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Erstes vlatt
JM. Jahrgang
Zreitag. )3. Zebruar?9H
Giehener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Rotationsdrnd und Verlag der vrüh?schcn Univ.-Vuch- und Stein&ruderei R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei-. Schulftratze 7. Anzeig-mmi: tz?B-L
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jährlich 2)!k. 2.20; durch 'Abhole- iu Zweigstellen monatlich 65 Pf.: durch die Post 2)2.8.—viertel» jährl. ausschl. Bestellq. Zeilenpreis: lokal 15^ auswärts 2t) Mennig. Chefredakteur: A. Goetz. Verantwortlich für de»i polit. Teil: Aug. Goetz; für .Feuilleton*, .Vermischtes* uiid.Gerichts- faal": Karl Neurath; für .Stadt und Laub":
Die heutige Nummer umfahr 12 Seiten.
wie in Rußland die Minister stürzen.
Petersburg, 12. Fcbr. Ter russische M i u i st c r p r ä» sidcnt Kokowzew ist zurückgetreten. Secn roahr- scheinlichcr Nachfolger ist der srühcre Ministerpräsident Gore - mpkin, Das Finanzvortefeuillc, das Kökowzew bisher inne- hattc, wird wahrschenilich Bark erhalten.
Die e-chivieriglciten in der Position Kokowzews stammte» hauptsächlich aus seiner Auslandsreise, aus der er bekanntlich auch Rom, Poris und Berlin ausgesucht Ijattc. Bon seinen (bcgnern wurde bereits damals behauptet, das; die „rohe Eisen bahnanlcihe in Frankreich uon ihm zu ungünstigen Bedingungen abgeschlossen worden sei, wobei mit einem Hinweis mit den Graten Wirte angcdeutct wurde, ein anderer hätte ein für Rußland günstigeres Ergebnis erzielt. Ter znrückgeircicnc russische Ministerpräsident, der im 63. Lebensjahre steht, hat, als Nachfolger Stolnpins, die russischen Staatsgcschäste seit den: März des Jahres 1911 geleitet. Seit dem Jahre 1906 stand er cm der Spitze des Finanzministeriums.
Eine mit dcn politischen Vorgängen in Petersburg sehr vertraute Persünlichkeil schreibt uns:
In der Kulissenpolitik Rußlands spielen die sogenannten geheimen Zettel eine ebenso interessante ivie bedauerliche Rolle: sie sind zu einer förmlichen Krankheit des Staatslebens geworden. Man kennt und nennt solche Zettelchen des Zaren, der Zarin, der Großfürsten, der Minister, der hohen Geistlichkeit und aller der Leute, die am Petersburger Hose etwas zu sagen haben. Die Zettel sind ein vollgülliger Ersah für Befehle, Kommandierungen und Verordnungen: sie werde» überall da angewendet, lvo man etwas verfügen und besehlen möchte, wozu man entweder keine gesetzliche Befugnis ha? oder was man sich scheut, in amtliche Form zu kleiden. Die Sache ist solgende: Eines Tages entdeckt ein Minister unter den Akten seines Schreibtisches eilt bescheidenes, unscheinbares Pavierchen. ans dem ohne Stempel, Dalum, Absender oder Adresse nichts anderes zu lesen ist, als z. B. die Anträge, warum denn .Herr Soundso nicht befördert werde. Wenn der Minister klug ist, so wird Herr Soundso augenblicklich befördert, wehe allen seinen Vordermännern. Der Minister ist meistens io klug. Herr K okowzew, der setzt gestürzte Mi- iiistervräsidenr wollte diese opportune Klugheit anfänglich mit der Wahrung des Staatsinteresses verbinden, und schon das ihm nicht gut bekommen. Folgender Fall dürste in Deutschland wenig bekannt sein: Eine Dame, die bei Hofe mißliebig geworden war, sollte aus Rußland entfernt werden. Sie verstand sich selbst dazu und zum Verzicht aus alle weiteren Ansprüche, wenn ihr die Kleinigkeit von 200 000 Rubeln in die Hand gedrückt werde. Der Unterhändler, der dann bei der Dame erschien, drückte die Abiindungssumme aus 120 000 Rubel hinunter. Nikolaus II. stimmt zu und gibt deni