, .Hessen und Oldenburg; 3. die Ersten Vorsitzenden der Landesausschüsse der Zentruinspartei von Preußen, Bayern, Baden, Württemberg, Hessen. Oldenburg und Sach­sen, sowie weitere, von den Landcsausschüsseu aus ihrer Mitte gewählte Mitglieder, deren Zahl für Preußen 13, Bayern 6, Baden 2, Württemberg l, Hessen 1 und Olden­burg 1 betrügt. Durch Beiwahl des Reichsuusschufses können außerdem bis z» 20 M tglieder in den Rcichsausschuß be­rufen werden.

Erb scha stsst e u cr in B a v c r >i. Aus M ü n ck>cn ivird vom 13. Febr. gemeldet: In der heutigen Sitzung des Finanz­ausschusses legte die Staatsrcgicrung einen Gesetzentwurf vor, nach dem zu der Erbschaftssteuer, die nach den Vorschristen des Rcichs- erbfchastssteuergesetzes veranlagt tvird, ein Zuschlag von 25 Proz. sür die Staatskasse erhoben werden soll. Es wird aus die gleiche Maßnahme in Baden hingewicscn. Tie Vorlage, die mit einer Einnahme von etwa 1,7 Millionen Mark rechnet, wird begründet mit der erheblichen Steigerung des Staatsauswandcs, der Vermin­derung des Anteils der Bundesstaaten an der Erbschaftssteuer von ein Viertel aus ein Fünftel und dem ganz cmpsindlichcn Rückgang einzelner Staatsgcsälle.

Ausland.

Prinz Wilhelm zu Wied ist am Freitag aus Rom in Begleitung des Dizekonsuls Buchbergcr am Wcstbahnhose in Wien eingetrofscn. Zum Empfange tvaren erschienen der ihm als Ehrendienst zugeteiltc Oberst des Aeneralstabs Mietzl, der Kabiuettsches des Ministers des Aeußern, Lega- tionsrat Gras Hoyvs und der Geheimsekrctär des Prinzen, Kapitän Heaton-Armstrong, ferner einige Mitglieder der «li­banesischen Kolonie mit 20 aibanesischcn Knaben, die in Wien ihre Erziehung genießen. Nach Verlassen des Zuges begrüßte der Prinz die ihn erwartenden Herren und die al- banesischen Zöglinge, die ihm eine lebhafte Ovation berei­teten. Hierauf begab sich der Prinz mit Oberst Mietzl in den bercitstchenden Hwfwagen nach dem Hotel Imperial, uw er als Gast des Kaisers Wohnung nimmt. Tie Blätter be­grüßen den Prinzen mit aufrichtiger Sympathie. Sic weisen daraus hin, daß den Prinzen eine schwere Aufgabe erwarte und wünschen, dass ihm die Mission, 'Albanien ans dem Wege des Fortschritts einer glücklichen Zukunft entgegenzuführen, im vollsten Maße gelingen möge

Der G c s u n d h c i l s z u st a n d des f r a n z ö s i - s ch e n .Heere s. Mehreren Pariser Blättern zufolge hnr der Gesundheitszustand der Truppen, über welchen in der heuti­gen Kärnmersitzung auf Veranlassung der Sozialisten eine JnterpellationSdebatte stattsinden wird, naincntlich in den Garnisonen an der Ostgrenze eine Verschlimmerung er­fahren. In den MilitSkrankenhäusern in Nancy befinden sich gegenwärtig 500, in Toul 800 und in Luneville 125 Kranke. TieFrance Militairc" meldet, daß das Kriegsmi- nisterium verschiedene Maßnahmen zur Hebung des Gesund­heitszustandes in der Armee beschlossen hat, darunter bes­sere Heizung der Kasernen und wärmere Bekleidung der Mannschaften. Ilcberdics sollen zahlreiche Beurlaubungei» ersolgen und die schwächeren Soldaten ausgemustert werden.

Eine neue katholische Partei i II Frankreich. Mehrere hervorragende katholische Persönlichkeiten Frankreichs, darunter der Oberst des Ruhestandes Keller und der Besaneoncr Universitätsvrosessor Guiraud haben beschlossen, im Hinblick aus die bevorstehenden Kammerwablen, eine große katholische. Partei zu gründen, welche an die Stelle des katholischen Wahlvereins Action liberale treten soll, weil diese bei ihrer Provaganda allzu große Rücksicht aus die republikanische Verfassung des Landes nähme. Oberst Keller hat sich bemüht, die väpstlichc Genehmigung

3n dcm Beschluß öcr Heft. Ersten Aammer über die vesoldunz der Lehrer

Der Preßausschuß des Hess. Landcslchrcrvcr- e i n s schreibt unS:

Tic Erste Kammer der Landständc hat die von der Zwei­ten Kammer beschlossene Erhöhung der Lchrcrgehaltc abgc- lehut und ist ans die Sätze der Regierungsvorlage zurückgc- gangen, dagegen gibt sie ihre Zustimmung zu dem Beschluß der Zweiten Kammer über die anderweitige Regelung der Pensionierung der Volksschullehrcr. Ta nun die zu dieser neuen Regelung gedachten Gehaltssätze der Zweiten Kammer fehlen, die einschränkende Bestimmung, daß die Pension höchstens 85 Prozent des bisherigen Tinisteinkommens be tragen darf, aber beibehalten wird, crsährt der Höchstsatz der Lehrerpenilon gegenüber dem bis jetzt gültigen Gesetz von 1907 nicht nur keine Erhöhung, sondern wird um 170 Mark herabgesetzt. Aehnlich ist es der Fall bei den Lehrern in den Städten mit Gehaltsregulativen wie folgende Aus­stellung zeigt;

Penis ons-

sah. Höchst-

Pcnsions-

quote

Unterschied

gehatl

Pentioii

nennt

^YZehalt u.

früher

Lehrer aul dein Land:

»> seltber »ach dein Gesetz

Wohnung)

von 1907 .....

100 <7.

3400

>>) Beschluß derL.Kammer

4300

85 \

3655

-f- 255

c) Beschluß der 1.Kammer Lehrer in Städten:

&) seither nach dem Gesetz

3300

85'/.

3250

- u»

von 1907 .....

3600

100 7.

3800

b) Beschlußder2.Kammer

4300

85 7

3835

4- 55

e) BeschlnßderI.Kammer

4000

85 0, 0

3400

- 200

Jn dem Bericht des Finanzausschusses der Ersten Kam­mer ist außerdem eine Berechnung der Gehallsstcigerung der Volksschullehrcr, die nicht einwandfrei ist. Während sür die Volksschullehrcr die Gchallc von 1896 zur Grundlage genommen werden, geschieht das nicht auch bei den Beamten, sondern hier legt man die durch die Vesoldungsreform von 1898 erhöhten Gehalte zur Grundlage. Dieser Beamtende» solduiigsresorm von 1898 entspricht aber die der Lehrer von 1900, da die Reform der Lchrcrgehaltc nur aus Mangel an Mitteln zurückgestellt wurde. Der Endgchalt der Lch- rerskala betrug 1900 2800 Mk. Da die Prozentzahlen für die Beamteiigehüller im Ausschußbericht aus der analogen Reform von 183B sich berechnen, erhält man diesen gegenüber sür die Lehrer nicht 95,45 Proz. Gehaltssteigerung durch den Beschluß der Zweiten Kammer aus 8800 Ml. Endge­halt, sondern nur 35,7 Proz. Daß das bei der jetzigen Ge- haltsreform nichts Außerordentliches ist, erkennt mau bei­spielsweise an den Gehaltssteigerungen von Beamten aus der Klasse 19 mit 68,75 Proz., Kl. 24 mit 50 Proz., Kl. 25 mit 55,5 Proz. Kl. 26 mit 40 Proz., Kl. 37 mit 57,5 Pro;, usw.

Au» Qcffeit.

Die parlamentarische Sagt.

rfr. D a r IN st ad t., 13. Febr. Tie Dispositionen über die bevorstehenden parlamentarischen Beratungen sind in folgender Weise getrosten worden: Am Donnerstag, den 19. Februar, tritt zunächst der Finanzausschuß der Zweiten Kammer zu einer Bcraiung zusammen, deren Mittelpunkt di- Mänderungsbeschtüssc der Ersten Kämmer über die Besoldungs­vorlage bilden werden. Am Freitag, den 20. Februar, findet dann komnit am Tonnerstag, den 26. Februar, die Zweite Kam» der Städtckammern statt, um die vcrsaf ungsmäßig vorgeschrsebrnc Beratung über den Staatsvoranschlag sür 1914 abzuhaltcn. So­dann kommt am Donnerstag, den 26. Februar die Zweite Kam mcr zur Plenarbcratung zusammen, um die Anträge ihres Fi­nanzausschusses in Detrcst der BefoldungSvorlagc cnt- gegenzunclnncn und darüber ihre Beschilftst zu sasscn. Tarnach hält am 27. Februar wieder die Erste Kammer eine Sitzung ab, in der die Rückäußerungen der Zweiten Kammer zur Besoldungs- Vorlage zur Verhandlung gelangen sol en. In der nächstfolgcn den Woche, also in den ersten Tagen des März, beginnt dann die

vsm vurfit fctr Oklrhrs««?kit.