Unterhändler eines der berühmten Zettelchen mit, in dem Herr Kokowzew als Finanzminister angewiesen ivird, kurzerhand 120000 Rubel anszuzahlen. Kokowzew ivußte nicht, daß mit dieser Summe eine dem Hose nnbeouem gewordene Dame abgesunden werden sollte, und war der Mei- itung, daß solche Zahlungen jedenfalls nicht aus dem Staatssäckel, sandern aus der P r i v a t s ch a t u l l e des Kaisers zu ersolgen haben. Er stellte sicki deswegen zunächst so, als zweifle er an der Echtheit des Zettelckiens, nahm beim Zaren Audienz und sragte: „Aus welchen Mitteln befehlen Majestät dann, daß diese Ausgabe gedeckt wird?" — „Aus welchen Mitteln?" — „In, denn gewöhnlich werden solche Ausgaben von der Privalschatutte Eurer Maejstät bestritten." Väterchen Zar soll ein sehr verdutztes Gesicht gemacht, dann aber rasch gesagt
haben: „Natürlich aus meiner Privatschatulle". .Herr Motoiu- zew hat durch dieses kluge Manöver zweifellos dein Staate einen Dienst erwiesen. Er hat Rußland davor bewahrt, das; es in Zukunft die Liebesabenteuer der Großfürsten mit baren, Gelbe bezahlen must. Sich selbst aber hat der Minister zweitel- los keinen Gefallen getan, er siel nämlich damals zum erste» Male in Ungnade.
Und nun der zweite Fall, der Herrn Kokowzeiv die M i nisterpräsidentschaft kastele: Die mastgebenden Hos- kreise Petersburgs wünschen seit einiger Zeit eine außergesetzliche Abänderung der Verfassung, ja es sind bereits Vorarbeiten für einen Entwurf der von hoher Seite gewünsch ten Abänderungen der Grundgesetze im Gange. Nun flatterte neulich wieder ein Zettelchen unter die Papiere Kokowzews, worin es hiest, es werbe nicht für richtig erachtet, daß sich der Zar bei der Sanktionierung der von der Reichsduma und deni Reichsrat angenommenen Gesetze an die Ansicht der Mehrheit zu halten habe, es müsse viel inehr dern Beliebe» des Zaren anheimgestellt bleiben, auch die Meinung der Minderheit Gesetz werden zu lassen. Herr Kokowzew bedeutete an entsprechender Stelle, das sei doch unmöglich. Aber wieder kam ein Zettelchen geflogen, er solle sich die Sache doch lieber überlegen. Kurz daraus eine neue Anfrage, ob er jetzt Wege und Mittel gesunden habe, die geltenden Gesetze den geäußerten Wünschen entsprechend nbzu- ändern. Kokowzew konnte nur sei» Bedenken wiederholen. Und was war die Folge? Die Nationalisten legten dem Zaren gleich eine ganze Denkschrift aus den Schreibtisch, die sich gegen den Ministerpräsidenten wandte und die Ansicht bekämpfte, daß Rußland polilischer Reformen bebiirfe; die Volksvertretung, in der nur leere Worte gedroschen würden, habe keine V-rechtigung, da die Masse der Bevölkerung sich ja doch nicht für Politik interessiere. Inspiratoren der Denk- lchrist waren nie sog, Reidhardtgruppe im Reichscal irnd die Anhänger Chwostoivs, des Führers der extremen Rechten tu der Duma, Diese Denkschrist gab Herrn Kokowzew een Rest.
Ehre seinem langeit Widerstand! Er hat durch sein stand hastes Widerstreben gegen die inächligen Einflüsse der Hof- kreise, denen sich auch einst Slolstpin so manches Mal ent- gegenstemte, dem Zaren gewiß einen großen, selbstlosen Dienst erwiesen, Kokowzew gebt als »mischiedener Gegner je der willkürlichen Aenderililg der bestehenden Grnndgesetze, ja als ei» Freund öfter möglichen und vernünftigen Re'armen. Wenn Herr Gorcmykin, der Nachfolger Kokowzews dem Träitgen der Hochgestelllen und Mächtigen nachgeben und den Versuch wagen sollte, eine Verfassungsänderung ditrchzusühren, die einem Staatsstreich gleich käme, so wirb für das russische Reich eine neue ernste und schwere Zeis anbrechen.
Kokolvtzows Rücktritt wird, der „Birschewijc Wiedo- mofti" zufolge, amtlich damit begründet, daß das industrielle Leben Rußlands in dcn letzten Jahren eine Entwickelung angenommen hat, welche eine Bereinigung der Pflichten des Finanzministers mit dem Amt des Mincstcrvräiidenten nicht zuläßt. Daher wurde cs für notwendig erkannt, die beiden Acmter zu trennen. Außerdem wurde beschlossen, an die Spitze des Finanzministeriums eine energische und jüngere Persönlichkeit zn stellen, io wie es Berk ist. Tie Ernennung Cerempkins zum Ministcrpräßdenten wurde !ür nolwcndig gehalten, um die Tätigkeit der Regierung zu vereinheitlichen. Kokowtzvw wurde für seine Arbeit besondere Tanlbarkeil gnsgeiprochen. — „Wctscherna Wrcmja" erfährt, daß Äokowtzow gestern nachmittag ein Handschreiben erhalten hat, in dem daragrt hingewiescn wird, daß die Gesundheit des Ministerpräsidenten erschüttert und es unter den gegenwärtigen Umständen schwierig für ihn fei, seine srnchtbringende Tätigkeit als
Leiter der russischen Politik sortzusetzen. Ter Brief ist^in gnädiger Form abgesaßt. Zuverlässige Gerüchte befagcn, das; Sassanom vorläufig noch einige Zeit im Amte bleibt.
Ein kaiserlicher Erlaß an den neuen Finanz- IN i »i ft c r Berk erinnert an die persönliche» Beobachtungen des Kaisers während seiner jüngsten Reise, die cs dem Kaiser ermöglicht habe, die Lebensbedürfnisse der Bevölkerung dirclt kennen zu lernen. So sehr der Kaiser mit Genugtuung die produktiven Kräfte und die Arbeitskrast des Volkes seftstellte. io weist er dockt zn gleicher Zeit an! die traurige Tatsache der Schwäche und Armut und der tökononiischen Zerrüttung, die unleugbaren Folgen der Trunksucht sowie auch des Fehlens eines regelmäßigen und allen zugänglichen Kredits hi». Seit dieser Zeit hätten die Gedanken des Kaisers bei diesen Beobachtungen geweilt und er sei ichtießlich zn deni Entschluß gekommen, daß es dringend nötig sei. radikale Reiornien in der Finanzverwaltnng und im ökonomischen Leben des Landes durchzuiührcn Es sei unzulässig, die günstige Situation des Staatsscinitzes ans die Zerrüttung der moralischen und öko». nomischen .M reifte der großen Mehrheit der russischen Bürger zn gründen. Daher sei es von Wichtigkeit, Finanzpolitik in dem Sinne zu betreiben, Einnahmen gnsnndig z» tnachen, die her- rnhrten aus den nnerschövilichen Rcichtüniertl des Landes und der vroduklivcn Arbeit der Bevölkerung. Unter Wahrung eines vcrnünstigcil Sparsamkeitsprinzips müsse sich zugleich die Sorge, die produktiven Kräste des Landes zn verwahren, vereinen mit der Sorge, die Bedürfnisse des Volkes zu befriedigen. Tiefes seien die beabsichtigten Ziele der wünschenswerten Reform, von deren dringender Notwendigkeit der Kaiser überzeugt sei, nmsomchr, als er dabei ein lebhaftes Echo in den gesetzgebenden Kammern geßmden habe. Ter Kaiser erinnert Berk n» den Beginn seines Dienstes unter dem Finanzministcr B»chnegradskt> und beaustragt den neuen Minister mit der Berwirktichung der geplanten radikalen Reformen und verspricht ihm, noch ’ weitere Anweisungen zu geben.
Ten Gerüchten von einem Rücktritt des Kriegsministers wird im Kriegsministerium entschieden cntgnjcngctrctrn. Auch Saianow bleibe aus seinem Posten. Im Ministcriuni des Aeußern sagt man. daß die Taae des Ministers des Aeußern Sasianvw rcnlcr Gorswhkin gezählt seien. Als Rachiolgcr für ihn komnien in Bclracht der Wiener Botschafter Schebeko, Gicrs, und Hartwieg in Belgrad.