Daß geheime Zusanlmenkünste zwischen Begabung und Neigung zum Trunk bestehen, ist schon srüb erkannt worden.

Ivbann Adam Bernhard beginnt in seinerKurieusen Historie derer' Gelehrten" (Frankiurt a. M. 1718: das KapitelVon unmäßigen Gelehrten" sojgendcrmnßcn:Derer ist qar ein grotz Register und sollte man mit leichter Mühe viele Bogen davon zusermmcntrvgcn können. Tic Gelegenbcit zu diesem Laster ist vielfältig Manche haben in der Jugend schon aut Universitäten, wo sie io lang gewartet, einen guten Grund gelcgct; andern ist der Appcstt mit den Jahren gewachsen: viele haben lang am Iammerbrot gcnager und wollen ans einmal ersetzen, was sie in der Jugend versäumen müssen To kommen aucb zuweilen einige unvermerkt zu diesem Wohlleben. Tie Gelehrsamkeit marbt stc angenehm, der Tienst bringt ilmeir große Gunst und Bcnc- aation (d. h. Verehrung! zuwegen. Will denneiner icinc Hock acktung bezeigen, so kann es ani besten bei Jnoiticrung zu der Mahlzeit gescheiten, da es denn beinahe eine Todsünde wäre, einige Gcsundheitstränke anszuichlagen." Als der gelehrte Pater Sirnrond gcsragt wurde, wie osr man trinken müsse, gab er zur Ainoort:

8i bene cominemini. cansac sunt quinqu« bibendi

Hospiti- adventus. praesens sitis atqne fntnra.

Et vini bonitas et qnaelibet altera ean«a *1 In der internationalen Monatsschrift zur Erforschung des Alkoholisinuö und Bekäinviung der Trinksitten läßt Heinrich Klenz den Zug des Alkohols auimorschscren. Homer und Aeschvlos schon sind verdächtig, Kraiinos, Hippokrates, Ennius, Horaz.^Marc Anton, der Apostel Panlns schließen sieb an. Sogar Iudos Jschaisol seblr nicht, der narb der Sage das Bier erfand, als er verstickue dem Herrn das Wunder der Verwandlung von Wasser in Wein nachzuahmcn.

Tie Gelehrten des Mittelalters stellen ein l«sonders starkes Kontingent. Ulrikb von Hutten gilt als Trinker. ^

Huttens Busenfreund, der Humanist und neulateinisehe Dich­tei HeliuS Eobanus Hessus >eigentliä> Eoban Koch, aus Hessen gebürstg. 14881540 ,tonnte im Sausen", wie Bernhard sich ausdrückt,wvbl vor einen Meister vanieren: drnn er hat maiichc Probe seiner Geschicklichkeit lncrimicn abgelegt".Er war cins-

*) Wenn ich recht unterrichtet, dann gib: es süns Gründe zum

Trinken:

Guter Freunde Besuch, der jetzige Tuest und der künüge. Auch die Güte des Stoifcs und jeder belübigc Grund tonn.

mals" so erzählt Bernhard nach der von Joachim Eamcrarius verfaßten Lebensbeschreibung des Hessus aus dem Jahre 1553

_ , uni einem lbastgekwt, dahin auch einer kam. weteher von

Hessus' übermäßigem Sausen Nachrieht batte. Dieser hätte gern eine Probe von ihm gesehen, weil er auch ein ziemliches aushebcn konnte Er ließ einen Eimer mii Tanziger Bier aui den Tisch bringen und begehrte von Hessus, er möchte ihm denselben zu- trinkcn wenn er ihn leer machte, sollte ihm sein Ring, den er vom Finger »og und in dielen schönen Becher wan, verehrt sein Eobanus säumte sid, nicht lang, redete serner Gewohnheit

nach tvcnig dazu, ergriis das Geschirr, setzte cs an sein Mund­stück und zo, es in kurzer Zeit ohne Schnauscn ganz säuberlich aus Und damit ein jeder sehen möchte, daß er rittermäßig ge handelt stürzte er den Eimer um, aus welchem tociter nichts als der hineingcworsene Ring siel. Wieviel Freude und Jauchzen er bei der ganzen Conipagnie erwecket, können d,e,enigen am besten ermessen, welche dergleichen Gesellschait zu sregncntiercn

pflegen." . . . . . ,

Ec antwortete eintt aut Borwurie, man tprechc viel von seinem Trinken, aber nichts von seinem Durst.