Deutschs» NeicL».
Ter Reichskanzler wird der Einladung des Senates von Hamburg cntivrechend in dcn ersten Tagen des März Hamburg besuchen.
Ein B c r c i n s g c s c tz für E l s a ß - L o t b r i n g c ». Laut Blättermcld ungen beabsichtigt die Reichsregierung dem Reichstage und’ in diesem- Jahre ein Gesetz über das Vereins und Dersammlungsrecht in Elsaß-Lothringen und einen Geietzcntwurl, der sich gegen die in französischer Sprache in dcn Reichslanden erscheinenden Zeitungen richtet, vorzulegen.
Jni Reichstage lind zwei neue. Anfragen gestellt worden. Tie Abgg. Tr Müller (Meiningen), v. Payer und Tr. Diemcr fragen an: Was gedenkt dar Herr Rerchslanzlcr zu tun, um die fortgesetzten schiveren Unglücksiällc aus dem Ft u g plo ne I o h a n n i s t ha l, der zur Ausbildung non Flieqeroiiiziercn in hervorragcndcnt Maße Verwendung iindct, durch entiprecheltde Maßregeln, insbesondere durch Verbeiserung der imgenügender Srart- und Landungsverhältnisse nm deni Flugplätze ;u verhüten? — Eine Anfrage der Abgg. Eolsborit und Freiherr von Schcle lautet: Tic Klagen sind allgemein, das; in Ausführung der Rkichsversichernngsordnung auch Eltern, die sich in durchaus gesicherten Vcnäögcnsvcrbäl'niiicn befinden, gezwungen werden sollen, ihre nur rm eigenen Betrieb: nntarbeitenden. bei ihnen wohnenden Kinder in den Landtrantenkasscn zu versichern. Man verlangt solches beispielsweise im Landratskreise Stolzenau Hannover- von wohlhabendem Hofbesitzern, die zur Wcbrsteu-'r hcrangczvgcn sind, oder fordert den Nachweis eines Barkapitals von mindestens dreitausend Mark für jedes betreffende Kind. Ta eine dcrarrige Handbabung der Reichsveriichernngsordnung int- scrcr Auffassung nach diesem Gesetze nicht entspricht, so richten
rinnst, Wissenschaft und Leben.
— Fvrschungsreis c in die Libysche Wüste, Ende Januar ist der Oricntgevgrapv Ewald Banse aus Braun- schwcig zu einer Forschungsreise in die Libpschc Wüste artige krochen. Wie wir „Petcrm. Mitt." entnehme», hat er die Expedition seit mehreren Jahren^ vorbereitet und alle in der Literatur verstreuten Notizen gesammelt, die von der Existenz alter Oasen. Wvlmstättcn, Karawanenstraßcn und Gebirge handeln. Aul Grund dieser Nackricküen gedenkt er vorzugehen. nm zur Ent- ichlercrung dieser größten Terra incognita der Erde (über zwei Millionen Ouad-raikilom.r beizutrage». Der erste Borstoß soll sich von Aegypten IN den Norden der Wtistc richten.
-—Tic ülcabernic francaisc hat gestern nachmittag drei neue Mitglieder gewählt. Bcrvildcrcs Interesse erweckte die Besetzung des durch den Tod des Mathematikers .Henry P o i n - e artz erledigten Sitzes, um dcn sich der trübere Ministerpräsident Lövn Bourgeois und der Lustspieldichtcr Alfred liitii-:- bewarben Die tonscroativen Blätter bekämpften leidenscktarllich die Kandidatur Bourgeois, der de» rcligionsfeindlickten Radikalismus vertrete, der bisher an der Akademie keinen Platz ge- fwibt höbe. Es wurden gewählt: der Dramatiker Alfred CapuS, der Historiker Pierre la G o r e c, der Philosoph Ber g s o n. Zur Wahl des Lustspieldichters tzllired Cavns ist noch zn melden, daß ei gleich im ersten Wahlgange mit >6 Stimmen gewählt wurde, während fein Gcgenkandldat, der frühere Ministerpräsident Bourgeois mir 13 Stimmen in der Minderheit blieb. Bei der Radikalere Partei hat die Niederlage Bourgeois pcinlickic Ueberraichung hervorgcrusen.
— Ern neuer Sprengstoff. Tcr Erfinder des Melinits, Eugene Turvi», hat in seinem an den Ufern der Ollis gelegenen Laboratorium einen neuen SvrcngstoN entdeckt, mit dessen Prüfung die sranzüiir'che Heeresverwaltung gegenwärtig be schäitigi ist und das gegenüber den bisher üblichen Spiengitatkcn und Azptolivpnlvern außerordentliche Vorzüge aurweijen roll. Ein Mitarbeirer des Petit Parisien bat den Erfinder in seiner Werk statt onsgesucht. Turpin verwahrt den Svrcngstoit in Glastuben: in Gegenwart des Besuchers brannte er einige K örner der dunkel- braunen Massr ab: cs entwickelte sich eine helle weiße Flamme, die ungewöhnlich schnell und ohne jede Ranärcniwicklung verdampfte. Nach den Ausführungen Turvins übcrtrisst das von ibm erfundene neue Pulver, deiicn ännniichc Zurammenietzung er begreiilicherweire grheim ball, alle bisher gekannten Pulverarten an Haltbarkeit und Widcrstandskrait. Tas Prävarat enthält keinerlei Nitr»»Zellulose. Erst bei Temocraturen von 350 Grad E. wird cs entilanmtbar, während das bisher in der iranzölrlckten
Armee und Manne verwendete berüchtigte P.Pnlvcr bereits he, 35 Grad Explosionssähigkeit auiwies. Turpins neues Pulver hi,»erläßt in dnn Lauf voll .Klcinserierwarscn kcinerle, scttcgc Rückstände, dabei lind dre ballistiickrcn Leistungen ,ums,West ebenso hoch Ivie bei dcn biSiier verwendeten Pulverarten, ja rplährschein- >,ch höher gulir Füllen von Patronen und Artilleriekartu,ck>.-n benötigt man eine etwas größere Menge des neuen Pulvers, dainr -her ist es im Gegensatz zu den lnsberrgen Lorrcn ,» der Hentellung ungleich wohlfeiler: die Envarms beträgt rund
33 Prozeß, Turvin äußerte, er halte cs für einen Felstgri», in der Herstellung von Pulver noch weiter settbaltrgc 'ihtrate verwenden üaS einzige wirklich dauerbastc Pulver muß nach seiner Ansicht' aus den gromatiickwn Abarten der Nitrate qe- woiincn werden Solange die iranzöllschc Regierung reck über bu- Erwerbuna des Irenen Pulvers nickt entschieden l>at, will Turpin seine Erfindung keiner srcmden Macht anbictcn. Tnrpiil war cs auch der vor 12 Jahren das sogen. Truntrotolen erfand dessen Ö!cl>civnis verraten wurde. !v daß heute artvenoanote Pulver unter anderen Raine» in fast allen Ländern hcrgcstcllt werden. „TaS neue Pulver aber,'- erklärte der Erßndcr, „lst in Zuscrmnrcnsetzung und Autbarl ganz anderer Art. '
E i il c unterseeische Gasversorgung Tie »vr- wcqische Stadt Krislianssund verfügt über eine Gasleitung, die in der zanzen Welt lvohl laziat ihr Scrtenstück haben dürste: sie ist ziemlich lang und verlänit zum großen Teile unter Wasser, Anders hat sie Ivegcn des Baues der Stadt nicht angelegt Ivcrden können T>e Stad: ist nämlich in viel Teile geteilt, die ar» Inseln weit draußen im Meere liegen. Bor einigen Jahren dat man nun mit der Anlage des Gaswerkes begrDnen. Es ist an der Tee gebaut und verfügt über eine Komprerrionsstation für die Fcrnverlorgnng. Tic Fernleitung hat nach den „Narnrwirien- schartcn" Verlag von Julius Springer, Berlin eine Länge von cnna l Klnr.: 2 Klm. davon lind ohne Anbohrung und der Hauptleil der Fernleitung liegt unter der Tee. Es versteht sich von leibst, daß an die Dichtheit dieser Leitung lrohe Anivrderun- acn gestellt lverdcn, damit keiu ÄaS entweichen und kein Walser eiüdlingcn kann. Die dcn Südlund duichaucrendc Leitung liegt mit ihrem ticfften Punkte 26 Mir. unter Waster. Aus diesem Grunde rnußte dafür gesorgt tvcrden, daß das Gas beim Eintritt in die Leitung vollständig frei von kondenlierbarcir Bestandteilen ist Alle kvndcnlierbarcn Twsse werden gerammelt, che die Leitung ins Wairer tritt. Zur Herstellung der Lcitnng unter Wajser lind gewalzte Manncsmann-Röhren von 10 Mir. Länge verwen- dcc, die mit Rohrmnisen zuiammengeschraubt lind. Die Rohre wurden anr icdcm User nach dem Sdrairdprosrl qesormt, und die Leitung wurde einer Druck- und Tichtigkeitsprüfnng nntcr-
wvrscn, che sie ins Wasser gebracht wurde. Bisher lind nicht die geringsten Störungen vorgckonrmeit.