-Auch Paracelsus. Buchanan. Karlttadt, Frrschlin, BaudiuS, Tanlmmnn waren dem Wein hold. Bon dem letzteir erzählt man:

In gesunden Tagen hatte Taubmann Begegnenden aut die Frage, wohin er gehe, oft lachend geantwortet: Ossa merum sitiunt (b. b. Tie Gebeine dürsten nach Weins. Jetzt, unter den helzzerieißendsien stlusschreiungen des Sterbenden wagte cs -sein Seelsorgers Balduin, zu sragcn, ob aud, jetzt seine Gebeine na-li Wein bürsteten, woraut Dattt-mann. kaum der Svrache tähsg, erwiderte: 0v»n veum sillunt id. h.: Die Gebeine dürfte» nach GoUs".

Günther, die 'Anakreontiker, Rost, Goethe. Babrdt. Magisier Lauü>ard. Baggcsen, Jean Paul, Robert Burns. natürlich E. Th. A. Hossmann. Lortz Bvoon, Balzac, Wilde. Grabbe. Fritz Reuter, Müsset, Verlaine »nd Litieneron dürscn nülN fehlen. Zum ochln -ren Goethes Worte über Basedow stc^n: die er im oolemischen Teil seinerFarbenlehre" sagt:ES fällt uns bei dieser Ge­legenheit ein, daß Basedow, der ein starker Triirkec war und in seinen besten Jahren in guter Geselliebasr einen lehr erftculrehen .Humor zeigte, stets zu behewpten pflegte, die Konklusionergo bibamus'' passe zu allen Prämissen: Es ist schön Wetter,

ergo bibamus! ES ist ein baßlicher Tag, ergo bibamus! Wrr find unter Frcunben, ergo bibamus! Es sind fatale Bunchen in der Gescllschmt, ergo bibamus!" O, St.

Der Orchester-Verein Gießen veranstalletc am Tonnerstag abend unter gütiger Mitwirkung bcS Rinnschen Män- ner-Chors aus Wetzlar einen musikalischen Unterhaltungsabeub, der von vassiven Mitgliedern und geladenen Gästen zahlreich be­sucht war. Das umsasscude Programm war diesmal in der Haupt­sache der leichtgeschürzten Muse gewidmet. Es sei gleist, von vorn­herein lobend anerlannt, daß beide Vereine, die unter der Leitung des Herrn Musiklchrer Wig. Gernbard stehen, trefflich vorbereitet und geschult sind, so daß die meisten Nummern des 'Programms glücklich vom Stapel liefen und der Gesamteindruck ein durchaus vollbcsricdigender war. Tie Lust und Freude am Musiziere», die innere Wärme, mit der die einzelnen Orchcstermitgliedcr an ihre Ausgabe hcrantraten, übertrug sich auch aus den Zuhörer, und ließ gern über kleine Uncbenbeitcn, Jnwnatwustrilbnngen der Bläser und Unklarheücn im Passagenspiel der Streicher, wie sie z. B. in der Freischütz-Fantasie vorkamcn, hinwegsehen. Tie in guter Fassung vorgctragcne LuAviel-Oiwertürc von Keler-Bela, sowie der schwungvoll gebrachte Stranßschc Walzer,Geschichten ans dem Wiener Wald", fanden lebhaften Einklang bei der Zu­hörerschaft. TicJugend-Erinnerung" von E. Bach und das Fnn- tasiestückHeidenröslein" gaben den Herren Webrnm >Lboc:, Stützet (Horn) und Schneider (Flöte) Gelegenheit, soliflisch hervor- zntrctcn. Sie ernteten wohlverdienten reichen Beifall. Der Rinn- schc Männerchor bereicherte das Programm mit fünf Nummern. Sein erstes Auftreten brachte eine Komposition von Smetana. Liebesgabe", die in geschickter Weise von Herrn Gernbard mit instrumcnialer Begleitung versehen worden loar. Ter Chor, der in Bezug ans reine Jntonierung und Rhythmik manche. Schwicrig- kciien bietet, wurde einwandfrei zu Gehör gebracht. Aber er­wärmen, begcisteni wie es von einem vaterländrsihen Gesang verlangt wird konnte er nicht, konnte er uns deutsche Zu­hörer nickt. Ein Beweis dafür, daß nur mit der Kultivierung des nationalen Idioms Echtes und Bleibendes geschaffen wird, niemals aber durch die internatwnale stlivellierung der Kunst Reichen Beifall erntete der Verein mit dem reizenden ChorFröhlicke Psalz, Gott erhalt's!" von A. Fiscker. Hier kam das schöne Material des Vereins und das gewissenhafte Studium, dem er unter seiner neuen Leitung obliegt, am besten zur Geltung. Störend toirkte der Eifer so vieler weiblicher Zungen, die vor lauter Bcwcgungssreudigkeit dem Herrn Dirigenten de» Beginn der einzelnen Nummern mit bewundernswürdiger Ausdauer er­schwerten. t