— A u s den Gcschästspapieren eines a l t p e r •
l I l che n H a n d e l s ha n s c s. In Schessels „Schlvarzem Walfisch zn Ascalon" wild bekanntlich dem uncriniidlichen Zecher die Rechnung „in Krilichrist aus 12 Ziegelstein'" dargercicht. Ein wirkliches Leitenstück zn dicicr drolligen Tichlerpbanlalie hat die nniicnrckßitllichc Ervedition der Pcnniylvania-Univeriität entdeckt, die die Ruinen der altverinchen Stadt Rippert erforscht hat. Sie Hai nämlich dorr eine Reihe von Tontäielcheii gesunden, die die Gcschäitspavicrc eines hervorragenden altpcrsisck»en .Handels- Hauses darstellc». Ten Geschäftszweig des .Hauses bildete der Handel mit Juwelen, Perlen und ähnlichen Kostbarkeiten, sowie, auch An- und Verkant von Grundstücken, und cs geht aus dem Texte der gefundenen Tonraseln hervor, das; die Firma zur Zeit eines Königs Artaxerxcs tätig war. Ta cs drei Könige dieses Namens gab, so ist damit die Zeit des Fundes durch die Jalrre 164 und 336 v Ehr. begrenzt. Tie Täfelchen cnthalwn vericknc- dene Gcschäitsvcrträge des Hauses. Einer dieser Verträge hat salzenden Wortlaut: Bkl-ad-id-inna und Bel chonna. Söhne des Bel-el-Hatina aus Bnzunu gehen devl Bel-Nadin-Chnmu gegen über folgende Vervilichrnng ein: bezüglich ücS goldenen mit
einem Saphir verzierte» Ringes, gnranticren wir, daß der Stein ilch von dem Ringe in der Zeit von 20 Jahre» nicht lösen lvird. Wenn er Trüber hcrausiallcn sollte, so^werden wir der» Bel- Nadin-Ehumu zur Entschädigung zehn Silberstiickc zahlen."
..Ter Z n v ig ei g cn h a n s l." TaS banerifchc .Kultus- ininistcrinm hat, wie die München-Augsburger Abendzeitung mel- ici, das in mehr als 130 000 Exemplaren beionder-S unter der Wan- dervogcltngend verbreitete PolkSlicderbuch „Ter Zuvigeigenhansl" an dcn bayerischen höheren Lehranstalten verboten. Tas Liederbuch buch gilt nach dem Urteil sachverständiger Plldagogen als eine der besten Sammlungen des deutschen Volkslicdcrschatzcs.
— Ein Stilkünstler. In, „Badener Tageblatt" Rr. 2K
v. 4. d. MO sagt ein Schlosscrmcister Tank für Rettung bet einem llnialt. Sein deutscher Stil scheint aber doch etwas gelitten zn haben, denn er sckgreibt: „Für die rasche Hilfe ^uüd das B- mühen des Herrn Hernrcmn Keller, Restaurant ^Schloß Hoben baden, sowie seinem Pcnonal und der cisrigen Sanitätskolonne, insbesondcre der liebevollen Verpflegung im städt. Krankcnhausc (bei nicincin Unfall am 27. Trzcmber v. I. verursacht durch eine vom Sturm abtzeknickte. mich aetrvsfene Tanne , welche zu meiner raschen Genciung Vieles beite, . fpredjc ich aus diesem Wege meinen besten Dank aus." - <


